From a0baeedbd081a05ace3ca51d93661d9c5650b0ad Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: KPG Mentor Date: Sun, 8 Mar 2026 12:49:17 +0000 Subject: [PATCH] Migriere bestehende Benutzertexte aus Fall 2024-003 in die neue Struktur von 2026-001 ohne inhaltliche Umschreibungen --- 010-introduction/02-introduction-text.md | 10 ++ 020-organizationalContext/02-context-text.md | 10 ++ 030-kpgExplained/03-kpg-text.md | 3 +- 040-situationAssessment/05-situation-text.md | 125 ++++++------------ 050-analysis/04-analysis-einleitung.md | 2 + 050-analysis/05-analysis-methode-1.md | 5 + 060-diagnosis/04-diagnosis-einleitung.md | 2 + 070-goalSetting/02-goals-einleitung.md | 2 + .../03-planning-einleitung.md | 2 + 9 files changed, 72 insertions(+), 89 deletions(-) diff --git a/010-introduction/02-introduction-text.md b/010-introduction/02-introduction-text.md index ec014a7..d173fc0 100644 --- a/010-introduction/02-introduction-text.md +++ b/010-introduction/02-introduction-text.md @@ -7,19 +7,29 @@ footnote: "📝 Einleitung rahmt die Arbeit — Aufgabe, Ziel, Vorgehen, Datensc --- ***Aufgabenstellung und Übersicht*** +Im Rahmen meines Studiums Sozialpädagogik HF verfasse ich diese Facharbeit als promotionswirksamen Kompetenznachweis *"Exemplarische Prozessgestaltung (EPG)"*. Ich dokumentiere darin die methodengeleitete Gestaltung eines sozialpädagogischen Begleitprozesses anhand eines ausgewählten Falles aus meiner Praxis. + +Nach der Einleitung folgt die Darstellung des organisationalen Kontextes meiner Praxisinstitution. Im Hauptteil werden die Prozessschritte Situationserfassung, Analyse, Diagnose, Zielsetzung und Interventionsplanung systematisch erarbeitet. Die Arbeit endet mit einer fachlichen Reflexion des Gestaltungsprozesses. ***Ziel der kooperativen Prozessgestaltung*** +In der vorliegenden EPG erarbeite ich die ersten fünf Prozessschritte der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG). Die Arbeit schliesst mit einer fachlichen Reflexion des gesamten Begleitprozesses ab. Grundlage bildet das Lehrbuch *"Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit"* von Hochuli Freund und Stotz (2021), an dem sich Aufbau und methodisches Vorgehen orientieren. +Ziel der vorliegenden KPG ist es, die methodengeleitete Gestaltung eines sozialpädagogischen Begleitprozesses anhand des Falles *"Leny"* nachvollziehbar darzustellen und fachlich zu reflektieren. ***Praxiskontext und eigene Rolle*** +In meinem Ausbildungspraxisbetrieb arbeite ich als Sozialpädagogin auf einer Wohngruppe eines stationären Sonderschulheims. Das Angebot richtet sich an Primarschulkinder mit erheblichen psychosozialen Beeinträchtigungen, die im Wocheninternat leben und interdisziplinär begleitet werden. + +Ich trage die Verantwortung für die sozialpädagogische Prozessgestaltung im Alltag. Dazu gehören Bezugspersonengespräche, interdisziplinärer Austausch und Koordination sowie die Funktion als Ansprechperson für die Eltern. Zudem verantworte ich die sozialpädagogische Förderplanung, bereite Kinderbesprechungen und Standortgespräche vor und dokumentiere den Prozessverlauf in Berichten. ***Begründung der Fallauswahl*** +Als Bezugsperson verantworte ich die sozialpädagogische Förderplanung des Kindes. Die im Alltag wiederkehrenden Themen zeigen sich über verschiedene Situationen hinweg und betreffen mehrere Lebensbereiche. Ich nutze diese Arbeit, um meine Begleitung methodisch zu vertiefen und die Förderplanung fachlich differenzierter zu begründen. ***Anonymisierung*** +Sämtliche personenbezogenen Daten sind anonymisiert. Das Kind wird unter dem Pseudonym *"Leny"* geführt. Weitere beteiligte Personen werden über ihre Funktion bezeichnet (z. B. Kindsmutter, Lehrperson, Psychologin, Arzt). Die Organisation wird als Praxisbetrieb bezeichnet. Die sprachliche Gestaltung erfolgt gemäss APA (7. Aufl.) geschlechtersensibel: Ist das Geschlecht bekannt, wird die entsprechende Bezeichnung verwendet, ansonsten eine geschlechtsneutrale Form. diff --git a/020-organizationalContext/02-context-text.md b/020-organizationalContext/02-context-text.md index 4f137a4..bcdd505 100644 --- a/020-organizationalContext/02-context-text.md +++ b/020-organizationalContext/02-context-text.md @@ -7,11 +7,21 @@ footnote: "🏢 Max. ½ Seite — nur das Relevante für das Fallverständnis" --- ***Organisation und Zielgruppe*** +Der Praxisbetrieb ist ein stationäres Sonderschulheim im Rahmen einer Stiftung und richtet sich an Primarschulkinder mit erheblichen psychosozialen Belastungen. +Das Angebot umfasst ein Wocheninternat mit interner Sonderschulung sowie therapeutischer Begleitung. Es werden maximal neun Kinder betreut. Die Aufnahme erfolgt über zuweisende Behörden oder Fachstellen. Die Aufenthaltsdauer beträgt in der Regel ein bis zwei Jahre. Wochenenden und ein grosser Teil der Schulferien verbringen die Kinder im Herkunftssystem. Ein Eintritt erfolgt nach einer fachlichen Abklärung sowie einer entsprechenden Indikation durch eine zuweisende Instanz. +Der Betrieb ist in einem grossen Wohnhaus mit Nebenräumen und Aussenfläche, eingebettet in einem Wohnquartier direkt am Waldrand. +Das interdisziplinäre Team setzt sich zusammen aus Sozialpädagogik, Schule (Lehrpersonen, Klassenassistenz, Heilpädagogin, Werklehrerin), Therapie (Psychiater – Leitung Therapie – sowie zwei Psychologinnen), Hauswirtschaft (Küche, Reinigung, Unterhalt und Umgebung) sowie der Betriebsleitung. +Grundlage der pädagogischen Arbeit ist ein systemischer, lösungsorientierter Ansatz. Regelmässige Teamsitzungen, interdisziplinäre Besprechungen, Supervisionen und Weiterbildungen sichern die fachliche Qualität. ***Auftrag*** +Der Auftrag richtet sich nach der Indikation und wird individuell festgelegt. Eine Platzierung erfolgt, wenn im schulischen Umfeld und/oder im Herkunftssystem eine Überforderung besteht und ambulante Angebote nicht mehr ausreichen. +Die Organisation bietet einen stationären sozialpädagogischen, therapeutischen und sonderschulischen Rahmen. Ziel ist es, die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten, ihre Ressourcen zu erkennen und zu stärken sowie neue Verhaltensmuster einzuüben. +Sozialpädagogik, Schule und Therapie arbeiten dabei eng zusammen. Die Bezugspersonen des Herkunftssystems werden in den Prozess einbezogen. +Der Auftrag des sozialpädagogischen Teams besteht im Erlernen und Festigen alltagspraktischer Basiskompetenzen sowie in der Unterstützung einer altersgemässen Entwicklung. ***Eigene Rolle / Funktion*** +Ich trage die Verantwortung für die sozialpädagogische Prozessgestaltung im Alltag. Dazu gehören Bezugspersonengespräche, interdisziplinärer Austausch und Koordination sowie die Funktion als Ansprechperson für die Eltern. Zudem verantworte ich die sozialpädagogische Förderplanung, bereite Kinderbesprechungen und Standortgespräche vor und dokumentiere den Prozessverlauf in Berichten. diff --git a/030-kpgExplained/03-kpg-text.md b/030-kpgExplained/03-kpg-text.md index f5aca2d..876e69c 100644 --- a/030-kpgExplained/03-kpg-text.md +++ b/030-kpgExplained/03-kpg-text.md @@ -5,4 +5,5 @@ title: "Einführung KPG" hint: "Beschreibe die KPG in eigenen Worten als Orientierungsmodell für professionelles Handeln. Zentrale Punkte: (1) KPG als generalistisches, methodenintegratives Konzept (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 154), (2) die zwei Hauptphasen (analytisch-diagnostisch und Handlung) mit 7 Prozessschritten (S. 145), (3) das Modell als «idealtypische Denkstruktur» – nicht als starres Schema (S. 147), (4) Zirkularität: Rückbezug und Neustrukturierung bei neuen Erkenntnissen (S. 148), (5) Kooperation mit Klient*innen und Fachpersonen als Kernprinzip (S. 146), (6) «erst verstehen, dann handeln» – verstehender Zugang als Basis (S. 20). Schreibe ca. ½ Seite in eigenen Worten – zeige dein Verständnis, nicht nur Buchwissen. Ein kurzer Hinweis, wie du das Modell in deinem Fall anwendest, rundet das Kapitel ab." footnote: "✍️ KPG-Definition, Prozessmodell, Denkstruktur, Zirkularität und Kooperation" --- - +Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG) +KPG steht für Kooperative Prozessgestaltung und beschreibt einen methodengeleiteten, kooperativen und zirkulären Begleitprozess in der Sozialen Arbeit. Der Prozess umfasst die Schritte Situationserfassung, Analyse, Diagnose, Zielsetzung, Interventionsplanung, Intervention und Evaluation und wird unter Einbezug der Perspektiven der betroffenen und beteiligten Personen gestaltet. diff --git a/040-situationAssessment/05-situation-text.md b/040-situationAssessment/05-situation-text.md index db6dead..38243dd 100644 --- a/040-situationAssessment/05-situation-text.md +++ b/040-situationAssessment/05-situation-text.md @@ -7,112 +7,61 @@ footnote: "📚 Realitätsausschnitt, Ressourcenorientierung und soziale Dimensi --- ***Auftrag*** -Der Auftrag richtet sich nach der Indikation und wird individuell festgelegt. Ziel ist es, die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten, ihre Ressourcen zu erkennen und zu stärken sowie neue Verhaltensmuster einzuüben. Der Auftrag des sozialpädagogischen Teams besteht im Erlernen und Festigen alltagspraktischer Basiskompetenzen sowie in der Unterstützung einer altersgemässen Entwicklung. +Auftrag der Organisation: +Der Auftrag richtet sich nach der individuellen Indikation. Die Organisation bietet einen stationären sozialpädagogischen, therapeutischen und sonderschulischen Rahmen mit dem Ziel, die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten und ihre Ressourcen zu stärken. Der sozialpädagogische Auftrag umfasst das Erlernen und Festigen alltagspraktischer Basiskompetenzen sowie die Unterstützung einer altersgemässen Entwicklung. -***Organisationsstruktur (Teamkonstellation)*** +Betreuungssetting von Leny: +Leny lebt im Wocheninternat und wird im Alltag vom sozialpädagogischen Team begleitet. Er besucht die interne Schule und nimmt wöchentlich an Einzel- sowie Gruppentherapie teil. Aus jedem Bereich – Wohnen, Schule und Therapie – hat er eine Bezugsperson. An den Standortgesprächen nehmen die internen Bezugspersonen sowie die Beiständin und der Schulpsychologische Dienst teil. -Leny lebt im Wocheninternat und wird im Alltag vom sozialpädagogischen Team begleitet. Er besucht die interne Schule und nimmt wöchentlich an Einzel- sowie Gruppentherapie teil. Aus jedem Bereich hat er eine Bezugsperson. Es finden regelmässig fachübergreifende Austausche statt. An den Standortgesprächen nehmen die internen Bezugspersonen sowie externe Fachpersonen wie die Beiständin und der Schulpsychologische Dienst teil. Die Kinder arbeiten einmal wöchentlich mit der Köchin zusammen. Zudem findet eine freie Förderstunde statt, in der eigene Projekte umgesetzt werden können. Im Rahmen der sozialpädagogischen Begleitung finden Schwimm- und Turneinheiten statt. Die Freizeit wird sozialpädagogisch gestaltet und partizipativ mit den Kindern geplant. Es besteht die Möglichkeit, externe Hobbys zu besuchen. Wöchentlich findet ein externes Angebot statt (Malort nach Arno Stern). Zum Jahresprogramm gehören zudem Projekttage sowie ein Ski- und ein Sommerlager. +Einweisungsgrund und einweisende Stelle: +Gemäss den Einweisungsunterlagen war der Schulpsychologische Dienst des Wohnortes bereits länger in den Unterstützungsprozess der Familie eingebunden. In der öffentlichen Schule zeigte sich zunehmend, dass Leny Mühe hatte, sich zu konzentrieren. Er ist mehrmals im Unterricht eingeschlafen und konnte den Schulstoff nicht entsprechend erarbeiten. Seitens der Schule wurde festgehalten, dass er sich stark um seine Mutter sorgt. +2022 wurde durch den Schulpsychologischen Dienst die Diagnose PTS gestellt. In der Folge wurde ein Sonderschulheim empfohlen. Die Mutter erklärte sich einverstanden. Eine Beiständin war zu diesem Zeitpunkt bereits eingesetzt. -***Einweisungsgrund und einweisende Stelle*** +Rechtliche Situation: +Die Obhut liegt bei der Kindsmutter. Für Leny besteht eine Beistandschaft mit dem Auftrag, sein Kindeswohl sicherzustellen. Die Beiständin nimmt an den Standortgesprächen teil. -Der Schulpsychologische Dienst des Wohnortes war bereits länger in den Unterstützungsprozess der Familie eingebunden. In der öffentlichen Schule zeigte sich zunehmend, dass Leny Mühe hatte, sich auf Aufgaben zu konzentrieren. Er ist mehrmals im Unterricht eingeschlafen und konnte den Schulstoff nicht entsprechend erarbeiten. Seitens der Schule wurde festgehalten, dass er sich stark um seine Mutter sorgt. Im Jahr 2022 wurde durch den Schulpsychologischen Dienst die Diagnose PTS gestellt und der Besuch eines Sonderschulheims empfohlen. Die Mutter erklärte sich einverstanden. - -***Rechtliche Situation*** - -Die Obhut liegt bei der Kindsmutter. Für Leny besteht eine Beistandschaft mit dem Auftrag, sein Kindeswohl sicherzustellen. - -***Auftrag bezüglich Klient*** - -Der Auftrag bezüglich Leny besteht darin, ihn in seiner persönlichen, schulischen und sozialen Entwicklung zu begleiten. Er soll sich abgrenzen können von der Verantwortung gegenüber seiner Mutter, damit er seine Entwicklungsschritte nachholen und machen kann. Im schulischen Bereich soll er seine Aufmerksamkeit besser fokussieren und Aufgaben zunehmend selbstständig bearbeiten können. Im sozialpädagogischen Alltag geht es um mehr Orientierung und Struktur sowie um das Festigen alltagspraktischer Kompetenzen. ***(nochmals in Akte lesen)*** +Auftrag bezüglich Leny: +Der Auftrag besteht darin, Leny in seiner persönlichen, schulischen und sozialen Entwicklung zu begleiten. Im schulischen Bereich soll er seine Aufmerksamkeit besser fokussieren und Aufgaben zunehmend selbstständig bearbeiten können. Im sozialpädagogischen Alltag geht es um Orientierung, Struktur und das Festigen alltagspraktischer Kompetenzen. Die schulische Perspektive nach dem Sommer ist aktuell Teil des laufenden Prozesses. ***Vorgeschichte*** -***Vorgeschichte vom Klienten*** +Vorgeschichte des Klienten: +Leny ist das älteste Kind der Familie. Seine Eltern trennten sich in seiner frühen Kindheit. Gemäss den Angaben der Mutter lebte er einige Jahre mit ihr beim Vater im Ausland. Die dortige Situation war von schwierigen und gewaltbelasteten Verhältnissen geprägt. Mit Unterstützung ihrer Eltern kehrte die Mutter mit Leny in die Schweiz zurück. +Leny lebt seither bei seiner Mutter. Der Kontakt zum Vater ist gering, es besteht jedoch regelmässiger Kontakt zu einer in der Schweiz lebenden Schwester des Vaters. Auch eine spätere Beziehung der Mutter war von Gewalt geprägt. Aus dieser Beziehung stammen Zwillingsschwestern (2019). Aus der aktuellen Beziehung wurde 2023 ein weiterer Bruder geboren. -Leny ist das älteste Kind der Familie. Seine Eltern trennten sich in seiner frühen Kindheit. Er lebte einige Jahre mit seiner Mutter im Ausland beim Vater. Die dortige Situation war von schwierigen und gewaltbelasteten Verhältnissen geprägt. Mit Unterstützung ihrer Eltern kehrte die Mutter mit Leny in die Schweiz zurück. +Soziales Umfeld: +Die Grosseltern mütterlicherseits leben in der Nähe und sind stark in die Alltagsbewältigung der Familie eingebunden. Leny hat mehrere Freunde in seiner Wohnumgebung, von denen er im Alltag häufig erzählt und die er während der Aufenthalte im Wocheninternat vermisst. -Leny lebt seither bei seiner Mutter. Der Kontakt zum Vater ist gering, es besteht jedoch regelmässiger Kontakt zu einer in der Schweiz lebenden Schwester des Vaters. +Biografische Verlaufsdaten: +Nach der Rückkehr in die Schweiz besuchte Leny den Kindergarten. Die Mutter berichtet, dass diese Zeit für ihn schwierig war. In der Primarschule wurde er als beliebtes Klassenmitglied beschrieben. Gleichzeitig zeigten sich gemäss den schulischen Berichten zunehmende Konzentrationsschwierigkeiten. Leny ist wiederholt im Unterricht eingeschlafen. Zum Zeitpunkt der Platzierung befand er sich in der 4. Klasse. -Auch eine spätere Beziehung der Mutter war von Gewalt geprägt. Aus dieser Beziehung stammen Zwillingsschwestern (2019). Aus der aktuellen Beziehung der Mutter wurde 2023 ein weiterer Bruder geboren. Leny lebt heute mit seiner Mutter, deren Partner sowie seinen Geschwistern im gemeinsamen Haushalt. - -***Soziales Umfeld*** - -Die Grosseltern mütterlicherseits leben in kurzer Gehdistanz und sind stark in die Alltagsbewältigung der Familie eingebunden (Kinderbetreuung, Mahlzeiten, finanzielle Unterstützung). Die Mutter äussert wiederholt den Wunsch nach mehr Autonomie und beschreibt die Situation teilweise als fremdbestimmt. - -Leny hat mehrere Freunde in seiner Wohnumgebung. Er erzählt im Alltag häufig von gemeinsamen Erlebnissen und vermisst seine Freunde während der Aufenthalte im Wocheninternat. Ein enger Freund ist kürzlich ins Ausland gezogen, was Leny beschäftigte und über das er mehrfach sprach. - -***Fähigkeiten, Ressourcen*** - -Die Mutter beschreibt Leny in Gesprächen als herzlich und gutmütig. - -Im Alltag auf der Wohngruppe fällt dem sozialpädagogischen Team seine Freundlichkeit und sein Humor auf. Er ist im 1:1 gut erreichbar. In der Zusammenarbeit mit der Köchin wird berichtet, dass er gerne mithilft und die Zusammenarbeit als angenehm erlebt wird. In der freien Förderstunde setzt er kreativ eigene Projekte um. - -Leny hat ein gutes Körperbewusstsein und lernt schnell Bewegungsabläufe. Dies zeigt sich zum Beispiel beim Skifahren lernen oder im besuchten Fechtkurs. - -***Schwierigkeiten, Probleme*** - -Die Mutter berichtet, dass sie Leny auf Appelle hin häufig nicht erreicht. - -Die Lehrpersonen beschreiben weiterhin Konzentrationsschwierigkeiten und einen erhöhten Begleitbedarf im Unterricht. - -Im Alltag auf der Wohngruppe wird wiederholt seine Vergesslichkeit und fehlende Orientierung im Wochenablauf beobachtet. Leny selbst sagt in solchen Situationen häufig „ich weiss nicht" oder „ich habe es vergessen". - -Bei Konflikten wird von Seiten des Teams wahrgenommen, dass er sich eher zurückzieht. Er äussert zudem, dass er „Ämtli" nicht gerne erledigt. - -***Biografische Verlaufsdaten / Beeinträchtigungen*** - -Nach der Rückkehr in die Schweiz besuchte Leny den Kindergarten. Die Mutter berichtet, dass diese Zeit für ihn schwierig war. - -In der öffentlichen Primarschule wurde er als beliebtes Klassenmitglied beschrieben. Gleichzeitig zeigten sich zunehmende Konzentrationsschwierigkeiten. Aus schulischen Berichten geht hervor, dass Leny wiederholt im Unterricht eingeschlafen ist und den Schulstoff nicht altersentsprechend erarbeiten konnte. Zum Zeitpunkt der Platzierung befand er sich in der 4. Primarschulklasse. - -Der Schulpsychologische Dienst wurde beigezogen und begleitete den weiteren Prozess. - -Im Jahr 2022 wurde durch den Schulpsychologischen Dienst die Diagnose PTS gestellt. Im Bericht wird zudem eine enge emotionale Bindung an die Mutter beschrieben. - -In der Folge wurde eine stationäre schulische Lösung empfohlen. Eine Beiständin wurde eingesetzt mit dem Auftrag, das Kindeswohl sicherzustellen und geeignete Lösungen zu prüfen. - -***Vorgeschichte in Organisation*** +Diagnosen: +2022 wurde durch den Schulpsychologischen Dienst die Diagnose PTS gestellt. Im Bericht wird zudem eine enge emotionale Bindung an die Mutter beschrieben. In der Folge wurde eine stationäre Lösung empfohlen und eine Beiständin eingesetzt, um das Kindeswohl sicherzustellen. +Vorgeschichte in der Organisation: Leny ist seit einem Jahr im Praxisbetrieb. Er hat sich rasch eingelebt und Freundschaften geschlossen. Bei Eintritt wurde er schulisch auf der Stufe der 4. Klasse unterrichtet. Seitens der Lehrpersonen wurde ein schulischer Rückstand von etwa einem Jahr beschrieben. Zu Beginn zeigte sich eine deutliche Entwicklung, nach den Sommerferien wurden teilweise wieder Rückschritte wahrgenommen. -Im sozialpädagogischen Alltag wurde besonders an seiner Ordnung und seiner Präsenz gearbeitet. - -***Fähigkeiten, Ressourcen*** - -In der Schule haben sich Präsenz und Konzentration verbessert. In der Einzeltherapie fühlt er sich von Beginn an wohl und genoss den Raum dort. Er lässt sich zunehmend auf den Prozess ein und öffnet sich für seine Thematiken. - -***Schwierigkeiten, Probleme*** - -Es wurde beobachtet, dass er sich nicht gut abgrenzen kann und oft Unruhe in die Gruppe bringt. - -Zuhause gab es immer wieder schwierige Phasen bezüglich des Partners der Mutter. Die Mutter zieht sich teils stark zurück und ist phasenweise schwer bis gar nicht erreichbar. Es wurde versucht, verschiedene Stressoren abzubauen. +Team- und Klient*innen-Konstellation: +Leny wird interdisziplinär begleitet. In den Standortgesprächen werden die Perspektiven von Schule, Therapie, Mutter und Beiständin zusammengeführt. Ich begleite Leny im Alltag als sozialpädagogische Bezugsperson insbesondere in Bezug auf Struktur, Orientierung und das Übernehmen von Verantwortung. Die schulische Perspektive für das kommende Schuljahr wird aktuell mit allen Beteiligten geklärt. ***Person*** -Leny ist Anfang dieses Jahres 12 Jahre alt geworden. Er ist ein Junge mit altersgemässem, eher robustem Körperbau und wirkt gepflegt. +Leny ist Anfang dieses Jahres 11 Jahre alt geworden. Er ist ein Junge mit altersgemässem, eher robustem Körperbau und wirkt gepflegt. -***Gegenwärtige Situation*** +Fähigkeiten/Ressourcen: +Die Mutter beschreibt Leny in Gesprächen als herzlich und gutmütig. Im Alltag auf der Wohngruppe fallen seine Freundlichkeit und sein Humor auf. Er ist im 1:1 gut erreichbar. In der Zusammenarbeit mit der Köchin wird berichtet, dass er gerne mithilft und dies als angenehm erlebt wird. In der freien Förderstunde setzt er eigene Projekte um. Leny besuchte während eines Semesters einen Fechtkurs und wurde dort als talentiert wahrgenommen. +Aus den Standortgesprächen wird zurückgemeldet, dass sich seine Präsenz und Konzentration in der Schule im Verlauf verbessert haben. Die Therapie meldet zurück, dass er die Einzelstunden geniesst und sich in der Gruppe zunehmend besser abgrenzen kann. -***Veränderungen / Besonderheiten*** +Schwierigkeiten/Probleme: +Die Mutter berichtet, dass sie Leny auf Appelle hin häufig nicht erreicht. Die Lehrpersonen beschreiben weiterhin Konzentrationsschwierigkeiten und einen erhöhten Begleitbedarf. +Im Alltag auf der Wohngruppe wird wiederholt Vergesslichkeit und fehlende Orientierung im Wochenablauf beobachtet. Leny selbst sagt in solchen Situationen häufig *"ich weiss nicht"* oder *"ich habe es vergessen"*. Bei Konflikten zieht er sich eher zurück. Er äussert zudem, dass er *"Ämtli"* nicht gerne erledigt. -Im Alltag zeigt sich bei Leny weiterhin eine deutliche Vergesslichkeit und wenig Orientierung im Tages- und Wochenablauf. Er weiss oft nicht, was ansteht, und übernimmt Verantwortung nur zögerlich. Aufgaben gibt er rasch ab oder benötigt klare Anleitung. - -Im Team wird wiederholt eingefordert, dass er mehr Struktur übernimmt und Absprachen einhält. Sein Verhalten wird dabei teilweise unterschiedlich eingeschätzt, insbesondere in Bezug auf seine Vergesslichkeit. - -Zudem erlebt Leny immer wieder Heimweh. Er äusserte kürzlich, dass ihn dieses Gefühl belastet und er daran arbeiten möchte. +***Gegenwärtige Situation und vorläufige Themen*** +Gegenwärtige Situation und vorläufige Themen: +Im Alltag zeigt sich bei Leny weiterhin eine deutliche Vergesslichkeit und wenig Orientierung im Tages- und Wochenablauf. Er weiss oft nicht, was ansteht, und übernimmt Verantwortung nur zögerlich. Aufgaben gibt er rasch ab oder benötigt klare Anleitung. In Anforderungssituationen zeigt er teilweise ausweichendes Verhalten – er reagiert nicht, hört nicht zu oder geht weiter. Die Mutter berichtet im Gespräch, dass dieses Verhalten seit einer belastenden Kindergartenerfahrung häufiger auftritt. Im Alltag fällt zudem eine erhöhte Ablenkbarkeit auf; Aufträge werden teils erst nach wiederholter Ansprache umgesetzt. +Im Team wird sein Verhalten teilweise unterschiedlich eingeschätzt, insbesondere in Bezug auf seine Vergesslichkeit. +Leny erlebt immer wieder Heimweh. Er äusserte kürzlich, dass ihn dieses Gefühl belastet und er daran arbeiten möchte. Daneben zeigen sich Phasen von emotionaler Belastung, in denen er bedrückt, wütend oder sehr müde wirkt. Gleichzeitig beschäftigt ihn die Frage seiner schulischen Zukunft. Er war enttäuscht, nicht in seine alte Klasse zurückkehren zu können, und äussert inzwischen, dass er sich ein weiteres Bleiben vorstellen kann. Die Perspektive ist derzeit noch offen. - -*(Evtl. noch ergänzen: tagträumen, nicht zuhören, lebt in den Tag hinein)* - -***Vorläufige Themen*** - -*(Wird noch erarbeitet — folgende Themen zeichnen sich aus der Situationserfassung und den Journal-Einträgen ab:)* - -1. **Vergessene Gegenstände und Aufgaben** — Bezieht sich auf Dinge die Leny vergisst, zum Beispiel Schuhe, Jacke, Bleistift, Aufgaben. - -2. **Orientierung und Organisation im Tages-/Wochenablauf** — Bezieht sich auf Wissen um den Ablauf, wann was gemacht wird, und wie klar der Wochenplan ist. - -3. **Ausweichendes Verhalten** — Ob Leny in Anforderungen ausweicht, nicht reagiert, nicht zuhört oder weitergeht. Wichtig ist die Sicht der Beteiligten, wann und in welchen Situationen dies auftritt. - -4. **Heimweh und emotionales Befinden** — Wann Heimweh auffällt, wie er es äussert, und wie es von aussen bemerkt wird. +Es gibt aber auch wiederholt Phasen, in denen Leny gut kooperiert und Selbstständigkeit zeigt – etwa bei den Ämtli, den Hausaufgaben oder beim Aufräumen seines Zimmers. Auch in der Schule arbeitet er zeitweise konzentriert und motiviert. +Daraus ergeben sich zentrale Fragestellungen im Hinblick auf Lenys Selbstorganisation, seine emotionale Belastung sowie die unterschiedlichen Einschätzungen im Team. diff --git a/050-analysis/04-analysis-einleitung.md b/050-analysis/04-analysis-einleitung.md index 32ba861..10c1a31 100644 --- a/050-analysis/04-analysis-einleitung.md +++ b/050-analysis/04-analysis-einleitung.md @@ -7,6 +7,8 @@ footnote: "📚 Vier Schritte: Methodenwahl → Datenerhebung → Hypothesen → --- ***Ziel des Prozessschrittes*** +Ausgehend von der gegenwärtigen Situation und der Datenerfassung wird anhand praxisrelevanter Analysemethode(n) eine Analyse durchgeführt. Die wichtigsten Erkenntnisse werden in konstatierenden Hypothesen zusammengefasst und gewichtet. + ***Bezug zum vorherigen Schritt*** ***Methode(n)*** diff --git a/050-analysis/05-analysis-methode-1.md b/050-analysis/05-analysis-methode-1.md index e74a197..7922cce 100644 --- a/050-analysis/05-analysis-methode-1.md +++ b/050-analysis/05-analysis-methode-1.md @@ -9,6 +9,11 @@ footnote: "📊 Notationssysteme: Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte, Silhouet ***Begründung der Methodenwahl*** +Aufgrund, dass sich mir in der Sitationsanlyse zeigte, dass das Sozialädagogische Team sehr unterschiedlich das Verhalten von Leny bewerten. Erachtete ich eine Perspektivenanalyse mit einem breiteren Radius, also mit verschiedenen Fachbereichen, der KM und Lenny selber als eine gute Möglichkeite herauszufinden welche Thematik ich in dieser Arbeit erhellen möchte. + ***Kooperative Bearbeitung*** +Ich habe für die FAchpersonen für eine Fragebogen erstellt und für die Mutter und Lenny eine angepasste Version (einfachere Sprache) gemacht. +Von der Mutter und mit Leny habe ich die Fragen innerhalb eines Bezugspersonengespräches beantowrten lassen. Den Fachpersonen habe ich die Fragen zukommen lassen. + ***Relevante Aspekte*** diff --git a/060-diagnosis/04-diagnosis-einleitung.md b/060-diagnosis/04-diagnosis-einleitung.md index 61a5281..0577214 100644 --- a/060-diagnosis/04-diagnosis-einleitung.md +++ b/060-diagnosis/04-diagnosis-einleitung.md @@ -7,6 +7,8 @@ footnote: "📚 Theoriegeleitetes und kooperatives Fallverstehen" --- ***Ziel des Prozessschrittes*** +Diskussion und fachliche Auseinandersetzung der Fallthematik vor dem Hintergrund fallspezifisch ausgewählter fachlicher Wissensbestände / Theorien (theoriegeleitetes Fallverstehen). + ***Bezug zum vorherigen Schritt*** ***Methode(n)*** diff --git a/070-goalSetting/02-goals-einleitung.md b/070-goalSetting/02-goals-einleitung.md index 347f84d..5c69055 100644 --- a/070-goalSetting/02-goals-einleitung.md +++ b/070-goalSetting/02-goals-einleitung.md @@ -7,6 +7,8 @@ footnote: "📖 Zielsetzung = Übergang von Diagnose zu Intervention" --- ***Ziel des Prozessschrittes*** +Beschreibung des kooperativen Zielbildungsprozesses; hierarchisierte Zielformulierung mit jeweiliger Begründung (1 Fernziel, mind. 1 Grobziel). Unterscheidung zwischen Bildungszielen und Unterstützungszielen auf Grobzielebene. + ***Bezug zum vorherigen Schritt*** ***Methode(n)*** diff --git a/080-interventionPlanning/03-planning-einleitung.md b/080-interventionPlanning/03-planning-einleitung.md index 2677b21..f3ed7d9 100644 --- a/080-interventionPlanning/03-planning-einleitung.md +++ b/080-interventionPlanning/03-planning-einleitung.md @@ -7,4 +7,6 @@ footnote: "📖 Interventionsplanung: entwerfen, reflektieren, auswählen, plane --- ***Ziel des Prozessschrittes*** +Interventionsmöglichkeiten kooperativ entwerfen, reflektieren und fachlich begründet auswählen. Daraus werden kooperativ 2–3 Feinziele abgeleitet, dem/einem Grobziel zugeordnet und in Bildungs- und Unterstützungsziele unterteilt. + ***Bezug zum vorherigen Schritt***