diff --git a/050-analysis/04-analysis-einleitung.md b/050-analysis/04-analysis-einleitung.md index 295d824..0af2765 100644 --- a/050-analysis/04-analysis-einleitung.md +++ b/050-analysis/04-analysis-einleitung.md @@ -7,6 +7,6 @@ footnote: "📚 Vier Schritte: Methodenwahl → Datenerhebung → Hypothesen → --- Ausgehend von der gegenwĂ€rtigen Situation und den vorlĂ€ufigen Themen wird mit zwei praxisrelevanten Analysemethoden eine vertiefte Auslegeordnung vorgenommen. Die wichtigsten Erkenntnisse werden in konstatierenden Hypothesen zusammengefasst, gewichtet und zur Fallthematik verdichtet. -Bereits in der Situationserfassung zeigten sich mehrere vorlĂ€ufige Themen, die im Prozessschritt Analyse weiter vertieft werden sollten. Dazu gehören Vergessen, Orientierung im Tages- und Wochenablauf, der Umgang mit Anforderungen sowie Heimweh bzw. emotionale Belastung. Dabei erhielt dieses Thema besonderes Gewicht, da Leny bereits Ă€usserte, dass er daran arbeiten möchte (vgl. Kapitel 3.1). +In der Situationserfassung zeigten sich mehrere vorlĂ€ufige Themen, die im Prozessschritt Analyse weiter vertieft werden sollten. Dazu gehören Vergessen, Orientierung, Ausweichen sowie Heimweh bzw. emotionale Belastung, das besonderes Gewicht erhielt, da Leny Ă€usserte, daran arbeiten zu wollen (vgl. Kapitel 3.1). -FĂŒr die vertiefte Analyse wĂ€hlte ich die Perspektivenanalyse und die Drei HĂ€user. Mit der Perspektivenanalyse wollte ich die Sicht verschiedener Beteiligter systematisch zusammentragen. Mit den Drei HĂ€usern wollte ich Lenys eigene Sicht noch deutlicher erfassen. +Ich entschied mich fĂŒr die Perspektivenanalyse (vgl. Anhang 1) und die Drei HĂ€user (vgl. Anhang 2). diff --git a/050-analysis/05-analysis-methode-1.md b/050-analysis/05-analysis-methode-1.md index 4de87b1..08ca666 100644 --- a/050-analysis/05-analysis-methode-1.md +++ b/050-analysis/05-analysis-methode-1.md @@ -5,22 +5,10 @@ title: "Perspektivenanalyse" hint: "WĂ€hle ein Notationssystem oder eine Analysemethode (z. B. Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte, Silhouette, Kompetenzanalyse, Perspektivenanalyse, Lebensbereichanalyse) und begrĂŒnde die Wahl fallbezogen. Beschreibe die kooperative Bearbeitung mit Klient*in oder Beteiligten. Halte die relevanten Aspekte und Erkenntnisse fest. Mindestens eine Methode muss die EinschĂ€tzung der Klient*innen aufnehmen." footnote: "📊 Notationssysteme: Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte, Silhouette" --- -***BegrĂŒndung der Methodenwahl*** +FĂŒr die Auswertung ordnete ich die RĂŒckmeldungen den vier vorlĂ€ufigen Themen zu. Danach prĂŒfte ich, wo sich die Perspektiven Ă€hneln, wo sie sich unterscheiden und welche Muster sich ĂŒber mehrere Sichtweisen hinweg zeigen. -In der Situationserfassung zeigte sich, dass Leny von verschiedenen Fachpersonen unterschiedlich wahrgenommen wird. Deshalb wĂ€hlte ich die Perspektivenanalyse. Ich wollte die Sicht aus Wohnen, Schule, Therapie, Familie und von Leny selbst zusammentragen, um genauer zu erkennen, welche Themen sich ĂŒbergreifend zeigen und was ich in dieser Arbeit weiter erhellen möchte (Hochuli Freund & Stotz, 2021, S. 194–196). +In der Perspektivenanalyse zeigt sich, dass bei Leny weniger klassisches Heimweh als vielmehr emotionale Belastung im Vordergrund steht. Diese zeigt sich vor allem im Zusammenhang mit familiĂ€ren Sorgen, Belastungen zuhause, Konflikten und ÜbergĂ€ngen. In solchen Momenten wirkt Leny oft traurig, mĂŒde, angespannt, abwesend oder zieht sich zurĂŒck. -***DurchfĂŒhrung / Datenerhebung und kooperative Bearbeitung*** +Bei den Themen Vergessen, Orientierung und Ausweichen zeigt sich kein einheitliches Bild. Die Schwierigkeiten treten je nach Situation unterschiedlich stark auf. Beim Vergessen fĂ€llt auf, dass Leny vor allem in belastenden Situationen, bei MĂŒdigkeit oder wenn im Alltag mehrere Anforderungen zusammenkommen mehr MĂŒhe hat. Wenn ihm etwas wichtig ist, wenn ihn etwas interessiert oder wenn eine Situation vertraut und ĂŒberschaubar ist, wirkt Leny orientierter und aufmerksamer. -Ich erstellte fĂŒr die Fachpersonen einen Fragebogen und passte diesen fĂŒr die Mutter und fĂŒr Leny in einfacherer Sprache an. Die Fragen orientierten sich an den vier vorlĂ€ufigen Themen Vergessen, Orientierung, Ausweichen sowie Heimweh bzw. emotionale Belastung. Mit der Mutter und mit Leny bearbeitete ich die Fragen in einem BezugspersonengesprĂ€ch. Den Fachpersonen stellte ich den Fragebogen zur schriftlichen Beantwortung zu. So entstand eine mehrperspektivische Auslegeordnung, in der ich die Sichtweisen aus Wohnen, Schule, Therapie, Familie und von Leny selbst zusammentragen konnte. - -***Auswertung / relevante Aspekte*** - -FĂŒr die Auswertung ordnete ich die RĂŒckmeldungen zuerst den vier vorlĂ€ufigen Themen zu. Danach prĂŒfte ich, wo sich die Perspektiven Ă€hneln, wo sie sich unterscheiden und welche Muster sich ĂŒber mehrere Sichtweisen hinweg zeigen. - -In der Perspektivenanalyse zeigt sich, dass bei Leny weniger klassisches Heimweh als vielmehr eine emotionale Belastung im Vordergrund steht. Das zeigt sich ĂŒber die Sichtweisen von Wohnen, Schule, Therapie, Familie und Leny hinweg. Die emotionale Belastung zeigt sich vor allem im Zusammenhang mit familiĂ€ren Sorgen, Belastungen zuhause, Konflikten und ÜbergĂ€ngen. In solchen Momenten wirkt Leny oft traurig, mĂŒde, angespannt, abwesend oder zieht sich zurĂŒck. - -Bei den Themen Vergessen, Orientierung und Ausweichen zeigt sich kein einheitliches Bild. Die Schwierigkeiten treten je nach Situation unterschiedlich stark auf. Beim Vergessen fĂ€llt auf, dass Leny vor allem in belastenden Situationen, bei MĂŒdigkeit oder wenn im Alltag mehrere Anforderungen zusammenkommen mehr MĂŒhe hat. Bei der Orientierung zeigen sich Schwierigkeiten besonders bei ZeitablĂ€ufen, ÜbergĂ€ngen und kurzfristigen VerĂ€nderungen. Das Ausweichen zeigt sich vor allem dann, wenn Themen fĂŒr ihn unangenehm sind, wenn ihn etwas ĂŒberfordert oder wenn Anforderungen an ihn gestellt werden. Wenn ihm etwas wichtig ist, wenn ihn etwas interessiert oder wenn eine Situation vertraut und ĂŒberschaubar ist, wirkt Leny oft orientierter und prĂ€senter. - -Übergreifend zeigt sich damit, dass Lenys Verhalten stark situationsabhĂ€ngig ist. Belastung, Anforderungen und ÜbergĂ€nge haben in mehreren Themen Gewicht. Wenn Leny weniger belastet ist und ihn Sorgen weniger beschĂ€ftigen, zeigen sich Vergessen, Orientierung und Ausweichen oft weniger stark. - -Die vollstĂ€ndige Übersicht der Perspektivenanalyse befindet sich im Anhang (vgl. Anhang X). +Übergreifend zeigt sich damit, dass Lenys Verhalten stark situationsabhĂ€ngig ist. diff --git a/050-analysis/07-analysis-methode-2.md b/050-analysis/07-analysis-methode-2.md index d210dc6..115251b 100644 --- a/050-analysis/07-analysis-methode-2.md +++ b/050-analysis/07-analysis-methode-2.md @@ -5,18 +5,6 @@ title: "Drei HĂ€user" hint: "WĂ€hle eine zweite, ergĂ€nzende Analysemethode (z. B. Lebensbereichanalyse, Perspektivenanalyse, PRO-ZIEL-Basisdiagnostik, Kompetenzanalyse, Ressourcen-/Problemanalyse) und begrĂŒnde die Wahl fallbezogen. Die zweite Methode soll einen anderen Aspekt beleuchten als die erste. Beschreibe die kooperative Bearbeitung und halte relevante Aspekte fest." footnote: "📊 Perspektiven-, Kompetenz-, Lebensbereichanalyse und PRO-ZIEL" --- -***BegrĂŒndung der Methodenwahl*** - -Als zweite Analysemethode wĂ€hlte ich die Drei HĂ€user. Mir war wichtig, Lenys eigene Sicht noch deutlicher zu erfassen. Die Methode ist kindgerecht, konkret und half mir, mit ihm ĂŒber gute Dinge, Sorgen sowie WĂŒnsche und TrĂ€ume ins GesprĂ€ch zu kommen. So erhielt ich eine ergĂ€nzende Sicht auf Themen, die in der Perspektivenanalyse bereits sichtbar wurden (Hochuli Freund & Stotz, 2021, S. 205). - -***DurchfĂŒhrung / Datenerhebung und kooperative Bearbeitung*** - -Ich erarbeitete die Drei HĂ€user mit Leny in einem BezugspersonengesprĂ€ch. Dabei hielt ich mit ihm fest, was fĂŒr ihn zu den guten Dingen, zu den Sorgen sowie zu den WĂŒnschen und TrĂ€umen gehört. Leny liess sich gut auf die Methode ein, hatte Freude an den Bildern auf dem Formular und arbeitete sehr gut mit, obwohl er mĂŒde war. So entstand eine kindgerechte Datengrundlage, in der Lenys eigene Sicht direkt sichtbar wurde. - -***Auswertung / relevante Aspekte*** - FĂŒr die Auswertung prĂŒfte ich, welche Themen sich in den drei HĂ€usern bĂŒndeln und was sie ĂŒber Lenys Sorgen, Ressourcen und WĂŒnsche sichtbar machen. -Bei den Drei HĂ€usern wird nochmals deutlich, wie stark Leny mit familiĂ€ren Sorgen und Belastungen zuhause beschĂ€ftigt ist. Es werden aber auch Ressourcen sichtbar, vor allem Beziehungen, vertraute Dinge und konkrete TĂ€tigkeiten, die ihm guttun. In seinen WĂŒnschen und TrĂ€umen wird vor allem sein BedĂŒrfnis nach Ruhe, Schutz und Entlastung sichtbar. Insgesamt verdichten sich hier besonders die Themen Familie, Belastung zuhause sowie der Wunsch nach mehr Ruhe und Schutz. - -Die ausgefĂŒllte Methode „Drei HĂ€user“ befindet sich im Anhang (vgl. Anhang Y). +Bei den Drei HĂ€usern wird deutlich, wie stark Leny mit familiĂ€ren Sorgen und Belastungen zuhause beschĂ€ftigt ist. Gleichzeitig werden Ressourcen sichtbar, vor allem Beziehungen, vertraute Dinge und konkrete TĂ€tigkeiten, die ihm guttun. In seinen WĂŒnschen und TrĂ€umen zeigt sich vor allem sein BedĂŒrfnis nach Ruhe, Schutz und Entlastung. diff --git a/050-analysis/10-analysis-kooperative-prozesse.md b/050-analysis/10-analysis-kooperative-prozesse.md index 1252b42..5fc29d2 100644 --- a/050-analysis/10-analysis-kooperative-prozesse.md +++ b/050-analysis/10-analysis-kooperative-prozesse.md @@ -5,14 +5,12 @@ title: "Kooperative Prozesse" hint: "Halte hier die kooperative Arbeit auf Ebene der gesamten Analyse fest, z. B. Validierung, gemeinsame KlĂ€rungen und allfĂ€llige Sofortmassnahmen." --- -*In der Zeit, in der die Perspektivenanalyse und die Drei HĂ€user erarbeitet wurden, fand im Praxisbetrieb auch ein GesprĂ€ch nach dem lösungsorientierten Ansatz statt, das im Praxisbetrieb OasengesprĂ€ch genannt wird. Dort bringt das Kind das Thema selbst ein und erarbeitet im Prozess eigene Schritte. Leny brachte dabei das Thema Heimweh ein (vgl. Kapitel 3.1, GegenwĂ€rtige Situation). In diesem GesprĂ€ch konkretisierte sich das Heimweh. In einem Aspekt beschreibt Leny dabei sein BedĂŒrfnis nach Ruhe und Erholung sowie die Überforderung mit seinem Zimmerkollegen.* +*WĂ€hrend der Erarbeitung der Perspektivenanalyse und der Drei HĂ€user fand ein lösungsorientiertes OasengesprĂ€ch statt. Leny brachte dabei das Thema Heimweh ein (vgl. Kapitel 3.1). Dabei konkretisierte sich sein BedĂŒrfnis nach Ruhe und Erholung sowie die Überforderung mit seinem Zimmerkollegen.* -*Im Fachaustausch mit der Psychologin und in der organisatorischen Sitzung verdichtete sich die EinschĂ€tzung, dass die aktuelle Zimmerkonstellation fĂŒr Leny eher ĂŒberfordernd ist und ein Zimmerwechsel entlastend wirken könnte. In der inzwischen durchgefĂŒhrten Supervision bearbeiteten wir die unterschiedlichen fachlichen Sichtweisen zur Zimmersituation und klĂ€rten das weitere Vorgehen.* - -*_(Im weiteren Verlauf ergab sich aufgrund einer Krankheitssituation die Möglichkeit, den Zimmerwechsel zu erproben. Da sich die neue Situation fĂŒr beide Jungen bewĂ€hrte, wurde sie anschliessend beibehalten. Dieser Hinweis kann aufgenommen werden, falls er fĂŒr das VerstĂ€ndnis des Analyseprozesses hilfreich ist.)_* +*Im Fachaustausch mit der Psychologin, in der organisatorischen Sitzung und in der Supervision verdichtete sich die EinschĂ€tzung, dass die aktuelle Zimmerkonstellation fĂŒr Leny eher ĂŒberfordernd ist und ein Zimmerwechsel entlastend wirken könnte. Dort bearbeiteten wir die unterschiedlichen fachlichen Sichtweisen zur Zimmersituation und klĂ€rten das weitere Vorgehen.* ***Validierung*** -Die Validierung der Analyse mit dem Team plante ich ursprĂŒnglich im Rahmen einer Teamsitzung. Da der Betriebsalltag in dieser Zeit von vielen aktuellen Vorkommnissen geprĂ€gt war, fĂŒhrte ich die Validierung in schriftlicher Form durch. Ich legte acht Teammitgliedern aus den Bereichen Schule, Therapie, SozialpĂ€dagogik und KĂŒche die vollstĂ€ndige Analyse, die konstatierenden Hypothesen sowie die vorformulierte Fallthematik vor und bat sie um Fragen, Hinweise oder weitere Hypothesen. Ich erhielt alle RĂŒckmeldungen mit Bemerkungen zurĂŒck. Die Auswertung stiess auf breite Zustimmung und wurde als interessant sowie aussagekrĂ€ftig eingeschĂ€tzt. +Da der Betriebsalltag von vielen aktuellen Vorkommnissen geprĂ€gt war, fĂŒhrte ich die Validierung schriftlich durch. Ich erstellte fĂŒr das interdisziplinĂ€re Team eine Zusammenfassung der Analyse und bat um Feedback sowie ErgĂ€nzungen. Daraus ergaben sich fachliche RĂŒckmeldungen und ErgĂ€nzungen. Die Auswertung stiess auf breite Zustimmung und wurde als interessant sowie aussagekrĂ€ftig eingeschĂ€tzt. -FĂŒr das ValidierungsgesprĂ€ch mit Leny bereitete ich mich gezielt vor und erstellte Bilder mit Symbolkraft, um ihm die verdichteten Analyseerkenntnisse möglichst verstĂ€ndlich und prĂ€zise zu vermitteln. Anhand dieser Bilder spiegelte ich ihm die wesentlichen Inhalte zurĂŒck. Er war mit den RĂŒckmeldungen grundsĂ€tzlich einverstanden, betonte aber, dass er nicht nur in belastenden Situationen Dinge vergesse. Ich prĂ€zisierte deshalb, dass das Vergessen auch sonst vorkommt, sich bei Belastung, MĂŒdigkeit oder vielen Anforderungen jedoch stĂ€rker zeigt. Dem konnte Leny zustimmen. +FĂŒr das ValidierungsgesprĂ€ch mit Leny bereitete ich Bilder mit Symbolkraft vor, um ihm die verdichteten Analyseerkenntnisse möglichst verstĂ€ndlich zu vermitteln. Die Auseinandersetzung mit diesen unangenehmen Themen fiel ihm nicht leicht, dennoch prĂŒfte er meine Aussagen genau und empfand die Formulierungen als stimmig. Er betonte jedoch, dass er nicht nur in belastenden Situationen Dinge vergesse. Darauf prĂ€zisierte ich, dass sich Vergessen, Orientierung und Ausweichen bei Belastung, MĂŒdigkeit oder vielen Anforderungen stĂ€rker zeigen.