Setzt klare Korrekturen aus erster Korrekturrunde um
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c90de4be18
@ -12,7 +12,7 @@ Der Praxisbetrieb ist ein stationäres Sonderschulheim mit einem kantonalen Leis
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# Infrastruktur und Standort
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Der Betrieb befindet sich in einem Wohnhaus mit Nebenräumen und Aussenfläche, eingebettet in ein Wohnquartier am Waldrand. Zur Infrastruktur gehören Wohnbereich, Schulräume, Therapieräume, Atelier und Büros. Die städtische Infrastruktur ist gut erreichbar.
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Der Praxisbetrieb befindet sich in einem Wohnhaus mit Nebenräumen und Aussenfläche, eingebettet in ein Wohnquartier am Waldrand. Zur Infrastruktur gehören Wohnbereich, Schulräume, Therapieräume, Atelier und Büros. Die städtische Infrastruktur ist gut erreichbar.
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# Team
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@ -7,7 +7,7 @@ footnote: "📚 Realitätsausschnitt, Ressourcenorientierung und soziale Dimensi
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# Auftrag
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Im Bericht des schulpsychologischen Dienstes wird festgehalten, dass Leny den Schulstoff in der Regelklasse nicht altersgemäss erarbeiten konnte. Die Lehrperson beschrieb Konzentrationsschwierigkeiten, extreme Müdigkeit im Unterricht und die erkennbaren Sorgen Lenys um seine Mutter. Ein erhöhter Betreuungsbedarf wurde geprüft. Der bereits länger involvierte schulpsychologische Dienst wies eine Behinderung im Sinne einer erheblichen sozialen Beeinträchtigung aus und geht von einer Posttraumatische Belastungsstörung aus und empfahl die Platzierung in einem Sonderschulheim. Die Mutter stimmte dieser Empfehlung zu.
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Im Bericht des schulpsychologischen Dienstes wird festgehalten, dass Leny den Schulstoff in der Regelklasse nicht altersgemäss erarbeiten konnte. Die Lehrperson beschrieb Konzentrationsschwierigkeiten, extreme Müdigkeit im Unterricht und die erkennbaren Sorgen Lenys um seine Mutter. Ein erhöhter Betreuungsbedarf wurde geprüft. Der bereits länger involvierte schulpsychologische Dienst wies eine Behinderung im Sinne einer erheblichen sozialen Beeinträchtigung aus und geht von einer Posttraumatische Belastungsstörung aus und empfahl die Platzierung in einem Sonderschulheim. Die Kindsmutter stimmte dieser Empfehlung zu.
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Die Obhut und das Sorgerecht hat die Kindsmutter inne. Für Leny besteht eine Beistandschaft (Art. 308 ZGB).
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@ -15,13 +15,13 @@ Der Auftrag im Praxisbetrieb besteht darin, Leny in seiner persönlichen, schuli
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# Vorgeschichte
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Leny ist das älteste Kind der Familie. Er lebte einige Jahre mit seiner Mutter im Ausland beim Vater. Die Eltern trennten sich in seiner frühen Kindheit. Von der Mutter erfuhr ich, dass diese Zeit schwierig war und von Gewalt geprägt war. Mit Unterstützung ihrer Eltern kehrte sie mit Leny in die Schweiz zurück.
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Leny ist das älteste Kind der Familie. Er lebte einige Jahre mit seiner Mutter im Ausland beim Vater. Die Eltern trennten sich in seiner frühen Kindheit. Von der Kindsmutter erfuhr ich, dass diese Zeit schwierig war und von Gewalt geprägt war. Mit Unterstützung ihrer Eltern kehrte sie mit Leny in die Schweiz zurück.
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Seither lebt Leny bei seiner Mutter. Aus Akten, Gesprächen mit der Mutter, Lenys Erzählungen und Beobachtungen im Alltag wurde für mich sichtbar, dass die familiäre Situation über längere Zeit belastet war. Leny hat drei Geschwister aus verschiedenen Partnerschaften der Mutter. Alle partnerschaftlichen Beziehungen der Mutter waren und sind von Gewalt geprägt. Die Mutter war mit den Anforderungen des Alltags, der Betreuung der jüngeren Geschwister und den partnerschaftlichen Konflikten erheblich belastet. Heute lebt Leny mit seiner Mutter, deren Partner und seinen Geschwistern im gemeinsamen Haushalt. Die Beziehung zum Partner der Mutter beschreibt er ambivalent.
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Seither lebt Leny bei seiner Mutter. Aus Akten, Gesprächen mit der Kindsmutter, Lenys Erzählungen und Beobachtungen im Alltag wurde für mich sichtbar, dass die familiäre Situation über längere Zeit belastet war. Leny hat drei Geschwister aus verschiedenen Partnerschaften der Kindsmutter. Alle partnerschaftlichen Beziehungen der Kindsmutter waren und sind von Gewalt geprägt. Die Kindsmutter war mit den Anforderungen des Alltags, der Betreuung der jüngeren Geschwister und den partnerschaftlichen Konflikten erheblich belastet. Heute lebt Leny mit seiner Mutter, deren Partner und seinen Geschwistern im gemeinsamen Haushalt. Die Beziehung zum Partner der Mutter beschreibt er ambivalent.
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Leny ist in ein grosses familiäres und freundschaftliches Netzwerk eingebunden. Er erzählt häufig, was er mit Verwandten und Freunden unternimmt. Die Grosseltern mütterlicherseits leben in unmittelbarer Nähe und leisten viel Entlastungsarbeit im Familienalltag. Auch die Geschwister der Kindsmutter sind wichtige Bezugspersonen für Leny. Zu einer Tante väterlicherseits hat er ebenfalls stabilen Kontakt und verbringt dort immer wieder Ferien. Leny hat viele Freunde. Viele dieser Freundschaften bestehen seit früher Kindheit. Während der Woche vermisst er diese zeitweise.
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Nach der Rückkehr in die Schweiz besuchte Leny den Kindergarten. Die Mutter beschreibt diese Zeit als schwierig. In der öffentlichen Primarschule wurde er als beliebtes Klassenmitglied beschrieben. Es zeigte sich eine schulische Überforderung (siehe Abschnitt Auftrag). Im Unterstützungsprozess wurde der Mutter eine Platzierung Lenys nahegelegt, damit Leny entlastet werden konnte und sich der Alltag zuhause stabilisieren konnte. Dies gelang bis heute nur teilweise. Seit Anfang 2025 lebt Leny im Wocheninternat.
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Nach der Rückkehr in die Schweiz besuchte Leny den Kindergarten. Die Kindsmutter beschreibt diese Zeit als schwierig. In der öffentlichen Primarschule wurde er als beliebtes Klassenmitglied beschrieben. Es zeigte sich eine schulische Überforderung (siehe Abschnitt Auftrag). Im Unterstützungsprozess wurde der Kindsmutter eine Platzierung von Leny nahegelegt, damit er sich entlasten und altersgemäss entwickeln kann. Dies gelang bis heute nur teilweise. Seit Anfang 2025 lebt Leny im Wocheninternat.
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Im Praxisbetrieb lebte sich Leny rasch ein und schloss Freundschaften. Zu Beginn wurden positive Entwicklungen wahrgenommen, nach den Sommerferien teilweise wieder Rückschritte. In der Förderplanung verschob sich der Fokus im Verlauf von Ordnung über Aufmerksamkeit und Präsenz hin zur Orientierung im Tages- und Wochenablauf.
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@ -29,7 +29,7 @@ Im Praxisbetrieb lebte sich Leny rasch ein und schloss Freundschaften. Zu Beginn
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Leny ist Anfang dieses Jahres 12 Jahre alt geworden. Er ist ein Junge mit altersgemässem, eher robustem Körperbau und wirkt gepflegt.
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Die Mutter beschreibt Leny in Gesprächen als herzlich und gutmütig. Im Alltag auf der Wohngruppe fallen dem sozialpädagogischen Team seine Freundlichkeit und sein Humor auf. In 1:1-Situationen gelingt die Zusammenarbeit mit Leny gut, und er geniesst diese Settings. Er hilft gerne mit, etwa in der Küche, und setzt in freien Förderstunden kreativ eigene Ideen um. Leny verfügt über ein gutes Körperbewusstsein und lernt Bewegungsabläufe schnell, zum Beispiel beim Skifahren oder Fechten. Neuem begegnet er offen und neugierig. Konflikte mit anderen Kindern kann er teilweise selbständig klären.
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Die Kindsmutter beschreibt Leny in Gesprächen als herzlich und gutmütig. Im Alltag auf der Wohngruppe fallen dem sozialpädagogischen Team seine Freundlichkeit und sein Humor auf. In 1:1-Situationen gelingt die Zusammenarbeit mit Leny gut, und er geniesst diese Settings. Er hilft gerne mit, etwa in der Küche, und setzt in freien Förderstunden kreativ eigene Ideen um. Leny verfügt über ein gutes Körperbewusstsein und lernt Bewegungsabläufe schnell, zum Beispiel beim Skifahren oder Fechten. Neuem begegnet er offen und neugierig. Konflikte mit anderen Kindern kann er teilweise selbständig klären.
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Die Mutter berichtet, dass sie Leny auf Appelle hin häufig nicht erreicht. Lehrpersonen beschreiben weiterhin Konzentrationsschwierigkeiten und einen erhöhten Begleitbedarf im Unterricht. Im Alltag zeigt sich, dass Leny rasch den Überblick verliert, Dinge vergisst und klare Anleitung braucht. Leny selbst sagt in solchen Situationen häufig "ich weiss nicht" oder "ich habe es vergessen". Bei Konflikten zieht er sich eher zurück. Er äussert zudem, dass er "Ämtli" nicht gerne erledigt. Wut und andere belastende Gefühle zeigt er kaum und lehnt es teils auch ab, ihnen Ausdruck zu geben.
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@ -6,7 +6,7 @@ hint: "Wähle einen zweiten Wissensbestand/Theorie als «Scheinwerfer» für die
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footnote: "📚 Zweiter Theorierahmen für vertiefte Fallanalyse"
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Wilma Weiss vertritt eine traumapädagogische Sichtweise, die vom guten Grund des Verhaltens ausgeht und auf Selbstbemächtigung zielt (Weiss, 2024). Sie hält dazu an, Verhalten zuerst zu verstehen, bevor es vorschnell verändert wird. Die Würdigung einer entwickelten Strategie kann Stress verringern und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Die Einordnung als normale Reaktion auf belastende Situationen kann von Schuld und Scham entlasten (Weiss, 2024, S. 120-121, 142). Bei Leny haben Vergessen, Ausweichen und Orientierungsschwierigkeiten einen guten Grund und können als sinnvolle Reaktionen auf seine Belastungen verstanden werden.
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Wilma Weiss vertritt eine traumapädagogische Sichtweise, die vom guten Grund des Verhaltens ausgeht und auf Selbstbemächtigung zielt (Weiss, 2024). Sie hält dazu an, Verhalten zuerst zu verstehen, bevor es vorschnell verändert wird. Die Würdigung einer entwickelten Strategie kann Stress verringern und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Die Einordnung als normale Reaktion auf belastende Situationen kann von Schuld und Scham entlasten (Weiss, 2024, S. 120-121, 142). Bei Leny können Vergessen, Ausweichen und Orientierungsschwierigkeiten einen guten Grund haben und als sinnvolle Reaktionen auf seine Belastungen verstanden werden.
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Häusliche Gewalt bedeutet für Kinder eine starke Belastung. Kinder verzichten oft darauf, ihre Gefühle auszudrücken, um die Mutter nicht zusätzlich zu belasten. Sie übernehmen Verantwortung, fühlen sich schuldig und haben Angst um die Mutter, um sich selbst und um die Zukunft (Weiss, 2024, S. 42). Lenys Sorgen um die Mutter und die Geschwister stehen stärker im Ausdruck seiner belasteten Lebenssituation zuhause. Weiss verweist dabei auf Kavemann und Kreyssig (2013). Miterlebte Partnergewalt wird mit Beeinträchtigungen in Entwicklung, Beziehungsgestaltung und Selbstregulation in Verbindung gebracht. Die Bedrohung einer engen Bezugsperson erzeugt bei Kindern erheblichen Stress. Im beschriebenen Wutanfall zeigte sich, wie lange Leny seine Gefühle nicht ausdrücken konnte, weil er seine Mutter nicht zusätzlich belasten wollte. Wenn er nach einem belasteten Wochenende zu uns kommt, ist sein Stress sichtbar erhöht, er hat kaum Kapazität für Konzentration, ist müde, möchte schlafen, sagt, er habe Heimweh, und ist häufig nicht ganz gesund. So werden die Folgen der miterlebten häuslichen Gewalt bei Leny greifbarer.
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@ -6,7 +6,7 @@ hint: "Beschreibe, wie du die erklärenden Hypothesen mit Leny und weiteren Bete
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footnote: "🤝 Zeige, wie kooperatives Prüfen die Diagnose absichert und schärft."
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Zu Beginn der Diagnose führte ich mit der Leitung, der Therapie und Lenys Psychologin Gespräche zur Suche nach passenden Theorien. Meine Theorien und meine Fallbezugüberlegungen brachte ich fortlaufend in die wöchentlichen Kinderbesprechungen im sozialpädagogischen Team ein. Wir prüften, ob diese die Fallthematik erhellten, Mehrwert enthielten und eine handlungsleitende Richtung erkennen liessen. Ich überlegte mir, wie Leny die Theorien vermittelt werden könnten, erstellte Bilder und entwickelte daraus einen Präsentationsfilm.
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Zu Beginn der Diagnose führte ich mit der Betriebsleitung und Lenys Psychologin Gespräche zur Suche nach passenden Theorien. Meine Theorien und meine Fallbezugüberlegungen brachte ich fortlaufend in die wöchentlichen Kinderbesprechungen im sozialpädagogischen Team ein. Wir prüften, ob diese die Fallthematik erhellten, Mehrwert enthielten und eine handlungsleitende Richtung erkennen liessen. Ich überlegte mir, wie Leny die Theorien vermittelt werden könnten, erstellte Bilder und entwickelte daraus einen Präsentationsfilm.
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Leny war über sieben Wochen wegen Krankheit, Ferien und einer Reise nicht bei uns. Die direkte Validierung der Diagnose mit ihm war in dieser Phase deshalb nicht möglich. Die Kindsmutter war in dieser Zeit nicht erreichbar, und mit der Beiständin konnte wegen ihrer Abwesenheit auch kein Gespräch stattfinden. So musste ich auf der Fachebene weiterführen. Im Leny-Bezugspersonenteam und im Team Sozialpädagogik brachte ich meine Deutungen ein, zeigte den Film, stellte fachliche Fragen und tauschte mich über die erklärenden Hypothesen aus. So wurden handlungsleitende Arbeitshypothese und Fragen für die Fachleute weiter geschärft.
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