diff --git a/090-reflection/03-reflection-fachliches-vorgehen.md b/090-reflection/03-reflection-fachliches-vorgehen.md index 0810c48..c7ea43e 100644 --- a/090-reflection/03-reflection-fachliches-vorgehen.md +++ b/090-reflection/03-reflection-fachliches-vorgehen.md @@ -7,11 +7,11 @@ footnote: "🔄 Zirkularität: Der KPG-Prozess ist nicht linear — Rückblick e --- Für mein fachliches Vorgehen half mir, Gedanken zuerst auszulegen und zu sortieren. Mindmaps und Notizen unterstützten mich dabei. Mir wurde bewusster, dass Journale und Berichte das Bild vom Fall mitgestalten und beeinflussen, welche Themen sichtbar werden. -Die Perspektivenanalyse war breit und anspruchsvoll auszuwerten, machte dafür aber wichtige Details sichtbar. Die Drei Häuser wirkten zuerst weniger ergiebig. Erst später erkannte ich, dass diese Methode verdeutlichte, wie stark Lenys Wünsche und Sorgen Raum einnehmen und wie wenig Platz dadurch für anderes bleibt. +Die Perspektivenanalyse war breit und anspruchsvoll auszuwerten, machte dafür aber wichtige Details sichtbar. Die Drei Häuser wirkten zuerst weniger ergiebig. Erst später erkannte ich, dass diese Methode zeigte, wie viel Raum Lenys Wünsche und Sorgen einnehmen und wie wenig Platz für anderes bleibt. Der gewählte Realitätsausschnitt half mir, mich immer wieder zu fokussieren und im Blick zu behalten, worum es in diesem Fall geht. In der Diagnose half mir die Traumapädagogik, Lenys Verhalten nicht einseitig als Verweigerung oder fehlende Motivation zu verstehen. Der gute Grund half mir, seine Themen anders zu betrachten. Systemisches Denken half mir, das Dazwischen besser zu erkennen, zum Beispiel die Wechselwirkungen zwischen dem Familiensystem und dem Praxisbetrieb. -In der Praxis betrafen Gespräche, Rückkopplungen und neue Beobachtungen oft mehrere Prozessschritte gleichzeitig. Ich fand es herausfordernd, solche Überlagerungen schriftlich so zu ordnen, dass sichtbar blieb, welchem Prozessschritt eine Erkenntnis zugeordnet ist. Dabei ging ich wiederholt zurück, prüfte Begriffe und merkte, wie stark Sprache das Fallverstehen beeinflusst. +In der Praxis betrafen Gespräche, Rückkopplungen und neue Beobachtungen oft mehrere Prozessschritte gleichzeitig. Ich fand es herausfordernd, solche Überlagerungen schriftlich so zu ordnen, dass sichtbar blieb, welchem Prozessschritt eine Erkenntnis zugeordnet ist. Beim Ordnen ging ich wiederholt zurück, prüfte Begriffe und merkte, wie stark Sprache das Fallverstehen beeinflusst. -Im Prozess merkte ich, wie schnell im Praxisalltag Lösungsideen entstehen. Für mich wurde wichtig, mich dadurch nicht zu stark irritieren zu lassen, sondern Ideen zu notieren, zu bremsen und später wieder fachlich einzuordnen. +Im Prozess merkte ich, wie schnell im Praxisalltag Lösungsideen entstehen. Ich lernte, mich davon nicht zu stark irritieren zu lassen. Stattdessen notierte ich Ideen, bremste sie und ordnete sie später wieder fachlich ein. Ich erlebte, dass Gespräche und das gemeinsame Verstehen-Wollen bereits Wirkung haben und kleine Interventionen sind. diff --git a/090-reflection/04-reflection-kooperation.md b/090-reflection/04-reflection-kooperation.md index 9bdbd1c..3f9a449 100644 --- a/090-reflection/04-reflection-kooperation.md +++ b/090-reflection/04-reflection-kooperation.md @@ -7,6 +7,6 @@ footnote: "🤝 Kooperation und Multiperspektivität als Evaluationsdimension" --- Leny arbeitete gerne mit, war interessiert und neugierig. Ich beobachtete, dass die Arbeit mit ihm etwas auslöste. Beteiligung zeigte sich in Reaktionen, kurzen Aussagen und Fragen, die später wieder auftauchten. In späteren Prozessschritten begrenzten Abwesenheiten und Belastungen seinen Einbezug. Weil viel Vertrauen da war, konnte ich auch in dieser Phase punktuell mit ihm weiterarbeiten. -Bei der Kindsmutter zeigte sich mir eine Grenze meines Einflussbereichs. Sie ins Boot zu holen gelang punktuell, oft aber auch nicht. Gleichzeitig sehe ich sie als Teil eines belasteten Systems. Ihr Nicht-Erreichbar-Sein gehört deshalb zum Fall und lässt sich nicht einfach als fehlende Kooperation bewerten. Ich nahm dies bewusst nicht weiter in den Realitätsausschnitt auf, weil der Fall dadurch noch komplexer geworden wäre. +Die Grenzen meines Einflussbereichs wurden mir in der Arbeit mit der Kindsmutter besonders deutlich. Sie ins Boot zu holen gelang punktuell, oft aber auch nicht. Sie ist selbst Teil eines belasteten Systems. Ihr Nicht-Erreichbar-Sein gehört deshalb zum Fall und lässt sich nicht einfach als fehlende Kooperation bewerten. Ich nahm die Situation der Kindsmutter bewusst nicht in den Realitätsausschnitt auf, weil dies den Rahmen der Arbeit zusätzlich erweitert hätte. Weil die Kooperation nicht mit allen Beteiligten gleich möglich war, wurde die Fachebene für mich besonders wichtig. Unterschiedliche Deutungen waren für mich nicht immer einfach. Mir halfen Supervision, Gespräche mit Teammitgliedern und Kinderbesprechungen, genauer hinzuschauen, andere Sichtweisen zu verstehen und zu lernen, dass ich sie nicht einfach übernehmen muss. Bilder und Film unterstützten die Kooperation, weil sie gemeinsame Bezugspunkte boten. diff --git a/090-reflection/05-reflection-eigene-rolle.md b/090-reflection/05-reflection-eigene-rolle.md index d6849c1..1c23660 100644 --- a/090-reflection/05-reflection-eigene-rolle.md +++ b/090-reflection/05-reflection-eigene-rolle.md @@ -11,4 +11,4 @@ Manche Themen berührten eigene Erfahrungen. Wenn ich das nicht bemerkte, konnte Mir war wichtig, schwierige Inhalte mit Leny oder über sein Herkunftssystem so zu besprechen, dass ich nichts beschönige, sein Herkunftssystem nicht abwerte und keine zusätzliche Scham auslöse. Bilder und Film halfen mir dabei, schwierige Inhalte zu verdichten und verständlicher zurückzugeben. -Für mich selbst war der kreative Arbeitsstil zusätzlich hilfreich, weil ich Inhalte beim Entwickeln von Bildern und Film verdichten musste. Dadurch wurde mir klarer, was ich eigentlich vermitteln wollte. +Für mich selbst war der kreative Arbeitsstil zusätzlich hilfreich, weil ich Inhalte beim Entwickeln von Bildern und Film verdichten musste. So wurde mir auch klarer, was ich vermitteln wollte. diff --git a/090-reflection/06-reflection-konsequenzen.md b/090-reflection/06-reflection-konsequenzen.md index 282e56c..3597bf0 100644 --- a/090-reflection/06-reflection-konsequenzen.md +++ b/090-reflection/06-reflection-konsequenzen.md @@ -5,8 +5,8 @@ title: "Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse" hint: "Formuliere mögliche Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse: Was würdest du beim nächsten Mal anders machen? Was hat sich bewährt? Welche Erkenntnisse nimmst du für dein weiteres professionelles Handeln mit? Gibt es einen Fallabschluss oder Weiterführung? Es geht um eine Gesamtschau und die Frage, was gelernt werden kann." footnote: "💡 Gesamtbeurteilung: Schwierigkeiten, Rückblick, Transfer und Lernen" --- -Ich nehme mit, dass KPG mir hilft, mein Handeln bewusster zu prüfen und zu begründen. Sie hilft mir, zu suchen, zu prüfen, zu beteiligen und Entscheidungen zu begründen. Dadurch wird mein fachliches Handeln weniger zufällig und schützt vor vorschnellen oder willkürlichen Lösungen. +Ich nehme mit, dass KPG mir hilft, mein Handeln bewusster zu prüfen und zu begründen. Sie hilft mir, zu suchen, zu prüfen, zu beteiligen und Entscheidungen zu begründen. Mein fachliches Handeln wurde bewusster, und so vermied ich vorschnelle Lösungen. -Im Prozess stellte ich Fragen, die auch im Team auf Interesse stiessen. Dabei wurde sichtbar, dass wir Zielbegriffe im Alltag unterschiedlich verwenden und verstehen. Damit werden wir uns im Team vertiefter auseinandersetzen. +Im Prozess stellte ich Fragen, die auch im Team auf Interesse stiessen. Ich erkannte, dass wir Zielbegriffe im Alltag unterschiedlich verwenden und verstehen. Damit werden wir uns im Team vertiefter auseinandersetzen. -Ich erlebte KPG in der Arbeit mit Leny als hilfreiches Modell und habe den Eindruck, dass der Prozess für ihn einen Mehrwert hatte. Diese Erfahrung bestärkt mich darin, nach machbaren Wegen zu suchen, wie ich die einzelnen Prozessschritte von KPG in meinem beruflichen Alltag für mich nutzbar machen kann. +Ich erlebte KPG in der Arbeit mit Leny als hilfreiches Modell und habe den Eindruck, dass der Prozess für ihn einen Mehrwert hatte. Ich erprobe schrittweise weiterhin, wie ich die einzelnen Prozessschritte von KPG in meinem beruflichen Alltag für mich nutzbar machen kann.