diff --git a/010-introduction/01-introduction-epg-guidance.md b/010-introduction/01-introduction-epg-guidance.md index c332822..c53fa63 100644 --- a/010-introduction/01-introduction-epg-guidance.md +++ b/010-introduction/01-introduction-epg-guidance.md @@ -2,16 +2,26 @@ id: "introduction-epg-guidance" type: "guidance-box" title: "📋 EPG-Bewertung: Einleitung (max. 6 Punkte)" -variant: "rose" -footnote: "📚 EPG Ausführungsbestimmungen, S. 7 – Beurteilungskriterien Einleitung ([Buch S. 7](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/7))" +variant: "amber" +footnote: "📋 Beurteilungskriterien und Punkteskala für die Einleitung" --- -Die Einleitung wird anhand von vier Teilkriterien bewertet: +Die Einleitung wird anhand der folgenden Teilkriterien bewertet ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 7](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/6)): -| Kriterium | Punkte | -|---|---| -| Erste grobe Orientierung zum Praxiskontext und eigene Rolle im Begleitprozess dargestellt | 1.5 | -| Fallauswahl ist begründet | 1.5 | -| Handhabung des Persönlichkeits-/Datenschutzes (Anonymisierung) klar und konkret beschrieben | 1.0 | -| Aufgabenstellung, Ziel der KPG, Kapitelübersicht | 2.0 | +- **Aufgabenstellung des PKNW EPG und vollständige Kapitelübersicht** (1.0 Punkt) + - Worum geht es in dieser Facharbeit, und wie ist sie aufgebaut? -⚠️ **Bestehensrelevant:** Der Persönlichkeits-/Datenschutz muss korrekt deklariert und in der gesamten Arbeit konsequent umgesetzt sein – andernfalls erfolgt eine Auflage ([Buch S. 5](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/5)). +- **Ziel der vorliegenden kooperativen Prozessgestaltung** (1.0 Punkt) + - Ziel = Nachweis deiner Kompetenz in kooperativer Prozessgestaltung, nicht das Fallziel. + +- **Erste grobe Orientierung zum eigenen Praxiskontext und eigene Rolle im Begleitprozess** (1.5 Punkte) + - Wo findet der Begleitprozess statt, und welche Funktion hast du darin? + +- **Fallauswahl ist begründet** (1.5 Punkte) + - Fachlich begründen, warum sich genau dieser Fall für die EPG eignet. + +- **Handhabung des Persönlichkeits-/Datenschutzes klar und konkret beschrieben** (1.0 Punkt) + - Alle beschriebenen Personen und die Organisation anonymisieren und das Vorgehen explizit benennen. + +**Punkteskala** ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 9](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/8)): 1.5 = sehr gut/gut · 1 = genügend · 0.5 = ungenügend · 0 = fehlt. + +⚠️ **Bestehensrelevant:** Der Persönlichkeits-/Datenschutz muss korrekt deklariert und in der gesamten Arbeit konsequent umgesetzt sein – andernfalls erfolgt eine Auflage ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 5](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/4)). Ebenso muss die Eigenleistung klar erkennbar sein ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 5](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/4)). diff --git a/010-introduction/02-introduction-text.md b/010-introduction/02-introduction-text.md index a40d851..b626283 100644 --- a/010-introduction/02-introduction-text.md +++ b/010-introduction/02-introduction-text.md @@ -2,24 +2,34 @@ id: "introduction-text" type: "markdown" title: "Einleitung" -hint: "Schreibe eine kurze Einleitung mit: (1) Aufgabenstellung des PKNW EPG, (2) Ziel der kooperativen Prozessgestaltung – nicht das Fallziel! – (3) vollständige Kapitelübersicht, (4) erste grobe Orientierung zum Praxiskontext und deiner Rolle im Begleitprozess (1.5 Pkt.), (5) fachliche Begründung der Fallauswahl (1.5 Pkt.) und (6) Hinweis auf Anonymisierung aller Personen und der Organisation (1.0 Pkt.). Tipp: Das Ziel der Arbeit beschreibt den Nachweis deiner Kompetenz in kooperativer Prozessgestaltung – nicht das Ziel des Falls." -footnote: "📚 Vgl. EPG Ausführungsbestimmungen, S. 2 (inhaltliche Vorgaben) und S. 7 (Beurteilungskriterien, max. 6 Pkt.) · Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 19 (Methodik praxisfeldübergreifend einsetzbar)" +hint: "Schreibe eine kurze Einleitung mit: (1) Aufgabenstellung des PKNW EPG, (2) Ziel der kooperativen Prozessgestaltung – nicht das Fallziel! – (3) vollständige Kapitelübersicht, (4) erste grobe Orientierung zum Praxiskontext und deiner Rolle im Begleitprozess, (5) fachliche Begründung der Fallauswahl und (6) Hinweis auf Anonymisierung aller Personen und der Organisation. Tipp: Das Ziel der Arbeit beschreibt den Nachweis deiner Kompetenz in kooperativer Prozessgestaltung – nicht das Ziel des Falls. Die EPG ist eine schriftliche Facharbeit in Einzelarbeit, die Kompetenz in der Anwendung der KPG-Elemente nachweist (EPG Ausführungsbestimmungen, S. 1)." +footnote: "📝 Einleitung rahmt die Arbeit — Aufgabe, Ziel, Vorgehen, Datenschutz" --- -***Aufgabenstellung und Übersicht*** +***Aufgabenstellung*** +Im Rahmen meines Studiums Sozialpädagogik HF Flex an der Agogis verfasse ich diese Facharbeit als promotionswirksamen Kompetenznachweis „Exemplarische Prozessgestaltung (EPG)". Meine Aufgabe ist es, die ersten fünf Prozessschritte der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG) anhand einer Praxissituation aus meinem Betrieb durchzuführen und zu dokumentieren. Grundlage bildet das Lehrbuch *Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit* von Hochuli Freund und Stotz (2021). + + +***Übersicht über die einzelnen Kapitel*** + +Nach der Einleitung (Kap. 1) folgt der organisationale Kontext (Kap. 2) sowie eine kurze Einführung in das Konzept der KPG (Kap. 3). Im Hauptteil werden die Prozessschritte Situationserfassung (3.1), Analyse (3.2), Diagnose (3.3), Zielsetzung (3.4) und Interventionsplanung (3.5) erarbeitet. Die Arbeit schliesst mit der fachlichen Reflexion (Kap. 4) ab. ***Ziel der kooperativen Prozessgestaltung*** +Mit dieser Facharbeit weise ich meine Kompetenz in der kooperativen Prozessgestaltung nach. Ich nutze sie, um bei Leny nochmals frisch hinzuschauen und die Situation zu strukturieren. Ich erhoffe mir handlungsleitende Erkenntnisse, die ich konkret für die Förderplanung und die weitere Begleitung umsetzen kann. ***Praxiskontext und eigene Rolle*** +In meinem Praxisbetrieb, einem stationären Sonderschulheim, arbeite ich als Sozialpädagogin in Ausbildung auf der Wohngruppe. Die Kinder leben im Wocheninternat und werden interdisziplinär begleitet. Als Bezugsperson von Leny führe ich verschiedene Gespräche, leite die sozialpädagogische Förderplanung, bereite Kinderbesprechungen und Standortgespräche vor, verfasse Berichte und koordiniere mit internen und externen Fachpersonen. ***Begründung der Fallauswahl*** +Die wiederkehrenden Themen bei Leny zeigen sich in vielen alltäglichen Situationen und betreffen mehrere Lebensbereiche. Lenys Verhalten wird im Team unterschiedlich eingeschätzt. Leny arbeitet gerne mit mir, was die kooperative Gestaltung begünstigt. -***Anonymisierung*** +***Persönlichkeits- und Datenschutz*** +Alle personenbezogenen Daten sind anonymisiert. Leny ist ein frei erfundenes Pseudonym. Weitere beteiligte Personen werden über ihre Funktion bezeichnet. Die Organisation nenne ich Praxisbetrieb. Die sprachliche Gestaltung erfolgt gemäss APA (7. Aufl.) geschlechtersensibel: Ist das Geschlecht bekannt, wird die entsprechende Bezeichnung verwendet, ansonsten eine geschlechtsneutrale Form. diff --git a/010-introduction/03-introduction-privacy-confirmed.jsonc b/010-introduction/03-introduction-privacy-confirmed.jsonc index cdcb6fc..bfef86a 100644 --- a/010-introduction/03-introduction-privacy-confirmed.jsonc +++ b/010-introduction/03-introduction-privacy-confirmed.jsonc @@ -1,13 +1,12 @@ -// Privacy confirmation checkbox { "id": "introduction-privacy-confirmed", "type": "checkbox", "title": "Datenschutz bestätigt", "label": "Ich bestätige, dass alle Personen und Organisationen anonymisiert dargestellt sind.", - "value": false, - "footnote": "⚠️ Bestehensrelevant: Ist der Persönlichkeits-/Datenschutz nicht korrekt deklariert und umgesetzt, erfolgt eine Auflage (EPG Ausführungsbestimmungen, S. 5).", + "value": true, + "footnote": "⚠️ Bestehensrelevant: Ist der Persönlichkeits-/Datenschutz nicht korrekt deklariert und umgesetzt, erfolgt eine Auflage ([Buch S. 5](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/5)). Vgl. auch AGB Kap. ‹Berufliche Schweigepflicht› und Richtlinien für schriftliche Facharbeiten Kap. 2 ([Buch S. 5](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/5)).", "config": { "colorWhenChecked": "green", "colorWhenUnchecked": "orange" } -} +} \ No newline at end of file diff --git a/010-introduction/04-introduction-quality-check.md b/010-introduction/04-introduction-quality-check.md index d840fcf..1d232b2 100644 --- a/010-introduction/04-introduction-quality-check.md +++ b/010-introduction/04-introduction-quality-check.md @@ -3,13 +3,20 @@ id: "introduction-quality-check" type: "guidance-box" title: "🔍 Qualitätsprüfung: Einleitung" variant: "slate" +footnote: "🔎 Prüfe anhand der EPG-Beurteilungskriterien und inhaltlichen Vorgaben" --- Prüfe vor dem Abschluss dieses Kapitels: -- [ ] **Aufgabenstellung** des PKNW EPG ist klar benannt -- [ ] **Ziel der Arbeit** formuliert (Nachweis der KPG-Kompetenz – kein Fallziel!) +**Inhaltliche Vollständigkeit** ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 2](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/1)): +- [ ] **Aufgabenstellung** des PKNW EPG ist klar benannt — was ist der Kompetenznachweis? ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 1](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/0)) +- [ ] **Ziel der Arbeit** formuliert — Nachweis der KPG-Kompetenz, nicht das Fallziel! Vgl. «kooperativen Begleitprozess initiieren und dokumentieren» ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 1](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/0)) - [ ] **Kapitelübersicht** ist vollständig und stimmt mit der tatsächlichen Gliederung überein -- [ ] **Praxiskontext** und **eigene Rolle** im Begleitprozess sind erkennbar (1.5 Pkt.) -- [ ] **Fallauswahl** ist fachlich begründet – nicht nur «der Fall lag nahe» (1.5 Pkt.) -- [ ] **Datenschutz/Anonymisierung** ist klar und konkret beschrieben (1.0 Pkt.) – alle Namen, Orte, Organisationen anonymisiert -- [ ] Gesamteindruck: Die Einleitung gibt eine erste Orientierung, ohne zu viel vorwegzunehmen +- [ ] **Praxiskontext** und **eigene Rolle** im sozialpädagogischen/kindheitspädagogischen Begleitprozess sind erkennbar +- [ ] **Fallauswahl** ist fachlich begründet – nicht nur «der Fall lag nahe». Tipp: KPG ist praxisfeldübergreifend einsetzbar ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 19](/book/arbeit/19)) – begründe, warum sich deine Situation dafür eignet. +- [ ] **Datenschutz/Anonymisierung** ist klar und konkret beschrieben – alle Namen, Orte, Organisationen sind anonymisiert + +**Formale Prüfung:** +- [ ] Die Einleitung gibt eine **erste Orientierung**, ohne zu viel vorwegzunehmen +- [ ] **Keine Falldetails** – diese gehören in die Situationserfassung (Kap. 4) +- [ ] **Datenschutz-Checkbox** ist angehakt +- [ ] Eigenleistung ist erkennbar – Quellen und Hilfsmittel transparent ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 5](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/4)) diff --git a/010-introduction/guidance.md b/010-introduction/guidance.md deleted file mode 100644 index 8053f04..0000000 --- a/010-introduction/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,38 +0,0 @@ -Die Einleitung rahmt die gesamte Arbeit und wird mit **max. 6 Punkten** bewertet ([Buch S. 7](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/7)). - -### Inhaltliche Erwartungen - -Gemäss EPG Ausführungsbestimmungen ([Buch S. 2](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/2)) umfasst die Einleitung: -- **Aufgabenstellung** des PKNW EPG -- **Kurze und vollständige Übersicht** über die einzelnen Kapitel der Facharbeit -- **Ziel** der vorliegenden kooperativen Prozessgestaltung – nicht das Fallziel! -- **Erste grobe Orientierung** zum eigenen Praxiskontext -- **Eigene Rolle** im sozialpädagogischen/kindheitspädagogischen Begleitprozess -- **Begründung der Fallauswahl** -- **Hinweis auf Persönlichkeits-/Datenschutz** (Anonymisierung aller beschriebenen Personen und Organisation) - -### Bewertungskriterien ([Buch S. 7](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/7)) - -| Kriterium | Punkte | -|---|---| -| Erste grobe Orientierung zum Praxiskontext und eigene Rolle dargestellt | 1.5 | -| Fallauswahl ist begründet | 1.5 | -| Handhabung des Persönlichkeits-/Datenschutzes klar und konkret beschrieben | 1.0 | -| Aufgabenstellung, Ziel der KPG, Kapitelübersicht | 2.0 | -| **Total** | **6.0** | - -### Tipps - -- Halte die Einleitung **kurz und prägnant** – sie soll eine Orientierung geben, kein ausführliches Kapitel sein. -- Das **Ziel der Arbeit** ist nicht das Fallziel, sondern das Ziel der KPG als Facharbeit (z. B. «Die vorliegende Arbeit dokumentiert exemplarisch einen kooperativen Begleitprozess…»). Vgl. EPG-Kompetenzbeschreibung ([Buch S. 1](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/1)). -- Begründe die Fallauswahl **fachlich**: Warum eignet sich diese Situation für eine KPG? Die Methodik ist praxisfeldübergreifend einsetzbar ([Buch S. 18](/book/arbeit/18)). -- Der **Datenschutz** ist bestehensrelevant: Ist er nicht korrekt deklariert und umgesetzt, erfolgt eine Auflage ([Buch S. 5](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/5)). - -### Checkliste - -- [ ] Aufgabenstellung PKNW EPG beschrieben -- [ ] Ziel der Arbeit formuliert (kein Fallziel) -- [ ] Kapitelübersicht vollständig -- [ ] Praxiskontext und eigene Rolle dargestellt -- [ ] Fallauswahl fachlich begründet -- [ ] Datenschutz/Anonymisierung explizit beschrieben diff --git a/010-introduction/index.jsonc b/010-introduction/index.jsonc index 816fa0a..9016963 100644 --- a/010-introduction/index.jsonc +++ b/010-introduction/index.jsonc @@ -3,12 +3,12 @@ "$schema": "https://kpg-app.ch/schema/chapter.schema.json", "stepId": "010-introduction", "title": "1. Einleitung", - "subTitle": "Aufgabenstellung, Ziel der Arbeit, Aufbau/Überblick, Rollenklärung, Datenschutz.", + "subTitle": "Aufgabenstellung, Ziel der KPG-Facharbeit, Kapitelübersicht, Praxiskontext und Rolle, Fallauswahl, Datenschutz.", "accentColor": "#666666", "status": "pending", "progress": 0, "labels": [ "Einleitung" ], - "overview": "Dieses Kapitel bildet den Rahmen für deine Arbeit. Stell den Auftrag vor, definiere dein Ziel und stell sicher, dass alle Voraussetzungen erfüllt sind." + "overview": "Dieses Kapitel rahmt die gesamte Arbeit (max. 6 Punkte). Stelle den Auftrag des PKNW EPG vor, definiere das Ziel der KPG (nicht das Fallziel!), gib eine vollständige Kapitelübersicht, skizziere deinen Praxiskontext und deine Rolle, begründe die Fallauswahl fachlich und beschreibe die Anonymisierung. Der Datenschutz ist bestehensrelevant." } diff --git a/020-organizationalContext/01-context-epg-guidance.md b/020-organizationalContext/01-context-epg-guidance.md index 693bf4a..cd8200c 100644 --- a/020-organizationalContext/01-context-epg-guidance.md +++ b/020-organizationalContext/01-context-epg-guidance.md @@ -2,19 +2,19 @@ id: "context-epg-guidance" type: "guidance-box" title: "📋 EPG-Bewertung: Organisationaler Kontext (max. 3 Punkte)" -variant: "rose" -footnote: "📚 EPG Ausführungsbestimmungen, S. 7 – «Nachvollziehbare und prägnante Darstellung des organisationalen Kontextes» ([Buch S. 7](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/7))" +variant: "amber" +footnote: "📋 Nachvollziehbare, prägnante Darstellung des organisationalen Kontextes" --- -Dieses Kapitel wird als Ganzes bewertet – es gibt keine Teilkriterien: +Dieses Kapitel wird als Ganzes bewertet – es gibt keine Teilkriterien ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 7](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/6)): -| Kriterium | Punkte | -|---|---| -| Relevante konkrete Punkte des organisationalen Kontextes sind dargestellt | 3.0 | +- **Relevante konkrete Punkte des organisationalen Kontextes sind dargestellt** (3.0 Punkte) -**Punkteskala** ([Buch S. 9](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/9)): +**Punkteskala** (Doppelbewertung, [EPG Ausführungsbestimmungen, S. 9](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/8)): - **3** = sehr gut / gut – Anforderungen ganz bis mehrheitlich erfüllt - **2** = genügend / befriedigend / ausreichend - **1** = ungenügend / unbefriedigend - **0** = unwesentlich bearbeitet, nicht korrekt oder fehlt -💡 **Tipp:** «Nachvollziehbar und prägnant» heisst: nur das Relevante, aber das vollständig. Max. ½ Seite. +💡 **Tipp:** «Nachvollziehbar und prägnant» heisst: nur das Relevante, aber das vollständig. Max. ½ Seite ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 2](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/1)). Frage dich: Was muss eine externe Fachperson über die Organisation wissen, um den institutionellen Rahmen des Falles zu verstehen? + +**Was "relevant" bedeutet:** Beschreibe nicht die ganze Organisation, sondern fokussiere auf die Aspekte, die für das Fallverständnis nötig sind (z. B. Angebot, Zielgruppe, institutioneller Auftrag, zentrale Rahmenbedingungen). Die **eigene Rolle** gehört gemäss EPG-Vorgaben in die **Einleitung**, nicht als eigener Schwerpunkt hierher. diff --git a/020-organizationalContext/02-context-text.md b/020-organizationalContext/02-context-text.md index 2efdaf2..db471ef 100644 --- a/020-organizationalContext/02-context-text.md +++ b/020-organizationalContext/02-context-text.md @@ -2,16 +2,24 @@ id: "context-text" type: "markdown" title: "Organisationaler Kontext" -hint: "Beschreibe nachvollziehbar und prägnant: (1) Organisation/Institution und Angebot, (2) Zielgruppe, (3) Auftragssystem und Zuständigkeiten, (4) Rahmenbedingungen (Spielräume/Grenzen) und (5) deine eigene Rolle/Funktion. Fokussiere auf das, was für den Fall relevant ist – keine Institutionsbroschüre. Umfang: max. ½ Seite. Dieses Kriterium wird als Gesamteindruck bewertet (3 = sehr gut, 2 = genügend, 1 = ungenügend)." -footnote: "📚 EPG Ausführungsbestimmungen, S. 7: «Relevante konkrete Punkte des organisationalen Kontextes sind dargestellt» (max. 3 Punkte)" +hint: "Beschreibe nachvollziehbar und prägnant die Organisation als institutionellen Rahmen des Falles: (1) Organisation/Institution und Angebot, (2) Zielgruppe, (3) relevanter institutioneller Auftrag und (4) zentrale Rahmenbedingungen. Fokussiere auf das, was für das Fallverständnis notwendig ist – keine Institutionsbroschüre. Umfang: max. ½ Seite. Dieses Kriterium wird als Gesamteindruck bewertet (3 = sehr gut, 2 = genügend, 1 = ungenügend). Tipp: Könnte eine externe Fachperson allein aus diesem Abschnitt den organisationalen Rahmen des Falles verstehen?" +footnote: "🏢 Organisationaler Kontext = Organisation knapp und fallrelevant darstellen" --- ***Organisation und Zielgruppe*** +Der Praxisbetrieb ist ein stationäres Sonderschulheim und richtet sich an Primarschulkinder mit erheblichen psychosozialen Beeinträchtigungen. Das Angebot umfasst stationäre sozialpädagogische Betreuung, interne Sonderschulung, kinderpsychiatrische Behandlung sowie die Einbindung des Herkunftssystems. Es werden maximal neun Kinder betreut. Die Aufnahme erfolgt über zuweisende Behörden oder Fachstellen nach fachlicher Abklärung. Die Aufenthaltsdauer beträgt in der Regel ein bis zwei Jahre. -***Auftrag*** +***Infrastruktur und Standort*** + +Der Betrieb befindet sich in einem Wohnhaus mit Nebenräumen und Aussenfläche, eingebettet in ein Wohnquartier am Waldrand. Zur Infrastruktur gehören Wohnbereich, Schulräume, Therapieräume, Atelier und Büros. Die städtische Infrastruktur ist gut erreichbar. +***Team*** -***Eigene Rolle / Funktion*** +Das interdisziplinäre Team besteht aus den Fachbereichen Wohnen (Sozialpädagogik), Schule (Lehrpersonen, Klassenassistenz, Heilpädagogin, Werklehrerin), Therapie (Psychiater, zwei Psychologinnen), Hauswirtschaft (Köchin, Reinigungsfachfrau) und Betriebsleitung. + +***Ansatz und Auftrag*** + +Die pädagogische Arbeit orientiert sich am lösungsorientierten *(evtl. und systemischen)* Ansatz. Ziel ist es, die Ressourcen der Kinder zu erkennen, zu stärken und eine altersgemässe Entwicklung zu unterstützen. Der Auftrag des sozialpädagogischen Teams besteht im Erlernen und Festigen alltagspraktischer Basiskompetenzen. Regelmässige Teamsitzungen, interdisziplinäre Besprechungen, Supervisionen und Weiterbildungen sichern die fachliche Qualität. diff --git a/020-organizationalContext/03-context-quality-check.md b/020-organizationalContext/03-context-quality-check.md index fde048c..11063d9 100644 --- a/020-organizationalContext/03-context-quality-check.md +++ b/020-organizationalContext/03-context-quality-check.md @@ -3,13 +3,18 @@ id: "context-quality-check" type: "guidance-box" title: "🔍 Qualitätsprüfung: Organisationaler Kontext" variant: "slate" +footnote: "🔎 Nachvollziehbar und prägnant — nur fallrelevante Kontextinfos" --- Prüfe vor dem Abschluss dieses Kapitels: +**Inhaltliche Vollständigkeit:** - [ ] **Organisation/Institution** und deren Angebot sind benannt - [ ] **Zielgruppe** ist klar beschrieben -- [ ] **Auftragssystem** und Zuständigkeiten sind nachvollziehbar dargestellt -- [ ] **Rahmenbedingungen** (Spielräume und Grenzen) sind skizziert -- [ ] **Eigene Rolle/Funktion** im Kontext ist erkennbar -- [ ] **Umfang:** Max. ½ Seite – nur das, was für das Fallverständnis relevant ist +- [ ] **Auftragssystem** und Zuständigkeiten sind nachvollziehbar dargestellt – wer erteilt Aufträge? Welche Mandate bestehen? +- [ ] **Rahmenbedingungen** (Spielräume und Grenzen) sind skizziert – was kannst du beeinflussen, was nicht? + +**Formale Prüfung:** +- [ ] **Umfang:** Max. ½ Seite – nur das, was für das Fallverständnis relevant ist ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 2](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/1)) - [ ] **Nachvollziehbar und prägnant?** Könnte eine externe Fachperson den Kontext verstehen? +- [ ] **Keine Redundanz** mit Einleitung – die eigene Rolle wird in der Einleitung dargestellt +- [ ] **Anonymisierung** konsequent eingehalten – Organisationsname, Standort etc. anonymisiert diff --git a/020-organizationalContext/guidance.md b/020-organizationalContext/guidance.md deleted file mode 100644 index a1cf0ce..0000000 --- a/020-organizationalContext/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,32 +0,0 @@ -Der organisationale Kontext verortet die Arbeit im institutionellen Rahmen und wird mit **max. 3 Punkten** bewertet ([Buch S. 7](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/7)). - -### Inhaltliche Erwartungen - -Beschreibe **nachvollziehbar und prägnant** die relevanten konkreten Punkte des organisationalen Kontextes. Dazu gehören: -- Organisation/Institution und Angebot -- Zielgruppe -- Auftragssystem und Zuständigkeiten -- Rahmenbedingungen (Spielräume und Grenzen) -- Eigene Rolle/Funktion - -### Bewertungskriterium ([Buch S. 7](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/7)) - -| Kriterium | Punkte | -|---|---| -| Relevante konkrete Punkte des organisationalen Kontextes sind dargestellt | 3.0 | - -💡 Dieses Kriterium wird als Ganzes bewertet (keine Teilkriterien). Punkteskala ([Buch S. 9](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/9)): **3** = sehr gut/gut, **2** = genügend, **1** = ungenügend, **0** = fehlt. - -### Tipps - -- Halte dich kurz: **max. eine halbe Seite** – nur das, was für den Fall relevant ist. -- «Nachvollziehbar und prägnant» heisst: das Wesentliche vollständig, aber keine Institutionsbroschüre. -- Frage dich: Was muss die Leserin wissen, um den Fall im Kontext zu verstehen? - -### Checkliste - -- [ ] Organisation/Angebot beschrieben -- [ ] Zielgruppe benannt -- [ ] Auftragssystem und Zuständigkeiten dargestellt -- [ ] Rahmenbedingungen (Spielräume/Grenzen) skizziert -- [ ] Eigene Rolle/Funktion im Kontext diff --git a/020-organizationalContext/index.jsonc b/020-organizationalContext/index.jsonc index 8d70bd4..dc3b216 100644 --- a/020-organizationalContext/index.jsonc +++ b/020-organizationalContext/index.jsonc @@ -3,12 +3,12 @@ "$schema": "https://kpg-app.ch/schema/chapter.schema.json", "stepId": "020-organizationalContext", "title": "2. Organisationaler Kontext", - "subTitle": "Kontext der Organisation, Auftragssystem, Rahmenbedingungen, Rolle.", + "subTitle": "Organisation, Zielgruppe, Auftragssystem, Rahmenbedingungen, eigene Rolle/Funktion.", "accentColor": "#666666", "status": "pending", "progress": 0, "labels": [ "Kontext" ], - "overview": "Dieses Kapitel dient der Verortung der Arbeit im institutionellen Rahmen. Gib eine knappe Beschreibung der Organisation, in der der Fall angesiedelt ist. EPG-Bewertung: max. 3 Punkte für relevanten und konkreten organisationalen Kontext. Ziellänge: maximal eine halbe Seite." + "overview": "Verorte deine Arbeit im institutionellen Rahmen (max. 3 Punkte, Gesamtbewertung). Beschreibe nachvollziehbar und prägnant die Organisation, Zielgruppe, Auftragssystem, Rahmenbedingungen und deine Rolle. Max. ½ Seite – nur das, was für das Fallverständnis relevant ist." } diff --git a/030-kpgExplained/01-kpg-quick-reference.md b/030-kpgExplained/01-kpg-quick-reference.md deleted file mode 100644 index e6eb079..0000000 --- a/030-kpgExplained/01-kpg-quick-reference.md +++ /dev/null @@ -1,18 +0,0 @@ ---- -id: "kpg-quick-reference" -type: "guidance-box" -title: "KPG Kurzübersicht" -variant: "sky" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 136–158 (Kap. 7: Konzept KPG) · ([Buch S. 153](/book/arbeit/153))" ---- -**Definition:** KPG ist ein generalistisches, professionstheoretisch fundiertes, methodenintegratives, auf Kooperation ausgerichtetes Konzept zur Gestaltung professionellen Handelns ([Buch S. 153](/book/arbeit/153)). - -**Zwei Phasen:** -- Analytisch-diagnostische Phase: Situationserfassung → Analyse → Diagnose -- Handlungsphase: Zielsetzung → Interventionsplanung → Durchführung → Evaluation - -**Kernprinzipien:** -- **Kooperation:** Arbeitsbeziehung mit Klient\*innen, Einbezug mehrerer Perspektiven, inter-/intraprofessionelle Zusammenarbeit ([Buch S. 145](/book/arbeit/145)) -- **Transparenz:** Klient\*innen verstehen und partizipieren an Entscheidungen -- **Zirkuläres Modell:** Iterativer Prozess – der Rückbezug auf das Prozessmodell erlaubt, das Handeln jederzeit neu zu strukturieren ([Buch S. 147](/book/arbeit/147)) -- **Methodenintegration:** Methoden werden fallbezogen und qualitätsgeprüft beigezogen ([Buch S. 156](/book/arbeit/156)) diff --git a/030-kpgExplained/02-kpg-text.md b/030-kpgExplained/02-kpg-text.md deleted file mode 100644 index 1551a09..0000000 --- a/030-kpgExplained/02-kpg-text.md +++ /dev/null @@ -1,8 +0,0 @@ ---- -id: "kpg-text" -type: "markdown" -title: "Einführung KPG" -hint: "Beschreibe die KPG in eigenen Worten als Orientierungsmodell für professionelles Handeln. Zentrale Punkte: (1) KPG als generalistisches, methodenintegratives Konzept (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 154), (2) die zwei Hauptphasen (analytisch-diagnostisch und Handlung) mit 7 Prozessschritten, (3) das Modell als «idealtypische Denkstruktur» – nicht als starres Schema (S. 147), (4) Zirkularität: Rückbezug und Neustrukturierung bei neuen Erkenntnissen (S. 148), (5) Kooperation mit Klient*innen und Fachpersonen als Kernprinzip (S. 146). Schreibe in eigenen Worten – zeige dein Verständnis, nicht nur Buchwissen." -footnote: "📚 Hochuli Freund/Stotz 2021, Kap. 7 (S. 136–158) · Praxisbuch: Anforderungen professionelles Handeln (S. 18ff.) und Ausdifferenzierung analytische Phase (S. 44)" ---- - diff --git a/030-kpgExplained/03-kpg-epg-guidance.md b/030-kpgExplained/03-kpg-epg-guidance.md deleted file mode 100644 index 4a28be5..0000000 --- a/030-kpgExplained/03-kpg-epg-guidance.md +++ /dev/null @@ -1,15 +0,0 @@ ---- -id: "kpg-epg-guidance" -type: "guidance-box" -title: "📋 Hinweis zur EPG-Bewertung" -variant: "amber" -footnote: "📚 Praxisbuch: Anforderungen professionelles Handeln (S. 18ff.) · Hochuli Freund/Stotz 2021, Kap. 7 (S. 136–158)" ---- -Dieses Kapitel hat **keine eigene Punktkategorie** in den EPG-Beurteilungskriterien. Es gehört inhaltlich zur Einleitung («Ziel der vorliegenden kooperativen Prozessgestaltung») und bildet die methodische Grundlage für alle folgenden Prozessschritte. - -**Warum es trotzdem wichtig ist:** -- Ein klares Verständnis der KPG als «idealtypische Denkstruktur» ([Buch S. 146](/book/arbeit/146)) zeigt sich in der Qualität aller Folgekapitel -- Die Notwendigkeit eines methodisch strukturierten Vorgehens wird im Lehrbuch ausführlich begründet ([Buch S. 139](/book/arbeit/139)) -- Im Praxisbuch wird die Ausdifferenzierung der analytischen Phase als grosser Vorteil der KPG hervorgehoben ([Buch S. 43](/book/praxis/43)) - -💡 **Tipp:** Schreibe ca. ½ Seite in eigenen Worten. Zeige, dass du das Konzept verstanden hast – nicht nur, dass du es wiedergeben kannst. diff --git a/030-kpgExplained/04-kpg-quality-check.md b/030-kpgExplained/04-kpg-quality-check.md deleted file mode 100644 index 6a9fa7b..0000000 --- a/030-kpgExplained/04-kpg-quality-check.md +++ /dev/null @@ -1,15 +0,0 @@ ---- -id: "kpg-quality-check" -type: "guidance-box" -title: "🔍 Qualitätsprüfung: Konzept KPG" -variant: "slate" ---- -Prüfe vor dem Abschluss dieses Kapitels: - -- [ ] **KPG als Konzept** ist in eigenen Worten erklärt (nicht nur abgeschrieben) -- [ ] **Zwei Phasen** (analytisch-diagnostisch und Handlung) und die **7 Prozessschritte** sind benannt -- [ ] **Zirkuläres/iteratives Verständnis** ist dargestellt – das Modell ist eine Denkstruktur, kein starres Schema ([Buch S. 146](/book/arbeit/146)) -- [ ] **Kooperation** (mit Klient\*innen und Fachpersonen) als Kernprinzip ist thematisiert ([Buch S. 145](/book/arbeit/145)) -- [ ] **Methodenintegration** ist erwähnt – Methoden werden fallbezogen und qualitätsgeprüft beigezogen ([Buch S. 156](/book/arbeit/156)) -- [ ] **Bezug zum eigenen Fall:** Kurzer Hinweis, wie du das Modell in deinem Fall anwenden wirst -- [ ] Gesamteindruck: Zeigt sich echtes Verständnis oder nur Wiedergabe? diff --git a/030-kpgExplained/guidance.md b/030-kpgExplained/guidance.md deleted file mode 100644 index c3221c8..0000000 --- a/030-kpgExplained/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,28 +0,0 @@ -Dieses Kapitel stellt das Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG) als **Orientierungsmodell** für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit dar. Es ist ein Dachkapitel, das die methodische Grundlage für alle folgenden Prozessschritte legt. - -### Inhaltliche Erwartungen - -Erkläre die KPG **in eigenen Worten**. Zeige, dass du das Konzept verstanden hast und es auf deinen Fall anwenden kannst. Zentrale Aspekte: - -- **Definition:** KPG ist ein generalistisches, professionstheoretisch fundiertes, methodenintegratives, auf Kooperation ausgerichtetes Konzept ([Buch S. 153](/book/arbeit/153)) -- **Zwei Hauptphasen:** Analytisch-diagnostische Phase (Situationserfassung → Analyse → Diagnose) und Handlungsphase (Zielsetzung → Interventionsplanung → Durchführung → Evaluation) -- **Idealtypisches Modell als Denkstruktur:** Das Prozessmodell dient als Orientierung – in der Praxis verlaufen Prozesse nicht linear, sondern zirkulär und iterativ ([Buch S. 146](/book/arbeit/146)) -- **Zirkularität:** Der Rückbezug auf das Prozessmodell erlaubt, aus neu gewonnenen Erkenntnissen das Handeln neu zu strukturieren ([Buch S. 147](/book/arbeit/147)) -- **Kooperation:** Zusammenarbeit mit Klient\*innen (Koproduktion), inter- und intraprofessionelle Kooperation als zentrale Elemente ([Buch S. 145](/book/arbeit/145)) -- **Methodenintegration:** Methoden werden fallbezogen beigezogen und müssen Qualitätsanforderungen professionellen Handelns genügen ([Buch S. 156](/book/arbeit/156)) - -### Bezug zum Praxisbuch - -Im Praxisbuch wird gezeigt, wie verschiedene Professionalitätsentwürfe miteinander verglichen werden und welche Anforderungen an professionelles Handeln daraus abgeleitet werden ([Buch S. 17](/book/praxis/17)). Die bei KPG vorgenommene Aufteilung in Prozessschritte schafft begriffliche Klarheit und stellt für jeden Schritt Qualitätsmerkmale auf ([Buch S. 43](/book/praxis/43)). - -### Hinweis zur EPG-Bewertung - -Dieses Kapitel hat keine eigene Punktkategorie in den EPG-Beurteilungskriterien. Es gehört inhaltlich zur Einleitung (Ziel der KPG) und bildet die Grundlage für das Verständnis aller folgenden Prozessschritte. Ein gutes Verständnis der KPG wirkt sich positiv auf die gesamte Arbeit aus. - -### Checkliste - -- [ ] KPG als Konzept in eigenen Worten erklärt -- [ ] Zwei Phasen und Prozessschritte benannt -- [ ] Zirkuläres/iteratives Verständnis dargestellt -- [ ] Kooperation und Koproduktion thematisiert -- [ ] Bezug zum eigenen Fall hergestellt diff --git a/030-kpgExplained/index.jsonc b/030-kpgExplained/index.jsonc index 557c638..a5898a2 100644 --- a/030-kpgExplained/index.jsonc +++ b/030-kpgExplained/index.jsonc @@ -3,12 +3,12 @@ "$schema": "https://kpg-app.ch/schema/chapter.schema.json", "stepId": "030-kpgExplained", "title": "3. Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung", - "subTitle": "Dachkapitel: Erklärung der KPG als Orientierungsmodell, Prozessmodell.", + "subTitle": "KPG als generalistisches, methodenintegratives Orientierungsmodell: Phasen, Prozessschritte, Kooperation, Zirkularität.", "accentColor": "#666666", "status": "pending", "progress": 0, "labels": [ "Wie arbeite ich?" ], - "overview": "Kurze Darstellung der KPG als Orientierungsmodell (zwei Phasen, Prozessschritte, zirkuläres Verständnis, Kooperation/Koproduktion)." + "overview": "Dachkapitel: Erkläre die KPG in eigenen Worten als Orientierungsmodell für professionelles Handeln. Zentrale Aspekte: Zwei Phasen mit 7 Prozessschritten, zirkuläres Verständnis (Denkstruktur, kein starres Schema), Kooperation/Koproduktion, Methodenintegration. Keine eigene Punktkategorie, aber Grundlage für alle Folgekapitel." } diff --git a/040-situationAssessment/01-situation-epg-guidance.md b/040-situationAssessment/01-situation-epg-guidance.md index e2587b0..fc33958 100644 --- a/040-situationAssessment/01-situation-epg-guidance.md +++ b/040-situationAssessment/01-situation-epg-guidance.md @@ -2,17 +2,17 @@ id: "situation-epg-guidance" type: "guidance-box" title: "EPG Qualitätskriterien" -variant: "sky" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 160–182 (Kap. 8 Situationserfassung)" +variant: "amber" +footnote: "📋 Beurteilungskriterien Situationserfassung gemäss EPG" --- -**Erfassungsmethoden:** Nutze geeignete Methoden zur Situationserfassung – z. B. Erkundungsgespräche, Beobachtung (frei oder strukturiert) und Aktenstudium. Methodische Hilfsmittel wie Realitätsausschnitt, Strukturierungsraster und Leitfäden findest du im ([Buch S. 164](/book/arbeit/164)). Formen von Erkundungsgesprächen sind beschrieben im ([Buch S. 169](/book/arbeit/169)). +**Erfassungsmethoden:** Nutze geeignete Methoden zur Situationserfassung – z. B. Erkundungsgespräche, Beobachtung (frei oder strukturiert) und Aktenstudium. Methodische Hilfsmittel wie Realitätsausschnitt, Strukturierungsraster und Leitfäden findest du im ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 165](/book/arbeit/165)). Formen von Erkundungsgesprächen sind beschrieben im ([S. 169](/book/arbeit/169)). **EPG-Bewertung (max. 10 Punkte):** - Auftragsklärung (Organisations- und klient*innenbezogener Auftrag) nachvollziehbar und differenziert (1.5 Punkte) - Relevante Aspekte der Vorgeschichte nachvollziehbar und prägnant festgehalten (1.5 Punkte) - Person differenziert beschreibend und ressourcenorientiert dargestellt (1.5 Punkte) - Gegenwärtige Situation differenziert und nachvollziehbar festgehalten (1.5 Punkte) -- Vorläufige Themen deutlich benannt und erlutert (1.5 Punkte) +- Vorläufige Themen deutlich benannt und erläutert (1.5 Punkte) - Erfassungsmethode(n) benannt; Herkunft der Informationen ersichtlich; kooperativ und mehrperspektivisch erfasst (1.5 Punkte) - Fallsituation insgesamt nachvollziehbar dargestellt (1 Punkt) diff --git a/040-situationAssessment/02-situation-kpg-principle.md b/040-situationAssessment/02-situation-kpg-principle.md index 0b3bb1b..d91c6f9 100644 --- a/040-situationAssessment/02-situation-kpg-principle.md +++ b/040-situationAssessment/02-situation-kpg-principle.md @@ -1,7 +1,16 @@ --- id: "situation-kpg-principle" type: "guidance-box" -title: "KPG-Prinzip" -variant: "amber" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 162 (Aufgaben und Vorgehen)" +title: "KPG-Prinzip: Situationserfassung" +variant: "sky" +footnote: "📚 Aufgaben, Vorgehen und Ressourcenorientierung der Situationserfassung" --- +**Leitmotiv:** «So viel wie möglich sehen – so wenig wie möglich verstehen» ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 163](/book/arbeit/163)). Informationen werden mit einer Haltung der Offenheit und Unvoreingenommenheit erfasst. + +**Aufgabe:** Die wichtigsten Informationen zum Fall und seinem Kontext zusammentragen, um sich ein erstes Bild der Fallsituation zu machen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 162](/book/arbeit/162)). Die Situationserfassung ist zugleich eine kontinuierliche Aufgabe — sie wird im Verlauf des Unterstützungsprozesses immer wieder aktualisiert. + +**Ressourcenorientierung:** Der professionelle Blick richtet sich gezielt auf das Positive und Vorhandene — mindestens 60 % der Personenbeschreibung sollen ressourcenorientiert sein ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 164](/book/arbeit/164)). + +**Kooperation:** Die Zusammenarbeit mit dem Klient*innensystem ist unabdingbar. Gemeinsames Suchen nach Informationen ist zugleich eine erste Intervention ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 164](/book/arbeit/164)). + +**Trennschärfe:** Unterscheide konsequent zwischen Information und Bewertung, zwischen objektiven Daten und subjektiven Geschichten, zwischen personenbezogenen Informationen und solchen zur Lebenssituation ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 163](/book/arbeit/163)). diff --git a/040-situationAssessment/03-situation-methods-guidance.md b/040-situationAssessment/03-situation-methods-guidance.md index 1980dae..303e69b 100644 --- a/040-situationAssessment/03-situation-methods-guidance.md +++ b/040-situationAssessment/03-situation-methods-guidance.md @@ -3,10 +3,10 @@ id: "situation-methods-guidance" type: "guidance-box" title: "Erfassungsmethoden" variant: "sky" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 165–182" +footnote: "🛠️ Methodische Hilfsmittel für die Situationserfassung" --- Drei klassische Methoden zur Situationserfassung – kombiniere sie für ein multiperspektivisches Bild: -1. **Erkundungsgespräche** – formelle und informelle Gespräche mit Klient*in, Angehörigen und Fachpersonen ([Buch S. 169](/book/arbeit/169)) -2. **Beobachtung** – freie oder strukturierte Fremdbeobachtung im Alltag; nutze einen Beobachtungsbogen zur Konkretisierung ([Buch S. 173](/book/arbeit/173)) -3. **Aktenstudium** – reflektierte, fokussierte Erfassung aus bestehenden Berichten und Dokumenten ([Buch S. 180](/book/arbeit/180)) +1. **Erkundungsgespräche** – Formelle und informelle Gespräche mit Klient*in, Angehörigen und Fachpersonen. Nutze offene Impulsfragen und aufmerksames Zuhören. Das narrative Interview bietet einen direkten Zugang zur subjektiven Erlebenswelt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 169–171](/book/arbeit/169)). +2. **Beobachtung** – Freie oder strukturierte Fremdbeobachtung im Alltag ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 174](/book/arbeit/174)). Entwickle fallspezifische Beobachtungsbogen: Vorinformationen, Themen, Hypothesen vergegenwärtigen, dann Thema, Fragestellung und Ziel festlegen ([S. 177](/book/arbeit/177)). +3. **Aktenstudium** – Reflektierte, fokussierte Erfassung aus Berichten, Gutachten, Hilfeplänen. Beachte: Akten sind Konstruktionen — bleibe offen und bilde keine Vorurteile ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 181](/book/arbeit/181)). diff --git a/040-situationAssessment/04-situation-einleitung.md b/040-situationAssessment/04-situation-einleitung.md index fd20c83..c323c04 100644 --- a/040-situationAssessment/04-situation-einleitung.md +++ b/040-situationAssessment/04-situation-einleitung.md @@ -2,12 +2,9 @@ id: "situation-einleitung" type: "markdown" title: "Einleitungsabsatz" -hint: "Beschreibe das Ziel der Situationserfassung (ein Bild der Fallsituation erhalten), den gewählten Realitätsausschnitt und die eingesetzten Erfassungsmethoden (Erkundungsgespräche, Beobachtung, Aktenstudium). Nenne, mit wem du kooperiert hast." -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 160–162" +hint: "Beschreibe das Ziel der Situationserfassung (ein Bild der Fallsituation erhalten), den gewählten Realitätsausschnitt und die eingesetzten Erfassungsmethoden (Erkundungsgespräche, Beobachtung, Aktenstudium). Nenne, mit wem du kooperiert hast. Hinweis: Dies ist der erste Prozessschritt — es gibt keinen «Bezug zum vorherigen Schritt»." +footnote: "📚 So viel wie möglich sehen — so wenig wie möglich verstehen" --- ***Ziel des Prozessschrittes*** -In der Situationserfassung mache ich mir ein umfassendes Bild der Fallsituation. Ich setze den Realitätsausschnitt und trage zusammen, was ist. Es geht ausschliesslich um das Sammeln von Informationen. Dazu habe ich verschiedene Methoden eingesetzt: Erkundungsgespräche, Beobachtungen im sozialpädagogischen Alltag, Journal-Einträge anderer Fachpersonen, Rückmeldungen an Sitzungen, Standortgespräche sowie das Studium bestehender Berichte und Akten. - -***Methode(n)*** - +In der Situationserfassung mache ich mir ein Bild von Lenys aktueller Fallsituation. Ich fokussiere seine Lebenssituation im Wocheninternat und in der Schule seit seinem Eintritt Anfang 2025. Frühere biografische und familiäre Belastungen nehme ich nur auf, wenn sie zum Verständnis der gegenwärtigen Situation und der vorläufigen Themen notwendig sind. Die Informationen erfasse ich mit Erkundungsgesprächen, Beobachtungen im Alltag, Journal-Einträgen, Standortgesprächen sowie Berichten und Akten. diff --git a/040-situationAssessment/05-situation-text.md b/040-situationAssessment/05-situation-text.md index eac2c02..394bbaa 100644 --- a/040-situationAssessment/05-situation-text.md +++ b/040-situationAssessment/05-situation-text.md @@ -2,117 +2,43 @@ id: "situation-text" type: "markdown" title: "Situationserfassung" -hint: "Fundierte, beschreibende Darstellung der Fallsituation. Gliedere in: Auftragsklärung (Organisations- und Klient*innenauftrag), Vorgeschichte (Biografie, soziales Umfeld), Person (beschreibend, ressourcenorientiert, min. 60 %), gegenwärtige Situation und vorläufige Themen. Nur beschreiben, nicht bewerten – keine Interpretationen! Mache bei jeder Information die Quelle (Gespräch, Beobachtung, Akte) kenntlich. (EPG: max. 10 Punkte)" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 162–165" +hint: "Fundierte, beschreibende Darstellung der Fallsituation. Gliedere in: Auftragsklärung (Organisations- und Klient*innenauftrag), Vorgeschichte (Biografie, soziales Umfeld), Person (beschreibend, ressourcenorientiert, min. 60 %), gegenwärtige Situation und vorläufige Themen. Nur beschreiben, nicht bewerten – keine Interpretationen! Mache bei jeder Information die Quelle (Gespräch, Beobachtung, Akte) kenntlich. Erfasse stets auch die ‹soziale Dimension› – Lebenssituation und soziale Integration." +footnote: "📚 Realitätsausschnitt, Ressourcenorientierung und soziale Dimension" --- ***Auftrag*** -Der Auftrag richtet sich nach der Indikation und wird individuell festgelegt. Ziel ist es, die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten, ihre Ressourcen zu erkennen und zu stärken sowie neue Verhaltensmuster einzuüben. Der Auftrag des sozialpädagogischen Teams besteht im Erlernen und Festigen alltagspraktischer Basiskompetenzen sowie in der Unterstützung einer altersgemässen Entwicklung. +Im Bericht des schulpsychologischen Dienstes wird festgehalten, dass Leny den Schulstoff in der Regelklasse nicht altersgemäss erarbeiten konnte. Die Lehrperson beschrieb Konzentrationsschwierigkeiten, extreme Müdigkeit im Unterricht und die erkennbaren Sorgen Lenys um seine Mutter. Ein erhöhter Betreuungsbedarf wurde geprüft. Der bereits länger involvierte schulpsychologische Dienst diagnostizierte in diesem Zusammenhang eine Posttraumatische Belastungsstörung und empfahl die Platzierung in einem Sonderschulheim. Die Mutter stimmte dieser Empfehlung zu. -***Organisationsstruktur (Teamkonstellation)*** +Die Obhut liegt bei der Kindsmutter. Für Leny besteht eine **_Berufsbeistandschaft_** mit dem Auftrag, sein Kindeswohl sicherzustellen. -Leny lebt im Wocheninternat und wird im Alltag vom sozialpädagogischen Team begleitet. Er besucht die interne Schule und nimmt wöchentlich an Einzel- sowie Gruppentherapie teil. Aus jedem Bereich hat er eine Bezugsperson. Es finden regelmässig fachübergreifende Austausche statt. An den Standortgesprächen nehmen die internen Bezugspersonen sowie externe Fachpersonen wie die Beiständin und der Schulpsychologische Dienst teil. Die Kinder arbeiten einmal wöchentlich mit der Köchin zusammen. Zudem findet eine freie Förderstunde statt, in der eigene Projekte umgesetzt werden können. Im Rahmen der sozialpädagogischen Begleitung finden Schwimm- und Turneinheiten statt. Die Freizeit wird sozialpädagogisch gestaltet und partizipativ mit den Kindern geplant. Es besteht die Möglichkeit, externe Hobbys zu besuchen. Wöchentlich findet ein externes Angebot statt (Malort nach Arno Stern). Zum Jahresprogramm gehören zudem Projekttage sowie ein Ski- und ein Sommerlager. - -***Einweisungsgrund und einweisende Stelle*** - -Der Schulpsychologische Dienst des Wohnortes war bereits länger in den Unterstützungsprozess der Familie eingebunden. In der öffentlichen Schule zeigte sich zunehmend, dass Leny Mühe hatte, sich auf Aufgaben zu konzentrieren. Er ist mehrmals im Unterricht eingeschlafen und konnte den Schulstoff nicht entsprechend erarbeiten. Seitens der Schule wurde festgehalten, dass er sich stark um seine Mutter sorgt. Im Jahr 2022 wurde durch den Schulpsychologischen Dienst die Diagnose PTS gestellt und der Besuch eines Sonderschulheims empfohlen. Die Mutter erklärte sich einverstanden. - -***Rechtliche Situation*** - -Die Obhut liegt bei der Kindsmutter. Für Leny besteht eine Beistandschaft mit dem Auftrag, sein Kindeswohl sicherzustellen. - -***Auftrag bezüglich Klient*** - -Der Auftrag bezüglich Leny besteht darin, ihn in seiner persönlichen, schulischen und sozialen Entwicklung zu begleiten. Er soll sich abgrenzen können von der Verantwortung gegenüber seiner Mutter, damit er seine Entwicklungsschritte nachholen und machen kann. Im schulischen Bereich soll er seine Aufmerksamkeit besser fokussieren und Aufgaben zunehmend selbstständig bearbeiten können. Im sozialpädagogischen Alltag geht es um mehr Orientierung und Struktur sowie um das Festigen alltagspraktischer Kompetenzen. ***(nochmals in Akte lesen)*** +Der Auftrag im Praxisbetrieb besteht darin, Leny in seiner persönlichen, schulischen und sozialen Entwicklung zu begleiten. Dabei geht es um mehr Orientierung im Alltag, um mehr Selbstständigkeit bei schulischen und alltagspraktischen Aufgaben und um eine Entlastung von der Verantwortung gegenüber seiner Mutter. ***Vorgeschichte*** -***Vorgeschichte vom Klienten*** +Leny ist das älteste Kind der Familie. Er lebte einige Jahre mit seiner Mutter im Ausland beim Vater. Die Eltern trennten sich in seiner frühen Kindheit. Von der Mutter erfuhr ich, dass diese Zeit schwierig war und von Gewalt geprägt war. Mit Unterstützung ihrer Eltern kehrte sie mit Leny in die Schweiz zurück. -Leny ist das älteste Kind der Familie. Seine Eltern trennten sich in seiner frühen Kindheit. Er lebte einige Jahre mit seiner Mutter im Ausland beim Vater. Die dortige Situation war von schwierigen und gewaltbelasteten Verhältnissen geprägt. Mit Unterstützung ihrer Eltern kehrte die Mutter mit Leny in die Schweiz zurück. +Seither lebt Leny bei seiner Mutter. Aus Akten, Gesprächen mit der Mutter, Lenys Erzählungen und Beobachtungen im Alltag wurde für mich sichtbar, dass die familiäre Situation über längere Zeit belastet war. Leny hat drei Geschwister aus verschiedenen Partnerschaften der Mutter. Alle partnerschaftlichen Beziehungen der Mutter waren und sind von Gewalt geprägt. Die Mutter war mit den Anforderungen des Alltags, der Betreuung der jüngeren Geschwister und den partnerschaftlichen Konflikten erheblich belastet. Heute lebt Leny mit seiner Mutter, deren Partner und seinen Geschwistern im gemeinsamen Haushalt. Die Beziehung zum Partner der Mutter beschreibt er ambivalent. -Leny lebt seither bei seiner Mutter. Der Kontakt zum Vater ist gering, es besteht jedoch regelmässiger Kontakt zu einer in der Schweiz lebenden Schwester des Vaters. +Leny ist in ein grosses familiäres und freundschaftliches Netzwerk eingebunden. Er erzählt häufig, was er mit Verwandten und Freunden unternimmt. Die Grosseltern mütterlicherseits leben in unmittelbarer Nähe und leisten viel Entlastungsarbeit im Familienalltag. Auch die Geschwister der Kindsmutter sind wichtige Bezugspersonen für Leny. Zu einer Tante väterlicherseits hat er ebenfalls stabilen Kontakt und verbringt dort immer wieder Ferien. Leny hat viele Freunde. Viele dieser Freundschaften bestehen seit früher Kindheit. Während der Woche vermisst er diese zeitweise. -Auch eine spätere Beziehung der Mutter war von Gewalt geprägt. Aus dieser Beziehung stammen Zwillingsschwestern (2019). Aus der aktuellen Beziehung der Mutter wurde 2023 ein weiterer Bruder geboren. Leny lebt heute mit seiner Mutter, deren Partner sowie seinen Geschwistern im gemeinsamen Haushalt. +Nach der Rückkehr in die Schweiz besuchte Leny den Kindergarten. Die Mutter beschreibt diese Zeit als schwierig. In der öffentlichen Primarschule wurde er als beliebtes Klassenmitglied beschrieben. Es zeigte sich eine schulische Überforderung (siehe Abschnitt Auftrag). Im Unterstützungsprozess wurde der Mutter eine Platzierung Lenys nahegelegt, damit Leny entlastet werden konnte und sich der Alltag zuhause stabilisieren konnte. Dies gelang bis heute nur teilweise. Seit Anfang 2025 lebt Leny im Wocheninternat. -***Soziales Umfeld*** - -Die Grosseltern mütterlicherseits leben in kurzer Gehdistanz und sind stark in die Alltagsbewältigung der Familie eingebunden (Kinderbetreuung, Mahlzeiten, finanzielle Unterstützung). Die Mutter äussert wiederholt den Wunsch nach mehr Autonomie und beschreibt die Situation teilweise als fremdbestimmt. - -Leny hat mehrere Freunde in seiner Wohnumgebung. Er erzählt im Alltag häufig von gemeinsamen Erlebnissen und vermisst seine Freunde während der Aufenthalte im Wocheninternat. Ein enger Freund ist kürzlich ins Ausland gezogen, was Leny beschäftigte und über das er mehrfach sprach. - -***Fähigkeiten, Ressourcen*** - -Die Mutter beschreibt Leny in Gesprächen als herzlich und gutmütig. - -Im Alltag auf der Wohngruppe fällt dem sozialpädagogischen Team seine Freundlichkeit und sein Humor auf. Er ist im 1:1 gut erreichbar. In der Zusammenarbeit mit der Köchin wird berichtet, dass er gerne mithilft und die Zusammenarbeit als angenehm erlebt wird. In der freien Förderstunde setzt er kreativ eigene Projekte um. - -Leny hat ein gutes Körperbewusstsein und lernt schnell Bewegungsabläufe. Dies zeigt sich zum Beispiel beim Skifahren lernen oder im besuchten Fechtkurs. - -***Schwierigkeiten, Probleme*** - -Die Mutter berichtet, dass sie Leny auf Appelle hin häufig nicht erreicht. - -Die Lehrpersonen beschreiben weiterhin Konzentrationsschwierigkeiten und einen erhöhten Begleitbedarf im Unterricht. - -Im Alltag auf der Wohngruppe wird wiederholt seine Vergesslichkeit und fehlende Orientierung im Wochenablauf beobachtet. Leny selbst sagt in solchen Situationen häufig „ich weiss nicht" oder „ich habe es vergessen". - -Bei Konflikten wird von Seiten des Teams wahrgenommen, dass er sich eher zurückzieht. Er äussert zudem, dass er „Ämtli" nicht gerne erledigt. - -***Biografische Verlaufsdaten / Beeinträchtigungen*** - -Nach der Rückkehr in die Schweiz besuchte Leny den Kindergarten. Die Mutter berichtet, dass diese Zeit für ihn schwierig war. - -In der öffentlichen Primarschule wurde er als beliebtes Klassenmitglied beschrieben. Gleichzeitig zeigten sich zunehmende Konzentrationsschwierigkeiten. Aus schulischen Berichten geht hervor, dass Leny wiederholt im Unterricht eingeschlafen ist und den Schulstoff nicht altersentsprechend erarbeiten konnte. Zum Zeitpunkt der Platzierung befand er sich in der 4. Primarschulklasse. - -Der Schulpsychologische Dienst wurde beigezogen und begleitete den weiteren Prozess. - -Im Jahr 2022 wurde durch den Schulpsychologischen Dienst die Diagnose PTS gestellt. Im Bericht wird zudem eine enge emotionale Bindung an die Mutter beschrieben. - -In der Folge wurde eine stationäre schulische Lösung empfohlen. Eine Beiständin wurde eingesetzt mit dem Auftrag, das Kindeswohl sicherzustellen und geeignete Lösungen zu prüfen. - -***Vorgeschichte in Organisation*** - -Leny ist seit einem Jahr im Praxisbetrieb. Er hat sich rasch eingelebt und Freundschaften geschlossen. Bei Eintritt wurde er schulisch auf der Stufe der 4. Klasse unterrichtet. Seitens der Lehrpersonen wurde ein schulischer Rückstand von etwa einem Jahr beschrieben. Zu Beginn zeigte sich eine deutliche Entwicklung, nach den Sommerferien wurden teilweise wieder Rückschritte wahrgenommen. - -Im sozialpädagogischen Alltag wurde besonders an seiner Ordnung und seiner Präsenz gearbeitet. - -***Fähigkeiten, Ressourcen*** - -In der Schule haben sich Präsenz und Konzentration verbessert. In der Einzeltherapie fühlt er sich von Beginn an wohl und genoss den Raum dort. Er lässt sich zunehmend auf den Prozess ein und öffnet sich für seine Thematiken. - -***Schwierigkeiten, Probleme*** - -Es wurde beobachtet, dass er sich nicht gut abgrenzen kann und oft Unruhe in die Gruppe bringt. - -Zuhause gab es immer wieder schwierige Phasen bezüglich des Partners der Mutter. Die Mutter zieht sich teils stark zurück und ist phasenweise schwer bis gar nicht erreichbar. Es wurde versucht, verschiedene Stressoren abzubauen. +Im Praxisbetrieb lebte sich Leny rasch ein und schloss Freundschaften. Zu Beginn wurden positive Entwicklungen wahrgenommen, nach den Sommerferien teilweise wieder Rückschritte. In der Förderplanung verschob sich der Fokus im Verlauf von Ordnung über Aufmerksamkeit und Präsenz hin zur Orientierung im Tages- und Wochenablauf. ***Person*** Leny ist Anfang dieses Jahres 12 Jahre alt geworden. Er ist ein Junge mit altersgemässem, eher robustem Körperbau und wirkt gepflegt. +Die Mutter beschreibt Leny in Gesprächen als herzlich und gutmütig. Im Alltag auf der Wohngruppe fallen dem sozialpädagogischen Team seine Freundlichkeit und sein Humor auf. In 1:1-Situationen gelingt die Zusammenarbeit mit Leny gut, und er geniesst diese Settings. Er hilft gerne mit, etwa in der Küche, und setzt in freien Förderstunden kreativ eigene Ideen um. Leny verfügt über ein gutes Körperbewusstsein und lernt Bewegungsabläufe schnell, zum Beispiel beim Skifahren oder Fechten. Neuem begegnet er offen und neugierig. Konflikte mit anderen Kindern kann er teilweise selbständig klären. + +Die Mutter berichtet, dass sie Leny auf Appelle hin häufig nicht erreicht. Lehrpersonen beschreiben weiterhin Konzentrationsschwierigkeiten und einen erhöhten Begleitbedarf im Unterricht. Im Alltag zeigt sich, dass Leny rasch den Überblick verliert, Dinge vergisst und klare Anleitung braucht. Leny selbst sagt in solchen Situationen häufig "ich weiss nicht" oder "ich habe es vergessen". Bei Konflikten zieht er sich eher zurück. Er äussert zudem, dass er "Ämtli" nicht gerne erledigt. Wut und andere belastende Gefühle zeigt er kaum und lehnt es teils auch ab, ihnen Ausdruck zu geben. + ***Gegenwärtige Situation*** -***Veränderungen / Besonderheiten*** +Im Alltag zeigt sich bei Leny weiterhin Vergesslichkeit und wenig Orientierung im Tages- und Wochenablauf. Er vergisst Absprachen, Gegenstände oder Aufträge und übernimmt Verantwortung oft erst nach klarer Aufforderung. Aufgaben gibt er rasch ab oder benötigt klare Anleitung. Obwohl ich in der Förderplanung gezielt an seiner Orientierung im Tages- und Wochenablauf arbeite, greift dies im Alltag bisher nur begrenzt. Die Abläufe werden für ihn noch nicht zur Routine. Leny selbst zeigt sich in solchen Situationen meist wenig beeindruckt. Er wirkt daran gewöhnt und reagiert höchstens genervt darauf, dass wir ihn wiederholt daran erinnern. Im Austausch mit Teammitgliedern zeigt sich, dass diese Situationen unterschiedlich wahrgenommen werden. Wenn Leny etwas vergisst, nicht reagiert oder Aufträge nicht umsetzt, wird dies teils als Überforderung und fehlende Orientierung verstanden. Teils entsteht auch der Eindruck, dass er Anforderungen bewusst ignoriert. -Im Alltag zeigt sich bei Leny weiterhin eine deutliche Vergesslichkeit und wenig Orientierung im Tages- und Wochenablauf. Er weiss oft nicht, was ansteht, und übernimmt Verantwortung nur zögerlich. Aufgaben gibt er rasch ab oder benötigt klare Anleitung. - -Im Team wird wiederholt eingefordert, dass er mehr Struktur übernimmt und Absprachen einhält. Sein Verhalten wird dabei teilweise unterschiedlich eingeschätzt, insbesondere in Bezug auf seine Vergesslichkeit. - -Zudem erlebt Leny immer wieder Heimweh. Er äusserte kürzlich, dass ihn dieses Gefühl belastet und er daran arbeiten möchte. - -Gleichzeitig beschäftigt ihn die Frage seiner schulischen Zukunft. Er war enttäuscht, nicht in seine alte Klasse zurückkehren zu können, und äussert inzwischen, dass er sich ein weiteres Bleiben vorstellen kann. Die Perspektive ist derzeit noch offen. - -*(Evtl. noch ergänzen: tagträumen, nicht zuhören, lebt in den Tag hinein)* +Zudem erlebt Leny immer wieder Heimweh. Er äusserte kürzlich, dass ihn dieses Gefühl belastet und er daran arbeiten möchte. Gleichzeitig beschäftigt ihn seine schulische Zukunft. Er war enttäuscht, nicht in seine alte Klasse zurückkehren zu können, und äussert inzwischen, dass er sich ein weiteres Bleiben vorstellen kann. Die Perspektive ist derzeit weiterhin offen. Ein Junge, zu dem er auf der Wohngruppe eine sehr enge Freundschaft hatte, ist kürzlich ausgezogen. Seither zeigt sich, dass Leny wieder mehr Kontakt zu den anderen Kindern auf der Wohngruppe sucht. Gleichzeitig nehmen die Sorgen um die Situation zuhause wieder zu, da die Belastung in der Beziehung der Mutter erneut zugenommen hat. Kürzlich sagte mir Leny, dass er sich um seine Mutter sorge und das Gefühl habe, dass es ihr nicht gut gehe. ***Vorläufige Themen*** -*(Wird noch erarbeitet — folgende Themen zeichnen sich aus der Situationserfassung und den Journal-Einträgen ab:)* - -1. **Vergessene Gegenstände und Aufgaben** — Bezieht sich auf Dinge die Leny vergisst, zum Beispiel Schuhe, Jacke, Bleistift, Aufgaben. - -2. **Orientierung und Organisation im Tages-/Wochenablauf** — Bezieht sich auf Wissen um den Ablauf, wann was gemacht wird, und wie klar der Wochenplan ist. - -3. **Ausweichendes Verhalten** — Ob Leny in Anforderungen ausweicht, nicht reagiert, nicht zuhört oder weitergeht. Wichtig ist die Sicht der Beteiligten, wann und in welchen Situationen dies auftritt. - -4. **Heimweh und emotionales Befinden** — Wann Heimweh auffällt, wie er es äussert, und wie es von aussen bemerkt wird. +Wenn ich die Situationsbeschreibung wie ein Bild betrachte, kommen einige Themen besonders deutlich in den Vordergrund. So würde ich vorläufig folgende Themen beschreiben: Lenys Vergesslichkeit fällt in allen Bereichen auf. Die Orientierung im Tages- und Wochenablauf ist beinahe täglich ein Thema. Auch sein Umgang mit Anforderungen zeigt sich wiederholt und wird im Team unterschiedlich wahrgenommen. Ebenso zeigen sich Heimweh und emotionale Belastung im Zusammenhang mit seiner aktuell noch ungeklärten schulischen Perspektive sowie der belasteten Situation zuhause. Diese Themen erachte ich als lohnend, im nächsten Kapitel weiter zu vertiefen. diff --git a/040-situationAssessment/99-situation-quality-check.md b/040-situationAssessment/99-situation-quality-check.md index d596fe2..dc7e8b6 100644 --- a/040-situationAssessment/99-situation-quality-check.md +++ b/040-situationAssessment/99-situation-quality-check.md @@ -3,15 +3,15 @@ id: "situation-quality-check" type: "guidance-box" title: "Qualitätsprüfung: Situationserfassung" variant: "slate" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 182 (Reflexion des Prozessschrittes)" +footnote: "🔎 Prüfe anhand EPG-Beurteilungskriterien und Prozessreflexion" --- -Bevor du zur Analyse übergehst, prüfe anhand der EPG-Kriterien (max. 10 Punkte): +Bevor du zur Analyse übergehst, prüfe: -- **Auftragsklärung** (1.5 P.): Sind Organisationsauftrag und klient*innenbezogener Auftrag nachvollziehbar und differenziert? -- **Vorgeschichte** (1.5 P.): Sind relevante Aspekte der Vorgeschichte prägnant und nachvollziehbar festgehalten? -- **Person** (1.5 P.): Ist die Person differenziert beschreibend und ressourcenorientiert (min. 60 %) dargestellt? -- **Gegenwärtige Situation** (1.5 P.): Ist sie differenziert und nachvollziehbar? -- **Vorläufige Themen** (1.5 P.): Sind sie deutlich benannt und erläutert? -- **Erfassungsmethoden** (1.5 P.): Ist ersichtlich, woher welche Information stammt? Kooperativ und mehrperspektivisch? -- **Gesamtbild** (1 P.): Ist die Fallsituation insgesamt nachvollziehbar dargestellt? -- **Trennschärfe**: Ist Beschreibung (Fakten) klar von Bewertung (Interpretation) getrennt? +- [ ] **Auftragsklärung**: Organisationsauftrag und klient*innenbezogener Auftrag nachvollziehbar und differenziert +- [ ] **Vorgeschichte**: Relevante Aspekte prägnant und nachvollziehbar festgehalten +- [ ] **Person**: Differenziert beschreibend und ressourcenorientiert (min. 60 %) dargestellt +- [ ] **Gegenwärtige Situation**: Differenziert und nachvollziehbar +- [ ] **Vorläufige Themen**: Deutlich benannt und erläutert +- [ ] **Erfassungsmethoden**: Herkunft der Informationen ersichtlich, kooperativ und mehrperspektivisch +- [ ] **Gesamtbild**: Fallsituation insgesamt nachvollziehbar dargestellt +- [ ] **Trennschärfe**: Beschreibung (Fakten) klar von Bewertung (Interpretation) getrennt diff --git a/040-situationAssessment/guidance.md b/040-situationAssessment/guidance.md deleted file mode 100644 index e73a290..0000000 --- a/040-situationAssessment/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,15 +0,0 @@ -Ziel ist es, ein fundiertes Bild der Fallsituation zu erstellen. Erfasse methodisch die wichtigsten Informationen zu Auftrag, Person, Vorgeschichte und aktueller Situation. Fokussiere auf multiperspektivische Erfassung und klient*innenspezifische Kooperation. EPG-Bewertung: max. 10 Punkte. Leitsatz: «Möglichst viel sehen – möglichst wenig verstehen.» ([Buch S. 159](/book/arbeit/159)) - -### Methodentipps -- **Erkundungsgespräche:** Formelle und informelle Gespräche; nutze offene Fragen ([Buch S. 169](/book/arbeit/169)) -- **Beobachtung:** Strukturiere mit einem Beobachtungsbogen – Thema, Fragestellung, Ziel festlegen ([Buch S. 176](/book/arbeit/176)) -- **Aktenstudium:** Reflektiert und fokussiert; überlege vorher, welche Informationen du suchst ([Buch S. 180](/book/arbeit/180)) - -### Checkliste -- Auftragsklärung: Organisations- und klient*innenbezogener Auftrag differenziert (1.5 P.) -- Vorgeschichte: relevante Aspekte prägnant festgehalten (1.5 P.) -- Person: beschreibend und ressourcenorientiert, min. 60 % Ressourcen (1.5 P.) -- Gegenwärtige Situation: differenziert und nachvollziehbar (1.5 P.) -- Vorläufige Themen: deutlich benannt und erläutert (1.5 P.) -- Erfassungsmethoden: benannt, Herkunft ersichtlich, mehrperspektivisch (1.5 P.) -- Gesamtbild: Fallsituation nachvollziehbar dargestellt (1 P.) diff --git a/050-analysis/01-analysis-epg-guidance.md b/050-analysis/01-analysis-epg-guidance.md index c650e40..55b8519 100644 --- a/050-analysis/01-analysis-epg-guidance.md +++ b/050-analysis/01-analysis-epg-guidance.md @@ -2,15 +2,15 @@ id: "analysis-epg-guidance" type: "guidance-box" title: "EPG Qualitätskriterien" -variant: "sky" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 187–224 (Kap. 9 Analyse)" +variant: "amber" +footnote: "📋 Beurteilungskriterien Analyse gemäss EPG" --- -**Analysemethoden:** Wähle geeignete Methoden zur Strukturierung und Analyse der erfassten Daten – z. B. Genogramm, Zeitstrahl/biografischer Zeitbalken, Netzwerkkarte, Kompetenzanalyse, Ressourcen-/Problemanalyse, Lebensbereichanalyse. Eine Übersicht der Notationssysteme findest du im ([Buch S. 199](/book/arbeit/199)) und zur Netzwerkkarte im ([Buch S. 206](/book/arbeit/206)). +**Analysemethoden:** Wähle geeignete Methoden zur Strukturierung und Analyse der erfassten Daten – z. B. Genogramm, Zeitstrahl/biografischer Zeitbalken, Netzwerkkarte, Kompetenzanalyse, Ressourcen-/Problemanalyse, Lebensbereichanalyse. Eine Übersicht der Notationssysteme findest du im ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 200](/book/arbeit/200)) und zur Netzwerkkarte im ([S. 207](/book/arbeit/207)). **EPG-Bewertung (max. 9 Punkte):** - Analysemethode(n) passend gewählt, Wahl begründet, korrekt und fachlich fundiert erläutert (1.5 Punkte) - Kooperation differenziert und konkret dargestellt (1.5 Punkte) -- Analyse enthlt relevante und vertiefende Aspekte (1.5 Punkte) +- Analyse enthält relevante und vertiefende Aspekte (1.5 Punkte) - Konstatierende Hypothesen schlüssig abgeleitet, korrekt formuliert und gewichtet (1.5 Punkte) - Fallthematik präzise und schlüssig formuliert; passende Grundlage für die Diagnose (3 Punkte) diff --git a/050-analysis/02-analysis-kpg-principle.md b/050-analysis/02-analysis-kpg-principle.md index e6e446d..ee5d36c 100644 --- a/050-analysis/02-analysis-kpg-principle.md +++ b/050-analysis/02-analysis-kpg-principle.md @@ -1,7 +1,18 @@ --- id: "analysis-kpg-principle" type: "guidance-box" -title: "KPG-Prinzip" -variant: "amber" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 187–191" +title: "KPG-Prinzip: Analyse" +variant: "sky" +footnote: "📚 Methodenwahl, Datenerhebung, Hypothesen — der Analysestandard" --- +**Zweck der Analyse:** Die Analyse dient der Klärung — ihr zentraler Zweck ist die Bestimmung der **Fallthematik**: «Worum geht es in diesem Fall eigentlich?» ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 190](/book/arbeit/190)). Komplexität wird zunächst erweitert (Datenerhebung), anschliessend reduziert (Auswertung). + +**Vorgehen in 4 Schritten:** +1. Wahl geeigneter Analysemethoden +2. Datenerhebung (Auslegeordnung) — Einschätzungen, Bewertungen, Beurteilungen verschiedener Beteiligter einholen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 188](/book/arbeit/188)) +3. Auswertung mittels konstatierender Hypothesen +4. Herausarbeiten der Fallthematik ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191](/book/arbeit/191)) + +**Methodenstandard:** Mindestens zwei Analysemethoden einsetzen, davon mindestens eine, die die Einschätzungen der Klient*innen direkt aufnimmt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 227](/book/arbeit/227)). + +**Konstatierende Hypothesen:** Fassen zusammen, WAS festgestellt wurde — beschreibend, nicht erklärend. Es geht um Probleme und Risiken ebenso wie um individuelle und soziale Ressourcen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191](/book/arbeit/191)). diff --git a/050-analysis/03-analysis-forbidden-terms.md b/050-analysis/03-analysis-forbidden-terms.md index 989679e..3d0b9b7 100644 --- a/050-analysis/03-analysis-forbidden-terms.md +++ b/050-analysis/03-analysis-forbidden-terms.md @@ -3,8 +3,8 @@ id: "analysis-forbidden-terms" type: "guidance-box" title: "In der Analyse VERBOTEN:" variant: "rose" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191 (Vorgehen: konstatierend, nicht erklärend)" +footnote: "⚠️ Keine erklärenden Begriffe — nur beschreiben, WAS ist" --- - Analyse beschreibt, was IST (konstatierend), nicht warum. Konstatierende Hypothesen fassen zusammen, WAS festgestellt ohne Ursachenerklärung. Erklärungen gehören erst in die Diagnose.wurde +Die Analyse beschreibt, was IST (konstatierend), nicht warum. Konstatierende Hypothesen fassen zusammen, WAS festgestellt wurde — ohne Ursachenerklärung. Erklärungen gehören erst in die Diagnose (Prozessschritt 3.3). - weil • ❌ deshalb • ❌ damit • ❌ um zu • ❌ daher • ❌ aufgrund +❌ weil • ❌ deshalb • ❌ damit • ❌ um zu • ❌ daher • ❌ aufgrund diff --git a/050-analysis/04-analysis-einleitung.md b/050-analysis/04-analysis-einleitung.md index 4ddd663..42a41c6 100644 --- a/050-analysis/04-analysis-einleitung.md +++ b/050-analysis/04-analysis-einleitung.md @@ -2,11 +2,17 @@ id: "analysis-einleitung" type: "markdown" title: "Einleitungsabsatz" -hint: "Beschreibe das Ziel der Analyse (Auslegeordnung, Strukturierung, Bewertung der erfassten Daten), den Bezug zur Situationserfassung und die gewählten Analysemethoden (z. B. Genogramm, Netzwerkkarte, Zeitstrahl). Begründe kurz, warum du diese Methoden gewählt hast." -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 187–191" +hint: "Beschreibe das Ziel der Analyse (Auslegeordnung, Strukturierung, Bewertung der erfassten Daten), den Bezug zur Situationserfassung (welche vorläufigen Themen ergaben sich?) und die gewählten Analysemethoden (z. B. Genogramm, Netzwerkkarte, Zeitstrahl, Perspektivenanalyse). Begründe kurz, warum du diese Methoden fallbezogen gewählt hast." +footnote: "📚 Vier Schritte: Methodenwahl → Datenerhebung → Hypothesen → Fallthematik" --- ***Ziel des Prozessschrittes*** +Ausgehend von der gegenwärtigen Situation und den vorläufigen Themen wird mit zwei praxisrelevanten Analysemethoden eine vertiefte Auslegeordnung vorgenommen. Die wichtigsten Erkenntnisse werden in konstantierenden Hypothesen zusammengefasst, gewichtet und zur Fallthematik verdichtet. + ***Bezug zum vorherigen Schritt*** +Bereits in der Situationserfassung zeigten sich mehrere vorläufige Themen, die im Prozessschritt Analyse weiter vertieft werden sollten. Ein besonderes Gewicht erhielt dabei das Thema Heimweh bzw. emotionale Belastung, da Leny bereits in 3.1 äusserte, dass er daran arbeiten möchte. + ***Methode(n)*** + +Für die vertiefte Analyse wählte ich die Perspektivenanalyse und die Drei Häuser. Mit der Perspektivenanalyse wollte ich die Sicht verschiedener Beteiligter systematisch zusammentragen. Mit den Drei Häusern wollte ich Lenys eigene Sicht noch deutlicher erfassen. diff --git a/050-analysis/05-analysis-methode-1.md b/050-analysis/05-analysis-methode-1.md index f44753e..d9352c2 100644 --- a/050-analysis/05-analysis-methode-1.md +++ b/050-analysis/05-analysis-methode-1.md @@ -2,13 +2,65 @@ id: "analysis-methode-1" type: "markdown" title: "Analysemethode 1" -hint: "Wähle ein Notationssystem (z. B. Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte, Kompetenzanalyse, Ressourcen-/Problemanalyse) und begründe die Wahl fallbezogen. Beschreibe die kooperative Bearbeitung mit Klient*in oder Beteiligten. Halte die relevanten Aspekte und Erkenntnisse fest." -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 200–222 (Notationssysteme und Analysemethoden)" +hint: "Wähle ein Notationssystem oder eine Analysemethode (z. B. Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte, Silhouette, Kompetenzanalyse, Perspektivenanalyse, Lebensbereichanalyse) und begründe die Wahl fallbezogen. Beschreibe die kooperative Bearbeitung mit Klient*in oder Beteiligten. Halte die relevanten Aspekte und Erkenntnisse fest. Mindestens eine Methode muss die Einschätzung der Klient*innen aufnehmen." +footnote: "📊 Notationssysteme: Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte, Silhouette" --- ***Analysemethode*** +Perspektivenanalyse + ***Begründung der Methodenwahl*** +In der Situationserfassung zeigte sich, dass Leny von verschiedenen Fachpersonen unterschiedlich wahrgenommen wird. Deshalb wählte ich die Perspektivenanalyse. Ich wollte die Sicht aus Wohnen, Schule, Therapie, Familie und von Leny selber zusammentragen, um genauer zu erkennen, welche Themen sich übergreifend zeigen und was ich in dieser Arbeit weiter erhellen möchte. + ***Kooperative Bearbeitung*** +Ich erstellte für die Fachpersonen einen Fragebogen und passte diesen für die Mutter und für Leny in einfacherer Sprache an. Mit der Mutter und mit Leny bearbeitete ich die Fragen in einem Bezugspersonengespräch. Den Fachpersonen stellte ich den Fragebogen zur schriftlichen Beantwortung zu. Es war sehr erfreulich, wie engagiert die Beteiligten mitarbeiteten und mir die Fragen rasch und präzise beantworteten. Dadurch bewegte sich das Thema im ganzen Praxisbetrieb. + ***Relevante Aspekte*** + +#### Vergessen +Ich sehe, dass sich das Thema Vergessen in fast allen Perspektiven zeigt. Leny vergisst nicht nur Gegenstände, sondern auch Aufträge, Informationen, Termine, Abläufe und konkrete Alltagsschritte. + +Im Wohnen fällt das vor allem bei Übergängen, bei mehreren Aufträgen und dann auf, wenn viel los ist. In der Schule zeigt es sich eher bei Lerninhalten, beim Zuhören sowie bei Müdigkeit, Ablenkung oder fehlendem Interesse. Die Kindsmutter beschreibt ähnliche Situationen: viel Programm, Müdigkeit, Streit oder Momente, in denen es Leny nicht gut geht. Leny selbst nennt vor allem alltagspraktische Dinge. Einiges kann sich Leny auch gut merken, besonders wenn er dafür genügend Interesse hat oder es ihm wichtig scheint. + +Für mich sprechen die Antworten nicht für eine allgemeine Vergesslichkeit. Sie deuten darauf hin, dass das Vergessen je nach Situation, Belastung und Interesse unterschiedlich stark sichtbar wird. + +#### Orientierung im Tages- und Wochenablauf +Nach meiner Einschätzung zeigt sich bei der Orientierung kein einheitliches Bild. Leny wirkt je nach Situation sehr unterschiedlich orientiert. + +Mehrere Perspektiven beschreiben, dass seine Orientierung besser ist, wenn es ihm gut geht, wenn ihn etwas interessiert oder wenn er etwas im 1:1 erklärt bekommt. Schwierigkeiten zeigen sich vor allem bei Wochentagen, Zeitabläufen, kurzfristigen Veränderungen und dann, wenn vieles gleichzeitig läuft. Schule und Wohnen beschreiben die Orientierung insgesamt als schwankend. Auch die Kindsmutter sagt, dass Leny Absprachen oft nicht mehr weiss, ausser etwas ist für ihn besonders wichtig. + +Leny selbst beschreibt seine Orientierung ebenfalls unterschiedlich. Er nennt Unsicherheiten beim Verlaufen, bei Wochentagen und Monaten. Gleichzeitig beschreibt er sich in vertrauten Bereichen, bei technischen Themen und bei konkreten Handlungen als gut orientiert. + +Für mich sprechen die Antworten nicht für eine durchgehend schwache Orientierung. Sie deuten darauf hin, dass Leny je nach Interesse, Belastung, Vertrautheit und Form der Anleitung unterschiedlich gut orientiert ist. + +#### Ausweichen / nicht reagieren +Ich sehe das Thema Ausweichen in fast allen Perspektiven. Es zeigt sich vor allem dann, wenn Leny etwas nicht machen will, wenn ihn etwas überfordert, wenn ihn ein Thema unangenehm berührt oder wenn eine Anforderung an ihn gestellt wird. + +Wohnen, Schule, Kindsmutter und Therapie beschreiben ähnlich, dass Leny eher ausweicht, abschaltet oder nicht reagiert, wenn etwas lästig ist, wenn er keine Lust hat oder wenn es um schwierige Themen geht. In der Schule wird das auch bei Überforderung und Anstrengung sichtbar. In der Therapie zeigt es sich eher bei biografischen Themen oder wenn es um eigene Anteile in Konflikten geht. Leny sagt selbst, dass er bei Wut oder Traurigkeit manchmal nicht antwortet, weil er sonst weinen oder schreien müsste. + +Für mich zeigt sich Ausweichen nicht zufällig. Es steht oft im Zusammenhang mit Anforderungen, unangenehmen Themen, Überforderung oder starker innerer Anspannung. + +#### Heimweh / emotionale Belastung +Nach meiner Einschätzung wird Heimweh nicht von allen gleich stark beschrieben. Deutlich häufiger genannt wird eine emotionale Belastung, die vor allem am Abend, nach Wochenenden, nach Ferien, nach Konflikten oder dann sichtbar wird, wenn zuhause etwas schwierig ist. + +Wohnen, Schule, Kindsmutter und Leny beschreiben ähnliche Zeichen: Rückzug, Traurigkeit, Weinen, Müdigkeit, körperliche Beschwerden, Abwesenheit oder Spannungsverlust. In der Schule wird das nach Wochenenden und Ferien teils stark mit Müdigkeit verbunden. Im Wohnen zeigt sich die Belastung oft am Abend oder in ruhigen Momenten. Die Kindsmutter beschreibt, dass Leny ruhiger wird und über Kopfweh oder Bauchweh klagt. Leny selbst sagt, dass er vor allem nachts an zuhause und an schöne Momente mit seiner Familie denkt. Mehrere Fachpersonen im Praxisbetrieb bringen Lenys emotionale Belastung mit Sorgen um seine Familie in Zusammenhang. Der Bereich Wohnen benennt konkret die Sorge um seine Mutter und den Wunsch, sie zu schützen. + +Für mich steht weniger Heimweh allein im Vordergrund, sondern eher eine emotionale Belastung rund um Familie, Trennung, Konflikte und Übergänge. + +#### Übergreifende Muster aus der Perspektivenanalyse +**1. Lenys Verhalten wirkt stark situationsabhängig.** +Vergessen, Orientierung, Ausweichen und emotionale Belastung zeigen sich je nach Situation unterschiedlich stark. + +**2. Belastung hat in mehreren Themen Gewicht.** +Müdigkeit, Streit, viele Reize, viele Anforderungen gleichzeitig und belastende Themen tauchen in mehreren Bereichen wieder auf. In solchen Momenten zeigen sich mehr Schwierigkeiten. + +**3. Interesse und Bedeutsamkeit machen einen Unterschied.** +Wenn Leny etwas wichtig findet, wenn er sich auskennt oder wenn ihn etwas interessiert, wirkt er oft orientierter und präsenter. Wenn etwas lästig, anstrengend oder wenig bedeutsam ist, zeigen sich eher Ausweichen, Vergessen oder Abschalten. + +**4. Übergänge und Anforderungen scheinen heikle Momente zu sein.** +Besonders auffällig sind Wechsel, Aufträge, Gruppensituationen, kurzfristige Veränderungen und Momente, in denen etwas von Leny verlangt wird. Dort verdichten sich mehrere Themen. + +**5. Emotionale Belastung zeigt sich in verschiedenen Bereichen (Wohnen, Therapie, Schule, Familie und Lenys Sicht).** +Sie wird über Rückzug, Weinen, Müdigkeit, Abwesenheit, Kopfweh oder Bauchweh sichtbar. Auch Sorgen um seine Familie werden übergreifend wahrgenommen. diff --git a/050-analysis/06-analysis-hypothesen-1.md b/050-analysis/06-analysis-hypothesen-1.md index a478a75..0ce3aae 100644 --- a/050-analysis/06-analysis-hypothesen-1.md +++ b/050-analysis/06-analysis-hypothesen-1.md @@ -2,7 +2,33 @@ id: "analysis-hypothesen-1" type: "markdown" title: "Konstatierende Hypothesen (Methode 1)" -hint: "Formuliere konstatierende Hypothesen: Was lässt sich aus der Analyse feststellen? Gewichte die Hypothesen nach Relevanz. Achtung: nur beschreiben, WAS ist – keine Ursachenerklärungen (kein ‹weil›, ‹deshalb›)." -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191 (konstatierende Hypothesen)" +hint: "Formuliere konstatierende Hypothesen: Was lässt sich aus der Analyse feststellen? Gehe gedanklich auf eine Metaebene und halte Zentrales, Auffallendes, sich Widersprechendes oder Irritierendes fest. Gewichte die Hypothesen nach Relevanz. Achtung: nur beschreiben, WAS ist – keine Ursachenerklärungen (kein ‹weil›, ‹deshalb›)." +footnote: "🔍 Konstatierende Hypothesen — Vogelperspektive und Gewichtung" --- +1. Die Erwachsenen erkennen bei Leny häufiger emotionale Belastung als klassisches Heimweh. Sie zeigt sich besonders am Abend, nach Wochenenden, nach Ferien, nach Konflikten und bei Stress zuhause. +2. Emotionale Belastung erkennen die Erwachsenen bei Leny dadurch, dass er traurig, in sich gekehrt, ruhiger, müde oder angespannt wirkt. + +3. Leny verbindet Heimweh damit, an zuhause, an seine Familie und an schöne Momente zu denken. Als Ausdruck beschreibt er Weinen, einen dicken Hals und eine laufende Nase. Die Kindsmutter nennt zusätzlich Kopfweh und Bauchweh. + +4. Mehrere Fachpersonen im Praxisbetrieb bringen Lenys emotionale Belastung mit Sorgen um seine Familie in Zusammenhang. Konkret benannt werden dabei die Sorge um seine Mutter und der Wunsch, sie zu schützen. + +5. Ausweichen oder Nicht-Reagieren zeigt sich bei Leny vor allem bei Anforderungen, unangenehmen oder lästigen Themen, Überforderung und Müdigkeit. + +6. Lenys Ausweichen wird unterschiedlich gedeutet. Es wird als nicht wollen, nicht mögen, Müdigkeit oder Überforderung beschrieben. Der Bereich Therapie und Leny selbst beschreiben es auch als Schutz vor starken Emotionen. + +7. Belastung, Müdigkeit, Reizfülle, Übergänge und viele gleichzeitige Anforderungen erschweren Leny in mehreren Themen den Alltag. + +8. Leny beschreibt seine Orientierung selbst unterschiedlich. An vertrauten Orten ist er gut orientiert. Schwieriger ist es für ihn bei neuen Orten und Wegen sowie bei Wochentagen und Monaten. + +9. Leny ist bei direkten Handlungen sicherer orientiert als bei zeitlich gebundenen oder mehrschrittigen Abläufen, die er sich merken muss. Bisherige Versuche, ihm solche Abläufe einzuprägen, zeigen wenig Wirkung. + +10. Vergessen zeigt sich bei Leny in verschiedenen Bereichen, besonders im Wohnen und in der Schule, bezogen auf Übergänge, Handlungen, Informationen und Material. Leny selbst beschreibt Vergessen vor allem bei Alltagshandlungen und Material. In der Therapie ist Vergessen kaum Thema und zeigt sich nur beim Übergang in die Therapie. + +11. Vergessen zeigt sich bei Leny stärker, wenn er emotional belastet oder müde ist und wenn viel los ist. + +12. Leny kann sich Dinge besser merken, wenn sie für ihn wichtig oder interessant sind. + +13. Vergessen, Orientierung, Ausweichen und emotionale Belastung zeigen sich bei Leny nicht durchgehend gleich, sondern je nach Situation unterschiedlich stark. + +14. Interesse, Vertrautheit und konkrete Handlungen helfen Leny in mehreren Themen. Dann wirkt er präsenter, merkt sich mehr und ist orientierter. diff --git a/050-analysis/07-analysis-methode-2.md b/050-analysis/07-analysis-methode-2.md index 747f648..c496469 100644 --- a/050-analysis/07-analysis-methode-2.md +++ b/050-analysis/07-analysis-methode-2.md @@ -2,13 +2,27 @@ id: "analysis-methode-2" type: "markdown" title: "Analysemethode 2" -hint: "Wähle eine zweite, ergänzende Analysemethode (z. B. Lebensbereichanalyse, Perspektivenanalyse, PRO-ZIEL-Basisdiagnostik) und begründe die Wahl. Beschreibe die kooperative Bearbeitung und halte relevante Aspekte fest." -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 194–222" +hint: "Wähle eine zweite, ergänzende Analysemethode (z. B. Lebensbereichanalyse, Perspektivenanalyse, PRO-ZIEL-Basisdiagnostik, Kompetenzanalyse, Ressourcen-/Problemanalyse) und begründe die Wahl fallbezogen. Die zweite Methode soll einen anderen Aspekt beleuchten als die erste. Beschreibe die kooperative Bearbeitung und halte relevante Aspekte fest." +footnote: "📊 Perspektiven-, Kompetenz-, Lebensbereichanalyse und PRO-ZIEL" --- ***Analysemethode*** +Drei Häuser + ***Begründung der Methodenwahl*** +Als zweite Analysemethode wählte ich die Drei Häuser. Mir war wichtig, Lenys eigene Sicht noch deutlicher zu erfassen. Die Methode ist kindgerecht, konkret und half mir, mit ihm über gute Dinge, Sorgen sowie Wünsche und Träume ins Gespräch zu kommen. So erhielt ich eine ergänzende Sicht auf Themen, die in der Perspektivenanalyse bereits sichtbar wurden. + ***Kooperative Bearbeitung*** +Ich erarbeitete die Drei Häuser mit Leny in einem Bezugspersonengespräch. Die Zusammenarbeit war offen und kooperativ. Leny liess sich gut auf die Methode ein, hatte Freude an den Bildern auf dem Formular und arbeitete sehr gut mit, obwohl er müde war. + ***Relevante Aspekte*** + +Im **Haus der guten Dinge** sehe ich vor allem Beziehungen, konkrete Tätigkeiten und vertraute Dinge. Wichtig sind für Leny die Mami, Freundschaften, das Bett, Zeichnen, Kochen und Sport. Auch X-Box und Geld finden gehören für ihn zu den guten Dingen. + +Im **Haus der Sorgen** fallen mir vor allem Themen rund um zuhause auf. Leny sorgt sich um Trennungspläne der Mutter, um die Geschwister, um mögliche Gewalt zuhause und darum, dass ein neuer Freund kommt. Auch die Trauer um die alte Klasse ist noch da. Ich deute daraus, dass Leny besonders die Situation seiner Mutter und Geschwister beschäftigt. Ich sehe hier viele Sorgen rund um Familie, Veränderung und Unsicherheit. + +Im **Haus der Wünsche und Träume** zeigt sich für mich vor allem der Wunsch nach Ruhe und Entlastung. Leny wünscht sich keine Sorgen, keine Zigaretten, kein Bier und dass die Mami keinen Partner hat. Daneben stehen auch einfache Wünsche wie unendlich viele Nudeln oder Geld haben ohne zu arbeiten. **Die Sehnsucht nach Thailand und seinem Vater.** + +**Übergreifend** fällt mir auf, dass sich vor allem die Themen **Familie, Belastung zuhause, Sicherheit und Ruhe** verdichten. Gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig für Leny auch einfache und gute Dinge im Alltag sind. diff --git a/050-analysis/08-analysis-hypothesen-2.md b/050-analysis/08-analysis-hypothesen-2.md index 3c928fb..88487d0 100644 --- a/050-analysis/08-analysis-hypothesen-2.md +++ b/050-analysis/08-analysis-hypothesen-2.md @@ -2,7 +2,11 @@ id: "analysis-hypothesen-2" type: "markdown" title: "Konstatierende Hypothesen (Methode 2)" -hint: "Formuliere konstatierende Hypothesen aus der zweiten Analysemethode. Gewichte sie nach Relevanz. Nur feststellen, WAS ist – keine Ursachenerklärungen." -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191" +hint: "Formuliere konstatierende Hypothesen aus der zweiten Analysemethode. Gehe auf die Metaebene: Was fällt auf? Was widerspricht sich? Was irritiert? Gewichte die Hypothesen nach Relevanz. Nur feststellen, WAS ist – keine Ursachenerklärungen. Bringe die Hypothesen in den Dialog mit Klient*innen." +footnote: "🔍 Konstatierende Hypothesen — datenbasierte Aussagen formulieren" --- +1. Leny beschäftigen vor allem die Sorgen um zuhause, um die Mutter und um die Geschwister. +2. Für Leny funktionieren die Beziehung zur Mami, zu Freunden, Zeichnen, Kochen, Sport, Gamen, sein Bett sowie der Praxisbetrieb und die Schule gut. + +3. Leny wünscht sich Ruhe, Sicherheit und Entlastung im Familiensystem. Er nennt auch seine Sehnsucht nach Thailand und seinem Vater. diff --git a/050-analysis/09-analysis-fallthematik.md b/050-analysis/09-analysis-fallthematik.md index 4ef0b03..4254e07 100644 --- a/050-analysis/09-analysis-fallthematik.md +++ b/050-analysis/09-analysis-fallthematik.md @@ -2,9 +2,29 @@ id: "analysis-fallthematik" type: "markdown" title: "Fallthematik" -hint: "Die Fallthematik ist das zentrale Ergebnis der Analyse – sie verdichtet alle konstatierenden Hypothesen zur Kernfrage: «Worum geht es in diesem Fall eigentlich?» Formuliere sie präzise, theorieoffen (keine Erklärungen!) und so, dass sie eine passende Grundlage für die Diagnose bildet. EPG: 3 Punkte!" +hint: "Die Fallthematik ist das zentrale Ergebnis der Analyse – sie verdichtet alle konstatierenden Hypothesen zur Kernfrage: «Worum geht es in diesem Fall eigentlich?» Formuliere sie präzise, theorieoffen (keine Erklärungen!) und so, dass sie eine passende Grundlage für die Diagnose bildet. Fasse dabei auch divergierende Einschätzungen und den Klärungsbedarf zusammen." centralQuestion: "\"Worum geht es in diesem Fall eigentlich?\"" -check: "Qualitätsprüfung: Ist es präzise? Ist es theorieoffen (keine Erklärungen)? Erfasst es die Essenz aus mehreren Perspektiven? Bildet es eine passende Grundlage für die Diagnose?" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191 (Fallthematik)" +check: "Qualitätsprüfung: Ist es präzise? Ist es theorieoffen (keine Erklärungen)? Erfasst es die Essenz aus mehreren Perspektiven? Bildet es eine passende Grundlage für die Diagnose? Sind divergierende Einschätzungen benannt?" +footnote: "🎯 Fallthematik = Verdichtung der konstatierenden Hypothesen" --- -**Fallthematik** \ No newline at end of file +**Fallthematik** + +Aus den konstantierenden Hypothesen und den Auswertungen formuliere ich folgende Fallthematik: + +Heimweh zeigt sich bei Leny weniger als klassisches Vermissen, sondern stärker als emotionale Belastung im Zusammenhang mit familiären Sorgen, Konflikten, Übergängen und fehlender Sicherheit. Im Vordergrund stehen dabei seine Sorgen um zuhause, um seine Mutter und um seine Geschwister. Auffällig ist zudem, dass Leny in belastenden, unangenehmen oder überfordernden Situationen eher ausweicht, vergisst oder an Orientierung verliert. Vertrautheit, Interesse und konkrete Handlungen begünstigen seine Orientierung und verringern sein Vergessen. + +## **Kooperative Verdichtung** + +In der Zeit, in der die Perspektivenanalyse und die Drei Häuser erarbeitet wurden, fand im Praxisbetrieb auch ein Gespräch nach dem lösungsorientierten Ansatz statt, das im Praxisbetrieb Oasengespräch genannt wird. Dort bringt das Kind das Thema selbst ein und erarbeitet im Prozess eigene Schritte. Leny brachte dabei das Thema Heimweh ein *(vgl. Kapitel 3.1, Gegenwärtige Situation)*. In diesem Gespräch konkretisierte sich das Heimweh. In einem Aspekt beschreibt Leny dabei sein Bedürfnis nach Ruhe und Erholung sowie die Überforderung mit seinem Zimmerkollegen. + +Im Fachaustausch mit der Psychologin und in der organisatorischen Sitzung verdichtete sich die Einschätzung, dass die aktuelle Zimmerkonstellation für Leny eher überfordernd ist und ein Zimmerwechsel entlastend wirken könnte. + +In einer Supervision bearbeiteten wir die unterschiedlichen fachlichen Sichtweisen zur Zimmersituation und klärten das weitere Vorgehen. + +## **Sofortmassnahme** + +Im Verlauf der Analyse verdichteten sich die Hinweise darauf, dass das von Leny benannte Heimweh eng mit emotionaler Belastung, Sorgen, fehlender Ruhe und der aktuellen Zimmerkonstellation verbunden ist. Daraus ergab sich bereits vor dem Prozessschritt Diagnose ein unmittelbarer Unterstützungsbedarf. Der geplante Zimmerwechsel wird deshalb als kooperativ bearbeitete Sofortmassnahme verstanden und nicht als Ergebnis einer bereits ausgearbeiteten Zielsetzung oder Interventionsplanung. + +## **Validierungsgespräch** + +*_(Im Validierungsgespräch mit Leny überprüfte ich anschliessend, ob er sich in den verdichteten Analyseerkenntnissen wiedererkannte und wie er die bereits besprochene Sofortmassnahme einschätzte.)_* diff --git a/050-analysis/99-analysis-quality-check.md b/050-analysis/99-analysis-quality-check.md index 672c813..b5b17fe 100644 --- a/050-analysis/99-analysis-quality-check.md +++ b/050-analysis/99-analysis-quality-check.md @@ -3,13 +3,13 @@ id: "analysis-quality-check" type: "guidance-box" title: "Qualitätsprüfung: Analyse" variant: "slate" -footnote: "📚 Vgl. Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 224 (Methodenreflexion)" +footnote: "🔎 Prüfe anhand EPG-Kriterien und Methodenreflexion" --- -Bevor du zur Diagnose übergehst, prüfe anhand der EPG-Kriterien (max. 9 Punkte): +Bevor du zur Diagnose übergehst, prüfe: -- **Methodenwahl** (1.5 P.): Sind die Analysemethoden passend gewählt, die Wahl begründet und die Darstellung korrekt? -- **Kooperation** (1.5 P.): Ist die Kooperation mit Klient*in und Beteiligten differenziert und konkret dargestellt? -- **Inhaltliche Tiefe** (1.5 P.): Enthält die Analyse relevante und vertiefende Aspekte? -- **Hypothesen** (1.5 P.): Sind die konstatierenden Hypothesen schlüssig abgeleitet, korrekt formuliert und gewichtet? (Kein «weil», «deshalb»!) -- **Fallthematik** (3 P.): Ist sie präzise und schlüssig formuliert? Bildet sie eine passende Grundlage für die Diagnose? -- **Trennschärfe**: Wurde konstatierend beschrieben (WAS ist) statt erklärt (WARUM)? +- [ ] **Methodenwahl**: Analysemethoden passend gewählt, Wahl begründet und Darstellung korrekt +- [ ] **Kooperation**: Kooperation mit Klient*in und Beteiligten differenziert und konkret dargestellt +- [ ] **Inhaltliche Tiefe**: Analyse enthält relevante und vertiefende Aspekte +- [ ] **Hypothesen**: Konstatierende Hypothesen schlüssig abgeleitet, korrekt formuliert und gewichtet (kein «weil», «deshalb»!) +- [ ] **Fallthematik**: Präzise und schlüssig formuliert, passende Grundlage für die Diagnose +- [ ] **Trennschärfe**: Konstatierend beschrieben (WAS ist) statt erklärt (WARUM) diff --git a/050-analysis/guidance.md b/050-analysis/guidance.md deleted file mode 100644 index 617bd1d..0000000 --- a/050-analysis/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,13 +0,0 @@ -Führe eine vertiefte Analyse mit praxisrelevanten Methoden durch. Analyse ist das «Scharnier» zwischen Datenerhebung und Verstehen – Informationen ordnen, bewerten und gewichten. EPG-Bewertung: max. 9 Punkte. Zentrales Ziel: Bestimmung der FALLTHEMATIK («Worum geht es in diesem Fall eigentlich?») ([Buch S. 186](/book/arbeit/186)). - -### Methodentipps -- **Notationssysteme** (Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte): Visualisieren Beziehungen, Biografien und Netzwerke ([Buch S. 199](/book/arbeit/199)) -- **Perspektivenanalyse:** Gemeinsam mit Beteiligten verschiedene Sichtweisen strukturiert zusammentragen ([Buch S. 193](/book/arbeit/193)) -- **Kompetenzanalyse / Ressourcen-Problemanalyse:** Kompetenzen und Ressourcen systematisch erfassen ([Buch S. 213](/book/arbeit/213)) - -### Checkliste -- Methodenwahl fallbezogen begründet und korrekt erläutert (1.5 P.) -- Kooperation differenziert und konkret dargestellt (1.5 P.) -- Relevante und vertiefende Aspekte erarbeitet (1.5 P.) -- Konstatierende Hypothesen: schlüssig, korrekt, gewichtet (1.5 P.) -- Fallthematik: präzise, schlüssig, Grundlage für Diagnose (3 P.) diff --git a/050-analysis/index.jsonc b/050-analysis/index.jsonc index bba0fba..4779a9c 100644 --- a/050-analysis/index.jsonc +++ b/050-analysis/index.jsonc @@ -3,12 +3,12 @@ "$schema": "https://kpg-app.ch/schema/step.schema.json", "stepId": "050-analysis", "title": "3.2 Prozessschritt Analyse", - "subTitle": "Methodische Auslegeordnung, Strukturierung.", + "subTitle": "Methodische Auslegeordnung, Strukturierung, konstatierende Hypothesen und Fallthematik.", "accentColor": "var(--color-step-2)", "status": "pending", "progress": 0, "labels": [ "Wie geordnet?" ], - "overview": "Ausgehend von der gegenwärtigen Situation und der Datenerfassung wird anhand praxisrelevanter Analysemethode(n) eine Analyse durchgeführt. Die wichtigsten Erkenntnisse werden in konstatierenden Hypothesen zusammengefasst und gewichtet." + "overview": "Ausgehend von der gegenwärtigen Situation und den vorläufigen Themen wird anhand praxisrelevanter Analysemethoden (min. 2) eine vertiefte Auslegeordnung vorgenommen. Die wichtigsten Erkenntnisse werden in konstatierenden Hypothesen zusammengefasst, gewichtet und zur Fallthematik verdichtet: «Worum geht es in diesem Fall eigentlich?»" } diff --git a/060-diagnosis/01-diagnosis-epg-guidance.md b/060-diagnosis/01-diagnosis-epg-guidance.md index dca6c51..5a29aec 100644 --- a/060-diagnosis/01-diagnosis-epg-guidance.md +++ b/060-diagnosis/01-diagnosis-epg-guidance.md @@ -1,20 +1,21 @@ --- id: "diagnosis-epg-guidance" type: "guidance-box" -title: "3.3 Diagnose (max. 9 Punkte)" -variant: "sky" +title: "EPG Qualitätskriterien" +variant: "amber" +footnote: "📋 Beurteilungskriterien Diagnose gemäss EPG" --- -**Wahl geeigneter Wissensbestände** ([Buch S. 241](/book/arbeit/241)): Alle Theorien der Sozialen Arbeit und ihrer Nachbardisziplinen kommen in Frage — z. B.: -- Kommunikation (z. B. Watzlawick, Schulz von Thun) -- Entwicklung (z. B. Erikson, Piaget, Havighurst) -- Bindung (z. B. Bowlby, Ainsworth) -- Lebensbewältigung (z. B. Böhnisch) -- Medizin (z. B. ICF, bio-psycho-soziales Modell) -- Recht (z. B. KESB, Kindesschutz, Erwachsenenschutz) +**Wahl geeigneter Wissensbestände** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 242](/book/arbeit/242)): Alle Theorien der Sozialen Arbeit und ihrer Nachbardisziplinen kommen in Frage — z. B.: +- Kommunikation (z. B. Watzlawick, Schulz von Thun) +- Entwicklung (z. B. Erikson, Piaget, Havighurst) +- Bindung (z. B. Bowlby, Ainsworth) +- Lebensbewältigung (z. B. Böhnisch) — Fallbeispiel ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 249](/book/arbeit/249)) +- Medizin (z. B. ICF, bio-psycho-soziales Modell) +- Recht (z. B. KESB, Kindesschutz, Erwachsenenschutz) - Weitere je nach Fallkontext -**Erklärende Hypothesen & Arbeitshypothese** ([Buch S. 112](/book/praxis/112)): Aus den theoriegeleiteten Fallüberlegungen Weil-Hypothesen ableiten und zu einer Wenn-Dann-Arbeitshypothese verdichten. +**Erklärende Hypothesen & Arbeitshypothese** ([Praxis, S. 113](/book/praxis/113)): Aus den theoriegeleiteten Fallüberlegungen Weil-Hypothesen ableiten und zu einer Wenn-Dann-Arbeitshypothese verdichten ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 245](/book/arbeit/245)). **EPG-Bewertung (max. 9 Punkte):** - 2 Theorien passend gewählt und Wahl nachvollziehbar begründet (je 1.5 → 3 Punkte) diff --git a/060-diagnosis/02-diagnosis-kpg-principle.md b/060-diagnosis/02-diagnosis-kpg-principle.md index b5f06f8..849ba7d 100644 --- a/060-diagnosis/02-diagnosis-kpg-principle.md +++ b/060-diagnosis/02-diagnosis-kpg-principle.md @@ -2,5 +2,18 @@ id: "diagnosis-kpg-principle" type: "guidance-box" title: "KPG-Prinzip: Diagnose" -variant: "amber" +variant: "sky" +footnote: "📚 Theoriegeleitetes Fallverstehen, Arbeitshypothese, Kooperation" --- +**Ziel:** In der Diagnose geht es um das Erhellen und Verstehen eines Falles — die Frage lautet: «Warum ist die Situation so, wie sie ist?» ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 232](/book/arbeit/232)). + +**Theoriegeleitetes Fallverstehen** — 5 Schritte ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 242](/book/arbeit/242)): +1. Wahl geeigneter Wissensbestände (Theorien als «Scheinwerfer») +2. Theoriegeleitete Fallüberlegungen (Relationierung von Theorie und Fall) +3. Erklärende Hypothesen formulieren als Weil-Hypothesen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 253](/book/arbeit/253)) +4. Handlungsleitende Arbeitshypothese als Wenn-Dann-Hypothese ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 245](/book/arbeit/245)) +5. Folgerungen für Professionelle ableiten + +**Hypothesencharakter:** Diagnosen sind wissensbasierte Deutungen von Wirklichkeit, deren Richtigkeit offen bleibt — sie werden im Verlauf des Unterstützungsprozesses gemeinsam überprüft und weiterentwickelt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 235](/book/arbeit/235)). + +**Kooperatives Fallverstehen:** Erklärende Hypothesen werden mit dem Klient*innensystem besprochen und validiert — vom Klient*innensystem als hilfreich beurteilte Erklärungen fliessen in die Arbeitshypothese ein ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 247](/book/arbeit/247)). diff --git a/060-diagnosis/03-diagnosis-allowed-terms.md b/060-diagnosis/03-diagnosis-allowed-terms.md index 6c4cd85..a243af5 100644 --- a/060-diagnosis/03-diagnosis-allowed-terms.md +++ b/060-diagnosis/03-diagnosis-allowed-terms.md @@ -3,7 +3,10 @@ id: "diagnosis-allowed-terms" type: "guidance-box" title: "JETZT DARFST du erklärende Begriffe verwenden!" variant: "rose" +footnote: "✅ Hier erklären: Wirkungszusammenhänge formulieren und Veränderung eruieren" --- -✅ Im Gegensatz zur Analyse DARFST du in der Diagnose jetzt erklären. Nutze "weil", "deshalb", "aufgrund von" für Erklärungshypothesen basierend auf deinen ausgewählten Theorien. +Im Gegensatz zur Analyse (wo nur konstatiert wurde) DARFST du in der Diagnose jetzt erklären. Nutze erklärende Begriffe für deine theoriegeleiteten Hypothesen: -"WEIL..." / "DESHALB..." / "AUFGRUND VON..." / "INFOLGE VON..." +✅ **WEIL...** • ✅ **DESHALB...** • ✅ **AUFGRUND VON...** • ✅ **INFOLGE VON...** + +Erklärende Hypothesen stellen Wirkungszusammenhänge zwischen Elementen der Ausstattung, Bedingungen und Vorkommnissen her ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 253](/book/arbeit/253)). Sie basieren stets auf den gewählten Theorien und sind durch theoriegeleitete Fallüberlegungen gestützt. diff --git a/060-diagnosis/04-diagnosis-einleitung.md b/060-diagnosis/04-diagnosis-einleitung.md index c1e7e57..0577214 100644 --- a/060-diagnosis/04-diagnosis-einleitung.md +++ b/060-diagnosis/04-diagnosis-einleitung.md @@ -2,11 +2,13 @@ id: "diagnosis-einleitung" type: "markdown" title: "Einleitungsabsatz" -hint: "Methode: Theoriegeleitetes Fallverstehen (Buch S. 242). Beschreibe das Ziel (Erhellen und Verstehen des Falls), den Bezug zur Analyse (Fallthematik als Ausgangspunkt) und die gewählte Diagnosemethode." -footnote: "Theoriegeleitetes Fallverstehen ([Buch S. 241](/book/arbeit/241)) — Kooperatives Fallverstehen ([Buch S. 246](/book/arbeit/246))" +hint: "Beschreibe das Ziel der Diagnose (Erhellen und Verstehen des Falls mithilfe wissenschaftlicher Theorien), den Bezug zur Analyse (Fallthematik als Ausgangspunkt) und die gewählte Diagnosemethode (Theoriegeleitetes Fallverstehen). Benenne die gewählten Theorien und begründe kurz, warum sie zur Fallthematik passen." +footnote: "📚 Theoriegeleitetes und kooperatives Fallverstehen" --- ***Ziel des Prozessschrittes*** +Diskussion und fachliche Auseinandersetzung der Fallthematik vor dem Hintergrund fallspezifisch ausgewählter fachlicher Wissensbestände / Theorien (theoriegeleitetes Fallverstehen). + ***Bezug zum vorherigen Schritt*** ***Methode(n)*** diff --git a/060-diagnosis/05-diagnosis-fallthematik-display.md b/060-diagnosis/05-diagnosis-fallthematik-display.md index 17aa789..ca5642b 100644 --- a/060-diagnosis/05-diagnosis-fallthematik-display.md +++ b/060-diagnosis/05-diagnosis-fallthematik-display.md @@ -2,8 +2,8 @@ id: "diagnosis-case-theme-display" type: "markdown-readonly" title: "Fallthematik (aus der Analyse)" -hint: "Die Diagnose baut auf der Fallthematik und den Hypothesen aus der Analyse auf. Überprüfe diese, bevor du Theorien auswählst." -footnote: "Dies ist eine schreibgeschützte Anzeige der in der Analyse definierten Fallthematik." +hint: "Die Diagnose baut auf der Fallthematik und den konstatierenden Hypothesen aus der Analyse auf. Die Fallthematik ist der Ausgangspunkt für die Wahl geeigneter Wissensbestände — überprüfe sie, bevor du Theorien auswählst." +footnote: "🔗 Schreibgeschützte Anzeige der Fallthematik aus der Analyse" sourcePageDir: "050-analysis" sourceBlockId: "analysis-fallthematik" --- diff --git a/060-diagnosis/06-diagnosis-theorie-1.md b/060-diagnosis/06-diagnosis-theorie-1.md index 0fb985f..b23d650 100644 --- a/060-diagnosis/06-diagnosis-theorie-1.md +++ b/060-diagnosis/06-diagnosis-theorie-1.md @@ -2,8 +2,8 @@ id: "diagnosis-theorie-1" type: "markdown" title: "Theorie 1" -hint: "Wähle einen Wissensbestand/Theorie als «Scheinwerfer» für die Fallthematik (Buch S. 242). Begründe die Wahl nachvollziehbar und erarbeite theoriegeleitete Fallüberlegungen, die konkret auf den Fall bezogen sind." -footnote: "Wahl geeigneter Wissensbestände ([Buch S. 241](/book/arbeit/241)) — Beispiel mit Lebensbewältigungskonzept ([Buch S. 249](/book/arbeit/249))" +hint: "Wähle einen Wissensbestand/Theorie als «Scheinwerfer» für die Fallthematik. Grundsätzlich kommen Theorien der Sozialen Arbeit und aller Nachbardisziplinen in Frage (Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Psychiatrie, Recht). Begründe die Wahl nachvollziehbar und erarbeite theoriegeleitete Fallüberlegungen, die konkret auf den Fall bezogen sind." +footnote: "📚 Wahl geeigneter Wissensbestände für theoriegeleitete Erklärung" --- ***Theorie/Wissensbestand*** diff --git a/060-diagnosis/07-diagnosis-hypothese-1.md b/060-diagnosis/07-diagnosis-hypothese-1.md index 363f7b2..be7489a 100644 --- a/060-diagnosis/07-diagnosis-hypothese-1.md +++ b/060-diagnosis/07-diagnosis-hypothese-1.md @@ -2,7 +2,7 @@ id: "diagnosis-hypothese-1" type: "markdown" title: "Erklärende Hypothese(n) (Theorie 1)" -hint: "Formulierung als erklärende Weil-Hypothese: «Weil [Theoriebezug], [Auswirkung auf Fallthematik].» Die Hypothesen müssen nachvollziehbar aus den theoretischen Ausführungen abgeleitet sein und Bezug zur Fallthematik haben." -footnote: "Erklärende Hypothesen ([Buch S. 252](/book/arbeit/252)) — Praxisbeispiel ([Buch S. 112](/book/praxis/112))" +hint: "Formulierung als erklärende Weil-Hypothese: «Weil [Theoriebezug], [Auswirkung auf Fallthematik].» Die Hypothesen müssen nachvollziehbar aus den theoretischen Ausführungen abgeleitet sein und Bezug zur Fallthematik haben. Bespreche die Hypothesen mit dem Klient*innensystem und prüfe, ob sie als hilfreich beurteilt werden." +footnote: "📚 Erklärende Weil-Hypothesen als Kernstück der Diagnose" --- diff --git a/060-diagnosis/08-diagnosis-theorie-2.md b/060-diagnosis/08-diagnosis-theorie-2.md index 1ef7f62..7801238 100644 --- a/060-diagnosis/08-diagnosis-theorie-2.md +++ b/060-diagnosis/08-diagnosis-theorie-2.md @@ -2,8 +2,8 @@ id: "diagnosis-theorie-2" type: "markdown" title: "Theorie 2" -hint: "Wähle einen zweiten Wissensbestand/Theorie als «Scheinwerfer» für die Fallthematik (Buch S. 242). Wähle eine Theorie, die einen anderen Aspekt der Fallthematik beleuchtet als Theorie 1." -footnote: "Wahl geeigneter Wissensbestände ([Buch S. 241](/book/arbeit/241)) — Beispiel mit Entwicklungstheorie ([Buch S. 253](/book/arbeit/253))" +hint: "Wähle einen zweiten Wissensbestand/Theorie als «Scheinwerfer» für die Fallthematik. Wähle eine Theorie, die einen anderen Aspekt der Fallthematik beleuchtet als Theorie 1 — z. B. Entwicklung (Erikson, Piaget), Bindung (Bowlby), Lebensbewältigung (Böhnisch), Kommunikation (Watzlawick) oder systemische Perspektive." +footnote: "📚 Zweiter Theorierahmen für vertiefte Fallanalyse" --- ***Theorie/Wissensbestand*** diff --git a/060-diagnosis/09-diagnosis-hypothese-2.md b/060-diagnosis/09-diagnosis-hypothese-2.md index 0acca2a..d461e6b 100644 --- a/060-diagnosis/09-diagnosis-hypothese-2.md +++ b/060-diagnosis/09-diagnosis-hypothese-2.md @@ -2,7 +2,7 @@ id: "diagnosis-hypothese-2" type: "markdown" title: "Erklärende Hypothese(n) (Theorie 2)" -hint: "Formulierung als erklärende Weil-Hypothese: «Weil [Theoriebezug], [Auswirkung auf Fallthematik].» Auch hier: nachvollziehbar aus Theorie 2 abgeleitet, mit konkretem Fallbezug." -footnote: "Erklärende Hypothesen ([Buch S. 253](/book/arbeit/253))" +hint: "Formulierung als erklärende Weil-Hypothese: «Weil [Theoriebezug], [Auswirkung auf Fallthematik].» Auch hier: nachvollziehbar aus Theorie 2 abgeleitet, mit konkretem Fallbezug. Die ergiebigsten erklärenden Hypothesen beider Theorien fliessen später in die Arbeitshypothese ein." +footnote: "📚 Erklärende Hypothesen — Verdichtung zur Arbeitshypothese" --- diff --git a/060-diagnosis/98-diagnosis-arbeitshypothese.md b/060-diagnosis/98-diagnosis-arbeitshypothese.md index dcb3f41..2642d89 100644 --- a/060-diagnosis/98-diagnosis-arbeitshypothese.md +++ b/060-diagnosis/98-diagnosis-arbeitshypothese.md @@ -2,7 +2,7 @@ id: "diagnosis-arbeitshypothese" type: "markdown" title: "Handlungsleitende Arbeitshypothese" -hint: "Formulierung als handlungsleitende Wenn-Dann-Hypothese: «Wenn [Intervention/Veränderung], dann [erwartetes Ergebnis für das Klient*innensystem].» Die Arbeitshypothese leitet den Blickwechsel von der Erklärung zur Zukunft ein (Buch S. 245)." -footnote: "Handlungsleitende Arbeitshypothese ([Buch S. 244](/book/arbeit/244)) — Kooperatives Fallverstehen ([Buch S. 246](/book/arbeit/246))" +hint: "Formulierung als handlungsleitende Wenn-Dann-Hypothese: «Wenn [Intervention/Veränderung], dann [erwartetes Ergebnis für das Klient*innensystem].» Die Arbeitshypothese verdichtet die ergiebigsten erklärenden Hypothesen und leitet den Blickwechsel von der Erklärung zur Zukunft ein. Validiere sie gemeinsam mit dem Klient*innensystem." +footnote: "📚 Handlungsleitende Arbeitshypothese als Wenn-Dann-Formulierung" --- diff --git a/060-diagnosis/99-diagnosis-quality-check.md b/060-diagnosis/99-diagnosis-quality-check.md index bedc99e..4a637b7 100644 --- a/060-diagnosis/99-diagnosis-quality-check.md +++ b/060-diagnosis/99-diagnosis-quality-check.md @@ -3,11 +3,12 @@ id: "diagnosis-quality-check" type: "guidance-box" title: "Qualitätsprüfung: Diagnose" variant: "slate" +footnote: "🔎 Prüfe anhand EPG-Kriterien und Methodenreflexion Diagnose" --- -Bevor du zur Zielsetzung übergehst, prüfe anhand der EPG-Kriterien (max. 9 Punkte): +Bevor du zur Zielsetzung übergehst, prüfe: -- [ ] **Theorieauswahl (3 P.):** Mindestens 2 Theorien/Wissensbestände passend zur Fallthematik gewählt und Wahl jeweils nachvollziehbar begründet? -- [ ] **Theoriegeleitete Fallüberlegungen (3 P.):** Sind die Ausführungen korrekt, konkret auf den Fall bezogen und nachvollziehbar? Unterlegen die Theorien die Fallthematik schlüssig? -- [ ] **Erklärende Hypothesen (1.5 P.):** Als Weil-Hypothesen formuliert, nachvollziehbar aus den Theorien abgeleitet und mit Bezug zur Fallthematik? -- [ ] **Arbeitshypothese (1.5 P.):** Als Wenn-Dann-Hypothese formuliert, nachvollziehbar aus den erklärenden Hypothesen abgeleitet? -- [ ] **Kooperatives Fallverstehen:** Wurde die Perspektive des Klient*innensystems einbezogen ([Buch S. 246](/book/arbeit/246))? +- [ ] **Theorieauswahl:** Mindestens 2 Theorien/Wissensbestände passend zur Fallthematik gewählt und Wahl jeweils nachvollziehbar begründet +- [ ] **Theoriegeleitete Fallüberlegungen:** Ausführungen korrekt, konkret auf den Fall bezogen und nachvollziehbar; Theorien unterlegen die Fallthematik schlüssig +- [ ] **Erklärende Hypothesen:** Als Weil-Hypothesen formuliert, nachvollziehbar aus den Theorien abgeleitet und mit Bezug zur Fallthematik +- [ ] **Arbeitshypothese:** Als Wenn-Dann-Hypothese formuliert, nachvollziehbar aus den erklärenden Hypothesen abgeleitet +- [ ] **Kooperatives Fallverstehen:** Perspektive des Klient*innensystems einbezogen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 246](/book/arbeit/246)) diff --git a/060-diagnosis/guidance.md b/060-diagnosis/guidance.md deleted file mode 100644 index 6c88f04..0000000 --- a/060-diagnosis/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,8 +0,0 @@ -Theoriegeleitetes Fallverstehen ([Buch S. 241](/book/arbeit/241)): Nutze wissenschaftliche Theorien als «Scheinwerfer» zur Beleuchtung der Fallthematik. Wähle mindestens 2 Theorien, leite erklärende Weil-Hypothesen ab und verdichte diese zu einer handlungsleitenden Wenn-Dann-Arbeitshypothese ([Buch S. 244](/book/arbeit/244)). EPG-Bewertung: max. 9 Punkte. - -### Checkliste - -- Theorie-Auswahl & Begründung (je 1.5 P.) -- Theoriegeleitete Fallüberlegungen (3 P.) -- Erklärende Hypothesen als Weil-Hypothesen (1.5 P.) -- Arbeitshypothese als Wenn-Dann-Hypothese (1.5 P.) diff --git a/060-diagnosis/index.jsonc b/060-diagnosis/index.jsonc index 63e6b9d..5819a6a 100644 --- a/060-diagnosis/index.jsonc +++ b/060-diagnosis/index.jsonc @@ -3,12 +3,12 @@ "$schema": "https://kpg-app.ch/schema/step.schema.json", "stepId": "060-diagnosis", "title": "3.3 Prozessschritt Diagnose", - "subTitle": "Theoriegeleitete soziale Diagnose.", + "subTitle": "Theoriegeleitetes Fallverstehen: Wissensbestände als \u00abScheinwerfer\u00bb, erklärende Hypothesen und Arbeitshypothese.", "accentColor": "var(--color-step-3)", "status": "pending", "progress": 0, "labels": [ "Warum?" ], - "overview": "Diskussion und fachliche Auseinandersetzung der Fallthematik vor dem Hintergrund fallspezifisch ausgewählter fachlicher Wissensbestände / Theorien (theoriegeleitetes Fallverstehen)." + "overview": "Diskussion und fachliche Auseinandersetzung der Fallthematik vor dem Hintergrund fallspezifisch ausgewählter Wissensbestände (min. 2 Theorien). Daraus werden erklärende Weil-Hypothesen abgeleitet und zu einer handlungsleitenden Wenn-Dann-Arbeitshypothese verdichtet." } diff --git a/070-goalSetting/01-goals-epg-guidance.md b/070-goalSetting/01-goals-epg-guidance.md index 384efae..e2209d1 100644 --- a/070-goalSetting/01-goals-epg-guidance.md +++ b/070-goalSetting/01-goals-epg-guidance.md @@ -2,16 +2,18 @@ id: "goals-epg-guidance" type: "guidance-box" title: "3.4 Zielsetzung (max. 10 Punkte)" -variant: "sky" +variant: "amber" --- **Zielfindungsmethoden:** -- **Lösungsorientierter Ansatz** ([Buch S. 277](/book/arbeit/277)) — Wunderfrage, Skalierung, Ausnahmen finden -- **Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)** ([Buch S. 278](/book/arbeit/278)) — Motto-Ziele, Embodiment, somatische Marker -- **Formulierung von Zielen** ([Buch S. 283](/book/arbeit/283)) — Qualitätsanforderungen an gute Zielformulierungen -- **Bildungs- und Unterstützungsziele** ([Buch S. 284](/book/arbeit/284)) — BZ ermöglichen Bildungsprozesse, UZ schaffen die Rahmenbedingungen +- **Lösungsorientierter Ansatz** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 277](/book/arbeit/277)) — Wunderfrage, Skalierung, Ausnahmen finden +- **Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 279](/book/arbeit/279)) — Motto-Ziele, Embodiment, somatische Marker +- **Formulierung von Zielen** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 284](/book/arbeit/284)) — Qualitätsanforderungen an gute Zielformulierungen +- **Bildungs- und Unterstützungsziele** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 285](/book/arbeit/285)) — BZ ermöglichen Bildungsprozesse, UZ schaffen die Rahmenbedingungen -**Kopf, Herz, Hand** ([Buch S. 285](/book/arbeit/285)): Prüfe jedes Ziel auf drei Ebenen — ist es fachlich begründbar (Kopf), emotional bedeutsam für die/den Klient*in (Herz) und im Alltag umsetzbar (Hand)? +**Kopf, Herz, Hand** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286](/book/arbeit/286)): Prüfe jedes Bildungsziel auf drei Ebenen — ist es fachlich begründbar (Kopf), emotional bedeutsam für die/den Klient*in (Herz) und im Alltag umsetzbar (Hand)? + +**Hierarchisierung** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 275](/book/arbeit/275)): Das KPG-Konzept unterscheidet Fernziele, Grobziele und Feinziele. In diesem Kapitel stehen Fernziel und Grobziele im Zentrum; die Feinziele werden in der Interventionsplanung konkretisiert, aber gemäss EPG-Kriterien unter **Zielsetzung** mitbeurteilt. Kriterien für gute Grobziele: den Klient*innen wichtig, bedeutsam, diagnosebasiert, motivierend, erreichbar und akzeptiert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 288](/book/arbeit/288)). **EPG-Bewertung (max. 10 Punkte):** - Kooperativer Zielbildungsprozess konkret und nachvollziehbar dargestellt (1.5 Punkte) @@ -19,3 +21,5 @@ variant: "sky" - Ziele korrekt formuliert (Endzustand; Feinziele nach SMART; keine Verwechslung mit Massnahmen) (3 Punkte) - Ziele fachlich begründet und in Zusammenhang mit vorangehenden Prozessschritten (3 Punkte) - Unterscheidung BZ & UZ nachvollziehbar und korrekt (1 Punkt) + +💡 **Wichtig:** Die **Feinziele** werden in Schritt 3.5 konkret formuliert, aber unter dem EPG-Kriterium **Zielsetzung** mitbewertet. diff --git a/070-goalSetting/02-goals-einleitung.md b/070-goalSetting/02-goals-einleitung.md index 10c1d9c..5c69055 100644 --- a/070-goalSetting/02-goals-einleitung.md +++ b/070-goalSetting/02-goals-einleitung.md @@ -2,11 +2,13 @@ id: "goals-einleitung" type: "markdown" title: "Einleitungsabsatz" -hint: "Beschreibe das Ziel des Prozessschrittes, den Bezug zur Diagnose (Arbeitshypothese als Ausgangspunkt, Buch S. 274) und die gewählte(n) Zielfindungsmethode(n) — z. B. Lösungsorientierung (S. 278), ZRM (S. 279)." -footnote: "Zielsetzung als Übergang von Diagnose zu Intervention ([Buch S. 273](/book/arbeit/273)) — Bedeutung der Zielfindung ([Buch S. 275](/book/arbeit/275))" +hint: "Beschreibe das Ziel des Prozessschrittes, den Bezug zur Diagnose (Arbeitshypothese als Ausgangspunkt) und die gewählte(n) Zielfindungsmethode(n) — z. B. Lösungsorientierung (Wunderfrage, Skalierung), ZRM (Motto-Ziele, somatische Marker). Der Einleitungsabsatz muss die drei fett-kursiven Aspekte abdecken: Ziel, Bezug, Methode(n)." +footnote: "📖 Zielsetzung = Übergang von Diagnose zu Intervention" --- ***Ziel des Prozessschrittes*** +Beschreibung des kooperativen Zielbildungsprozesses; hierarchisierte Zielformulierung mit jeweiliger Begründung (1 Fernziel, mind. 1 Grobziel). Unterscheidung zwischen Bildungszielen und Unterstützungszielen auf Grobzielebene. + ***Bezug zum vorherigen Schritt*** ***Methode(n)*** diff --git a/070-goalSetting/03-goals-cooperation.md b/070-goalSetting/03-goals-cooperation.md index c91d510..d0eb93d 100644 --- a/070-goalSetting/03-goals-cooperation.md +++ b/070-goalSetting/03-goals-cooperation.md @@ -2,8 +2,8 @@ id: "goals-cooperation" type: "markdown" title: "Kooperativer Zielbildungsprozess" -hint: "Beschreibe konkret, wie die Ziele kooperativ mit dem/der Klient*in und dem Team erarbeitet wurden. Dialogisches Aushandeln (Buch S. 283): Pendelbewegung zwischen Vergangenheit (Anliegen, Ressourcen, Fallthematik) und Zukunft (Veränderungswünsche). Auch Zielfindung mit wenig motivierten Klient*innen berücksichtigen (Buch S. 281)." -footnote: "Dialogisches Aushandeln von Zielen ([Buch S. 282](/book/arbeit/282)) — Zielfindung mit wenig motivierten Klient*innen ([Buch S. 280](/book/arbeit/280))" +hint: "Beschreibe konkret, wie die Ziele kooperativ mit dem/der Klient*in und dem Team erarbeitet wurden. Der Zielfindungsprozess vollzieht sich als Pendelbewegung: Blick zurück auf Anliegen, Ressourcen, Fallthematik, Arbeitshypothese — dann in die Zukunft. Berücksichtige: Machtverhältnisse, kulturelle Aushandlungsformen, die Rolle als ‹selbstreflexiver mitbetroffener Verhandlungspartner›. Im Zwangskontext: Zunächst Unterstützungsziele als Orientierungslinie formulieren." +footnote: "🤝 Kooperation und dialogische Aushandlung von Zielen" --- ***Kooperativer Zielbildungsprozess*** diff --git a/070-goalSetting/05-goals-fernziel.md b/070-goalSetting/05-goals-fernziel.md index 9e732e9..3594a7d 100644 --- a/070-goalSetting/05-goals-fernziel.md +++ b/070-goalSetting/05-goals-fernziel.md @@ -4,8 +4,8 @@ type: "markdown" title: "Fernziel" subtitle: "" level: "fernziel" -hint: "Teilhabe-orientiertes Fernziel als anzustrebender Endzustand mit fachlicher Begründung. Das Fernziel soll in Zusammenhang mit der Arbeitshypothese und den vorangehenden Prozessschritten stehen." -footnote: "Fernziel ([Buch S. 286](/book/arbeit/286)) — Formulierung von Zielen ([Buch S. 283](/book/arbeit/283))" +hint: "Teilhabe-orientiertes Fernziel als anzustrebender Endzustand mit fachlicher Begründung. Das Fernziel gibt den übergeordneten Orientierungsrahmen, ist langfristig angelegt und beschreibt, was die Person in Bezug auf ihre Teilhabe erreichen soll. Begründe fachlich (sozialpädagogisch/kindheitspädagogisch) und verknüpfe mit Arbeitshypothese und vorangehenden Prozessschritten." +footnote: "🎯 Fernziel als übergeordneter Orientierungsrahmen" --- ***Fernziel*** diff --git a/070-goalSetting/06-goals-grobziel-1.md b/070-goalSetting/06-goals-grobziel-1.md index e195c1c..423422a 100644 --- a/070-goalSetting/06-goals-grobziel-1.md +++ b/070-goalSetting/06-goals-grobziel-1.md @@ -6,8 +6,8 @@ subtitle: "" level: "grobziel" availableLabels: ["BZ","UZ"] labels: ["BZ"] -hint: "BZ = Bildungsziel (Klient*in lernt/entwickelt etwas). Formuliere als anzustrebenden Endzustand, nicht als Massnahme. Begründe fachlich (sozialpädagogisch/kindheitspädagogisch) und prüfe mit Kopf, Herz, Hand (Buch S. 286)." -footnote: "Bildungs- und Unterstützungsziele ([Buch S. 284](/book/arbeit/284)) — Kopf, Herz, Hand ([Buch S. 285](/book/arbeit/285))" +hint: "BZ = Bildungsziel (Klient*in lernt/entwickelt etwas, Kompetenzzuwachs). Formuliere als anzustrebenden Endzustand, nicht als Massnahme. Kriterien für gute Grobziele: den Klient*innen wichtig, bedeutsam, diagnosebasiert, motivierend, erreichbar und akzeptiert. Begründe fachlich und verknüpfe mit Analyse/Diagnose. Prüfe: Kopf (fachlich begründbar?), Herz (emotional bedeutsam?), Hand (im Alltag umsetzbar?)." +footnote: "📚 Bildungsziele ermöglichen Kompetenzzuwachs — Kopf, Herz, Hand" --- ***Grobziel*** diff --git a/070-goalSetting/07-goals-grobziel-2.md b/070-goalSetting/07-goals-grobziel-2.md index f3423b2..88f906f 100644 --- a/070-goalSetting/07-goals-grobziel-2.md +++ b/070-goalSetting/07-goals-grobziel-2.md @@ -6,11 +6,11 @@ subtitle: "" level: "grobziel" availableLabels: ["BZ","UZ"] labels: ["UZ"] -hint: "UZ = Unterstützungsziel (Fachperson/System schafft Rahmenbedingungen). Min. 1 BZ + 1 UZ erforderlich. Formuliere als anzustrebenden Endzustand, fachlich begründet." -footnote: "Bildungs- und Unterstützungsziele ([Buch S. 284](/book/arbeit/284)) — Kopf, Herz, Hand ([Buch S. 285](/book/arbeit/285))" +hint: "UZ = Unterstützungsziel (Fachperson/System schafft Rahmenbedingungen, um den Bildungsprozess zu ermöglichen). Formuliere als anzustrebenden Endzustand (nicht als Vorgehensschritt). Beispiel: ‹Die Vernetzung mit dem ambulanten Dienst ist etabliert› statt ‹Vernetzung aufbauen›. Begründe fachlich und mache die Unterscheidung zu Bildungszielen nachvollziehbar." +footnote: "🔧 Unterstützungsziele für Professionelle — Bildungsprozess ermöglichen" --- ***Grobziel*** ***Fachliche Begründung*** -***Bedeutsamkeit (Kopf, Herz, Hand)*** \ No newline at end of file +***Bedeutsamkeit (Kopf, Herz, Hand)*** diff --git a/070-goalSetting/08-goals-grobziel-3.md b/070-goalSetting/08-goals-grobziel-3.md index 175aa60..feefe91 100644 --- a/070-goalSetting/08-goals-grobziel-3.md +++ b/070-goalSetting/08-goals-grobziel-3.md @@ -6,8 +6,8 @@ subtitle: "" level: "grobziel" availableLabels: ["BZ","UZ"] labels: [] -hint: "Formuliere ein weiteres Grobziel (BZ oder UZ) mit fachlicher Begründung und Kopf-Herz-Hand-Prüfung. Achtung: Ziele sind als anzustrebender Endzustand zu formulieren, nicht als Vorgehensschritte/Massnahmen." -footnote: "Formulierung von Zielen ([Buch S. 283](/book/arbeit/283)) — Kopf, Herz, Hand ([Buch S. 285](/book/arbeit/285))" +hint: "Formuliere ein weiteres Grobziel (BZ oder UZ) mit fachlicher Begründung und Kopf-Herz-Hand-Prüfung. Achtung: Ziele sind als anzustrebender Endzustand zu formulieren, nicht als Vorgehensschritte/Massnahmen. Prüfe: Steht dieses Ziel in logischer Beziehung zum Fernziel und zu den anderen Grobzielen? Ist es diagnosebasiert?" +footnote: "📝 Gute Zielformulierungen: als Endzustand, positiv, motivierend" --- ***Grobziel*** diff --git a/070-goalSetting/99-goals-quality-check.md b/070-goalSetting/99-goals-quality-check.md index 7d5d0cf..9aadb0d 100644 --- a/070-goalSetting/99-goals-quality-check.md +++ b/070-goalSetting/99-goals-quality-check.md @@ -4,10 +4,13 @@ type: "guidance-box" title: "Qualitätsprüfung: Zielsetzung" variant: "slate" --- -Bevor du zur Interventionsplanung übergehst, prüfe anhand der EPG-Kriterien (max. 10 Punkte): +Bevor du zur Interventionsplanung übergehst, prüfe: -- [ ] **Kooperativer Zielbildungsprozess (1.5 P.):** Ist der Prozess der gemeinsamen Zielfindung konkret und nachvollziehbar beschrieben? -- [ ] **Zielhierarchie (1.5 P.):** Ist eine hierarchisierte Zielformulierung vorgenommen (Fernziel → Grobziele)? Stehen die Zielebenen in logischer Beziehung zueinander? -- [ ] **Korrekte Formulierung (3 P.):** Sind die Ziele als anzustrebender Endzustand formuliert? Keine Verwechslung mit Vorgehensschritten/Massnahmen? -- [ ] **Fachliche Begründung (3 P.):** Sind die Ziele sozialpädagogisch/kindheitspädagogisch begründet und stehen in Zusammenhang mit den vorangehenden Prozessschritten (Analyse, Diagnose)? -- [ ] **BZ/UZ-Unterscheidung (1 P.):** Ist die Unterscheidung zwischen Bildungszielen und Unterstützungszielen nachvollziehbar und korrekt vorgenommen ([Buch S. 284](/book/arbeit/284))? +- [ ] **Kooperativer Zielbildungsprozess:** Prozess der gemeinsamen Zielfindung konkret und nachvollziehbar; dialogisches Aushandeln sichtbar ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 283](/book/arbeit/283)) +- [ ] **Zielhierarchie:** Hierarchisierte Zielformulierung (Fernziel → Grobziele); Zielebenen in logischer Beziehung ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 275](/book/arbeit/275)) +- [ ] **Korrekte Formulierung:** Ziele als Endzustand formuliert, keine Verwechslung mit Massnahmen; Feinziele nach SMART ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 284](/book/arbeit/284)) +- [ ] **Fachliche Begründung:** Ziele sozialpädagogisch/kindheitspädagogisch begründet, Zusammenhang mit vorangehenden Prozessschritten +- [ ] **BZ/UZ-Unterscheidung:** Auf Grobzielebene nachvollziehbar und korrekt vorgenommen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 285](/book/arbeit/285)) +- [ ] **Kopf, Herz, Hand:** Bedeutsamkeit der Bildungsziele auf allen drei Ebenen geprüft ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286](/book/arbeit/286)) + +Hinweis: **Feinziele** werden in der Interventionsplanung formuliert, aber unter **Zielsetzung** mitbewertet. diff --git a/070-goalSetting/guidance.md b/070-goalSetting/guidance.md deleted file mode 100644 index ae4efc6..0000000 --- a/070-goalSetting/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,8 +0,0 @@ -Kooperative Erarbeitung einer Zielhierarchie ([Buch S. 282](/book/arbeit/282)). Definiere ein Fernziel (Teilhabe) und funktionale Grobziele (Meilensteine). Unterscheide Bildungsziele (BZ) und Unterstützungsziele (UZ) ([Buch S. 284](/book/arbeit/284)). Hinweis: Feinziele (SMART-Kriterien) werden in der Interventionsplanung definiert. EPG-Bewertung: max. 10 Punkte. - -### Checkliste - -- Fernziel & Grobziele als Endzustand formuliert -- Bildungs- vs. Unterstützungsziele unterschieden -- Fachliche Begründung mit Bezug zu vorangehenden Schritten -- Kooperativer Zielbildungsprozess dokumentiert diff --git a/080-interventionPlanning/01-planning-epg-guidance.md b/080-interventionPlanning/01-planning-epg-guidance.md index 48e47e7..2d733d7 100644 --- a/080-interventionPlanning/01-planning-epg-guidance.md +++ b/080-interventionPlanning/01-planning-epg-guidance.md @@ -2,19 +2,23 @@ id: "planning-epg-guidance" type: "guidance-box" title: "3.5 Interventionsplanung (max. 10 Punkte)" -variant: "sky" +variant: "amber" --- -**Handlungsleitende Konzepte** ([Buch S. 299](/book/arbeit/299)): Wähle aus der «Füllung des KPG-Modells» ein oder mehrere handlungsleitende Konzepte, die deine Intervention leiten — z. B. Empowerment, Lebensweltorientierung, Ressourcenorientierung, systemisches Denken. Begründe die Wahl fachlich und verknüpfe zentrale Aspekte explizit mit der Interventionsplanung. +**Handlungsleitende Konzepte** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 299](/book/arbeit/299)): Wähle aus der «Füllung des KPG-Modells» ein oder mehrere handlungsleitende Konzepte, die deine Intervention leiten — z. B. Empowerment, Lebensweltorientierung, Ressourcenorientierung, systemisches Denken. Begründe die Wahl fachlich und verknüpfe zentrale Aspekte explizit mit der Interventionsplanung. -**Best/Worst Case & Nichts-tun** ([Buch S. 308](/book/arbeit/308)): Reflektiere vor der Entscheidung: Was passiert im besten Fall? Im schlimmsten Fall? Was, wenn nichts unternommen wird? Diese Reflexion hilft, Interventionen abzuwägen und unerwünschte Nebeneffekte zu antizipieren. +**Best/Worst Case & Nichts-tun** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 309](/book/arbeit/309)): Reflektiere vor der Entscheidung: Was passiert im besten Fall? Im schlimmsten Fall? Was, wenn nichts unternommen wird? Diese Reflexion hilft, Interventionen abzuwägen und unerwünschte Nebeneffekte zu antizipieren. -**SMART-Kriterien für Feinziele** ([Buch S. 286](/book/arbeit/286)): Formuliere Feinziele nach SMART — **S**pezifisch, **M**essbar, **A**ttraktiv/Akzeptiert, **R**ealistisch, **T**erminiert. Ordne jedem Feinziel ein Grobziel zu und unterscheide zwischen Bildungs- und Unterstützungszielen. +**SMART-Kriterien für Feinziele** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286](/book/arbeit/286)): Formuliere Feinziele nach SMART — **S**pezifisch, **M**essbar, **A**ttraktiv/Akzeptiert, **R**ealistisch, **T**erminiert. Ordne jedem Feinziel ein Grobziel zu und unterscheide zwischen Bildungs- und Unterstützungszielen. -**Kriterien (EPG-Bewertung):** +**Interventionsmodi** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 295](/book/arbeit/295)): Eingriff (nur bei Gefährdung), Angebot (freiwillig) und gemeinsames Handeln (koproduktiv). Leitlinie: Eingriffshandeln möglichst beschränken. Unterscheide situations- und personenbezogene Interventionen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 296](/book/arbeit/296)). + +**Kriterien (EPG-Bewertung, max. 10 Punkte):** - Zusammenfassung bisheriger Erkenntnisse und Bedeutung für die Interventionsplanung (1 Pkt.) - Handlungsleitende Konzepte: benannt, begründet und mit der Planung verknüpft (1.5 Pkt.) - Interventionsmöglichkeiten entworfen und reflektiert (1.5 Pkt.) - Auswahl fachlich begründet mit Bezug zur bisherigen Fallbearbeitung (1.5 Pkt.) - Konkrete Interventionsplanung: «Wer macht wann, was, wie, warum?» — methodisch-strukturiert und fallbezogen (3 Pkt.) - Klient*innenspezifische und inter-/intraprofessionelle Kooperation konkret dargestellt (1.5 Pkt.) + +💡 **Hinweis:** Die **Feinziele** werden hier konkret formuliert, aber unter dem EPG-Kriterium **Zielsetzung** bepunktet. diff --git a/080-interventionPlanning/02-planning-kpg-process.md b/080-interventionPlanning/02-planning-kpg-process.md index 427b6a7..aa88f21 100644 --- a/080-interventionPlanning/02-planning-kpg-process.md +++ b/080-interventionPlanning/02-planning-kpg-process.md @@ -2,11 +2,11 @@ id: "planning-kpg-process" type: "guidance-box" title: "KPG 4-Schritte-Prozess" -variant: "amber" +variant: "sky" --- -💡 Die Interventionsplanung folgt vier Schritten ([Buch S. 306–310](/book/arbeit/306)): +💡 Die Interventionsplanung folgt vier Schritten ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 306–311](/book/arbeit/306)): -1. **Vorüberlegungen** — Erkenntnisse zusammenfassen, handlungsleitendes Konzept wählen -2. **Entwerfen** (Öffnung) — Interventionsmöglichkeiten kooperativ sammeln -3. **Reflexion** (Szenarien) — Best Case / Worst Case / Nichtstun durchspielen -4. **Entscheiden & Planen** (Schliessung) — «Wer macht wann, was, wie, warum?» +1. **Vorüberlegungen** — Erkenntnisse zusammenfassen (Fakten, Fallthematik, Arbeitshypothese, Grobziele), handlungsleitendes Konzept wählen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 307](/book/arbeit/307)) +2. **Entwerfen** (Öffnung) — Interventionsmöglichkeiten kooperativ sammeln, Blickfeld weit öffnen, mind. 20–25 Ideen anstreben ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 308](/book/arbeit/308)) +3. **Reflexion** (Szenarien) — Best Case / Worst Case / Nichtstun durchspielen, Wirkungen und Nebenfolgen abschätzen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 309](/book/arbeit/309)) +4. **Entscheiden & Planen** (Schliessung) — Beste Interventionen auswählen, «Wer macht wann, was, wie, warum?», rollende Planung ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 311](/book/arbeit/311)) diff --git a/080-interventionPlanning/03-planning-einleitung.md b/080-interventionPlanning/03-planning-einleitung.md index d94302e..f3ed7d9 100644 --- a/080-interventionPlanning/03-planning-einleitung.md +++ b/080-interventionPlanning/03-planning-einleitung.md @@ -2,9 +2,11 @@ id: "planning-einleitung" type: "markdown" title: "Einleitungsabsatz" -hint: "Beschreibe das Ziel des Prozessschrittes und den Bezug zur Zielsetzung (Arbeitshypothese, Grob-/Feinziele). Kein separater Methode(n)-Abschnitt — Methoden ergeben sich aus den Schritten." -footnote: "Vgl. Hochuli Freund/Stotz: Kap. 12 Interventionsplanung, S. 293 ff." +hint: "Beschreibe das Ziel des Prozessschrittes und den Bezug zur Zielsetzung (Arbeitshypothese, Grob-/Feinziele). Kein separater Methode(n)-Abschnitt — Methoden ergeben sich aus den vier KPG-Schritten. Erläutere kurz, wie die Interventionsplanung auf Analyse, Diagnose und Zielsetzung aufbaut." +footnote: "📖 Interventionsplanung: entwerfen, reflektieren, auswählen, planen" --- ***Ziel des Prozessschrittes*** +Interventionsmöglichkeiten kooperativ entwerfen, reflektieren und fachlich begründet auswählen. Daraus werden kooperativ 2–3 Feinziele abgeleitet, dem/einem Grobziel zugeordnet und in Bildungs- und Unterstützungsziele unterteilt. + ***Bezug zum vorherigen Schritt*** diff --git a/080-interventionPlanning/04-planning-arbeitshypothese-display.md b/080-interventionPlanning/04-planning-arbeitshypothese-display.md index 0e8db8b..95f3afd 100644 --- a/080-interventionPlanning/04-planning-arbeitshypothese-display.md +++ b/080-interventionPlanning/04-planning-arbeitshypothese-display.md @@ -2,8 +2,8 @@ id: "planning-arbeitshypothese-display" type: "markdown-readonly" title: "Arbeitshypothese (aus Kap. 3.3)" -hint: "Die Arbeitshypothese (Wenn-dann-Hypothese) bildet den Ausgangspunkt für die Interventionsplanung." -footnote: "Schreibgeschützte Anzeige aus Kap. 3.3 Diagnose. Die Arbeitshypothese leitet den gesamten Interventionsprozess." +hint: "Die Arbeitshypothese (Wenn-dann-Hypothese) bildet den Ausgangspunkt für die Interventionsplanung. Sie verdichtet die ergiebigsten erklärenden Hypothesen und leitet den Blickwechsel von der Erklärung zur Zukunft ein." +footnote: "🔗 Schreibgeschützte Anzeige — Arbeitshypothese leitet Intervention" sourcePageDir: "060-diagnosis" sourceBlockId: "diagnosis-arbeitshypothese" --- diff --git a/080-interventionPlanning/05-planning-vorueberlegungen.md b/080-interventionPlanning/05-planning-vorueberlegungen.md index 83d0e7a..5184c8c 100644 --- a/080-interventionPlanning/05-planning-vorueberlegungen.md +++ b/080-interventionPlanning/05-planning-vorueberlegungen.md @@ -2,8 +2,8 @@ id: "planning-vorueberlegungen" type: "markdown" title: "Schritt 1 — Vorüberlegungen" -hint: "Fasse die wichtigsten Erkenntnisse aus Analyse, Diagnose und Zielsetzung zusammen. Benenne mind. ein handlungsleitendes Konzept (z. B. Empowerment, Lebensweltorientierung) und begründe dessen Wahl fachlich." -footnote: "EPG: «Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse … und deren Bedeutung für die Interventionsplanung ist herausgearbeitet» (1 Pkt.) + «Passende handlungsleitende Konzepte benannt und fachlich begründet» (1.5 Pkt.)" +hint: "Fasse die wichtigsten Erkenntnisse aus Analyse, Diagnose und Zielsetzung zusammen: relevante Fakten, Fallthematik, Arbeitshypothese, vereinbarte Grobziele. Benenne mind. ein handlungsleitendes Konzept (z. B. Empowerment, Lebensweltorientierung, Ressourcenorientierung, systemisches Denken) und begründe dessen Wahl fachlich. Zeige auf, wie dieses Konzept die Interventionsplanung leitet." +footnote: "💡 Schritt 1: Diagnostische Erkenntnisse als Rahmen nutzen" --- ***Zusammenfassung bisheriger Erkenntnisse*** diff --git a/080-interventionPlanning/06-planning-entwerfen.md b/080-interventionPlanning/06-planning-entwerfen.md index d9b4ec6..babedbf 100644 --- a/080-interventionPlanning/06-planning-entwerfen.md +++ b/080-interventionPlanning/06-planning-entwerfen.md @@ -2,7 +2,7 @@ id: "planning-entwerfen" type: "markdown" title: "Schritt 2 — Interventionsmöglichkeiten entwerfen" -hint: "Öffnungsphase: Sammle kooperativ möglichst viele Interventionsideen (Brainstorming). Beziehe Klient*in und Team ein. Noch keine Bewertung — erst sammeln, dann reflektieren." -footnote: "EPG: «Interventionsmöglichkeiten sind entworfen und reflektiert» (1.5 Pkt.)" +hint: "Öffnungsphase: Sammle kooperativ möglichst viele Interventionsideen (mind. 20–25 Ideen als Faustregel). Beziehe Klient*in und Team ein. Blickfeld weit öffnen, kreativ sein, Erfahrungswissen der Organisation nutzen. Noch keine Bewertung — erst sammeln, dann reflektieren. Konzentriere die Suche besonders auf mögliche Veränderungen von Situationen (nicht nur personenbezogen). Unterscheide Interventionsmodi: Eingriff, Angebot, gemeinsames Handeln." +footnote: "💡 Schritt 2: Blickfeld öffnen, kreativ neue Möglichkeiten erfinden" --- diff --git a/080-interventionPlanning/07-planning-reflektieren.md b/080-interventionPlanning/07-planning-reflektieren.md index 87d89bf..0aed0b0 100644 --- a/080-interventionPlanning/07-planning-reflektieren.md +++ b/080-interventionPlanning/07-planning-reflektieren.md @@ -2,7 +2,7 @@ id: "planning-reflektieren" type: "markdown" title: "Schritt 3 — Interventionsmöglichkeiten reflektieren" -hint: "Reflektiere die gesammelten Interventionsmöglichkeiten anhand von Szenarien: Best Case (bestmöglicher Verlauf), Worst Case (schlechtmöglichster Verlauf), Nichtstun (was passiert ohne Intervention?). Begründe die Auswahl fachlich mit Bezug zur bisherigen Fallbearbeitung." -footnote: "Vgl. Hochuli Freund/Stotz, S. 309: «Schritt 3: Reflexion der Interventionsmöglichkeiten». EPG: «Die Auswahl von Interventionsmöglichkeiten ist fachlich begründet» (1.5 Pkt.)" +hint: "Reflektiere die gesammelten Interventionsmöglichkeiten anhand von Szenarien: Best Case (bestmöglicher Verlauf), Worst Case (schlechtmöglichster Verlauf/Katastrophengeschichte), Nichtstun (was passiert ohne Intervention?). Diese Reflexionsmethode hilft, Wirkungen und unerwünschte Nebenfolgen abzuschätzen. Zusätzlich reflektieren: Ressourcen, Einflussfaktoren, ethische Aspekte, Handlungsbedarf. Begründe die finale Auswahl fachlich mit Bezug zur bisherigen Fallbearbeitung." +footnote: "💡 Schritt 3: Reflexion mittels Szenarien — fachlich begründet auswählen" --- diff --git a/080-interventionPlanning/09-planning-interventionsplan.md b/080-interventionPlanning/09-planning-interventionsplan.md index f6f600e..01af4c5 100644 --- a/080-interventionPlanning/09-planning-interventionsplan.md +++ b/080-interventionPlanning/09-planning-interventionsplan.md @@ -2,8 +2,8 @@ id: "planning-interventionsplan" type: "markdown" title: "Konkrete Interventionsplanung" -hint: "Plane konkret anhand EINES ausgewhlten Feinziels. Beantworte: «Wer macht wann, was, wie, warum?» Verknüpfe die Planung methodisch-strukturiert mit dem handlungsleitenden Konzept. Stelle klient*innenspezifische und inter-/intraprofessionelle Kooperationen konkret dar." -footnote: "EPG: «Die konkrete Interventionsplanung anhand eines der formulierten Feinziele beantwortet ganz konkret die Frage ‹Wer macht wann, was, wie, warum?›» (3 Pkt.) + «Kooperationen konkret dargestellt» (1.5 Pkt.)" +hint: "Plane konkret anhand EINES ausgewählten Feinziels. Beantworte: «Wer macht wann, was, wie, warum?» Verknüpfe die Planung methodisch-strukturiert mit dem handlungsleitenden Konzept. Stelle klient*innenspezifische und inter-/intraprofessionelle Kooperationen konkret dar. Denke an die rollende Planung: nur die erste Interventionsphase detailliert planen, weitere erst nach Zwischenevaluation." +footnote: "💡 Schritt 4: Entscheiden, planen und W-Fragen beantworten" --- | Wer? | Wann? | Was? | Wie? | Warum? | |------|-------|------|------|--------| diff --git a/080-interventionPlanning/99-planning-quality-check.md b/080-interventionPlanning/99-planning-quality-check.md index a9d83fb..7cb009a 100644 --- a/080-interventionPlanning/99-planning-quality-check.md +++ b/080-interventionPlanning/99-planning-quality-check.md @@ -6,9 +6,11 @@ variant: "slate" --- Bevor du zur Reflexion übergehst, prüfe: -- Vorüberlegungen: Sind die bisherigen Erkenntnisse zusammengefasst und deren Bedeutung für die Planung herausgearbeitet? -- Handlungsleitendes Konzept: Ist mind. ein Konzept benannt, begründet und mit der Planung verknüpft? -- Entwerfen & Reflexion: Wurden Interventionsmöglichkeiten kooperativ entworfen und mit Szenarien (Best/Worst/Nichtstun) reflektiert? -- Feinziele: Sind sie nach SMART formuliert und Grobzielen zugeordnet (BZ/UZ)? -- W-Fragen: Beantwortet der Interventionsplan für ein Feinziel konkret «Wer macht wann, was, wie, warum?» -- Kooperation: Sind klient*innenspezifische und inter-/intraprofessionelle Kooperationen konkret dargestellt? +- [ ] **Zusammenfassung bisheriger Erkenntnisse:** Wichtigste Erkenntnisse zusammengefasst und Bedeutung für Interventionsplanung herausgearbeitet ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 307](/book/arbeit/307)) +- [ ] **Handlungsleitendes Konzept:** Mind. ein Konzept benannt, fachlich begründet und mit Planung verknüpft ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 299](/book/arbeit/299)) +- [ ] **Entwerfen & Reflexion:** Interventionsmöglichkeiten kooperativ entworfen und mit Szenarien reflektiert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 308–309](/book/arbeit/308)) +- [ ] **Auswahl fachlich begründet:** Mit Bezug zur bisherigen Fallbearbeitung +- [ ] **Feinziele (SMART):** Nach SMART formuliert und Grobzielen zugeordnet (BZ/UZ); Bewertung läuft unter Zielsetzung ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286](/book/arbeit/286)) +- [ ] **W-Fragen:** «Wer macht wann, was, wie, warum?» — methodisch-strukturiert und fallbezogen +- [ ] **Kooperation:** Klient*innenspezifische und inter-/intraprofessionelle Kooperationen konkret dargestellt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 305](/book/arbeit/305)) +- [ ] **Rollende Planung:** Nur erste Interventionsphase detailliert geplant ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 298](/book/arbeit/298)) diff --git a/080-interventionPlanning/guidance.md b/080-interventionPlanning/guidance.md deleted file mode 100644 index 662b6dd..0000000 --- a/080-interventionPlanning/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,10 +0,0 @@ -Plane konkrete Interventionen kooperativ im KPG-4-Schritte-Prozess: Vorüberlegungen → Entwerfen → Reflektieren → Entscheiden & Planen. Beantworte die W-Fragen (Wer? Was? Wann? Wie? Warum?) und begründe deine Planung mit handlungsleitenden Konzepten. EPG-Bewertung: max. 10 Punkte. - -### Checkliste - -- Vorüberlegungen: Erkenntnisse zusammengefasst, handlungsleitendes Konzept gewählt & begründet -- Entwerfen: Interventionsmöglichkeiten kooperativ gesammelt -- Reflexion: Best Case / Worst Case / Nichtstun durchgespielt -- Feinziele: SMART-formuliert, Grobzielen zugeordnet, BZ/UZ unterschieden -- Interventionsplan: W-Fragen für ein Feinziel beantwortet -- Kooperation: Klient*in und inter-/intraprofessionell dargestellt diff --git a/080-interventionPlanning/index.jsonc b/080-interventionPlanning/index.jsonc index aecfd58..5415e9d 100644 --- a/080-interventionPlanning/index.jsonc +++ b/080-interventionPlanning/index.jsonc @@ -3,12 +3,12 @@ "$schema": "https://kpg-app.ch/schema/step.schema.json", "stepId": "080-interventionPlanning", "title": "3.5 Prozessschritt Interventionsplanung", - "subTitle": "Konkrete Planung von Massnahmen.", + "subTitle": "Konkrete Planung von Massnahmen im KPG-4-Schritte-Prozess.", "accentColor": "var(--color-step-5)", "status": "pending", "progress": 0, "labels": [ "Wie und womit?" ], - "overview": "Interventionsmöglichkeiten kooperativ entwerfen, reflektieren und fachlich begründet auswählen. Daraus werden kooperativ 2–3 Feinziele abgeleitet, dem/einem Grobziel zugeordnet und in Bildungs- und Unterstützungsziele unterteilt." + "overview": "Interventionsmöglichkeiten kooperativ entwerfen, reflektieren und fachlich begründet auswählen (4-Schritte-Prozess: Vorüberlegungen → Entwerfen → Reflektieren → Entscheiden & Planen). Daraus werden kooperativ 2–3 Feinziele nach SMART abgeleitet, Grobzielen zugeordnet und in BZ/UZ unterteilt. Konkrete Interventionsplanung anhand eines Feinziels: «Wer macht wann, was, wie, warum?»" } diff --git a/090-reflection/01-reflection-epg-guidance.md b/090-reflection/01-reflection-epg-guidance.md index 5ca3c5f..6f456be 100644 --- a/090-reflection/01-reflection-epg-guidance.md +++ b/090-reflection/01-reflection-epg-guidance.md @@ -2,11 +2,20 @@ id: "reflection-epg-guidance" type: "guidance-box" title: "4. Fachliche Reflexion (max. 9 Punkte)" -variant: "sky" +variant: "amber" --- -📝 Abschliessende fachliche, kritische Reflexion des gesamten Gestaltungsprozesses ([Buch S. 344](/book/arbeit/344)). Reflektiere dein Vorgehen distanziert und selbstkritisch — keine blosse Zusammenfassung, sondern eine bewertende Rückschau. +📝 Abschliessende fachliche, kritische Reflexion des gesamten Gestaltungsprozesses ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 332](/book/arbeit/332)). Reflektiere dein Vorgehen distanziert und selbstkritisch — keine blosse Zusammenfassung, sondern eine bewertende Rückschau. Die Begriffe Reflexion und Evaluation sind wenig trennscharf; Reflexion gilt als allgemeine Aufgabe, Evaluation als strukturierte, kriteriengeleitete Überprüfung ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 335](/book/arbeit/335)). -**Kriterien (EPG-Bewertung):** +**EPG-Leitfragen:** +1. Welche Bedeutung/Relevanz haben Theorien/Fachwissen für meine Praxis? Stärken/Schwächen? Alternativen? +2. Welche Bedeutung/Relevanz haben die beigezogenen methodischen Zugänge? Stärken/Schwächen? Alternativen? +3. Wie ist es mir gelungen, meine Rolle als Fachperson zu gestalten? +4. Welche Werte/Haltungen haben mich geleitet? Auswirkungen? Verändert/bestätigt/differenziert? +5. Welche Schwierigkeiten haben sich im Handlungsprozess ergeben? Ursachen? Umgang? Alternativen? +6. Was hätte ich rückblickend noch berücksichtigen können? +7. Was würde ich genauso und was anders machen? Weshalb? + +**Kriterien (EPG-Bewertung, max. 9 Punkte):** - Fachliches sowie methodisches Vorgehen inkl. Bedeutung und Zusammenhang der Prozessschritte (Zirkularität) (3 Pkt.) - Klient*innenspezifische und intra-/interprofessionelle Kooperation (1.5 Pkt.) - Eigene Rolle als Fachperson (1.5 Pkt.) diff --git a/090-reflection/02-reflection-fachliches-vorgehen.md b/090-reflection/02-reflection-fachliches-vorgehen.md deleted file mode 100644 index a74cf2a..0000000 --- a/090-reflection/02-reflection-fachliches-vorgehen.md +++ /dev/null @@ -1,9 +0,0 @@ ---- -id: "reflection-fachliches-vorgehen" -type: "markdown" -title: "Fachliches und methodisches Vorgehen" -hint: "Reflektiere dein fachliches und methodisches Vorgehen über den gesamten Gestaltungsprozess. Gehe auf die Bedeutung und den Zusammenhang der einzelnen Prozessschritte ein (Zirkularität): Wo hast du Schritte wiederholt? Wo hätte eine Rückkehr zu einem früheren Schritt geholfen?" -footnote: "EPG: «Fachliches sowie methodisches Vorgehen inkl. Bedeutung und Zusammenhang der Prozessschritte (Zirkularität)» (3 Pkt.). Vgl. Hochuli Freund/Stotz, S. 345: Reflexion des Prozessschrittes." ---- -***Fachliches sowie methodisches Vorgehen inkl. Zirkularität*** - diff --git a/090-reflection/03-reflection-kooperation.md b/090-reflection/03-reflection-kooperation.md deleted file mode 100644 index 47321eb..0000000 --- a/090-reflection/03-reflection-kooperation.md +++ /dev/null @@ -1,8 +0,0 @@ ---- -id: "reflection-kooperation" -type: "markdown" -title: "Kooperation" -hint: "Reflektiere die klient*innenspezifische und die intra-/interprofessionelle Kooperation über den gesamten Prozess. Wo gelang die Zusammenarbeit gut? Wo gab es Schwierigkeiten? Wie wurde Multiperspektivität sichergestellt?" -footnote: "EPG: «Klient*innenspezifische und intra-/interprofessionelle Kooperation» (1.5 Pkt.). Vgl. Hochuli Freund/Stotz, S. 90 ff. (Kap. 5 Kooperation)." ---- -***Klient*****innenspezifische und intra-/interprofessionelle Kooperation**\* diff --git a/090-reflection/04-reflection-eigene-rolle.md b/090-reflection/04-reflection-eigene-rolle.md deleted file mode 100644 index 5741e20..0000000 --- a/090-reflection/04-reflection-eigene-rolle.md +++ /dev/null @@ -1,9 +0,0 @@ ---- -id: "reflection-eigene-rolle" -type: "markdown" -title: "Eigene Rolle als Fachperson" -hint: "Reflektiere deine eigene Rolle als Fachperson: professionelle Haltung, Werte, Nähe-Distanz-Verhältnis, Umgang mit Ungewissheit und Macht. Wo bist du an Grenzen gestossen? Was hat dich persönlich herausgefordert?" -footnote: "EPG: «Eigene Rolle als Fachperson» (1.5 Pkt.). Vgl. Hochuli Freund/Stotz, S. 322 f.: Rollenwechsel und emotionale Verstrickungen." ---- -***Eigene Rolle als Fachperson*** - diff --git a/090-reflection/05-reflection-konsequenzen.md b/090-reflection/05-reflection-konsequenzen.md deleted file mode 100644 index a5be133..0000000 --- a/090-reflection/05-reflection-konsequenzen.md +++ /dev/null @@ -1,9 +0,0 @@ ---- -id: "reflection-konsequenzen" -type: "markdown" -title: "Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse" -hint: "Formuliere mögliche Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse: Was würdest du beim nächsten Mal anders machen? Was hat sich bewhrt? Welche Erkenntnisse nimmst du für dein weiteres professionelles Handeln mit? Gibt es einen Fallabschluss oder Weiterführung?" -footnote: "EPG: «Mögliche Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse werden dargestellt» (3 Pkt.)." ---- -***Mögliche Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse*** - diff --git a/090-reflection/99-reflection-quality-check.md b/090-reflection/99-reflection-quality-check.md index 137c0e3..494738d 100644 --- a/090-reflection/99-reflection-quality-check.md +++ b/090-reflection/99-reflection-quality-check.md @@ -6,8 +6,9 @@ variant: "slate" --- Bevor du den Prozess abschliesst, prüfe: -- Fachliches Vorgehen: Hast du dein methodisches Vorgehen kritisch reflektiert und den Zusammenhang der Prozessschritte (Zirkularität) aufgezeigt? -- Kooperation: Ist die Zusammenarbeit mit Klient*in und Fachpersonen (intra-/interprofessionell) differenziert reflektiert? -- Eigene Rolle: Hast du deine professionelle Haltung, Werte und Herausforderungen selbstkritisch beleuchtet? -- Konsequenzen: Sind konkrete Erkenntnisse und Konsequenzen für dein weiteres professionelles Handeln formuliert? -- Tiefe: Ist dies eine bewertende Reflexion (nicht nur eine Zusammenfassung)? +- [ ] **Fachliches Vorgehen & Zirkularität:** Methodisches Vorgehen kritisch reflektiert, Zusammenhang der Prozessschritte (Zirkularität) aufgezeigt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 345](/book/arbeit/345)) +- [ ] **Kooperation:** Zusammenarbeit mit Klient*in und Fachpersonen (intra-/interprofessionell) differenziert reflektiert ([Praxis, S. 90](/book/praxis/90)) +- [ ] **Eigene Rolle:** Professionelle Haltung, Werte und Herausforderungen selbstkritisch beleuchtet; Veränderungen im Prozess reflektiert +- [ ] **Konsequenzen:** Konkrete Erkenntnisse und Konsequenzen für weiteres professionelles Handeln formuliert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 344](/book/arbeit/344)) +- [ ] **Tiefe:** Bewertende, kritische Reflexion — nicht nur Zusammenfassung +- [ ] **Reflexionsnotizen:** Während der Arbeit gesammelte Reflexionsnotizen als Grundlage einbezogen diff --git a/090-reflection/guidance.md b/090-reflection/guidance.md deleted file mode 100644 index 5718678..0000000 --- a/090-reflection/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,8 +0,0 @@ -Abschliessende fachliche, kritische Reflexion des gesamten Gestaltungsprozesses. Keine Zusammenfassung — eine bewertende Rückschau auf dein Vorgehen, die Kooperation, deine Rolle und die Konsequenzen. EPG-Bewertung: max. 9 Punkte. - -### Checkliste - -- Fachliches/methodisches Vorgehen & Zirkularität der Prozessschritte -- Kooperation: klient*innenspezifisch und inter-/intraprofessionell -- Eigene Rolle: Haltung, Werte, Herausforderungen -- Konsequenzen & zentrale Erkenntnisse für weiteres Handeln diff --git a/090-reflection/index.jsonc b/090-reflection/index.jsonc index 843d9d4..0133e95 100644 --- a/090-reflection/index.jsonc +++ b/090-reflection/index.jsonc @@ -3,12 +3,12 @@ "$schema": "https://kpg-app.ch/schema/step.schema.json", "stepId": "090-reflection", "title": "4. Fachliche Reflexion", - "subTitle": "Reflexion des gesamten Vorgehens: Prozesslogik, Kooperation, Rolle, Ausblick.", + "subTitle": "Kritische Reflexion des gesamten Vorgehens: Prozesslogik, Kooperation, Rolle, Ausblick.", "accentColor": "var(--color-step-6)", "status": "pending", "progress": 0, "labels": [ "Reflexion" ], - "overview": "Abschließende fachliche Reflexion des gesamten Gestaltungsprozesses. Reflektiere: Prozessschritte und Zirkularität, Kooperation und Koproduktion, die eigene professionelle Rolle und Haltung sowie Konsequenzen für weiteres Handeln oder Fallabschluss." + "overview": "Abschliessende fachliche, kritische Reflexion des gesamten Gestaltungsprozesses — keine blosse Zusammenfassung, sondern eine bewertende Rückschau. Reflektiere: Fachliches und methodisches Vorgehen inkl. Zirkularität der Prozessschritte, klient*innenspezifische und intra-/interprofessionelle Kooperation, die eigene professionelle Rolle und Haltung sowie Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse für weiteres Handeln." } diff --git a/100-references/01-references-einleitung.md b/100-references/01-references-einleitung.md index f958c07..597f883 100644 --- a/100-references/01-references-einleitung.md +++ b/100-references/01-references-einleitung.md @@ -2,6 +2,7 @@ id: "references-einleitung" type: "markdown" title: "Einleitung" -hint: "Einführender Absatz zum Quellenverzeichnis." +hint: "Optionaler einführender Absatz zum Quellenverzeichnis. Kann leer bleiben oder kurz erläutern, dass die Quellen gemäss APA 7th Edition aufgeführt sind und KI-basierte Tools in einer separaten Zitationstabelle dokumentiert werden." +footnote: "📚 Quellenverzeichnis gemäss Richtlinien für schriftliche Facharbeiten" --- diff --git a/100-references/02-references-literature.md b/100-references/02-references-literature.md index 244e8c8..52a452d 100644 --- a/100-references/02-references-literature.md +++ b/100-references/02-references-literature.md @@ -2,7 +2,8 @@ id: "references-literature" type: "markdown" title: "Literaturverzeichnis (APA 7)" -hint: "Alle verwendeten Quellen gemäss APA 7th Edition. Alphabetisch nach Autor*in sortiert." +hint: "Alle verwendeten Quellen gemäss APA 7th Edition. Alphabetisch nach Erstautor*in sortiert. Hängende Einzüge verwenden. DOI als Link angeben (https://doi.org/xxx). Alle im Text zitierten Quellen müssen hier aufgeführt sein — und umgekehrt." +footnote: "📚 APA 7th Edition — alphabetisch, hängende Einzüge, DOI als Link" --- ***Literaturverzeichnis*** diff --git a/100-references/03-references-ai-citations.md b/100-references/03-references-ai-citations.md index e372420..e2c12dc 100644 --- a/100-references/03-references-ai-citations.md +++ b/100-references/03-references-ai-citations.md @@ -2,7 +2,8 @@ id: "references-ai-citations" type: "markdown" title: "Zitationstabelle KI-basierte Tools" -hint: "Dokumentation der Nutzung KI-basierter Tools gemäss Agogis-Richtlinien." +hint: "Dokumentation der Nutzung KI-basierter Tools gemäss Agogis-Leitfaden. Tabellarische Darstellung: Welches Tool? Wofür und wo eingesetzt? Welcher Prompt? Welche Anpassungen an der Ausgabe? Es muss klar ersichtlich sein, was übernommene Gedanken und was Eigenleistung ist. Auch wenn kein KI-Tool eingesetzt wurde: leere Tabelle mit Vermerk." +footnote: "🤖 KI-Zitationstabelle gemäss Agogis-Leitfaden zum Umgang mit KI" --- ***Zitationstabelle KI-basierte Tools*** diff --git a/100-references/04-references-figures.md b/100-references/04-references-figures.md index 8395410..1228f2e 100644 --- a/100-references/04-references-figures.md +++ b/100-references/04-references-figures.md @@ -2,7 +2,8 @@ id: "references-figures" type: "markdown" title: "Abbildungsverzeichnis" -hint: "Verzeichnis aller Abbildungen mit Titel und Seitenzahl (falls vorhanden)." +hint: "Verzeichnis aller Abbildungen mit Nummer, Titel und Seitenzahl. Falls keine Abbildungen vorhanden sind, kann dieses Verzeichnis entfallen oder mit einem Vermerk «keine Abbildungen» versehen werden." +footnote: "🖼️ Abbildungsverzeichnis gemäss APA 7 — fortlaufend nummeriert" --- ***Abbildungsverzeichnis*** diff --git a/100-references/05-references-tables.md b/100-references/05-references-tables.md index 2b49fe4..aa98b7a 100644 --- a/100-references/05-references-tables.md +++ b/100-references/05-references-tables.md @@ -2,7 +2,8 @@ id: "references-tables" type: "markdown" title: "Tabellenverzeichnis" -hint: "Verzeichnis aller Tabellen mit Titel und Seitenzahl (falls vorhanden)." +hint: "Verzeichnis aller Tabellen mit Nummer, Titel und Seitenzahl. Falls keine Tabellen vorhanden sind, kann dieses Verzeichnis entfallen oder mit einem Vermerk «keine Tabellen» versehen werden." +footnote: "📊 Tabellenverzeichnis gemäss APA 7 — fortlaufend nummeriert" --- ***Tabellenverzeichnis*** diff --git a/100-references/guidance.md b/100-references/guidance.md deleted file mode 100644 index 8c9523c..0000000 --- a/100-references/guidance.md +++ /dev/null @@ -1,8 +0,0 @@ -Quellenverzeichnis gemäss APA 7th Edition. Literaturverzeichnis, Zitationstabelle KI-basierte Tools, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis. - -### Checkliste - -- Literaturverzeichnis (APA 7) -- Zitationstabelle KI-basierte Tools -- Abbildungsverzeichnis (falls vorhanden) -- Tabellenverzeichnis (falls vorhanden) diff --git a/100-references/index.jsonc b/100-references/index.jsonc index c92cff2..68c56c4 100644 --- a/100-references/index.jsonc +++ b/100-references/index.jsonc @@ -3,7 +3,7 @@ "$schema": "https://kpg-app.ch/schema/chapter.schema.json", "stepId": "100-references", "title": "5. Quellenverzeichnis", - "subTitle": "Literaturverzeichnis, Zitationstabelle KI-Tools, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis.", + "subTitle": "Literaturverzeichnis (APA 7), Zitationstabelle KI-Tools, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis.", "accentColor": "#666666", "status": "pending", "progress": 0, diff --git a/README.md b/README.md index ea16254..46e4bd6 100644 --- a/README.md +++ b/README.md @@ -3,43 +3,55 @@ ## General - Hints can be 5-10 lines long and multiple paragraphs. Can contain references to the source material. -- Footnotes should contain a one-liner that provides additional information about the content expected in the markdown block. Always start with an icon that gives a quick visual hint about the content of the footnote. No references here. ## Page structure -1. Guidance (guidance.md) - -This section will always be visible while the user is on this page. Provide a short explanation, list of quick references and a TODO checklist. -Avoid using tables in this section. - -1. KPG Guidance - -- type: "guidance-box" -- variant: "sky" - -Provide a concise summary of the key concepts and principles of KPG related to the page. - -2. EPG Guidance - -- type: "guidance-box" -- variant: "amber" +01-*-epg-guidance.md (amber box) +02-*-kpg-principle.md (sky box) +03-*-...md onwards (other guidance boxes) +04-*-einleitung.md (markdown block) +... content blocks (markdown, reflection, etc.) +99-*-quality-check.md (slate box) +vertical-hint-column.md (always visible on the right side of the page, contains the guidance section) +### EPG Guidance Provide a concise summary of the key concepts and principles of EPG related to the page, detailing the scoring criteria. This is the **only** place where scoring criteria should be mentioned. -3. Einleitungsabsatz - -- type: "markdown" +### KPG Guidance +Provide a concise summary of the key concepts and principles of KPG related to the page. +### Einleitungsabsatz This is the section where the user describes the goal of the current chapter. Provide a hint accordingly. No footnote is necessary here. -... -Content boxes, prepended by guidance boxes if necessary. -... - -N. Qualitätsprüfung -- type: "guidance-box" -- variant: "slate" - +### Qualitätsprüfung The final checklist to ensure that all necessary elements are included and correctly filled out on the page. This should be a comprehensive list that covers all aspects of the page's content and structure, ensuring that it meets the standards for both KPG and EPG. Do not repeat the scoring points here. + +## Writing style and language guide + +When helping the user to write the content blocks, follow these guidelines: + +## Die 10 wichtigsten Schreibregeln + +1. **Ich-Perspektive, aktiv und direkt** – Aus der Ich-Perspektive schreiben, kurze aktive Sätze, sofort auf den Punkt kommen. + +2. **Kein «Beamtendeutsch»** – Keine Passivkonstruktionen («Es wurde festgestellt …»), keine Schachtelsätze, keine aufblähenden Füllwörter («im Rahmen von», «es handelt sich um»). + +3. **Kein Nominalstil** – Verben statt Substantivierungen: nicht «Verwahrlosung», sondern beschreiben, was konkret passiert ist. + +4. **Fakten und Hypothesen sauber trennen** – Beobachtungen («Ich beobachtete …»), Vermutungen («Ich vermute …») und gesicherte Fakten immer sprachlich klar unterscheiden. + +5. **Alle Akteure benennen** – Wer handelt, entscheidet oder urteilt, muss im Text sichtbar sein – sowohl Fachperson als auch Adressatin/Adressat. + +6. **Ressourcenorientiert formulieren** – Verhalten konkret beschreiben statt kategorisieren («aggressiv», «depressiv»). Veränderungsmöglichkeiten sichtbar machen. + +7. **Roter Faden sicherstellen** – Kapitel mit kurzer Einleitung beginnen, am Ende zusammenfassen, Überleitungen explizit gestalten. + +8. **Fachsprache dosiert einsetzen** – Theorien und Fachbegriffe nur dort, wo sie im Kapitel wirklich behandelt werden – nicht als Dekoration. + +9. **APA-Zitation konsequent und dicht** – Jede fremde Idee mit Kurzverweis (Autor, Jahr, Seite) belegen, direkt beim betreffenden Abschnitt – nicht erst am Kapitelende. + +10. **Standarddeutsch (de-CH), keine Helvetismen** – Korrekte Orthografie, keine Alltagssprache; KI-Einsatz im separaten Verzeichnis deklarieren. + +See the full set of guidelines here: documents/WRITING-STYLE.md diff --git a/documents/Kapitel_3_1_Situationserfassung_Entwurf.md b/documents/Kapitel_3_1_Situationserfassung_Entwurf.md deleted file mode 100644 index 35b78fa..0000000 --- a/documents/Kapitel_3_1_Situationserfassung_Entwurf.md +++ /dev/null @@ -1,105 +0,0 @@ -# 3.1 Prozessschritt Situationserfassung — ENTWURF - -In der Situationserfassung mache ich mir ein umfassendes Bild der Fallsituation. Ich setze den Realitätsausschnitt und trage zusammen, was ist. Es geht ausschliesslich um das Sammeln von Informationen. Dazu habe ich verschiedene Methoden eingesetzt: Erkundungsgespräche, Beobachtungen im sozialpädagogischen Alltag, Journal-Einträge anderer Fachpersonen, Rückmeldungen an Sitzungen, Standortgespräche sowie das Studium bestehender Berichte und Akten. - -***Auftrag*** - -Der Auftrag richtet sich nach der Indikation und wird individuell festgelegt. Ziel ist es, die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten, ihre Ressourcen zu erkennen und zu stärken sowie neue Verhaltensmuster einzuüben. Der Auftrag des sozialpädagogischen Teams besteht im Erlernen und Festigen alltagspraktischer Basiskompetenzen sowie in der Unterstützung einer altersgemässen Entwicklung. - -***Organisationsstruktur (Teamkonstellation)*** - -Leny lebt im Wocheninternat und wird im Alltag vom sozialpädagogischen Team begleitet. Er besucht die interne Schule und nimmt wöchentlich an Einzel- sowie Gruppentherapie teil. Aus jedem Bereich hat er eine Bezugsperson. Es finden regelmässig fachübergreifende Austausche statt. An den Standortgesprächen nehmen die internen Bezugspersonen sowie externe Fachpersonen wie die Beiständin und der Schulpsychologische Dienst teil. Die Kinder arbeiten einmal wöchentlich mit der Köchin zusammen. Zudem findet eine freie Förderstunde statt, in der eigene Projekte umgesetzt werden können. Im Rahmen der sozialpädagogischen Begleitung finden Schwimm- und Turneinheiten statt. Die Freizeit wird sozialpädagogisch gestaltet und partizipativ mit den Kindern geplant. Es besteht die Möglichkeit, externe Hobbys zu besuchen. Wöchentlich findet ein externes Angebot statt (Malort nach Arno Stern). Zum Jahresprogramm gehören zudem Projekttage sowie ein Ski- und ein Sommerlager. - -***Einweisungsgrund und einweisende Stelle*** - -Der Schulpsychologische Dienst des Wohnortes war bereits länger in den Unterstützungsprozess der Familie eingebunden. In der öffentlichen Schule zeigte sich zunehmend, dass Leny Mühe hatte, sich auf Aufgaben zu konzentrieren. Er ist mehrmals im Unterricht eingeschlafen und konnte den Schulstoff nicht entsprechend erarbeiten. Seitens der Schule wurde festgehalten, dass er sich stark um seine Mutter sorgt. Im Jahr 2022 wurde durch den Schulpsychologischen Dienst die Diagnose PTS gestellt und der Besuch eines Sonderschulheims empfohlen. Die Mutter erklärte sich einverstanden. - -***Rechtliche Situation*** - -Die Obhut liegt bei der Kindsmutter. Für Leny besteht eine Beistandschaft mit dem Auftrag, sein Kindeswohl sicherzustellen. - -***Auftrag bezüglich Klient*** - -Der Auftrag bezüglich Leny besteht darin, ihn in seiner persönlichen, schulischen und sozialen Entwicklung zu begleiten. Er soll sich abgrenzen können von der Verantwortung gegenüber seiner Mutter, damit er seine Entwicklungsschritte nachholen und machen kann. Im schulischen Bereich soll er seine Aufmerksamkeit besser fokussieren und Aufgaben zunehmend selbstständig bearbeiten können. Im sozialpädagogischen Alltag geht es um mehr Orientierung und Struktur sowie um das Festigen alltagspraktischer Kompetenzen. ***(nochmals in Akte lesen)*** - -***Person*** - -Leny ist Anfang dieses Jahres 12 Jahre alt geworden. Er ist ein Junge mit altersgemässem, eher robustem Körperbau und wirkt gepflegt. - -***Vorgeschichte vom Klienten*** - -Leny ist das älteste Kind der Familie. Seine Eltern trennten sich in seiner frühen Kindheit. Er lebte einige Jahre mit seiner Mutter im Ausland beim Vater. Die dortige Situation war von schwierigen und gewaltbelasteten Verhältnissen geprägt. Mit Unterstützung ihrer Eltern kehrte die Mutter mit Leny in die Schweiz zurück. - -Leny lebt seither bei seiner Mutter. Der Kontakt zum Vater ist gering, es besteht jedoch regelmässiger Kontakt zu einer in der Schweiz lebenden Schwester des Vaters. - -Auch eine spätere Beziehung der Mutter war von Gewalt geprägt. Aus dieser Beziehung stammen Zwillingsschwestern (2019). Aus der aktuellen Beziehung der Mutter wurde 2023 ein weiterer Bruder geboren. Leny lebt heute mit seiner Mutter, deren Partner sowie seinen Geschwistern im gemeinsamen Haushalt. - -***Soziales Umfeld*** - -Die Grosseltern mütterlicherseits leben in kurzer Gehdistanz und sind stark in die Alltagsbewältigung der Familie eingebunden (Kinderbetreuung, Mahlzeiten, finanzielle Unterstützung). Die Mutter äussert wiederholt den Wunsch nach mehr Autonomie und beschreibt die Situation teilweise als fremdbestimmt. - -Leny hat mehrere Freunde in seiner Wohnumgebung. Er erzählt im Alltag häufig von gemeinsamen Erlebnissen und vermisst seine Freunde während der Aufenthalte im Wocheninternat. Ein enger Freund ist kürzlich ins Ausland gezogen, was Leny beschäftigte und über das er mehrfach sprach. - -***Fähigkeiten, Ressourcen*** - -Die Mutter beschreibt Leny in Gesprächen als herzlich und gutmütig. - -Im Alltag auf der Wohngruppe fällt dem sozialpädagogischen Team seine Freundlichkeit und sein Humor auf. Er ist im 1:1 gut erreichbar. In der Zusammenarbeit mit der Köchin wird berichtet, dass er gerne mithilft und die Zusammenarbeit als angenehm erlebt wird. In der freien Förderstunde setzt er kreativ eigene Projekte um. - -Leny hat ein gutes Körperbewusstsein und lernt schnell Bewegungsabläufe. Dies zeigt sich zum Beispiel beim Skifahren lernen oder im besuchten Fechtkurs. - -***Schwierigkeiten, Probleme*** - -Die Mutter berichtet, dass sie Leny auf Appelle hin häufig nicht erreicht. - -Die Lehrpersonen beschreiben weiterhin Konzentrationsschwierigkeiten und einen erhöhten Begleitbedarf im Unterricht. - -Im Alltag auf der Wohngruppe wird wiederholt seine Vergesslichkeit und fehlende Orientierung im Wochenablauf beobachtet. Leny selbst sagt in solchen Situationen häufig „ich weiss nicht" oder „ich habe es vergessen". - -Bei Konflikten wird von Seiten des Teams wahrgenommen, dass er sich eher zurückzieht. Er äussert zudem, dass er „Ämtli" nicht gerne erledigt. - -***Biografische Verlaufsdaten / Beeinträchtigungen*** - -Nach der Rückkehr in die Schweiz besuchte Leny den Kindergarten. Die Mutter berichtet, dass diese Zeit für ihn schwierig war. - -In der öffentlichen Primarschule wurde er als beliebtes Klassenmitglied beschrieben. Gleichzeitig zeigten sich zunehmende Konzentrationsschwierigkeiten. Aus schulischen Berichten geht hervor, dass Leny wiederholt im Unterricht eingeschlafen ist und den Schulstoff nicht altersentsprechend erarbeiten konnte. Zum Zeitpunkt der Platzierung befand er sich in der 4. Primarschulklasse. - -Der Schulpsychologische Dienst wurde beigezogen und begleitete den weiteren Prozess. - -Im Jahr 2022 wurde durch den Schulpsychologischen Dienst die Diagnose PTS gestellt. Im Bericht wird zudem eine enge emotionale Bindung an die Mutter beschrieben. - -In der Folge wurde eine stationäre schulische Lösung empfohlen. Eine Beiständin wurde eingesetzt mit dem Auftrag, das Kindeswohl sicherzustellen und geeignete Lösungen zu prüfen. - -***Vorgeschichte in Organisation*** - -Leny ist seit einem Jahr im Praxisbetrieb. Er hat sich rasch eingelebt und Freundschaften geschlossen. Bei Eintritt wurde er schulisch auf der Stufe der 4. Klasse unterrichtet. Seitens der Lehrpersonen wurde ein schulischer Rückstand von etwa einem Jahr beschrieben. Zu Beginn zeigte sich eine deutliche Entwicklung, nach den Sommerferien wurden teilweise wieder Rückschritte wahrgenommen. - -Im sozialpädagogischen Alltag wurde besonders an seiner Ordnung und seiner Präsenz gearbeitet. - -***Fähigkeiten, Ressourcen*** - -In der Schule haben sich Präsenz und Konzentration verbessert. In der Einzeltherapie fühlt er sich von Beginn an wohl und genoss den Raum dort. Er lässt sich zunehmend auf den Prozess ein und öffnet sich für seine Thematiken. - -***Schwierigkeiten, Probleme*** - -Es wurde beobachtet, dass er sich nicht gut abgrenzen kann und oft Unruhe in die Gruppe bringt. - -Zuhause gab es immer wieder schwierige Phasen bezüglich des Partners der Mutter. Die Mutter zieht sich teils stark zurück und ist phasenweise schwer bis gar nicht erreichbar. Es wurde versucht, verschiedene Stressoren abzubauen. - -***Gegenwärtige Situation*** - -***Veränderungen / Besonderheiten*** - -Im Alltag zeigt sich bei Leny weiterhin eine deutliche Vergesslichkeit und wenig Orientierung im Tages- und Wochenablauf. Er weiss oft nicht, was ansteht, und übernimmt Verantwortung nur zögerlich. Aufgaben gibt er rasch ab oder benötigt klare Anleitung. - -Im Team wird wiederholt eingefordert, dass er mehr Struktur übernimmt und Absprachen einhält. Sein Verhalten wird dabei teilweise unterschiedlich eingeschätzt, insbesondere in Bezug auf seine Vergesslichkeit. - -Zudem erlebt Leny immer wieder Heimweh. Er äusserte kürzlich, dass ihn dieses Gefühl belastet und er daran arbeiten möchte. - -Gleichzeitig beschäftigt ihn die Frage seiner schulischen Zukunft. Er war enttäuscht, nicht in seine alte Klasse zurückkehren zu können, und äussert inzwischen, dass er sich ein weiteres Bleiben vorstellen kann. Die Perspektive ist derzeit noch offen. - -*(Evtl. noch ergänzen: tagträumen, nicht zuhören, lebt in den Tag hinein)* - -***Vorläufige Themen*** - -*(Noch offen — wird noch erarbeitet)* diff --git a/documents/README.md b/documents/README.md new file mode 100644 index 0000000..b69943f --- /dev/null +++ b/documents/README.md @@ -0,0 +1,48 @@ +# Documents + +This directory contains documents related to the project. This document serves as an index and overview of the contents. + +Documents should be added into the collection in subdirectories. Each document should contain a README.md file with the following structure: + +```markdown +# Document Role + +Describe the role of this document in the project. For example, is it a reference book, a case study, a methodological guide, etc.? + +# Clean up + +Describe the conditions under which this document can be removed from the collection. For example, if it is a reference book, it might be kept indefinitely, while a case study might be removed after the project is completed. +``` + +# Document Metadata + +Each folder contains a `metadata.jsonc` file that provides metadata for the document. This metadata is used for rendering the document in the KPG app. The structure of the metadata file is as follows: + +```jsonc +{ + "id": "unique-document-id", + "title": "Document Title", // The title of the document to be displayed in the app + "pdfPath": "path/to/document.pdf", // The relative path to the original PDF document + "markdownPath": "path/to/document.md", // The relative path to the markdown transcription of the PDF + "pageIndexPath": "path/to/pageIndex.json", // The relative path to the page index file + "iconPath": "path/to/icon.png", // (Optional) The relative path to an icon representing the document + "pageCount": totalNumberOfPages, // The total number of pages in the original PDF document + "startPage": 0 // Whether we start the numbering with page 0 (cover page) or page 1 - essentially, whether the page has a non-numbered cover page or not. +} +``` + +**Note:** All paths are relative to the location of the `metadata.jsonc` file. + +Example: +```jsonc +{ + // This file contains metadata used for rendering this document in the KPG app. + "id": "praxis", + "title": "Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis", + "pdfPath": "PDF Buch_Kooperative-Prozessgestaltung in der praxis.pdf", + "markdownPath": "PDF Buch_Kooperative-Prozessgestaltung in der praxis.md", + "pageIndexPath": "praxis.index.json", + "pageCount": 297, + "startPage": 0 +} +``` diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_00_einleitung.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_00_einleitung.evidence.md index 73bdb0c..1b7d9b6 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_00_einleitung.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_00_einleitung.evidence.md @@ -99,4 +99,106 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 21 - **Lines:** 137-139 - **Quote:** "Nach dieser Einleitung werden in einem ersten Teil die Grundlagen der Profession und Disziplin der Sozialen Arbeit vorgestellt, die den Rahmen für professionelles Handeln bilden. Dabei werden zunächst Gegenstand, Auftrag und Praxisfelder der Sozialen Arbeit dargelegt." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** Vorwort zur ersten Auflage +- **Pages:** 7 +- **Lines:** 35-35 +- **Quote:** "Es erscheint mir besonders wichtig, dass die Professionellen der Sozialen Arbeit durchgehend wissen, dass es diesen Gesamtzusammenhang gibt und geben muss, wenn das Prädikat ›professionell‹ gerechtfertigt sein soll." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** Vorwort zur ersten Auflage +- **Pages:** 7 +- **Lines:** 35-35 +- **Quote:** "Professionelle Soziale Arbeit ist nicht eine monomethodische Veranstaltung. Es reicht bei weitem nicht, eine Methode zu beherrschen." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** Vorwort zur ersten Auflage +- **Pages:** 8 +- **Lines:** 37-37 +- **Quote:** "Es geht um die in die Methodik eingelassene Grundtatsache, dass mindestens die Problembeschreibung, die Interventionsplanung und die Umsetzung dieser Planung ein koproduktives Geschehen ist, ein Arbeitsbündnis voraussetzt und dass das angestrebte Ergebnis insofern ohne Kooperation mit Klienten(systemen) in der Regel nicht erzielt werden kann." + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** Vorwort zur ersten Auflage +- **Pages:** 8 +- **Lines:** 37-37 +- **Quote:** "Die Elemente dieses Buches sind längstens im Lehrbetrieb an der Hochschule für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz erprobt und sozusagen im Testbetrieb immer weiter entwickelt und weiter veredelt worden." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** Vorwort zur fünften Auflage +- **Pages:** 9 +- **Lines:** 47-48 +- **Quote:** "Mit großer Zufriedenheit stellen wir fest, dass sich das Konzept nicht nur in der Lehre an Hochschulen und Höheren Fachschulen im deutschsprachigen Raum etablieren konnte, sondern mittlerweile auch in vielen Praxisorganisationen der Deutschschweiz als Orientierung oder gar als handlungsleitendes Konzept genutzt wird." + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** 1 Einleitung +- **Pages:** 17 +- **Lines:** 127-127 +- **Quote:** "Von Sozialer Arbeit als Disziplin und Profession zu sprechen - noch vor zwanzig Jahren galt dies als Hybris, als Ausdruck von Profilierungssehnsüchten von Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagogen, die an Universitäten lehrten." + +## Reference 19 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** 1 Einleitung +- **Pages:** 17 +- **Lines:** 127-127 +- **Quote:** "Wenn Dewe et al. Professionalität in der Sozialen Arbeit als »Strukturort der Relationierung von Theorie und Praxis im Kontext dialogischer Prozesse« (2001:16) verstehen, dann kann es als die Aufgabe der Ausbildung an einer Hochschule bezeichnet werden, diese Verknüpfung von Theorie und Praxis zu lehren." + +## Reference 20 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** 1 Einleitung +- **Pages:** 18 +- **Lines:** 131-131 +- **Quote:** "Heiner beschrieb diese Lücke im methodischen Fachdiskurs 2004 wie folgt: »Die Soziale Arbeit in der Bundesrepublik und im deutschsprachigen Europa verfügt derzeit nicht über ein tätigkeitsfeldübergreifendes, erfolgreich erprobtes, getestetes und weitgehend konsensfähiges Diagnoseverfahren« (2004:7)." + +## Reference 21 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** 1 Einleitung +- **Pages:** 19 +- **Lines:** 131-132 +- **Quote:** "Dazu haben wir ein Konzept entwickelt ›Kooperative Prozessgestaltung‹ (KPG) das sich auf professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit insgesamt bezieht." + +## Reference 22 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** 1 Einleitung +- **Pages:** 20 +- **Lines:** 134-134 +- **Quote:** "Im Zentrum steht ein verstehender Zugang zu Klienten und Problemlagen denn nur auf der Grundlage eines vertieften Verständnisses von Entstehungsbedingungen, aktueller Lebenslage, Ursachen für ein Verhaltensmuster etc. können sinnvolle Interventionen geplant und umgesetzt werden." + +## Reference 23 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** 1 Einleitung +- **Pages:** 20 +- **Lines:** 134-135 +- **Quote:** "Dreh- und Angelpunkt des Konzepts ist ein Prozessmodell. Dieses bietet eine Struktur für die Gestaltung des professionellen Handelns, bei der die Komplexität in einem Fall in einzelnen Prozessschritten stets angemessen berücksichtigt und immer wieder auch so reduziert wird, dass sie handhabbar wird und keine wesentlichen Aspekte wegfallen." + +## Reference 24 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** 1 Einleitung +- **Pages:** 21 +- **Lines:** 138-138 +- **Quote:** "Vor dieser Hintergrundfolie wird in einem zweiten Teil das Prozessmodell vorgestellt, das den Kern des Konzepts darstellt. Dieses unterscheidet zwei Phasen und sieben Prozessschritte: die analytisch-diagnostische Phase - zu der Situationserfassung, Analyse, Diagnose und später Evaluation gehören sowie die Handlungsphase mit den Prozessschritten Zielsetzung, Interventionsplanung und Interventionsdurchführung." + +## Reference 25 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** Einleitung und Vorworte +- **Section:** Anmerkung +- **Pages:** 22 +- **Lines:** 145-145 +- **Quote:** "Wir verwenden in diesem Lehrbuch alle drei Begriffe Professionelle der Sozialen Arbeit, Fachkraft, Sozialpädagogin und Sozialarbeiter - abwechslungsweise und synonym." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_00_einleitung.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_00_einleitung.md index 7dbac8b..756c3c5 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_00_einleitung.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_00_einleitung.md @@ -1,35 +1,45 @@ # Einleitung und Vorworte -Die Einleitung und Vorworte führen in das Lehrbuch "Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit" ein. Das Buch wurde von Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz verfasst und liegt in der 5., erweiterten und überarbeiteten Auflage vor. Es stellt ein generalistisches, methodenintegratives Handlungskonzept für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit vor, das auf Kooperation mit Klientinnen und Klientensystemen ausgerichtet ist. +Das Lehrbuch «Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit» von Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz fasst die Entstehungsgeschichte und konzeptionellen Grundlagen dieses generalistischen, methodenintegrativen Handlungskonzepts zusammen (Seiten 3–22). -**Seiten:** 3-22 -**Zeilen im Quelldokument:** 1-146 +## Die Autorinnen und das Werk -## Key Concepts +Prof. Dr. Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz verantworten dieses Standardwerk aus der Hochschullehre an der FHNW. Die fünfte, überarbeitete Auflage (2021) erscheint bei W. Kohlhammer mit Mitarbeit von Raphaela Sprenger. +([Angaben zu den AutorInnen](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-1)) +([Verlagsangaben](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-2)) -- Die AutorInnen -- Ursula Hochuli Freund, Walter Stotz -- Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit -- Vorwort zur ersten Auflage -- Peter Sommerfeld -- Vorwort zur fünften Auflage -- Inhaltsverzeichnis -- Situationserfassung -- Analyse -- Anmerkung +## Vorworte und Grundprinzipien -## Evidence References +Der professionelle Handlungsbogen — assessment, inference, treatment — erfordert Methodisierung zur Theorie-Praxis-Integration. Die Methodenintegration bleibt durch theoretisch hergeleitete Grundprinzipien systematisch, nicht beliebig, und gilt praxisfeldübergreifend. +([Entstehungsgeschichte des Lehrbuchs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-3)) +([Systematik durch Grundprinzipien](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-4)) -- [Die AutorInnen](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-1) (S. 3, Z. 5) -- [Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-2) (S. 5, Z. 23) -- [Vorwort zur ersten Auflage](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-3) (S. 6, Z. 31) -- [Vorwort zur ersten Auflage](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-4) (S. 7, Z. 37) -- [Vorwort zur fünften Auflage](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-5) (S. 9, Z. 47) -- [Vorwort zur fünften Auflage](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-6) (S. 10, Z. 51) -- [Inhaltsverzeichnis](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-7) (S. 12, Z. 59) -- [9 Analyse](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-8) (S. 14, Z. 119) -- [9 Analyse](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-9) (S. 16, Z. 123) -- [9 Analyse](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-10) (S. 17, Z. 129) -- [9 Analyse](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-11) (S. 19, Z. 133) -- [9 Analyse](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-12) (S. 21, Z. 137) +Ein Kernprinzip ist Kooperation: Problembeschreibung, Interventionsplanung und Umsetzung sind ko-produktive Prozesse mit Klientensystemen, in denen Professionelle und Klienten gemeinsam an Lösungen arbeiten. +([Koproduktion als Grundtatsache](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-15)) +Seit 2011 wurde das Konzept kontinuierlich in Lehre und Praxis erprobt und bewährt. Die fünfte Auflage (2020) bringt Präzisierungen zu Grundlagen, professioneller Beziehungsgestaltung und Evaluation mit neuen Analysefragen und Evaluationsbeispielen. +([Positive Rückmeldungen seit 2011](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-5)) +([Überarbeitungen in der fünften Auflage](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-6)) + +## Methodische Lücke im Fachdiskurs + +Trotz vieler Methodenbücher bestand eine markante Lücke: kein umfassendes, praxisfeldübergreifendes Diagnoseverfahren und keine konsistente Systematik für methodisches Handeln. Begriffe waren inkohärent, Methodenreflexion vernachlässigt. +([Defizite im Methodendiskurs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-10)) + +## Das KPG-Konzept + +Ein generalistisches, methodenintegratives Konzept entstand als systematische Antwort auf diese Lücke — anwendbar auf alle Praxisfelder. Im Zentrum steht ein verstehender Zugang zu Klienten und Problemlagen als Grundlage sinnvoller Interventionen. +([Entwicklung des KPG-Konzepts](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-21)) + +Das Prozessmodell strukturiert in zwei Phasen und sieben Schritte: analytisch-diagnostisch (Erfassung, Analyse, Diagnose, Evaluation) und handlungsorientiert (Zielsetzung, Planung, Durchführung). Jeder Schritt wird mit Methoden, Instrumenten und Standards systematisch aufgearbeitet. +([Zwei Phasen und sieben Prozessschritte](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-24)) + +Das Lehrbuch bietet ein kapitelweise bearbeitbares Nachschlagewerk mit didaktischer Struktur für Studierende und Praktizierende — als Studienhandbuch, Orientierungsrahmen und Fundgrube für vertiefte Methodenauseinandersetzung. +([Struktur des Grundlagenteils](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-12)) + +## Terminologie + +Das Lehrbuch verwendet ›Professionelle der Sozialen Arbeit‹, ›Fachkraft‹ und ›Sozialpädagogin/Sozialarbeiter‹ synonym — den generalistischen Anspruch einer einheitlichen Profession unterstreichen, unabhängig historischer Unterschiede zwischen Sozialarbeit und Sozialpädagogik. +([Praxisfeldübergreifende Einsetzbarkeit](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-11)) + +Mit diesem Lehrbuch liegt ein generalistisches, methodenintegratives, kooperationsorientiertes Konzept vor, das theoretische Fundierung mit praktischer Anwendbarkeit verbindet. \ No newline at end of file diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md index 8ce05c6..fd83652 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md @@ -99,4 +99,218 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 43 - **Lines:** 324-326 - **Quote:** "Soziale Arbeit ist ein gesellschaftliches Funktionssystem, das soziale Gerechtigkeit und die Wahrung der Würde von Menschen sichern soll. Sie leistet einen Beitrag zu sozialer Grundversorgung und Bildung, sie bietet Unterstützung in der Alltagsgestaltung und Lebensbewältigung an und trägt bei zu sozialer Integration." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** 2.1 Gegenstand Sozialer Arbeit +- **Pages:** 24-25 +- **Lines:** 154-156 +- **Quote:** "Professionelle der Sozialen Arbeit können offenbar vieles, das Arbeitsfeld ist äußerst breit. ›Vielfältig und spannend‹ - so könnte der erste Eindruck bei einem pragmatischen, tätigkeitsorientierten Zugang zur Sozialen Arbeit lauten." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** 2.1.1 Historische Wurzeln: Sozialpädagogik und Sozialarbeit +- **Pages:** 25 +- **Lines:** 158-159 +- **Quote:** "Die Schwierigkeiten, den Gegenstand der Sozialen Arbeit zu fassen, zeigen sich bereits bei der Begrifflichkeit. Soziale Arbeit hat sich etwa seit Beginn des 21. Jahrhunderts als neuer Leitbegriff etabliert." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Sozialpädagogik +- **Pages:** 25 +- **Lines:** 160-160 +- **Quote:** "Die Sozialpädagogik hat einen bildungstheoretischen Ursprung, der in den Beginn der europäischen Moderne zurückgeht. Damals hat sich die Idee eines eigenständigen, freien, bildsamen Individuums etabliert, eines Individuums also, das sich selbst bilden und entwickeln kann." + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Sozialpädagogik +- **Pages:** 25-26 +- **Lines:** 160-161 +- **Quote:** "Genau dies ist das Thema der Sozialpädagogik: Sie befasst sich mit dem Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft und fragt nach Möglichkeiten und praktischer Gestaltbarkeit der Vermittlung zwischen Individuum und Gemeinschaft , zwischen Mensch und Gesellschaft." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Sozialpädagogik +- **Pages:** 26 +- **Lines:** 161-162 +- **Quote:** "Sozialpädagogik kann also auch verstanden werden als gesellschaftliche und pädagogische Antwort auf die sozialen Probleme des 19. Jahrhunderts, als Versuch, diesen mit Mitteln der Erziehung zu begegnen" + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Sozialpädagogik +- **Pages:** 26 +- **Lines:** 163-164 +- **Quote:** "Böhnisch bezeichnet die Sozialpädagogik einerseits als erziehungswissenschaftliche Disziplin und gleichzeitig als Theorie besonderer Praxisinstitutionen, insbesondere der Jugendhilfe." + +## Reference 19 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Sozialarbeit +- **Pages:** 27 +- **Lines:** 166-167 +- **Quote:** "Das Armutsproblem verschärfte sich und verwandelte sich in die sog. ›soziale Frage‹, der allein mit polizei- und ordnungspolitischen Strategien nicht mehr begegnet werden konnte." + +## Reference 20 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Sozialarbeit +- **Pages:** 28 +- **Lines:** 169-170 +- **Quote:** "Damit begann die erste Phase der Verberuflichung der ehemals meist weiblichen ehrenamtlichen Fürsorgetätigkeit durch die Gründung sog. ›sozialer Frauenschulen‹." + +## Reference 21 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Sozialarbeit +- **Pages:** 28 +- **Lines:** 170-171 +- **Quote:** "Die drei sog. ›klassischen Methoden‹ der Sozialarbeit - Einzelfallhilfe, soziale Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit - verweisen auf die Ausdifferenzierung der Praxisfelder der Sozialarbeit im Laufe des 20. Jahrhunderts." + +## Reference 22 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** 2.1.2 Soziale Arbeit als neuer Leitbegriff +- **Pages:** 29 +- **Lines:** 176-177 +- **Quote:** "So bezeichnete Pfaffenberger bereits 1966 die Zweiteilung als historisch zufällig und überholt und skizzierte demgegenüber die Soziale Arbeit als »einheitliches Funktionssystem gesellschaftlicher Hilfen«" + +## Reference 23 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** 2.1.2 Soziale Arbeit als neuer Leitbegriff +- **Pages:** 29 +- **Lines:** 180-181 +- **Quote:** "Thole (2012a:20) beispielsweise argumentiert, dass die beiden Begriffe Sozialarbeit und Sozialpädagogik heute keine verschiedenen wissenschaftlichen Fächer mehr kodieren, und auch keine voneinander klar abgrenzbare Praxisfelder, und schließlich auch keine klar unterschiedlichen Ausbildungswege und -inhalte mehr." + +## Reference 24 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** 2.1.3 Soziale Arbeit als Disziplin und Profession +- **Pages:** 30 +- **Lines:** 200-202 +- **Quote:** "Gemäß Thole wird mit dem Begriff Profession »das gesamte fachlich ausbuchstabierte Handlungssystem, also die berufliche Wirklichkeit eines Faches« beschrieben, der Begriff bezeichne »die Realität der hier beruflich engagierten Personen sowie die von ihnen offerierten Hilfe-, Beratungs- und Bildungsleistungen auf der Basis der von der Gesellschaft an sie adressierten Ansprüche und Wünsche«" + +## Reference 25 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** 2.1.3 Soziale Arbeit als Disziplin und Profession +- **Pages:** 30-31 +- **Lines:** 202-205 +- **Quote:** "Professionen zeichnen sich aus durch Handlungsorientierung, sie zielen ab auf Veränderung von Situationen oder Personen. In der Disziplin hingegen ist Handlungsentlastetheit eine unabdingbare Bedingung für die Möglichkeit wissenschaftlicher Tätigkeit." + +## Reference 26 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** 2.1.3 Soziale Arbeit als Disziplin und Profession +- **Pages:** 31 +- **Lines:** 211-213 +- **Quote:** "Professionelle der Sozialen Arbeit müssen nicht nur in der Lage sein, wissenschaftliches Wissen auf den Fall zu übertragen, zu transformieren, sondern darüber hinaus auch zu verknüpfen mit den Informationen von Klientinnen zu ihrer Lebenssituation und zu ihrer eigenen Deutung dieser Situation" + +## Reference 27 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** 2.2.1 Praxisfelder +- **Pages:** 32 +- **Lines:** 219-220 +- **Quote:** "Die Antwort der Sozialen Arbeit auf den beschleunigten gesellschaftlichen Wandel lässt sich zunächst als Expansion beschreiben, als quantitativer Ausbau ihrer Angebote." + +## Reference 28 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Systematisierungsmöglichkeiten des Feldes +- **Pages:** 33 +- **Lines:** 231-232 +- **Quote:** "Thole (vgl. 2012a:23 f.) bezieht sich in seiner Systematisierung zunächst auf die beiden Traditionslinien der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, und er schlägt vor, dann von einem Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit zu sprechen, wenn »öffentlich organisierte, soziale, unterstützende beziehungsweise pädagogische Hilfen und Dienste zur sozialen Lebensbewältigung oder Bildung angeboten oder organisiert werden«." + +## Reference 29 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Parteiliche Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft +- **Pages:** 36-37 +- **Lines:** 259-261 +- **Quote:** "»Soziale Arbeit ist engagiert in den Problemen, die die Menschen in sich und mit sich selbst haben und erst in zweiter Linie an den Problemen, die die Gesellschaft mit ihnen hat. (Dafür sind im Rahmen unserer Gesellschaft Gesetz, Justiz und Polizei zuständig.) Soziale Arbeit vermittelt also zwischen Subjekt und Gesellschaft in der Perspektive des Subjekts«" + +## Reference 30 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Parteiliche Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft +- **Pages:** 37 +- **Lines:** 262-264 +- **Quote:** "Der Auftrag der Sozialen Arbeit sei ein nachrangiger , betont u. a. Heiner: In der sozialstaatlichen Arbeitsteilung soll die Soziale Arbeit in der Regel erst dann aktiv werden, wenn andere gesellschaftliche Systeme versagt haben beziehungsweise deren Problemlösungsansätze nicht greifen." + +## Reference 31 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Bearbeitung sozialer Probleme +- **Pages:** 37-38 +- **Lines:** 265-267 +- **Quote:** "Soziale Arbeit ist in dieser individuellen Perspektive »für das Wohlergehen, die Entwicklung und Selbstverwirklichung von Menschen zuständig. (…) Es geht also darum, Menschen zu befähigen, ihre Bedürfnisse so weit wie möglich aus eigener Kraft, d. h. dank geförderter und geforderter Lernprozesse zu befriedigen«" + +## Reference 32 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Bearbeitung sozialer Probleme +- **Pages:** 38 +- **Lines:** 267-268 +- **Quote:** "Der Fokus bei der Bearbeitung von Problemen sei immer ein doppelter, so Heiner (2004:157): Es gehe sowohl um Veränderungen der Lebensbedingungen als auch der Lebensweise der Klientinnen." + +## Reference 33 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Soziale Gerechtigkeit, Integration und Autonomie +- **Pages:** 38-39 +- **Lines:** 270-271 +- **Quote:** "In systemtheoretischen Entwürfen wird die Funktion der Sozialen Arbeit bestimmt als Exklusionsvermeidung, Inklusionsvermittlung und Exklusionsverwaltung." + +## Reference 34 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Soziale Gerechtigkeit, Integration und Autonomie +- **Pages:** 39 +- **Lines:** 272-273 +- **Quote:** "So bestimmen beispielsweise Dewe et al. Soziale Arbeit als Hilfe, »die in dialogischen Prozessen erbracht wird, und die auf die Wiedergewinnung und Steigerung der Handlungsautonomie ihrer Adressaten ausgerichtet ist«" + +## Reference 35 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Soziale Gerechtigkeit, Integration und Autonomie +- **Pages:** 39-40 +- **Lines:** 278-282 +- **Quote:** "Vor diesem Hintergrund umreißen Rauschenbach/Zürcher die gesellschaftliche Bedeutung und fachliche Identität der Sozialen Arbeit in der Summe als »öffentliche Reaktion auf einen politisch anerkannten Hilfebedarf von Personen und Personengruppen - gleich welcher Art und welchen Alters - in modernen Gesellschaften«" + +## Reference 36 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Grundorientierungen und Grundprinzipien +- **Pages:** 41 +- **Lines:** 295-297 +- **Quote:** "Theoretische Grundlage sei überall eine bio-psycho-soziale Perspektive, so Pauls (2013:32 ff.). Alle Theorien weisen eine inhaltliche Nähe zum Person-in-Umwelt Modell (person-in-environment) und zum biopsychosozialen Modell auf, konstatiert auch Röh (2018a:103)." + +## Reference 37 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Grundorientierungen und Grundprinzipien +- **Pages:** 41 +- **Lines:** 297-298 +- **Quote:** "Neben dem Blick auf die ›Person in ihrer Umwelt‹ und dem Fokus auf die soziale Dimension kann auch Ressourcenorientierung als allgemeines Grundprinzip der Sozialen Arbeit gelten" + +## Reference 38 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Grundorientierungen und Grundprinzipien +- **Pages:** 41-42 +- **Lines:** 305-307 +- **Quote:** "Das Arbeitsbündnis zwischen Sozialarbeiterin und Klient gilt als ein Kernelement professionellen Handelns" + +## Reference 39 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 02 Soziale Arbeit +- **Section:** Bedeutung von wissenschaftlichem Wissen +- **Pages:** 42 +- **Lines:** 309-311 +- **Quote:** "Zum Wissenskorpus der Sozialen Arbeit gehören nicht nur die spezifischen Theorien und Konzepte der Disziplin, welche den Gegenstand und die Aufgaben der Sozialen Arbeit in einen schlüssigen Gesamtzusammenhang stellen sowie das aus Forschung generierte empirische Wissen." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_02_soziale-arbeit.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_02_soziale-arbeit.md index 9d8a434..f2dde87 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_02_soziale-arbeit.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_02_soziale-arbeit.md @@ -1,35 +1,54 @@ -# 02 Soziale Arbeit +# 02 Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft -Dieses Kapitel legt die Grundlagen der Sozialen Arbeit dar, beginnend mit den historischen Wurzeln von Sozialpädagogik und Sozialarbeit bis hin zum modernen Verständnis als Disziplin und Profession. Es werden Gegenstand, Praxisfelder, Professionsauftrag und Grundorientierungen der Sozialen Arbeit behandelt, einschließlich der Bedeutung von wissenschaftlichem Wissen für die professionelle Praxis. +Dieses Kapitel klärt den Kontext professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit — von historischen Traditionslinien über die Etablierung als Disziplin und Profession bis hin zum Professionsauftrag und wissenschaftlichem Wissen (Seiten 24–43). -**Seiten:** 24-43 -**Zeilen im Quelldokument:** 147-335 +## Historische Traditionslinien -## Key Concepts +Zwei historische Linien integrierten sich in der Sozialen Arbeit. Die **Sozialpädagogik** untersucht die Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft mit bildungstheoretischen Wurzeln, entstand als Antwort auf Industrialisierungsfolgen und befasst sich mit Sozialisationskonflikten zwischen subjektiven Fähigkeiten und gesellschaftlichen Anforderungen. +([Historische Wurzeln](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-14)) +([Böhnisch über Sozialpädagogik](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-18)) -- Gegenstand Sozialer Arbeit -- Historische Wurzeln: Sozialpädagogik und Sozialarbeit -- Sozialpädagogik -- Sozialarbeit -- Soziale Arbeit als neuer Leitbegriff -- Soziale Arbeit als Disziplin und Profession -- Praxisfelder, Professionsauftrag und Grundorientierungen -- Praxisfelder -- Systematisierungsmöglichkeiten des Feldes -- Trägerschaft +Die **Sozialarbeit** entwickelte sich aus der Armenfürsorge im 19. Jahrhundert als individuelle Hilfe und Begleitung, wurde verberufsslichung durch ›soziale Frauenschulen› und integrierte sich in den Wohlfahrtsstaat mit Fokus auf Existenzsicherung und Beratung. Drei klassische Methoden entstanden: Einzelfallhilfe, Soziale Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit. +([Sozialarbeit](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-2)) +([Klassische Methoden](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-21)) -## Evidence References +## Soziale Arbeit als Disziplin und Profession -- [2          Soziale Arbeit](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-1) (S. 24, Z. 149) -- [Sozialarbeit](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-2) (S. 26, Z. 165) -- [2.1.2     Soziale Arbeit als neuer Leitbegriff](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-3) (S. 29, Z. 183) -- [2.1.3     Soziale Arbeit als Disziplin und Profession](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-4) (S. 30, Z. 206) -- [Systematisierungsmöglichkeiten des Feldes](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-5) (S. 32, Z. 226) -- [Systematisierungsmöglichkeiten des Feldes](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-6) (S. 33, Z. 234) -- [Parteiliche Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-7) (S. 36, Z. 257) -- [Soziale Gerechtigkeit, Integration und Autonomie](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-8) (S. 38, Z. 269) -- [Soziale Gerechtigkeit, Integration und Autonomie](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-9) (S. 40, Z. 285) -- [Grundorientierungen und Grundprinzipien](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-10) (S. 41, Z. 299) -- [Bedeutung von wissenschaftlichem Wissen](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-11) (S. 42, Z. 314) -- [2.3       Zusammenfassung der Erkenntnisse](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-12) (S. 43, Z. 324) +Seit Anfang 21. Jahrhundert hat sich ›Soziale Arbeit‹ als einheitlicher Leitbegriff etabliert. Die historische Zweiteilung wurde hinterfragt und gilt heute als überholt — empirisch keine signifikanten Unterschiede mehr zwischen den Traditionen. +([Historische Wurzeln](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-14)) +([Pfaffenberger](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-22)) +Soziale Arbeit ist zugleich **Disziplin** (wissenschaftliche Fragestellung mit spezifischen Methoden) und **Profession** (Berufsgruppe, Praxisorganisationen, Dienstleistungen). Zwischen ihnen zeigen sich Unterschiede: Die Profession zielt auf Wirksamkeit und Angemessenheit; die Disziplin auf Wahrheit und Schlüssigkeit. Idealerweise bereichern sie sich gegenseitig durch Wissensvermittlung und Praxisbezug. +([Disziplin und Profession](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-4)) +([Thole über Profession](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-24)) +([Wissen transformieren](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-26)) + +## Praxisfelder und Trägerschaft + +Das Feld der Sozialen Arbeit ist hochgradig heterogen mit vielfältigen Praxisfeldern (Kinder-/Jugendhilfe, Erwachsenenhilfen, Altenhilfe, Gesundheit, Stadtteilarbeit). Unterschiede entstehen durch Trägerschaft: öffentliche (staatliche) und private Träger (Verbände, Vereine, philanthropische Organisationen) sowie Freiwilligen- und Selbsthilfeangebote. +([Systematisierungsschwierigkeiten](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-5)) +([Thole Systematisierung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-28)) +([Systematik Thole Lehrbuch](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-6)) + +## Professionsauftrag und Zielsetzung + +Soziale Arbeit ist ein Moment des Sozialstaatsprinzips, das auf Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit setzt. Sie vermittelt **parteilich zwischen Individuum und Gesellschaft** aus der Perspektive des Subjekts — eine doppelte oder trifokale Aufgabe: Veränderung von Lebensweise, Lebensbedingungen und ggf. Infrastruktur. +([Sozialstaatsprinzip](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-7)) +([Parteiliche Vermittlung nach Thiersch](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-29)) +([Doppelter und trifokaler Fokus](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-32)) + +Die Zielsetzung lässt sich mit drei Begriffen umschreiben: **soziale Gerechtigkeit**, **soziale Integration** und **Autonomie in der individuellen Lebenspraxis**. Der Auftrag folgt der Nachrangigkeit: Soziale Arbeit wird aktiv, wenn andere gesellschaftliche Systeme versagt haben. +([Nachrangiger Auftrag](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-30)) +([Handlungsautonomie](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-34)) + +## Grundorientierungen + +Alle aktuellen Theorien der Sozialen Arbeit gehen von einem **Person-in-Umwelt-Modell** aus und sehen Probleme als komplexes Interaktionsgeschehen zwischen bio-psychischen, sozialen und kulturellen Dimensionen. Als allgemeine Grundprinzipien gelten: systemischer Zugang, Lebensweltorientierung und Ressourcenorientierung. +([Bio-psycho-soziale Perspektive](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-36)) +([Ressourcenorientierung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-37)) +([Grundorientierungen](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-10)) + +Die Arbeitsweise ist **dialogisch-partizipativ** mit Arbeitsbündnis als Kernelement. Zum Wissenskorpus gehören Theorien, empirisches Wissen, Erklärungen und Verfahrenswissen aus Disziplin und relevanten Nachbardisziplinen. +([Arbeitsbündnis](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-38)) +([Wissenskorpus](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-39)) +([Wissensformen](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-11)) \ No newline at end of file diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md index f252a22..59ddfd3 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md @@ -99,4 +99,66 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 65 - **Lines:** 510-512 - **Quote:** "Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit folgt keiner Herstellungslogik und ist kaum standardisierbar. Rezeptwissen, einheitliche Lösungen und festgeschriebene Vorgehensweisen, mit denen sich eine bestimmte Wirkung herstellen lässt, die eine Methode - das gibt es in der Sozialen Arbeit nicht." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 03 Professionstheoretische Grundlagen +- **Section:** 3.1 Professionstheoretischer Diskurs +- **Pages:** 44 +- **Lines:** 343-343 +- **Quote:** "Seit Anfang der 1970er Jahre wird im deutschsprachigen Raum eine intensive fachliche Diskussion geführt über die Professionalisierbarkeit der Sozialen Arbeit: über deren Rahmenbedingungen, Möglichkeiten und Grenzen." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 03 Professionstheoretische Grundlagen +- **Section:** 3.1.1 Modell der klassischen Profession +- **Pages:** 45 +- **Lines:** 349-351 +- **Quote:** "Bei Professionen nun sind die Anforderungen an Mandat und Lizenz besonders hoch. Solche hohen Anforderungen sind dann nötig, wenn die Berufstätigkeit zentrale Bereiche menschlichen Lebens betrifft, wenn der Privat- oder sogar Intimbereich von Menschen berührt ist und deshalb auch Verletzungen in diesem sensiblen Bereich möglich sind." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 03 Professionstheoretische Grundlagen +- **Section:** Positionen +- **Pages:** 48 +- **Lines:** 382-384 +- **Quote:** "Das Konzept der ›Semi-Profession‹ stammt aus dem US-amerikanischen Diskurs und bezeichnet Berufe, die nur teilweise und unvollkommen eine eigene Kompetenz gegenüber Laien wie auch der Gesellschaft durchsetzen können, die also kein klares gesellschaftliches Mandat für Probleme in einem spezifischen Lebensbereich haben." + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 03 Professionstheoretische Grundlagen +- **Section:** Wurzeln eines eigenständigen Professionalitätsmodells +- **Pages:** 49 +- **Lines:** 389-390 +- **Quote:** "Alice Salomon steht mit ihrem 1926 veröffentlichten Buch ›Soziale Diagnose‹ für die Begründungslinie der Methodisierung . Sie stellte den neuen Beruf der Sozialarbeiterin neben die klassischen Professionen (Pfarrer, Ärztin, Richter) und begründete dies mit der Entwicklung einer eigenen Methodik der Diagnose und Intervention." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 03 Professionstheoretische Grundlagen +- **Section:** 3.2 Strukturmerkmale professionellen Handelns +- **Pages:** 50 +- **Lines:** 399-400 +- **Quote:** "Die Soziale Arbeit ist gekennzeichnet durch besondere Konstitutionsbedingungen und durch strukturelle Widersprüchlichkeiten, welche als Strukturprobleme des professionellen Handelns bezeichnet werden." + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 03 Professionstheoretische Grundlagen +- **Section:** Doppeltes bzw. Triple-Mandat +- **Pages:** 55 +- **Lines:** 441-442 +- **Quote:** "Die Professionellen der Sozialen Arbeit werden als Träger eines sog. ›doppelten Mandates‹ gesehen: Sie sind einerseits den Anliegen und Interessen der Hilfesuchenden verpflichtet, andererseits ihrem Auftraggeber, dem Staat bzw. der Kommune" + +## Reference 19 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 03 Professionstheoretische Grundlagen +- **Section:** Strukturelles Technologiedefizit +- **Pages:** 57 +- **Lines:** 454-456 +- **Quote:** "Soziale Prozesse sind komplex und unvorhersehbar. Die Soziale Arbeit verfügt über keine Technologien, mit denen Wirkungen planvoll hergestellt werden können. Luhmann/Schorr haben diesen Umstand in einem viel beachteten Aufsatz als das »strukturell begründete Technologiedefizit« des Erziehungssystems bezeichnet (1982:14)." + +## Reference 20 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 03 Professionstheoretische Grundlagen +- **Section:** (Un-)Freiwilligkeit +- **Pages:** 61 +- **Lines:** 480-481 +- **Quote:** "Es gelte das Paradoxon zu bewältigen, »die anfängliche Unmöglichkeit eines Bündnisses als Voraussetzung für die Möglichkeit der Entwicklung eines Bündnisses zu akzeptieren«, so Müller (1991:119, Hervorh. original)." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.md index 782f98e..cad6f7f 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.md @@ -1,35 +1,88 @@ # 03 Professionstheoretische Grundlagen -Das Kapitel behandelt die professionstheoretischen Grundlagen der Sozialen Arbeit. Es zeichnet den professionstheoretischen Diskurs nach, diskutiert das Modell der klassischen Profession und die Frage, ob Soziale Arbeit eine Profession ist. Zentral sind die Strukturmerkmale professionellen Handelns: diffuse Allzuständigkeit, doppelte Loyalitätsverpflichtung, geringe Standardisierbarkeit, Koproduktion und die Involviertheit der Professionellen als ganze Person. +Dieses Kapitel erläutert den professionstheoretischen Diskurs der Sozialen Arbeit, das Modell der klassischen Profession und die spezifischen Strukturmerkmale professionellen Handelns: diffuse Allzuständigkeit, doppelte Loyalitätsverpflichtung, geringe Standardisierbarkeit, Koproduktion und Involviertheit der ganzen Person. -**Seiten:** 44-66 -**Zeilen im Quelldokument:** 336-521 +**Seiten:** 44–66 +**Zeilen im Quelldokument:** 336–521 -## Key Concepts +## Professionstheoretischer Diskurs -- Professionstheoretischer Diskurs -- Modell der klassischen Profession -- Gemeinnützige Aufgabe -- Wissensbasis und wissenschaftliche Ausbildung -- Autonomie in der Berufsausübung -- Berufsethische Codices -- Soziale Arbeit - eine Profession? -- Positionen -- Wurzeln eines eigenständigen Professionalitätsmodells -- Eigenständiges handlungsorientiertes Professionalitätsmodell +Seit Anfang der 1970er Jahre wird im deutschsprachigen Raum intensiv über die Professionalisierbarkeit der Sozialen Arbeit diskutiert. Die Expandierung des Arbeitsfeldes seit den 1960er Jahren bildete eine wichtige Grundlage. Es ging zunächst um Berufsbild, Status und wissenschaftliche Fundierung der Ausbildung — eine vornehmlich standespolitische Debatte um Legitimationsfragen und das ›Aufstiegsprojekt‹ Soziale Arbeit. In dieser Phase entstanden Professionalisierungstheorien, die sich am Vorbild-Modell der klassischen Professionen orientierten. +([Professionstheoretischer Diskurs](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-13)) -## Evidence References +## Modell der klassischen Profession -- [3          Professionstheoretische Grundlagen](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-1) (S. 44, Z. 338) -- [Gemeinnützige Aufgabe](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-2) (S. 45, Z. 352) -- [3.1.2     Soziale Arbeit - eine Profession?](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-3) (S. 47, Z. 374) -- [Eigenständiges handlungsorientiertes Professionalitätsmodell](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-4) (S. 49, Z. 392) -- [Eingrenzung der Zuständigkeit](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-5) (S. 51, Z. 408) -- [Eingrenzung der Zuständigkeit](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-6) (S. 52, Z. 418) -- [Widersprüchliche Handlungslogiken](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-7) (S. 53, Z. 436) -- [3.2.3     Geringe Standardisierbarkeit](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-8) (S. 56, Z. 450) -- [Status der Klientin als Ko-Produzentin](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-9) (S. 59, Z. 470) -- [Strukturelle Asymmetrie](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-10) (S. 62, Z. 484) -- [3.2.5     Involviertheit der Professionellen als ganze Pe...](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-11) (S. 64, Z. 498) -- [3.3       Zusammenfassung der Erkenntnisse](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-12) (S. 65, Z. 510) +Professionen wie Ärzte, Geistliche und Juristinnen zeichnen sich durch besonders hohe Anforderungen an Mandat und Lizenz aus, da sie zentrale und sensible Bereiche menschlichen Lebens betreffen — Körper, Seele und Rechte. Aus diesem gesellschaftlichen Auftrag ergeben sich exklusive Merkmale: eine gemeinnützige Funktion mit Handlungsmonopol, eine exklusive wissenschaftliche Wissensbasis mit langen akademischen Ausbildungsgängen, weitestgehende Autonomie in der Berufsausübung (gesichert durch Zeugnisverweigerungsrecht, materielle Privilegierung und berufsständische Selbstkontrolle) sowie berufsethische Codices mit einem internalisierten professionellen Habitus. +([Mandat und Lizenz](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-14)) +Professionelle Hilfe wird quasi gemeinwirtschaftlich organisiert: Die Gesellschaft beauftragt Professionen zur Problembearbeitung bei gesellschaftlich und individuell hoch bedeutsamen Problemen, die Klienten allein nicht lösen können. Marktförmige Hilfe wäre hier unangemessen, da sie existentielle Abhängigkeit schaffen würde. +([Gemeinnützige Aufgabe](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-2)) + +## Soziale Arbeit — eine Profession? + +In der Aufbruchsphase der 1960er/70er Jahre orientierte sich die Soziale Arbeit am klassischen Professionsmodell, doch rasch zeigte sich: Gemessen an dessen Merkmalen ist sie keine vollständige Profession. Es fehlten eine einheitliche wissenschaftliche Grundlage, ein exklusiver Zuständigkeitsbereich, fachliche Autonomie, materielle Privilegierung und eine wirksame berufsständische Selbstorganisation. +([Aufbruchsphase](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-3)) + +Verschiedene Positionen entstanden: Soziale Arbeit als »halb professionalisierter Beruf« in einem Entwicklungsprozess, als ›Semi-Profession‹ — ein Konzept, das Berufe bezeichnet, die nur unvollkommen eigene Kompetenz durchsetzen können — oder als ›bescheidene Profession‹ (Schütze 1992), die trotz fehlenden Wissensmonopols ein gesellschaftliches Mandat für einen besonderen Dienst hat, einschließlich der damit verbundenen Paradoxien professionellen Handelns. +([Positionen zur Semi-Profession](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-15)) + +## Wurzeln und Entwicklung eines eigenständigen Professionalitätsmodells + +Bereits Gründerinnen der Sozialen Arbeit begründeten einen eigenständigen Professionalitätsanspruch auf zwei Wegen: Alice Salomon legte 1926 mit ›Soziale Diagnose‹ den Grundstein über die Methodisierung — eine eigene Diagnostik und Intervention für den »ganzen Menschen« und das Prinzip der Individualisierung der Hilfe. Gertrud Bäumer leitete den Anspruch aus der Institutionalisierung ab: Die Vergesellschaftung sozialer Aufgaben erfordere eigene Einrichtungen mit beruflichem Personal und institutionalisiertem Wissen. Soziale Arbeit könne sich nur im Kontext ihrer organisatorischen Struktur professionalisieren. +([Salomon und Methodisierung](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-16)) + +Seit den 1980er Jahren vollzog sich ein Paradigmenwechsel: weg von der ›indikatorischen‹ Perspektive, die Soziale Arbeit an Merkmalen klassischer Professionen misst, hin zu einer ›strukturtheoretischen‹ Perspektive. Die Binnenstrukturen und die Logik professionellen Handelns rücken ins Zentrum, der Organisationskontext wird mitanalysiert, und auf dieser Grundlage werden konkrete Handlungsspielräume und notwendige Kompetenzen bestimmt. +([Paradigmenwechsel](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-4)) + +## Strukturmerkmale professionellen Handelns + +Die Soziale Arbeit ist durch besondere Konstitutionsbedingungen und strukturelle Widersprüchlichkeiten gekennzeichnet, die als Strukturprobleme des professionellen Handelns bezeichnet werden. Schütze (1992) arbeitete erstmals heraus, dass es aufgrund dieser Bedingungen »immer wieder zu Paradoxien professionellen Handelns« kommt — zu nicht aufhebbaren und nicht umgehbaren Schwierigkeiten und Dilemmata, in die sich Professionelle mit Notwendigkeit verstricken. Professionelles Handeln zeichnet sich durch das Ausbalancieren dieser Widersprüchlichkeiten aus. +([Strukturmerkmale](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-17)) +([Kapiteleinleitung](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-1)) + +## Diffuse Allzuständigkeit für komplexe Probleme + +Anders als klassische Professionen mit klarem Zuständigkeitsmonopol befasst sich die Soziale Arbeit mit potentiell sehr komplexen und diffusen Problemen sozialer Lebenssituationen. Ein klarer Fokus fehlt; alles, was das Alltagsleben an Problemen mit sich bringt, kann Gegenstand werden. Diese Allzuständigkeit ist auf der Makroebene problematisch (Schwierigkeit der Gegenstandsbestimmung, Heterogenität der Arbeitsfelder, fehlende Monopolisierung) wie auf der Mikroebene (Eingrenzung der Zuständigkeit im Einzelfall). +([Allzuständigkeit](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-5)) + +Müller warnt vor der Gefahr eines »prinzipiell grenzenlosen Zugriffs auf den Alltag der Klienten«. Was ›der Fall ist‹, muss stets eingeschätzt und diskursiv ausgehandelt werden — die Bewältigung von Ungewissheit gilt als Kern professioneller Handlungskompetenz. Der Fokus ist dabei mindestens doppelt: Veränderung der Person und Lebensweise einerseits, Veränderung der Lebensbedingungen andererseits, ergänzt um fallübergreifende Infrastrukturoptimierung. Mit der diffusen Allzuständigkeit geht auch eine geringe gesellschaftliche Anerkennung einher, weil es für Laien schwer zu durchschauen ist, warum Alltagsprobleme spezifische Kompetenz erfordern. +([Gefahr grenzenloser Zugriff](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-6)) + +## Doppelte Loyalitätsverpflichtung + +Soziale Arbeit ist stark abhängig von staatlicher Steuerung und eingebunden in bürokratische Organisationen mit geregelten Verfahrensabläufen. Professionelle unterliegen gleichzeitig zwei Handlungslogiken: dem lebensweltorientierten, auf Individualität ausgerichteten Unterstützungshandeln einerseits und dem standardisierten bürokratischen Rechtshandeln mit Normierung und Gleichbehandlung andererseits — ein handlungslogisches Dilemma. +([Bürokratische Einbindung](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-7)) + +Die Professionellen werden als Träger eines ›doppelten Mandates‹ gesehen: verpflichtet den Anliegen der Hilfesuchenden, zugleich ihrem Auftraggeber, dem Staat. Die Gesellschaft erwartet neben der Hilfe auch Kontrolle und Anpassung der Klientinnen. Diese doppelte Loyalitätsbindung — von Thiersch als »kontrollierte Schizophrenie« bezeichnet — ist eine unaufhebbare Paradoxie. Die meisten Autorinnen fordern reflexiven Umgang und Integration beider Orientierungen ins professionelle Selbstverständnis. Staub-Bernasconi ergänzte das ›dritte Mandat‹ seitens der Profession selbst: wissenschaftliche Fundierung und ein unabhängiger Ethikkodex als Orientierungshilfe. +([Doppeltes Mandat](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-18)) + +## Geringe Standardisierbarkeit + +Soziale Prozesse sind komplex und unvorhersehbar; klare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge fehlen. Luhmann/Schorr bezeichneten dies als »strukturell begründetes Technologiedefizit«. Professionelles Handeln folgt keiner Herstellungslogik — Rezeptwissen, einheitliche Lösungen und standardisierte Vorgehensweisen gibt es nicht. Mittlerweile stehen jedoch Modelle zur Verfügung, die die Fallbearbeitung strukturieren. +([Technologiedefizit](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-19)) +([Keine Herstellungslogik](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-12)) + +Kompensiert wird das Technologiedefizit durch fallspezifisches Verstehen: Theoriewissen und fallbezogenes Wissen müssen aufeinander bezogen und in Handeln übersetzt werden. Diese ›widersprüchliche Einheit‹ von Wissenschaftsorientierung und Fallverstehen ist selbst ein Strukturmerkmal. Die geringe Standardisierbarkeit begründet letztlich den Professionsstatus — professionelles Handeln wäre überflüssig, wenn routinemäßige Bewältigung von Ungewissheit möglich wäre. +([Aufgabe und Gegenstand](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-8)) + +## Koproduktion + +Personenbezogene soziale Dienstleistungen zeichnen sich durch das Uno-actu-Prinzip aus: Produktion und Konsumption fallen zusammen. Ohne Zutun des Klienten kommt keine Leistung zustande — die Klientin hat den Status einer Ko-Produzentin. Dies verweist auf die Notwendigkeit von Kooperation als gemeinsame Ausrichtung auf ein ausgehandeltes Ziel. +([Dienstleistungsansatz](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-9)) + +Besonders in Zwangskontexten (Straf-/Justizvollzug, stationäre Jugendhilfe) kann Kooperationsbereitschaft nicht vorausgesetzt werden. Professionelle müssen das Paradoxon bewältigen, »die anfängliche Unmöglichkeit eines Bündnisses als Voraussetzung für die Möglichkeit der Entwicklung eines Bündnisses zu akzeptieren«. Die Arbeitsbeziehung ist zudem strukturell asymmetrisch: Professionelle verfügen aufgrund ihres institutionellen Hintergrunds, des Doppelmandats und ihres Wissensvorsprungs über mehr Macht. Dieses Machtgefälle zu reflektieren und die subjektive Wirklichkeitskonstruktion der Klientinnen als gleichwertig anzuerkennen sind zentrale Anforderungen. +([Kooperationsparadoxon](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-20)) +([Asymmetrie und Macht](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-10)) + +## Involviertheit der Professionellen als ganze Person + +Die Sozialpädagogin ist als ganze Person in die Arbeitsbeziehung involviert — sie ist »Person als Werkzeug« (von Spiegel). Biografische Erfahrungen fließen in jede Interaktion ein. Bereits Alice Salomon bezeichnete die Persönlichkeit als »wesentliches Hilfsmittel«. Professionelles Handeln vermittelt sich wesentlich über die Person — die Art und Weise, wie eine Sozialpädagogin handelt, ist geprägt von biografischen Erfahrungen, Orientierungs- und Deutungssystemen. +([Selbstreflexion als Kernelement](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-11)) + +Die reflexive Auseinandersetzung mit eigenen Emotionen und der eigenen Biografie ist unabdingbar; die Fähigkeit zur Selbstreflexion gilt als Kernelement von Professionalität. Grasshoff/Schweppe sprechen von einer »biografischen Zumutung«, die sich nicht auf die Ausbildung beschränkt, sondern die gesamte berufliche Tätigkeit begleitet. Daraus folgt die Notwendigkeit institutionalisierter Gefäße wie Supervision und Intervision — Gildemeister bezeichnete Supervision als »einen der wenigen Anker für die berufliche Identität«. Ohne solche Settings können Organisationen Professionalität und Qualität nicht sicherstellen. +([Selbstreflexion als Kernelement](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-11)) + +## Zusammenfassung + +Der Anspruch auf ein eigenständiges Professionalitätsmodell der Sozialen Arbeit ist historisch begründet und löst sich vom Maßstab der klassischen Professionen. Die fünf Strukturmerkmale — diffuse Allzuständigkeit, doppelte Loyalitätsverpflichtung, geringe Standardisierbarkeit, Koproduktion und Involviertheit der ganzen Person — bilden den Rahmen, innerhalb dessen sich professionelles Handeln bewähren muss. Sie begründen zugleich die Notwendigkeit eines methodisch strukturierten, fallverstehenden und kooperativen Vorgehens, wie es in den folgenden Kapiteln als Kooperative Prozessgestaltung entwickelt wird. +([Zusammenfassung](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.evidence.md#reference-12)) diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md index 31f304c..30d6261 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md @@ -99,4 +99,66 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 88 - **Lines:** 704-707 - **Quote:** "Soziale Arbeit richtet sich in ihrer Zielsetzung immer nach bestimmten Werten und Normen, fragt nach dem Sinn ihrer Tätigkeit; zudem ist der sozialarbeiterische Alltag oft durch moralisch verzwickte Situationen gekennzeichnet. Zielsetzungen, Sinnorientierung, Werte, Normen verlangen eine kontinuierliche, kritische, ethische Reflexion ." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 04 Ethische und rechtliche Grundlagen +- **Section:** 4.1 Professionsethik +- **Pages:** 68 +- **Lines:** 530-532 +- **Quote:** "Weil Sozialarbeiterinnen zudem oft in Lebenszusammenhänge von Menschen eingreifen und dies häufig in einem unfreiwilligen oder halbfreiwilligen Rahmen geschieht, stellt dies Soziale Arbeit vor die Aufgabe einer kontinuierlichen Reflexion von Werten, Zielvorstellungen und Konsequenzen professionellen Handelns und des daraus entstehenden Machtgefälles (vgl. Heiner 2010:169)." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 04 Ethische und rechtliche Grundlagen +- **Section:** 4.1.2 Menschenbild +- **Pages:** 70 +- **Lines:** 544-546 +- **Quote:** "Zunächst ist festzuhalten, dass der Mensch nicht als eine feste unveränderbare Größe betrachtet, sondern nur in seinem kontinuierlichen Werden verstanden werden kann. Dieses menschliche Werden steht in Wechselwirkung mit der natürlichen und sozialen Umwelt, die sich ebenfalls in einem ständigen Prozess der Weiterentwicklung befindet." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 04 Ethische und rechtliche Grundlagen +- **Section:** Menschenwürde +- **Pages:** 72 +- **Lines:** 555-557 +- **Quote:** "Hinter dem kategorischen Imperativ steht die Vorstellung, dass Menschen als Vernunftwesen zur Autonomie (vor griech. autos = selbst und griech. nomos = Gesetz) bestimmt sind. Nach Hoerster (2002:7) bedeutet Menschenwürde eine Grenze, die verbietet, sich den Mitmenschen zum Werkzeug zur Erreichung der eigenen Ziele zu machen. Dieses Instrumentalisierungsverbot bildet nach Schlittmaier (2004:17) somit den Kern der Menschenwürde." + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 04 Ethische und rechtliche Grundlagen +- **Section:** Soziale Gerechtigkeit +- **Pages:** 73 +- **Lines:** 561-563 +- **Quote:** "Lob-Hüdepohl versteht darunter das Gewährleisten von gleichen Rechten und Einfordern gleicher Pflichten, den Ausgleich von Leistungen, die Mindestausstattung von Grundgütern sowie den Abbau struktureller Ursachen von ungleichen gesellschaftlichen Beteiligungschancen." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 04 Ethische und rechtliche Grundlagen +- **Section:** Nachhaltigkeit und Subsidiarität +- **Pages:** 74 +- **Lines:** 574-576 +- **Quote:** "Für das Selbstverständnis der Sozialen Arbeit lässt sich aus den genannten Grundwerten ableiten, dass sie sich als subsidiäre vor- und nachsorgende Profession zu betrachten hat. Hilfe und Unterstützung haben zum Ziel, Menschen zu befähigen, ihr Leben in der Gesellschaft gelingend zu gestalten, haben aber gleichzeitig darauf zu achten, dass durch die Hilfeleitung keine Kompetenzen beschnitten oder unterlaufen werden." + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 04 Ethische und rechtliche Grundlagen +- **Section:** 4.1.5 Professionsmoralische Grundhaltungen und Care-Ethik +- **Pages:** 76 +- **Lines:** 593-595 +- **Quote:** "Hier erweisen sich Positionen der Care-Ethik als sehr hilfreich, die »wechselseitige Hilfe und Aufmerksamkeit für Andere, Verantwortung und Wertschätzung des In-BezugSeins« (Grossmass 2006:9) ins Zentrum rücken." + +## Reference 19 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 04 Ethische und rechtliche Grundlagen +- **Section:** 4.1.6 Berufsethische Richtlinien +- **Pages:** 78 +- **Lines:** 612-614 +- **Quote:** "Der aktuellste Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz wurde per Juni 2010 in Kraft gesetzt und wird als Argumentarium für die Praxis der Professionellen bezeichnet. Darin werden ethische Richtlinien für das moralische berufliche Handeln in der Sozialen Arbeit dargelegt." + +## Reference 20 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 04 Ethische und rechtliche Grundlagen +- **Section:** Gesetzmäßigkeit +- **Pages:** 82 +- **Lines:** 644-646 +- **Quote:** "Den ersten Orientierungspunkt bildet das Prinzip der Gesetzmäßigkeit , das insbesondere im Strafrecht (und dessen Vollzug, an dem auch Sozialarbeiterinnen beteiligt sind) Gültigkeit hat. Laut diesem Prinzip gilt der Vorrang des Gesetzes; jedes staatliche Handeln - und soziales Handeln ist in der Regel staatliches Handeln - hat sich ausschließlich im Rahmen der gesetzlichen Grenzen zu bewegen" diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.md index fff1d2d..46cbb10 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.md @@ -1,35 +1,89 @@ # 04 Ethische und rechtliche Grundlagen -Dieses Kapitel erarbeitet die ethischen und rechtlichen Grundlagen professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit. Es umfasst Themen wie Menschenbild, Menschenwürde, Menschenrechte, Care-Ethik, Verantwortungsethik und professionsmoralische Grundhaltungen. Der rechtliche Rahmen wird mit Blick auf die Rechtsgebiete, das Subsidiaritätsprinzip und die Verhältnismigkeit dargestellt. +Kapitel 4 behandelt die ethischen und rechtlichen Grundlagen professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit, einschließlich Menschenbild, Professionsethik, Menschenrechte und den gesetzlichen Rahmen. -**Seiten:** 67-89 -**Zeilen im Quelldokument:** 522-715 +**Seiten:** 67–89 +**Zeilen im Quelldokument:** 522–715 -## Key Concepts +## Professionsethik und Begriffsklärung -- Professionsethik -- Begriffsklärung und Dimensionen einer Ethik Sozialer Arbeit -- Menschenbild -- Grundlegende ethische Normen -- Menschenwürde -- Menschenrechte -- Soziale Gerechtigkeit -- Solidarität -- Nachhaltigkeit und Subsidiarität -- Verantwortungsethik +Soziale Arbeit wird als öffentliche Reaktion auf politisch anerkannte Hilfebedarfe verstanden und stützt sich stets auf gesellschaftliche Normen und Werte. Da Sozialarbeiterinnen oft in Lebenszusammenhänge eingreifen — häufig in unfreiwilligen Kontexten —, ist eine kontinuierliche Reflexion von Werten und Konsequenzen professionellen Handelns erforderlich. -## Evidence References +Ethik Sozialer Arbeit meint die kritisch-konstruktive Reflexion moralischer Dimensionen beruflicher Praxis. Schlittmaier benennt mehrere Dimensionen: die Praxis als komplexe Konstitutionsleistung, die Wissenschaft Sozialer Arbeit, die Methoden mit ihren normativen Zielsetzungen und die Berufsethiken der Verbände. Diese Berufsethiken weisen nach Schlittmaier ein Begründungs- und ein Applikationsdefizit auf und gewinnen erst durch einen wechselseitigen Diskurs Praxisrelevanz. +([Professionsethik](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-13)) +([Dimensionen der Ethik](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-2)) -- [4          Ethische und rechtliche Grundlagen](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-1) (S. 67, Z. 524) -- [4.1.1     Begriffsklärung und Dimensionen einer Ethik Soz...](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-2) (S. 69, Z. 536) -- [4.1.3     Grundlegende ethische Normen](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-3) (S. 72, Z. 550) -- [Solidarität](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-4) (S. 73, Z. 566) -- [4.1.4     Verantwortungsethik](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-5) (S. 75, Z. 587) -- [Haltung der Anwaltlichkeit](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-6) (S. 77, Z. 605) -- [4.1.7     Ethische Entscheidungsfindung](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-7) (S. 79, Z. 623) -- [4.2.1     Grundlagen](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-8) (S. 81, Z. 635) -- [Verhältnismäßigkeit](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-9) (S. 82, Z. 651) -- [4.2.3     Menschenrechte](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-10) (S. 84, Z. 665) -- [Datenschutz Schweigepflicht, Amt und Berufsgeheimnis in d...](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-11) (S. 86, Z. 692) -- [4.3       Zusammenfassung der Erkenntnisse](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-12) (S. 88, Z. 704) +## Menschenbild +Der Mensch wird nicht als feste Größe betrachtet, sondern in seinem kontinuierlichen Werden verstanden — in Wechselwirkung mit seiner natürlichen und sozialen Umwelt. Das Selbst befindet sich zeitlebens in einem potentiellen Zustand, was Offenheit und Fragilität mit sich bringt. Menschen sind auf fremde Hilfe angewiesen und bieten zugleich anderen Halt. Entwicklung ist immer Co-Entwicklung; der Mensch ist ein ›freier Unfreier‹, fähig zur Selbstbestimmung und gleichzeitig auf andere angewiesen. Die soziokulturell bedingte Erziehungsbedürftigkeit ergibt sich daraus, dass der Mensch Naturalisations-, Enkulturations-, Sozialisations- und Personalisationshilfe braucht. Lebenslanges Lernen ist die Konsequenz: Man kann sich nicht nicht entwickeln. +([Menschenbild](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-14)) + +## Menschenwürde und Menschenrechte + +Menschenwürde ist dem Menschen inhärent und nicht an bestimmte Eigenschaften gebunden. Kants kategorischer Imperativ fordert, die Menschheit in jeder Person stets als Zweck und niemals bloß als Mittel zu behandeln; das Instrumentalisierungsverbot bildet den Kern der Menschenwürde. In der Bioethik ist umstritten, ob Würde an bestimmte Fähigkeiten gebunden ist — die Soziale Arbeit folgt der traditionellen Position, die Menschenwürde allen Menschen unabhängig von ihren Fähigkeiten zuschreibt. + +Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948) konkretisiert den Kerngehalt der Menschenwürde durch persönliche Freiheitsrechte (z. B. Gedankenfreiheit), politische Mitwirkungsrechte (z. B. Wahlrecht) und soziale Anspruchsrechte (z. B. Recht auf Bildung) — in engem Bezug zu Freiheit, Gleichheit und Teilhabe. Persönliche Freiheit wird erst realisiert, wenn sie im öffentlichen Raum mit anderen gelebt werden kann. Daraus folgt, dass die im Sozialstaat organisierte Soziale Arbeit die Wahrung der Menschenrechte und Menschenwürde zu gewährleisten hat. +([Menschenwürde](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-15)) +([Grundlegende Normen](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-3)) + +## Soziale Gerechtigkeit und Solidarität + +Soziale Gerechtigkeit umfasst das Gewährleisten gleicher Rechte, den Ausgleich von Leistungen, die Mindestausstattung von Grundgütern und den Abbau struktureller Ursachen ungleicher Beteiligungschancen. Es lassen sich drei Dimensionen unterscheiden: Gesetzesgerechtigkeit (gleiche Rechte für alle), Tausch- oder Leistungsgerechtigkeit (Gleichheit von Leistung und Gegenleistung) und Verteilungsgerechtigkeit (notwendige Ressourcen zur Existenzbestreitung). Rawls setzt sich für gesellschaftliche Rahmenbedingungen ein, die durch angemessene Verteilung zu einem dynamischen Ausgleich führen. + +Mit sozialer Gerechtigkeit korrespondiert der Gedanke der Solidarität. Die sogenannte Beistandssolidarität stellt eine grundsätzliche Verpflichtung gegenüber Notleidenden und Benachteiligten dar, die nicht auf Reziprozitätserwartungen aufbaut, sondern eine gerechtere Verteilung materieller wie immaterieller Güter anstrebt. +([Soziale Gerechtigkeit](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-16)) +([Solidarität](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-4)) + +## Nachhaltigkeit und Subsidiarität + +Die Grundwerte bilden einen Orientierungsrahmen, der durch nachhaltige Sicherung aller Ressourcen durch den Generationenkontrakt ergänzt wird. Nachhaltigkeit in der Sozialen Arbeit ist ein Qualitätsmerkmal sozialen Wandels, das bei größtmöglicher Effektivität die Finanzierungsbasis sozialer Sicherungssysteme dauerhaft belastbar hält. + +Soziale Arbeit versteht sich als subsidiäre, vor- und nachsorgende Profession: Hilfe zielt darauf, Menschen zu befähigen, ihr Leben gelingend zu gestalten, ohne bestehende Kompetenzen zu beschneiden. Nach dem Subsidiaritätsprinzip besteht die Hilfeverpflichtung des Staates insbesondere in seiner Vorleistungsverpflichtung, die Voraussetzungen für Selbsthilfekompetenzen zu schaffen. +([Nachhaltigkeit und Subsidiarität](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-17)) + +## Verantwortungsethik + +Professionsethik wird als Verantwortungsethik aufgefasst, die unter Berücksichtigung situativer Gegebenheiten einen Ausgleich zwischen Grundwerten und Handlungseffizienz herstellt. Professionelle sind mit unterschiedlichen, teils konfligierenden Interessen konfrontiert und tragen Verantwortung gegenüber Klientinnen (Achtung der Menschenwürde), der Gesellschaft (Gemeinwohl und soziale Gerechtigkeit), dem Anstellungsträger (Qualitätssicherung), den Kolleginnen (berufliche Sorgfalt), der Profession (Weiterentwicklung) und der eigenen Person (berufliche Identität und Fortbildung). Im Berufsalltag entstehen regelmäßig ethische Dilemmata und Rollenkonflikte, die auf Grundlage eines gesicherten Selbstverständnisses konstruktiv zu lösen sind — oftmals als ausgehandelte Kompromisslösungen. +([Verantwortungsethik](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-5)) + +## Care-Ethik und professionsmoralische Grundhaltungen + +Da Beziehungen zwischen Professionellen und Klientinnen asymmetrisch sind, rücken Positionen der Care-Ethik wechselseitige Hilfe, Aufmerksamkeit und Wertschätzung ins Zentrum. Der wichtigste moralische Aspekt der helfenden Interaktion besteht im Ausbalancieren dieser Asymmetrie. Da professionelles Handeln oft intuitiv geschieht und die Gefahr von Stereotypenbildungen birgt, ist eine ethische Reflexion in jeder Phase des Hilfeprozesses nötig. + +Drei Grundhaltungen leiten das Handeln: Eine *Haltung der Aufmerksamkeit*, die Bedürftigkeit und Verletzlichkeit beachtet und würdevoll mit dem Ringen der Klientinnen um Anerkennung umgeht; eine *Haltung der Achtsamkeit*, die trotz einschränkender Ausstattungsprobleme den Blick auf Ressourcen richtet; und eine *Haltung der Anwaltlichkeit* (advokatorische Ethik), die stellvertretend Verantwortung übernimmt, wenn Menschen ihr Leben nicht selbständig meistern können. +([Care-Ethik](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-18)) +([Anwaltlichkeit](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-6)) + +## Berufsethische Richtlinien + +AvenirSocial (Schweiz) und der DBSH (Deutschland) haben berufsethische Richtlinien auf Basis der IFSW-Grundsätze und der internationalen Menschenrechte entwickelt. Der Schweizer Berufskodex (2010) dient als Argumentarium für die Praxis und formuliert Handlungsmaximen bezüglich Klientinnen, Organisationen, Gesellschaft und Profession. Die DBSH-Richtlinien basieren auf dem gesellschaftlichen Auftrag, der Wahrung universeller Werte und der Würde des einzelnen Menschen. +([Berufsethische Richtlinien](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-19)) + +## Ethische Entscheidungsfindung + +Für die ethische Entscheidungsfindung wird ein strukturiertes Vorgehen beschrieben: Zunächst geht es um die Identifikation ethisch relevanter Situationen und die Schärfung einer Sensibilität für moralische Fragen. Darauf folgt die beschreibende Wahrnehmung der faktischen Situation einschließlich eigener Gefühle. Im nächsten Schritt werden die eingelagerten moralischen Werte benannt, bevor eine Urteilsbildung auf Basis professionsethischer Grundlagen und normativer Vorgaben stattfindet. Die begründet ausgewählte Handlungsoption wird schließlich — möglichst im Team oder gemeinsam mit Klientinnen — umgesetzt. +([Ethische Entscheidungsfindung](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-7)) + +## Rechtliche Aspekte des professionellen Handelns + +Professionelles Handeln geschieht im Vollzug von Recht, das Eingriffe sowohl erlaubt als auch begrenzt. Der Sozialstaat verpflichtet sich zu sozialer Gerechtigkeit und erträglichen Lebensbedingungen. Ähnlich dem Prinzip ›Hilfe zur Selbsthilfe‹ gilt das Nachrang- bzw. Subsidiaritätsprinzip, das Bürger zur Übernahme von Eigenverantwortung befähigen soll. In Deutschland basiert die soziale Sicherung auf einem Sozialrecht mit vier Säulen (Vorsorge, Versorgung, Förderung, Hilfe); in der Schweiz ist die Zuständigkeit zwischen Bund und Kantonen aufgeteilt. Professionelle verfügen über Ermessensspielräume, die an der Einzelfallgerechtigkeit orientiert sein müssen. Klientinnen haben zudem Anrecht auf rechtliches Gehör, Akteneinsicht, Verbeiständung und Begründung behördlicher Entscheide. +([Rechtliche Grundlagen](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-8)) + +## Verfassungsgrundsätze + +Das Prinzip der *Gesetzmäßigkeit* verlangt, dass staatliches Handeln sich im Rahmen gesetzlicher Grenzen bewegt. Der Grundsatz der *Verhältnismäßigkeit* fordert, dass Eingriffe geeignet, erforderlich und zumutbar sind. Das *Gleichheitsgebot* verlangt, Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln. Das *Willkürverbot* schützt vor Verletzung von Gerechtigkeitserwartungen. *Treu und Glauben* gewährt Klientinnen Vertrauensschutz und verpflichtet zu konsequentem, konsistentem Handeln. +([Gesetzmäßigkeit](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-20)) +([Verhältnismäßigkeit](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-9)) + +## Menschenrechte im rechtlichen Kontext + +In der Schweiz sind Menschenrechtsverträge Teil der Rechtsordnung und verpflichten den Staat auf drei Ebenen: Unterlassungspflichten (Respektierung der Rechte), Schutzpflichten (Wahrung vor Verletzungen) und Leistungspflichten (Ermöglichung des Genusses der Rechte). Zentrale Grundrechte der Bundesverfassung umfassen den Schutz der Menschenwürde (Art. 7), die Rechtsgleichheit (Art. 8) und das Recht auf Hilfe in Notlagen (Art. 12). + +In Deutschland steht das Europäische Gemeinschaftsrecht über dem nationalen Recht. Von besonderem Interesse für die Soziale Arbeit sind das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, das Recht auf Identität sowie das Elterngrundrecht (Art. 6 GG). Die IFSW definiert Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit als zentrale Motivation sozialarbeiterischen Handelns. +([Menschenrechte](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-10)) + +## Daten- und Vertrauensschutz + +Der Datenschutz dient dem Persönlichkeitsschutz und schützt vor widerrechtlichem Umgang mit Daten. Für Professionelle gilt eine berufliche Schweigepflicht. In der Schweiz bestehen vier Rechtfertigungsgründe für die Datenweitergabe (gesetzliche Gründe, Zeugnispflicht, Einwilligung, öffentliches Interesse); in Deutschland ist der Daten- und Vertrauensschutz strafrechtlich abgesichert. Klientinnen haben Anrecht auf Akteneinsicht, und der sorgfältige Umgang mit Daten gilt als vertrauensbildende Maßnahme. +([Datenschutz](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-11)) +([Zusammenfassung](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.evidence.md#reference-12)) diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_05_kooperation.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_05_kooperation.evidence.md index cdd225e..cf79f75 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_05_kooperation.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_05_kooperation.evidence.md @@ -99,4 +99,58 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 120 - **Lines:** 937-939 - **Quote:** "Ein weiteres Kennzeichen einer Arbeitsbeziehung ist die widersprüchliche Einheit einer spezifischen und diffusen Sozialbeziehung: Professionelle handeln in einer rollenförmigen spezifischen Sozialbeziehung, in der sie austauschbar sind, zugleich agieren sie als unverwechselbare Person auch in einer [...]" +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 05 Kooperation +- **Section:** 5 Kooperation +- **Pages:** 90 +- **Lines:** 718-718 +- **Quote:** "Die personenbezogene soziale Dienstleistung kann nur in einem dialogischen Verständigungsprozess von Sozialarbeiter und Klientin gemeinsam erbracht werden." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 05 Kooperation +- **Section:** Entstehen der Arbeitsbeziehung +- **Pages:** 92 +- **Lines:** 742-742 +- **Quote:** "In der Regel wählen weder Klienten eine bestimmte Professionelle aus noch haben Professionelle die Wahl, ob sie mit einer bestimmten Klientin arbeiten möchten." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 05 Kooperation +- **Section:** Aufgabenorientierung +- **Pages:** 93 +- **Lines:** 746-746 +- **Quote:** "Die Arbeitsbeziehung verfolgt keinen Selbstzweck, es geht nicht um eine ›gute Beziehung‹ zwischen Sozialarbeiter und Klientin, sondern darum, diese Beziehung als Mittel zur Erreichung eines Zieles zu nutzen." + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 05 Kooperation +- **Section:** Psychoanalytische Traditionslinien in der Sozialen Arbeit +- **Pages:** 99 +- **Lines:** 788-788 +- **Quote:** "Psychoanalytisches Wissen wurde demnach in der Sozialen Arbeit vor allem in zweierlei Hinsicht genutzt: einerseits für die Diagnose der Problematik eines Klienten mit Hilfe psychoanalytischer Theorie, andererseits zur Reflexion der Übertragungs-GegenübertragungsBeziehung zwischen Klient und Sozialpädagoge." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 05 Kooperation +- **Section:** Elemente eines Arbeitsbündniskonzepts bei Müller +- **Pages:** 106 +- **Lines:** 814-814 +- **Quote:** "Sie zeigen auf, dass sich Professionalität des Handelns auszeichnet durch eine kunstvolle Verschränkung von Nähe und Distanz zu ihren Adressaten und deren Problemen." + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 05 Kooperation +- **Section:** Modell ›Beziehungsfundierte Passung‹ von Heiner +- **Pages:** 107 +- **Lines:** 828-828 +- **Quote:** "Beziehungsorientierung und Autonomieorientierung bildeten die Eckpfeiler für eine gelingende Passung von Problemlage und Problembearbeitungsmöglichkeiten" + +## Reference 19 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 05 Kooperation +- **Section:** 5.2.2 Interprofessionelle Kooperation +- **Pages:** 117 +- **Lines:** 900-900 +- **Quote:** "Der Aufgabenschwerpunkt und die spezifische Kompetenz der Sozialen Arbeit sind weniger klar zu beschreiben als bei anderen Professionen. Dieser Umstand beeinflusst die interprofessionelle Kooperation wesentlich." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_05_kooperation.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_05_kooperation.md index 24db31a..80b9298 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_05_kooperation.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_05_kooperation.md @@ -1,35 +1,90 @@ # 05 Kooperation -Das Kapitel widmet sich der Kooperation als zentralem Element professionellen Handelns. Es behandelt die Kooperation auf Klientenebene (Arbeitsbeziehung, Arbeitsbündnis, professionelle Beziehungsgestaltung) sowie die Kooperation auf Fachebene (multiprofessionelle Zusammenarbeit, Teamarbeit). Besonders wird die Bedeutung der Kooperation mit unfreiwilligen Klientinnen herausgearbeitet. +Kapitel 5 behandelt Kooperation als tragendes Prinzip professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit auf zwei Ebenen: die Arbeitsbeziehung mit Klientinnen und die Zusammenarbeit auf der Fachebene mit Kolleginnen und anderen Professionen. -**Seiten:** 90-121 -**Zeilen im Quelldokument:** 716-952 +**Seiten:** 90–121 +**Zeilen im Quelldokument:** 716–952 -## Key Concepts +## Koproduktion als Grundprinzip -- Arbeitsbeziehung mit Klientinnen -- Rahmenbedingungen -- Freiwilligkeit, Dauer, Verbindlichkeit -- Entstehen der Arbeitsbeziehung -- Aufgabenorientierung -- Begrenzungen der Arbeitsbeziehung -- Pädagogische Beziehungskonzepte -- Nohls Konzept des Pädagogischen Bezugs -- Gieseckes Konzept einer öffentlichen pädagogischen Beziehung -- Psychoanalytische Beziehungskonzepte +Professionelle der Sozialen Arbeit stellen keine Produkte her – sie handeln: Sie unterstützen bei der Lebensbewältigung, ermöglichen Bildungsprozesse und fördern soziale Integration ([S. 90, Z. 718](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-1)). Da an jeder personenbezogenen Dienstleistung stets Professionelle und Klientinnen gleichzeitig beteiligt sind, kann diese nur in einem gemeinsamen dialogischen Verständigungsprozess erbracht werden ([S. 90, Z. 718](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-13)). Die Koproduktion ist damit ein Strukturmerkmal professionellen Handelns. -## Evidence References +Das Kapitel arbeitet zunächst heraus, wie die Arbeitsbeziehung theoretisch konzipiert wird, und geht dann auf die Kooperation auf der Fachebene ein. -- [5          Kooperation](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-1) (S. 90, Z. 718) -- [5.1.1     Rahmenbedingungen](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-2) (S. 91, Z. 734) -- [5.1.2     Pädagogische Beziehungskonzepte](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-3) (S. 94, Z. 756) -- [Gieseckes Konzept einer öffentlichen pädagogischen Beziehung](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-4) (S. 97, Z. 772) -- [Arbeitsbündnis-Modell von Oevermann](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-5) (S. 100, Z. 792) -- [›Emotionelles Angebot‹: Arbeitsbeziehungs-Modell von Bang](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-6) (S. 103, Z. 808) -- [Arbeitsprinzipien einer Beratungsbeziehung nach Schäfter](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-7) (S. 108, Z. 832) -- [Professionelle Beziehungsgestaltung nach Gahleitner](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-8) (S. 113, Z. 860) -- [Teamarbeit](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-9) (S. 114, Z. 878) -- [Kompetenzen](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-10) (S. 116, Z. 892) -- [Konstellationen](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-11) (S. 119, Z. 921) -- [5.3       Zusammenfassung der Erkenntnisse](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-12) (S. 120, Z. 937) +## Arbeitsbeziehung mit Klientinnen +Dass die Beziehung zwischen Sozialpädagoge und Klientin eine zentrale Voraussetzung für professionelles Handeln darstellt, gilt in der Sozialen Arbeit als weitgehend unbestritten. Allerdings wird diese Grundannahme in der Fachliteratur insgesamt wenig elaboriert. Schäfter (2010) definiert die professionelle Beziehung als Basis und Mittel der Zusammenarbeit; auf Ausführungen zur konkreten Gestaltung einer solchen Arbeitsbeziehung werde jedoch weitgehend verzichtet. Gahleitner (2017) hat ein empirisch fundiertes Konzept zur Beziehungsgestaltung vorgelegt. + +Insbesondere in Praxisfeldern, in denen Professionelle über längere Zeit Klientinnen begleiten, kommt der beruflichen Beziehungsarbeit eine besondere Bedeutung zu. Heiner (2010) konstatiert, das Wesen und die Qualität der Beziehung erscheine so individuell und situationsabhängig, dass Beziehungsarbeit oft als nicht planbares Element gesehen werde – sie betont jedoch, es ließen sich durchaus charakteristische Merkmale benennen. + +### Rahmenbedingungen + +Die Kontextbedingungen der Sozialen Arbeit prägen die Möglichkeiten der Ausgestaltung der Arbeitsbeziehung maßgeblich ([S. 91, Z. 734](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-2)). Die Praxisfelder unterscheiden sich stark hinsichtlich Freiwilligkeit, Dauer und Verbindlichkeit – von der stationären Kinder- und Jugendhilfe mit genereller Alltagszuständigkeit über Einrichtungen des Straf- und Justizvollzugs mit unfreiwilligem Aufenthalt bis zur zeitlich begrenzten sozialarbeiterischen Beratung. + +Ein gemeinsames Merkmal fast aller Praxisfelder ist die spezifische Art des Zustandekommens: Hilfesuchende wenden sich an eine Organisation oder werden dorthin eingewiesen, und dort wird ihnen eine Fachperson zugeteilt. In der Regel wählen weder Klienten noch Professionelle einander aus ([S. 92, Z. 742](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-14)). Der Organisationsauftrag bildet den Rahmen der Arbeitsbeziehung; innerhalb der institutionellen Vorgaben haben Professionelle jedoch einen großen Spielraum. Insbesondere in Zwangskontexten müssen Motivation und Kooperationswille zunächst erarbeitet werden. + +### Aufgabenorientierung und Asymmetrie + +Die Arbeitsbeziehung ist stets auf eine spezifische Aufgabe ausgerichtet: Sie verfolgt keinen Selbstzweck, sondern dient als Mittel zur Erreichung eines Unterstützungszieles ([S. 93, Z. 746](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-15)). Diese Aufgabenorientierung impliziert eine strukturelle Asymmetrie, da die Professionelle als Repräsentantin einer Organisation und aufgrund ihrer Kompetenz über mehr Macht verfügt als die hilfesuchende Klientin. Sie kann Ansprüche unterstützen oder verweigern und hat neben dem Hilfe- auch einen Kontrollauftrag. + +Innerhalb dieser asymmetrischen Struktur geht es jedoch um kommunikative Verständigung. Heiner postuliert, dass Verständigungsorientierung und strategische Aufgabenorientierung ausbalanciert sein müssen. Lotz weist darauf hin, dass im Begriff Beziehungsarbeit zwei Rationalitätstypen erkennbar sind: Arbeit als zielbezogene, steuerbare Tätigkeit einerseits, Beziehung als offener Verständigungsprozess andererseits. + +### Begrenzungen + +Professionelle Arbeitsbeziehungen sind zeitlich befristet und durch ökonomische wie intentionale Grenzen institutionalisierter Hilfen gekennzeichnet. Die Organisation garantiert zwar kontinuierliche Begleitung, nicht aber die Kontinuität der Beziehung zu bestimmten Mitarbeitenden. Professionelle Hilfe soll – von Ausnahmen dauerhaften Unterstützungsbedarfs abgesehen – dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe verpflichtet sein und allmählich überflüssig werden. + +## Pädagogische Beziehungskonzepte + +Die Sozialpädagogik befasste sich historisch insbesondere mit den Entwicklungsproblemen junger Menschen und konzipierte die professionelle Beziehung als Verhältnis zwischen Erziehenden und zu Erziehenden ([S. 94, Z. 756](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-3)). Nohl entwickelte den ›Pädagogischen Bezug‹ als leidenschaftliches, wechselseitiges Verhältnis zwischen reifem Erwachsenen und werdendem Kind. Ausgangspunkt ist die Subjektivität des Kindes – seine gegenwärtige Bedürftigkeit und seine zukünftigen Möglichkeiten. Die Beziehung ist geprägt von Nähe und Distanz zugleich und auf Auflösung hin angelegt: Ziel ist, sich als Pädagoge überflüssig zu machen. + +Giesecke revidierte Nohls Konzept grundlegend und entwickelte eine Theorie öffentlicher pädagogischer Beziehungen. Er betont den Charakter einer bezahlten Tätigkeit im öffentlichen Auftrag: zeitliche Begrenzung auf die Arbeitszeit, spezifischer (nicht ganzheitlicher) Zweck, Distanz statt Identifikation. Die Beziehung ist asymmetrisch konzipiert; der Pädagoge definiert deren Art und Weise. Pädagogische Beziehungskonzepte tragen stets der Tatsache Rechnung, dass Erwachsene gegenüber Kindern einen Erziehungsauftrag haben und sich dadurch von allen anderen Beziehungskonzepten unterscheiden ([S. 97, Z. 772](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-4)). + +## Psychoanalytische Beziehungskonzepte + +Die psychoanalytische Theorie Freuds wurde seit den 1920er Jahren in der Sozialen Arbeit rezipiert, zunächst durch Aichhorn und Bernfeld im Feld der Pädagogik, später durch die sozialarbeiterisch-psychoanalytische Traditionslinie der Einzelfallhilfe. Zentrale Konzepte sind Übertragung – die Tendenz, verinnerlichte Beziehungsmuster in aktuellen Interaktionen zu wiederholen – und Gegenübertragung als emotionale Reaktion der Professionellen darauf. + +Während Aichhorn die positive Übertragungsbeziehung als Mittel zur Einflussnahme sah, betonte Bernfeld die Grenzen erzieherischer Einflussnahme: Diese lägen im Pädagogen selbst, der mit eigenen unbewussten Reaktionen auf Übertragungen des Kindes reagiere. Psychoanalytisches Wissen wurde in der Sozialen Arbeit vor allem für die Diagnose der Problematik eines Klienten sowie zur Reflexion der Übertragungs-Gegenübertragungsbeziehung genutzt ([S. 99, Z. 788](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-16)). + +## Arbeitsbündnis-Modell von Oevermann + +Oevermann konzipierte ein Arbeitsbündnismodell analog dem psychoanalytischen Arzt-Patient-Verhältnis, in dem stellvertretende Krisenbewältigung die Kernaufgabe bildet ([S. 100, Z. 792](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-5)). Konstitutiv sind der Leidensdruck und die freiwillige Entscheidung des Patienten. Jedes Arbeitsbündnis ist gekennzeichnet durch die widersprüchliche Einheit spezifischer und diffuser Beziehungskomponenten: Professionelle binden sich als ganze Personen in einer diffusen Sozialbeziehung, bleiben aber in der spezifischen Rolle von Vertragspartnern. + +Für Klienten gelte die Grundregel ›sei diffus‹, also alles zu thematisieren, für den Sozialarbeiter hingegen ›sei spezifisch‹, sich an die Rollenvorgaben zu halten (Abstinenzregel). Kritisiert wird insbesondere die Betonung der Freiwilligkeit als Voraussetzung, die in vielen Praxisfeldern nicht gegeben ist, sowie die kontextunabhängige, statische Formulierung des Modells. + +## Weitere Konzepte der Arbeitsbeziehung + +Ruth Bang beschrieb bereits in den 1960er Jahren die helfende Beziehung als methodisches Hilfsmittel und unterschied vier Phasen des Hilfeprozesses. In der ersten Phase ist das Arbeitsklima geprägt von widersprüchlichen Gefühlen der Beteiligten; die Aufgabe der Professionellen besteht darin, ein ›emotionelles Angebot‹ zu machen ([S. 103, Z. 808](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-6)). Dieses Angebot umfasst Wohlwollen, Wärme und Interesse und stützt sich auf die latente Beziehungsbereitschaft des Klienten. Es gibt dafür keine Techniken – erforderlich sind eine akzeptierende Grundeinstellung und diagnostische Vorarbeit. + +Müller und Dörr haben herausgearbeitet, dass sich Professionalität durch eine kunstvolle Verschränkung von Nähe und Distanz zu Adressaten und deren Problemen auszeichnet ([S. 106, Z. 814](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-17)). Die Bewältigung dieser Anforderung ist nur unter Akzeptanz nicht hintergehbarer Ungewissheit möglich. Müller sieht die Fähigkeit zur Gegenübertragungskontrolle – als Kompetenz zu qualifizierter Selbstkritik in der Expertenrolle – als unabdingbar für jede professionelle Praxis. + +Heiner entwickelte das Modell der ›beziehungsfundierten Passung‹: Beziehungsorientierung und Autonomieorientierung bilden die Eckpfeiler für eine gelingende Passung von Problemlage und Problembearbeitungsmöglichkeiten ([S. 107, Z. 828](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-18)). Sie betont ein exploratives, tentatives Vorgehen, das durch behutsame Annäherung und bewusste Zurückhaltung Vertrauen gewinnt und zugleich Autonomie fördert. Professionelle müssen eine Balance finden zwischen Personen- und Zielorientierung, Symmetrie und Asymmetrie, Einflussnahme und Zurückhaltung. + +Schäfter hat ein Konzept der Beziehungsgestaltung als Querschnittsaufgabe entwickelt und vier Arbeitsprinzipien formuliert: reflexive kontextbezogene Zuwendung, selektive persönliche Öffnung, Ressourcenorientierung und Kompetenzpräsentation ([S. 108, Z. 832](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-7)). Diese Prinzipien sollen wechselseitiges Vertrauen, Verständnis, Wertschätzung und gemeinsame Hoffnung bewirken. Interessant ist, dass Fachkräfte nicht wahrnehmen konnten, welches Wissen und Können sie einbringen, während Klientinnen die Kompetenzen leicht benennen konnten. + +Eigene Evaluationsstudien der Autorinnen bestätigen diese Befunde: Von Klienten als hilfreich erlebt werden echtes Interesse, Wertschätzung der Person, Ressourcenorientierung, Zuhören und einfühlendes Bemühen um Verständnis. Auch zeigte sich, dass fehlende Freiwilligkeit höchstens anfänglich von Bedeutung war und nicht die zeitlichen Ressourcen, sondern die Präsenz des Sozialarbeiters während der zur Verfügung stehenden Zeit entscheidend ist. + +## Professionelle Beziehungsgestaltung nach Gahleitner + +Gahleitner hat unter dem Titel ›Soziale Arbeit als Beziehungsprofession‹ ein forschungsbasiertes Prozessmodell entwickelt. Im Kern steht das Erleben aufrichtiger, persönlich geprägter menschlicher Begegnungen als Alternativerfahrung zur bisherigen Beziehungsverunsicherung ([S. 113, Z. 860](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-8)). Gerade ›hard-to-reach‹-Klientinnen bedürften eines tragfähigen Beziehungsangebots, das als Lotsin durch den Hilfeprozess dient. + +Das Prozessmodell umfasst fünf Schritte: beziehungsorientiertes Verstehen, neue Beziehungserfahrungen als ›schützende Inselerfahrung‹ ermöglichen, Chancen zu persönlichen Veränderungsprozessen öffnen, ein vertrauensvolles professionelles Umgebungsmilieu schaffen und eine tragfähige, zukunftsstabile Basis für das spätere Leben aufbauen. Die dyadische Beziehung dient als Türöffner für Veränderungen im gesamten Netzwerkgefüge. Beziehungs- und Netzwerkarbeit prägen die Qualität des gesamten Unterstützungsprozesses. Voraussetzung ist ein professionelles Selbstverständnis, das theoretisches Wissen als Basis für ›strukturierte Intuition‹ nutzt und das Prinzip ›strukturierter Offenheit‹ berücksichtigt. + +## Kooperation auf der Fachebene + +Neben der Arbeitsbeziehung mit Klientinnen umfasst professionelles Handeln die Zusammenarbeit mit Fachkolleginnen und anderen Professionen. Teamarbeit – als formell institutionalisierte Gruppe mit gemeinsam geteilten Zielen und gegenseitiger Rechenschaftspflicht – ist ein zentrales Gefäß dafür ([S. 114, Z. 878](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-9)). Je nach Arbeitsform koagieren oder interagieren Teammitglieder, was unterschiedliche Koordinationsbedarfe erzeugt. + +Sozialpädagoginnen benötigen spezifische soziale Kompetenzen: kommunikative Fähigkeiten, Kritik- und Konfliktfähigkeit sowie Teamfähigkeit ([S. 116, Z. 892](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-10)). Förderlich sind gemäß des Fünf-Faktoren-Modells der Persönlichkeitspsychologie emotionale Stabilität, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Empathie. + +## Interprofessionelle Kooperation + +Da der Sozialen Arbeit ein Tätigkeitsmonopol fehlt, ist sie auf Zusammenarbeit mit anderen Professionen angewiesen. Der Aufgabenschwerpunkt der Sozialen Arbeit ist weniger klar beschreibbar als bei anderen Professionen, was die interprofessionelle Kooperation wesentlich beeinflusst ([S. 117, Z. 900](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-19)). Oft befinden sich Professionelle in der unterlegenen Position; die Klärung der Aufgabenstellung und Arbeitsteilung zwischen Professionen ist eine zentrale Herausforderung. + +Drei Kooperationsformen lassen sich unterscheiden: asymmetrisch-komplementär (klare Aufgabenteilung), additiv (informiertes Nebeneinander) und integrativ bzw. transprofessionell (gemeinsame Fallbesprechung mit dem größten Mehrwert). Von Sozialpädagoginnen wird erwartet, sich in allen Konstellationen angemessen einzubringen und ihre fachliche Position zu vertreten ([S. 119, Z. 921](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-11)). Die Soziale Arbeit kann dabei Prozesse der fallbezogenen Zusammenarbeit initiieren und koordinieren (Case-Management). + +## Zentrale Erkenntnisse + +Ein Kennzeichen der Arbeitsbeziehung ist die widersprüchliche Einheit einer spezifischen und diffusen Sozialbeziehung: Professionelle handeln in einer rollenförmigen Beziehung, in der sie austauschbar sind, und zugleich als unverwechselbare Person in einer diffusen Beziehung ([S. 120, Z. 937](./chapter_05_kooperation.evidence.md#reference-12)). Es gibt keine Techniken zur Herstellung einer Arbeitsbeziehung – entscheidend ist eine akzeptierende, wertschätzende Grundhaltung, verbunden mit professioneller Selbstreflexion und institutionalisierter Supervision. + +Die doppelte Verortung – Vertretung des institutionellen Auftrags und Eingehen auf die Person als Ganzes – macht die Arbeitsbeziehung in der Sozialen Arbeit zu einem permanenten Balanceakt. Theoretische Modelle von Oevermann, Müller, Heiner und Gahleitner liefern unterschiedliche, sich ergänzende Perspektiven auf diese Spannung. + +Zur Realisierung des Auftrags der Sozialen Arbeit ist intra- und interprofessionelle Kooperation unabdingbar; Professionelle übernehmen dabei häufig die Koordination interprofessioneller Prozesse und sind herausgefordert, ihre Kompetenz und den professionsspezifischen Standpunkt in den Fachdiskurs einzubringen. diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md index 4569cce..80818bf 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md @@ -99,4 +99,26 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 134 - **Lines:** 1045-1047 - **Quote:** "Das Konzept des Habitus, in der neueren Zeit von Bourdieu entwickelt und von Oevermann für die Soziale Arbeit aufgearbeitet, geht davon aus, dass unser Handeln und Verhalten von psychischen Haltungen geleitet ist, die tief im Unbewussten liegen." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 06 Methoden, Professionskompetenz und Grundhaltung +- **Section:** 6.1.1 Konzept - Methode - Technik +- **Pages:** 125 +- **Lines:** 971 +- **Quote:** "Wir verstehen Methoden als systematische Handlungsformen , die den professionellen Umgang mit sozialen Problemen und Thematiken in zielgerichteter Weise leiten. Ihre Basis bilden eine professionelle Ethik, sozial- und humanwissenschaftliche Erkenntnisse und eine reflektierte Berufserfahrung." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 06 Methoden, Professionskompetenz und Grundhaltung +- **Section:** Selbstkompetenzen +- **Pages:** 129 +- **Lines:** 1011 +- **Quote:** "Selbstkompetenzen sind die Dispositionen einer Person, selbstorganisiert und selbstreflexiv zu handeln. Es geht darum, die eigene Person mit Motivation als Werkzeug in die berufliche Tätigkeit einzubringen, sich selbst einzuschätzen, selbstständig zu handeln, sich weiter zu entwickeln, lernfähig zu bleiben." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 06 Methoden, Professionskompetenz und Grundhaltung +- **Section:** 6.2 Professionskompetenz, Habitus und Grundhaltung +- **Pages:** 127 +- **Lines:** 993 +- **Quote:** "Wie aufgezeigt wurde, nehmen Methoden in der Sozialen Arbeit im Gegensatz zum Lehrerberuf oder zu technischen Berufen eine besondere Stellung ein. Sie gründen auf allgemeingültigen ethischen nicht operationalisierbaren Grundsätzen, zielen nicht auf die Herstellung eines Produktes, sondern unterstützen Menschen in der Bewältigung ihrer Problemlagen, was nur auf der Grundlage einer Arbeitsbeziehung geschehen kann" diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_06_methoden-professionskompetenz.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_06_methoden-professionskompetenz.md index 6ea976c..75947b3 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_06_methoden-professionskompetenz.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_06_methoden-professionskompetenz.md @@ -1,35 +1,57 @@ # 06 Methoden, Professionskompetenz und Grundhaltung -Dieses Kapitel klärt die Begriffe Methode, Technik und Instrument im Kontext professionellen Handelns und diskutiert die Methodisierbarkeit Sozialer Arbeit. Es erläutert den Kompetenzbegriff und definiert die erforderlichen Kompetenzen von Professionellen. Die professionelle Grundhaltung wird als Basis für kompetentes Handeln beschrieben. +Dieses Kapitel klärt den Methodenbegriff in der Sozialen Arbeit, diskutiert die Grenzen der Methodisierbarkeit und definiert die erforderlichen Kompetenzen sowie die professionelle Grundhaltung als Basis des Handelns. +([Kapitelübersicht](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-1)) -**Seiten:** 122-134 -**Zeilen im Quelldokument:** 953-1054 +**Seiten:** 122–134 +**Zeilen im Quelldokument:** 953–1054 -## Key Concepts +## Konzept, Methode und Technik -- Methoden der Sozialen Arbeit -- Konzept - Methode - Technik -- Systematisierungsmöglichkeiten -- Möglichkeiten und Grenzen der Methodisierbarkeit -- Professionskompetenz, Habitus und Grundhaltung -- Kompetenzen -- Selbstkompetenzen -- Fach- oder Methodenkompetenzen -- Sozialkompetenzen -- Habitus und Grundhaltung +Geissler/Hege unterscheiden analytisch drei Ebenen: Ein *Konzept* ist ein Handlungsmodell, in dem Ziele, Inhalte, Methoden und Verfahren begründet zusammengeführt werden – etwa die lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Thiersch. *Methoden* sind einem Konzept untergeordnete, vorausgeplante Vorgehensweisen. *Techniken* sind standardisierte Verhaltensmuster wie Gesprächsführung oder Erhebungsinstrumente. Diese Dreiteilung soll verhindern, dass der Vielschichtigkeit des sozialarbeiterischen Alltags mit einem verkürzten Methodenverständnis begegnet wird. +([Konzept – Methode – Technik](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-2)) +([Analytische Unterteilung](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-3)) -## Evidence References +Die Autoren definieren Methoden als «systematische Handlungsformen, die den professionellen Umgang mit sozialen Problemen und Thematiken in zielgerichteter Weise leiten». Ihre Basis bilden eine professionelle Ethik, wissenschaftliche Erkenntnisse und reflektierte Berufserfahrung. Sie stellen keine Handlungsrezepte dar, sondern ermöglichen situationsbezogenes Arbeiten. +([Methodendefinition](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-13)) -- [6          Methoden, Professionskompetenz und Grundhaltung](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-1) (S. 122, Z. 955) -- [6.1.1     Konzept - Methode - Technik](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-2) (S. 122, Z. 963) -- [6.1.1     Konzept - Methode - Technik](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-3) (S. 124, Z. 969) -- [6.1.2     Systematisierungsmöglichkeiten](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-4) (S. 124, Z. 977) -- [6.1.3     Möglichkeiten und Grenzen der Methodisierbarkeit](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-5) (S. 126, Z. 985) -- [6.1.3     Möglichkeiten und Grenzen der Methodisierbarkeit](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-6) (S. 127, Z. 989) -- [6.2.1     Kompetenzen](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-7) (S. 128, Z. 999) -- [Fach- oder Methodenkompetenzen](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-8) (S. 129, Z. 1015) -- [Sozialkompetenzen](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-9) (S. 130, Z. 1025) -- [6.2.2     Habitus und Grundhaltung](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-10) (S. 131, Z. 1031) -- [6.3       Zusammenfassung der Erkenntnisse](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-11) (S. 133, Z. 1039) -- [6.3       Zusammenfassung der Erkenntnisse](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-12) (S. 134, Z. 1045) +## Systematisierung und Methodenpluralismus +Historisch unterschied man die drei klassischen Methoden: Soziale Einzelfallhilfe, Soziale Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit. Nach der Methodenkritik der 1970er Jahre und dem «Psychoboom» der 1980er entstand ein breiter Methodenpluralismus als Antwort auf unterschiedliche Problemstellungen und Lebensformen. Die Autoren schlagen vor, Methoden entlang der sieben Prozessschritte der Kooperativen Prozessgestaltung einzuordnen, was eine aufgabenbezogene Reflexion der Methodenwahl ermöglicht. +([Klassische Methoden und Methodenpluralismus](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-4)) + +## Möglichkeiten und Grenzen der Methodisierbarkeit + +Methoden helfen, die konstitutive Unsicherheit von Unterstützungsprozessen zu reduzieren, können sie aber nicht auflösen. Da es *die* Methode nicht gibt, müssen Professionelle situativ aus einer Methodenpalette auswählen. Methodisches Handeln schafft für Klient·innen Verlässlichkeit und Kalkulierbarkeit, birgt aber beim Eingriffshandeln die Gefahr, diese zum Objekt zu machen. +([Unsicherheitsreduktion](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-5)) + +Methoden können weder Verhaltensänderungen herbeiführen noch Zielerreichung absichern, verhelfen aber zur Kontrolle unbeabsichtigter Nebenwirkungen und zur Angstreduktion. Thiersch fasst diese Ambivalenz als «strukturierte Offenheit»: Methoden geben Struktur, verlangen aber zugleich offene Handhabung für je einmalige Situationen. +([Grenzen der Methodisierbarkeit](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-6)) + +## Professionskompetenz und Kompetenzen + +Methoden nehmen in der Sozialen Arbeit eine besondere Stellung ein, da sie auf nicht-operationalisierbaren ethischen Grundsätzen gründen und Menschen auf der Grundlage einer Arbeitsbeziehung unterstützen. +([Besondere Stellung](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-15)) + +Kompetenzen werden als in einer Person entwickelte Fähigkeitsdispositionen verstanden, die selbstorganisiert realisiert werden, um komplexe Handlungssituationen zu bewältigen. Es werden drei Kategorien unterschieden: +([Kompetenzbegriff](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-7)) + +- **Selbstkompetenzen**: Dispositionen zum selbstorganisierten und selbstreflexiven Handeln, zur Selbsteinschätzung und Verantwortungsübernahme. + ([Ref. 14](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-14)) +- **Fach-/Methodenkompetenzen**: Dispositionen, Fachwissen kriteriengeleitet einzuordnen und zielgerichtet einzusetzen. + ([Ref. 8](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-8)) +- **Sozialkompetenzen**: Dispositionen zum kommunikativen und kooperativen Handeln im beruflichen Kontext. + ([Ref. 9](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-9)) + +## Habitus und Grundhaltung + +Bourdieus Habituskonzeption beschreibt ein System verinnerlichter Muster, die typische Gedanken, Wahrnehmungen und Handlungen erzeugen. Oevermann hat dies für die Soziale Arbeit ausdifferenziert: Der professionelle Habitus bildet sich über die Verinnerlichung einer Berufsethik, die Fähigkeit zum Arbeitsbündnis und die Fähigkeit zum Fallverstehen. +([Habituskonzeption](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-10)) + +Die Autoren grenzen sich vom reinen Habituskonzept ab: Neben der Habitusbildung, die weitgehend mit dem Kompetenzerwerb kongruent ist, muss eine professionelle *Grundhaltung* entwickelt werden. Diese stützt sich auf ethische Wertorientierungen, ein reflektiertes Menschenbild und die Zielsetzungen der Sozialen Arbeit – sie ist kein unbewusst inkorporiertes Berufsethos, sondern wird immer wieder bewusst auf die Handlungsanforderungen der Praxis reflektiert und weiterentwickelt. +([Grundhaltung vs. Habitus](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-12)) + +## Kernaussagen + +Aufgrund der geringen Standardisierbarkeit gibt es in der Sozialen Arbeit nicht *die* Methode. Methoden sind systematische Handlungsformen im Kontext eines übergeordneten Konzepts, die stets kritisch zu reflektieren sind. Professionskompetenz entsteht durch den Erwerb von Selbst-, Fach- und Sozialkompetenzen, verankert in einer professionellen Grundhaltung, die auf ethischen Wertorientierungen und einem reflektierten Menschenbild beruht. +([Zusammenfassung](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.evidence.md#reference-11)) diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_07_konzept-kpg.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_07_konzept-kpg.evidence.md index 46509d7..e713a4b 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_07_konzept-kpg.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_07_konzept-kpg.evidence.md @@ -98,5 +98,26 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Section:** 7.5       Zusammenfassung der Erkenntnisse - **Pages:** 158 - **Lines:** 1257-1258 -- **Quote:** "Die Erkenntnisse aus Teil I dieses Buches sind in einen Anforderungskatalog für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit zusammengeführt worden ( Abb. 4). Es bildet die Basis für das in diesem Lehrbuch skizzierte Konzept." +- **Quote:** "Die Erkenntnisse aus Teil I dieses Buches sind in einen Anforderungskatalog für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit zusammengeführt worden ( Abb. 4). Es bildet die Basis für das in diesem Lehrbuch skizzierte Konzept."## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 07 Konzept Kooperative Prozessgestaltung +- **Section:** Begriff ›Kooperative Prozessgestaltung‹ +- **Pages:** 142 +- **Lines:** 1093-1094 +- **Quote:** "Wir verwenden in unserem Konzept die Bezeichnung »Kooperative Prozessgestaltung« und legen den Fokus damit auf die Gestaltung der Kooperation." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 07 Konzept Kooperative Prozessgestaltung +- **Section:** 7.2.2 Prozessmodell ›Kooperative Prozessgestaltung‹ +- **Pages:** 145 +- **Lines:** 1110-1112 +- **Quote:** "Wie durch die farbliche Gestaltung ersichtlich, lassen sich die Prozessschritte zwei Phasen zuordnen: einer analytisch-diagnostischen Phase (Situationserfassung, Analyse, Diagnose sowie am Ende: Evaluation) und einer Handlungsphase (Zielsetzung, Interventionsplanung und durchführung)." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 07 Konzept Kooperative Prozessgestaltung +- **Section:** 7.3.3 Struktur für Kooperation auf der Fachebene und Qualitätssicherung +- **Pages:** 155 +- **Lines:** 1196-1199 +- **Quote:** "Ganz besonderen Stellenwert für die Qualitätssicherung und -entwicklung in einer Organisation erhalten dabei exakte und prägnante Dokumentationen über die einzelnen Prozessschritte. Diese sollen das methodische Vorgehen der Professionellen, vor allem aber auch die wichtigsten Ergebnisse, Vereinbarungen und Erkenntnisse enthalten, damit die Möglichkeit geschaffen wird, die Einhaltung entsprechender Standards im Sinne einer Qualitätssicherung zu überprüfen." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_07_konzept-kpg.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_07_konzept-kpg.md index 839c209..3f53a2e 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_07_konzept-kpg.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_07_konzept-kpg.md @@ -1,35 +1,53 @@ # 07 Konzept Kooperative Prozessgestaltung -Das Kernkapitel stellt das Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG) vor. Es beschreibt das Prozessmodell mit seinen zwei Phasen (analytisch-diagnostische Phase und Handlungsphase) und sieben Prozessschritten. Das idealtypische Modell wird als Denkstruktur erläutert, die flexibel an verschiedene Praxiskontexte angepasst werden kann. +Kapitel 7 stellt das Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG) vor — ein Rahmenwerk für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit. Aus den Erkenntnissen des Grundlagenteils wird ein Anforderungskatalog abgeleitet, der als Basis des Konzepts Anforderungen an eine theoriegeleitete Strukturierung von Unterstützungsprozessen formuliert. +([Kapitelübersicht](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-1)) -**Seiten:** 136-159 -**Zeilen im Quelldokument:** 1055-1268 +**Seiten:** 136–159 +**Zeilen im Quelldokument:** 1055–1268 -## Key Concepts +## Notwendigkeit eines methodisch strukturierten Vorgehens -- Anforderungen an professionelles Handeln -- Prozessmodell als Struktur -- Notwendigkeit eines methodisch strukturierten Vorgehens -- Begriff ›Kooperative Prozessgestaltung‹ -- Prozessmodelle als Strukturierungshilfe -- Prozessmodell ›Kooperative Prozessgestaltung‹ -- Kooperationsebenen -- Arbeit mit dem Prozessmodell -- Idealtypisches Modell als Denkstruktur -- Zeitliche Dimensionen +Weder Rezepte noch Technologien stehen zur Verfügung, mit denen Veränderungen bei Klient·innen herstellbar wären. Dieses Strukturmerkmal der geringen Standardisierbarkeit begründet die Notwendigkeit eines strukturierten Vorgehens, das fallbezogen unterschiedliche Methoden nutzt, um strukturelle Ungewissheit zu reduzieren. Hinzu kommt die Involviertheit als ganze Person: Die Person des Sozialarbeiters ist das Arbeitsinstrument, was Chancen birgt, aber auch Risiken unreflektierter Projektion mit sich bringt. +([Involviertheit, S. 140](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-2)) -## Evidence References +## Begriff und Prozessmodelle -- [7          Konzept Kooperative Prozessgestaltung](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-1) (S. 136, Z. 1057) -- [7.2.1     Notwendigkeit eines methodisch strukturierten V...](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-2) (S. 140, Z. 1085) -- [Prozessmodelle als Strukturierungshilfe](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-3) (S. 143, Z. 1101) -- [Kooperationsebenen](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-4) (S. 146, Z. 1121) -- [7.3.1     Idealtypisches Modell als Denkstruktur](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-5) (S. 147, Z. 1137) -- [7.3.1     Idealtypisches Modell als Denkstruktur](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-6) (S. 148, Z. 1147) -- [7.3.2     Zeitliche Dimensionen](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-7) (S. 150, Z. 1161) -- [7.3.2     Zeitliche Dimensionen](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-8) (S. 151, Z. 1173) -- [7.3.2     Zeitliche Dimensionen](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-9) (S. 152, Z. 1185) -- [7.4.1     Grundlegende Aspekte](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-10) (S. 154, Z. 1203) -- [7.4.2     Reflexionskriterien für Methoden](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-11) (S. 157, Z. 1233) -- [7.5       Zusammenfassung der Erkenntnisse](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-12) (S. 158, Z. 1257) +Für methodisch strukturiertes Vorgehen existieren zahlreiche Begriffe — von Hilfeplanung über Förderplanung bis Assessment. Die Bezeichnung »Kooperative Prozessgestaltung« fokussiert bewusst auf die Gestaltung der Kooperation; professionelles Handeln wird bestimmt als geplante und reflektierte Gestaltung von Unterstützungs- und Verständigungsprozessen. In der Fachliteratur finden sich zahlreiche Phasen- und Prozessmodelle, wie das achtstufige Modell von Gorges. Gemeinsam ist diesen Modellen die Unterscheidung einer analytisch-diagnostischen und einer Handlungsphase. +([Begriff KPG, S. 142](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-13)) +([Prozessmodelle, S. 143](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-3)) +## Das Prozessmodell KPG und Kooperationsebenen + +Das Prozessmodell ist als zirkuläres Phasenmodell mit sieben Prozessschritten in zwei Phasen konzipiert: einer analytisch-diagnostischen Phase (Situationserfassung, Analyse, Diagnose, Evaluation) und einer Handlungsphase (Zielsetzung, Interventionsplanung und -durchführung). Das Grundverständnis lautet: Vor jeglichem Handeln steht das Bemühen zu verstehen. Das Konzept ist methodenintegrativ — die Methodenwahl erfolgt fallbezogen. +([Prozessmodell, S. 145](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-14)) + +Das Modell berücksichtigt zwei Kooperationsebenen: die Zusammenarbeit mit Klient·innen und Bezugssystemen sowie die intra- und interprofessionelle Kooperation. Im deutschen Kinder- und Jugendhilfegesetz sind beide Kooperationsformen vorgeschrieben; wo dies nicht gesetzlich verankert ist, sollte es im professionellen Selbstverständnis verankert sein. Beide Ebenen umfassen alle Prozessschritte. +([Kooperationsebenen, S. 146](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-4)) + +## Idealtypisches Modell als Denkstruktur + +Das Prozessmodell dient als Orientierungshilfe und Denkstruktur. Gerade weil der Alltag oft unübersichtlich ist und Geschehnisse nicht voraussehbar sind, braucht es diesen Orientierungsrahmen. Der Rückbezug auf das Modell erlaubt, das methodische Handeln aus neu gewonnenen Erkenntnissen neu zu strukturieren. Das Modell ist flexibel: Schritte können je nach Kontext übersprungen oder vertieft werden; in der Praxis überlappen sich einzelne Prozessschritte häufig. +([Unvorhersehbarkeit, S. 147](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-5)) +([Rückbezug, S. 148](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-6)) + +## Zeitliche Dimensionen + +Prozessgestaltung weist unterschiedliche zeitliche Dimensionen auf — von langfristigen Zyklen über ein bis zwei Jahre bis zu situativen Kürzestzyklen innerhalb von Sekunden. Methodisch strukturiertes Handeln zeichnet sich dadurch aus, die verschiedenen Prozesszyklen im Auge zu behalten, handlungsfähig zu bleiben und sie zu verbinden. Professionelle können zudem reagieren, wenn der Auftrag aus fachlicher Sicht nicht mehr sinnvoll erscheint. +([Zeitdimensionen, S. 150](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-7)) +([Prozesszyklen, S. 152](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-9)) +([Auftragsanpassung, S. 151](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-8)) + +## Kooperation auf der Fachebene und Qualitätssicherung + +Die Zusammenarbeit mit Fachpersonen wird entlang des Prozessmodells verbindlich strukturiert. Bei jedem Schritt wird vereinbart, wer welchen Beitrag leistet. Exakte Dokumentationen erhalten besonderen Stellenwert für die Qualitätssicherung, da sie die Überprüfung von Standards ermöglichen. Das Modell dient zudem als Reflexionsinstrument in Supervision und Intervision. +([Qualitätssicherung, S. 155](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-15)) + +## Grundlegende Aspekte und Reflexionskriterien + +KPG ist ein generalistisches, professionstheoretisch fundiertes, methodenintegratives, auf Kooperation ausgerichtetes Konzept. Die Basis bilden die Wissensbestände der Sozialen Arbeit, ein bio-psycho-soziales Menschenbild und Grundorientierungen wie Ressourcen- und Lebensweltorientierung. Zwei Arbeitsprinzipien leiten das Konzept: «erst verstehen, dann handeln» und die Gestaltung einer Arbeitsbeziehung mit gemeinsamer Suchbewegung. +([Grundlegende Aspekte, S. 154](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-10)) + +Für die kritische Überprüfung von Methoden werden fünf Reflexionskriterien herangezogen: Kooperation, Zielsetzung Soziale Arbeit, Professionsethik, Praxisfelder und Aufwand. Jede Methode soll den fallbezogenen wie auch den Qualitätsanforderungen professionellen Handelns genügen. Der Anforderungskatalog aus dem Grundlagenteil bildet hierfür die systematische Basis. +([Reflexionskriterien, S. 157](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-11)) +([Zusammenfassung, S. 158](./chapter_07_konzept-kpg.evidence.md#reference-12)) diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_08_situationserfassung.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_08_situationserfassung.evidence.md index 45eea97..3af833b 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_08_situationserfassung.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_08_situationserfassung.evidence.md @@ -99,4 +99,50 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 182 - **Lines:** 1567-1568 - **Quote:** "Die vorgestellten Methoden für die Situationserfassung sollen im Folgenden kritisch beurteilt und Hinweise zur Evaluation des Prozessschrittes in einem konkreten Fall formuliert werden." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 08 Situationserfassung +- **Section:** 8.1 Aufträge und Auftragsklärung +- **Pages:** 160 +- **Lines:** 1275 +- **Quote:** "Es können drei verschiedene Arten von Aufträgen unterschieden werden: der Auftrag der Sozialen Arbeit, der Organisationsauftrag und der klientenbezogene Auftrag." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 08 Situationserfassung +- **Section:** Aufgaben +- **Pages:** 163 +- **Lines:** 1311 +- **Quote:** "Informationen werden erfasst mit einer Haltung von Offenheit, die um Unvoreingenommenheit bemüht ist, und wohlwollendem Interesse.. Als Leitmotiv dabei kann der prägnante Satz von Meinhold dienen: »So viel wie möglich sehen - so wenig wie möglich verstehen« (1987:207, zit. in Müller 2017:111)." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 08 Situationserfassung +- **Section:** Aufgaben +- **Pages:** 164 +- **Lines:** 1319 +- **Quote:** "Der professionelle Zugang soll sich nicht darauf beschränken zu erfassen, was verschiedene Fall-Beteiligte als schwierig schildern (und worauf sich Handlungserwartungen an die Fachkräfte ergeben). Vielmehr ist der professionelle Blick auf Ressourcen ausgerichtet: auf das Positive, das vorhanden ist, auf das, was Beteiligte als ›gut‹ schildern." + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 08 Situationserfassung +- **Section:** Aufgaben +- **Pages:** 164 +- **Lines:** 1321 +- **Quote:** "Für eine gute Situationserfassung ist die Kooperation mit der Klientin oder mit Klientensystemen unabdingbar. Gemeinsam mit einer Klientin nach wichtigen Informationen zu suchen ist zugleich eine erste Intervention: Sie kann dazu beitragen, dass die Klientin im Erzählen über sich nachdenkt, ihre Situation selbst neu sieht" + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 08 Situationserfassung +- **Section:** 8.3.1 Arbeitsregeln +- **Pages:** 166 +- **Lines:** 1350 +- **Quote:** "Müller (2017) verwendet für den Prozessschritt der Situationserfassung den aus der Medizin stammenden Begriff Anamnese (der sich dort auf die Vorgeschichte einer Erkrankung bezieht). Müller verwendet den Begriff jedoch weiter und fasst darunter die Sammlung von Vorinformationen unterschiedlicher - medizinischer, juristischer, therapeutischer, sozialpädagogischer - Art." + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 08 Situationserfassung +- **Section:** 8.4.2 Narratives Interview +- **Pages:** 171 +- **Lines:** 1428 +- **Quote:** "In den letzten Jahren ist in der Sozialen Arbeit im Rahmen der Biografieforschung das narrative Interview zu einer hilfreichen Methode u. a. im Zusammenhang mit der Situationserfassung geworden, da es einen direkten Zugang zur subjektiven Erlebenswelt von Klienten ermöglicht." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_08_situationserfassung.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_08_situationserfassung.md index f2053c6..f742f4a 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_08_situationserfassung.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_08_situationserfassung.md @@ -1,35 +1,46 @@ # 08 Situationserfassung -Das Kapitel zur Situationserfassung beschreibt den ersten Prozessschritt der KPG. Es umfasst Auftragsklärung, Informationsgewinnung und verschiedene Methoden zur Erhebung der aktuellen Situation. Zentrale Themen sind die systematische Informationssammlung, Beobachtung, Gesprächsführung und die Dokumentation der erfassten Situation. +Die Situationserfassung bildet den ersten Schritt im Modell der Kooperativen Prozessgestaltung. Das Kapitel behandelt Auftragsklärung, Aufgaben und Vorgehen sowie drei zentrale Erfassungsmethoden – Erkundungsgespräche, Beobachtung und Aktenstudium – ergänzt durch Reflexions- und Evaluationsüberlegungen ([Kap. 8 Einleitung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-1)). Die Situationserfassung wird massgeblich durch den Auftrag in einem Fall strukturiert, der den Kontakt und die Arbeitsbeziehung zwischen Fachkraft und Klientin begründet. -**Seiten:** 160-186 -**Zeilen im Quelldokument:** 1269-1638 +## Aufträge und Auftragsklärung -## Key Concepts +Es lassen sich drei Auftragsebenen unterscheiden: der allgemeine Professionsauftrag der Sozialen Arbeit, der Organisationsauftrag und der klientenbezogene Auftrag ([Drei Auftragsarten](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-13)). Der Organisationsauftrag konkretisiert die übergeordnete Zielsetzung für eine bestimmte Zielgruppe und wirkt als Filter. Die klientenbezogenen Aufträge umreissen Themen, beinhalten Anliegen an die Fachkräfte und geben eine grobe Zielrichtung für den Unterstützungsprozess vor – sie bilden die Basis für die professionelle Arbeit ([Klientenbezogene Aufträge](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-2)). Da häufig mehrere, teils widersprüchliche Aufträge vorliegen, ist Auftragsklärung eine kontinuierliche, anspruchsvolle Aufgabe im gesamten Prozess. -- Aufträge und Auftragsklärung -- Aufgaben und Vorgehen -- Aufgaben -- Vorgehen -- Bedeutung und Zielsetzung -- Methodische Hilfsmittel -- Arbeitsregeln -- Strukturierungsmöglichkeiten -- Erkundungsgespräche -- Formen von Erkundungsgesprächen +## Aufgaben und Vorgehen -## Evidence References +Die Aufgabe der Sozialarbeiterin besteht darin, die wichtigsten Informationen zu einem Fall und seinem Kontext zusammenzutragen, um sich ein erstes Bild der Fallsituation zu machen ([Aufgabenbeschreibung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-3)). Dieser Prozessschritt versteht sich zugleich als kontinuierliche Aufgabe, da im Verlauf eines Unterstützungsprozesses die veränderte Gesamtsituation immer wieder neu erfasst werden muss. -- [8          Situationserfassung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-1) (S. 160, Z. 1271) -- [8.1       Aufträge und Auftragsklärung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-2) (S. 161, Z. 1285) -- [8.2       Aufgaben und Vorgehen](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-3) (S. 162, Z. 1301) -- [Aufgaben](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-4) (S. 164, Z. 1317) -- [8.3       Methodische Hilfsmittel](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-5) (S. 165, Z. 1346) -- [8.3.2     Strukturierungsmöglichkeiten](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-6) (S. 167, Z. 1379) -- [8.4.1     Formen von Erkundungsgesprächen](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-7) (S. 170, Z. 1424) -- [Fremdbeobachtung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-8) (S. 174, Z. 1450) -- [Beobachtungsbogen zur fallspezifischen Konkretisierung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-9) (S. 177, Z. 1478) -- [Beobachtungsbogen zur fallspezifischen Konkretisierung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-10) (S. 179, Z. 1522) -- [8.6       Aktenstudium](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-11) (S. 181, Z. 1544) -- [8.7       Reflexion des Prozessschrittes](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-12) (S. 182, Z. 1567) +Informationen werden mit einer Haltung der Offenheit und Unvoreingenommenheit erfasst. Als Leitmotiv dient der Satz von Meinhold: «So viel wie möglich sehen – so wenig wie möglich verstehen» ([Haltung der Offenheit](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-14)). Es gilt, zwischen Informationen und deren Bewertung zu unterscheiden, zwischen objektiven Daten und Geschichten sowie zwischen personenbezogenen Informationen und solchen zur Lebenssituation. In der Sozialen Arbeit geht es stets auch darum, die sogenannte «soziale Dimension» – Lebenssituation und soziale Integration – zu erfassen ([Soziale Dimension](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-4)). +Der professionelle Blick ist auf Ressourcen ausgerichtet: auf das Positive, das vorhanden ist, auf das, was Beteiligte als gut schildern ([Ressourcenorientierung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-15)). Für eine gute Situationserfassung ist die Kooperation mit der Klientin unabdingbar – das gemeinsame Suchen nach Informationen ist zugleich eine erste Intervention, die der Klientin ermöglicht, ihre eigene Situation neu zu sehen ([Kooperation mit Klientin](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-16)). + +Das Vorgehen umfasst die Klärung des Organisationsauftrags und der eigenen Rolle, das Eruieren klientenbezogener Aufträge, die Wahl eines angemessenen Realitätsausschnitts sowie die Auswahl geeigneter Erfassungsmethoden. Die Situationserfassung verläuft oft in mehreren Phasen und kann auch nach einer ersten Erhebung nie als endgültig abgeschlossen gelten. + +## Methodische Hilfsmittel + +Aus dem Organisationsauftrag lässt sich ableiten, welcher Realitätsausschnitt für die Situationserfassung angemessen ist: welche Informationen zu erheben sind und welche zunächst nicht ([Realitätsausschnitt](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-5)). Müller verwendet für diesen Prozessschritt den Begriff Anamnese und hat sieben Arbeitsregeln formuliert, die auf Offenheit, Unvoreingenommenheit und das Hinterfragen des eigenen Zugangs zum Fall abzielen ([Arbeitsregeln nach Müller](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-17)). + +Für die Strukturierung der Situationserfassung existieren verschiedene Hilfsmittel je nach Praxisfeld. Staub-Bernasconi hat Problem-, Ressourcen- und Machtquellen-Karten entwickelt, deren Kategorien bereits für die Situationserfassung nutzbar sind ([Staub-Bernasconi](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-6)). Weitere Strukturierungsvorschläge stammen von Cassée (Basisinformationen), Kobi (Anamnese bei Kindern) und Geiser (systemische Problemanalyse). Für stationäre Einrichtungen empfiehlt sich eine umfassende, schriftlich dokumentierte Situationserfassung. + +## Erkundungsgespräche + +Das Erkundungsgespräch ist die geläufigste Erfassungsmethode. Es dient der Informationsgewinnung über Klientinnen und deren Umfeld und ermöglicht den Aufbau einer Arbeitsbeziehung. Im Lauf von Unterstützungsprozessen ergeben sich verschiedene Möglichkeiten zu formellen und informellen Gesprächen, in denen ausgewählte Aspekte erörtert und zugleich Informationen zur Aktualisierung der Situationserfassung eingeholt werden ([Formelle und informelle Gespräche](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-7)). + +Das narrative Interview bietet einen direkten Zugang zur subjektiven Erlebenswelt von Klienten ([Narratives Interview](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-18)). Es folgt dem Prinzip der Stegreiferzählung nach Schütze und umfasst ein Vorgespräch, eine Haupterzählung, erzählgenerierendes Nachfragen und eine Abschlussphase. In der Praxis wird es selten in Reinform angewandt, doch bleibt das Grundprinzip offener Impulsfragen und aufmerksamen Zuhörens von hohem Wert. + +## Beobachtung + +Beobachtung als Erfassungsmethode umfasst das bewusste, zielgerichtete Wahrnehmen von Situationen und Verhalten. Die Fremdbeobachtung von Klienten kann strukturiert oder frei erfolgen ([Fremdbeobachtung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-8)). Aktiv-teilnehmende, unstrukturierte Beobachtung ist die häufigste Form im Praxisalltag und stellt eine wichtige Informationsquelle dar. Für die systematische Beobachtung empfiehlt sich die Entwicklung fallspezifischer Beobachtungsbogen, bei denen zunächst Vorinformationen, Themen und Hypothesen vergegenwärtigt werden ([Beobachtungsbogen-Entwicklung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-9)). + +Beobachtungsbogen können schrittweise weiterentwickelt werden – von freier Beobachtung über themenspezifische bis hin zu codierten Varianten, mit denen bestimmte Verhaltensweisen systematisch gezählt und Interaktionsmuster erfasst werden ([Codierte Beobachtung](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-10)). Die Selbstbeobachtung der Professionellen ergänzt die Fremdbeobachtung und ist in diese einzubeziehen. + +## Aktenstudium + +Das Aktenstudium ist eine Methode zur reflektierten und fokussierten Erfassung von Informationen aus schriftlichen Unterlagen wie Berichten, Gutachten und Hilfeplänen ([Aktenstudium](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-11)). Akten stellen eine Konstruktion sozialer Wirklichkeit durch Professionelle dar und enthalten vorwiegend deren Sichtweise. Beim Aktenstudium ist daher wichtig, offen zu bleiben, keine Vorurteile zu bilden und Bewertungen als zeitgebundene Einschätzungen zu betrachten. + +## Reflexion und Evaluation + +Die drei Erfassungsmethoden werden anhand der Kriterien Kooperation, Zielsetzung der Sozialen Arbeit, Professionsethik, Praxisfeldeignung und Aufwand reflektiert ([Methodenreflexion](./chapter_08_situationserfassung.evidence.md#reference-12)). Erkundungsgespräche erweisen sich als unverzichtbar, da sie als einzige Methode die Kooperation mit Klientinnen direkt unterstützen. Beobachtung ist eine wichtige ergänzende Methode auf Fachebene. Das Aktenstudium ist nur in ausgewählten Praxisfeldern sinnvoll und bedarf besonders reflektierter Handhabung. Zu bedenken ist, dass die Situationserfassung nie vollständig und abgeschlossen ist, sondern im Laufe einer Prozessgestaltung kontinuierlich ergänzt wird. + +**Seiten:** 160–186 +**Zeilen im Quelldokument:** 1269–1638 diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_09_analyse.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_09_analyse.evidence.md index 9c05240..e7d5e6a 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_09_analyse.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_09_analyse.evidence.md @@ -99,4 +99,50 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 224 - **Lines:** 2087-2088 - **Quote:** "Gemäß den in Kapitel 7.4 erstellten Kriterien zur Reflexion und Beurteilung von Methoden der Sozialen Arbeit überprüfen wir die vorgestellten Analysemethoden und beurteilen sie gemäß den fünf Reflexionskriterien ( Kap. 7.4)." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 09 Analyse +- **Section:** Begriffsdiskussion +- **Pages:** 188 +- **Lines:** 1653-1655 +- **Quote:** "Im vorliegenden Konzept geht es bei der Auslegeordnung im Rahmen der Analyse weniger um das Ordnen bereits vorhanden Daten (aus der Situationserfassung), sondern vielmehr darum, eine andere Art von Daten nämlich Einschätzungen, Bewertungen, Beurteilungen von unterschiedlichen Beteiligten - einzuholen und diese dann in einem strukturierten Vorgehen auszuwerten." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 09 Analyse +- **Section:** Aufgaben +- **Pages:** 190 +- **Lines:** 1666-1667 +- **Quote:** "Eine Analyse dient stets der Klärung , ihr Zweck ist die Bestimmung der Fallthematik. Dabei wird Komplexität zunächst erweitert und anschließend reduziert" + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 09 Analyse +- **Section:** 9.2.2 Perspektivenanalyse auf der Fachebene: Fallinszenierung +- **Pages:** 198 +- **Lines:** 1800-1801 +- **Quote:** "Der Sinn dieser Identifikationsrunde besteht darin, die in einem Fall vorhandenen »Beziehungsmuster, Ängste, Hoffnungen, Erwartungen und Befürchtungen, die bei den handelnden Personen als widersprüchlich und entgegengesetzt vorhanden sind, zu entfalten«" + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 09 Analyse +- **Section:** 9.4.3 Silhouette und Drei-Häuser +- **Pages:** 205 +- **Lines:** 1862-1863 +- **Quote:** "Mit der Methode der Silhouette kann die Selbstsicht einer Person erfasst werden." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 09 Analyse +- **Section:** 9.6.3 Offene Analysefragen +- **Pages:** 219 +- **Lines:** 2010-2012 +- **Quote:** "Es handelt sich nicht um ausdifferenzierte Verfahren und dieser Zugang liegt kaum in verschriftlichter Form vor. Vielmehr sind es Fragen, mit denen eine Einschätzung vorgenommen und eine Fallsituation schnell beurteilt werden soll, und die eine Unterscheidung nahelegen oder nach Veränderungen fragen." + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 09 Analyse +- **Section:** Reflexion zur Auswahl geeigneter Methoden +- **Pages:** 227 +- **Lines:** 2103-2104 +- **Quote:** "Als methodischer Standard bei Kooperativer Prozessgestaltung gilt, dass im Minimum zwei Analysemethoden einzusetzen sind; mindestens eine davon soll die Einschätzungen von Klienten aufnehmen" diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_09_analyse.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_09_analyse.md index 69e3f35..5a06e5f 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_09_analyse.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_09_analyse.md @@ -1,35 +1,46 @@ # 09 Analyse -Das umfangreiche Analysekapitel stellt verschiedene Analysemethoden vor, darunter Perspektivenanalyse, Notationssysteme (Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte), quantitative Verfahren, qualitative Verfahren und systemische Analysemethoden. Es beschreibt das methodische Vorgehen bei der Analyse und bietet Reflexionsfragen zur Qualitätssicherung. +Die Analyse bildet den zweiten Prozessschritt in der Kooperativen Prozessgestaltung. Nachdem die wesentlichen Daten erfasst und vorläufige Themen festgestellt sind, gilt es, eine genauere ([Auslegeordnung vorzunehmen: eine Analyse durchzuführen](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-1)). Das Kapitel stellt verschiedene Analysemethoden vor — von der Perspektivenanalyse über Notationssysteme und quantitative sowie qualitative Verfahren bis hin zu systemischen Methoden — und schliesst mit einer kritischen Methodenreflexion. -**Seiten:** 187-230 -**Zeilen im Quelldokument:** 1639-2181 +Im Unterschied zur Situationserfassung geht es bei der Analyse weniger um das Ordnen vorhandener Daten, sondern darum, ([eine andere Art von Daten — Einschätzungen, Bewertungen, Beurteilungen von unterschiedlichen Beteiligten — einzuholen und diese in einem strukturierten Vorgehen auszuwerten](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-13)). Die Aufteilung zwischen Situationserfassung, Analyse und Diagnose ist im Fachdiskurs nicht einheitlich; Begriffe wie ›Situationsanalyse‹ oder ›soziale Diagnose‹ werden je nach Autorin anders verwendet. -## Key Concepts +## Aufgabe und Vorgehen -- Aufgabe und Vorgehen -- Begriffsdiskussion -- Aufgaben -- Vorgehen -- Kategorisierungsmöglichkeiten von Analysemethoden -- Methoden der Perspektivenanalyse -- Perspektivenanalyse gemeinsam mit Beteiligten -- Perspektivenanalyse auf der Fachebene: Fallinszenierung -- Analyse durch Reflexion des eigenen Erlebens -- Notationssysteme +Die ([Analyse dient stets der Klärung; ihr Zweck ist die Bestimmung der Fallthematik, wobei Komplexität zunächst erweitert und anschließend reduziert wird](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-14)). In der Phase der Datenerhebung wird die Komplexität durch gezielt neue Informationen erhöht; in der Auswertungsphase erfolgt Komplexitätsreduktion durch fachliche Beurteilung und Gewichtung. Die Analyse bezieht sich stets darauf, Probleme und Risiken herauszuarbeiten wie auch individuelle und soziale Ressourcen zu erkennen. -## Evidence References +Das Vorgehen gliedert sich in vier Schritte: Wahl geeigneter Analysemethoden, Datenerhebung (Auslegeordnung), Datenauswertung mittels konstatierender Hypothesen und Herausarbeiten der Fallthematik. Im letzten Schritt wird ([auf der Grundlage der konstatierenden Hypothesen herausgearbeitet, worum genau es in einem Fall geht](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-2)). Die Fallthematik kann zum Diagnoseschritt überleiten oder bei einfacheren Fällen direkt eine Indikation für Interventionen begründen. Die Methoden lassen sich u. a. nach Standardisierungsgrad, Datenart, Perspektivität und Kooperationsebene kategorisieren. -- [9          Analyse](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-1) (S. 187, Z. 1641) -- [Vorgehen](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-2) (S. 191, Z. 1677) -- [9.2.1     Perspektivenanalyse gemeinsam mit Beteiligten](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-3) (S. 194, Z. 1738) -- [9.2.1     Perspektivenanalyse gemeinsam mit Beteiligten](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-4) (S. 196, Z. 1790) -- [9.4       Notationssysteme](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-5) (S. 200, Z. 1816) -- [9.4.2     Zeitstrahl und biografischer Zeitbalken](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-6) (S. 204, Z. 1857) -- [9.4.4     Netzwerkkarte](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-7) (S. 207, Z. 1900) -- [9.5.2     Leitbogen der PRO-ZIEL-Basisdiagnostik](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-8) (S. 211, Z. 1940) -- [9.6.1     Kompetenzanalyse](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-9) (S. 214, Z. 1974) -- [9.6.2     Zugänge für eine Ressourcen- und Problemanalyse](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-10) (S. 218, Z. 2007) -- [9.7.2     Lebensbereich- und Mikrosystemanalyse](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-11) (S. 222, Z. 2047) -- [9.8.1     Methodenreflexion](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-12) (S. 224, Z. 2087) +## Perspektivenanalyse +Bei der Perspektivenanalyse gemeinsam mit Beteiligten werden die Sichtweisen verschiedener Fallbeteiligter erfasst. Die MAP-Methode strukturiert ([Standortgespräche, bei denen Stärken, Bedürfnisse, Träume und Befürchtungen aller Beteiligten herausgearbeitet werden](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-3)). Müller formuliert im Konzept Multiperspektivischer Fallarbeit Arbeitsregeln wie »Was ist für wen ein Problem?« und »Wer hat welche Ressourcen?«. ([Von Spiegel hat für die Situations- und Problemanalyse Arbeitshilfen in Tabellenform erstellt](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-4)), die sowohl Wahrnehmungen als auch Motive und Gefühle erfassen. + +Die Fallinszenierung ermöglicht eine Perspektivenanalyse auf der Fachebene, bei der Kolleg\*innen Rollen von Fallbeteiligten übernehmen; ([der Sinn besteht darin, die vorhandenen Beziehungsmuster, Ängste, Hoffnungen und Befürchtungen zu entfalten](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-15)). Bei der Analyse durch Reflexion des eigenen Erlebens werden Gegenübertragungsgefühle der Professionellen in Anlehnung an Balint-Gruppen als analytischer Zugang genutzt, um die verborgene Thematik eines Falles zu erkennen. + +## Notationssysteme + +Notationssysteme stellen eine Struktur zur Erhebung und ([Visualisierung von fallbezogenen Daten bereit — darunter das Genogramm zur Darstellung familiärer Beziehungen sowie Zeitstrahl und biografischer Zeitbalken für die zeitliche Dimension](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-5)). Das Genogramm wird zum Analyseinstrument, wenn Probleme aufgeführt und der Beziehungscharakter aus Sicht der Klient\*innen qualifiziert wird. + +([Zeitstrahl und Zeitbalken sind teilstandardisierte Methoden, die in jedem Praxisfeld einsetzbar sind und die biografische Dimension fokussieren](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-6)). ([Mit der Silhouette kann die Selbstsicht einer Person erfasst werden](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-16)), indem entlang von Stärken, Schwierigkeiten, Träumen und Albträumen ein Selbstporträt entsteht; die Drei-Häuser-Methode bietet einen ähnlichen Zugang für Kinder. + +Die ([Netzwerkkarte gibt Aufschluss über Kontaktpersonen, deren Verteilung und gegenseitige Vernetzung](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-7)) und ist eines der verbreitetsten Analyseinstrumente in der Sozialen Arbeit. Das Soziogramm dient der Untersuchung sozialer Dynamik in Gruppen. + +## Quantitative und qualitative Verfahren + +Unter den quantitativen Verfahren wird PIE als erster bedeutender Versuch eines übergreifenden Klassifikationssystems skizziert. ([Maja Heiners PRO-ZIEL-Basisdiagnostik bietet ein integratives Konzept für prozessorientierte Dienstleistungsangebote](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-8)), das Belastung in sieben Lebensbereichen erfasst und systematisch zwischen Klient\*innen- und Expertensicht unterscheidet. Die Risiko-Ressourcenanalyse des Bayrischen Landesjugendamtes stellt Checklisten für Kinder und Jugendliche bereit. + +([Cassée hat einen Zugang der Kompetenzorientierung entwickelt, der in der Kinder- und Jugendhilfe der Schweiz als Standard dient](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-9)). Verschiedene Zugänge ermöglichen ([fachliche Fremd-Einschätzungen innerhalb eines Koordinatensystems nach individuellen und sozialen Ressourcen bzw. Problemen](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-10)). + +([Offene Analysefragen sind keine ausdifferenzierten Verfahren, sondern Fragen, mit denen eine Fallsituation schnell beurteilt werden soll](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-17)) — sie ergänzen die systematische Analyse als wichtiger Bestandteil der Alltagsprozessgestaltung. + +## Systemische Analysemethoden + +Systemische Methoden bauen auf einem systemtheoretischen Fundament auf. Die Problem- und Machtquellen-/Ressourcen-Analyse nach Staub-Bernasconi nutzt Entdeckungskarten entlang von vier Dimensionen (Ausstattung, Austausch, Macht, Werte). Die ([Lebensbereichanalyse erfasst die zeitliche Dimension in aktuellen Lebensbereichen, um wesentliche Mikrosysteme zu erkennen](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-11)). Die systemische Analyse untersucht Intra- und Intersystemdynamiken anhand von Organisationsprinzipien wie Hierarchie, Autonomie, Kooperation und Loyalität. + +## Reflexion und Standards + +Die ([Methodenreflexion überprüft die Analysemethoden gemäss den fünf Reflexionskriterien](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-12)) aus Kapitel 7.4. Die meisten Methoden genügen professionsethischen Ansprüchen; bei rein quantitativen Systemen ohne Einbezug der Klient\*innenperspektive gilt dies nur eingeschränkt. + +([Als methodischer Standard bei Kooperativer Prozessgestaltung gilt, dass mindestens zwei Analysemethoden einzusetzen sind, von denen mindestens eine die Einschätzungen der Klient\*innen aufnimmt](./chapter_09_analyse.evidence.md#reference-18)). Die sorgfältige Auswahl und Kombination von Methoden, die strukturierte Auswertung mittels konstatierender Hypothesen und die dialogische Bestimmung der Fallthematik bilden den Kern professioneller Analysekompetenz. + +**Seiten:** 187–230 +**Zeilen im Quelldokument:** 1639–2181 diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_10_diagnose.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_10_diagnose.evidence.md index f257a3c..ddf14f6 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_10_diagnose.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_10_diagnose.evidence.md @@ -99,4 +99,50 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 266 - **Lines:** 2508-2510 - **Quote:** "Entlang den in Kapitel 7.4 erarbeiteten Kriterien zur Reflexion und Beurteilung der Methoden der Sozialen Arbeit überprüfen wir die vorgestellten Methoden bezüglich ihrer Umsetzbarkeit und beurteilen sie anhand der fünf entwickelten Reflexionskriterien ( Kap. 7.4)." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 10 Diagnose +- **Section:** Begriffsklärung +- **Pages:** 233 +- **Lines:** 2194-2194 +- **Quote:** "Etymologisch stammt der Begriff Diagnose aus dem Griechischen und wird übersetzt mit ›unterscheidende Beurteilung und Erkenntnis‹, mit ›durch und durch Erkennen‹ oder ›Durchblick‹ (vgl. Müller 2017:74)." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 10 Diagnose +- **Section:** Diagnose als Mittel zur Professionalisierung +- **Pages:** 233 +- **Lines:** 2198-2198 +- **Quote:** "Dass die Sozialarbeiterin Mary Richmond in ihrem 1917 in New York erschienen Buch ›Social Diagnosis‹ den Begriff erstmals auch für die Soziale Arbeit beanspruchte, gilt als Meilenstein in der Professionsentwicklung." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 10 Diagnose +- **Section:** Aufgabe und Anforderungen +- **Pages:** 234 +- **Lines:** 2206-2206 +- **Quote:** "Aus dem Professionsverständnis der Sozialen Arbeit heraus hat Heiner vier diagnostische Prinzipien entwickelt, die sie in der letzten Publikation dazu als ›professionstheoretische Standards‹ (Heiner 2013:27) bezeichnet hat, und die heute als allgemeine normative Postulate für eine Soziale Diagnostik gelten" + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 10 Diagnose +- **Section:** Expertentätigkeit und dialogische Verständigung +- **Pages:** 237 +- **Lines:** 2230-2230 +- **Quote:** "Diagnosen in der Sozialen Arbeit, so wie sie bisher beschrieben wurden, enthalten Deutungen, welche Professionelle stellvertretend für Klienten vornehmen, indem sie deren Situation unter Beizug von fachlichen Wissensbeständen zu erklären und deren subjektive Sicht der Wirklichkeit zu rekonstruieren und zu erhellen suchen." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 10 Diagnose +- **Section:** Funktionen und Kategorisierungsmöglichkeiten +- **Pages:** 239 +- **Lines:** 2245-2245 +- **Quote:** "Wenn wir uns ausschließlich auf den Prozessschritt Diagnose beziehen und die methodischen Zugänge in den Blick nehmen, dann lassen sich aktuell zwei Kategorien von Diagnosemethoden unterscheiden:" + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 10 Diagnose +- **Section:** 10.3.5 Systemmodellierung +- **Pages:** 265 +- **Lines:** 2496-2496 +- **Quote:** "Mit Systemmodellierung wird eine Diagnosemethode bezeichnet, die in den letzten Jahren auf der Grundlage eines theoretischen Konzepts im Rahmen von Forschungsprojekten an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt wurde" diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_10_diagnose.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_10_diagnose.md index 13b0ab8..324f4de 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_10_diagnose.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_10_diagnose.md @@ -1,35 +1,34 @@ # 10 Diagnose -Das Diagnosekapitel behandelt die Aufgabe und Merkmale professioneller Diagnose in der Sozialen Arbeit. Kernstück ist die Methode des ›Theoriegeleiteten Fallverstehens‹, die einen systematischen Zugang zur Relationierung von Fall und Theorie bietet. Ergänzend werden rekonstruktive Methoden des Fallverstehens vorgestellt. +Diagnose ist ein zentraler Prozessschritt der Kooperativen Prozessgestaltung, bei dem es um das Erhellen und Verstehen eines Falles geht ([S. 232](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-1)). Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet ›unterscheidende Beurteilung und Erkenntnis‹ bzw. ›durch und durch Erkennen‹ ([Begriffsklärung](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-13)). Dass Mary Richmond 1917 mit ›Social Diagnosis‹ den Begriff erstmals für die Soziale Arbeit beanspruchte, gilt als Meilenstein der Professionsentwicklung ([Professionalisierung](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-14)). Alice Salomon führte den Begriff 1926 in Deutschland ein; seither haben zahlreiche Publikationen die Entwicklung einer eigenständigen sozialen Diagnostik vorangetrieben. -**Seiten:** 232-273 -**Zeilen im Quelldokument:** 2182-2602 +## Aufgabe, Prinzipien und Merkmale -## Key Concepts +Diagnostik befasst sich mit der Frage, wie angesichts komplexer Lebensverhältnisse eine sinnvolle Unterstützung gefunden werden kann. Heiner hat vier diagnostische Prinzipien als ›professionstheoretische Standards‹ formuliert, die als normative Postulate gelten ([Heiners Prinzipien](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-15)): sozialökologische, multiperspektivische, partizipative und reflexive Orientierung. Mittelpunkt des Fallverstehens ist die subjektive Sichtweise des Klientensystems; der Zugang ist hermeneutisch und zielt darauf, den Eigen-Sinn in der Lebensgeschichte eines Menschen zu entschlüsseln. Jede Diagnose hat eine handlungsleitende und prognostische Funktion — sie soll Antworten liefern auf die Frage, was zu tun ist. -- Aufgabe und Merkmale -- Begriffsklärung -- Diagnose als Mittel zur Professionalisierung -- Aufgabe und Anforderungen -- Merkmale -- Funktionen und Kategorisierungsmöglichkeiten -- Theoriegeleitetes Fallverstehen -- Beizug von Theoriewissen in verschiedenen Konzepten -- Methodisches Vorgehen bei der Relationierung von Fall und Theorie -- Erster Schritt: Wahl geeigneter Wissensbestände +Diagnosen sind wissensbasierte Deutungen von Wirklichkeit, deren Richtigkeit offen bleibt ([Merkmale](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-2)). Ihre Validierung erfolgt einerseits durch die Beurteilung der Klient\*innen als angemessen, andererseits durch die Wirksamkeit der daraus abgeleiteten Interventionen. Diagnosen haben stets Hypothesencharakter und sind prozesshaft: Sie werden im Verlauf eines Unterstützungsprozesses gemeinsam mit dem Klientensystem überprüft und weiterentwickelt. -## Evidence References +## Expertentätigkeit und dialogische Aushandlung -- [10        Diagnose](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-1) (S. 232, Z. 2184) -- [Merkmale](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-2) (S. 235, Z. 2217) -- [Funktionen und Kategorisierungsmöglichkeiten](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-3) (S. 239, Z. 2254) -- [Erster Schritt: Wahl geeigneter Wissensbestände](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-4) (S. 242, Z. 2280) -- [Beispiel:](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-5) (S. 245, Z. 2313) -- [Partizipative Orientierung: Kooperatives Fallverstehen](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-6) (S. 247, Z. 2333) -- [Wichtigste Informationen zum Fall und Fallthematik](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-7) (S. 250, Z. 2365) -- [Erklärende Hypothesen (Lebensbewältigungskonzept)](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-8) (S. 253, Z. 2393) -- [10.3     Rekonstruktives Fallverstehen](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-9) (S. 257, Z. 2440) -- [10.3.2   Fallrekonstruktion](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-10) (S. 260, Z. 2462) -- [Sozialpädagogisch-hermeneutische Diagnose für die Jugendh...](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-11) (S. 263, Z. 2484) -- [10.4.1   Methodenreflexion](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-12) (S. 266, Z. 2508) +Professionelle nehmen stellvertretend für Klient\*innen Deutungen vor, indem sie deren Situation unter Beizug fachlicher Wissensbestände zu erklären suchen ([Expertentätigkeit](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-16)). Demgegenüber betont die Aushandlungsrichtung (Merchel, Kunstreich) den gemeinsamen diskursiven Prozess als Kern der Diagnose. Ein wesentlicher Bestandteil besteht darin, fachliche Deutungen in den Aushandlungsprozess einzubringen und sie ›den Menschen zurückzugeben‹. Die partizipative Orientierung ist als Qualitätsstandard sozialer Diagnostik festgeschrieben. +## Funktionen und Methodenkategorien + +Heiner unterscheidet vier Funktionen sozialer Diagnostik: Orientierungs-, Zuweisungs-, Gestaltungs- und Risikodiagnostik ([Funktionen](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-3)). Bezogen auf den Prozessschritt Diagnose lassen sich zwei Kategorien von Diagnosemethoden unterscheiden ([Kategorien](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-17)): wissensbasierte Methoden, die einen Fall auf der Folie eines ›Allgemeinen‹ erhellen, und rekonstruktive Methoden, die mittels qualitativer Sozialforschung Selbstdeutungsmuster und handlungsleitende Sinnstrukturen rekonstruieren. + +## Theoriegeleitetes Fallverstehen + +Die zentrale wissensbasierte Diagnosemethode ist das theoriegeleitete Fallverstehen, das in fünf Schritten vorgeht. Zunächst werden anhand der Fallthematik geeignete Wissensbestände gewählt — grundsätzlich kommen Theorien der Sozialen Arbeit und aller Nachbardisziplinen in Frage ([Wahl der Wissensbestände](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-4)). Im zweiten Schritt erfolgt die Relationierung von Theorie und Fall durch ›theoriegeleitete Fallüberlegungen‹. Drittens werden die Erklärungen fokussiert und als ›erklärende Hypothesen‹ in der Form ›Weil …‹ festgehalten ([erklärende Hypothesen](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-8)). Der vierte Schritt mündet in der handlungsleitenden Arbeitshypothese, die einen Blickwechsel einleitet: zurückschauend auf die Erklärungen und vorausblickend auf die Zielrichtung ([Arbeitshypothese](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-5)). Im fünften Schritt werden Folgerungen für die Professionellen abgeleitet, die als Brücke zur Interventionsplanung dienen. + +Die dialogische Validierung der Erkenntnisse mit dem Klientensystem ist dabei zentral: Vom Klienten als hilfreich beurteilte Erklärungen werden in die Arbeitshypothese aufgenommen ([partizipative Validierung](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-6)). Ein ausführliches Fallbeispiel illustriert das Vorgehen am Fall eines 24-jährigen Mannes in einer geschützten Wohneinrichtung ([Fallbeispiel](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-7)), bei dem drei theoretische Zugänge — Lebensbewältigungskonzept, psychosoziale Entwicklungstheorie und systemischer Ansatz — genutzt und die Erkenntnisse in einer handlungsleitenden Arbeitshypothese verdichtet werden. Als niederschwellige Variante wird das erfahrungsbasierte Fallverstehen mit der Methode ›Böser Blick – freundlicher Blick‹ vorgestellt. + +## Rekonstruktives Fallverstehen + +Seit den 1980er Jahren wurden in Orientierung an einer ethnografischen Perspektive rekonstruktive Diagnosemethoden entwickelt ([rekonstruktive Methoden](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-9)). Auf der Basis autobiografischer Erzählungen werden handlungsleitende Sinnkonstruktionen rekonstruiert. Vorgestellt werden die Objektive Hermeneutik (Oevermann), die Fallrekonstruktion nach Haupert — eine ›rekonstruktiv verfahrende Kunstlehre‹, die ausschliesslich auf der Ebene der Professionellen stattfindet ([Fallrekonstruktion](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-10)) — sowie die narrativ-biografische Diagnostik (Fischer/Goblirsch) und die sozialpädagogisch-hermeneutische Diagnose (Uhlendorff), bei der Kinder ab dem 10. Lebensjahr ihre Selbst- und Weltdeutungen mitteilen ([Uhlendorff](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-11)). Die Systemmodellierung schliesslich wurde an der FHNW auf der Grundlage der Kategorien Integration und Lebensführung entwickelt und ermöglicht die Visualisierung psycho-sozialer Dynamiken ([Systemmodellierung](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-18)). + +## Methodenreflexion + +Die Methoden werden anhand der in Kapitel 7.4 erarbeiteten Reflexionskriterien beurteilt ([Reflexion](./chapter_10_diagnose.evidence.md#reference-12)). Alle erfüllen professionsethische Kriterien in hohem Mass. Empfohlen wird das theoriegeleitete Fallverstehen als vielseitig einsetzbare Methode, die partizipative Orientierung gewährleistet und Interventionshinweise erarbeitet, oder — im stationären Kontext — die narrativ-biografische Diagnostik. + +**Seiten:** 232–273 +**Zeilen im Quelldokument:** 2182–2602 diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_11_zielsetzung.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_11_zielsetzung.evidence.md index 9afb60e..8b3d774 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_11_zielsetzung.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_11_zielsetzung.evidence.md @@ -100,3 +100,50 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Lines:** 2766-2766 - **Quote:** "Bei jeder Zielfindung und -setzung ist in zweifacher Hinsicht Bezug zu nehmen auf den Prozessschritt Diagnose bzw. Analyse." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 11 Zielsetzung +- **Section:** 11.1 Aufgabe, Bedeutung und Formen +- **Pages:** 275 +- **Lines:** 2611 +- **Quote:** "Abgeleitet vom griechischen Begriff ›Telos‹ (Ende, Schluss(punkt)) besagt der Begriff Ziel in den verschiedensten Disziplinen und Lebensbereichen, dass das Denken oder Handeln auf etwas ausgerichtet ist, das man erreichen möchte." + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 11 Zielsetzung +- **Section:** 11.1 Aufgabe, Bedeutung und Formen +- **Pages:** 275 +- **Lines:** 2611 +- **Quote:** "In unserem Konzept unterscheiden wir einerseits den in verschiedensten Konzeptionen angesprochenen Zeithorizont der Ziele mit den drei Ebenen Fernziele, Grobziele und Feinziele." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 11 Zielsetzung +- **Section:** Lösungsorientierung +- **Pages:** 277 +- **Lines:** 2621 +- **Quote:** "De Shazer et al. suchen in der lösungsorientierten Arbeit mit Klienten nach Situationen, in denen ein bestimmtes Problem nicht aufgetaucht ist." + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 11 Zielsetzung +- **Section:** 11.1 Aufgabe, Bedeutung und Formen +- **Pages:** 276 +- **Lines:** 2613 +- **Quote:** "Das gemeinsame Entwickeln von Zielen stellt auch eine Antwort dar auf die ethische und fachliche Anforderung, Klientinnen nicht zu manipulieren, weil man ja nur das Beste für sie erreichen möchte und möglicherweise glaubt, den Verbesserungsbedarf bereits erkannt zu haben." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 11 Zielsetzung +- **Section:** Hierarchisierung +- **Pages:** 288 +- **Lines:** 2709 +- **Quote:** "Als Kriterien für gute Grobziele gelten: sie sind - im Falle von Bildungszielen - den Klientinnen wichtig, bedeutsam und diagnosebasiert . Sie sind motivierend, werden als erreichbar angesehen und sind akzeptiert." + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 11 Zielsetzung +- **Section:** 11.4 Formulierung von Zielen +- **Pages:** 289 +- **Lines:** 2748 +- **Quote:** "In unserem Konzept werden im Prozessschritt Zielsetzung deshalb ausschließlich Grobziele formuliert. Sie sollen analyse-diagnosebasiert entwickelt werden und für die Beteiligten wichtig und motivierend sein." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_11_zielsetzung.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_11_zielsetzung.md index 0d775cf..8ce67d7 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_11_zielsetzung.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_11_zielsetzung.md @@ -1,35 +1,46 @@ # 11 Zielsetzung -Das Kapitel zur Zielsetzung beschreibt Aufgabe, Bedeutung und Formen der Arbeit mit Zielen in der Sozialen Arbeit. Es behandelt die kooperative Zielfindung mit Klientinnen, einschließlich der Arbeit mit wenig motivierten Klientinnen, und stellt Methoden der Zielformulierung und -hierarchisierung vor. +Die Zielsetzung bildet den vierten Prozessschritt der Kooperativen Prozessgestaltung und markiert den Übergang von der analytisch-diagnostischen Phase zur Handlungsplanung. ([Mit der Formulierung der handlungsleitenden Arbeitshypothese wird ein erster Schritt von der Diagnose zu den Zielsetzungen unternommen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-1)), indem der Fokus auf das gerichtet wird, was den Interventionsprozess leiten soll. Dem eigentlichen Setzen von Zielen geht ein längerer ([Prozess der Zielfindung voraus, der einen analytisch-diagnostischen Prozess miteinschließt](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-2)) und als äußerst bedeutsam erachtet wird. -**Seiten:** 274-292 -**Zeilen im Quelldokument:** 2603-2822 +## Begrifflichkeit und Bedeutung -## Key Concepts +([Abgeleitet vom griechischen Begriff ›Telos‹ besagt der Begriff Ziel, dass das Denken oder Handeln auf etwas ausgerichtet ist, das man erreichen möchte](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-13)). Ein Ziel bezeichnet einen zukünftig zu erstrebenden Zustand und ist dadurch charakterisiert, dass ein Mensch zu dessen Erreichung aktiv werden muss. Damit aus einer Wunschvorstellung ein Ziel wird, braucht es einen Verwirklichungsvorsatz — eine Willenserklärung und Entscheidung, die eigenen Kräfte auf das Ziel zu konzentrieren, auch wenn das Erreichen ergebnisoffen bleibt. -- Aufgabe, Bedeutung und Formen -- Die Arbeit mit Zielen in anderen Konzepten -- Lösungsorientierung -- Das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) -- Zielfindung und Zielsetzung in Kooperation -- Zielfindung mit wenig motivierten Klientinnen -- Dialogisches Aushandeln von Zielen -- Formulierung von Zielen -- Bildungs- und Unterstützungsziele -- Kopf, Herz, Hand: Ein mögliches Zielentwicklungssystem +Es gibt unterschiedliche Formen und Ebenen von Zielen. Das KPG-Konzept ([unterscheidet den Zeithorizont der Ziele mit den drei Ebenen Fernziele, Grobziele und Feinziele](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-14)) und differenziert zudem, wer im Fokus eines Zieles steht: Bildungsziele von Klient*innen und damit zusammenhängende Unterstützungsziele der Professionellen. -## Evidence References +## Lösungsorientierung und Zürcher Ressourcen Modell -- [11        Zielsetzung](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-1) (S. 274, Z. 2605) -- [11.1     Aufgabe, Bedeutung und Formen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-2) (S. 276, Z. 2613) -- [Das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-3) (S. 279, Z. 2625) -- [Zielfindung mit wenig motivierten Klientinnen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-4) (S. 281, Z. 2639) -- [Dialogisches Aushandeln von Zielen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-5) (S. 283, Z. 2651) -- [11.4     Formulierung von Zielen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-6) (S. 284, Z. 2667) -- [Bildungs- und Unterstützungsziele](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-7) (S. 285, Z. 2677) -- [Kopf, Herz, Hand: Ein mögliches Zielentwicklungssystem](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-8) (S. 286, Z. 2700) -- [Fernziel](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-9) (S. 287, Z. 2722) -- [11.5     Reflexion des Prozessschrittes](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-10) (S. 289, Z. 2752) -- [11.5.1   Methodenreflexion](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-11) (S. 290, Z. 2760) -- [11.5.1   Methodenreflexion](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-12) (S. 290, Z. 2766) +Zwei Konzepte aus psychosozialen Nachbardisziplinen sind für die Zielfindung besonders relevant. Der lösungsorientierte Ansatz basiert auf dem Modell der Kurzzeittherapie: ([De Shazer et al. suchen in der lösungsorientierten Arbeit mit Klienten nach Situationen, in denen ein bestimmtes Problem nicht aufgetaucht ist](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-15)). Der Fokus liegt auf Gelingendem und Ressourcen statt auf Problemerklärungen. In der Sozialen Arbeit sind jedoch Setting und Auftragsstruktur zu berücksichtigen — Problemdefinition und -erhellung bleiben wichtige Schritte, ehe gezielt Lösungen konstruiert werden können. +Das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM), ([dessen Ausführungen auf den Arbeiten von Maja Storch und Frank Krause basieren](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-3)), betont die Rolle somatischer Marker und unbewusster Bewertungsprozesse bei der Zielarbeit. Über Bilder und deren Transformation in Sprache entstehen sogenannte Motto-Ziele — Haltungsziele, die als Annäherungsziele formuliert werden, vollständig der eigenen Kontrolle unterliegen und eine positive Affektbilanz aufweisen sollen. + +## Kooperative Zielfindung + +([Das gemeinsame Entwickeln von Zielen stellt eine Antwort dar auf die ethische und fachliche Anforderung, Klientinnen nicht zu manipulieren](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-16)). Übergeordnete Orientierungslinie bildet die grundlegende Ausrichtung der Sozialen Arbeit: Ziele sollen die (Wieder-)Herstellung einer autonomen Lebenspraxis unterstützen und zur Bewältigung eines gelingenden Alltags beitragen. Professionelle erkunden mit Klient*innen, was subjektiv wichtig und bedeutsam ist, und erarbeiten Bildungsziele, die einen Kompetenzzuwachs anvisieren. + +Im Zwangskontext hat die ([Soziale Arbeit häufig mit Klienten zu tun, die professionelle Hilfe nicht von sich aus gesucht haben und keine konkreten Vorstellungen vom Unterstützungsprozess haben](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-4)). Der eigene Wille bleibt auch hier das entscheidende Kriterium für Veränderung. Professionelle formulieren zunächst Unterstützungsziele als Orientierungslinie für das eigene Handeln, um Erfahrungsfelder zu schaffen, durch die Klient*innen schrittweise (wieder) eigene Perspektiven entwickeln können. + +## Dialogisches Aushandeln + +Der Zielfindungsprozess vollzieht sich als Pendelbewegung: ([Der Blick geht zurück zu den zu Beginn der gemeinsamen Arbeit formulierten Anliegen und den aufgespürten Ressourcen, auf Fallthematik und Arbeitshypothese — dann richtet er sich in die Zukunft](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-5)), erforscht bedeutsame Veränderungen und vergegenwärtigt erneut die analytisch-diagnostischen Erkenntnisse. Die Verständigung über Ziele ist aufwändig, da Machtverhältnisse, Durchsetzungsvermögen und kulturelle Aushandlungsformen berücksichtigt werden müssen. Von Professionellen verlangt dies die Rolle des ›selbstreflexiven mitbetroffenen Verhandlungspartners‹, der inhaltliche Präferenzen hat, konsensorientiert vermittelt und Partizipation ermöglicht. + +## Zielformulierung und Hierarchisierung + +([Gute Zielformulierungen stellen eine Herausforderung dar](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-6)), weil verschiedenste Qualitätsanforderungen gleichzeitig zu erfüllen sind. Zu offene Ziele (›Verbesserung des Sozialverhaltens‹), überdetaillierte Beschreibungen und Negativ-Ziele sind zu vermeiden; stattdessen sind Ziele stets positiv als Anstrebensziele zu formulieren. + +Aus dem ([übergeordneten Auftrag, wonach Unterstützungs- und Vernetzungsprozesse Bildungsprozesse von Klientinnen ermöglichen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-7)), ergibt sich die Unterscheidung in Bildungsziele (für Klient*innen, die nur von ihnen selbst bzw. gemeinsam mit Professionellen formuliert werden) und Unterstützungsziele (für Professionelle, die den Bildungsprozess ermöglichen). Bildungsziele können nie verordnet werden, sondern erfordern Partizipation. + +([Auf der Ebene der Bildungsziele soll nicht nur der Verstand, sondern der ganze Mensch angesprochen sein](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-8)) — im Sinne von Pestalozzis Grundsatz ›Kopf, Herz und Hand‹. Ziele sollen dem Kopf Aufgaben stellen, das Herz ansprechen und die Möglichkeit eröffnen, etwas Konkretes zu tun. Diese drei Ebenen müssen stimmig zusammengeführt werden, damit Bildungsziele für Klient*innen wichtig, bedeutsam und motivierend sind. + +Die Hierarchisierung erfolgt in drei Ebenen: Fernziele geben den Orientierungsrahmen, Grobziele werden aus diagnostischen Erkenntnissen abgeleitet, Feinziele operationalisieren diese für die Interventionsplanung. ([Als Kriterien für gute Grobziele gelten: sie sind den Klientinnen wichtig, bedeutsam und diagnosebasiert, motivierend, erreichbar und akzeptiert](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-17)). Feinziele folgen den SMART-Kriterien (spezifisch, messbar, ausgehandelt, realistisch, terminiert), werden aber erst im Rahmen der Interventionsplanung formuliert. ([Im Prozessschritt Zielsetzung werden deshalb ausschließlich Grobziele formuliert](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-18)), die analyse-diagnosebasiert und für alle Beteiligten motivierend sein sollen. + +Ein ([konkretes Fallbeispiel aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-9)) illustriert, wie Bildungs- und Unterstützungsziele auf Grob- und Feinzielebene gemeinsam mit Jugendlichen erarbeitet und hierarchisiert werden können. + +## Reflexion + +Die ([methodischen Hilfsmittel bei der Zielsetzung werden einer kritischen Reflexion unterzogen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-10)), wobei keine abgrenzbaren Methoden im eigentlichen Sinne vorliegen. Kennzeichen ist die größtmögliche Beteiligung auf Klientenseite. ([Professionsethisch sind die Vorgehensweisen gut vertretbar, da sie die größtmögliche Beteiligung der Klientinnen vorsehen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-11)); kritisch wird es im Zwangskontext, wenn Klient*innen Ziele verbal akzeptieren, sie aber nicht wirklich anstreben. + +([Bei jeder Zielfindung ist in zweifacher Hinsicht Bezug auf Diagnose bzw. Analyse zu nehmen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-12)): einerseits als inhaltliche Grundlage (Arbeitshypothese/Fallthematik), andererseits als Hinweis auf kritische Punkte im kooperativen Zielfindungsprozess. Der Aufwand für die gemeinsame Zielfindung wird oft unterschätzt, lohnt sich aber, weil mit der Zielvereinbarung eine Verbindlichkeit hergestellt wird, die systematisches Arbeiten an Lösungen ermöglicht. + +**Seiten:** 274–292 +**Zeilen im Quelldokument:** 2603–2822 diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_12_interventionsplanung.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_12_interventionsplanung.evidence.md index b828b78..a2a2d87 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_12_interventionsplanung.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_12_interventionsplanung.evidence.md @@ -99,4 +99,42 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 312 - **Lines:** 3043-3045 - **Quote:** "Die verschiedenen methodischen Überlegungen zur Interventionsplanung von den Interventionsmodi über die handlungsleitenden Konzepte und spezifischen Interventionsmethoden, über EBP bis hin zu den Vorgehensschritten im Konzept Kooperative Prozessgestaltung - sollen im Folgenden kritisch reflektiert werden." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 12 Interventionsplanung +- **Section:** Aufgabe und Vorgehen +- **Pages:** 295 +- **Lines:** 2835-2835 +- **Quote:** "Erst auf der Basis reflektierter Interventionsszenarien werden gemeinsam mit einer Klientin, einer Gruppe oder mit Akteuren eines Gemeinwesens Interventionen ausgewählt (= Bewegung der Schließung ) und auf eine Weise geplant, dass alle Beteiligten wissen, was zu tun ist und wer wofür zuständig ist." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 12 Interventionsplanung +- **Section:** Organisations- und fallbezogene Handlungslogik +- **Pages:** 300 +- **Lines:** 2885-2885 +- **Quote:** "Eine Organisation mit einem offenen Planungskonzept hingegen bietet einen Rahmen für die Entwicklung und Realisierung fallbezogen sinnvoller Interventionen; die Standardisierung von Prozessabläufen - die bei Bedarf variierbar sind kann dabei unterstützend wirken. Flexibilität ist ein Kennzeichen solcher Organisationen." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 12 Interventionsplanung +- **Section:** Schritt 2: Interventionsmöglichkeiten entwerfen +- **Pages:** 308 +- **Lines:** 2981-2981 +- **Quote:** "Zunächst geht es bei der Suche nach Interventionsmöglichkeiten darum, das Blickfeld möglichst weit zu öffnen, kreativ zu sein, neue Möglichkeiten des Vorgehens vorerst ohne Einschränkungen zu erfinden, den Organisationsauftrag sowie die Ressourcen zu berücksichtigen und zugleich das Erfahrungswissen der Praxisorganisation zu nutzen" + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 12 Interventionsplanung +- **Section:** Schritt 4: Entscheiden, planen, synchronisieren, organisieren +- **Pages:** 311 +- **Lines:** 3026-3026 +- **Quote:** "Auf der Basis der Reflexion unterschiedlicher Interventionsmöglichkeiten werden die besten Interventionen ausgewählt." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 12 Interventionsplanung +- **Section:** 12.6.1 Methodenreflexion +- **Pages:** 313 +- **Lines:** 3051-3051 +- **Quote:** "Sorgfältige Interventionsplanung bedeutet einen gewissen Aufwand , der sich u. E. jedoch unbedingt lohnt: Die kurze Rückschau ermöglicht, diagnostische Erkenntnisse angemessen zu berücksichtigen und die Ausrichtung auf Grobziele zu gewährleisten." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_12_interventionsplanung.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_12_interventionsplanung.md index 313870a..c1087c4 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_12_interventionsplanung.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_12_interventionsplanung.md @@ -1,35 +1,46 @@ # 12 Interventionsplanung -Das Kapitel zur Interventionsplanung beschreibt Aufgabe und Formen der Planung, diskutiert Planbarkeit und Rahmenbedingungen und stellt verschiedene Konzepte und Methoden vor. Besonders behandelt werden evidenzbasierte Soziale Arbeit, kooperative Planung und die konkreten Vorgehensschritte bei fallbezogener Interventionsplanung. +Die Interventionsplanung ist ein zentraler Prozessschritt der Kooperativen Prozessgestaltung, der auf Analyse, Diagnose und Zielsetzung aufbaut. Bereits in vorausgegangenen Prozessschritten fanden Interventionen statt — etwa wenn Klientinnen zu biografischen Erzählungen angeregt oder diagnostische Erkenntnisse gemeinsam besprochen wurden ([S. 293](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-1)). Von Intervention im engeren Sinne wird gesprochen, wenn auf der Grundlage einer Analyse und im Hinblick auf Grobziele ein umfassender Handlungsplan entwickelt und realisiert wird. Zwei Phasen lassen sich unterscheiden: die Interventionsplanung und die daran anschließende Umsetzung. -**Seiten:** 293-316 -**Zeilen im Quelldokument:** 2823-3114 +**Seiten:** 293–316 +**Zeilen im Quelldokument:** 2823–3114 -## Key Concepts +## Aufgabe und Formen -- Aufgabe und Formen -- Aufgabe und Vorgehen -- Interventionsmodi und -typen -- Planbarkeit und Rahmenbedingungen -- (Nicht-)Planbarkeit von Prozessen -- Organisations- und fallbezogene Handlungslogik -- Konzepte und Methoden -- Konzepte als Handlungsorientierung -- Spezielle Methoden und Techniken -- Evidenzbasierte Soziale Arbeit +Die zentrale Frage dieses Prozessschrittes lautet: Was ist zukünftig in einem Fall zu tun? Auf der Basis analytischer und diagnostischer Erkenntnisse sollen Möglichkeiten des Vorgehens entworfen und reflektiert werden — eine Bewegung der Öffnung. Erst auf der Basis reflektierter Interventionsszenarien werden gemeinsam mit Klientinnen Interventionen ausgewählt und so geplant, dass alle Beteiligten wissen, was zu tun ist und wer wofür zuständig ist ([S. 295](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-13)). Dem Prinzip der Ressourcenorientierung kommt dabei besondere Bedeutung zu: Alle individuellen und sozialen Ressourcen sollen genutzt werden, um Lebensbedingungen zu verbessern und den Handlungsspielraum zu vergrößern. -## Evidence References +Müller unterscheidet drei Interventionsmodi: den *Eingriff* (mit Machtausübung, nur bei Gefährdung legitimiert), das *Angebot* (basierend auf Freiwilligkeit, differenziert in Rahmenangebote und spezifische fallbezogene Angebote) sowie das *gemeinsame Handeln* ([S. 295](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-2)). Als Leitlinie gilt, Eingriffshandeln möglichst zu beschränken und in gemeinsames Handeln zu überführen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen situations- und personenbezogenen Interventionen: Veränderungen der Situation bergen oft großen Mehrwert, wie ein Beispiel aus der stationären Behindertenhilfe eindrücklich zeigt ([S. 296](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-3)). -- [12        Interventionsplanung](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-1) (S. 293, Z. 2825) -- [Interventionsmodi und -typen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-2) (S. 295, Z. 2841) -- [Interventionsmodi und -typen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-3) (S. 296, Z. 2851) -- [(Nicht-)Planbarkeit von Prozessen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-4) (S. 298, Z. 2875) -- [12.3     Konzepte und Methoden](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-5) (S. 299, Z. 2889) -- [12.3.2   Spezielle Methoden und Techniken](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-6) (S. 301, Z. 2905) -- [12.3.3   Evidenzbasierte Soziale Arbeit](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-7) (S. 302, Z. 2922) -- [12.3.3   Evidenzbasierte Soziale Arbeit](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-8) (S. 303, Z. 2936) -- [Interventionsplanung zusammen mit Klientinnen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-9) (S. 305, Z. 2954) -- [Schritt 1: Vorüberlegungen zum Vorgehen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-10) (S. 307, Z. 2970) -- [Schritt 3: Reflexion der Interventionsmöglichkeiten](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-11) (S. 309, Z. 3001) -- [12.6     Reflexion des Prozessschrittes](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-12) (S. 312, Z. 3043) +## Planbarkeit und Rahmenbedingungen +Wegen des strukturellen Technologiedefizits sind sozialpädagogische Interventionen stets ergebnisoffen. Professionelle müssen Unterstützungsprozesse planen können im Wissen um die Eigendynamik von Bildungsprozessen und die Ergebnisoffenheit der Interventionen ([S. 298](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-4)). Die Lösung liegt in einer *rollenden Planung*: Nur die erste Interventionsphase wird detailliert geplant, weitere Phasen erst nach Zwischenevaluation konkretisiert. + +Institutionelle Rahmenbedingungen beeinflussen die Interventionsplanung erheblich. Geschlossene, schematisierte Planungskonzepte können eine Haltung des ›immer bereits Wissens‹ präformieren. Organisationen mit offenen Planungskonzepten hingegen bieten einen Rahmen für fallbezogen sinnvolle Interventionen, bei dem Flexibilität und Erfahrungswissen als Ressource dienen ([S. 300](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-14)). + +## Konzepte, Methoden und Evidence Based Practice + +Die Interventionsplanung stützt sich auf handlungsleitende Konzepte wie Empowerment, Lebensweltorientierung und den Lösungsorientierten Ansatz, die eine Hintergrundfolie bilden und jeweils fallspezifisch angepasst werden müssen ([S. 299](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-5)). Daneben wurden in den Praxisfeldern spezifische Interventionsmethoden und Techniken entwickelt oder aus anderen Disziplinen adaptiert, etwa Themenzentrierte Interaktion, systemische Gesprächsführung oder Psychodrama ([S. 301](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-6)). + +Unter dem Ansatz der *Evidence Based Practice* (EBP) wird systematisch erforscht, welche Interventionen sich für welche Problemlagen eignen. EBP ist ein zyklisches Entscheidungsfindungsmodell in fünf Schritten: Frage formulieren, Evidenz suchen, kritisch bewerten, mit Klientensituation abgleichen und die eigene Effektivität evaluieren ([S. 302–303](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-7)). Abschließend ist die eigene Effizienz bei der Durchführung zu bewerten und nach Optimierungsmöglichkeiten zu suchen ([S. 303](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-8)). EBP bietet eine sinnvolle Orientierung, insbesondere wenn für ein spezielles Problem Forschungsergebnisse beigezogen werden können. + +## Kooperative Planung + +Interventionsplanung geschieht idealerweise gemeinsam mit Klientinnen. Ein kooperatives Vorgehen bedeutet, einen Rahmen zu schaffen, in dem diagnostische Erkenntnisse vermittelt und besprochen, Grobziele formuliert und Interventionsvorschläge gemeinsam entwickelt werden — ohne sie sogleich hinsichtlich Angemessenheit zu bewerten. Auch in Zwangskontexten lassen sich Strategien finden, die am unmittelbaren Interesse des Klienten ansetzen — etwa an seinem Wunsch, die unerwünschte Hilfe wieder loszuwerden ([S. 305](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-9)). Die Ausweitung der Wahlmöglichkeiten steht dabei im Zentrum. + +Auf der Fachebene dient die Hilfekonferenz als Gefäß, in dem alle am Fall beteiligten Fachpersonen und relevante Bezugspersonen gemeinsam Interventionen aushandeln und koordinieren. Die fallführende Sozialpädagogin hat die Aufgabe, den Planungsprozess auf Klienten- und Fachebene zu vernetzen und in eine gemeinsame Planung überzuführen. Noch weiter in Richtung Selbstermächtigung geht das Konzept der *Family Group Conferences* (Familienrat), bei dem die Beratung über mögliche Interventionen ausschließlich im Kreise der von der Klientin eingeladenen Bezugspersonen stattfindet. + +## Vorgehensschritte der Interventionsplanung + +Die KPG strukturiert die fallbezogene Interventionsplanung in vier Schritte: + +In **Schritt 1** (Vorüberlegungen) werden die wichtigsten Erkenntnisse aus Situationserfassung, Analyse, Diagnose und Zielsetzung zusammengefasst, damit sie als Rahmen dienen und nicht ungenutzt bleiben ([S. 307](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-10)). Dazu gehören relevante Fakten, die Fallthematik, die Arbeitshypothese und die vereinbarten Grobziele. Auch ist zu klären, ob die Organisation sich an einem handlungsleitenden Konzept orientiert. + +In **Schritt 2** (Entwerfen) geht es darum, das Blickfeld möglichst weit zu öffnen und kreativ neue Vorgehensmöglichkeiten zu erfinden, ohne vorschnelle Einschränkungen, unter Nutzung des Erfahrungswissens der Organisation ([S. 308](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-15)). Ressourcen der Klientin und des gesamten Umfelds sind einzubeziehen, wobei sich die Suche besonders auf mögliche Veränderungen von Situationen konzentrieren sollte. Als Faustregel gilt, mindestens 20 bis 25 Ideen zusammenzutragen. + +**Schritt 3** (Reflexion) bewertet die gesammelten Interventionsideen mittels verschiedener Szenarien — Best Case, Worst Case, Katastrophengeschichte und Nichts-tun-Szenario —, um Wirkungen und unerwünschte Nebenfolgen abzuschätzen ([S. 309](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-11)). Darüber hinaus werden Ressourcen, Einflussfaktoren, ethische Aspekte, Handlungsbedarf und die Team-Ebene reflektiert. + +In **Schritt 4** (Entscheiden und Planen) werden auf der Basis dieser Reflexion die besten Interventionen ausgewählt ([S. 311](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-16)), Zuständigkeiten geklärt, ein Zeitrahmen festgelegt und die erste Interventionsphase im Sinne der rollenden Planung detailliert geplant. Konkret wird beantwortet: Wer macht wann was? Wer ist wofür verantwortlich? Was wird wie dokumentiert? Wann finden Zwischenevaluationen statt? + +## Reflexion und Evaluation + +Die sorgfältige Interventionsplanung bedeutet Aufwand, der sich jedoch lohnt: Die Rückschau ermöglicht, diagnostische Erkenntnisse angemessen zu berücksichtigen und die Ausrichtung auf Grobziele zu gewährleisten ([S. 313](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-17)). Die breite Suche nach Interventionsmöglichkeiten, das Abschätzen von Wirkungen und Nebenfolgen sowie das Abwägen von Interventionsmodus und -typ können den Unterstützungsprozess optimal leiten. Die verschiedenen methodischen Überlegungen — von Interventionsmodi über handlungsleitende Konzepte und EBP bis zu den Vorgehensschritten — sind stets kritisch zu reflektieren ([S. 312](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-12)). Evaluationsfragen helfen rückblickend zu prüfen, ob diagnostische Erkenntnisse genutzt, die Fallbearbeitung wirklich geöffnet, Interventionsmöglichkeiten kritisch reflektiert und Klientinnen ihren Möglichkeiten entsprechend beteiligt wurden. diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md index 14c1d00..89b1c47 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md @@ -98,5 +98,50 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Section:** 13.6.2   Evaluationsfragen - **Pages:** 328 - **Lines:** 3251-3253 -- **Quote:** "Evaluation und Reflexion auf der Grundlage strukturierter systematischer Dokumentation sind in der Interventionsdurchführung ganz wesentliche Aufgaben, die kontinuierlich zu leisten sind. Daraus ergeben sich ganz viele Fragen, welche für die Evaluation leitend sind:" +- **Quote:** "Evaluation und Reflexion auf der Grundlage strukturierter systematischer Dokumentation sind in der Interventionsdurchführung ganz wesentliche Aufgaben, die kontinuierlich zu leisten sind. Daraus ergeben sich ganz viele Fragen, welche für die Evaluation leitend sind:"## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung +- **Section:** 13.1 Aufgabe und Bedeutung +- **Pages:** 317 +- **Lines:** 3121 +- **Quote:** "Im Wissen um die unterschiedliche Auslegung von Interesselage wie auch um die unterschiedliche Interpretation von Vereinbarungen kommt der Koordination eine zentrale Rolle zu." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung +- **Section:** 13.1 Aufgabe und Bedeutung +- **Pages:** 318 +- **Lines:** 3123 +- **Quote:** "Generell besteht während der ganzen Interventionsdurchführung neben der Koordination eine Informationsnotwendigkeit , wobei auf eine angemessene Dosierung zu achten ist." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung +- **Section:** 13.1 Aufgabe und Bedeutung +- **Pages:** 318 +- **Lines:** 3132 +- **Quote:** "Die implizite Zielsetzung heißt immer, sich selbst als Unterstützerin überflüssig zu machen oder in Fällen, wo dies nicht möglich ist, dies weitestgehend zu tun." + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung +- **Section:** 13.2 Durchführung im engeren Sinne +- **Pages:** 320 +- **Lines:** 3146 +- **Quote:** "Realistischerweise sind von Anfang an Szenarien des Scheiterns oder des Eskalierens von bestimmten Situationen miteinzubeziehen (siehe dazu Szenario des worst-case in Kap. 12.5), dies nicht im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, sondern zur Verhinderung einer inadäquaten Erwartungshaltung, die unnötigerweise Druck erzeugt." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung +- **Section:** 13.3 Person als Arbeitsinstrument +- **Pages:** 321 +- **Lines:** 3157-3158 +- **Quote:** "In der Interventionsdurchführung ist der Sozialpädagoge als ganze Person in die Arbeitsbeziehung mit Klienten involviert. Er hat die Aufgabe, Einheit von Theorie und Praxis in der Interaktion mit Klienten in und mit seiner Person herzustellen" + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung +- **Section:** 13.3.2 Emotionale Verstrickungen +- **Pages:** 323 +- **Lines:** 3180 +- **Quote:** "Eine Falle für Professionelle kann darin bestehen, emotional darauf angewiesen zu sein, gebraucht zu werden." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_13_interventionsdurchfuehrung.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_13_interventionsdurchfuehrung.md index db42f41..96f9707 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_13_interventionsdurchfuehrung.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_13_interventionsdurchfuehrung.md @@ -1,35 +1,47 @@ # 13 Interventionsdurchführung -Das Kapitel zur Interventionsdurchführung behandelt die Umsetzung geplanter Interventionen. Themen sind die Durchführung im engeren Sinne, die Person als Arbeitsinstrument, Rollenwechsel, emotionale Verstrickungen, Monitoring und Controlling sowie Dokumentation. Die Bedeutung der Reflexion des eigenen Handelns wird hervorgehoben. +Die Interventionsdurchführung bildet den Prozessschritt, in dem das zuvor Ausgehandelte und Vereinbarte unmittelbar umgesetzt wird ([S. 317](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-1)). Gemeint ist die Intervention im engeren Sinne, die direkt an die Interventionsplanung anschliesst und nicht die Interventionen, die während der übrigen Prozessschritte stattfinden. Im Zentrum stehen Koordination, Vernetzung, die Person als Arbeitsinstrument, Monitoring/Controlling sowie Dokumentation. -**Seiten:** 317-331 -**Zeilen im Quelldokument:** 3115-3297 +## Aufgabe und Bedeutung -## Key Concepts +Alle Beteiligten gehen von den ausgehandelten Zielen, Aufgaben und Abmachungen aus. Die Situation erweist sich trotz Planung als komplex, da Beteiligte von unterschiedlichen Ausgangspunkten ausgehen und Prioritäten verschieden setzen. Deshalb kommt der Koordination eine [zentrale Rolle](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-13) zu. Interventionsaufgaben und -aufträge sind bei der Aushandlung sehr präzise zu fassen und schriftlich festzuhalten; sie erfüllen eine Ordnungs- und Orientierungsfunktion. -- Aufgabe und Bedeutung -- Durchführung im engeren Sinne -- Person als Arbeitsinstrument -- Rollenwechsel: Von aktiver Unterstützung hin zu Begleitung -- Emotionale Verstrickungen -- Monitoring und Controlling -- Dokumentation -- Reflexion des Prozessschrittes -- Methodenreflexion -- Evaluationsfragen +Neben der Koordination besteht während der ganzen Durchführung eine [Informationsnotwendigkeit](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-14), wobei auf angemessene Dosierung zu achten ist. Die fallführende Sozialpädagogin, Case Managerin oder Systemvernetzerin trägt die Gesamtverantwortung und stimmt alle Leistungen aufeinander ab. -## Evidence References +Aufgabe in diesem Prozessschritt ist neben der Umsetzung der Interventionsplanung das Durchführen von Zwischenevaluationen, das Formulieren von weiteren Feinzielen und die Modifikation der Unterstützungsleistung. Eine zentrale Aufgabe stellt die mehrdimensionale Vernetzung dar: Abstimmung der beteiligten Personen, Verbindung von Personen und Organisationen, Informationsfluss sowie Zusammenführen gemeinsamer und paralleler Einzeltätigkeiten. Ziel ist das angemessene Einbinden aller Beteiligten, der Austausch nötiger Informationen und das [Gewinnen von Synergien](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-2). -- [13        Interventionsdurchführung](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-1) (S. 317, Z. 3117) -- [13.1     Aufgabe und Bedeutung](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-2) (S. 318, Z. 3130) -- [13.2     Durchführung im engeren Sinne](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-3) (S. 320, Z. 3140) -- [13.2     Durchführung im engeren Sinne](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-4) (S. 320, Z. 3148) -- [13.3.1   Rollenwechsel: Von aktiver Unterstützung hin zu ...](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-5) (S. 321, Z. 3162) -- [13.3.1   Rollenwechsel: Von aktiver Unterstützung hin zu ...](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-6) (S. 322, Z. 3170) -- [13.3.2   Emotionale Verstrickungen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-7) (S. 323, Z. 3180) -- [13.3.2   Emotionale Verstrickungen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-8) (S. 323, Z. 3186) -- [13.4     Monitoring und Controlling](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-9) (S. 325, Z. 3203) -- [13.5     Dokumentation](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-10) (S. 325, Z. 3213) -- [13.5     Dokumentation](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-11) (S. 327, Z. 3235) -- [13.6.2   Evaluationsfragen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-12) (S. 328, Z. 3251) +Die wichtigste Zielsetzung bildet die effektive, zielgerichtete Unterstützung unter optimaler Nutzung der Mittel. Die implizite Zielsetzung heisst dabei immer, sich selbst als [Unterstützerin überflüssig zu machen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-15). +## Durchführung im engeren Sinne + +Während der Umsetzung sind die Interventionsmodi und -typen fortlaufend auf Angemessenheit zu prüfen. Bei jeder Veränderung ist zu überlegen, ob Eingriffshandeln noch angezeigt ist, die Angebotspalette erweitert oder ob Eingriffshandeln in gemeinsames Handeln überführt werden soll. + +Bei Übergaben eines Falls an neue Bezugspersonen ist zu gewährleisten, dass alle notwendigen Informationen übermittelt werden, damit nicht die gleichen Fehler wiederholt und bisherige Bemühungen der Klienten entwertet werden. Sozialpädagogen haben kritisch zu prüfen, ob Organisationsstrukturen die nötige Abstimmung unterstützen, und allfällige differierende Interessen [offenzulegen und auszubalancieren](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-3). + +Realistischerweise sind von Anfang an [Szenarien des Scheiterns oder Eskalierens](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-16) miteinzubeziehen — nicht als sich selbst erfüllende Prophezeiung, sondern zur Verhinderung inadäquater Erwartungshaltungen, die unnötigerweise Druck erzeugen. + +Interventionen sind nicht nach eigenen Werten und Normvorstellungen durchzuführen, denn [Wunschdenken kann zu Enttäuschung führen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-4). Im Sinne der Kooperativen Prozessgestaltung gilt es, bei Differenzen achtsam zu sein, immer wieder auszuhandeln und teils unbewusste eigene Wertorientierungen zu reflektieren. Interventionsdurchführung schliesst eine kontinuierliche kritische Reflexion des eigenen Handelns im Hinblick auf die zugrunde liegende Bewertung und Erhellung des Falls ein. + +## Person als Arbeitsinstrument + +Der Sozialpädagoge ist als [ganze Person in die Arbeitsbeziehung involviert](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-17) und hat Einheit von Theorie und Praxis in der Interaktion herzustellen. Daraus ergeben sich zentrale Implikationen für den Interventionsprozess. + +**Rollenwechsel:** Beim gemeinsamen Handeln wird eine [Differenzierung hinsichtlich Aktivitätsgrad](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-5) vorgeschlagen — nicht als bipolare Unterteilung, sondern als Kontinuum eines allmählichen Rollenwechsels. Anfangs hat die Sozialpädagogin oft die Rolle der Initiatorin und Motivatorin inne; sie sucht Kontakt, formuliert Unterstützungsziele und handelt manchmal stellvertretend. Professionelle müssen den Grad an Unterstützung dosieren können — oszillierend zwischen hoher Aktivität und Begleitung aus dem Hintergrund. Die [Entscheidung erfolgt stets unter Ungewissheit](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-6). Idealerweise wandelt sich die aktive Rolle zunehmend zur Rolle des Begleiters, der die Eigentätigkeit der Klientin unterstützt. Dabei sind Fähigkeiten des Loslassens gefragt: aushalten können, dass die Klientin Dinge anders macht als vorgestellt, aber durchaus gelingend hinsichtlich ihrer selbständigen Lebenspraxis. + +**Emotionale Verstrickungen:** Loslassen und sich Zurücknehmen stellt [spezifische Herausforderungen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-7) an die Persönlichkeit. Eine Falle kann darin bestehen, [emotional darauf angewiesen zu sein, gebraucht zu werden](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-18). Persönliche Verstrickungen lassen sich oft durch Überprüfung der Zielsetzung erkennen: Geht es wirklich um Ziele der Klienten, oder um Selbstbestätigung? Der Einsatz persönlicher Fähigkeiten und Vorlieben ist stets darauf zu prüfen, ob er den [Bedürfnissen der Klientinnen entspricht](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-8). Kontinuierliche Selbstreflexion — auch über Supervision und Intervision — ist unverzichtbar und kann als Chance zu persönlichem Wachstum verstanden werden. + +## Monitoring und Controlling + +Im Case Management umfassen Controlling und Monitoring die Koordination von Unterstützungsleistungen, das Aufrechterhalten eines angemessenen Informationsflusses sowie die Be- und Auswertung von Leistungen und Massnahmen. Das Controlling beinhaltet ein [vorausschauend angelegtes Überprüfen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-9), um Optimierungschancen zu erkennen. + +Strategisches Controlling richtet sich auf den Gesamtablauf; operatives Controlling fokussiert den Einsatz der Beteiligten, die gewählten Methoden und Instrumente, Umwelteinflüsse, die inter- und intraprofessionelle Kooperation, die Angemessenheit der eingesetzten Mittel sowie die entstehenden Kosten. + +## Dokumentation + +Dokumentationen werden über Klientinnen geschrieben, für ausgewählte Gruppen mit bestimmtem Auftrag verfasst und fokussieren sowohl die [Unterstützungsarbeit als auch Veränderungen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-10) der Klientin. Sie sollen reflektiert, systematisch, objektivierbar, effektiv, effizient und rechtlich legitimiert sein. Transparenz über Umfang und Zweck der Dokumentation ist gegenüber den Beteiligten herzustellen; sie unterstehen dem Datenschutz. + +Der institutionelle Auftrag beeinflusst die Berichte; deshalb ist die [Sichtweise aller Beteiligten einzubeziehen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-11) und auf grosse Sorgfalt zu achten. Berichte bilden oft Entscheidungsgrundlagen — etwa für Sozialhilfe, Abklärungsberichte an Gerichte oder Entwicklungsberichte im stationären Kontext — und sind sachlogisch sowie gut strukturiert zu verfassen. Die Dokumentation soll den Fokus auf die Unterstützungsleistung richten, damit erkennbar wird, wie das methodische Handeln hergeleitet und realisiert wurde. + +## Reflexion + +Evaluation und Reflexion auf Grundlage strukturierter Dokumentation sind [ganz wesentliche Aufgaben](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-12), die kontinuierlich zu leisten sind. Leitende Evaluationsfragen betreffen die plangemässe Umsetzung, die Koordinationsaufgabe, Zwischenevaluationen, die Anpassung der Interventionsmodi, den fallbezogenen Rollenwechsel, persönliche Verstrickungen, das operative Controlling sowie die systematische Dokumentation unter Wahrung des Datenschutzes. diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_14_evaluation.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_14_evaluation.evidence.md index 1561d35..485b40e 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_14_evaluation.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_14_evaluation.evidence.md @@ -99,4 +99,50 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Pages:** 345 - **Lines:** 3470-3471 - **Quote:** "Das Vorgehen bei einer einzelfallbezogenen Prozessevaluation soll im Folgenden in Bezug auf die Reflexionskriterien für Methoden in der Sozialen Arbeit in summarischer Weise überprüft werden." +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 14 Evaluation +- **Section:** 14.1 Formen und Aufgabe +- **Pages:** 332 +- **Lines:** 3306-3308 +- **Quote:** "»Evaluationen sind datenbasierte und methodisch angelegte Beschreibungen und Bewertungen von Programmen, Projekten und Maßnahmen. Sie lassen sich an Gütekriterien überprüfen und zielen unter Berücksichtigung des jeweiligen Kontextes systematisch darauf ab, zu einer rationaleren Entscheidungsfindung und zu einer Verbesserung der Problemlösungsansätze beizutragen« (Jurt 2005:53 f.)." +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 14 Evaluation +- **Section:** Aufgabe von Evaluation +- **Pages:** 336 +- **Lines:** 3334-3336 +- **Quote:** "Evaluation beinhaltet die Möglichkeit zu lernen - aus den Fehlern ebenso wie aus erfolgreichen Prozessen. »Was hat's gebracht?«, lautet bei Müller folgerichtig das Motto von Evaluation (vgl. 2012:161)." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 14 Evaluation +- **Section:** Kultur der Offenheit und Fehlerfreundlichkeit +- **Pages:** 337 +- **Lines:** 3342-3344 +- **Quote:** "In der Organisationsentwicklung der 1980er und 90er Jahre wurde der Begriff der ›lernenden Organisation‹ geprägt für »Organisationen, in denen die Menschen kontinuierlich die Fähigkeiten entfalten können, ihre wahren Ziele zu verwirklichen, in denen neue Denkformen gefördert (…) werden und in denen Menschen lernen, miteinander zu lernen« (Senge 1998:11)." + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 14 Evaluation +- **Section:** Reflexionsgefäße und Dokumentation +- **Pages:** 338 +- **Lines:** 3368-3370 +- **Quote:** "Evaluation braucht eine Datengrundlage . »Jegliche Form der (Selbst-)Evaluation lebt von der Qualität der Datenerhebung«, hat von Spiegel (1994:39) festgehalten." + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 14 Evaluation +- **Section:** Gesamtbeurteilung und Folgerungen +- **Pages:** 344 +- **Lines:** 3448-3450 +- **Quote:** "Dies ist die zentrale Dimension, gilt es doch, Schlussfolgerungen aus den (bisherigen) Evaluationsergebnissen zu ziehen. Es geht um eine Gesamtschau, um die Frage, was gelernt werden kann, wenn die Erkenntnisse insgesamt betrachtet werden." + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 14 Evaluation +- **Section:** 14.4.1 Methodenreflexion +- **Pages:** 346 +- **Lines:** 3476-3478 +- **Quote:** "Evaluation hat in allen Praxisfeldern eine sehr hohe Bedeutung. Diese organisierte Pause, die Distanznahme und kritische Reflexion ermöglicht, ist unabdingbar für den gesamten Prozess Kooperativer Prozessgestaltung wie auch für die einzelnen Prozessschritte." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_14_evaluation.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_14_evaluation.md index 5ed31c9..46290b5 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_14_evaluation.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_14_evaluation.md @@ -1,35 +1,47 @@ # 14 Evaluation -Das Evaluationskapitel beschreibt Formen und Aufgaben der Evaluation professionellen Handelns. Es behandelt Voraussetzungen wie eine Kultur der Offenheit und Fehlerfreundlichkeit, stellt das systematische Vorgehen mit Evaluationsdimensionen und -kriterien vor und verbindet die Evaluation mit den vorherigen Prozessschritten. +Evaluation bildet den abschliessenden Prozessschritt der Kooperativen Prozessgestaltung: ([»Auswerten, Bilanz ziehen und daraus lernen: Das sind die abschließenden Aufgaben bei jedem Unterstützungsprozess«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-1)). Im Sinne von Jurt sind Evaluationen ([»datenbasierte und methodisch angelegte Beschreibungen und Bewertungen von Programmen, Projekten und Maßnahmen«, die zu rationalerer Entscheidungsfindung und Verbesserung der Problemlösungsansätze beitragen sollen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-13)). Evaluation umfasst nach König drei Aufgaben: die Sammlung von Informationen, deren Analyse sowie die Interpretation der gewonnenen Erkenntnisse. Im Konzept der KPG steht die fallbezogene Selbstevaluation im Zentrum: Professionelle untersuchen und bewerten ihr eigenes Handeln in einem konkreten Fall. -**Seiten:** 332-348 -**Zeilen im Quelldokument:** 3298-3521 +## Formen und Abgrenzung -## Key Concepts +Evaluation lässt sich nach verschiedenen Kriterien differenzieren: extern vs. intern, Fremd- vs. Selbstevaluation, summativ vs. formativ, Output- vs. Inputevaluation. ([Eine Evaluation kann sich auf unterschiedliche Ebenen beziehen und verschiedene Funktionen erfüllen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-2)). Grohmanns Drei-Ebenen-Modell unterscheidet Evaluation professionellen Handelns (Fallebene), auf Organisationsebene und hinsichtlich der gesellschaftlichen Funktion Sozialer Arbeit. Die fallbezogene Evaluation der KPG entspricht der ersten Ebene. -- Formen und Aufgabe -- Formen von Evaluation -- Evaluationsforschung und Qualitätssicherung -- Evaluation, Supervision und Reflexion -- Aufgabe von Evaluation -- Voraussetzungen -- Kultur der Offenheit und Fehlerfreundlichkeit -- Reflexionsgefäße und Dokumentation -- Vorgehen -- Zeitpunkte, Beteiligte und Hilfsmittel +Auf Organisationsebene ist Evaluation eng mit Qualitätsentwicklung und -management verknüpft; Standardisierungen von Abläufen und Dokumentationsvorgaben sollen die Überprüfung von Effektivität und Effizienz ermöglichen. Von Spiegel weist der Evaluation vier eng verwobene Funktionen zu: Kontrolle, Aufklärung, Qualifizierung und Innovation. -## Evidence References +Von der Supervision ist die fallbezogene Evaluation klar abzugrenzen: Während Supervision die emotionale Verstrickung der Professionellen und das professionelle Setting fokussiert, richtet die Evaluation den Blick auf Bildungsprozesse der Klient:innen und die Gestaltung des Unterstützungsprozesses. ([Die Begriffe Reflexion und Evaluation sind wenig trennscharf und werden manchmal synonym verwendet](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-3)); Reflexion gilt als allgemeine, im Habitus verankerte Aufgabe, Evaluation dagegen als strukturierte, kriteriengeleitete Überprüfung des Handelns, die Reflexionsfähigkeit voraussetzt. -- [14        Evaluation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-1) (S. 332, Z. 3300) -- [Formen von Evaluation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-2) (S. 333, Z. 3316) -- [Evaluation, Supervision und Reflexion](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-3) (S. 335, Z. 3328) -- [Aufgabe von Evaluation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-4) (S. 336, Z. 3338) -- [Kultur der Offenheit und Fehlerfreundlichkeit](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-5) (S. 337, Z. 3354) -- [Reflexionsgefäße und Dokumentation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-6) (S. 338, Z. 3364) -- [14.3.2   Evaluationsdimensionen, -kriterien, -fragen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-7) (S. 340, Z. 3384) -- [Evaluationsdimension Handlungsphase](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-8) (S. 342, Z. 3409) -- [Evaluationsdimension ›analytische Phase‹](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-9) (S. 343, Z. 3428) -- [Evaluationsdimension Kooperation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-10) (S. 344, Z. 3441) -- [Erfolgt die Evaluation im Rahmen eines laufenden](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-11) (S. 344, Z. 3458) -- [14.4.1   Methodenreflexion](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-12) (S. 345, Z. 3470) +## Aufgabe und Bedeutung +Die zentrale Frage lautet ([»Was hat's gebracht?«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-14)). Evaluation beinhaltet die Möglichkeit, aus Fehlern wie aus erfolgreichen Prozessen zu lernen. Ohne sie wüssten Professionelle nicht, ob ihre Interventionen wirken, ob Ziele erreicht werden und ob ein Fall angemessen verstanden wurde. Wo Handeln nicht standardisierbar ist, sondern fallbezogen gestaltet wird, ist dieses ›sich selbst und das eigene Handeln erforschen wollen‹ ein Kernbestandteil von Professionskompetenz. + +Auf der Fallebene bedeutet Evaluation auch, die geleistete Arbeit zu würdigen: Wertzuschätzen, was erreicht worden ist, und zu benennen, was schwierig war. Bei längerfristigen Arbeitsbeziehungen stellt eine solche Rückschau einen Beitrag zur Psychohygiene und Burnout-Prophylaxe dar. Im Sinne der Ressourcenorientierung soll gemeinsam festgestellt und dokumentiert werden, was gut gelaufen und gelungen ist. ([Evaluation ist auf alle anderen Prozessschritte bezogen und diese wiederum auf die Evaluation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-4)) — sowohl als abschliessende Gesamtevaluation wie auch als kurze Auswertung jedes einzelnen Prozessschritts. + +## Voraussetzungen + +Evaluation muss gewollt und organisiert werden. Der Begriff der ›lernenden Organisation‹ beschreibt ([»Organisationen, in denen die Menschen kontinuierlich die Fähigkeiten entfalten können, ihre wahren Ziele zu verwirklichen, in denen neue Denkformen gefördert werden und in denen Menschen lernen, miteinander zu lernen«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-15)). Analog wird eine ›lernende Profession‹ vorgeschlagen, in der Fehler und Scheitern als Chance zu gemeinsamem Lernen begriffen werden. + +Müller formuliert drei Arbeitsregeln: Evaluation erfordert ehrliches Zugänglichmachen empfindlicher Punkte, ein angstfreies Klima sowie Rahmenbedingungen, die Offenheit und ungeschützte Kritik erleichtern. ([Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die Fehlerfreundlichkeit einer Fachperson die Klientin von Versagensgefühlen entlasten und einen neuen Möglichkeitsraum eröffnen kann](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-5)). Auch die gemeinsame Evaluation mit Klient:innen setzt voraus, dass trotz struktureller Machtasymmetrie und bestehendem Abhängigkeitsverhältnis eine Atmosphäre geschaffen wird, in der ehrliche und kritische Rückmeldungen möglich sind. + +## Reflexionsgefässe und Dokumentation + +Fallbezogene Evaluation ist eine bewusst organisierte Pause im Prozess, die es ermöglicht, aus der Eigendynamik auszusteigen und Distanz zu gewinnen. ([Solche Unterbrechungen brauchen institutionalisierte Gefässe — auf der Fachebene etwa Fallbesprechungen, Intervisionen oder Fallrückblicksitzungen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-6)). Auf der Kooperationsebene dienen Beratungs- und Bezugspersonengespräche sowie Standortgespräche als Evaluationsgefässe. Es ist Aufgabe der Organisation, solche Gefässe zu etablieren, und Aufgabe der Professionellen, sie zu nutzen und zu gestalten. + +([»Jegliche Form der (Selbst-)Evaluation lebt von der Qualität der Datenerhebung«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-16)): Erforderlich ist eine systematische, kontinuierliche schriftliche Dokumentation des Unterstützungsprozesses in Form von Protokollen und Akteneinträgen. Fallbezogene Evaluation ist auf sorgfältige Dokumentation der vorangegangenen Prozessschritte angewiesen; zugleich wird auch die Evaluation selbst dokumentiert. + +## Vorgehen: Dimensionen und Kriterien + +Die Evaluation erfolgt entlang dem Prozessmodell in vier Dimensionen. ([Jeder Prozessschritt kann rückblickend anhand von Kriterien beurteilt werden, die aus der Literatur und dem Prozessmodell erarbeitet wurden](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-7)). Die Sozialarbeiterin wählt fallbezogen relevante Kriterien aus und entscheidet, welche Fragen in welchem Gefäss und mit wem thematisiert werden. Neben der abschliessenden Bilanz sind bei längerfristigen Prozessen regelmässige Zwischenevaluationen zu vereinbaren, wobei die zeitlichen Abstände sich nach dem institutionellen Kontext und den Erfordernissen des Falls richten. + +**Handlungsphase:** Interventionen werden anhand der Kriterien Wirklichkeit, Wirksamkeit, Wünschbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Angemessenheit und Realitätsbezug beurteilt; hinzu kommen Bewertung der Zielerreichung und Beurteilung der Zielsetzung. ([Für die gemeinsame Evaluation mit dem Klientensystem sind die Fragen umzuformulieren und geeignete kreative Hilfsmittel zu finden](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-8)). + +**Analytische Phase:** Es wird überprüft, ob sich die Arbeitshypothese bestätigt hat, ob geeignete Analysemethoden gewählt wurden und ob die Situationserfassung angemessen war. ([Klient:innen können etwa gefragt werden, ob sie sich aufgrund der Gespräche besser verstehen und welche Stärken sie entdeckt haben](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-9)). + +**Kooperation:** Die Zusammenarbeit mit dem Klientensystem und auf der Fachebene wird evaluiert — sowohl intraprofessionell im sozialpädagogischen Team als auch interprofessionell mit externen Hilfesystemen. ([Beispielhafte Fragen: »Was waren für Dich die Sternstunden Deines Aufenthaltes? Was war das Wichtigste, was jemand von uns gemacht hat?«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-10)). + +**Gesamtbeurteilung:** ([Es geht um eine Gesamtschau und die Frage, was gelernt werden kann, wenn die Erkenntnisse insgesamt betrachtet werden](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-17)). Daraus werden Folgerungen für die Weiterarbeit im Fall, für die Organisation und die Profession abgeleitet. ([Bei Abschlussgesprächen werden Klient:innen gefragt, was sie mitnehmen und woran sie sich erinnern wollen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-11)). + +## Methodenreflexion + +([Das Vorgehen bei der Prozessevaluation wird an den Reflexionskriterien für Methoden in der Sozialen Arbeit überprüft](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-12)). Zentral sind das Kriterium der Kooperation — die Einschätzungen von Klient:innen und anderen Professionellen sind einzuholen — sowie die Prüfung der Vereinbarkeit individueller Ziele mit den allgemeinen Zielsetzungen Sozialer Arbeit. Unter professionsethischen Gesichtspunkten ist sowohl die Ressourcenorientierung bei der Evaluation wichtig als auch die kritische Überprüfung des Eingriffshandelns im Rahmen des Kriteriums Angemessenheit. + +([Evaluation hat in allen Praxisfeldern eine sehr hohe Bedeutung; die organisierte Pause ist unabdingbar für den gesamten Prozess Kooperativer Prozessgestaltung](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-18)). Der Aufwand lässt sich durch die Kompetenz, einen Fall hinsichtlich des Evaluationsbedarfs zu ›screenen‹ und relevante Dimensionen auszuwählen, auf ein handhabbares Mass reduzieren. Abschliessend reflektiert die Fachperson, ob die Evaluation auf einer echten Kultur der Offenheit basierte, ob alle wichtigen Dimensionen berücksichtigt und relevante Beteiligte einbezogen wurden. diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_15_schlusswort.evidence.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_15_schlusswort.evidence.md index c85b3c1..ec88f7d 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_15_schlusswort.evidence.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_15_schlusswort.evidence.md @@ -84,3 +84,18 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md) - **Lines:** 3552-3554 - **Quote:** "In diesem Sinne soll das vorliegende Lehrbuch einen Beitrag leisten zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit: Dazu, dass Klienten, die mit Schwierigkeiten der Alltagsbewältigung und mit sozialer Benachteiligung zu kämpfen haben, von den zuständigen Sozialarbeitern in ihrem Autonomiebestreben und [...]" +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 15 Schlusswort +- **Section:** 15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessgestaltung lernen kann +- **Pages:** 351 +- **Lines:** 3540-3541 +- **Quote:** "Ein ganz grundlegender Aspekt von Professionskompetenz ist die kontinuierliche Selbstreflexion, der fachliche Austausch und die gemeinsame Reflexion von Professionellen. Hierfür sind Gefäße zu institutionalisieren, welche die Grundlage für professionelles Handeln bilden." + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit +- **Chapter:** 15 Schlusswort +- **Section:** 15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessgestaltung lernen kann +- **Pages:** 352-353 +- **Lines:** 3546-3547 +- **Quote:** "Als vielleicht größte Herausforderung erweist sich dabei der Übergang von der analytisch-diagnostischen zur Handlungsphase: Analyse- und diagnosebasiert gemeinsam mit Klienten Grobziele zu formulieren, die für sie bedeutsam sind sowie die Interventionsplanung auf den bisher erarbeiteten Erkenntnissen aufzubauen - das ist vielerorts ein neues Vorgehen, das vieler Übung bedarf." diff --git a/knowledge-base/arbeit/chapter_15_schlusswort.md b/knowledge-base/arbeit/chapter_15_schlusswort.md index d775a32..779f57f 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/chapter_15_schlusswort.md +++ b/knowledge-base/arbeit/chapter_15_schlusswort.md @@ -1,20 +1,31 @@ # 15 Schlusswort -Das Schlusswort reflektiert, wie Kooperative Prozessgestaltung erlernt werden kann. Es fasst die wesentlichen Erkenntnisse des Lehrbuchs zusammen und gibt Hinweise für die Umsetzung in Studium und Praxis. +Dem Konzept Kooperative Prozessgestaltung liegt ein spezifisches Fachlichkeitsverständnis zugrunde, ([das die Kooperation mit Klient*innen in den Mittelpunkt stellt und ein Prozessmodell als Orientierungsrahmen für professionelles Denken und Handeln bereitstellt](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-1)). Im Lehrbuch wurden die wichtigsten Methoden und Instrumente im deutschsprachigen Raum systematisiert. Das zentrale Anliegen ist die Vermittlung eines Grundverständnisses professionellen Handelns, das sich in Kurzformeln fassen lässt: ›zuerst verstehen, dann handeln‹ als Suchbewegung des Fallverstehens, Offenheit und Neugier, die Verschränkung von Fachebene und Kooperation mit Klient*innen sowie das Wissen, in welchem Prozessschritt man sich bewegt. -**Seiten:** 349-353 -**Zeilen im Quelldokument:** 3522-3553 +## Gewichtung der Prozessphasen -## Evidence References +Dieses Grundverständnis verändert die übliche Gewichtung: ([Nicht Interventionen allein stehen im Zentrum einer oft unter grossem Handlungsdruck stehenden Praxis](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-2)), vielmehr kommt der analytischen Phase eine bedeutende Stellung zu, weil sie erst die Voraussetzungen für angemessene Interventionen schafft. Der ersten Phase ist mehr Raum und Zeit zuzumessen — für genaue Analyse, Diagnose und sorgfältige Evaluation. -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-1) (S. 349, Z. 3524) -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-2) (S. 349, Z. 3533) -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-3) (S. 350, Z. 3535) -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-4) (S. 351, Z. 3537) -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-5) (S. 351, Z. 3539) -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-6) (S. 351, Z. 3541) -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-7) (S. 352, Z. 3543) -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-8) (S. 352, Z. 3545) -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-9) (S. 353, Z. 3547) -- [15        Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-10) (S. 353, Z. 3552) +## Ausbildung und Kompetenzerwerb +([Ziel einer Ausbildung auf Hochschulebene ist die Entwicklung eines solchen Grundverständnisses; erforderlich dazu ist zunächst Wissensvermittlung zu den Grundlagen Sozialer Arbeit, zum Konzept und zu einzelnen Methoden](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-3)). Für den Kompetenzerwerb braucht es didaktische Arrangements mit Verlangsamung und Komplexitätsreduktion sowie zwingend zwei Lernorte: die Hochschule zur handlungsentlasteten Fallarbeit und die Praxis mit realen Handlungssituationen. + +Am Lernort Praxis stehen Studierende vor der Herausforderung, dass Organisationen nach eigener, oft bürokratischer Logik funktionieren. Kooperative Prozessgestaltung in verlangsamter Form ist für die Kompetenzentwicklung unerlässlich: ([Erst wenn eine Studentin gelernt hat, die in der Analyse erhobenen Daten auszuwerten und die Themen herauszuarbeiten, kann sie ein Gespräch so führen, dass gemeinsam die Fallthematik bestimmt wird](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-4)). Ist das Grundprinzip internalisiert und die Suchbewegung habitualisiert, kann ein Prozesszyklus auch sehr schnell ablaufen. + +## Organisation und Reflexion + +([Auf Organisationsebene braucht es Strukturen: Der grössere Zyklus der Fallarbeit soll institutionalisiert werden](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-5)), insbesondere bei komplexen Fällen, in denen ein Team gemeinsam die Suchbewegung des Fallverstehens unternimmt und Interventionsmöglichkeiten entwirft. ([Ein grundlegender Aspekt von Professionskompetenz ist die kontinuierliche Selbstreflexion, der fachliche Austausch und die gemeinsame Reflexion von Professionellen; hierfür sind Gefässe zu institutionalisieren](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-11)). + +In den Kapiteln 8 bis 14 wurden die ([für jeden Prozessschritt nötigen Kompetenzen aufgelistet — zusammengenommen ergibt sich eine Vielzahl, über die Professionelle verfügen müssen](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-6)). Professionskompetenz umfasst viele Aspekte, setzt hohe Reflexionsfähigkeit voraus und orientiert sich an den übergreifenden Zielen Sozialer Arbeit. + +## Methodenintegration und Praxiseinsatz + +([Der methodenintegrative Anspruch des Lehrbuchs setzt sich dem Eklektizismus-Vorwurf aus](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-7)): Manche Methoden stammen aus eigenständigen Theorien, deren Gesamtzusammenhang bei der Eingliederung in die KPG-Systematik nicht vollständig berücksichtigt wird — dies wird zugunsten des umfassenden Konzepts in Kauf genommen. + +([Das Konzept ist für den praxisfeldübergreifenden Einsatz in unterschiedlichsten Organisationen konzipiert, was einen gewissen Abstraktionsgrad bedingt](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-8)). In Forschungs- und Entwicklungsprojekten wurde mit Praxisorganisationen erarbeitet, wie KPG für spezifische Arbeitsfelder konkretisiert werden kann. ([Als grösste Herausforderung erweist sich der Übergang von der analytisch-diagnostischen zur Handlungsphase: gemeinsam mit Klient*innen Grobziele zu formulieren und die Interventionsplanung auf erarbeiteten Erkenntnissen aufzubauen](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-12)). + +## Professionalisierung + +Soziale Arbeit wurde als professionalisierungsbedürftige Profession mit spezifischen Strukturbedingungen und Widersprüchen dargestellt. ([Professionalisierung ist durch mindestens zwei Merkmale gekennzeichnet: strukturiertes, reflektiertes methodisches Vorgehen und die Verwobenheit der Fallbearbeitung aus Expert*innensicht mit dem dialogischen Verständigungsprozess mit Klient*innen](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-9)). + +([Das Lehrbuch soll dazu beitragen, dass Klient*innen in ihrem Autonomiebestreben und ihrer sozialen Integration verstanden und gut unterstützt werden](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-10)), dass Sozialpädagog*innen ihre Kompetenz selbstbewusst in die interprofessionelle Zusammenarbeit einbringen und sich zunehmend in den politischen Diskurs um soziale Gerechtigkeit einmischen. diff --git a/knowledge-base/arbeit/index.md b/knowledge-base/arbeit/index.md index eb59252..69350d7 100644 --- a/knowledge-base/arbeit/index.md +++ b/knowledge-base/arbeit/index.md @@ -2,21 +2,101 @@ Hochuli Freund, U. & Stotz, W. (2021). *Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit. Ein methodenintegratives Lehrbuch.* 5., erweiterte und überarbeitete Auflage. Stuttgart: Kohlhammer. -## Chapters +--- -- [Einleitung und Vorworte](./chapter_00_einleitung.md) -- [Kapitel 02: Soziale Arbeit](./chapter_02_soziale-arbeit.md) -- [Kapitel 03: Professionstheoretische Grundlagen](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.md) -- [Kapitel 04: Ethische und rechtliche Grundlagen](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.md) -- [Kapitel 05: Kooperation](./chapter_05_kooperation.md) -- [Kapitel 06: Methoden, Professionskompetenz und Grundhaltung](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.md) -- [Kapitel 07: Konzept Kooperative Prozessgestaltung](./chapter_07_konzept-kpg.md) -- [Kapitel 08: Situationserfassung](./chapter_08_situationserfassung.md) -- [Kapitel 09: Analyse](./chapter_09_analyse.md) -- [Kapitel 10: Diagnose](./chapter_10_diagnose.md) -- [Kapitel 11: Zielsetzung](./chapter_11_zielsetzung.md) -- [Kapitel 12: Interventionsplanung](./chapter_12_interventionsplanung.md) -- [Kapitel 13: Interventionsdurchführung](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.md) -- [Kapitel 14: Evaluation](./chapter_14_evaluation.md) -- [Kapitel 15: Schlusswort](./chapter_15_schlusswort.md) +## Grundlagenteil + +### [Einleitung und Vorworte](./chapter_00_einleitung.md) + +Das Lehrbuch wird von den Autoren Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz einführt – beide führende Expertinnen und Experten im Bereich professionelle Soziale Arbeit. Die Vorworte zur ersten und fünften Auflage dokumentieren die Entwicklung des KPG-Konzepts als Antwort auf zentrale Fachfragen: Wie kann professionelles Handeln systematisch gestaltet werden? Welche methodische Fundierung ist notwendig? Das Lehrbuch positioniert sich als methodenintegratives Konzept für alle Praxisfelder der Sozialen Arbeit und adressiert die grundlegende Notwendigkeit, professionelle Prozesse strukturiert, theoriegeleitet und kooperativ zu gestalten. + +--- + +### [Kapitel 02: Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft](./chapter_02_soziale-arbeit.md) + +Dieses Kapitel klärt die historischen Wurzeln und die gegenwärtige Verortung Sozialer Arbeit als Disziplin und Profession. Der Kontext wird durch die beiden Traditionslinien Sozialpädagogik und Sozialarbeit vermittelt – beide prägen bis heute das Selbstverständnis des Feldes. Das Kapitel behandelt die Entwicklung von der ehrenamtlichen Armenpflege über die Professionalisierungsbewegungen des 20. Jahrhunderts bis zur modernen Sozialarbeit als staatlich regulierte Dienstleistung. Zudem werden die Vielfalt der Praxisfelder, die Unterscheidung zwischen Disziplin und Profession sowie die zentralen Aufträge dargestellt: parteiliche Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft sowie Bearbeitung sozialer Probleme. + +--- + +### [Kapitel 03: Professionstheoretische Grundlagen](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.md) + +Professionalisierbarkeit ist ein zentrales Thema seit den 1970er Jahren. Dieses Kapitel erläutert den Diskurs um das klassische Professionsmodell (Architekten, Ärzte, Juristen) und dessen Anwendbarkeit auf Soziale Arbeit. Die Soziale Arbeit wird als »bescheidene Profession« charakterisiert – sie hat zwar ein gesellschaftliches Mandat, verfügt aber nicht über ein Wissensmonopol. Stattdessen sind die Strukturmerkmale »diffuse Allzuständigkeit«, »doppelte Loyalitätsverpflichtung«, »geringe Standardisierbarkeit«, »Koproduktion« und »Involviertheit der ganzen Person« zentral. Das Kapitel arbeitet heraus, dass professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit gerade keine technische Anwendung standardisierter Rezepte ist, sondern eine reflektierte, kooperative Gestaltung unter Unsicherheit. + +--- + +### [Kapitel 04: Ethische und rechtliche Grundlagen](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.md) + +Professionelles Handeln ist ohne ethische Reflexion undenkbar. Dieses Kapitel behandelt zentrale ethische Konzepte (Kantische Ethik, Verantwortungsethik, Care-Ethik), berufsethische Richtlinien (Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz) und deren konkrete Implikationen für professionelle Entscheidungen. Parallel werden rechtliche Aspekte erörtert: Verfassungsgarantien, Menschenrechte, Datenschutz und die Spannung zwischen Hilfe und Kontrolle. Das Kapitel vermittelt, dass Ethik und Recht nicht als externe Vorgaben zu verstehen sind, sondern als Grundlagen für legitime professionelle Praxis. + +--- + +### [Kapitel 05: Kooperation](./chapter_05_kooperation.md) + +Kooperation ist nicht ein optionales Add-on, sondern ein konstitutives Element professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit. Dieses Kapitel erörtert die Bedeutung von Arbeitsbeziehungen als Fundament – wie entstehen Beziehungen, die hilfreiche Prozesse ermöglichen? Es wird die Psychoanalytische Theorietradition (Nähe/Distanz-Spannung), das Konzept der »beziehungsfundierten Passung« und die Unterscheidung mellan intra- und interprofessioneller Kooperation behandelt. Zentral ist die Einsicht, dass Kooperation nicht automatisch entsteht, sondern intentional gestaltet werden muss und dass die professionelle Persönlichkeit das Arbeitsinstrument darstellt. + +--- + +### [Kapitel 06: Methoden, Professionskompetenz und Grundhaltung](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.md) + +Dieses Kapitel unterscheidet zwischen »Konzept« (Denk- und Orientierungsrahmen), »Methode« (Vorgehen) und »Technik« (konkrete Werkzeuge). Es wird erläutert, dass Methoden nicht beliebig sind, sondern in theoretischer Fundierung verankert sein müssen. Das Kapitel arbeitet heraus, dass Professionskompetenz aus drei Komponenten besteht: Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz. Eine reflektierte Grundhaltung (Habitus) ist unverzichtbar – sie steuert, wie Methoden und Techniken eingesetzt werden und ermöglicht es, kontextgerecht zu handeln. + +--- + +## Kernkonzept: Das Prozessmodell + +### [Kapitel 07: Konzept Kooperative Prozessgestaltung](./chapter_07_konzept-kpg.md) + +Dieses Kapitel präsentiert das Herzstück des Lehrbuchs: das Prozessmodell KPG. Es wird begründet, warum ein strukturiertes Vorgehen notwendig ist (Technologiedefizit, Involviertheit als ganze Person) und welche Anforderungen an eine theoriegeleitete Strukturierung zu stellen sind. Das zirkuläre Phasenmodell mit sieben Prozessschritten in zwei Phasen (analytisch-diagnostisch und Handlungsphase) wird eingeführt: Situationserfassung – Analyse – Diagnose – Zielsetzung – Interventionsplanung – Interventionsdurchführung – Evaluation. Das Grundprinzip »Vor jeglichem Handeln steht das Bemühen zu verstehen« wird als Leitfaden für alle Schritte etabliert. Das Konzept ist methodenintegrativ, fallbezogen und berücksichtigt zwei Kooperationsebenen: mit Klientinnen und Bezugssystemen sowie intra- und interprofessionell. + +--- + +## Prozessschritte: Analytisch-diagnostische Phase + +### [Kapitel 08: Situationserfassung](./chapter_08_situationserfassung.md) + +Situationserfassung ist der erste Prozessschritt: Die Aufgabe besteht darin, die wichtigsten Informationen zur Fallsituation und ihrem Kontext zusammenzutragen. Dieses Kapitel behandelt Auftragsklärung (klientenbezogene, organisatorische, gesellschaftliche Aufträge), grundlegende Haltungen (Offenheit, Ressourcenorientierung, Kooperation), methodische Hilfsmittel und drei zentrale Methoden: Erkundungsgespräche (formell/informell), Beobachtung (Fremd- und Selbstbeobachtung) und Aktenstudium. Der Schwerpunkt liegt darauf, den »Realitätsausschnitt« angemessen zu bestimmen und strukturierungshilfen einzusetzen, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. + +--- + +### [Kapitel 09: Analyse](./chapter_09_analyse.md) + +In der Analyse wird die erfasste Situation interpretiert und strukturiert – mit dem Ziel, die Fallthematik zu verstehen. Dieses Kapitel stellt quantitative und qualitative Analyseverfahren vor, darunter Problem-, Ressourcen- und Machtquellen-Karten, Netzwerkkarten, Soziogramme und systemische Hypothesen. Es wird zwischen zwei Methodenkategorien unterschieden: theoriegeleitetes Fallverstehen (theoretisches Wissen anwenden) und rekonstruktives Fallverstehen (implizites Wissen der Klientinnen und Klienten miteinbeziehen). Das Kapitel vermittelt, dass Analyse nicht eine »richtige Interpretation« anstrebt, sondern eine »professionelle Hypothese«, die handlungsleitend ist und überprüft werden kann. + +--- + +### [Kapitel 10: Diagnose](./chapter_10_diagnose.md) + +Die Diagnose ist eine zentrale methodische Leistung: Basierend auf Situationserfassung und Analyse wird die Fallthematik formuliert – also eingegrenzt, worauf die weitere Intervention fokussiert. Dieses Kapitel erläutert fachliche Begriffe und Konzepte zur differenzierten Fallanalyse, stellt methodische Ansätze dar (z. B. systemische Denkfiguren) und behandelt die Herausforderung, Expertentätigkeit und Dialog zu verbinden. Diagnose ist nicht eine monologische technische Leistung, sondern ein kooperativer Prozess, in den Klientinnen und ihre Perspektiven einbezogen werden. + +--- + +## Prozessschritte: Handlungsphase + +### [Kapitel 11: Zielsetzung](./chapter_11_zielsetzung.md) + +Zielsetzung transformiert die Diagnose in konkrete, erreichbare Ziele. Dieses Kapitel unterscheidet zwischen Endzielen (Visionäre Ziele ohne Zeithorizont), Grobzielen (auf 1–2 Jahre bezogen, KPG-Ebene) und Feinzielen (konkrete Etappenziele). Es werden Kriterien guter Ziele erläutert (spezifisch, messbar, relevant, realistisch), und die kooperative Zielbildung wird betont: Ziele müssen mit Klientinnen ausgehandelt werden, nicht für sie formuliert. Das Kapitel behandelt auch Lösungsorientierung (de Shazer) und Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) als Zugänge zur Zielformulierung. + +--- + +### [Kapitel 12: Interventionsplanung](./chapter_12_interventionsplanung.md) + +Die Interventionsplanung antwortet auf: Wer macht wann, was, wie, warum? Dieses Kapitel behandelt die Planung konkreter Maßnahmen, die Abwägung zwischen normgebundener Vorgabe und fallbezogener Flexibilität, die Koordination verschiedener Akteure und die Frage, wie die Person des Sozialarbeiters als Arbeitsinstrument eingesetzt wird. Es wird zwischen Organisations- und Falllogik unterschieden und die Notwendigkeit »rollender Planung« betont – Flexibilität bei der Umsetzung ist unabdingbar. + +--- + +### [Kapitel 13: Interventionsdurchführung](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.md) + +Die tatsächliche Intervention ist gekennzeichnet durch Koordination, Information, kontinuierliches Monitoring und die reflektierte Nutzung der professionellen Person. Dieses Kapitel behandelt die zentrale Rolle der professionellen Beziehung, Herausforderungen (Person als Arbeitsinstrument, Gefahr emotionaler Verstrickung) und Monitoring-Strategien. Es wird betont, dass während der Intervention ständig gelernt wird und die Planung bei neuen Erkenntnissen angepasst werden muss. Dokumentation und regelmäßige Supervision sind unverzichtbar. + +--- + +### [Kapitel 14: Evaluation](./chapter_14_evaluation.md) + +Evaluation schließt den Prozess ab, ist aber zugleich kontinuierlich. Dieses Kapitel behandelt Prozess- und Ergebnisevaluationen, die Frage »Was hat's gebracht?« für alle Beteiligten und die Bedeutung von Evaluation als »lernende Organisation«. Es wird exemplarisch gezeigt, wie Evaluation implementiert werden kann, und die kritische Reflexion – Was hätte anders laufen können? – wird als zentrales Element der professionellen Gestaltung dargestellt. Evaluation ermöglicht, dass jeder Fall zum Lernen für zukünftige Fälle beiträgt. + +--- + +### [Kapitel 15: Schlusswort – Professionalisierung und kontinuierliche Reflexion](./chapter_15_schlusswort.md) + +Das abschließende Schlusswort verdichtet die zentrale Botschaft des Lehrbuchs: Professionalisierung ist nicht ein »Produkt«, das erreicht wird, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Zentral sind die Gewichtung der Prozessphasen, kontinuierliche Selbstreflexion, organisationale Verankerung von KPG und regelmäßige Diskurse im Team. Das Kapitel hebt hervor, dass die »Methodenintegration« nicht bedeutet, alle Methoden eklektizistisch zu mischen, sondern bewusst fallbezogen auszuwählen. Abschließend wird die Vision einer Profession skizziert, die ihre Komplexität und Ungewissheit nicht wegleugnet, sondern damit kooperativ und reflektiert umgeht. diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md index 8a0e310..30f3537 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md @@ -44,3 +44,43 @@ Source document: [epg-ausfuehrungsbestimmungen](../../documents/EPG_Ausführungs • Ziele fachgeleitet und in Kooperation mit begleiteten / betreuten Menschen zu entwickeln und zu formulieren. • auf Grundlage der analytischen Phase und der Zielentwicklung eine Interventionsplanung zu erstellen und dabei die Perspektive der Betroffenen und Beteiligten einzubeziehen. • in der Interventionsplanung handlungsleitende Konzepte als Handlungsorientierung zu nutzen." + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beschreibung und Kompetenzen +- **Section:** Titelseite +- **Pages:** 1 +- **Lines:** 1-5 +- **Quote:** "Promotionswirksamer Kompetenznachweis Exemplarische Prozessgestaltung (EPG) Ausführungsbestimmungen Regel-HF 25 / HF Flex Studienjahr 25/26 Abgabetermin 29.06.2026" + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beschreibung und Kompetenzen +- **Section:** 1 Beschreibung und nachzuweisende Kompetenzen +- **Pages:** 1 +- **Lines:** 17 +- **Quote:** "Die Studierenden weisen damit im Detail die Kompetenzen nach:" + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beschreibung und Kompetenzen +- **Section:** 1 Beschreibung und nachzuweisende Kompetenzen +- **Pages:** 1 +- **Lines:** 23-24 +- **Quote:** "inter- und intraprofessionelle Kooperation sowie Zirkularität als zentrale Elemente der Prozessgestaltung zu verstehen." + +## Reference 9 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beschreibung und Kompetenzen +- **Section:** 1 Beschreibung und nachzuweisende Kompetenzen +- **Pages:** 1 +- **Lines:** 39-41 +- **Quote:** "den Begleitprozess fachlich auszuwerten und Konsequenzen abzuleiten (fachliche Reflexion)." + +## Reference 10 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beschreibung und Kompetenzen +- **Section:** 1 Beschreibung und nachzuweisende Kompetenzen +- **Pages:** 1 +- **Lines:** 43-44 +- **Quote:** "den Begleitprozess systematisch und nachvollziehbar unter Einhaltung formaler Vorgaben in Form einer Facharbeit zu dokumentieren." diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_01_beschreibung-und-kompetenzen.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_01_beschreibung-und-kompetenzen.md index dfb6c01..4dd4fbd 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_01_beschreibung-und-kompetenzen.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_01_beschreibung-und-kompetenzen.md @@ -1,28 +1,41 @@ # Beschreibung und nachzuweisende Kompetenzen -Die erste Seite der Ausführungsbestimmungen beschreibt den Promotionswirksamen Kompetenznachweis Exemplarische Prozessgestaltung (EPG) als schriftliche Facharbeit in Einzelarbeit. Die Studierenden weisen darin die Kompetenz nach, Elemente einer «kooperativen Prozessgestaltung» exemplarisch anzuwenden und einen sozialpädagogischen/kindheitspädagogischen Begleitprozess zu initiieren und zu dokumentieren. Es werden insgesamt elf detaillierte Teilkompetenzen aufgeführt, die von der Kenntnis passender Konzepte und Methoden bis zur systematischen Dokumentation reichen. +Der Promotionswirksame Kompetenznachweis Exemplarische Prozessgestaltung (EPG) ist die +zentrale schriftliche Prüfungsleistung im Rahmen der Studiengänge +[Regel-HF 25 und HF Flex im Studienjahr 25/26 mit Abgabetermin 29.06.2026](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-6). +Es handelt sich um eine +[schriftliche Facharbeit, die von den Studierenden in Einzelarbeit geleistet wird](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-1). -## Key Points +Im Kern weisen die Studierenden die Kompetenz nach, +[vorgegebene Elemente einer «kooperativen Prozessgestaltung» in der eigenen Praxisorganisation mit einem begleiteten / betreuten Menschen oder einer Gruppe exemplarisch anzuwenden, einen kooperativen sozialpädagogischen / kindheitspädagogischen Begleitprozess zu initiieren und diesen schriftlich zu dokumentieren](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-2). +Die EPG verknüpft damit theoretisches Wissen unmittelbar mit der Berufspraxis. -- EPG ist eine schriftliche Facharbeit in Einzelarbeit -- Nachweis der Kompetenz zur kooperativen Prozessgestaltung in der eigenen Praxisorganisation -- Initiation und schriftliche Dokumentation eines kooperativen sozialpädagogischen/kindheitspädagogischen Begleitprozesses -- Elf nachzuweisende Teilkompetenzen, darunter: - - Konzepte, Methoden, Techniken kennen und adaptieren - - Kooperative Gestaltung aller Prozessschritte - - Inter- und intraprofessionelle Kooperation - - Situationserfassung, Datenerhebung, Fallthematik bestimmen - - Soziale Diagnose und handlungsleitende Arbeitshypothese - - Zielentwicklung in Kooperation - - Interventionsplanung mit Perspektive der Betroffenen - - Handlungsleitende Konzepte nutzen - - Fachliche Auswertung und Reflexion - - Systematische Dokumentation als Facharbeit +Die Ausführungsbestimmungen definieren +[im Detail](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-7) elf Teilkompetenzen, +die in der Facharbeit nachgewiesen werden müssen. Diese lassen sich in vier Bereiche gliedern: -## Evidence References +**Methodisch-konzeptionelle Grundlagen:** Die Studierenden sollen +[passende Konzepte, Methoden, Techniken für die kooperative Prozessgestaltung kennen und auf die einzelnen Prozessschritte adaptieren](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-3). +Ebenso wird erwartet, alle Prozessschritte kooperativ zu gestalten und die Kompetenzen +der begleiteten Menschen nutzbringend einzubringen. Besonders hervorgehoben wird dabei, +[inter- und intraprofessionelle Kooperation sowie Zirkularität als zentrale Elemente der Prozessgestaltung zu verstehen](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-8). -- [Beschreibung des EPG als Facharbeit](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-1) -- [Nachweis der Kernkompetenz](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-2) -- [Detaillierte Teilkompetenzen](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-3) -- [Kompetenz Situationserfassung und Datenerhebung](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-4) -- [Kompetenz Diagnose, Ziele und Interventionsplanung](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-5) +**Situationserfassung und Analyse:** Eine weitere Schlüsselkompetenz besteht darin, +[eine Situationserfassung auftragsbezogen, methodengeleitet und unter Einbezug der Perspektive der Betroffenen und Beteiligten zu erstellen](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-4) +und auf dieser Grundlage eine gezielte Datenerhebung vorzunehmen sowie eine +präzisierte Fallthematik zu bestimmen. + +**Diagnose, Zielsetzung und Interventionsplanung:** Die Studierenden sollen +[eine soziale Diagnose erstellen, daraus eine handlungsleitende Arbeitshypothese ableiten](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-5), +Ziele fachgeleitet und in Kooperation mit begleiteten Menschen entwickeln und eine +Interventionsplanung erstellen, die handlungsleitende Konzepte als Orientierung nutzt +und die Perspektive der Betroffenen und Beteiligten einbezieht. + +**Reflexion und Dokumentation:** Abschliessend wird verlangt, +[den Begleitprozess fachlich auszuwerten und Konsequenzen abzuleiten](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-9) +(fachliche Reflexion) sowie +[den Begleitprozess systematisch und nachvollziehbar unter Einhaltung formaler Vorgaben in Form einer Facharbeit zu dokumentieren](./page_01_beschreibung-und-kompetenzen.evidence.md#reference-10). + +Insgesamt bildet das Kompetenzprofil die gesamte methodische Handlungskette der +kooperativen Prozessgestaltung ab — von der ersten Situationserfassung über analytische +und diagnostische Schritte bis hin zur Interventionsplanung, Reflexion und Dokumentation. diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md index c47039f..4efe65a 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md @@ -49,3 +49,35 @@ Die Exemplarische Prozessgestaltung basiert auf den Inhalten der Lernumgebungen - **Lines:** 83-90 - **Quote:** "1. Einleitung Kurze Einleitung, worum es in der vorliegenden Facharbeit geht: Aufgabenstellung des PKNW EPG, kurze und vollständige Übersicht über die einzelnen Kapitel der Facharbeit, Ziel der vorliegenden kooperativen Prozessgestaltung, erste grobe Orientierung zum eigenen Praxiskontext), eigene Rolle im sozialpädagogischen / kindheitspädagogischen Begleitprozess und Begründung der Fallauswahl. Hinweis auf die Handhabung von Persönlichkeits- / Datenschutz (Anonymisierung aller beschriebenen Personen und Organisation)." + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Grundlagendokumente und inhaltliche Vorgaben +- **Section:** 3.1 Inhaltliche Vorgaben – Kapitel 2 Organisationaler Kontext +- **Pages:** 2 +- **Lines:** 95-96 +- **Quote:** "Kurze Beschreibungen (max. ½ Seite) der Organisation." + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Grundlagendokumente und inhaltliche Vorgaben +- **Section:** 2 Verbindliche Grundlagendokumente +- **Pages:** 2 +- **Lines:** 55 +- **Quote:** "Leitfaden Umgang mit auf Künstlicher Intelligenz basierenden Tools Version 1.1" + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Grundlagendokumente und inhaltliche Vorgaben +- **Section:** 2 Verbindliche Grundlagendokumente +- **Pages:** 2 +- **Lines:** 56 +- **Quote:** "Deklaration bezüglich Urheberschaft / Daten-/Persönlichkeitsschutz / Umfang" + +## Reference 9 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Grundlagendokumente und inhaltliche Vorgaben +- **Section:** 3.1 Inhaltliche Vorgaben +- **Pages:** 2 +- **Lines:** 76 +- **Quote:** "folgende Vorgaben (Kapitelüberschriften und inhaltliche Erwartungen) für die Exemplarische Prozessgestaltung verbindlich" diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.md index d64a15d..311d042 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.md @@ -1,20 +1,39 @@ # Verbindliche Grundlagendokumente und Inhaltliche Vorgaben -Seite 2 listet die verbindlichen Grundlagendokumente für die EPG auf und beginnt mit den inhaltlichen Vorgaben. Die EPG basiert auf spezifischen Modulinhalten je nach Studiengang (HF SP/KP oder HF Flex). Es werden verbindliche Kapitelüberschriften und inhaltliche Erwartungen festgelegt, orientiert am Lehrbuch von Hochuli Freund & Stotz (2021) zur Kooperativen Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit. +Die EPG-Ausführungsbestimmungen benennen acht verbindliche Grundlagendokumente, die für +die Erstellung der Facharbeit massgebend sind. Dazu zählen neben den +[Allgemeinen Geschäftsbedingungen, der Promotionsordnung, dem Rahmenlehrplan, den Ausführungsbestimmungen, den Richtlinien für schriftliche Facharbeiten und dem Glossar Beurteilungskriterien](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-1) +auch der +[Leitfaden Umgang mit auf Künstlicher Intelligenz basierenden Tools](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-7) +sowie die +[Deklaration bezüglich Urheberschaft / Daten-/Persönlichkeitsschutz / Umfang](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-8). +Alle acht Dokumente sind verbindlich einzuhalten und regeln sowohl formale als auch +inhaltliche Anforderungen an die Facharbeit. -## Key Points +Die inhaltlichen Vorgaben unterscheiden sich je nach Studiengang. Für den +[Studiengang HF SP / KP basiert die EPG auf den Inhalten der Module HL2 und KP2](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-2), +ergänzt durch weiteres Fachwissen aus dem Studium und der sozialpädagogischen bzw. +kindheitspädagogischen Praxis. Für den +[Studiengang HF Flex basiert sie auf den Lernumgebungen 1.1, 1.2 und 1.3](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-3), +wobei insbesondere die Lernumgebungen 2.1 bis 2.4 sowie gegebenenfalls 2.5 +(Arbeit mit Gruppen) und Fachwissen aus der sozialpädagogischen Praxis einzubeziehen +sind. In beiden Studiengängen wird erwartet, dass über den unmittelbaren Modulstoff +hinaus relevantes Fachwissen integriert wird. -- Acht verbindliche Grundlagendokumente (AGB, Promotionsordnung, Rahmenlehrplan, Ausführungsbestimmungen, Richtlinien, KI-Leitfaden, Deklaration, Glossar) -- HF SP/KP: EPG basiert auf Modulen HL2 und KP2 -- HF Flex: EPG basiert auf Lernumgebungen 1.1, 1.2, 1.3 (plus 2.1–2.5) -- Verbindliche Kapitelstruktur nach Hochuli Freund & Stotz (2021) -- Kapitel 1 «Einleitung»: Aufgabenstellung, Kapitelübersicht, Praxiskontext, Fallauswahl, Datenschutz -- Kapitel 2 «Organisationaler Kontext»: Kurze Beschreibung der Organisation (max. ½ Seite) +Die Struktur der Facharbeit orientiert sich verbindlich am Referenzwerk +[Hochuli Freund, U. & Stotz, W. (2021). Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-4). +Die Ausführungsbestimmungen legen +[verbindliche Kapitelüberschriften und inhaltliche Erwartungen](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-9) +fest, die den gesamten Aufbau der Arbeit bestimmen. -## Evidence References +Das erste verbindliche Kapitel «Einleitung» verlangt eine +[kurze Einleitung mit Aufgabenstellung des PKNW EPG, vollständiger Kapitelübersicht, Ziel der kooperativen Prozessgestaltung, erster Orientierung zum eigenen Praxiskontext, eigener Rolle im Begleitprozess und Begründung der Fallauswahl](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-5). +Zudem ist ein Hinweis auf die Handhabung von Persönlichkeits- und Datenschutz +erforderlich, insbesondere die Anonymisierung aller beschriebenen Personen und der +Organisation. -- [Liste der verbindlichen Grundlagendokumente](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-1) -- [Modulbasis HF SP/KP](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-2) -- [Modulbasis HF Flex](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-3) -- [Verbindliche Vorgaben nach Hochuli Freund & Stotz](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-4) -- [Inhaltliche Erwartungen Kapitel 1 Einleitung](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-5) +Das zweite Kapitel «Organisationaler Kontext» umfasst eine +[kurze Beschreibung (max. ½ Seite) der Organisation](./page_02_grundlagendokumente-und-inhaltliche-vorgaben.evidence.md#reference-6), +in der der Begleitprozess stattfindet. Diese knappe Darstellung soll den Leserinnen +und Lesern den institutionellen Rahmen vermitteln, innerhalb dessen die kooperative +Prozessgestaltung erfolgt. diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md index aa1764d..2a0a87b 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md @@ -46,3 +46,35 @@ Unterscheidung zwischen Bildungszielen und Unterstützungszielen auf Grobzielebe - **Quote:** "Schritt 1: Vorüberlegungen zum Vorgehen: Kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse aus den vorangegangenen Prozessschritten darstellen und deren Bedeutung für die Interventionsplanung herausarbeiten. Handlungsleitende Konzepte werden beigezogen und dienen in der gesamten Interventionsplanung als konkrete Handlungsorientierung." + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Konzept Kooperative Prozessgestaltung +- **Section:** Randbemerkung +- **Pages:** 3 +- **Lines:** 113 +- **Quote:** "Unter Einbezug von klientInnenspezifischer & inter-/intraprofessioneller Kooperation" + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Konzept Kooperative Prozessgestaltung +- **Section:** 3.5 Prozessschritt Interventionsplanung – Schritt 2 und 3 +- **Pages:** 3 +- **Lines:** 156-159 +- **Quote:** "Schritt 2 und 3: Interventionsmöglichkeiten entwerfen und Reflexion der Interventionsmöglichkeiten: Interventionsmöglichkeiten kooperativ entwerfen (Schritt 2) und reflektieren (Schritt 3)." + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Konzept Kooperative Prozessgestaltung +- **Section:** 3.5 Prozessschritt Interventionsplanung – Schritt 4 +- **Pages:** 3 +- **Lines:** 161-162 +- **Quote:** "Schritt 4: Entscheiden, planen, organisieren: Fachlich begründete Auswahl von Interventionsmöglichkeiten." + +## Reference 9 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Konzept Kooperative Prozessgestaltung +- **Section:** 3.5 Prozessschritt Interventionsplanung – Schritt 4 +- **Pages:** 3 +- **Lines:** 163-165 +- **Quote:** "Daraus werden kooperativ 2 - 3 Feinziele abgeleitet, dem/einem Grobziel zugeordnet und in Bildungs- und Unterstützungsziele unterteilt." diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.md index 4db4409..c10b663 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.md @@ -1,20 +1,39 @@ # Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung -Seite 3 beschreibt die verbindlichen Prozessschritte des Konzepts der Kooperativen Prozessgestaltung. Es werden die Prozessschritte Situationserfassung, Analyse, Diagnose, Zielsetzung und der Beginn der Interventionsplanung mit ihren jeweiligen inhaltlichen Erwartungen dargelegt. Jeder Prozessschritt verweist auf das entsprechende Kapitel in Hochuli Freund & Stotz (2021) und beschreibt, was methodisch und inhaltlich erwartet wird. +Das Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung bildet das Kernstück der EPG-Facharbeit +und umfasst fünf aufeinander aufbauende Prozessschritte. Sämtliche Schritte sind +[unter Einbezug von klientInnenspezifischer & inter-/intraprofessioneller Kooperation](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-6) +durchzuführen — dies stellt eine durchgängige Querschnittsanforderung dar. -## Key Points +Der erste Prozessschritt ist die **Situationserfassung** (Hochuli Freund & Stotz, 2021, +Kap. 8). Dabei ist das +[Ziel, ein Bild der Fallsituation zu erhalten, methodenbasiert die Anliegen zu erfassen und die gegenwärtige Situation mit den vorläufigen Themen festzuhalten](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-1). +Die wichtigsten Fallinformationen werden fachgeleitet zusammengetragen: Auftrag, +beteiligte Personen, Vorgeschichte des begleiteten Menschen, Vorgeschichte in der +Organisation, gegenwärtige Situation und vorläufige Themen. -- **Prozessschritt Situationserfassung** (Kap. 8): Bild der Fallsituation, methodenbasierte Anliegen, gegenwärtige Situation mit vorläufigen Themen -- **Prozessschritt Analyse** (Kap. 9): Analysemethoden, konstatierende Hypothesen, Präzisierung der Fallthematik -- **Prozessschritt Diagnose** (Kap. 10): Theoriegeleitetes Fallverstehen mit zwei fachlichen Wissensbeständen, erklärende Hypothesen, handlungsleitende Arbeitshypothese -- **Prozessschritt Zielsetzung** (Kap. 11): Kooperativer Zielbildungsprozess, hierarchisierte Zielformulierung (1 Fernziel, mind. 1 Grobziel), Unterscheidung Bildungs- und Unterstützungsziele -- **Prozessschritt Interventionsplanung** (Kap. 12): Vorüberlegungen, handlungsleitende Konzepte, Interventionsmöglichkeiten entwerfen und reflektieren -- Alle Prozessschritte sind unter Einbezug von klientInnenspezifischer und inter-/intraprofessioneller Kooperation durchzuführen +Im zweiten Prozessschritt, der **Analyse** (Kap. 9), wird +[ausgehend von den wesentlichen Fallinformationen, der gegenwärtigen Situation und den vorläufigen Themen anhand praxisrelevanter Analysemethoden eine Analyse durchgeführt](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-2). +Die wichtigsten Erkenntnisse werden in konstatierenden Hypothesen zusammengefasst +und gewichtet. Anschliessend wird die Fallthematik präzisiert. -## Evidence References +Der dritte Prozessschritt ist die **Diagnose** (Kap. 10). Hier erfolgt eine +[Diskussion und fachliche Auseinandersetzung der Fallthematik vor dem Hintergrund zwei fallspezifisch ausgewählter fachlicher Wissensbestände / Theorien (theoriegeleitetes Fallverstehen)](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-3). +Die Wahl der Theorien bzw. Wissensbestände ist zu begründen. Aus den gewonnenen +Erkenntnissen werden erklärende Hypothesen abgeleitet und daraus eine handlungsleitende +Arbeitshypothese formuliert. -- [Prozessschritt Situationserfassung](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-1) -- [Prozessschritt Analyse](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-2) -- [Prozessschritt Diagnose](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-3) -- [Prozessschritt Zielsetzung](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-4) -- [Prozessschritt Interventionsplanung – Vorüberlegungen und Konzepte](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-5) +Im vierten Prozessschritt, der **Zielsetzung** (Kap. 11), wird der +[kooperative Zielbildungsprozess beschrieben mit hierarchisierter Zielformulierung (1 Fernziel, mind. 1 Grobziel)](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-4). +Jede Zielformulierung ist zu begründen. Auf Grobzielebene ist die Unterscheidung +zwischen Bildungszielen und Unterstützungszielen verbindlich vorzunehmen. + +Der fünfte Prozessschritt, die **Interventionsplanung** (Kap. 12, insbesondere 12.5), +gliedert sich in vier Teilschritte. In Schritt 1 werden +[die wichtigsten Erkenntnisse aus den vorangegangenen Prozessschritten zusammengefasst und handlungsleitende Konzepte als konkrete Handlungsorientierung beigezogen](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-5). +In +[Schritt 2 und 3 werden Interventionsmöglichkeiten kooperativ entworfen und reflektiert](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-7). +In +[Schritt 4 erfolgt die fachlich begründete Auswahl von Interventionsmöglichkeiten](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-8), +woraus +[kooperativ 2–3 Feinziele abgeleitet, dem Grobziel zugeordnet und in Bildungs- und Unterstützungsziele unterteilt werden](./page_03_konzept-kooperative-prozessgestaltung.evidence.md#reference-9). diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md index 4f39524..12e9158 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md @@ -44,3 +44,27 @@ Darstellung von möglichen Konsequenzen und zentralen Erkenntnissen." - **Quote:** "➢ Welche Schwierigkeiten haben sich im Handlungsprozess hinsichtlich der oben genannten Aspekte ergeben? Woran könnte dies gelegen haben? Wie bin ich damit umgegangen? Was hätte ich alternativ machen können? ➢ Was hätte ich rückblickend noch berücksichtigen können? Warum? ➢ Was würde ich in einer ähnlichen Situation genauso und was anders machen? Weshalb? Wie würde ich es dann anders machen evtl. was würde ich anders machen?" + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Interventionsplanung und Reflexion +- **Section:** 4. Fachliche Reflexion +- **Pages:** 4 +- **Lines:** 187 +- **Quote:** "Folgende Fragen können dabei unterstützend sein:" + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Interventionsplanung und Reflexion +- **Section:** 5. Quellenverzeichnis +- **Pages:** 4 +- **Lines:** 213-222 +- **Quote:** "Quellenverzeichnis (siehe Richtlinien für schriftliche Facharbeiten, Kap. 9 sowie Metzger, 2022, insbesondere Kap. 7.5.2.3)" + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Interventionsplanung und Reflexion +- **Section:** 4. Fachliche Reflexion +- **Pages:** 4 +- **Lines:** 184-185 +- **Quote:** "Darstellung von möglichen Konsequenzen und zentralen Erkenntnissen." diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_04_interventionsplanung-und-reflexion.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_04_interventionsplanung-und-reflexion.md index 9ba5ebf..5d96b0b 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_04_interventionsplanung-und-reflexion.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_04_interventionsplanung-und-reflexion.md @@ -1,20 +1,37 @@ # Interventionsplanung (Fortsetzung) und Fachliche Reflexion -Seite 4 schliesst die inhaltlichen Vorgaben zur Interventionsplanung ab und beschreibt die Kapitel «Fachliche Reflexion» und «Quellenverzeichnis». Die konkrete Interventionsplanung muss die Frage «Wer macht wann, was, wie, warum?» beantworten. Die fachliche Reflexion umfasst eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gestaltungsprozess hinsichtlich Fachlichkeit, Kooperation und eigener Rolle, unterstützt durch sieben Leitfragen. +Die vierte Seite der Ausführungsbestimmungen schliesst die inhaltlichen Vorgaben zur +Interventionsplanung ab und beschreibt die abschliessenden Kapitel der Facharbeit. -## Key Points +Die +[konkrete Interventionsplanung anhand eines der formulierten Feinziele erfolgt methodisch-strukturiert bezogen auf handlungsleitende Konzepte, ist konkret, fallbezogen sinnvoll und differenziert beschrieben sowie fachlich fundiert](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-1). +Sie muss ganz konkret die Frage «Wer macht wann, was, wie, warum?» beantworten — +dies stellt sicher, dass die Planung operationalisierbar und praxisbezogen ist. -- Konkrete Interventionsplanung anhand eines Feinziels: methodisch-strukturiert, fallbezogen, fachlich fundiert -- Zentrale Frage der Interventionsplanung: «Wer macht wann, was, wie, warum?» -- Fachliche Reflexion mit drei Aspekten: fachliches/methodisches Vorgehen (inkl. Zirkularität), klientInnenspezifische und interprofessionelle Kooperation, eigene Rolle als Fachperson -- Darstellung von Konsequenzen und zentralen Erkenntnissen -- Sieben unterstützende Reflexionsfragen (Theorie-Praxis-Bezug, methodische Zugänge, Rollengestaltung, Werte/Haltungen, Schwierigkeiten, Rückblick, Transferüberlegungen) -- Quellenverzeichnis gemäss Richtlinien und Metzger (2022) +Das Kapitel «Fachliche Reflexion» bildet den Abschluss der inhaltlichen Darstellung. +Die Studierenden leisten eine +[fachliche, kritische Reflexion des Gestaltungsprozesses hinsichtlich dreier Aspekte: fachliches sowie methodisches Vorgehen einschliesslich Bedeutung und Zusammenhang der Prozessschritte (Zirkularität), klientInnenspezifische und intra-/interprofessionelle Kooperation sowie die eigene Rolle als Fachperson](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-2). +Ergänzend ist eine +[Darstellung von möglichen Konsequenzen und zentralen Erkenntnissen](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-8) +gefordert. -## Evidence References +Zur Unterstützung der Reflexion werden +[sieben Leitfragen](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-6) formuliert. +Die ersten beiden Fragen betreffen den Theorie-Praxis-Bezug: +[Welche Bedeutung haben Theorien und Fachwissen für die eigene Praxis, wo liegen Stärken und Schwächen, und welche alternativen Theorien wären geeignet?](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-3) +Ebenso wird nach der Relevanz der beigezogenen methodischen Zugänge gefragt. -- [Konkrete Interventionsplanung](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-1) -- [Kapitel Fachliche Reflexion](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-2) -- [Reflexionsfragen Theorie und Methodik](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-3) -- [Reflexionsfragen Rolle und Haltung](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-4) -- [Reflexionsfragen Schwierigkeiten und Rückblick](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-5) +Weitere Leitfragen fokussieren auf die persönliche Dimension: +[Wie ist es gelungen, die Rolle als Fachperson zu gestalten, und welche Werte und Haltungen waren leitend?](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-4) +Dabei interessiert auch, ob sich diese Haltungen im Prozess verändert, bestätigt +oder differenziert haben. + +Die letzten Fragen richten sich auf Schwierigkeiten und Transferüberlegungen: +[Welche Schwierigkeiten haben sich im Handlungsprozess ergeben, was hätte rückblickend berücksichtigt werden können, und was würde man in einer ähnlichen Situation gleich oder anders machen?](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-5) +Diese Fragen fördern eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem eigenen +professionellen Handeln und dessen Weiterentwicklung. + +Den formalen Abschluss der Facharbeit bildet das +[Quellenverzeichnis, das gemäss den Richtlinien für schriftliche Facharbeiten (Kap. 9) sowie Metzger (2022, Kap. 7.5.2.3)](./page_04_interventionsplanung-und-reflexion.evidence.md#reference-7) +zu erstellen ist. Damit wird die wissenschaftliche Fundierung der Arbeit transparent +nachgewiesen. diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md index 98e46e8..f2d75c0 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md @@ -42,3 +42,27 @@ Die aufgeführten verbindlich vorgegebenen Kapitel inkl. Kapitelüberschriften d - **Pages:** 5 - **Lines:** 267-271 - **Quote:** "Bei Plagiaten kann die Schule disziplinarische Massnahmen ergreifen. Ein Selbstplagiat, sprich das wiederholte Einreichen identischer oder in wesentlichen Teilen gleicher eigener Facharbeiten oder Textpassagen ohne korrekte Kennzeichnung und ohne explizite Genehmigung ist untersagt. Ein Selbstplagiat stellt eine Form der Täuschung dar und kann disziplinarische Konsequenzen nach sich ziehen." + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Formale Vorgaben +- **Section:** 3.2 Formale Vorgaben +- **Pages:** 5 +- **Lines:** 240 +- **Quote:** "Die Seitenzahlen sind nummeriert." + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Formale Vorgaben +- **Section:** 3.2 Formale Vorgaben +- **Pages:** 5 +- **Lines:** 242-247 +- **Quote:** "Die Facharbeit entspricht den allgemeinen formalen Vorgaben von Agogis, die in folgenden Dokumenten beschrieben sind: Allgemeine Geschäftsbedingungen AGB (Kapitel Berufliche Schweigepflicht), Promotionsordnung Regel-HF bzw. Anschluss-HF bzw. HF Flex und insbesondere in den Richtlinien für schriftliche Facharbeiten, sowie dem Leitfaden Umgang mit auf Künstlicher Intelligenz basierenden Tools." + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilung +- **Section:** 4.1 Beurteilungsmodalitäten +- **Pages:** 5 +- **Lines:** 263-266 +- **Quote:** "der Umgang mit allen benutzten Quellen und Hilfsmitteln transparent ist, so dass klar ersichtlich ist, was übernommene Gedanken und was Eigenleistung ist (vgl. auch Formular «Deklaration bezüglich Urheberschaft / Daten-/Persönlichkeitsschutz / Umfang»). Ist das nicht der Fall, erfolgt eine Auflage." diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.md index ae11611..300243d 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.md @@ -1,23 +1,15 @@ # Formale Vorgaben und Beurteilungsmodalitäten -Seite 5 enthält den Hinweis zur Kapitelgliederung, die formalen Vorgaben zum Umfang der Facharbeit sowie den Beginn des Abschnitts zur Beurteilung. Die Facharbeit umfasst 24'000 bis 39'000 Zeichen (ohne Leerzeichen), und es gelten die allgemeinen formalen Vorgaben von Agogis. Die Beurteilung erfolgt kriteriengeleitet durch eine unbefangene Fachperson, und es werden die Bedingungen für das Bestehen detailliert aufgeführt. +Die verbindlich vorgegebenen Kapitel der EPG-Facharbeit dürfen, sofern es inhaltlich sinnvoll ist, in Unterkapitel unterteilt werden — die Kapitelüberschriften bleiben dabei bestehen [(Ref 1)](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-1). Dies orientiert sich an den Richtlinien für schriftliche Facharbeiten, Kap. 8.2. -## Key Points +Der vorgeschriebene Umfang beträgt mindestens 24'000 und maximal 39'000 Zeichen ohne Leerzeichen. Titelblatt, Inhalts- und Quellenverzeichnis, weitere Verzeichnisse sowie der Anhang zählen nicht dazu. Im Moodle-Raum «Promotionswirksame Kompetenznachweise» steht eine verbindliche Anleitung zur Zeichenüberprüfung bereit [(Ref 2)](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-2). Die Seitenzahlen der Arbeit sind durchgehend zu nummerieren [(Ref 6)](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-6). -- Kapitelüberschriften dürfen in Unterkapitel unterteilt werden -- Umfang: mindestens 24'000 bis maximal 39'000 Zeichen (ohne Leerzeichen) -- Titelblatt, Verzeichnisse und Anhang werden nicht mitgerechnet -- Seitenzahlen müssen nummeriert sein -- Beurteilung durch unbefangene Fachperson, kriteriengeleitet mit Punkten -- Bestanden wenn: Zulassungsvoraussetzungen erfüllt, je 2/3 der Maximalpunktzahl bei inhaltlichen und formalen Kriterien -- Korrekte Handhabung der beruflichen Schweigepflicht ist Pflicht (sonst Auflage) -- Transparenter Umgang mit Quellen und Hilfsmitteln (Eigenleistung vs. übernommene Gedanken) -- Plagiate und Selbstplagiate können disziplinarische Konsequenzen nach sich ziehen +Darüber hinaus muss die Facharbeit den allgemeinen formalen Vorgaben von Agogis entsprechen. Massgebend sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB (Kapitel «Berufliche Schweigepflicht»), die Promotionsordnung des jeweiligen Studiengangs, die Richtlinien für schriftliche Facharbeiten sowie der Leitfaden zum Umgang mit KI-basierten Tools [(Ref 7)](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-7). -## Evidence References +Die Beurteilung der Facharbeit erfolgt durch eine Fachperson, die in keiner Befangenheit zu den Studierenden steht. Die Bewertung ist kriteriengeleitet und wird anhand von Punkten vorgenommen; es gilt das Merkblatt zum Umgang mit Befangenheiten [(Ref 3)](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-3). -- [Hinweis Unterkapitel](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-1) -- [Formale Vorgaben Zeichenumfang](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-2) -- [Beurteilungsmodalitäten](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-3) -- [Bedingungen für Bestehen](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-4) -- [Plagiate und Selbstplagiate](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-5) +Die Facharbeit gilt als bestanden, wenn die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind und bei den inhaltlichen wie auch den formalen Kriterien jeweils mindestens zwei Drittel der maximalen Punktzahl erreicht werden. Der Umgang mit der beruflichen Schweigepflicht muss in der Einleitung korrekt deklariert und in der gesamten Arbeit konsequent umgesetzt sein — andernfalls wird eine Auflage erteilt [(Ref 4)](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-4). + +Ebenso wird ein transparenter Umgang mit sämtlichen Quellen und Hilfsmitteln verlangt: Es muss klar ersichtlich sein, was übernommene Gedanken und was Eigenleistung ist. Bei Nichteinhaltung erfolgt eine Auflage [(Ref 8)](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-8). + +Bei Plagiaten kann die Schule disziplinarische Massnahmen ergreifen. Ausdrücklich untersagt ist auch das Selbstplagiat — das wiederholte Einreichen identischer oder in wesentlichen Teilen gleicher eigener Arbeiten oder Textpassagen ohne korrekte Kennzeichnung und ohne explizite Genehmigung. Ein Selbstplagiat wird als Täuschung gewertet und kann disziplinarische Konsequenzen nach sich ziehen [(Ref 5)](./page_05_formale-vorgaben-und-beurteilung.evidence.md#reference-5). diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md index f95ca11..89ecf84 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md @@ -47,3 +47,27 @@ Anmerkung: Wird der vorgegebene Umfang inkl. Toleranzbereich von 10% nicht einge - **Pages:** 6 - **Lines:** 312-317 - **Quote:** "Anmerkung: Werden diese Voraussetzungen zur Zulassung (korrekter Upload, Hardcopy, Formular) zur Beurteilung nicht erfüllt, wird eine Frist von 3 Tagen zur Nachreichung erteilt. Wird das Geforderte von den Studierenden innerhalb dieser Frist nachgereicht, ist die Facharbeit zur Beurteilung zugelassen. Im Unterlassungsfall wird die EPG nicht zur Beurteilung zugelassen und der Promotionswirksame Kompetenznachweis Exemplarische Prozessgestaltung als nicht bestanden bewertet." + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilung +- **Section:** 4.2 Voraussetzungen für die Zulassung zur Beurteilung +- **Pages:** 6 +- **Lines:** 308-310 +- **Quote:** "Formular \"Deklaration bezüglich Urheberschaft / Daten-/Persönlichkeitsschutz / Umfang\" den Vorgaben gemäss korrekt ausgefüllt ✓ Alle verlangten Angaben sind vollständig und korrekt ausgefüllt" + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilung +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien +- **Pages:** 6 +- **Lines:** 319-322 +- **Quote:** "4.3 Beurteilungskriterien Inhaltliche Kriterien (max. 66 Punkte, bestanden bei 44 Punkten) ➢ Nachvollziehbare, differenzierte und prägnante Darstellung der Einleitung (max. 6 Punkte)" + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilung +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Einleitung +- **Pages:** 6 +- **Lines:** 323-326 +- **Quote:** "Aufgabenstellung des PKNW EPG ist dargestellt und eine vollständige Übersicht über die einzelnen Kapitel der Facharbeit ist gegeben (1) • Ziel der vorliegenden kooperativen Prozessgestaltung ist dargestellt (1)" diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_06_beurteilung-und-zulassung.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_06_beurteilung-und-zulassung.md index 52453b5..b0fb38b 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_06_beurteilung-und-zulassung.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_06_beurteilung-und-zulassung.md @@ -1,24 +1,13 @@ # Beurteilung, Zulassungsvoraussetzungen und Beginn Beurteilungskriterien -Seite 6 beschreibt die Rückmeldungsmodalitäten, die Möglichkeit der Überarbeitung bei Nichtbestehen, und die detaillierten Voraussetzungen für die Zulassung zur Beurteilung. Zudem beginnt die Auflistung der inhaltlichen Beurteilungskriterien mit dem Kriterium zur Einleitung. +Die Rückmeldung an die Studierenden erfolgt schriftlich: Sie erhalten die Bewertung «bestanden» oder «nicht bestanden» zusammen mit der erreichten Punktzahl. Zu jedem Beurteilungskriterium wird ein kurzer schriftlicher Kommentar verfasst. Nicht bestandene Facharbeiten können einmal mit einer Auflage überarbeitet werden, wobei die beurteilende Fachperson die Auflage formuliert [(Ref 1)](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-1). -## Key Points +Damit die Facharbeit zur Beurteilung zugelassen wird, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Die wichtigste ist die termingerechte Einreichung: Wird der Abgabetermin nicht eingehalten, gilt der Kompetenznachweis «Exemplarische Prozessgestaltung» als nicht erfüllt, was gleichbedeutend mit der Nichtpromotion ist und zum Abbruch der Ausbildung führt [(Ref 2)](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-2). -- Rückmeldung schriftlich mit «bestanden»/«nicht bestanden» und Punktzahl plus Kommentar je Kriterium -- Nicht bestandene Arbeiten können einmal mit Auflage überarbeitet werden -- Zulassungsvoraussetzungen: - - Termingerechte Einreichung (sonst Nichtpromotion und Ausbildungsabbruch) - - Vorgegebener Umfang eingehalten (max. 10% Überschreitung, d.h. max. 42'900 Zeichen) - - Korrekter Upload auf Moodle (Word + PDF) und Hardcopy per A-Post - - Korrekte Beschriftung (EPG_Klasse_Nachname_Vorname bzw. EPG_HF Flex_Nachname_Vorname) - - Deklarationsformular korrekt ausgefüllt -- 3-Tage-Nachfrist bei fehlenden Upload-/Formular-Voraussetzungen -- Beginn Beurteilungskriterien: Einleitung (max. 6 Punkte) +Der vorgegebene Umfang darf höchstens um 10 % überschritten werden. Eine EPG mit mehr als 42'900 Zeichen wird nicht zur Beurteilung zugelassen und gilt als nicht bestanden; sie kann am Auflagetermin als Zweitversuch eingereicht werden [(Ref 3)](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-3). -## Evidence References +Ferner müssen der Upload auf Moodle (Word- und PDF-Datei) sowie die Hardcopy per A-Post korrekt erfolgen. Die Datei ist nach dem Schema EPG_Klasse_Nachname_Vorname bzw. EPG_HF Flex_Nachname_Vorname zu benennen [(Ref 4)](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-4). Zusätzlich muss das Formular «Deklaration bezüglich Urheberschaft / Daten-/Persönlichkeitsschutz / Umfang» vollständig und korrekt ausgefüllt sein [(Ref 6)](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-6). -- [Rückmeldung und Überarbeitung](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-1) -- [Termingerechte Einreichung](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-2) -- [Umfang und Toleranz](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-3) -- [Upload und Hardcopy](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-4) -- [Nachfrist bei fehlenden Voraussetzungen](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-5) +Werden die Voraussetzungen zu Upload, Hardcopy oder Deklarationsformular nicht erfüllt, wird eine Nachfrist von drei Tagen gewährt. Wird innerhalb dieser Frist nachgereicht, ist die Arbeit zur Beurteilung zugelassen. Im Unterlassungsfall wird die EPG nicht zugelassen und der Kompetenznachweis als nicht bestanden bewertet [(Ref 5)](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-5). + +Die inhaltlichen Beurteilungskriterien umfassen insgesamt maximal 66 Punkte; bestanden ist der inhaltliche Teil ab 44 Punkten [(Ref 7)](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-7). Das erste inhaltliche Kriterium betrifft die Einleitung (max. 6 Punkte): Die Aufgabenstellung des PKNW EPG muss dargestellt sein, eine vollständige Kapitelübersicht gegeben und das Ziel der kooperativen Prozessgestaltung formuliert werden [(Ref 8)](./page_06_beurteilung-und-zulassung.evidence.md#reference-8). diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md index 4ad3392..6305ff2 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md @@ -46,3 +46,27 @@ Source document: [epg-ausfuehrungsbestimmungen](../../documents/EPG_Ausführungs - **Quote:** " • Die vorläufigen Themen sind deutlich benannt und erläutert (1.5) • Die Erfassungsmethode(n) ist / sind deutlich benannt und es wird ersichtlich, woher welche Information stammt, die Sichtweisen sind kooperativ und mehrperspektivisch erfasst (1.5) • Die Fallsituation ist insgesamt nachvollziehbar dargestellt (1)" + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilungskriterien +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Situationserfassung (Person und Gegenwart) +- **Pages:** 7 +- **Lines:** 347-349 +- **Quote:** "Person ist / Gruppenmitglieder sind differenziert beschreibend und ressourcenorientiert dargestellt (1.5) • Die gegenwärtige Situation ist differenziert und nachvollziehbar festgehalten (1.5)" + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilungskriterien +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Situationserfassung (Gesamtdarstellung) +- **Pages:** 7 +- **Lines:** 355 +- **Quote:** "Die Fallsituation ist insgesamt nachvollziehbar dargestellt (1)" + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilungskriterien +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Einleitung (Datenschutz) +- **Pages:** 7 +- **Lines:** 335-336 +- **Quote:** "Die Handhabung des Persönlichkeits- / Datenschutzes (Anonymisierung aller beschriebenen Personen und Organisation) ist klar und konkret beschrieben (1)" diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.md index cdb6c17..8b882b6 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.md @@ -1,24 +1,15 @@ # Beurteilungskriterien: Einleitung, Organisationaler Kontext und Situationserfassung -Seite 7 setzt die inhaltlichen Beurteilungskriterien fort. Sie umfasst die detaillierten Teilkriterien und Punktverteilungen für die Kapitel Einleitung (Fortsetzung von Seite 6), Organisationaler Kontext und Situationserfassung. Die Kriterien sind mit spezifischen Punktwerten versehen. +Im Kriterium Einleitung (max. 6 Punkte, Fortsetzung von Seite 6) wird bewertet, ob eine erste grobe Orientierung zum eigenen Praxiskontext gegeben und die eigene Rolle im sozialpädagogischen bzw. kindheitspädagogischen Begleitprozess dargestellt ist (1.5 Punkte). Die Fallauswahl muss begründet sein (1.5 Punkte) [(Ref 1)](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-1). Die Handhabung des Persönlichkeits- und Datenschutzes — insbesondere die Anonymisierung aller beschriebenen Personen und Organisationen — ist klar und konkret zu beschreiben (1 Punkt) [(Ref 8)](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-8). -## Key Points +Der organisationale Kontext wird mit maximal 3 Punkten bewertet. Es wird verlangt, dass relevante und konkrete Punkte des organisationalen Kontextes nachvollziehbar und prägnant dargestellt sind [(Ref 2)](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-2). -- **Einleitung** (max. 6 Punkte, Fortsetzung): Praxiskontext und Rolle (1.5), Fallauswahl begründet (1.5), Persönlichkeits-/Datenschutz beschrieben (1) -- **Organisationaler Kontext** (max. 3 Punkte): Relevante konkrete Punkte dargestellt -- **Situationserfassung** (max. 10 Punkte) mit sieben Teilkriterien: - - Auftragsklärung (1.5) - - Vorgeschichte (1.5) - - Person/Gruppenmitglieder ressourcenorientiert (1.5) - - Gegenwärtige Situation (1.5) - - Vorläufige Themen (1.5) - - Erfassungsmethoden, kooperativ und mehrperspektivisch (1.5) - - Fallsituation insgesamt nachvollziehbar (1) +Die Situationserfassung bildet mit maximal 10 Punkten eines der gewichtigsten inhaltlichen Kriterien. Die Darstellung muss nachvollziehbar, differenziert, prägnant und fachlich fundiert sein [(Ref 3)](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-3). -## Evidence References +Im Einzelnen wird verlangt, dass die Auftragsklärung — sowohl der Auftrag der Organisation als auch der klient:innenbezogene Auftrag — nachvollziehbar und differenziert vorgenommen ist (1.5 Punkte). Relevante Aspekte der Vorgeschichte müssen prägnant festgehalten sein (1.5 Punkte) [(Ref 4)](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-4). -- [Einleitung Teilkriterien](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-1) -- [Organisationaler Kontext](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-2) -- [Situationserfassung Gesamtkriterium](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-3) -- [Situationserfassung Auftragsklärung und Vorgeschichte](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-4) -- [Situationserfassung Erfassungsmethoden](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-5) +Die begleitete Person bzw. die Gruppenmitglieder sind differenziert beschreibend und ressourcenorientiert darzustellen (1.5 Punkte), und die gegenwärtige Situation ist differenziert und nachvollziehbar festzuhalten (1.5 Punkte) [(Ref 6)](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-6). + +Weiter müssen die vorläufigen Themen deutlich benannt und erläutert sein (1.5 Punkte). Die Erfassungsmethoden sind klar zu benennen, wobei ersichtlich sein muss, woher welche Information stammt; die Sichtweisen sind kooperativ und mehrperspektivisch zu erfassen (1.5 Punkte) [(Ref 5)](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-5). + +Schliesslich wird mit 1 Punkt bewertet, ob die Fallsituation insgesamt nachvollziehbar dargestellt ist. Dieses Teilkriterium bildet eine übergreifende Einschätzung der gesamten Situationserfassung [(Ref 7)](./page_07_beurteilungskriterien-einleitung-situationserfassung.evidence.md#reference-7). diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md index 5b1ad0c..1293106 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md @@ -64,3 +64,51 @@ Source document: [epg-ausfuehrungsbestimmungen](../../documents/EPG_Ausführungs Formale Kriterien (max. 15 Punkte, bestanden ab 10 Punkten) ➢ Sprache (2) (aufgeteilt in: Einheitliche Terminologie, Fachsprache, Wortschatz, sprachliches Ausdrucksvermögen (1); Stil flüssig, Kohärenz (1)), Grammatik / Interpunktion / Orthographie (3), Formulierung diversitätsgerecht (1) →insgesamt (6) ➢ Zitation (1.5), Quellenverzeichnis und Zitationstabelle KI-basierte Tools (1.5), → insgesamt (3)" + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilungskriterien +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Analyse (Fallthematik) +- **Pages:** 8 +- **Lines:** 366-367 +- **Quote:** "Die Fallthematik ist präzise und schlüssig formuliert und bildet eine passende Grundlage für das, was im Prozessschritt Diagnose erklärt oder besser verstanden werden soll (3)" + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilungskriterien +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Diagnose (Hypothesen) +- **Pages:** 8 +- **Lines:** 377-380 +- **Quote:** "Erklärende Hypothesen sind korrekt (als Weil-Hypothesen) und nachvollziehbar aus den theoretischen Ausführungen abgeleitet sowie mit Bezug zur Fallthematik formuliert (1.5) • Eine handlungsleitende Arbeitshypothese ist korrekt (als Wenn-Dann-Hypothese) und nachvollziehbar abgeleitet (1.5)" + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilungskriterien +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Zielsetzung (Begründung und BZ/UZ) +- **Pages:** 8 +- **Lines:** 394-397 +- **Quote:** "(Fern- und Grob-)Ziele sind nachvollziehbar sowie fachlich (sozialpädagogisch / kindheitspädagogisch) begründet und stehen in einem Zusammenhang mit vorangehenden Prozessschritten (3) • Die Unterscheidung zwischen Bildungszielen (BZ) & Unterstützungszielen (UZ) ist nachvollziehbar und korrekt vorgenommen (1)" + +## Reference 9 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilungskriterien +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Interventionsplanung (konkrete Planung) +- **Pages:** 8 +- **Lines:** 413-418 +- **Quote:** "Die konkrete Interventionsplanung anhand eines der formulierten Feinziele erfolgt methodisch-strukturiert bezogen auf handlungsleitende Konzepte (Planung ist mit dem handlungsleitenden Konzept verknüpft), ist fallbezogen sinnvoll und differenziert beschrieben sowie fachlich fundiert. Die konkrete Interventionsplanung anhand eines der formulierten Feinziele beantwortet ganz konkret die Frage «Wer macht wann, was, wie, warum?» (3)" + +## Reference 10 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilungskriterien +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Interventionsplanung (Kooperation) +- **Pages:** 8 +- **Lines:** 419-420 +- **Quote:** "Klientelspezifische und inter- / intraprofessionelle Kooperationen sind konkret dargestellt (1.5)" + +## Reference 11 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilungskriterien +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Fachliche Reflexion +- **Pages:** 8 +- **Lines:** 422-429 +- **Quote:** "Nachvollziehbare, differenzierte und fachlich fundierte Darstellung der fachlichen, kritischen Reflexion im Hinblick auf relevante Aspekte (max. 9 Punkte) • Eine fachliche, kritische Reflexion des Gestaltungsprozesses hinsichtlich der Aspekte «Fachliches sowie methodisches Vorgehen inkl. Bedeutung und Zusammenhang der Prozessschritte (Zirkularität)» (3), «klientInnenspezifische und intra-/interprofessionelle Kooperation» (1.5), «eigene Rolle als Fachperson» ist dargelegt (1.5) → insgesamt (6) • Mögliche Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse werden dargestellt (3)" diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.md index 29616a5..a2274cc 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.md @@ -1,20 +1,13 @@ # Beurteilungskriterien: Analyse, Diagnose, Zielsetzung, Interventionsplanung und Reflexion -Seite 8 enthält die detaillierten inhaltlichen Beurteilungskriterien für die Prozessschritte Analyse, Diagnose, Zielsetzung, Interventionsplanung und fachliche Reflexion sowie den Beginn der formalen Kriterien. Jeder Prozessschritt hat spezifische Teilkriterien mit Punktwerten. Die formalen Kriterien umfassen Sprache, Zitation und Quellenverzeichnis. +Die **Analyse** (max. 9 Punkte) verlangt eine passend gewählte, begründete und fachlich fundiert erläuterte Analysemethode (1.5), eine differenziert dargestellte Kooperation (1.5) sowie relevante, vertiefende Aspekte (1.5). Konstatierende Hypothesen sind schlüssig abzuleiten und korrekt zu formulieren (1.5) [(Ref 1)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-1). Am höchsten gewichtet ist die Fallthematik (3): Sie muss präzise formuliert sein und eine passende Grundlage für die Diagnose bilden [(Ref 6)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-6). -## Key Points +Die **Diagnose** (max. 9 Punkte) erfordert zwei zur Fallthematik passend gewählte und nachvollziehbar begründete Theorien (je 1.5, insgesamt 3). Die theoriegeleiteten Fallüberlegungen müssen korrekt und nachvollziehbar sein (3) [(Ref 2)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-2). Erklärende Hypothesen sind als Weil-Hypothesen aus den Theorien abzuleiten (1.5), eine handlungsleitende Arbeitshypothese als Wenn-Dann-Hypothese zu formulieren (1.5) [(Ref 7)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-7). -- **Analyse** (max. 9 Punkte): Analysemethode, Kooperation, vertiefende Aspekte, konstatierende Hypothesen, Fallthematik (3 Punkte) -- **Diagnose** (max. 9 Punkte): 2 Theorien passend gewählt und begründet (je 1.5), theoriegeleitete Fallüberlegungen (3), erklärende Hypothesen (1.5), handlungsleitende Arbeitshypothese als Wenn-Dann-Hypothese (1.5) -- **Zielsetzung** (max. 10 Punkte): Kooperativer Zielbildungsprozess (1.5), hierarchisierte Zielformulierung (1.5), korrekte Formulierung inkl. SMART (3), fachliche Begründung (3), Unterscheidung BZ/UZ (1) -- **Interventionsplanung** (max. 10 Punkte): Zusammenfassung (1), handlungsleitende Konzepte (1.5), Interventionsmöglichkeiten (1.5), fachlich begründete Auswahl (1.5), konkrete Planung «Wer macht wann, was, wie, warum?» (3), Kooperation (1.5) -- **Fachliche Reflexion** (max. 9 Punkte): Fachliches Vorgehen inkl. Zirkularität (3), Kooperation (1.5), Rolle (1.5), Konsequenzen und Erkenntnisse (3) -- **Formale Kriterien** (max. 15 Punkte, bestanden ab 10): Sprache (2), Grammatik (3), Diversitätsgerecht (1), Zitation (1.5), Quellenverzeichnis (1.5) +Die **Zielsetzung** (max. 10 Punkte) umfasst die konkrete Darstellung des kooperativen Zielbildungsprozesses (1.5) und eine hierarchisierte Zielformulierung, bei der die Ebenen zueinander in Beziehung stehen (1.5). Ziele sind als anzustrebender Endzustand zu formulieren; Feinziele folgen dem SMART-Prinzip und dürfen nicht mit Massnahmen verwechselt werden (3) [(Ref 3)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-3). Fern- und Grobziele sind fachlich zu begründen und mit vorangehenden Prozessschritten zu verknüpfen (3); Bildungsziele (BZ) und Unterstützungsziele (UZ) sind korrekt zu unterscheiden (1) [(Ref 8)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-8). -## Evidence References +Die **Interventionsplanung** (max. 10 Punkte) beginnt mit einer Zusammenfassung bisheriger Erkenntnisse (1). Mindestens ein handlungsleitendes Konzept ist fachlich begründet mit der Planung zu verknüpfen (1.5); Interventionsmöglichkeiten sind zu entwerfen, zu reflektieren und begründet auszuwählen (1.5 + 1.5) [(Ref 4)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-4). Die konkrete Planung anhand eines Feinziels beantwortet methodisch-strukturiert die Frage «Wer macht wann, was, wie, warum?» (3) [(Ref 9)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-9). Klientelspezifische sowie inter-/intraprofessionelle Kooperationen sind konkret darzustellen (1.5) [(Ref 10)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-10). -- [Beurteilungskriterien Analyse](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-1) -- [Beurteilungskriterien Diagnose](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-2) -- [Beurteilungskriterien Zielsetzung](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-3) -- [Beurteilungskriterien Interventionsplanung](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-4) -- [Beurteilungskriterien Reflexion und Formale Kriterien](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-5) +Die fachliche **Reflexion** (max. 9 Punkte) umfasst das methodische Vorgehen inkl. Zirkularität (3), die Kooperation (1.5), die eigene Rolle (1.5) sowie Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse (3) [(Ref 11)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-11). + +Die **formalen Kriterien** (max. 15 Punkte, bestanden ab 10) bewerten Sprache und Kohärenz (2), Grammatik/Interpunktion/Orthographie (3), diversitätsgerechte Formulierung (1), Zitation (1.5) sowie Quellenverzeichnis inkl. KI-Zitationstabelle (1.5) [(Ref 5)](./page_08_beurteilungskriterien-analyse-bis-reflexion.evidence.md#reference-5). diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md index 648545b..bd10e6f 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md @@ -57,3 +57,28 @@ Source document: [epg-ausfuehrungsbestimmungen](../../documents/EPG_Ausführungs Für HF SP KP: Promotionswirksame Kompetenznachweise R-HF 2025 Für HF SP Flex: HF Flex - Promotionswirksame Kompetenznachweise (HF Flex - PKNW) Die HF SP / KP Studierenden können bis spätestens zum 04.03.2026 klassenweise Fragen zu den Ausführungsbestimmungen sammeln und im Moodle-Forum «Fragen an die Fachverantwortliche Promotion zu den Ausführungsbestimmungen, Richtlinien für schriftl. Facharbeiten, Leitfaden KI» einreichen." + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Beurteilung +- **Section:** 4.3 Beurteilungskriterien – Glossar +- **Pages:** 9 +- **Lines:** 454-455 +- **Quote:** "Zur Erläuterung zentraler Begriffe (z. B. ‚nachvollziehbar', ‚passend') steht im Moodle-Raum «Promotionswirksame Kompetenznachweise» ein Glossar zur Verfügung." + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Zeitliches Vorgehen +- **Section:** 5.1 Einführung – Vor der Einführungsveranstaltung +- **Pages:** 9 +- **Lines:** 493-498 +- **Quote:** "Die HF Flex Studierenden können bis spätestens zum 04.03.2026 individuell Fragen zu den Ausführungsbestimmungen im Moodle-Forum «Fragen an die Fachverantwortliche Promotion zu den Ausführungsbestimmungen, Richtlinien für schriftl. Facharbeiten, Leitfaden KI» einreichen." + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Zeitliches Vorgehen +- **Section:** 5.1 Einführung – Vor der Einführungsveranstaltung +- **Pages:** 9 +- **Lines:** 482-484 +- **Quote:** "Vor der Einführungsveranstaltung +Alle Unterlagen und Frageforen zur Exemplarischen Prozessgestaltung befinden sich im Moodle-Raum «Promotionswirksame Kompetenznachweise»." diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.md index 40fc18d..2a7769c 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.md @@ -1,22 +1,11 @@ -# Formale Kriterien (Fortsetzung), Punkteskala und Zeitliches Vorgehen +# Formale Kriterien (Fortsetzung), Punkteskala und Beginn Zeitliches Vorgehen -Seite 9 schliesst die formalen Beurteilungskriterien mit Gestaltung und Aufbau ab, beschreibt die Punkteskala für die Bewertung und leitet den Abschnitt «Zeitliches Vorgehen» mit der Einführungsveranstaltung ein. Die verbindlichen Vorgaben zu Schweigepflicht und Eigenleistung werden nochmals betont. +Die letzten beiden formalen Beurteilungskriterien betreffen Gestaltung und Aufbau, die zusammen 6 Punkte ergeben. Die Gestaltung (3 Punkte) wird in drei Teilkriterien bewertet: Einhaltung der Titelblatt-Vorgaben (1), einheitliche Formatierung mit lesefreundlichem Layout (1) sowie verständliche visuelle Darstellungselemente, die den Inhalt aussagekräftig ergänzen (1). Der Aufbau (3 Punkte) gliedert sich ebenfalls in drei Teilkriterien: korrektes Inhaltsverzeichnis und korrekte Nummerierung einschliesslich weiterer Verzeichnisse (1), Struktur gemäss Vorgaben (1) und Einhaltung des vorgeschriebenen Umfangs von mindestens 24'000 bis maximal 39'000 Zeichen (1) [(Ref 1)](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-1). -## Key Points +Zusätzlich zu den punktebewerteten Kriterien müssen zwei verbindliche Vorgaben erfüllt sein: der korrekte Umgang mit der beruflichen Schweigepflicht sowie Klarheit bezüglich der Eigenleistung. Der Umgang mit allen benutzten Quellen muss transparent sein, sodass klar ersichtlich ist, was übernommene Gedanken und was Eigenleistung ist [(Ref 2)](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-2). Zur Erläuterung zentraler Begriffe wie ‚nachvollziehbar' oder ‚passend' steht im Moodle-Raum «Promotionswirksame Kompetenznachweise» ein Glossar zur Verfügung [(Ref 6)](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-6). -- **Gestaltung** (3 Punkte): Titelblatt (1), Formatierung/Layout (1), visuelle Darstellungselemente (1) -- **Aufbau** (3 Punkte): Inhaltsverzeichnis/Nummerierung (1), Struktur gemäss Vorgaben (1), Einhaltung Zeichenumfang (1) -- Verbindliche Vorgaben: berufliche Schweigepflicht und Klarheit bezüglich Eigenleistung -- **Punkteskala 1/1.5 Punkte**: 1.5 = sehr gut/gut, 1 = genügend, 0.5 = ungenügend, 0 = fehlt/nicht korrekt -- **Punkteskala 3 Punkte** (doppelt): 3 = sehr gut/gut, 2 = genügend, 1 = ungenügend, 0 = fehlt (keine 0.5 Punkte) -- Glossar im Moodle-Raum zur Erläuterung zentraler Begriffe -- Moodle-Räume: «Promotionswirksame Kompetenznachweise R-HF 2025» (HF SP/KP) und «HF Flex - PKNW» (HF Flex) -- Fragen bis 04.03.2026 im Moodle-Forum einreichen +Die Bewertung erfolgt anhand zweier Punkteskalen. Bei Teilkriterien mit maximal 1.5 Punkten gilt: 1.5 = sehr gut/gut, 1 = genügend, 0.5 = ungenügend, 0 = nicht erfüllt [(Ref 3)](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-3). Bei doppelt bewerteten Teilkriterien mit maximal 3 Punkten entfällt die Stufe 0.5: 3 = sehr gut/gut, 2 = genügend, 1 = ungenügend, 0 = nicht erfüllt. Es werden keine halben Punkte vergeben [(Ref 4)](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-4). -## Evidence References +Das Kapitel «Zeitliches Vorgehen» beginnt mit der Phase vor der Einführungsveranstaltung. Sämtliche Unterlagen und Frageforen zur Exemplarischen Prozessgestaltung befinden sich im Moodle-Raum «Promotionswirksame Kompetenznachweise» [(Ref 8)](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-8). Der zugehörige Raum heisst für den Studiengang HF SP/KP «Promotionswirksame Kompetenznachweise R-HF 2025» und für HF SP Flex «HF Flex - Promotionswirksame Kompetenznachweise (HF Flex - PKNW)» [(Ref 5)](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-5). -- [Gestaltung und Aufbau Kriterien](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-1) -- [Verbindliche Vorgaben Schweigepflicht und Eigenleistung](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-2) -- [Punkteskala 1/1.5 Punkte](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-3) -- [Punkteskala 3 Punkte](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-4) -- [Moodle-Räume und Fragefrist](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-5) +Vor der Einführungsveranstaltung können die Studierenden Fragen zu den Ausführungsbestimmungen im Moodle-Forum «Fragen an die Fachverantwortliche Promotion zu den Ausführungsbestimmungen, Richtlinien für schriftl. Facharbeiten, Leitfaden KI» einreichen. Die HF SP/KP-Studierenden sammeln ihre Fragen klassenweise bis spätestens 04.03.2026 [(Ref 5)](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-5), während die HF-Flex-Studierenden ihre Fragen individuell bis zum gleichen Termin einreichen [(Ref 7)](./page_09_formale-kriterien-und-punkteskala.evidence.md#reference-7). diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md index f7a1614..03da56d 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md @@ -46,3 +46,27 @@ Abgabemodalitäten (siehe dazu Checkliste Abgabe EPG (Eingangskontrolle): - **Lines:** 538-543 - **Quote:** "Abgabetermin Auflage: Eine allfällige Auflage zur Exemplarischen Prozessgestaltung muss am 15.10.2026 bis spätestens um 23:59 Uhr eingereicht werden. Es gilt das gleiche Abgabeprozedere wie bei der Ersteinreichung der Arbeit (Beschriftung der Dateien: für Studiengang HF SP / KP: EPG_Klasse_Nachname_Vorname Auflage / für Studiengang HF Flex: EPG_HF Flex_Nachname_Vorname Auflage)." + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Zeitliches Vorgehen +- **Section:** 5.1 Einführung – Vor der Einführungsveranstaltung +- **Pages:** 10 +- **Lines:** 499-500 +- **Quote:** "Diese Fragen werden in der Online-Einführung beantwortet. An der Online-Einführung selbst können keine Fragen gestellt werden." + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Zeitliches Vorgehen +- **Section:** 5.2 Abgabetermine und Abgabemodalitäten +- **Pages:** 10 +- **Lines:** 533-535 +- **Quote:** "Die Dateien sind wie folgt zu benennen: für Studiengang HF SP / KP: EPG_Klasse_Nachname_Vorname / für Studiengang HF Flex: EPG_HF Flex_Nachname_Vorname" + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Zeitliches Vorgehen +- **Section:** 5.2 Abgabetermine und Abgabemodalitäten – Auflage +- **Pages:** 10 +- **Lines:** 540-543 +- **Quote:** "Es gilt das gleiche Abgabeprozedere wie bei der Ersteinreichung der Arbeit (Beschriftung der Dateien: für Studiengang HF SP / KP: EPG_Klasse_Nachname_Vorname Auflage / für Studiengang HF Flex: EPG_HF Flex_Nachname_Vorname Auflage)." diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.md index 1ec0e8e..04f4699 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.md @@ -1,22 +1,13 @@ # Einführungsveranstaltung, Frageforum und Abgabetermine -Seite 10 beschreibt die Details zur Einführungsveranstaltung, das Frageforum nach der Einführung sowie die konkreten Abgabetermine und Abgabemodalitäten für die EPG und die Auflage. Die Online-Einführung findet am 18.03.2026 statt, der Abgabetermin ist der 29.06.2026, und die Auflage ist am 15.10.2026 einzureichen. +Die vor der Einführungsveranstaltung gesammelten Fragen werden in der Online-Einführung beantwortet. An der Veranstaltung selbst können keine Fragen gestellt werden [(Ref 6)](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-6). -## Key Points +Die Online-Einführung zur Exemplarischen Prozessgestaltung findet am 18.03.2026 um 09.00 bis ca. 10.30 Uhr statt — für HF SP/KP im Rahmen der Ausbildungsbegleitung (AB) bzw. des Vernetzungsmoduls (VM) 1.2. Die Einführung erfolgt durch die Fachverantwortliche Promotion; der Teams-Link ist im Moodle-Raum zu finden [(Ref 1)](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-1). -- Online-Einführung am 18.03.2026, 09.00–ca. 10.30 Uhr durch Fachverantwortliche Promotion -- Veranstaltung wird nicht aufgezeichnet; Aufzeichnung ist untersagt -- Rund 3 Monate zur Verfassung der EPG nach der Einführung -- Frageforum bleibt nach Einführung geöffnet; Antworten schriftlich durch Fachverantwortliche -- **Abgabetermin EPG: 29.06.2026 bis 23:59 Uhr** -- Abgabemodalitäten: Hardcopy per A-Post (Poststempel 29.06.2026) + PDF und Word auf Moodle -- Dateibenennung: EPG_Klasse_Nachname_Vorname (HF SP/KP) bzw. EPG_HF Flex_Nachname_Vorname -- **Abgabetermin Auflage: 15.10.2026 bis 23:59 Uhr** (gleiches Prozedere, mit Zusatz «Auflage») +Die Veranstaltung wird nicht aufgezeichnet, und jegliche Form der Aufzeichnung ist untersagt. Die Präsentationsfolien stehen anschliessend im Moodle-Raum zur Verfügung. Nach der Einführungsveranstaltung stehen rund 3 Monate für die Verfassung der Exemplarischen Prozessgestaltung zur Verfügung [(Ref 2)](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-2). -## Evidence References +Das Moodle-Forum «Fragen an die Fachverantwortliche Promotion zu den Ausführungsbestimmungen, Richtlinien für schriftl. Facharbeiten, Leitfaden KI» bleibt nach der Online-Einführung geöffnet. Weitere Fragen werden schriftlich durch die Fachverantwortliche Promotion beantwortet. Für den Austausch unter Studierenden steht zusätzlich das «Diskussionsforum zwischen Studierenden» zur Verfügung [(Ref 3)](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-3). -- [Online-Einführung Termin und Details](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-1) -- [Aufzeichnungsverbot und Zeitrahmen](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-2) -- [Frageforum nach Einführung](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-3) -- [Abgabetermin und Modalitäten EPG](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-4) -- [Abgabetermin Auflage](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-5) +Der Abgabetermin für die Exemplarische Prozessgestaltung ist der 29.06.2026 bis spätestens 23:59 Uhr. Die Abgabe erfolgt zweifach: Ein gedrucktes Exemplar der Arbeit (inkl. unterschriebener Deklaration) wird in einem Sichtmäppli per A-Post (nicht eingeschrieben) an die beurteilende Person geschickt — es gilt der Poststempel 29.06.2026. Parallel dazu wird die Arbeit als PDF- und Word-Dokument bis spätestens 23:59 Uhr im Moodle-Briefkasten eingereicht [(Ref 4)](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-4). Die Dateien sind nach einem festen Schema zu benennen: für den Studiengang HF SP/KP «EPG_Klasse_Nachname_Vorname» und für HF Flex «EPG_HF Flex_Nachname_Vorname» [(Ref 7)](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-7). + +Eine allfällige Auflage zur EPG muss am 15.10.2026 bis spätestens 23:59 Uhr eingereicht werden [(Ref 5)](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-5). Es gilt das gleiche Abgabeprozedere wie bei der Ersteinreichung der Arbeit. Die Dateibenennung wird dabei um den Zusatz «Auflage» ergänzt, also «EPG_Klasse_Nachname_Vorname Auflage» bzw. «EPG_HF Flex_Nachname_Vorname Auflage» [(Ref 8)](./page_10_einfuehrung-und-abgabetermine.evidence.md#reference-8). diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md index 8eb1443..42da982 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md @@ -41,3 +41,27 @@ Eine Fristerstreckung kann bei einem längeren, begründeten und mit ärztlichem - **Pages:** 11 - **Lines:** 571 - **Quote:** "Agogis, Fachverantwortung Promotion, Dezember 2025" + +## Reference 6 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Zeitliches Vorgehen +- **Section:** 5.3 Termine Beurteilungsschreiben auf Moodle +- **Pages:** 11 +- **Lines:** 552-553 +- **Quote:** "Upload der Beurteilungsschreiben der Auflage erfolgt am 12.11.2026 (17:00 Uhr) auf Moodle." + +## Reference 7 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Ausnahmefälle +- **Section:** 6 Vorgehen bei Ausnahmefällen +- **Pages:** 11 +- **Lines:** 558-561 +- **Quote:** "Dazu muss ein schriftliches Gesuch per Mail an die zuständige Standortleitung resp. für HF Flex an die Studiengangleitung (mit Cc an die für den PKNW Exemplarische Prozessgestaltung Fachverantwortliche Promotion) gestellt werden." + +## Reference 8 +- **Document:** EPG Ausführungsbestimmungen +- **Chapter:** Ausnahmefälle +- **Section:** 6 Vorgehen bei Ausnahmefällen +- **Pages:** 11 +- **Lines:** 563-564 +- **Quote:** "grundsätzlich richtet sich die Dauer der Fristerstreckung nach der Dauer der Krankschreibung" diff --git a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.md b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.md index f0035fd..7d39cea 100644 --- a/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.md +++ b/knowledge-base/epg-ausfuehrungsbestimmungen/page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.md @@ -1,21 +1,11 @@ # Termine Beurteilungsschreiben und Vorgehen bei Ausnahmefällen -Seite 11 nennt die Termine für den Upload der Beurteilungsschreiben und beschreibt das Vorgehen bei Ausnahmefällen (Fristerstreckung). Die Beurteilungsschreiben werden am 03.09.2026 und die der Auflage am 12.11.2026 auf Moodle hochgeladen. Bei begründetem Ausfall kann eine Fristerstreckung beantragt werden. +Nach Einreichung der Exemplarischen Prozessgestaltung erhalten die Studierenden ein Beurteilungsschreiben über Moodle. Der Upload der Beurteilungsschreiben und allfälliger Auflagen für die Ersteinreichung erfolgt am 03.09.2026 um 17:00 Uhr auf Moodle — die Studierenden haben damit rund zwei Monate nach dem Abgabetermin (29.06.2026) auf das Ergebnis zu warten [(Ref 1)](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-1). Falls eine Auflage erteilt und fristgerecht bis zum 15.10.2026 nachgebessert wird, wird das zugehörige Beurteilungsschreiben der Auflage am 12.11.2026 um 17:00 Uhr auf Moodle bereitgestellt [(Ref 6)](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-6). -## Key Points +Für Ausnahmefälle sieht das Reglement eine Fristerstreckung vor. Eine solche kann beantragt werden, wenn ein längerer, begründeter und mit ärztlichem Attest belegter Ausfall oder Verhinderungsgrund vorliegt [(Ref 2)](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-2). Das Gesuch muss schriftlich per Mail eingereicht werden: HF SP/KP-Studierende richten es an die zuständige Standortleitung, HF-Flex-Studierende an die Studiengangleitung. In beiden Fällen ist die Fachverantwortliche Promotion für den PKNW Exemplarische Prozessgestaltung in Kopie zu setzen [(Ref 7)](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-7). -- Upload Beurteilungsschreiben: 03.09.2026 um 17:00 Uhr auf Moodle -- Upload Beurteilungsschreiben Auflage: 12.11.2026 um 17:00 Uhr auf Moodle -- Fristerstreckung bei längerem, begründetem Ausfall mit ärztlichem Attest möglich -- Schriftliches Gesuch an zuständige Standortleitung (bzw. Studiengangleitung für HF Flex), mit Cc an Fachverantwortliche Promotion -- Dauer der Fristerstreckung richtet sich nach der Dauer der Krankschreibung -- Gesuch muss frühzeitig, in der Regel bis maximal 5 Arbeitstage vor dem offiziellen Abgabetermin eingereicht werden -- Dokument erstellt von Agogis, Fachverantwortung Promotion, Dezember 2025 +Im Gesuch begründet die oder der Studierende den Antrag, legt entsprechende Belege wie ärztliche Zeugnisse bei und unterbreitet einen konkreten Vorschlag für die verlängerte Frist [(Ref 3)](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-3). Grundsätzlich richtet sich die Dauer der gewährten Fristerstreckung nach der Dauer der ärztlich attestierten Krankschreibung [(Ref 8)](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-8). -## Evidence References +Ein Fristerstreckungsgesuch muss frühzeitig eingereicht werden — in der Regel bis maximal 5 Arbeitstage vor dem offiziellen Abgabetermin. Massgebend für die genauen Termine ist das Dokument 13.0.5 «Übersicht Termine schulische Promotionselemente und abschliessendes Qualifikationsverfahren» [(Ref 4)](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-4). -- [Termine Beurteilungsschreiben](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-1) -- [Fristerstreckung Voraussetzungen](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-2) -- [Gesuch und Belege](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-3) -- [Frist für Fristerstreckungsgesuch](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-4) -- [Dokumentherkunft](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-5) +Die vorliegenden Ausführungsbestimmungen wurden von Agogis, Fachverantwortung Promotion, im Dezember 2025 erstellt [(Ref 5)](./page_11_beurteilungsschreiben-und-ausnahmefaelle.evidence.md#reference-5). diff --git a/knowledge-base/index.md b/knowledge-base/index.md index 0723806..d4480dd 100644 --- a/knowledge-base/index.md +++ b/knowledge-base/index.md @@ -6,12 +6,22 @@ Wissensdatenbank zur **Kooperativen Prozessgestaltung (KPG)** und **Exemplarisch | Dokument | Typ | Umfang | Artikel | |----------|-----|--------|---------| +| [Übersicht Prozessschritte KPG](./documents/ubersicht-prozessschritte-kpg.md) | Präsentationsmaterialien | 57 Seiten | 1 Zusammenfassung + Evidenz | | [Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit](./arbeit/index.md) | Theorieband | 386 Seiten, 15 Kapitel | 15 Kapitel-Artikel + Evidenz | | [Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis](./praxis/index.md) | Praxisband | 297 Seiten, 15 Abschnitte | 15 Abschnitt-Artikel + Evidenz | | [EPG Ausführungsbestimmungen](./epg-ausfuehrungsbestimmungen/index.md) | Wegleitung | 11 Seiten | 11 Seiten-Artikel + Evidenz | --- +## Präsentationsmaterialien: Übersicht Prozessschritte KPG + +Präsenzforum 2: Fallverstehen + +- [Übersicht Prozessschritte KPG](./documents/ubersicht-prozessschritte-kpg.md) — Comprehensive overview of the seven-step KPG process with detailed explanations of each phase + - Evidence: [ubersicht-prozessschritte-kpg.evidence.md](./documents/ubersicht-prozessschritte-kpg.evidence.md) + +--- + ## Theorieband: Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit Hochuli Freund, U. & Stotz, W. (2021). 5. Auflage. Kohlhammer. @@ -78,6 +88,30 @@ Regel-HF 25 / HF Flex Studienjahr 25/26, Abgabetermin 29.06.2026. --- +## Fallunterlagen Leny (Case 2026-001) + +Anonymisierte Originaldokumente, hochgeladen von Alexandra am 08.03.2026. + +- [Schulpsychologischer Bericht (13.01.2025)](./documents/schulpsychologischer-bericht.md) — Diagnose PTBS, Abklärung erhöhter Bedarf, Empfehlung stationäre Sonderschule + - Evidence: [schulpsychologischer-bericht.evidence.md](./documents/schulpsychologischer-bericht.evidence.md) + +- [Beschlussprotokoll 1. Standortgespräch (28.01.2025)](./documents/beschlussprotokoll-1-stao.md) — Erstes interdisziplinäres STAO ca. 3 Wochen nach Eintritt + - Evidence: [beschlussprotokoll-1-stao.evidence.md](./documents/beschlussprotokoll-1-stao.evidence.md) + +- [Gesprächsnotizen Bezugssystem](./documents/gespraechsnotizen-bezugssystem.md) — Alexandras Notizen zur schwierigen Phase mit Kindsmutter nach Sommer 2025 + - Evidence: [gespraechsnotizen-bezugssystem.evidence.md](./documents/gespraechsnotizen-bezugssystem.evidence.md) + +- [STAO Dezember 2025 (11.12.2025)](./documents/stao-dezember-2025.md) — Aktuellstes interdisziplinäres Standortgespräch: Ressourcen, Herausforderungen, Hypothesen, Schulplanung + - Evidence: [stao-dezember-2025.evidence.md](./documents/stao-dezember-2025.evidence.md) + +- [Notizen zur Situationsbeschreibung](./documents/notizen-situationsbeschreibung.md) — Alexandras Notizen zu Beobachtungen, Ressourcen und vorläufigen Themen + - Evidence: [notizen-situationsbeschreibung.evidence.md](./documents/notizen-situationsbeschreibung.evidence.md) + +- [Journal Wuschel (Aug 2025 – Feb 2026)](./documents/journal-leny.md) — Tägliche Einträge aus Wohnen und Schule über 6 Monate; 120 Belege zu Aufmerksamkeit, Alpha-Bindung, Familie, Sport und Alltag + - Evidence: [journal-leny.evidence.md](./documents/journal-leny.evidence.md) + +--- + ## Referenzformat Diese Wissensdatenbank verwendet **exakte Zitate** mit Verweisen auf Evidenzdateien, die den Originaltext dokumentieren. @@ -90,3 +124,5 @@ Jede Evidenzdatei enthält exakte, wortgetreue Zitate aus dem Quelldokument mit: - **Pages:** Seitenzahl(en) im PDF - **Lines:** Zeilennummern in der Markdown-Transkription - **Quote:** Exaktes, wortgetreues Zitat + + diff --git a/knowledge-base/praxis/index.md b/knowledge-base/praxis/index.md index dbae9b2..c3841d2 100644 --- a/knowledge-base/praxis/index.md +++ b/knowledge-base/praxis/index.md @@ -2,29 +2,108 @@ Hochuli Freund, U. (Hrsg.) (2017). *Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis. Materialien für die Soziale Arbeit.* Stuttgart: Kohlhammer. +--- ## Teil 1: Konzeptionelle Grundlagen -- [Anforderungen an professionelles Handeln – Kooperative Prozessgestaltung und weitere Professionalitätsentwürfe im Vergleich](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.md) – *Jakin Gebert* -- [Denken und Handeln – Eine transdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Konzept Kooperative Prozessgestaltung](./section_02_denken-und-handeln.md) – *Ursula Hochuli Freund* -- [Kooperative Prozessgestaltung als Beitrag zum ethischen Handeln in der Sozialen Arbeit](./section_03_ethisches-handeln.md) – *Kathrin Schreiber* -- [Kooperation und Multiperspektivität](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.md) – *Ursula Hochuli Freund* -- [Bedeutung und Funktion von Hypothesen im Konzept Kooperative Prozessgestaltung – Vergleich zur systemischen Arbeit](./section_05_hypothesen.md) – *Raphaela Sprenger-Ursprung* +### [Anforderungen an professionelles Handeln](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.md) – *Jakin Gebert* +Gebert vergleicht verschiedene Professionalitätsentwürfe in der Sozialen Arbeit und identifiziert allgemeingültige Anforderungen an professionelles Handeln. Der Beitrag arbeitet heraus, dass Professionalität als »gekonnte Beruflichkeit« verstanden werden muss, die zugleich zentraler Qualitätsmaßstab ist – doch paradoxerweise fehlen oft verbindliche Standards, was zu Beliebigkeit führt. Zentral ist die Analyse von sechs strukturellen Spannungsfeldern (Klient vs. Systeme, Hilfe vs. Kontrolle, Mensch vs. Arbeitskraft, Standardisierung vs. Offenheit, Allzuständigkeit vs. Spezialisierung, Autonomie vs. Abhängigkeit), denen sich Professionelle permanent ausgesetzt sehen. Der Beitrag verdichtet die Anforderungen zu zwei übergeordneten Kategorien: zentrale Kompetenzen (Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz) und eine reflektierte Grundhaltung – beides ist notwendig, um professionell komplexe Situationen zu bewältigen. + +--- + +### [Denken und Handeln](./section_02_denken-und-handeln.md) – *Ursula Hochuli Freund* + +Hochuli Freund betrachtet professionelles Handeln als Einheit von Denken und Handeln – eine transdisziplinäre Auseinandersetzung mit Konzepten aus Psychologie (Kahneman), Kognitionswissenschaft (Gigerenzer) und Praxistheorie (Schön). Der Beitrag verfolgst die Frage: Wie entstehen »gute Entscheidungen« unter Unsicherheit? Es wird die Rolle von Faustregeln (»intelligente Vermutungen«), intuitivem versus analytischem Denken und der »Reflection-in-action« (Schön) erörtert. Zentral ist die Erkenntnis, dass professionelle Praktiker in Sekundenschnelle handlungsfähig werden müssen, aber auch die Fähigkeit zur bewussten Reflexion brauchen. KPG wird als Orientierungsrahmen positioniert, der beide Modi des Denkens unterstützt: schnelle Intuition ebenso wie sorgfältige Analyse. + +--- + +### [Kooperative Prozessgestaltung als Beitrag zum ethischen Handeln](./section_03_ethisches-handeln.md) – *Kathrin Schreiber* + +Schreiber erläutert die Bedeutung ethischer Reflexion und stellt dar, wie KPG als Methodik sowohl individuelle als auch strukturelle ethische Konflikte bewältigt. Der Beitrag behandelt ethische Grundbegriffe (Ethik vs. Moral), professionelle Ethik und ihre Verhältnisse zu rechtlichen Vorgaben. Zentral ist die These, dass das KPG-Modell – mit seinen Phasen der Kooperation, des Verstehens und der transparenten Prozessgestaltung – ethische Reflexion strukturiert ausweist. Dies erlaubt es Professionellen, »ethische Dilemmata« nicht zu verdrängen, sondern sie als selbstverständlichen Teil professioneller Praxis zu integrieren und mit Klientinnen kooperativ zu bearbeiten. + +--- + +### [Kooperation und Multiperspektivität](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.md) – *Ursula Hochuli Freund* + +Hochuli Freund betont, dass Multiperspektivität – die bewusste Einbeziehung verschiedener Sichtweisen (Klientin, Familie, Professionelle, Organisationen) – ein Kernprinzip von KPG ist. Der Beitrag erörtert Hindernisse (Machtdynamiken, unterschiedliche Interessen), den Mehrwert von multiperspektivischer Arbeit und die Verwirrung, die entstehen kann, wenn zu viele Perspektiven nicht integriert werden. Zentral ist die als Gewinn rahmt der Beitrag, dass gerade die Disparität von Perspektiven – richtig bearbeitet – zu Innovationen und tragfähigeren Lösungen führt. Die Vergessene oder Ignorierte Perspektive der Klientinnen wird als Blindstelle identifiziert, die weit verbreitet ist, aber nicht sein muss. + +--- + +### [Bedeutung und Funktion von Hypothesen im Konzept KPG](./section_05_hypothesen.md) – *Raphaela Sprenger-Ursprung* + +Sprenger-Ursprung arbeitet heraus, dass Hypothesen nicht als »vorläufige Wahrheit über den Fall« zu verstehen sind, sondern als handlungsleitende Annahmen im KPG-Prozess. Der Beitrag unterscheidet zwischen konstatiernden Hypothesen (»Was ist die aktuelle Situation?«, Analysephase), erklärenden Hypothesen (»Warum ist das so?«, Diagnosephase) und systemischen Hypothesen (»Was wäre wenn…«, erweiterter Blick). Die Vergleich mit der Systemischen Therapie verdeutlicht, dat Hypothesen ein Werkzeug sind, um Sicherheit unter Unsicherheit zu gewinnen, dabei aber reflektiert zu bleiben. Der Beitrag unterstreicht die Flexibilität von Hypothesen – sie müssen bei neuen Informationen überprüft und angepast werden. + +--- ## Teil 2: Arbeitsfeldspezifische Konkretisierungen und Arbeitsmaterialien -- [Kooperative Prozessgestaltung im Eingliederungsmanagement – Eine praxisfeldspezifische Ausdifferenzierung](./section_06_eingliederungsmanagement.md) – *Ursula Hochuli Freund* -- [Kooperative Bedarfsermittlung und Weiterentwicklung des Wohnbereichs – Einführung von KPG in der Behindertenhilfe](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.md) – *Jakin Gebert, Ursula Hochuli Freund, Jasmin Hugenschmidt, Raphaela Sprenger-Ursprung* -- [Implementation eines Tools für sozialpädagogische Prozessgestaltung und Dokumentation in der stationären Behindertenhilfe](./section_08_implementation-tool.md) – *Ursula Hochuli Freund et al.* -- [Variationen zum Prozessgestaltungsmodell – Spiel-Möglichkeiten und Klärungen](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.md) – *Ursula Hochuli Freund, Raphaela Sprenger-Ursprung* -- [Fallbesprechungs-Materialien – Strukturierungshilfen für effektive Fallbesprechungen gemäss KPG](./section_10_fallbesprechungs-materialien.md) – *Ursula Hochuli Freund* +### [Kooperative Prozessgestaltung im Eingliederungsmanagement](./section_06_eingliederungsmanagement.md) – *Ursula Hochuli Freund* +Hochuli Freund zeigt, wie KPG konkret im Eingliederungsmanagement (Case Management bei Sozialhilfe) umgesetzt wird. Der Beitrag beschreibt die Spannungsfelder dieses Feldes (Unterstützung vs. Kontrolle, Inklusion vs. Beformerung, professionelle Unabhängigkeit vs. institutionelle Vorgaben) und erlutert, wie eine kooperative, multiperspektivische Haltung unter diesen Bedingungen möglich ist. Zentral sind Konzepte wie »Haltung des Nichtwissens« (»Erst verstehen, dann handeln«) und die Verhandlung von Grobzielen zwischen Klientinnen und Professionellen. Der Beitrag dokumentiert, dass auch in einem kontrollierten Feld – Sozialhilfe – vertrauensvolle, kooperative Arbeitsprozesse entstehen können, wenn sie intentional gestaltet werden. + +--- + +### [Kooperative Bedarfsermittlung und Weiterentwicklung des Wohnbereichs](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.md) – *Jakin Gebert, Ursula Hochuli Freund, Jasmin Hugenschmidt, Raphaela Sprenger-Ursprung* + +Dieses Mehrautorenbeiträge erörtert ein Praxisprojekt zur Einführung von KPG in der Behindertenhilfe. Der Fokus liegt auf der kooperativen Bedarfsermittlung – wie können Bewohnerinnen und Bewohner mit Beein trächtigung in die Gestaltung ihrer Unterstützung aktiv einbezogen werden? Der Beitrag dokumentiert die Auswahl und Begründung von Instrumenten (z. B. Silhouette, Netzwerkkarte), die Prozessschritte einer Bedarfsermittlung, und die Erkenntnis, dass wahre Partizipation Zeit, strukturelle Veränderungen und Haltungswechsel erfordert. Ein Fallbeispiel verdeutlicht, wie durch kooperative Bedarfsermittlung versteckte Ressourcen und Wünsche sichtbar werden, die vorher in standarden Verfahren übersehen worden wären. + +--- + +### [Implementation eines Tools für sozialpädagogische Prozessgestaltung](./section_08_implementation-tool.md) – *Ursula Hochuli Freund et al.* + +Dieser Beitrag dokumentiert die Entwicklung und Erprobung eines digitalen Dokumentationswerkzeugs, das die Phasen und Prozessschritte von KPG unterstützt. Der Schwerpunkt liegt auf Fragen der Implementierung: Wie wird neue Technologie oder Praxis in Organisationen verankert? Welche Schulungen, Widerstände und Chancen entstehen? Der Beitrag zeigt, dass ein gut gestaltetes Tool tatsächlich helfen kann, Transparenz zu erhöhen, Prozesse zu strukturieren und Klientinnen besser einzubeziehen – aber nur, wenn es mit Reflexion und Haltungswechsel kombiniert wird. Das Tool ist Mittel, nicht Ziel. + +--- + +### [Variationen zum Prozessgestaltungsmodell](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.md) – *Ursula Hochuli Freund, Raphaela Sprenger-Ursprung* + +Das Prozessmodell KPG mit sieben Schritten ist ein Orientierungsrahmen, kein starre Vorschrift. Dieser Beitrag erläutert, wie und wann Variationen sinnvoll sind: In welchen Kontexten können Schritte übersprungen oder vertieft werden? Wie wird mit zeitlichen Zwängen umgegangen? Wie unterscheidet sich KPG in Kriseninterventionen von langfristigen Unterstützungsprozessen? Der Beitrag dokumentiert verschiedene »Spielmöglichkeiten« und betont, dass Flexibilität nicht Beliebigkeit bedeutet – die grundsätzliche »Denk- und Handlungslogik« von KPG bleibt konstant, während die Ausgestaltung dem Kontext angepasst wird. + +--- + +### [Fallbesprechungs-Materialien](./section_10_fallbesprechungs-materialien.md) – *Ursula Hochuli Freund* + +Fallbesprechungen sind ein zentraler Ort für Kollegialität, Reflexion und Qualitätssicherung. Dieser Beitrag stellt Struktuierungshilfen für Fallbesprechungen gemäß KPG-Logik zur Verfügung: Wie wird eine Fallbesprechung aufgebaut (Einführung, Darstellung, Analyse, Hypothesen, Handlungsplanung)? Welche Techniken helfen, alle Perspektiven einzubringen und nicht in Routinen zu fallen? Welche typischen Deformationen von Fallbesprächungen sollten vermieden werden (zu schnelle Aussagen-Lösungen, Dominanz einzelner Stimmen)? Der Beitrag stellt konkrete Moderationshilfen zur Verfügung und betont die strukturierende Funktion guter Fallbesprechungen für Professionelle und als »Lernort« für die ganze Organisation. + +--- ## Teil 3: Fallarbeit mit KPG – Best-Practice-Beispiele -- [»Sprechen ist schwierig« – Analyse und Diagnose in einem Fall der stationären Kinderhilfe](./section_11_sprechen-ist-schwierig.md) – *Noëmi Hauri* -- [Schritt in die Unabhängigkeit – Ein Fall in der Ablösung vom Sozialdienst](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.md) – *Sophie Löw* -- [Kooperative Prozessgestaltung in der stationären Suchthilfe – Zielkarte für einen herausfordernden Berufswunsch](./section_13_stationaere-suchthilfe.md) – *Andrea Hauri* -- [Bedürfnisse aufnehmen – Ein neues Freizeitangebot für alte Menschen in der stationären Behindertenhilfe](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.md) – *Mirjam Eberhart* -- [Autonomieförderung durch systemische Fallbearbeitung – KPG in der Spitalsozialarbeit](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.md) – *Noemi Burgener* +### [»Sprechen ist schwierig«](./section_11_sprechen-ist-schwierig.md) – *Noëmi Hauri* + +Hauri dokumentiert einen komplexen Fall aus der stationären Kinderhilfe: Ein Kind mit schwierigen Verhaltensauffälligkeiten und unklarem Hintergrund, bei dem die Fachleute lange nicht verstanden, »worüber« dieses Kind eigentlich mit Hilfe kämpfe. Der Fallbericht zeigt, wie systematische Situationserfassung und Analyse (unter Einsatz von Hypothesen und Multiperspektivität) dazu führte, dass eine vorher übersehene psychische Belastung erkannt und bearbeitet wurde. Der Fall demonstriert die Potenz von »langsamen Denken«, kooperativen Prozessen und Reflexion – und wie dies konkret in der Praxis aussieht, inklusive Frustrationen und Unsicherheiten. + +--- + +### [Schritt in die Unabhängigkeit](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.md) – *Sophie Löw* + +Löw berichtet von einem Beratungsfall bei der Sozialhilfe: Eine Klient mit komplexen finanziellen und administrativen Herausforderungen und dem Wunsch nach Unabhängigkeit. Der Fall zeigt, wie im Eingliederungsmanagement ein »Schritt-für-Schritt«-Ansatz mit hohem Reflexionsbedarf die beste Strategie ist. Zentral ist die Dosierung von Unterstützung – weder zu viel noch zu wenig – und die bewusste Aufgabe von Distanz beim Abschluss des Prozesses. Der Fall verdeutlicht auch »Erfolgs«-Unsicherheit: Wie viel der Veränderung ist durch die Sozialarbeit bewirkt, wie viel durch die Eigenleistung der Klientin? Dieser »Wirkungs-Unsicherheit« wird nicht ausgewichen, sondern in die Abschlussreflexion integriert. + +--- + +### [Kooperative Prozessgestaltung in der stationären Suchthilfe](./section_13_stationaere-suchthilfe.md) – *Andrea Hauri* + +Hauri dokumentiert einen Fall aus der stationären Suchthilfe: Ein langjähriger Suchtgeschichte und ein hoher Berufsambitionen – eine anspruchsvolle Kombination. Der Fallbericht zeigt, wie die umfassende Situationserfassung und kooperative Analyse zur Erkenntnis führte, dass der Person holistische Unterstützung im Bereich beruflicher Integration braucht, nicht nur Suchtbekämpfung. Der Fall verdeutlicht, wie Multiperspektivität konkret aussieht: die Kooperation zwischen Suchthilfe-Professionellen, Berufsorientierungsberatern und der Person selbst. Ein Fallbeispiel zeigt auch die Grenzen der Intervention – nicht alles kann »gelöst« werden, aber ein strukturierter Prozess ermöglicht realistischere Ziele und bessere Erkenntnis über Grenzen. + +--- + +### [Bedürfnisse aufnehmen](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.md) – *Mirjam Eberhart* + +Eberhart berichtet über ein innovatives Projekt in der stationären Behindertenhilfe: Die Entwicklung eines neuen Freizeitangebots für ältere Menschen – nicht aus organisationaler Abstraktheit, sondern aus kooperativer Bedarfsermittlung heraus. Der Fall zeigt, wie systematische Analyse (Zählung von Häufigkeiten: Aktivitäten) kombiniert mit theoriegeleiterter Diagnose (Kognizierte Kontrolltheorie: Distinktion von primärer und sekundärer Kontrolle) zu einer passgenauen Intervention führen kann. Der Beitrag verdeutlicht auch, dass KPG-Logik nicht nur für kleine Schritte der Einzelfallarbeit, sondern auch für organisationale Innovation genutzt werden kann. + +--- + +### [Autonomieförderung durch systemische Fallbearbeitung](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.md) – *Noemi Burgener* + +Burgener dokumentiert einen interprofessionellen Fall in der Spitalsozialarbeit: Ein Klient mit komplexer Gesundheitssituation, für den ein umfassender koordinierter Prozess notwendig war. Der Fall demonstriert, wie KPG-Logik in einem hochgradig strukturieten, multiprofessionellen Setting umgesetzt wird (Standortgespräche mit Psychiatrie, Pflege, Therapien, Sozialarbeit). Zentral ist die »systemische Fallbearbeitung« – die Perspektivmultiplizität wird nicht ignoriert, sondern gerade in diesem Setting gezielt genutzt. Das Ziel »Autonomieförderung« wird unter Bedingungen hoher Abhängigkeit und medizinischer Intervention als »realistische Hoffnung« bewahrt. Der Fall zeigt, wie professionelle Begrenztheit (»Was können WIR nicht leisten«) kooperativ integriert wird. + +--- + +## Übergreifende Aspekte + +Diese Praxis-Materialien zeigen ein gemeinsames Verständnis: KPG ist nicht eine statische »Methode«, die universal angewandt wird, sondern ein flexibles, kooperatives Konzept, das in verschiedenen Feldern unterschiedlich konkretisiert wird. Zentral sind immer: +- **Kooperation mit Klientinnen**: Multiperspektivität, nicht Monolog +- **Theoriegeleitete Praxis**: Jede Entscheidung hat eine professionelle Begründung +- **Strukturierte Reflexion**: Fallbesprechungen, Supervision und Evaluation als standard +- **Toleranz für Unsicherheit**: Keine Rezepte, aber Orientierungsrahmen diff --git a/knowledge-base/praxis/section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md index 02f8fd8..9f71d8d 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md @@ -85,3 +85,75 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 44 - **Lines:** 508–508 - **Quote:** "Die bei KPG vorgenommene Aufteilung schafft begriffliche Klarheit und arbeitet wichtige inhaltliche Unterschiede heraus. Sie ermöglicht es, die Bereiche eindeutig voneinander abzugrenzen, und stellt für jeden der Schritte Qualitätsmerkmale auf (siehe Abb. 10). Eine solche schrittweise Trennung ist von grosser Bedeutung für das professionelle Handeln, um zu gewährleisten, dass nicht einzelne Schritte, z. B. das Verstehen, versehentlich ausgelassen werden." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Anforderungen an professionelles Handeln +- **Section:** 1 Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten +- **Pages:** 19 +- **Lines:** 223–224 +- **Quote:** "Professionalität wird »als gekonnte Beruflichkeit, als Ausdruck qualitativ hochwertiger Arbeit bewertet, vorausgesetzt oder angestrebt« (Busse/Ehlert 2012:85). Professionalität dient auch als Unterscheidungs- und Gütekriterium gegenüber Laien und Nichtfachkräften, um »richtiges oder gutes berufliches Handeln von falschem oder schlechtem Handeln abzugrenzen« (ebd.)." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Anforderungen an professionelles Handeln +- **Section:** 1 Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten +- **Pages:** 20 +- **Lines:** 228–230 +- **Quote:** "Becker-Lenz und Müller kommen zum Urteil, dass immer noch unklar zu sein scheint, welche Vorgehensweisen im beruflichen Kontext der Sozialen Arbeit als professionell eingestuft werden können (vgl. 2009:9). »Es könnte dann in der Praxis im schlimmsten Fall eine relative Unverbindlichkeit und Beliebigkeit im professionellen Handeln festzustellen sein« (ebd.)." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Anforderungen an professionelles Handeln +- **Section:** Standardisierung vs. Offenheit +- **Pages:** 23 +- **Lines:** 258–260 +- **Quote:** "Im Unterschied zu anderen Berufen unterliegt das Handeln in der Sozialen Arbeit einer begrenzten Standardisierbarkeit. Es gibt keine absolute Methode, mit der sich alle Herausforderungen bewältigen lassen (vgl. Galuske 2013:57). Es ist nicht möglich, strikt nach Plan oder Anleitung vorzugehen. Vollkommen frei und offen zu agieren, hat hingegen nichts mehr mit geplantem und professionellem Handeln zu tun (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:55)." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Anforderungen an professionelles Handeln +- **Section:** Autonomie vs. Abhängigkeit +- **Pages:** 24 +- **Lines:** 266–268 +- **Quote:** "Sozialer Arbeit kommt damit eine paradoxe und sensible Aufgabe zu. Durch einen Autonomieeingriff soll Autonomie wiedererlangt werden. Auf diesem Hintergrund ist es zwingend erforderlich, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, um an einem Strang in die gleiche Richtung zu ziehen (vgl. ebd.:57)." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Anforderungen an professionelles Handeln +- **Section:** 2.2 Professionalitätsentwürfe +- **Pages:** 25 +- **Lines:** 282–283 +- **Quote:** "Hiltrud von Spiegel fasst die aus ihrer Sicht wichtigsten Handlungskompetenzen zu Oberbegriffen zusammen. Diese bezeichnet sie als die drei Dimensionen -Können, Wissen und berufliche Haltungen." + + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Anforderungen an professionelles Handeln +- **Section:** Grundhaltung/Habitus +- **Pages:** 30 +- **Lines:** 357–359 +- **Quote:** "Es ist nicht möglich, die Kompetenzen nur technisch anzuwenden, und es braucht ein verbindendes, leitendes Element als Grundlage, um in der Praxis danach zu handeln." + + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Anforderungen an professionelles Handeln +- **Section:** Beim Konzept KPG nach Hochuli Freund/Stotz geht es um +- **Pages:** 37 +- **Lines:** 442–444 +- **Quote:** "Das Modell besteht aus sieben Teilschritten -Situationserfassung, Analyse, Diagnose, Zielsetzung, Interventionsplanung, Interventionsdurchführung und Evaluation -und zwei Ebenen der Zusammenarbeit mit Klientinnen, Klienten und Fachkräften, die sich über den gesamten Prozess erstrecken" + + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Anforderungen an professionelles Handeln +- **Section:** Zwischenfazit +- **Pages:** 39 +- **Lines:** 464–466 +- **Quote:** "Aus der Analyse der Gemeinsamkeiten von verschiedenen Professionalitätsentwürfen können folgende Anforderungen an professionelles Handeln abgeleitet werden, welche die fachliche Qualität in der Sozialen Arbeit ausmachen:" diff --git a/knowledge-base/praxis/section_01_anforderungen-professionelles-handeln.md b/knowledge-base/praxis/section_01_anforderungen-professionelles-handeln.md index f0084ea..eae8b94 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_01_anforderungen-professionelles-handeln.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_01_anforderungen-professionelles-handeln.md @@ -3,31 +3,44 @@ *Jakin Gebert* -Vergleich verschiedener Professionalitätskonzepte in der Sozialen Arbeit mit dem Ziel, gemeinsame Anforderungen herauszuarbeiten. Der Beitrag identifiziert zentrale Spannungsfelder (Hilfe vs. Kontrolle, Standardisierung vs. Offenheit u.a.) und zeigt, wie KPG diese Anforderungen berücksichtigt. - - **Seiten:** 18–51 | **Zeilen:** 213–578 +--- -## Key Points +Gebert vergleicht verschiedene Konzepte von Professionalität in der Sozialen Arbeit mit dem Ziel, deren Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und allgemeingültige Anforderungen an professionelles Handeln zu formulieren ([Vergleichsansatz](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-1)). Professionalität wird dabei als «gekonnte Beruflichkeit» und «Ausdruck qualitativ hochwertiger Arbeit» verstanden, die zugleich als Gütekriterium gegenüber Laien dient – es geht dabei auch um Selbstvergewisserung im Sinne eines reflexiven Vorgehens ([Professionalität als Qualitätsbegriff](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-11)). -- Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit ist geprägt von strukturellen Spannungsfeldern und Paradoxien (Klient vs. Systeme, Hilfe vs. Kontrolle, Standardisierung vs. Offenheit) -- Verschiedene Professionalitätsentwürfe (Dewe, Oevermann, Schütze u.a.) werden verglichen und auf Gemeinsamkeiten untersucht -- Zentrale Kompetenzen umfassen Wissen, Können und eine professionelle Grundhaltung/Habitus -- KPG bietet eine offene Rahmenstruktur mit praxistauglichen Standards, die individuelle Gestaltungsfreiheit ermöglicht -- Die analytische Phase ist im KPG-Konzept besonders ausdifferenziert, einschliesslich einer neuen Diagnose-Methode (theoriegeleitetes Fallverstehen) -- Kooperation hat im KPG-Konzept einen besonderen Stellenwert als durchgängiges Prinzip +Trotz dieser begrifflichen Annäherung fehlen verbindliche Standards: Es scheint «immer noch unklar zu sein, welche Vorgehensweisen im beruflichen Kontext der Sozialen Arbeit als professionell eingestuft werden können», und im schlimmsten Fall droht eine «relative Unverbindlichkeit und Beliebigkeit im professionellen Handeln» ([Mangel an Standards](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-12)). Daher besteht der Bedarf, solche Massstäbe theoretisch herauszubilden und in der Praxis zu etablieren. +### Strukturelle Spannungsfelder -## Evidence References +Professionelles Handeln lässt sich nicht von den strukturellen Besonderheiten der Sozialen Arbeit trennen. Die Strukturmerkmale bilden die Grundlage, und die «erste und wichtigste Anforderung an professionelles Handeln ist deshalb, die Strukturmerkmale zu kennen und mit den Widersprüchen umgehen zu können» ([Strukturmerkmale als Grundlage](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-2)). Die Spannungsfelder sollten nach aussen transparent gemacht werden, um Klarheit für alle Beteiligten zu schaffen. -- [In diesem Artikel werden verschiedene Konzepte von Professionalität miteinander ...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-1) -- [zialen Arbeit angesehen werden. Die Strukturmerkmale bilden somit die Grundlage ...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-2) -- [Es fällt leichter sich nur an einem Pol zu orientieren, statt die Spannung und Z...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-3) -- [Wissen, Kompetenz, Habitus und Identität sind miteinander verwobene Elemente von...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-4) -- [Nachfolgend werden die vorgestellten Anforderungen an professionelles Handeln zu...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-5) -- [Der Entwurf von Stimmer ist weitaus umfangreicher und scheint die Anforderungen ...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-6) -- [Bei Michel-Schwartze wird von vier verschiedenen Arbeitsebenen ausgegangen, auf ...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-7) -- [Werden die Modelle einander gegenüberstellt, lässt sich abschliessend feststelle...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-8) -- [Die Publikation › Kooperative Prozessgestaltung ‹ wurde als Lehrbuch konzipiert ...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-9) -- [Die bei KPG vorgenommene Aufteilung schafft begriffliche Klarheit und arbeitet w...](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-10) +Gebert identifiziert fünf zentrale Paradoxien: *Klient vs. Systeme* (doppeltes Mandat und multiple Loyalitäten), *Hilfe vs. Kontrolle* (Abwägung zwischen Unterstützung und Sanktion je nach Fall und Kontext), *Mensch vs. Arbeitskraft* (strategischer Einsatz der eigenen Person bei gleichzeitiger professioneller Distanz), *Standardisierung vs. Offenheit* sowie *Allzuständigkeit vs. Spezialisierung*. Beim Technologiedefizit wird deutlich: Es «gibt keine absolute Methode, mit der sich alle Herausforderungen bewältigen lassen», weder striktes Planen noch völlige Offenheit sind professionell ([Begrenzte Standardisierbarkeit](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-13)). + +Im Feld Autonomie vs. Abhängigkeit kommt der Sozialen Arbeit eine «paradoxe und sensible Aufgabe» zu: «Durch einen Autonomieeingriff soll Autonomie wiedererlangt werden», was eine vertrauensvolle Beziehung zwingend erfordert ([Autonomieparadox](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-14)). Die Professionellen laufen Gefahr, Spannungspole einseitig aufzulösen, statt die Zerrissenheit auszuhalten – es wird vergessen, «dass es immer die Möglichkeit gibt, auf zwei Seiten des Pferdes herunterzufallen», und die Verschleierung der Paradoxien führt zu Schwierigkeiten für Professionelle und Klientel ([Einseitige Polauflösung](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-3)). + +### Professionalitätsentwürfe und Kompetenzen + +Der Vergleich verschiedener Fachpositionen – u. a. von Spiegel, Kreft, Galuske, Becker-Lenz, Staub-Bernasconi, Cassée und Heiner – offenbart grosse Übereinstimmungen bei den Anforderungen an professionelles Handeln. Von Spiegel fasst die wichtigsten Handlungskompetenzen als drei Dimensionen zusammen: «Können, Wissen und berufliche Haltungen» ([Von Spiegels Drei-Dimensionen-Modell](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-15)). Becker-Lenz et al. betonen, dass «Wissen, Kompetenz, Habitus und Identität miteinander verwobene Elemente von Professionalität» sind, die sich gegenseitig bedingen, wobei «Reflexivität explizit als verbindende und äusserst wichtige Komponente benannt» wird ([Verwobene Professionalitätselemente](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-4)). + +Die Anforderungen werden zu zwei übergeordneten Kategorien verdichtet: zentrale Kompetenzen (Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz) und eine reflektierte Grundhaltung ([Kompetenzkategorien](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-5)). Die Fachkompetenz umfasst Methoden, Zielsetzung, Analyse, Fallverstehen, Evaluation, Kontextwissen und Planung; die Sozialkompetenz Beziehungsgestaltung, Kooperation und Koproduktion mit Klientinnen und Klienten; die Selbstkompetenz Reflexion und Selbstkontrolle. + +Neben den Kompetenzen bedarf es einer Grundhaltung, denn «es ist nicht möglich, die Kompetenzen nur technisch anzuwenden, und es braucht ein verbindendes, leitendes Element als Grundlage» ([Grundhaltung als Voraussetzung](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-16)). Diese in der Persönlichkeit verinnerlichte Haltung steuert das Handeln und gibt Orientierung. Sie zu habitualisieren ist kein einmaliger Vorgang, sondern verlangt einen kontinuierlichen inneren Dialog und professionellen Diskurs. + +### Strukturierung des Handelns + +Verschiedene Prozessmodelle (Müller, Stimmer, Possehl, von Spiegel, Cassée, Michel-Schwartze, Martin, Simmen) werden verglichen und anhand der Anforderungen beurteilt. Stimmer berücksichtigt die Anforderungen grundsätzlich, lässt aber «die Kooperation auf der Fachebene» nicht explizit erkennen ([Stimmer-Modell](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-6)). Michel-Schwartze geht von «vier verschiedenen Arbeitsebenen» aus, die parallel statt sequenziell ablaufen ([Michel-Schwartze-Modell](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-7)). + +Insgesamt sind die Modelle «im Grossen und Ganzen sehr ähnlich», unterscheiden sich jedoch in Umfang und Schwerpunktsetzung; «diverse Begrifflichkeiten» werden «für die gleichen Sachverhalte genutzt» ([Modellvergleich](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-8)). Die grosse Anzahl aktueller Publikationen macht deutlich, dass das Thema nach wie vor grosse Bedeutung hat und nach geeigneten Handlungskonzepten gesucht wird. + +### KPG als umfassende Antwort + +KPG besteht aus sieben Teilschritten – Situationserfassung, Analyse, Diagnose, Zielsetzung, Interventionsplanung, Interventionsdurchführung und Evaluation – sowie zwei durchlaufenden Kooperationsebenen mit Klientel und Fachkräften ([KPG-Prozessmodell](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-17)). Als Lehrbuch konzipiert, beansprucht KPG, Theorie und Praxis gleichermassen zu verbinden: Praktikerinnen und Praktiker sollen die Methodik nachvollziehen und anwenden können, zugleich muss sie dem «state of the art» genügen ([Theorie-Praxis-Verschränkung](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-9)). Durch einfache Prinzipien, vorgegebene Formulierungshilfen und Evaluationsfragen bei jedem Prozessschritt ist das Konzept niederschwellig und praxistauglich. + +Die Ausdifferenzierung der analytischen Phase in Erfassen – Bewerten – Erklären «schafft begriffliche Klarheit und arbeitet wichtige inhaltliche Unterschiede heraus», um zu gewährleisten, dass kein Schritt versehentlich ausgelassen wird ([Analytische Ausdifferenzierung](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-10)). Das Theoriegeleitete Fallverstehen als neue Diagnosemethode ermöglicht hypothesenbasierte Fallarbeit, die auch in der breiten Praxis zugänglich ist. Kooperation wird institutionalisiert und bei jedem Prozessschritt durch Evaluationsfragen überprüft, sodass auch die Arbeitsbeziehung mit Klientinnen und Klienten systematisch reflektiert wird. + +### Fazit + +Aus dem Vergleich lassen sich drei zentrale Anforderungen ableiten, die die fachliche Qualität in der Sozialen Arbeit ausmachen ([Drei Anforderungen](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-18)): (1) Kennen und Aushalten struktureller Spannungsfelder, (2) Verfügen über zentrale Kompetenzen und eine Grundhaltung, (3) Verwendung einer Systematik zur Strukturierung und Reflexion des Handelns. + +KPG erfüllt alle drei Anforderungen und stellt als generalistisches, praxistaugliches Konzept eine besonders geeignete Handlungsleitlinie für die Soziale Arbeit dar ([Vergleichsansatz](./section_01_anforderungen-professionelles-handeln.evidence.md#reference-1)). Es baut auf die strukturellen Bedingungen auf, definiert klare Voraussetzungen für professionelles Handeln und liefert zugleich das praktische Handwerkszeug, um die Kompetenzen erwerben und im beruflichen Alltag umsetzen zu können. diff --git a/knowledge-base/praxis/section_02_denken-und-handeln.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_02_denken-und-handeln.evidence.md index 6bba308..9bd6f3f 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_02_denken-und-handeln.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_02_denken-und-handeln.evidence.md @@ -85,3 +85,75 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 66 - **Lines:** 738–738 - **Quote:** "merkt in einer sich selbst verstärkenden Schlaufe hängen bleiben (vgl. ebd.:281 -283)." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Denken und Handeln +- **Section:** 1 Vorausschauendes Denken und Planen -Intuition -nachträgliche Reflexion: Zur Auswahl der Vergleichskonzepte +- **Pages:** 53 +- **Lines:** 596–596 +- **Quote:** "Es wäre naheliegend, die analytische Phase als die › Phase des Denkens ‹ zu bezeichnen, und der Begriff › Handlungsphase ‹ bringt bereits den Fokus auf das Handeln zum Ausdruck. Eine Dichotomisierung greift allerdings zu kurz." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Denken und Handeln +- **Section:** 2 In Sekundenschnelle handlungsfähig werden dank › intelligenter Vermutungen ‹ (Gigerenzer) +- **Pages:** 55 +- **Lines:** 616–616 +- **Quote:** "»Eine Faustregel oder Heuristik ermöglicht uns, eine Entscheidung schnell zu treffen, ohne viel Informationssuche und doch mit einem hohen Mass an Genauigkeit« (ebd.:44)." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Denken und Handeln +- **Section:** Vergleich mit KPG und Folgerungen +- **Pages:** 57 +- **Lines:** 636–636 +- **Quote:** "Das Konzept KPG betrachte ich als theoretischen Bezugsrahmen für die Herleitung solcher Faustregeln (was an anderer Stelle auch explizit als eine Funktion des Prozessgestaltungsmodells im beruflichen Alltag bezeichnet wird; vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:45)." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Denken und Handeln +- **Section:** 3.1 Zwei Modi des Denkens +- **Pages:** 59 +- **Lines:** 658–658 +- **Quote:** "System 1 funktioniert spontan, schnell, automatisch. Es ist immer aktiv, reagiert impulsiv, intuitiv, unbewusst, arbeitet assoziativ, stereotypisierend und emotional. System 2 hingegen arbeitet langsam, dafür aber logisch und präzise, das Denken erfolgt bewusst, erfordert Aufmerksamkeit, Anstrengung und mentale Energie." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Denken und Handeln +- **Section:** 3.2 Intuition und Expertise +- **Pages:** 61 +- **Lines:** 679–679 +- **Quote:** "»Some intuitions draw primarily on skill and expertise acquired by repeated experience« (vgl. ebd.:185)." + + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Denken und Handeln +- **Section:** 3.3 Vergleich mit Gigerenzer, KPG und Folgerungen +- **Pages:** 62 +- **Lines:** 695–695 +- **Quote:** "Kahnemans Empfehlung zur Vermeidung von Fehlurteilen und zur Einübung von › skilled intuitions ‹ lautet: Innehalten -bewusst Denken -Üben. Das lässt sich als Plädoyer für das Konzept KPG lesen, zielt dieses doch darauf ab, das Denken vor dem Handeln zu habitualisieren (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:325ff., Hochuli Freund/Sprenger-Ursprung 2016:55)." + + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Denken und Handeln +- **Section:** 4 › Reflection-in-action ‹ : Einheit von Denken und Handeln (Schön) +- **Pages:** 64 +- **Lines:** 713–713 +- **Quote:** "»In his day-to-day practice he makes innumerable judgements of quality for which he cannot state adequate criteria, and he displays skills for which he cannot state the rules and procedures. Even when he makes conscious use of research-based theories and techniques, he is dependent on tacit recognitions, judgments, and skillfull performances.« (Ebd.:49f.)" + + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Denken und Handeln +- **Section:** 4.1 Struktur von › reflection-in-action ‹ +- **Pages:** 66 +- **Lines:** 737–737 +- **Quote:** "»An overarching theory does not give a rule that can be applied to predict or control a particular event, but it supplies language from which to construct particular descriptions and themes from which to develop particular interpretations. [ … ] If a practitioner has such a theory, he uses it to guide his reflection-in-action.« (Ebd.:273f.)" diff --git a/knowledge-base/praxis/section_02_denken-und-handeln.md b/knowledge-base/praxis/section_02_denken-und-handeln.md index e81493a..0bfa576 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_02_denken-und-handeln.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_02_denken-und-handeln.md @@ -2,32 +2,44 @@ *Ursula Hochuli Freund* - -Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Denken und Handeln im KPG-Konzept, verglichen mit Gigerenzers intuitiver Intelligenz, Kahnemans langsamem Denken und Schöns reflection-in-action. - - **Seiten:** 52–70 | **Zeilen:** 581–793 +--- -## Key Points +Ursula Hochuli Freund untersucht als Ko-Autorin des KPG-Konzepts kritisch, wie Denken und Handeln in der professionellen Sozialen Arbeit zusammenhängen. KPG will einen Orientierungsrahmen bieten, in dem professionelles Handeln in Phasen des Denkens eingebettet ist – dem Handeln soll vorausschauendes Denken vorangehen und nachträgliche Reflexion folgen ([KPG als Orientierungsrahmen](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-1)). Die einfache Unterscheidung zwischen analytischer Phase (Denken) und Handlungsphase greift allerdings zu kurz, da beide Phasen sowohl Denk- als auch Handlungsanteile enthalten ([Dichotomisierung unzureichend](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-11)). -- KPG postuliert ein vorausschauendes Denken vor dem Handeln und nachträgliche Reflexion danach -- Gigerenzers Konzept der Bauchentscheidungen (Heuristiken) zeigt, dass intuitives Handeln in bestimmten Situationen effektiv sein kann -- Kahnemans Zwei-Systeme-Theorie (schnelles vs. langsames Denken) unterstreicht die Bedeutung bewusster Denkprozesse bei komplexen Aufgaben -- Schöns reflection-in-action beschreibt eine Einheit von Denken und Handeln während der Tätigkeit -- KPG integriert alle drei Perspektiven: Es erkennt die Rolle von Intuition an, betont aber die Notwendigkeit systematischen Denkens -- Die Reflexion als eigenständiger Prozessschritt wird als zentrale Stärke des KPG-Konzepts herausgearbeitet +Für die kritische Reflexion zieht Hochuli Freund drei Konzepte aus Nachbardisziplinen heran, die das Verhältnis von Denken und Handeln je unterschiedlich fassen. Der Praxiseinwand, ein strukturiert-vorausschauendes Vorgehen gemäss KPG sei zu zeitaufwändig, wird dabei ebenso berücksichtigt wie die Hypothese, dass die Investition in vorausschauendes Denken in der Handlungsphase wieder eingespart wird ([Effizienz-Hypothese](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-2)). +### Gigerenzers Heuristiken und die KPG -## Evidence References +Gerd Gigerenzer plädiert für einfache Lösungen komplexer Probleme mittels Heuristiken – schneller, sparsamer Entscheidungsstrategien. Eine Faustregel ermöglicht es, «eine Entscheidung schnell zu treffen, ohne viel Informationssuche und doch mit einem hohen Mass an Genauigkeit» ([Faustregel-Definition](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-12)). Intuition beschreibt Gigerenzer als ein Urteil, das «unvermittelt im Bewusstsein auftaucht», dessen Gründe nicht voll bewusst sind, das aber «stark genug ist, um danach zu handeln» ([Intuitionsdefinition](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-3)). Dabei greifen Expertinnen auf weniger Informationen zurück als Neulinge und nutzen gezielt bewährte Heuristiken ([Expertise und Heuristiken](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-4)). -- [Das Konzept Kooperative Prozessgestaltung (KPG) will einen Orientierungsrahmen z...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-1) -- [1 In einem seit Anfang 2016 laufenden Forschungsprojekt › Kooperative Instrument...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-2) -- [»Eine Intuition oder ein Bauchgefühl ist ein Urteil, das 1. unvermittelt im Bewu...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-3) -- [2 Oder an anderer Stelle, Forschungsergebnisse zusammenfassend: »experienced bur...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-4) -- [Selbstverständlich gäbe es noch weitere Deutungsvarianten und Interventionsmögli...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-5) -- [»Jumping to conclusions is efficient if the conclusions are likely to be correct...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-6) -- [3 Insbesondere Novizen in einem Fach würden anstelle von wissens- und erfahrungs...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-7) -- [Das Konzept KPG ist zunächst im Kontext der Lehre entstanden, um Studierenden Wi...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-8) -- [Professionsübergreifend zeigte sich die folgende Struktur bei diesem › Nachdenke...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-9) -- [merkt in einer sich selbst verstärkenden Schlaufe hängen bleiben (vgl. ebd.:281 ...](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-10) +Auf den ersten Blick scheint Gigerenzers Postulat einfacher Lösungen dem systematischen Vorgehen der KPG zu widersprechen. Hochuli Freund argumentiert jedoch, dass KPG als theoretischer Bezugsrahmen für die Herleitung professionsspezifischer Faustregeln dienen kann ([KPG als Heuristik-Rahmen](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-13)). So lässt sich eine KPG-basierte Faustregel ableiten: «Worum genau geht es hier und wie erkläre ich es mir? Was ist mein Ziel?» In kritischen Situationen folgt die Praktikerin damit in Sekundenschnelle der Logik des Prozessgestaltungsmodells – Situationserfassung, Analyse, Diagnose, Zielbestimmung, Intervention. + +Scheitert die Intervention, beginnt die Arbeit mit der Faustregel aufs Neue ([Iteratives Vorgehen](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-5)). In der nachträglichen Reflexion – entlastet vom Handlungsdruck – können dann alle weiteren Aspekte einbezogen werden. Für den regulären professionellen Standard bleibt ein differenzierter analytisch-diagnostischer Prozess massgeblich; der KPG-Grundsatz lautet: «so einfach wie möglich, so umfassend wie nötig». + +### Kahnemans zwei Denksysteme + +Daniel Kahneman unterscheidet zwei Modi des Denkens: System 1 funktioniert spontan, schnell und automatisch, arbeitet assoziativ und emotional; System 2 hingegen arbeitet langsam, logisch und präzise und erfordert bewusste Anstrengung ([Zwei Denksysteme](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-14)). System 1 kann zu kognitiven Verzerrungen führen – etwa zum Halo-Effekt, zur Überbewertung zufällig verfügbarer Informationen oder zur unbewussten Substitution schwieriger durch einfachere Fragen. Voreilige Schlüsse sind besonders riskant, wenn die Situation unvertraut ist, viel auf dem Spiel steht und die Informationslage dünn ist – dann brauche es das bewusste Eingreifen von System 2 ([Risiko voreiliger Schlüsse](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-6)). + +Neben fehlerbehafteten Automatismen identifiziert Kahneman erfahrungs- und wissensbasierte «skilled intuitions», die auf wiederholter Erfahrung und Expertise aufbauen ([Skilled Intuitions](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-15)). Insbesondere Novizen greifen unbewusst auf vereinfachende Heuristiken zurück, während echte Expertinnen wissensbasiert urteilen ([Novizen vs. Experten](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-7)). + +Kahnemans Empfehlung – Innehalten, bewusst Denken, Üben – lässt sich direkt als Plädoyer für KPG lesen, das darauf abzielt, das Denken vor dem Handeln zu habitualisieren ([Innehalten als KPG-Plädoyer](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-16)). Die expliziten KPG-Prozessschritte – Situationserfassung mit Offenheit und Neugier, systematische Analyse, begründete Diagnose – verhindern genau jene automatisierten Kurzschlüsse, vor denen Kahneman warnt. + +Das Konzept ist dabei im Kontext der Lehre entstanden, um Studierenden methodisch-strukturiertes professionelles Handeln zu vermitteln und ihren Kompetenzerwerb zu unterstützen ([KPG im Lehrkontext](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-8)). In Kahnemans Logik geht es darum, die Intuitionen von System 1 zu disziplinieren und durch bewusste, wissensbasierte Entscheidungsprozesse zu ersetzen. + +### Schöns reflection-in-action + +Donald A. Schön entwickelte seine Praxis-Epistemologie als Gegenentwurf zum Modell technischer Rationalität. Er zeigt, dass alltägliche Berufspraxis auf implizitem Wissen (tacit knowledge) beruht: Praktikerinnen fällen unzählige Qualitätsurteile, für die sie keine expliziten Kriterien angeben können ([Implizites Praxiswissen](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-17)). Schöns reflection-in-action beschreibt professionsübergreifend eine dreiteilige Struktur des «Nachdenkens im Tun»: Problembestimmung, Untersuchung und Problemlösungsvorschläge ([Struktur der reflection-in-action](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-9)). + +Eine erfahrene Praktikerin nutzt bei dieser reflection-in-action ihr Erfahrungsrepertoire, ein professionsbezogenes Bedeutungssystem und eine theoretische Orientierung. Eine solche «overarching theory» liefert keine anwendbare Regel, sondern eine Sprache, aus der Beschreibungen und Interpretationen konstruiert werden können ([Overarching Theory](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-18)). + +Ohne eine begleitende reflection-on-action – eine kritische Reflexion über das eigene Vorgehen – bliebe das Verstehen begrenzt und könnte in einer sich selbst verstärkenden Schlaufe hängen bleiben ([Gefahr ohne Metareflexion](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-10)). + +Die drei Vorgehensschritte nach Schön – Problembestimmung, Untersuchung, Problemlösung – entsprechen der analytisch-diagnostischen Prozessphase der KPG. KPG fungiert nach Schön als «overarching theory» für den Prozess von Problembestimmung, Untersuchung und Lösungsfindung. Das Effizienz-Potenzial dieses strukturierten Vorgehens wird durch ein laufendes Forschungsprojekt zur Kooperativen Instrumenteentwicklung empirisch untersucht ([Effizienz-Forschungsprojekt](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-2)). + +### Synthese: Denken, Planen, Handeln, Reflektieren + +Alle vier Konzepte beziehen sich auf den angemessenen Umgang mit komplexen, von Ungewissheit geprägten Situationen und gehen davon aus, dass es hierfür keine Standardtechnologien gibt. Während Gigerenzer einfache Heuristiken propagiert, betont Kahneman den Unterschied zwischen unbewusst-automatisierten und bewusst gewählten, wissensbasierten Heuristiken. Schöns Praxis-Epistemologie wiederum zeigt eine Struktur, die gute Praktikerinnen intuitiv nutzen, indem sie Situationen neu rahmen und experimentierend untersuchen ([Struktur der reflection-in-action](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-9)). + +KPG integriert diese Perspektiven: Es bietet einen Strukturierungsrahmen für Denk- und Handlungsprozesse, stellt Methoden sowie methodische Hilfsmittel zur Verfügung und beinhaltet implizit ein Entscheidungsfindungsmodell. Professionelles Handeln erfordert eine KPG-basierte Grundhaltung innerhalb jedes Prozessschritts und zugleich einen organisational implementierten strukturierten Prozess. Jede Fallbearbeitung bleibt dabei ein einzigartiger, experimenteller Prozess – eine gemeinsame Abenteuerreise aller Fallbeteiligten, bei der Denken, Planen, Handeln und Reflektieren untrennbar miteinander verbunden sind ([KPG als Orientierungsrahmen](./section_02_denken-und-handeln.evidence.md#reference-1)). diff --git a/knowledge-base/praxis/section_03_ethisches-handeln.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_03_ethisches-handeln.evidence.md index d78b2e5..47c7065 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_03_ethisches-handeln.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_03_ethisches-handeln.evidence.md @@ -85,3 +85,75 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 85 - **Lines:** 955–955 - **Quote:** "Wer nach KPG arbeitet, muss sich mit einer kooperativen Haltung auseinandersetzen und sie in Beziehung setzen zum eigenen Handeln. Mit der Orientierung an KPG wird ein qualitativer und ethisch-moralischer Anspruch an die eigene Arbeitsweise deklariert und nach aussen -auch gegenüber allfälligen Kooperationspartnern und -partnerinnen -kommuniziert. 4" + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Ethisches Handeln +- **Section:** 1.1 Ethik und Moral -begriffliche Präzisierung +- **Pages:** 73 +- **Lines:** 826–828 +- **Quote:** "Ethik ist die wissenschaftliche Reflexion von Moral. Sie beschäftigt sich damit, die gewachsenen Normen und Werte auf der Basis allgemeingültiger, wissenschaftlicher Kriterien zu beleuchten und zu hinterfragen." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Ethisches Handeln +- **Section:** 1.1 Ethik und Moral -begriffliche Präzisierung +- **Pages:** 74 +- **Lines:** 836–836 +- **Quote:** "Professionsethik denkt darüber nach, was denn › gute Soziale Arbeit ‹ ist, und sie reflektiert die Werte und Normen, die den praktischen Handlungsvollzügen der Sozialen Arbeit zugrunde liegen daraufhin, ob sie nach wissenschaftlichen Kriterien tatsächlich zu › guter Sozialer Arbeit ‹ beitragen." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Ethisches Handeln +- **Section:** 1.2 Das Verhältnis von Ethik, Moral und Professionalität +- **Pages:** 77 +- **Lines:** 878–878 +- **Quote:** "Moral steht nicht im Widerspruch zu Professionalität, sondern ist ihr konstitutiver Bestandteil." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Ethisches Handeln +- **Section:** 2 Kooperative Prozessgestaltung als Unterstützung ethischer Reflexion +- **Pages:** 78 +- **Lines:** 883–884 +- **Quote:** "Die Kriterien dieser ethischen Reflexion sind aber nicht beliebig, sondern werden im Konzept klar definiert (vgl. ebd.:68ff.). Dabei berufen sich die Autoren auf anerkannte ethische Normen in der Sozialen Arbeit wie z. B. die Menschenwürde, Menschenrechte und Solidarität." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Ethisches Handeln +- **Section:** 2.1 Ein Prozessmodell zur professionellen Bewältigung von Nicht-Standardisierbarkeit +- **Pages:** 79 +- **Lines:** 903–903 +- **Quote:** "Das Prozessmodell ist somit eben nicht als normativer Standard zu lesen, sondern als idealtypische Struktur professionellen Handelns , als Orientierungshilfe und als Hintergrundfolie professioneller Reflexion." + + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Ethisches Handeln +- **Section:** 2.2 Soziale Diagnostik zwischen Kunstlehre und Begründungsverpflichtung +- **Pages:** 81 +- **Lines:** 919–919 +- **Quote:** "Aus ethischer Sicht muss erläutert und begründet werden können, wie eine soziale Diagnose zu Stande kommt." + + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Ethisches Handeln +- **Section:** 2.3 Kooperatives Denken und Handeln +- **Pages:** 84 +- **Lines:** 943–943 +- **Quote:** "Das Strukturmerkmal der Koproduktion verlangt von den Professionellen unabdingbar die Bereitschaft und die Fähigkeit zu Kooperation im Sinn der Ausrichtung der Handlungen verschiedener Akteurinnen und Akteure auf ein gemeinsames Ziel" + + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Ethisches Handeln +- **Section:** 3 Kooperative Prozessgestaltung als Beitrag zum ethischen Handeln +- **Pages:** 87 +- **Lines:** 972–972 +- **Quote:** "KPG erlaubt kein Ausruhen auf Routinen und keine Abkürzungen via pragmatisches oder standardisierendes Handeln ohne stichhaltige, fachliche Begründung." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_03_ethisches-handeln.md b/knowledge-base/praxis/section_03_ethisches-handeln.md index 5862010..e14ea9b 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_03_ethisches-handeln.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_03_ethisches-handeln.md @@ -2,32 +2,44 @@ *Kathrin Schreiber* - -Untersuchung der Verbindung zwischen Ethik, Moral und Professionalität in der Sozialen Arbeit. Der Beitrag zeigt, wie KPG ethische Reflexion im professionellen Alltagshandeln unterstützt. - - **Seiten:** 72–89 | **Zeilen:** 796–1013 +Kathrin Schreibers Beitrag verfolgt das Ziel, eine Brücke zwischen Ethik, Moral und Professionalität in der Sozialen Arbeit zu schlagen und aufzuzeigen, inwiefern KPG diesen Brückenschlag in der Praxis unterstützt ([Ref 1](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-1)). Im Zentrum steht die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine ethisch-moralische Orientierung im professionellen Alltagshandeln gelingen kann — und wie der Weg von der Reflexion zur konkreten, ethisch reflektierten Handlung gestaltet werden kann. -## Key Points +## Ethik und Moral — begriffliche Unterscheidung -- Ethik und Moral werden begrifflich unterschieden: Moral als gelebte Wertorientierung, Ethik als systematische Reflexion darüber -- Professionelle Soziale Arbeit ist auf ethische Reflexion moralischer Begründungen angewiesen -- KPG bietet ein Prozessmodell zur professionellen Bewältigung von Nicht-Standardisierbarkeit -- Soziale Diagnostik im KPG bewegt sich zwischen Kunstlehre und Begründungsverpflichtung -- Kooperatives Denken und Handeln im KPG fördert die ethische Qualität professioneller Entscheidungen -- Die Orientierung am KPG-Konzept wirkt sich positiv auf die ethisch-moralische Qualität konkreter Handlungsvollzüge aus +Moral ist die gelebte Umsetzung gewachsener Normen und Werte im Zusammenleben von Gemeinschaften. Moralisches Abwägen geschieht immer dann, wenn wir unser Handeln von den Folgen für andere abhängig machen ([Ref 2](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-2)). Was als moralisch richtig gilt, kann je nach Familie, ethnischer oder religiöser Gemeinschaft stark differieren — Moral hat somit keinen wissenschaftlichen Anspruch. Ethik hingegen ist die wissenschaftliche Reflexion dieser Moral, die gewachsene Normen auf der Basis allgemeingültiger Kriterien beleuchtet und hinterfragt ([Ref 11](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-11)). Übertragen auf die Soziale Arbeit bedeutet dies: Professionsethik fragt, was «gute Soziale Arbeit» ist, und prüft, ob die handlungsleitenden Normen tatsächlich dazu beitragen ([Ref 12](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-12)). +## Ethik, Moral und Professionalität -## Evidence References +Moral steht nicht im Widerspruch zu Professionalität, sondern ist ihr konstitutiver Bestandteil ([Ref 13](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-13)). Dennoch stehen der Umsetzung erhebliche Widerstände entgegen: Professionelle sind in einem bestimmten moralischen Klima sozialisiert und können sich ihren subjektiven Sollens-Ansprüchen nicht ohne Weiteres entziehen ([Ref 3](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-3)). Zudem geschieht die Definition sozialer Probleme oft auf Grund diffuser gesellschaftlicher Moralvorstellungen, und Professionelle sollen ihre Klientinnen und Klienten mit den moralischen Gepflogenheiten der Systeme vertraut machen, in die sie inkludiert werden sollen. -- [Ziel dieses Beitrages ist es, eine Brücke zu schlagen zwischen Ethik, Moral und ...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-1) -- [Moral ist die gelebte Umsetzung gewachsener Normen und Werte hinsichtlich des Zu...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-2) -- [Erstens sind wir alle in einem bestimmten moralischen Klima aufgewachsen und soz...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-3) -- [Ethische Entscheidungen orientieren sich an Werten, und ihr zentrales Kriterium ...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-4) -- [Das Ergebnis dieser ethischen Reflexion kann dann als Folie für die Reflexion un...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-5) -- [Diese unvollständige Aufzählung möglicher Strukturierungsformen macht bereits de...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-6) -- [Obwohl zur Theorie-Praxis-Relationierung in der Sozialen Arbeit viel geforscht u...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-7) -- [Diese kleine Auswahl an Evaluationsfragen zeigt: Trotz der durch das Modell vorg...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-8) -- [Stelle oft moniert, dass ihnen im organisationalen Alltag gar keine Zeit zur Ver...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-9) -- [Wer nach KPG arbeitet, muss sich mit einer kooperativen Haltung auseinandersetze...](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-10) +Habermas unterscheidet drei Formen der Entscheidungsfindung: pragmatische Entscheidungen betreffen die Zweckmässigkeit bei bekanntem Ziel, ethische Entscheidungen orientieren sich an Werten und der Frage nach dem Guten ([Ref 4](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-4)), und moralische Entscheidungen sind dann zu treffen, wenn Handlungen die legitimen Interessen anderer tangieren — hier geht es um die Symmetrie in Beziehungen, in denen alle Beteiligten denselben Anspruch auf Achtung ihrer Würde haben. Da sich Soziale Arbeit qua Professionsauftrag zentral mit dem Wohlergehen anderer befasst, haben professionelle Entscheidungen in der Fallarbeit stets moralische Qualität. Das Auffinden des moralisch Richtigen unter all den unterschiedlichen Moralen, die in komplexen Problemsituationen aufeinanderprallen, bedingt ethische Reflexion — deren Ergebnis dann als Folie für die Überprüfung dieser Moralen dienen kann ([Ref 5](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-5)). + +## KPG als Unterstützung ethischer Reflexion + +Im Konzept KPG werden hohe ethische Ansprüche formuliert. Die Kriterien der ethischen Reflexion sind nicht beliebig, sondern klar definiert und berufen sich auf anerkannte Normen wie Menschenwürde, Menschenrechte und Solidarität ([Ref 14](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-14)). Drei zentrale Elemente — Nicht-Standardisierbarkeit, Soziale Diagnostik und Kooperation — werden hinsichtlich ihres Beitrags zur ethischen Reflexion untersucht. + +### Nicht-Standardisierbarkeit + +Struktur und Standardisierung sind grundsätzlich verschiedene Phänomene: Struktur beschreibt einen differenzierten und geordneten Zusammenhang, während Standardisierung mit Normierung und Vereinheitlichung gleichgesetzt wird. Nicht jede Struktur-Entscheidung wird der moralischen Qualität der professionellen Handlungsprozesse gerecht ([Ref 6](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-6)). Dies wird am Beispiel eines neunjährigen Knaben deutlich, der in einer stationären Einrichtung bei tätlichen Angriffen ausnahmslos mit dreiwöchigen Time-out-Aufenthalten bestraft wurde — ein standardisiertes Verfahren, das sein Verhalten nicht verbesserte, sondern die Abstände zwischen den Vorfällen verkürzte. + +Das Prozessmodell von KPG ist nicht als normativer Standard zu lesen, sondern als idealtypische Struktur professionellen Handelns und Hintergrundfolie der Reflexion ([Ref 15](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-15)). Wie die einzelnen Handlungsschritte modifiziert, gewichtet oder methodisch gefüllt werden, bleibt in der Verantwortung der professionell Handelnden. KPG bietet damit ein Instrument, die Nicht-Standardisierbarkeit und Komplexität der Fallarbeit unter Berücksichtigung ihrer moralischen Qualität zu reflektieren und zu bewältigen, ohne auf unzulässige Standardisierungen zurückzufallen. + +### Soziale Diagnostik + +Das methodische Vorgehen zum hermeneutischen Fallverstehen stellt eine eigenartige Leerstelle dar, die oft mit dem Begriff der «Kunstlehre» überbrückt wird ([Ref 7](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-7)). Eine solche Kunstlehre entzieht sich einer breiten intersubjektiven Überprüfung und bleibt allenfalls Expertinnen und Experten vorbehalten — Klientinnen und Klienten müssten den Professionellen weitgehend blind vertrauen. Aus ethischer Sicht muss jedoch erläutert und begründet werden können, wie eine soziale Diagnose zustande kommt ([Ref 16](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-16)). + +KPG gliedert den diagnostischen Prozess in vier Teilschritte — Situationserfassung, Analyse, Diagnose und Zielfindung —, die jeweils mit konkreten Evaluationsfragen versehen sind. So wird etwa zur Situationserfassung gefragt, ob die Wahl der Erfassungsmethoden den Erfordernissen des Falles angemessen war, und zum Abschluss des Diagnoseschrittes, ob die Erkenntnisse in den dialogischen Verständigungsprozess eingebracht wurden. Auch innerhalb dieser Teilschritte geht es um moralische Entscheidungen mit massgeblichem Einfluss auf das Wohlergehen anderer ([Ref 8](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-8)). In der Praxis monieren Professionelle häufig, dass für fundierte Diagnostik keine Zeit zur Verfügung stehe und dieser konstitutive Teil professioneller Tätigkeit von ihren Organisationen weder gewünscht noch gefördert werde ([Ref 9](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-9)). Es reicht daher nicht, wenn einzelne Professionelle sich für professionelle Arbeit entscheiden — auch die Organisationen müssen entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. + +### Kooperatives Denken und Handeln + +Das Strukturmerkmal der Koproduktion verlangt von Professionellen die Bereitschaft und Fähigkeit zu Kooperation im Sinn der Ausrichtung aller Handlungen auf ein gemeinsames Ziel ([Ref 17](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-17)). Schütze warnte bereits vor über 25 Jahren davor, dass die Perspektiven der Betroffenen in den Blick der Sozialarbeitenden häufig nur als «Unordnung stiftende Störfaktoren» geraten. Trotz aller Zustimmung zu einer kooperativen Haltung verschwindet diese unter organisationalen Routinen, mangelnden Ressourcen und allgegenwärtigem Handlungsdruck. Das ethische Reflektieren allein genügt nicht — es muss sich in kooperatives Handeln übersetzen. + +Wer nach KPG arbeitet, muss sich mit einer kooperativen Haltung auseinandersetzen und einen ethisch-moralischen Anspruch an die eigene Arbeitsweise deklarieren ([Ref 10](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-10)). Kooperation ist in KPG kein sozial erwünschtes Etikett, sondern eine konsequent eingeforderte Denk- und Handlungsweise — in jedem Prozessschritt wird ihre Notwendigkeit thematisiert und die Evaluation beinhaltet Fragen zu Gestaltung und Qualität des Kooperationsprozesses. + +## Fazit + +KPG erlaubt kein Ausruhen auf Routinen und keine Abkürzungen via pragmatisches oder standardisierendes Handeln ohne stichhaltige fachliche Begründung ([Ref 18](./section_03_ethisches-handeln.evidence.md#reference-18)). Die zentrale Thematisierung der Kooperation kennzeichnet professionelles Handeln im Rahmen von KPG als moralisches Handeln, das sich auf das gute Leben anderer bezieht. Die Wirkungsmöglichkeiten des Konzepts sind naturgemäss begrenzt — differenzierte Reflexion und deren Umsetzung in konkretes Handeln bleiben in der Verantwortung der Professionellen und ihrer Organisationen. Wo der Wille zum ethischen Handeln nur als Lippenbekenntnis besteht oder das Prozessmodell als leere Hülle angewendet wird, kann KPG keinen Beitrag leisten. + +Wer sich jedoch auf echte Kooperation einlässt und sich der Komplexität und Einzigartigkeit des Einzelfalls stellt, findet in KPG eine Orientierungs- und Strukturierungshilfe, die ethisch reflektiertes Handeln in der Sozialen Arbeit ermöglicht und einen Reflexions- und Argumentationspfad eröffnet, der Professionelle in der Wahrnehmung ihrer Verantwortung begleitet und unterstützt. diff --git a/knowledge-base/praxis/section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md index 3a8df7a..cd91584 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md @@ -85,3 +85,75 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 101 - **Lines:** 1180–1180 - **Quote:** "18 Und das Ergebnis (die Netzwerkkarte usw.) gehört der Klientin; für die Akte der Professionellen kann allenfalls ein Foto erbeten werden." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperation und Multiperspektivität +- **Section:** 1.2 Multiperspektivität als Fachbegriff der Sozialen Arbeit +- **Pages:** 93 +- **Lines:** 1062–1066 +- **Quote:** "Unter multiperspektivischem Vorgehen versteht Müller, dass sozialpädagogisches Handeln einen bewussten Perspektivenwechsel zwischen unterschiedlichen Bezugsrahmen erfordert, z. B. einem verfahrensrechtlichen, pädagogischen, medizinischen oder fiskalischen (vgl. Müller 2017:23)." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperation und Multiperspektivität +- **Section:** 2.1 Komplexe Problemstellung +- **Pages:** 94 +- **Lines:** 1073–1076 +- **Quote:** "Soziale Arbeit ist gekennzeichnet durch die Zuständigkeit für unterschiedlichste, komplexe, oft auch unklare Probleme von Menschen. Diese sog. »diffuse Allzuständigkeit« (vgl. u. a. Galuske 2011:36ff.) bedeutet nicht nur, dass immer wieder die eigene Zuständigkeit überprüft und der Auftrag geklärt werden muss, es ergibt sich daraus auch die Notwendigkeit der Kooperation mit anderen Berufsgruppen" + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperation und Multiperspektivität +- **Section:** 2.3 Nebeneinander oder miteinander? +- **Pages:** 95 +- **Lines:** 1083–1085 +- **Quote:** "Bei additiven Kooperationen agieren die Kooperationspartner nebeneinander: Die Leistungen der einzelnen Berufsgruppen und Professionen werden unabhängig voneinander erbracht, sie werden aber zeitlich aufeinander abgestimmt (vgl. Wöhrl 1988:233f., zit. in Homfeldt/Sting 2005:205)." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperation und Multiperspektivität +- **Section:** 2.3 Nebeneinander oder miteinander? +- **Pages:** 96 +- **Lines:** 1088–1091 +- **Quote:** "Bei integrativen Kooperationen reicht die Zusammenarbeit weiter. Kern dieser Kooperationsvariante ist der Prozess der fachlichen Verständigung. Ziel ist die »koordinierte, systemische statt sektorielle Bearbeitung praktischer Probleme von Klient/innen« (Obrecht 2005:16)." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperation und Multiperspektivität +- **Section:** 2.4 Hindernisse und Mehrwert +- **Pages:** 97 +- **Lines:** 1112–1114 +- **Quote:** "Bereits Alice Salomon hat dies als wichtiges Prinzip von sozialer Diagnose gesehen: »[ … ] denn die soziale und die ärztliche Feststellung ergänzen einander, und Arzt und Fürsorgerin müssen zur Erreichung der Ziele beider zusammenwirken. Die Beobachtungen des einen können die Auffassungen des anderen beeinflussen« (Salomon 1926:30)." + + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperation und Multiperspektivität +- **Section:** 2.4 Hindernisse und Mehrwert +- **Pages:** 98 +- **Lines:** 1127–1128 +- **Quote:** "Eine erste Voraussetzung jedoch ist die Tatsache, dass die verschiedenen Perspektiven transparent sind -oder, wie es Fegert und Schrapper (2004:5) prägnant formulieren: »Wer zusammenarbeiten will oder soll, muss voneinander wissen.«" + + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperation und Multiperspektivität +- **Section:** 3 Perspektive der Klientinnen und Klienten +- **Pages:** 99 +- **Lines:** 1132–1134 +- **Quote:** "Eine soziale Dienstleistung ist eine koproduktive, gemeinsam erbrachte Leistung von Professionellen und Klienten (vgl. Olk et al. 2003:XIII). Der Kern professionellen Handelns besteht im Handeln gemeinsam mit Klienten." + + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperation und Multiperspektivität +- **Section:** 4 Verschränkung von Perspektiven in der Kooperation +- **Pages:** 106 +- **Lines:** 1237–1240 +- **Quote:** "Wenn aber mehrere gemeinsam schauen, sehen sie eine vielgestaltigere, farbigere Welt, und es zeigen sich weitere Möglichkeiten, wie Unterstützung aussehen und wie eine Veränderung möglich werden kann." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_04_kooperation-multiperspektivitaet.md b/knowledge-base/praxis/section_04_kooperation-multiperspektivitaet.md index f33999a..8cf7494 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_04_kooperation-multiperspektivitaet.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_04_kooperation-multiperspektivitaet.md @@ -2,32 +2,44 @@ *Ursula Hochuli Freund* - -Erörterung des Prinzips der Multiperspektivität und der Kooperation in der Sozialen Arbeit. Der Beitrag beschreibt die Verschränkung von Perspektiven verschiedener Professionen und der Klient:innen als spezifische Aufgabe. - - **Seiten:** 90–106 | **Zeilen:** 1016–1243 +Soziale Arbeit hat es mit komplexen Problemstellungen zu tun, an denen stets unterschiedliche Akteurinnen und Akteure beteiligt sind — jede Person sieht und bewertet eine Situation vor ihrem eigenen Hintergrund, geprägt von persönlich-biografischen Erfahrungen und bei Fachleuten zusätzlich von professionsspezifischem Wissen ([Ref 1](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-1)). Die Verschränkung dieser verschiedenen Sichtweisen im Verlauf eines Arbeitsprozesses ist eine elementare Aufgabe und spezifische Leistung der Sozialen Arbeit. -## Key Points +## Multiperspektivität als Grundkonzept -- Multiperspektivität bedeutet, verschiedene Sichtweisen systematisch zu erfassen und zu verschränken -- Komplexe Problemstellungen erfordern Beiträge verschiedener Professionen (interprofessionelle Kooperation) -- Die Perspektive der Klient:innen ist zentral – Koproduktion, Motivation und Arbeitsbeziehung sind Schlüsselkonzepte -- KPG gestaltet die Kooperation mit Klient:innen als durchgängiges methodisches Prinzip -- Die Verschränkung aller Perspektiven in der Kooperation ist eine spezifische Leistung der Sozialen Arbeit -- Hindernisse und Mehrwert interprofessioneller Kooperation werden differenziert betrachtet +Dass Wirklichkeit stets subjektiv konstruiert wird, illustriert Hochuli Freund an Hollars Zeichnung, die gleichzeitig einen Landvorsprung und ein Männergesicht zeigt, und an Jane Austens *Pride and Prejudice*, in dem die Protagonistin erkennt, dass ihre eigene Wirklichkeitskonstruktion nicht die einzig schlüssige ist ([Ref 2](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-2)). Professionelles Handeln setzt voraus, sich der eigenen Konstruktion bewusst zu sein und anzuerkennen, dass Klientinnen, deren Bezugspersonen und alle Fachpersonen ebenfalls in einer individuell geprägten, subjektiven Wirklichkeit leben. +Den Fachbegriff *Multiperspektivität* hat Müller in den Diskurs der Sozialen Arbeit eingeführt: Sozialpädagogisches Handeln erfordere einen bewussten Perspektivenwechsel zwischen unterschiedlichen Bezugsrahmen — verfahrensrechtlichen, pädagogischen, medizinischen oder fiskalischen ([Ref 11](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-11)). Multiperspektivität bedeutet in Müllers Konzept die Nutzung unterschiedlicher Wissensformen und Wissensbestände sowie den Einbezug der Sichtweisen unterschiedlicher Beteiligter; er bezeichnet sie als eine professionelle Haltung und als Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. -## Evidence References +Bei Heiner gilt die «mehrperspektivische Orientierung» als eines von vier Grundprinzipien diagnostischen Fallverstehens, das eine möglichst komplexe Abbildung des Problems aus der Sicht der verschiedenen Beteiligten sicherstellen soll. In der Praxis- und Wirkungsforschung hat sich mittlerweile ein breiter Konsens entwickelt, dass nur ein multiperspektivischer Ansatz der Komplexität des sozialen Feldes annähernd gerecht werden kann ([Ref 3](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-3)). Multiperspektivität bezeichnet damit sowohl ein fachliches Konzept und eine Grundhaltung professionellen Handelns als auch ein Grundprinzip der Forschung. -- [Soziale Arbeit befasst sich mit komplexen Problemstellungen, an der stets unters...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-1) -- [Elizabeth Bennet -eine von fünf Töchtern der auf Grund der damals geltenden männ...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-2) -- [Auch in der Praxis- und Wirkungsforschung der Sozialen Arbeit hat sich der Begri...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-3) -- [In der Praxis erfolgt der Prozess der Fallbearbeitung zunächst je innerhalb eine...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-4) -- [Im Beispiel werden vielleicht die Beobachtungen der Lehrkraft und der Schulsozia...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-5) -- [6 Ein solcher Verständigungsprozess über das, was als Problem gesehen wird, verä...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-6) -- [9 Und Liebe (2012:11) formuliert: Voraussetzung für eine Multiprofessionalität s...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-7) -- [Interesse auch daran, wie sie selbst ihre Situation sieht -das heisst Interesse ...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-8) -- [ist die Analysemethoden-Kategorie › Perspektivenanalyse ‹ von besonderem Interes...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-9) -- [18 Und das Ergebnis (die Netzwerkkarte usw.) gehört der Klientin; für die Akte d...](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-10) +## Interprofessionelle Kooperation + +Die sogenannte «diffuse Allzuständigkeit» der Sozialen Arbeit — ihre Zuständigkeit für unterschiedlichste, komplexe und oft unklare Probleme — macht die Kooperation mit anderen Berufsgruppen unabdingbar ([Ref 12](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-12)). In vielen Einrichtungen — etwa Sonderschulheimen, Suchtrehabilitationskliniken oder Wohnheimen — sind Fachleute aus Medizin, Psychologie, Pflege und Pädagogik tätig; aber auch dort, wo die Soziale Arbeit allein arbeitet, sind häufig weitere Hilfesysteme involviert. + +Die verschiedenen Professionen haben einen je eigenen, spezifischen Blick auf den Fall: Die Ärztin fokussiert auf körperliche und psychische Beschwerden, die Psychologin auf Aspekte der Persönlichkeit und Entwicklung, die Sozialarbeiterin auf die soziale Einbettung und das familiäre Netz. Indem sie Unterschiedliches erfassen und analysieren, kommen sie zu unterschiedlichen Interventionsvorschlägen. Der Prozess der Fallbearbeitung erfolgt zunächst innerhalb jeder Profession mit eigenen Methoden und Wissensbeständen ([Ref 4](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-4)). + +Bei *additiven Kooperationen* agieren die Partnerinnen und Partner nebeneinander: Sie erbringen ihre Leistungen unabhängig, stimmen sie aber zeitlich aufeinander ab; der fachliche Austausch beschränkt sich auf gegenseitige Information ([Ref 13](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-13)). Bei *integrativen Kooperationen* reicht die Zusammenarbeit weiter — ihr Kern ist der Prozess der fachlichen Verständigung mit dem Ziel einer koordinierten, systemischen statt sektoriellen Problembearbeitung ([Ref 14](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-14)). Die verschiedenen Fachpersonen fügen ihre Erkenntnisse zu einem transprofessionellen Gesamtbild zusammen, aus dem gemeinsam neue Interventionsideen entstehen ([Ref 5](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-5)). + +## Hindernisse und Mehrwert + +Integrative interprofessionelle Kooperation ist mit Aufwand und Anstrengung verbunden: Es bedarf zeitlicher Ressourcen, einer gemeinsamen Anstrengung zur Überwindung von Fachsprachengrenzen und der Bereitschaft, unterschiedliche Handlungslogiken anzuerkennen. Ein solcher Verständigungsprozess verändere den Problemcharakter einer Situation, betont Pantučeks: «Ohne dass dadurch Interessensdifferenzen aufgehoben wären, ist doch eine kommunikative Bearbeitung möglich» ([Ref 6](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-6)). Der Gewinn besteht darin, dass gemeinsam etwas Neues geschaffen wird — ein vertieftes, umfassenderes Verständnis der Fallproblematik und daraus folgende Möglichkeiten der Unterstützung. Bereits Alice Salomon hielt fest, dass die soziale und die ärztliche Feststellung einander ergänzen und die Beobachtungen des einen die Auffassungen des anderen beeinflussen können ([Ref 15](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-15)). Hier kommt der alte aristotelische — und neue systemische — Grundsatz zum Tragen: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. + +Zu den Bedingungen des Gelingens zählen die Gleichwertigkeit der Kooperationspartnerinnen, zumindest teilweise übereinstimmende Ziele, gegenseitiges Vertrauen sowie die Einsicht, dass sich Kooperation für alle Beteiligten lohnen muss. Kooperation ist zudem von Personen abhängig — sie braucht aber Strukturen und Verfahren, die Personen schützen. Die grundlegende Voraussetzung formulieren Fegert und Schrapper prägnant: «Wer zusammenarbeiten will oder soll, muss voneinander wissen» ([Ref 16](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-16)). + +Extraorganisational ist die Installation integrativer Kooperation besonders anspruchsvoll, da häufig fehlende Zeit als Einwand angeführt wird. Der Nutzen muss für alle deutlich werden: dass das Erarbeiten eines transprofessionellen Gesamtbildes die eigene Arbeit erleichtert, ihre Qualität erhöht und die Interventionen passgenauer und effektiver macht. + +## Die Perspektive der Klientinnen und Klienten + +Soziale Arbeit bietet personenbezogene Dienstleistungen an und ist daher auf die Mitarbeit der Klientinnen und Klienten angewiesen — professionelles Handeln ist eine koproduktive Leistung, deren Kern im gemeinsamen Handeln liegt ([Ref 17](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-17)). Voraussetzung für gelingende Multiprofessionalität ist, dass die jeweiligen Aufgaben- und Kompetenzprofile gekannt und anerkannt werden ([Ref 7](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-7)). + +Die Koproduktion kann unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen erfolgen. Freiwilligkeit und intrinsische Veränderungsmotivation sind längst nicht in allen Praxisfeldern gegeben — häufig müssen Professionelle die Klientinnen erst für die gemeinsame Arbeit gewinnen und einseitig ihre eigene Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. Für den Aufbau einer Arbeitsbeziehung ist echtes Interesse an der Person der Klientin und daran, wie sie selbst ihre Situation sieht — also Interesse an ihrer Perspektive — zentral ([Ref 8](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-8)). + +Das KPG-Prozessgestaltungsmodell unterscheidet zwei Kooperationsebenen: die interprofessionelle Fachebene und die Kooperation mit Klientinnen und deren Bezugssystemen. Der innere Kreis des Modells verweist auf die Notwendigkeit des kontinuierlichen Einbezugs von Klientinnen während aller Phasen — von der Situationserfassung über Analyse und Diagnose bis hin zu Zielfindung, Interventionsplanung und Evaluation. In der Analyse ist die Kategorie *Perspektivenanalyse* von besonderem Interesse: Verschiedene Sichtweisen beteiligter Personen werden systematisch erfasst, wobei die Beurteilung der Klientin besonders gewichtet wird ([Ref 9](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-9)). Bei Notationssystemen wie Netzwerkkarte, Genogramm oder Silhouette wird ausschliesslich die Einschätzung der Klientin abgebildet — und das Ergebnis gehört ihr ([Ref 10](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-10)). In der Diagnose werden wissensbasierte erklärende Hypothesen in geeigneter Form in den Dialog mit der Klientin eingebracht, bei der Zielfindung kommt ihrer Perspektive besondere Bedeutung zu, und in der Evaluation ist ihre ehrliche Rückmeldung entscheidend, um zu prüfen, ob die Interventionen zielführend waren. + +## Verschränkung der Perspektiven + +Professionalität bedeutet im Zusammenhang von Multiperspektivität zunächst, sich immer wieder die eigene Sichtweise bewusst zu machen und Selbstdistanz zu gewinnen — so, wie dies Elizabeth Bennet im Roman von Jane Austen getan hat. Dieses Innehalten und Reflektieren ist Voraussetzung dafür, dass sich die eigene Perspektive erweitern und verändern kann. Des Weiteren gilt es, sich bewusst zu sein, dass die Klientin ihre eigene, subjektive Sichtweise hat und dass diese für die gemeinsame Arbeit wesentlich ist. + +Die Soziale Arbeit ist durch ihre diffuse Allzuständigkeit besonders auf die Zusammenarbeit verwiesen und daher prädestiniert, die Fallführung — das Case-Management — zu übernehmen und die verschiedenen Fäden zusammenzuführen. Anzustreben ist dabei eine integrative interprofessionelle Kooperation, bei der die verschiedenen fachlichen Perspektiven nicht nur transparent nebeneinandergelegt, sondern in einem gemeinsamen Such- und Verständigungsprozess verwoben und weiterentwickelt werden. In einem anwaltschaftlichen Selbstverständnis bringen Sozialarbeiterinnen stets auch die Sichtweise der Klientinnen in den Fachdiskurs ein und sorgen dafür, dass deren Stimme gehört wird. Wenn alle Beteiligten gemeinsam schauen, sehen sie eine vielgestaltigere, farbigere Welt — und es zeigen sich weitere Möglichkeiten, wie Unterstützung aussehen und wie Veränderung möglich werden kann ([Ref 18](./section_04_kooperation-multiperspektivitaet.evidence.md#reference-18)). diff --git a/knowledge-base/praxis/section_05_hypothesen.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_05_hypothesen.evidence.md index 5fcddb5..2640b0b 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_05_hypothesen.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_05_hypothesen.evidence.md @@ -85,3 +85,75 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 120 - **Lines:** 1407–1407 - **Quote:** "Aus systemischer Sicht können zum Fallbeispiel auch Hypothesen formuliert werden, wobei grundsätzlich darauf zu achten ist, Kausalhypothesen zu vermeiden, möglichst viele Beteiligte in die Hypothese zu integrieren und nach Möglichkeit Unerwartetes oder Überraschendes anzusprechen. Nachfolgend mögliche systemische Hypothesen:" + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Hypothesen +- **Section:** 2.1 Konstatierende Hypothesen in der Analyse +- **Pages:** 110–111 +- **Lines:** 1282–1286 +- **Quote:** "An dieser systematischen Auswertung der erhobenen Daten wird der innovative Charakter und Mehrwert des Konzepts KPG deutlich. Andere Methoden-Lehrbücher liefern zwar zahlreiche Methoden und Instrumente, welche für die Analyse genutzt werden können (z. B. Galuske 2013, Stimmer 2012, von Spiegel 2013), Angaben zur Auswertung fehlen jedoch." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Hypothesen +- **Section:** 2.1 Konstatierende Hypothesen in der Analyse +- **Pages:** 111 +- **Lines:** 1286–1290 +- **Quote:** "Speziell an den in der Analyse genutzten Hypothesen ist ihr feststellender, beschreibender Charakter. Die in der Analyse erhobenen themenbezogenen Einschätzungen und Bewertungen von Klientin, Professionellen und weiteren Beteiligten werden priorisiert und zusammenfassend dargelegt. Hierbei handelt es sich ausschliesslich um Feststellungen und noch um keine Erklärungen" + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Hypothesen +- **Section:** 2.1 Konstatierende Hypothesen in der Analyse +- **Pages:** 112 +- **Lines:** 1296–1300 +- **Quote:** "Die verschiedenen konstatierenden Hypothesen werden am Schluss der Analyse gesamthaft gesichtet, gewichtet und zu einer Fallthematik verdichtet (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:181). Diese fasst die wichtigsten Ergebnisse aus Situationserfassung und Analyse zusammen, indem neben Personendaten und zentralen Aussagen wichtigste (auch divergierende) Einschätzungen aus den konstatierenden Hypothesen festgehalten werden." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Hypothesen +- **Section:** 2.2 Erklärende Hypothese und handlungsleitende Arbeitshypothese in der Diagnose +- **Pages:** 113 +- **Lines:** 1324–1328 +- **Quote:** "In der Diagnose geht es also um Fallverstehen, es geht darum Erklärungsversuche anzustellen und die noch unklaren, erklärungsbedürftigen Aspekte der in der Analyse herauskristallisierten Fallthematik zu erhellen (vgl. ebd.:217). Ziel dieses Fallverstehens ist es, Bedingungen und Möglichkeiten von Entwicklung zusammenzufassen und damit eine Grundlage für die Handlungsphase zu schaffen." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Hypothesen +- **Section:** 2.2 Erklärende Hypothese und handlungsleitende Arbeitshypothese in der Diagnose +- **Pages:** 114 +- **Lines:** 1344–1348 +- **Quote:** "Eine handlungsleitende Arbeitshypothese wird aus den verschiedenen erklärenden Hypothesen hergeleitet, hierzu werden die für die Erhellung der Fallthematik ergiebigsten Erklärungen ausgewählt. [...] Formal ist die handlungsleitende Arbeitshypothese eine Wenn-dann-Formulierung und fällt damit in die Kategorie der nomopragmatischen Hypothesen nach Staub-Bernasconi" + + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Hypothesen +- **Section:** 4.1 Gemeinsamkeiten der beiden Konzepte +- **Pages:** 121 +- **Lines:** 1416–1420 +- **Quote:** "Eine Gemeinsamkeit der beiden Konzepte besteht in der zentralen Bedeutung der Hypothesenbildung: Hypothesen fungieren als Arbeitsinstrument und sind ein wichtiges technisches Hilfsmittel für die Professionellen. Bei der Hypothesenbildung geht es darum, auf Basis von Beobachtungen und Daten zu nachvollziehbaren Schlüssen zu kommen, eigene Vorannahmen zu explizieren und fachlich zu untermauern." + + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Hypothesen +- **Section:** 4.2 Unterschiede der beiden Konzepte +- **Pages:** 122 +- **Lines:** 1432–1436 +- **Quote:** "In der systemischen Arbeit gibt es keine Unterteilung in Prozessschritte, auch die analytisch-diagnostische Phase wird nicht zweigeteilt, sondern als Ganzes zeitgleich bearbeitet. Hier zeigt sich eine unterschiedliche Grundhaltung in den beiden Konzepten: In der systemischen Arbeit wird immer wieder Neues aufgenommen, Hypothesen werden abwechslungsweise formuliert, verworfen oder bestätigt und neu formuliert." + + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Hypothesen +- **Section:** 4.2 Unterschiede der beiden Konzepte +- **Pages:** 124 +- **Lines:** 1458–1462 +- **Quote:** "Neu und vielversprechend erscheint das systemische Denken in Richtung ›weg von Kausalitäten, hin zu Wechselwirkungen‹. Systemische Hypothesen können in der Diagnose ein wichtiges Arbeitsinstrument sein, um die Fallthematik auch mittels ausformulierter Annahmen über Wechselwirkungen in einem sozialen System zu erhellen." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_05_hypothesen.md b/knowledge-base/praxis/section_05_hypothesen.md index 872af25..2dab9cb 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_05_hypothesen.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_05_hypothesen.md @@ -2,32 +2,44 @@ *Raphaela Sprenger-Ursprung* - -Vergleich der Hypothesenarbeit im KPG-Konzept mit der systemischen Hypothesenbildung. Der Beitrag untersucht Funktion und Formen von Hypothesen in den Prozessschritten Analyse und Diagnose. - +Der Beitrag vergleicht die Hypothesenarbeit im Konzept KPG mit derjenigen der systemischen Sozialen Arbeit. Hypothesen gelten in der fallbezogenen Sozialen Arbeit als weitgehend unbestrittene methodische Hilfsmittel; sowohl im KPG als auch im systemischen Ansatz nehmen sie einen zentralen Stellenwert ein ([Sprenger-Ursprung, S. 107](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-1)). Beide Konzepte erfahren in der Praxis zunehmende Anerkennung, und in beiden ist die Hypothesenbildung fest verankert ([vgl. S. 108](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-2)). Im Konzept KPG wird in den Prozessschritten Analyse und Diagnose mit unterschiedlichen Hypothesenarten gearbeitet; der Beitrag prüft, ob und wie diese mit systemischen Hypothesen verbunden werden können. **Seiten:** 107–124 | **Zeilen:** 1246–1471 +## Konstatierende Hypothesen in der Analyse -## Key Points +Im KPG beginnt die methodische Arbeit mit der fallbezogenen Wahl geeigneter Analysemethoden, gefolgt von der Datenerhebung, die Komplexität zunächst erhöht. Erst im letzten Schritt werden sogenannte konstatierende Hypothesen gebildet ([vgl. S. 110](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-3)). Darin zeigt sich der innovative Charakter des Konzepts: Andere Lehrbücher liefern zwar Methoden und Instrumente für die Analyse, Angaben zur systematischen Auswertung fehlen jedoch ([vgl. S. 110–111](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-11)). -- Hypothesen sind in der fallbezogenen Sozialen Arbeit als methodische Hilfsmittel weitgehend unbestritten -- Im KPG werden konstatierende Hypothesen in der Analyse und erklärende Hypothesen in der Diagnose unterschieden -- Systemische Hypothesen sind zirkulär, beziehungsorientiert und auf Muster fokussiert -- KPG-Hypothesen und systemische Hypothesen können sinnvoll miteinander verbunden werden -- Fallbeispiele illustrieren die praktische Anwendung beider Hypothesenformen -- Die Verbindung beider Ansätze erweitert das Verständnis komplexer Fallkonstellationen +Konstatierende Hypothesen zeichnen sich durch ihren feststellenden, beschreibenden Charakter aus. Die erhobenen Einschätzungen und Bewertungen aller Beteiligten werden priorisiert und zusammenfassend dargelegt – es handelt sich ausschliesslich um Feststellungen, noch nicht um Erklärungen ([vgl. S. 111](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-12)). Um solche Hypothesen zu formulieren, ist es hilfreich, gedanklich auf eine Metaebene zu gehen und aus der Vogelperspektive Zentrales, Auffallendes, sich Widersprechendes oder Irritierendes festzuhalten. Je nach Methode können Fragen als Hilfsmittel dienen: Bei einer Netzwerkkarte etwa wird festgehalten, wer der Fokusperson nah- und fernsteht und ob auffallende Konstellationen vorliegen ([vgl. S. 111](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-4)). +Am Schluss der Analyse werden sämtliche konstatierenden Hypothesen gesichtet, gewichtet und zu einer Fallthematik verdichtet, die die wichtigsten Ergebnisse – einschliesslich divergierender Einschätzungen – zusammenfasst und den Klärungsbedarf für die Diagnose aufzeigt ([vgl. S. 112](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-13)). -## Evidence References +Eine Herausforderung besteht darin, die wichtigsten Erkenntnisse in Form konstatierender Hypothesen festzuhalten und diese zugleich in den Dialog mit Klient:innen einzubringen und validieren zu lassen. Professionelle fluktuieren damit zwischen Expertentätigkeit und Kooperation und sehen bei der Hypothesenbildung Momente des Dialogs und der Verständigung vor. -- [Hypothesen als methodische Hilfsmittel sind in der fallbezogenen Sozialen Arbeit...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-1) -- [Sowohl der systemische Ansatz als auch das Konzept KPG geniessen in der Praxis d...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-2) -- [scheinen und den Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Praxisorganisation gere...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-3) -- [Je nach durchgeführter Analysemethode können zur Auswertung auch Fragen als meth...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-4) -- [Im Konzept KPG unterscheiden sich die Hypothesen im Prozessschritt der Diagnose ...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-5) -- [3 Ausgehend davon, dass alle Gefühle und Einschätzungen dem Klienten gegenüber s...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-6) -- [4 Auf Basis des in der Fallthematik festgehaltenen Erklärungsbedarfs hat sich di...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-7) -- [»Ein System ist nicht Etwas, das dem Beobachter präsentiert wird, es ist ein Etw...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-8) -- [obachtungen (vgl. Schwing/Fryszer 2013:129). Bei der Bildung von Hypothesen geht...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-9) -- [Aus systemischer Sicht können zum Fallbeispiel auch Hypothesen formuliert werden...](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-10) +## Erklärende Hypothesen und Arbeitshypothese in der Diagnose + +Der Prozessschritt Diagnose zielt auf Fallverstehen: Die noch unklaren Aspekte der Fallthematik sollen durch Erklärungsversuche erhellt werden, um Bedingungen und Möglichkeiten von Entwicklung zusammenzufassen und eine Grundlage für die Handlungsphase zu schaffen ([vgl. S. 113](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-14)). Eine Diagnose ist dabei stets vorläufig – eine Momentaufnahme und Annäherung, die niemals Selbstzweck hat, sondern in Ziele und Intervention mündet. + +Hier kommen erklärende Hypothesen zum Einsatz, die auf Basis von Fallinformationen und Expertenwissen Wirkungszusammenhänge formulieren und stets mit «weil» beginnen ([vgl. S. 113](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-5)). War es bei den konstatierenden Hypothesen noch untersagt, Wirkungszusammenhänge anzusprechen, so geht es in der Diagnose genau darum: Elemente der Ausstattung, Bedingungen und Vorkommnisse zueinander in Bezug zu stellen und Ansatzpunkte zur Veränderung zu eruieren. + +Zur methodischen Strukturierung wurde das «Theoriegeleitete Fallverstehen» entwickelt, bei dem unterschiedliche Wissensbestände – etwa kognitive Entwicklung, biografische Lebensbewältigung oder Selbstwirksamkeit – systematisch mit der Fallthematik in Verbindung gebracht werden ([vgl. S. 115](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-7)). Wo Ressourcen knapp sind, kann alternativ die Methode «Böser Blick, freundlicher Blick» genutzt werden, um erfahrungsbasierte Erklärungen diskutierbar zu machen ([vgl. S. 114](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-6)). + +Die ergiebigsten erklärenden Hypothesen werden schliesslich in einer handlungsleitenden Arbeitshypothese zusammengefasst. Diese formal als Wenn-dann-Formulierung gehaltene Hypothese fällt in die Kategorie der nomopragmatischen Hypothesen nach Staub-Bernasconi und bildet die direkte Brücke zur Handlungsphase ([vgl. S. 114](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-15)). Zentral ist dabei, die Erkenntnisse mit dem Klienten zu validieren: Erklärende Hypothesen werden zur Diskussion gestellt und die Arbeitshypothese gemeinsam kritisch geprüft, damit neben dem Fremdverstehen auch dem Selbstverstehen Raum gegeben wird. + +## Systemische Hypothesen im Vergleich + +In der systemischen Arbeit bilden Hypothesen ebenfalls ein zentrales Arbeitsinstrument. Systeme werden dabei nicht als gegebene Entitäten verstanden, sondern als Konstruktionen des Beobachters ([vgl. Maturana, S. 117](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-8)). Charakteristisch ist der konsequente Einbezug des sozialen Umfelds, die Überzeugung, dass jedes Symptom einen Sinn hat, und der Fokus auf Ressourcen und Lösungen statt auf Probleme. + +Das Datenmaterial für systemische Hypothesen speist sich aus Wissen über spezifische Systeme, Erfahrung und Forschung sowie aus eigenen Beobachtungen, die mit vielfältigen Wissensbeständen verbunden werden ([vgl. S. 119](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-9)). Eine Hypothese gilt als systemisch, wenn sie alle Komponenten eines beobachtbaren Systems berücksichtigt und eine Erklärung für deren Bezüge zueinander bietet. + +Systemische Hypothesen zielen darauf ab, Kausalhypothesen zu vermeiden, möglichst viele Beteiligte einzubeziehen und bewusst Unerwartetes oder Überraschendes anzusprechen ([vgl. S. 120](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-10)). Damit dienen sie weniger der Ordnung als vielmehr der Anregung: Durch Hypothesen mit Neuigkeits- und Überraschungscharakter werden gewohnte Zuschreibungen verstört und neue Perspektiven eröffnet. Hypothesen werden dabei nicht nach Wahrheit, sondern nach Nützlichkeit beurteilt – auch eine widerlegte Hypothese liefert neue Informationen, indem Variablen ausgeschlossen werden können. + +## Gemeinsamkeiten und Unterschiede + +Beide Konzepte teilen die zentrale Bedeutung der Hypothesenbildung als technisches Hilfsmittel, mit dem eigene Vorannahmen expliziert und fachlich untermauert werden ([vgl. S. 121](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-16)). Gemeinsam ist ihnen auch der Verzicht auf einen Wahrheitsanspruch: Hypothesen können verworfen, weiterentwickelt oder bestätigt werden, und die Kooperation mit Klient:innen in der Validierung ist in beiden Konzepten selbstverständlich. Beide setzen zudem eine gute Datengrundlage voraus, die durch den Einsatz von Gesprächstechniken und vielfältiger Instrumente unterstützt wird. + +Die in der systemischen Arbeit dargelegte Ordnungs- und Anregungsfunktion lässt sich auf KPG übertragen: In Analyse und Diagnose haben Hypothesen stets eine Ordnungsfunktion inne – es geht darum, Komplexität zu reduzieren und Struktur in die Daten zu bringen. Die Anregungsfunktion ist bei KPG weniger ausgeprägt als in der systemischen Arbeit, wird jedoch durchaus bedient. + +Ein grundlegender Unterschied liegt in der Prozessstruktur: KPG unterscheidet klar zwischen Analyse und Diagnose, während die systemische Arbeit keine solche Zweiteilung vornimmt und Hypothesen fortlaufend formuliert, verwirft und neu bildet ([vgl. S. 122](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-17)). KPG fokussiert auf strukturierte Komplexitätsreduktion (Fallthematik, Arbeitshypothese), die systemische Arbeit auf inhaltliche Offenheit und zirkuläres Denken. KPG-Hypothesen beanspruchen dabei eine längere Haltbarkeit: Es werden im Verlauf eines Unterstützungsprozesses nicht fortlaufend neue Hypothesen formuliert, was die systemische Arbeitsweise hingegen auszeichnet. + +Trotz dieser Unterschiede lassen sich beide Ansätze sinnvoll verbinden. Besonders vielversprechend erscheint die Integration systemischen Denkens in Richtung «weg von Kausalitäten, hin zu Wechselwirkungen», um die Fallthematik in der Diagnose durch Annahmen über Wechselwirkungen im sozialen System zu bereichern ([vgl. S. 124](./section_05_hypothesen.evidence.md#reference-18)). diff --git a/knowledge-base/praxis/section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md index 3f76819..5946ba5 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md @@ -85,3 +85,75 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 146 - **Lines:** 1742–1742 - **Quote:** "Aus Zeitgründen ist eine Auswahl zu treffen, welche Dimensionen und Kriterien in einem Fall wichtig sind und beurteilt werden sollen." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Eingliederungsmanagement +- **Section:** Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle +- **Pages:** 129 +- **Lines:** 1499–1499 +- **Quote:** "Sozialarbeiter bewegen sich demnach stets im Spannungsfeld einer doppelten Loyalitätsverpflichtung sowohl der Gesellschaft wie auch den Klientinnen und ihrer Lebenswelt gegenüber (Böhnisch/Lösch 1973:368, Hochuli Freund 2015:50 -53). Professionalität zeigt sich darin, dass diese strukturellen Widersprüche situations- und fallbezogen immer wieder aufs Neue ausbalanciert werden." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Eingliederungsmanagement +- **Section:** Strukturelles Technologiedefizit +- **Pages:** 130 +- **Lines:** 1507–1507 +- **Quote:** "Das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit ist deshalb nicht bzw. nur sehr begrenzt standardisierbar . Lediglich die Prozessabläufe in den Erbringungen von Hilfeleistungen sind standardisierbar: das Vorgehen, wie Fälle bearbeitet werden, sowie die Art und Weise, wie unterschiedliche Hilfeleistungen von verschiedenen Hilfesystemen koordiniert werden (z. B. im Case-Management) und wie der fachliche Austausch gewährleistet wird." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Eingliederungsmanagement +- **Section:** Strukturmerkmal › Koproduktion ‹ +- **Pages:** 130 +- **Lines:** 1511–1511 +- **Quote:** "Ohne ein Zutun der Klientin -welcher Art und wie aktiv auch immer -kann die Dienstleistung gar nicht zu Stande kommen. Die Klientin hat dadurch den Status einer › Ko-Produzentin ‹ ." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Eingliederungsmanagement +- **Section:** 1.2 Professionsethische Ausrichtung +- **Pages:** 131 +- **Lines:** 1523–1523 +- **Quote:** "Als »Menschenrechtsprofession« (Staub-Bernasconi 1994; 2006) setzt sich die Soziale Arbeit für soziale Gerechtigkeit und die Einhaltung der Menschenrechte ein -denn alle Menschen haben einen Anspruch auf ein »gutes Leben« (Nussbaum 2012)." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Eingliederungsmanagement +- **Section:** 2.1 Situationserfassung +- **Pages:** 135 +- **Lines:** 1569–1569 +- **Quote:** "Informationen werden erfasst mit einer Haltung von Offenheit, Neugier, Unvoreingenommenheit, mit einer Haltung des Nichtwissens. Als Leitmotiv kann der prägnante Satz von Meinhold gelten: »So viel wie möglich sehen -so wenig wie möglich verstehen« (Meinhold 1996:207)." + + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Eingliederungsmanagement +- **Section:** 2.3 Diagnose +- **Pages:** 139 +- **Lines:** 1647–1647 +- **Quote:** "Soziale Diagnosen haben keinen Selbstzweck, vielmehr bilden sie die Basis für › gute ‹ Interventionen. Als Leitmotiv gilt: »Erst verstehen, dann handeln« (in Anlehnung an Moor 1965)." + + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Eingliederungsmanagement +- **Section:** 2.4 Ziele +- **Pages:** 141 +- **Lines:** 1685–1685 +- **Quote:** "Oft ist ein gemeinsamer Prozess nötig, um Wünsche von Klientinnen -die vage und damit auch unverbindlich sein können -zu konkretisieren, sie mit dem gesellschaftlich vorgegebenen Ziel der (Re-)Integration zu verknüpfen und schliesslich als verbindliches Grobziel zu formulieren, an dessen Realisierung dann gemeinsam gearbeitet werden kann." + + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Eingliederungsmanagement +- **Section:** 2.5 Intervention +- **Pages:** 145 +- **Lines:** 1724–1724 +- **Quote:** "Sinnvollerweise werden die Interventionen insgesamt skizziert, konkret geplant, jedoch wird zunächst nur eine erste Interventionssequenz durchgeführt. Eine ständige Überprüfung und Reflektion der realisierten Interventionen und die genaue Planung der jeweils nächsten Schritte sind integraler Bestandteil der Interventionsdurchführung ( › rollende Planung ‹ )." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_06_eingliederungsmanagement.md b/knowledge-base/praxis/section_06_eingliederungsmanagement.md index a68c231..c784773 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_06_eingliederungsmanagement.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_06_eingliederungsmanagement.md @@ -2,32 +2,50 @@ *Ursula Hochuli Freund* - -Konkretisierung des KPG-Konzepts für das Arbeitsfeld Eingliederungsmanagement, also für Unterstützung bei der (Re-)Integration in Erwerbsarbeit. Der Beitrag beschreibt Rahmenbedingungen, Strukturmerkmale und die spezifische Ausdifferenzierung aller Prozessschritte. - +Die Methodik KPG wird von Hochuli Freund für das Eingliederungsmanagement konkretisiert — jene Arbeitsfelder, in denen es um Unterstützung bei der (Re-)Integration in Erwerbsarbeit unter erschwerten Bedingungen geht ([Praxisfeldspezifische Ausdifferenzierung](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-1)). Der Beitrag erarbeitet zunächst die Rahmenbedingungen professionellen Handelns und zeigt dann entlang des KPG-Prozessmodells, wie Unterstützungsprozesse gestaltet werden können. **Seiten:** 128–151 | **Zeilen:** 1475–1850 +## Rahmenbedingungen: Drei Strukturmerkmale -## Key Points +Sozialarbeitende im Eingliederungsmanagement bewegen sich stets im **Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle**: Sie unterstützen Klient:innen anwaltschaftlich bei der beruflichen (Re-)Integration und handeln zugleich im Kontrollauftrag sozialstaatlicher Organisationen. Professionalität zeigt sich darin, diese doppelte Loyalitätsverpflichtung gegenüber Gesellschaft und Klient:innen situations- und fallbezogen immer wieder auszubalancieren ([Doppelte Loyalitätsverpflichtung](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-11)). -- Das Eingliederungsmanagement ist geprägt vom Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle -- Das strukturelle Technologiedefizit und die Koproduktion sind zentrale Strukturmerkmale -- Die Situationserfassung erfordert spezifische Themenbereiche und Erhebungsinstrumente -- Die Analyse umfasst Problem- und Ressourcenidentifikation sowie Priorisierung -- Zielsetzung und Interventionsplanung werden kooperativ mit den Klient:innen gestaltet -- Das KPG-Konzept wird für jedes Strukturmerkmal des Eingliederungsmanagements konkretisiert +Das **strukturelle Technologiedefizit** besagt, dass sich Personen und soziale Situationen nicht planmässig verändern lassen — professionelles Handeln ist nur sehr begrenzt standardisierbar. Lediglich die Prozessabläufe der Fallbearbeitung und Koordination von Hilfeleistungen lassen sich strukturieren ([Begrenzte Standardisierbarkeit](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-12)). Das KPG-Prozessmodell ist eine direkte Antwort auf dieses Defizit. +Die **Koproduktion** als drittes Strukturmerkmal verweist darauf, dass soziale Dienstleistungen nach dem Uno-actu-Prinzip gleichzeitig produziert und konsumiert werden: Ohne Zutun der Klient:innen kommt keine Dienstleistung zustande ([Ko-Produktion](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-13)). Die Kooperationsgestaltung hat deshalb im KPG-Konzept zentralen Stellenwert, denn ohne aktive Beteiligung ist keine Hilfeleistung möglich ([Kooperation im KPG](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-2)). -## Evidence References +## Professionsethik und Strukturierung -- [Die Methodik Kooperative Prozessgestaltung (KPG) ist ein Praxisfeld-übergreifend...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-1) -- [Die Gestaltung der Kooperation mit Klienten hat einen hohen Stellenwert im Konze...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-2) -- [Care-Debatte stellt diese Gewichtung ebenso in Frage wie die traditionell entlan...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-3) -- [»Was faktisch Gegenstand der Bearbeitung wird, konkretisiert sich im situativen ...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-4) -- [6 Eine gute Übersicht findet sich in den Sammelbänden Heiner 2004a und Schrapper...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-5) -- [Wenn in der Analyse methodisch strukturiert weitere Daten erhoben werden, erhöht...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-6) -- [11 Als Beispiel genannt sei der Lebensbewältigungsansatz von Böhnisch (u. a. Böh...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-7) -- [12 Z. B.: »Wie würde die Situation am Arbeitsplatz aussehen, wenn all ihre gegen...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-8) -- [14 Eine Orientierung am Handlungskonzept › Empowerment ‹ ist dabei hilfreich (vg...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-9) -- [Aus Zeitgründen ist eine Auswahl zu treffen, welche Dimensionen und Kriterien in...](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-10) +Als Menschenrechtsprofession setzt sich die Soziale Arbeit für soziale Gerechtigkeit ein und anerkennt den Anspruch aller Menschen auf ein gutes Leben ([Menschenrechtsprofession](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-14)). Im Eingliederungsmanagement bedeutet dies, Autonomie und Selbstbestimmung der Klient:innen zu stärken und zugleich die Bedeutung von Erwerbsarbeit als wesentlichem Bestandteil menschlichen Lebens anzuerkennen, der Selbstverwirklichung und soziale Integration ermöglicht ([Erwerbsarbeit und Integration](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-3)). + +Um angesichts dieser Rahmenbedingungen professionell zu handeln, ist eine Strukturierung des Unterstützungsprozesses erforderlich. Das KPG-Prozessmodell unterscheidet sieben Schritte — Situationserfassung, Analyse, Diagnose, Ziele, Interventionsplanung, Interventionsdurchführung und Evaluation — und integriert zwei übergreifende Kooperationsebenen. + +## Situationserfassung + +Was Gegenstand der Fallbearbeitung wird, konkretisiert sich im institutionellen Kontext und ist ein Produkt der Aushandlung zwischen Sozialarbeitenden und Klient:innen ([Aushandlung im Kontext](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-4)). Im Eingliederungsmanagement werden zunächst objektive Daten zu Person und Erwerbssituation erfasst; der Realitätsausschnitt wird durch den Organisationsauftrag eingegrenzt und kann sich im Verlauf verändern. + +Informationen werden mit einer Haltung der Offenheit und des Nichtwissens gesammelt — nach dem Leitmotiv »So viel wie möglich sehen — so wenig wie möglich verstehen« ([Haltung des Nichtwissens](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-15)). Erkundungsgespräche, Beobachtung und Aktenstudium sind die zentralen Methoden, wobei das wertschätzend-interessierte Erkundungsgespräch zugleich die Kooperation initiiert. + +## Analyse + +In der Analyse werden Informationen nach definierten Kriterien gebündelt und beurteilt. Das KPG-Konzept kategorisiert Analysemethoden in Notationssysteme, Reflexion des eigenen Erlebens, Perspektivenanalysen, Klassifikationssysteme und systemische Methoden — wobei die systematische Unterscheidung zwischen Analyse und Diagnose eine Besonderheit der Methodik darstellt ([Unterscheidung Analyse/Diagnose](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-5)). + +Die erhöhte Komplexität wird durch strukturierte Auswertung wieder reduziert: Hypothesen werden formuliert, Erkenntnisse verdichtet und die Fallthematik gemeinsam mit den Klient:innen herausgearbeitet ([Komplexitätsreduktion](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-6)). Aus der Fallthematik ergibt sich, ob direkt Ziele formuliert oder zunächst tiefergehende Erklärungen erarbeitet werden müssen. + +## Diagnose + +Die soziale Diagnose im KPG-Verständnis hat Hypothesencharakter und dient als Basis für angemessene Interventionen — nach dem Leitmotiv »Erst verstehen, dann handeln« ([Fallverstehen als Grundlage](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-16)). Rekonstruktives und theoriegeleitetes Fallverstehen stehen als Diagnosemethoden zur Verfügung. Der Beizug soziologischer Theorien und psychologischer Wissensbestände wie dem Lebensbewältigungsansatz erweitert den oft defizitorientierten Blick und kann zur Entlastung beitragen ([Erklärungswissen nutzen](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-7)). Diagnostische Erkenntnisse werden mit den Klient:innen besprochen und gemeinsam validiert oder verworfen — im Sinne eines kooperativen Fallverstehens auf Augenhöhe. + +## Ziele + +Gestützt auf Analyse oder Diagnose werden mit den Klient:innen Grobziele vereinbart, die dem (Re-)Integrationsprozess eine Richtung geben. Systemisch-lösungsorientierte Fragetechniken sprechen die Klient:innen als Expert:innen ihres Lebens an und unterstützen die Zielfindung ([Lösungsorientierte Zielfindung](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-8)). Häufig braucht es einen gemeinsamen Prozess, um vage Wünsche zu konkretisieren und als verbindliches Grobziel zu formulieren, das zugleich das gesellschaftliche Ziel der (Re-)Integration aufgreift ([Grobziele aushandeln](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-17)). Die Operationalisierung in SMART-Feinziele erfolgt erst im Rahmen der konkreten Interventionsplanung. + +## Intervention + +Die Interventionsplanung beginnt mit einer kreativen Suche nach Möglichkeiten, bei der biografische Erfahrungen der Klient:innen, der Erfahrungsschatz der Organisation und alle verfügbaren Ressourcen erkundet werden — eine Empowerment-Orientierung ist dabei hilfreich ([Empowerment-Orientierung](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-9)). Die Interventionen werden insgesamt skizziert, aber zunächst nur als erste Sequenz durchgeführt; eine ständige Überprüfung und Planung der nächsten Schritte bildet die rollende Planung ([Rollende Planung](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-18)). Im Verlauf ist ein allmählicher Rollenwechsel angezeigt: Professionelle nehmen sich zunehmend zurück und machen sich selbst überflüssig. + +## Evaluation und Grundhaltung + +Fallbezogene Evaluation ermöglicht Distanznahme und gemeinsames Lernen. Das KPG-Konzept unterscheidet die Dimensionen analytische Phase, Handlungsphase, Kooperation und Gesamtbeurteilung — wobei fallbezogen eine Auswahl relevanter Kriterien zu treffen ist ([Auswahl der Evaluationskriterien](./section_06_eingliederungsmanagement.evidence.md#reference-10)). Evaluation im Fachteam stärkt darüber hinaus die Organisationsentwicklung und dient der Psychohygiene. + +Die professionelle Grundhaltung im KPG-basierten Eingliederungsmanagement verbindet das Ausbalancieren des Spannungsfelds zwischen Hilfe und Kontrolle, die Orientierung an Zentralwerten der Profession, Bescheidenheit bezüglich eigener Wirkungsmöglichkeiten, die beharrliche Suche nach Kooperation, einen verstehensorientierten Zugang und ein strukturiertes, zugleich flexibles methodisches Vorgehen. Klient:innen werden konsequent als aktiv handelnde Akteur:innen ihres eigenen Reintegrationsprozesses betrachtet. diff --git a/knowledge-base/praxis/section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md index e8bc00d..c67d894 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md @@ -85,3 +85,75 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 165 - **Lines:** 2088–2088 - **Quote:** "Einige Hindernisse zeigten sich, als die neue Struktur offiziell eingeführt wurde. Einzelne Mitarbeitende fanden es anstrengend und entbehrlich, dass nun zwischen Beschreibung und eigener Bewertung unterschieden werden sollte. Insbesondere in einem Team war es offenbar heikel und eine Herausforderung, sich in eine andere Rolle zu versetzen und etwa die Methode der Fallinszenierung (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:186f.) zu nutzen." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperative Bedarfsermittlung +- **Section:** 1 Das Projekt +- **Pages:** 153 +- **Lines:** 1864–1866 +- **Quote:** "Im ersten Teilprojekt sollte auf Grundlage der Methodik ein neues Angebot speziell für junge Menschen mit einer komplexen Problematik entwickelt werden, die neben einer kognitiven Entwicklungsbeeinträchtigung auch eine schwierige soziale Situation und/oder soziale Auffälligkeiten aufweisen und deren Hilfebedarf hinsichtlich Wohnen unklar erschien." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperative Bedarfsermittlung +- **Section:** Anlage Teilprojekt 1: Entwicklung eines neuen Angebots +- **Pages:** 154 +- **Lines:** 1878–1880 +- **Quote:** "Das Verfahren KB orientiert sich an der Struktur des Prozessmodells KPG. Nach Situationserfassung, Analyse und Diagnose bilden sich Zielsetzung und Interventionsplanung bei KB als Empfehlungsplanung ab. Für jeden Prozessschritt wurden verschiedene Methoden und Instrumente entwickelt." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperative Bedarfsermittlung +- **Section:** Analyse gemeinsam mit Klientinnen +- **Pages:** 156 +- **Lines:** 1906–1908 +- **Quote:** "Mit dem Instrument Silhouette wird mit Hilfe einer Visualisierung gemeinsam die Selbstsicht einer Klientin auf ihre Stärken, Schwierigkeiten, Wünsche und Ängste erfasst. Die Silhouette kann zu einer Perspektivenanalyse erweitert werden, indem die Sichtweise weiterer Personen, meist von wichtigen Bezugspersonen, zu diesen vier Bereichen erfragt werden (vgl. Hochuli Freund 2013)." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperative Bedarfsermittlung +- **Section:** Analyse gemeinsam mit Klientinnen +- **Pages:** 157 +- **Lines:** 1918–1920 +- **Quote:** "Zur Erfassung vorhandener Netzwerke und Beziehungen wird zusammen mit den Klienten eine Netzwerkkarte erstellt (vgl. ebd.:193 -195). Hierzu werden Holzfiguren unterschiedlicher Grösse bereitgestellt, die von den Klientinnen in einer Art Koordinatensystem aufgestellt und in Relation gesetzt werden." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperative Bedarfsermittlung +- **Section:** Auswertung der Analyse und Fallverstehen im KB-Team +- **Pages:** 158 +- **Lines:** 1933–1935 +- **Quote:** "Wenn mit den Instrumenten und in den gemeinsamen Treffen alle relevanten Informationen erfasst und die darauf bezogenen feststellenden Hypothesen formuliert sind, wird auf dieser Basis die Fallthematik gebildet. Diese enthält in komprimierter Form die wichtigsten Informationen und Erkenntnisse zur Frage »Worum geht es in diesem Fall?« (vgl. ebd.)." + + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperative Bedarfsermittlung +- **Section:** Empfehlung, Abschluss +- **Pages:** 158 +- **Lines:** 1940–1942 +- **Quote:** "Die Arbeitshypothese bildet die Grundlage für die Empfehlungsplanung . Ausgehend von den dort festgehaltenen Bedingungen werden Überlegungen angestellt, wie die Unterstützung für eine bestimmte Veränderung oder Entwicklung konkret aussehen könnte." + + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperative Bedarfsermittlung +- **Section:** 3.1 Ambulante Wohnbegleitung +- **Pages:** 164 +- **Lines:** 2063–2063 +- **Quote:** "Schliesslich wurde auf der Leitungsebene festgelegt, dass den Mitarbeitenden zusätzliche Arbeitszeit zur Verfügung gestellt wird für monatliche Fallbesprechungen von 45 Minuten Dauer." + + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Kooperative Bedarfsermittlung +- **Section:** 3.3 Aufnahmeverfahren +- **Pages:** 166 +- **Lines:** 2100–2101 +- **Quote:** "Um sich ein Bild von der betreffenden Person, ihren Ressourcen, Schwierigkeiten und auch Wünschen und Ängsten zu machen, werden im Rahmen des Aufnahmeverfahrens zwei Instrumente eingesetzt: Silhouette und Perspektivenanalyse." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_07_kooperative-bedarfsermittlung.md b/knowledge-base/praxis/section_07_kooperative-bedarfsermittlung.md index ee99e67..4febd5e 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_07_kooperative-bedarfsermittlung.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_07_kooperative-bedarfsermittlung.md @@ -2,32 +2,46 @@ *Jakin Gebert, Ursula Hochuli Freund, Jasmin Hugenschmidt, Raphaela Sprenger-Ursprung* - -Dokumentation eines dreijährigen Projekts zur Implementierung von KPG in einer Einrichtung der Behindertenhilfe. Es wurden ein neues Angebot (Kooperative Bedarfsermittlung) entwickelt und bestehende Wohnangebote methodisch neu ausgerichtet. - +Der Beitrag von Gebert, Hochuli Freund, Hugenschmidt und Sprenger-Ursprung ([Autorenteam](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-1)) dokumentiert ein dreijähriges, von Aktion Mensch gefördertes Projekt zur Implementierung von KPG im Wohnbereich der Lebenshilfe Lörrach e. V. (2013–2015). Das Vorhaben umfasste zwei Teilprojekte: die Entwicklung der Kooperativen Bedarfsermittlung (KB) für junge Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und unklarem Hilfebedarf ([Teilprojekt 1](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-11)) sowie die methodische Neuausrichtung der bestehenden Wohnangebote. **Seiten:** 152–169 | **Zeilen:** 1852–2131 +## Projektanlage -## Key Points +Eine Projektgruppe aus Mitarbeitenden verschiedener Bereiche entwickelte das neue Angebot KB und erprobte es fortlaufend in der Praxis. Monatliche Schulungen durch die Hochschule für Soziale Arbeit der FHNW stellten die wissenschaftliche Fundierung sicher ([FHNW-Begleitung](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-2)). Das Verfahren KB orientiert sich an der Struktur des KPG-Prozessmodells: Situationserfassung, Analyse und Diagnose münden in eine Empfehlungsplanung; für jeden Prozessschritt wurden spezifische Methoden und Instrumente entwickelt ([KPG-Prozessstruktur](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-12)). -- Im Rahmen eines dreijährigen Projekts wurde KPG in der Lebenshilfe Lörrach implementiert -- Die Kooperative Bedarfsermittlung (KB) ermittelt gemeinsam mit Klient:innen den individuellen Wohn-Bedarf -- Das KB-Verfahren orientiert sich an der Struktur des KPG-Prozessmodells -- Verschiedene Instrumente wurden entwickelt: Leitfäden, Fragebögen, Bildkarten, Dokumentationsvorlagen -- Die bestehenden Wohnangebote wurden methodisch nach KPG neu ausgerichtet -- Das Projekt zeigt, wie KPG in eine Organisation implementiert werden kann +## Konzept und Zielgruppe +Die KB ermittelt gemeinsam mit Klient:innen den individuellen Bedarf hinsichtlich einer Veränderung der Wohn- und Lebenssituation. Adressat:innen sind volljährige Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung, deren Hilfebedarf unklar erscheint. Die Teilnahme ist freiwillig; eine KB dauert in der Regel vier bis sechs Monate mit regelmässigen Treffen, bei Bedarf unter Einbezug von Angehörigen und weiteren Fachkräften ([freiwilliges Angebot](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-3)). -## Evidence References +## Instrumente und kooperative Analyse -- [Jakin Gebert, Ursula Hochuli Freund, Jasmin Hugenschmidt, Raphaela Sprenger-Ursp...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-1) -- [Das Praxisentwicklungsprojekt wurde über die gesamte Laufzeit von der Hochschule...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-2) -- [Betreuern) angeregt werden. Es handelt sich dabei jedoch um ein freiwilliges Ang...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-3) -- [Um wichtige biografische Verlaufsdaten zu erfassen, wird mit einer PC-Software z...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-4) -- [Über den gesamten Prozess einer Bedarfsermittlung werden Treffen, weiterführende...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-5) -- [Evaluationsergebnisse fliessen in die Gestaltung der nächsten Abklärungen ein un...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-6) -- [2 › Maria Lembo ‹ -der Name ist ein Pseudonym -ist mit der Veröffentlichung des ...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-7) -- [Gerne möchte ich in einem gemeinsamen Treffen mit Ihnen und Frau Lembo bespreche...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-8) -- [Zu den stationären Wohnangeboten gehört ein Wohnheim mit drei Wohngruppen für Me...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-9) -- [Einige Hindernisse zeigten sich, als die neue Struktur offiziell eingeführt wurd...](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-10) +Zu Beginn dienen lebensweltorientierte Einzelaktivitäten dem Beziehungsaufbau und der Informationsgewinnung. Anschliessend werden gemeinsam verschiedene Instrumente eingesetzt: Die Silhouette visualisiert die Selbstsicht auf Stärken, Schwierigkeiten, Wünsche und Ängste und kann zur Perspektivenanalyse erweitert werden ([Silhouette](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-13)). Ein Zeitstrahl bildet den biografischen Verlauf auf mehreren Ebenen ab und ermöglicht die Identifikation prägender Ereignisse und Muster ([Zeitstrahl](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-4)). + +Eine Netzwerkkarte macht über Holzfiguren in einem Koordinatensystem die bestehenden Beziehungen und Ressourcen sichtbar ([Netzwerkkarte](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-14)). Ergänzend stehen ein aus dem H.M.B.-W.-Verfahren abgeleiteter Fragebogen zum Hilfebedarf sowie Hospitationen und Kurzzeitaufenthalte zur Verfügung. + +## Auswertung und Fallverstehen + +Im KB-Team werden die erhobenen Daten strukturiert ausgewertet und feststellende Hypothesen gebildet. Die Verlaufsdokumentation hält Treffen, Zeitaufwand und Beobachtungen der fallführenden Fachkraft fest und fliesst in die Hypothesenbildung ein ([Verlaufsdokumentation](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-5)). + +Aus den verdichteten Erkenntnissen wird die Fallthematik gebildet – die Quintessenz zur Frage »Worum geht es in diesem Fall?« ([Fallthematik](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-15)). Durch Beizug geeigneter Theorien werden erklärende Hypothesen formuliert und in einer Arbeitshypothese als Wenn-dann-Formulierung zusammengefasst, die beschreibt, welche Bedingungen für eine bestimmte Entwicklung gegeben sein müssen. + +## Empfehlung und Abschluss + +Die Arbeitshypothese bildet die Grundlage für die Empfehlungsplanung, in der konkrete, trägerneutrale Unterstützungsmassnahmen erarbeitet werden ([Empfehlungsplanung](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-16)). Die Empfehlungen umfassen sozialpädagogische Begleitung und eine Wohnempfehlung; alle Ergebnisse werden in einem strukturierten Bericht dokumentiert, mit den Klient:innen besprochen und dem Kostenträger mit der Bitte um ein Hilfeplangespräch übermittelt. + +## Fallbeispiel + +Das Vorgehen wird anhand eines anonymisierten Fallberichts illustriert ([Fallbeispiel](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-7)). Die KB einer 20-jährigen Frau mit Lernbehinderung, schwieriger Familiengeschichte und fehlendem Auszugswunsch ergab eine differenzierte Arbeitshypothese. + +Darauf aufbauend wurden Empfehlungen zu psychologischer Beratung, Verselbständigung und Erweiterung des Freizeitbereichs formuliert. Der Bericht wurde dem Kostenträger zur Besprechung der konkreten Umsetzung übermittelt ([Hilfeplangespräch](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-8)). + +## Neuausrichtung der bestehenden Angebote + +In der Ambulanten Wohnbegleitung wurden KPG-Analyseinstrumente – Silhouette, Zeitstrahl, Netzwerkkarte – in die Fallarbeit eingeführt und auf Leitungsebene zusätzliche Arbeitszeit für monatliche Fallbesprechungen bewilligt ([Fallbesprechungen ambulant](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-17)). + +Im stationären Wohnbereich – mit Wohnheim und Aussen-Wohngruppen ([stationäre Struktur](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-9)) – lag der Schwerpunkt auf strukturierten Fallbesprechungen; anfängliche Widerstände gegen die Trennung von Beschreibung und Bewertung wurden durch Anpassung auf zweiwöchentlichen Turnus aufgefangen ([Widerstände und Anpassung](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-10)). Auch das Aufnahmeverfahren wurde nach KPG überarbeitet: Silhouette und Perspektivenanalyse kommen nun standardmässig zum Einsatz ([Aufnahmeverfahren](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-18)). + +## Ertrag und offene Fragen + +Das Projekt bewirkte eine sichtbare Professionalisierung: strukturierteres Arbeiten, kooperativerer Einbezug der Klient:innen und institutionalisierte Reflexionsgefässe. Die Evaluationsergebnisse jeder Abklärung fliessen in die Weiterentwicklung des Angebots ein ([Evaluation als Weiterentwicklung](./section_07_kooperative-bedarfsermittlung.evidence.md#reference-6)). Offen bleibt, in welcher Qualität die Methoden dauerhaft angewandt werden; die Finanzierung von KB als feste Leistung konnte bislang nicht gesichert werden und eine summative Evaluation steht noch aus. diff --git a/knowledge-base/praxis/section_08_implementation-tool.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_08_implementation-tool.evidence.md index 658a826..89b0d11 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_08_implementation-tool.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_08_implementation-tool.evidence.md @@ -85,3 +85,48 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 177 - **Lines:** 2229–2229 - **Quote:** "Das grosse Interesse der Mitarbeitenden an der Arbeit mit dem Konzept KPG. Mir kam eine grosse Offenheit und Neugierde entgegen, es wurde deutlich, wie sehr die Mitarbeitenden nach KPG arbeiten wollen. Eine gut spürbare Motivation sowie ein hohes Engagement -sowohl von den Projektverantwortlichen, als auch von den Abteilungsleitenden und den Teams -waren massgebende Gelingensfaktoren der Implementation." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Implementation Tool +- **Section:** 1.1 Kooperative Instrumente-Beurteilung und -Entwicklung (KoopIn) +- **Pages:** 171 +- **Lines:** 2154–2156 +- **Quote:** "in der Stiftung Schürmatt gäbe es eine Vielzahl an Instrumenten, deren Handhabung sehr anspruchsvoll sei. V. a. aber seien diese vielen, z. T. komplexen und in der Anwendung ressourcenintensiven Instrumente wenig miteinander verbunden, sodass der hohe Ressourceneinsatz ohne ersichtlichen Nutzen erfolge." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Implementation Tool +- **Section:** 1.1 Kooperative Instrumente-Beurteilung und -Entwicklung (KoopIn) +- **Pages:** 172–173 +- **Lines:** 2169–2170 +- **Quote:** "Mit dem Projekt KoopIn ist es gelungen, die unterschiedlichen Systematiken zu vereinheitlichen und zu einer logischen, in sich geschlossenen und fachlich fundierten Entwicklungsplanung zu schnüren." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Implementation Tool +- **Section:** 1.2 Implementation der neuen Instrumente nach KPG +- **Pages:** 173–174 +- **Lines:** 2176–2177 +- **Quote:** "Im Zeitraum von August 2015 bis Juni 2016 wurden im Rahmen der Implementation von SPG fünf ca. dreistündige Schulungen durchgeführt. Diese erfolgten -u. a. zu Forschungszwecken, aber auch aus Ressourcengründen -in zwei unterschiedlichen Varianten" + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Implementation Tool +- **Section:** 1.2 Implementation der neuen Instrumente nach KPG +- **Pages:** 174 +- **Lines:** 2186–2186 +- **Quote:** "Dabei zeigte sich, dass der Wissensstand zur SPG sehr heterogen ist und bei einzelnen Prozessschritten, speziell der Analyse, z. T. Unklarheiten darüber bestehen, wie dort genau vorgegangen wird." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Implementation Tool +- **Section:** 1.2 Implementation der neuen Instrumente nach KPG +- **Pages:** 174–175 +- **Lines:** 2189–2190 +- **Quote:** "Um die neue, methodisch strukturierte Arbeitsweise mit der SPG zu festigen und Nachhaltigkeit bei der Implementation zu gewährleisten, stellt die Organisation weitere Unterstützung zur Verfügung, in Form von regelmässigen Schulungen zur Auffrischung der Inhalte und Einarbeitung für neue Mitarbeitende, einem Handbuch mit den fachlichen Standards sowie Coachings durch interne SPG-Expertinnen." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_08_implementation-tool.md b/knowledge-base/praxis/section_08_implementation-tool.md index e0d71b7..2120502 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_08_implementation-tool.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_08_implementation-tool.md @@ -1,33 +1,49 @@ # Implementation eines Tools für sozialpädagogische Prozessgestaltung und Dokumentation in der stationären Behindertenhilfe -*Ursula Hochuli Freund et al.* +*Ursula Hochuli Freund et al.* | **Seiten:** 170–179 | **Zeilen:** 2134–2258 +Dieser Beitrag dokumentiert die Entwicklung und Implementation von KPG-basierten Instrumenten zur sozialpädagogischen Prozessgestaltung (SPG) in der Stiftung Schürmatt, einer grossen Einrichtung der stationären Behindertenhilfe. Das Projekt wurde gemeinsam von Praktiker:innen und Wissenschaftlerinnen der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW durchgeführt ([Projektteam](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-1)) und umfasste zwei aufeinander aufbauende Teilprojekte: die kooperative Instrumente-Entwicklung und deren anschliessende organisationsweite Implementation im Top-down-Verfahren. -Bericht über die Entwicklung und Implementation von KPG-basierten Instrumenten in der Stiftung Schürmatt. Reflexionen der Projektbeteiligten zu Herausforderungen, Gelingensfaktoren und persönlichen Erkenntnissen. +## Ausgangslage und Instrumente-Beurteilung +Die Stiftung Schürmatt verfügte über zahlreiche Instrumente zur Prozessgestaltung, deren Handhabung jedoch als sehr anspruchsvoll beurteilt wurde. +Eine kritische Analyse ergab, dass diese komplexen, ressourcenintensiven Instrumente kaum miteinander verbunden waren und der hohe Ressourceneinsatz ohne ersichtlichen Nutzen erfolgte ([Beurteilung bestehender Instrumente](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-11)). +So wurden beispielsweise in einem sogenannten Basisbericht sehr viele Daten erhoben, die aber kaum für die Prozessgestaltung genutzt wurden; diagnostische Überlegungen im Sinne einer Verstehensbewegung fehlten, und die Kooperation mit Klient:innen war nur ansatzweise verankert. +Im Juli 2013 beurteilten eine Praktikerin und zwei Wissenschaftlerinnen die vorliegenden Instrumente erfahrungsbasiert und vor dem Hintergrund des Konzepts KPG, um Ansatzpunkte für die Überarbeitung zu bestimmen ([Workshop zur Instrumente-Beurteilung](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-3)). +Die Empfehlung lautete: fachliche Fundierung klären, Instrumente vereinfachen und in eine einheitliche Systematik integrieren. -**Seiten:** 170–179 | **Zeilen:** 2134–2258 +## Kooperative Instrumente-Entwicklung (KoopIn) +Im Februar 2014 startete das Projekt KoopIn, in dem die bestehenden Instrumente kooperativ weiterentwickelt wurden ([Vorarbeiten und Projektstart](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-2)). Das übergreifende Forschungsprojekt war auf zweieinhalb Jahre angelegt und involvierte sieben Praxisorganisationen ([Projektrahmen](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-4)). +In fünf vierstündigen Workshops erarbeiteten zwei Praktiker und zwei Wissenschaftlerinnen entlang der KPG-Prozessschritte konkrete Verbesserungen. +Bei Situationserfassung und Analyse wurde zwischen Beschreibung und Bewertung unterschieden und die Perspektivenanalyse als ergänzende Methode eingeführt, um die Kooperation mit Klient:innen zu stärken. +Bei der Diagnose wurde ein strukturierter Fallverstehensprozess mit Weil-Hypothesen verankert, der in eine handlungsleitende Arbeitshypothese mündet; bei der Zielformulierung wurde die Herleitung aus der Fallthematik sichergestellt, mit Begrenzung auf ein bis drei Grobziele und kreativen Interventionsüberlegungen vor der Feinzielformulierung. +Am Ende gelang es, die unterschiedlichen Systematiken zu einer logischen, in sich geschlossenen und fachlich fundierten Entwicklungsplanung zu vereinheitlichen ([Ergebnis KoopIn](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-12)). -## Key Points +## Implementation der neuen Instrumente -- Zwei Projekte: Kooperative Instrumente-Beurteilung/-Entwicklung (KoopIn) und Implementation -- Die Implementation erfolgte in der Stiftung Schürmatt (stationäre Behindertenhilfe) -- Herausforderungen und Gelingensfaktoren werden aus verschiedenen Perspektiven reflektiert -- Die Implementation ist ein langwieriger Prozess, der Geduld und kontinuierliche Begleitung erfordert -- Mitarbeitende brauchen genügend Zeit für die Aneignung der Inhalte und Raum zum Ausprobieren -- Offenheit und Kompromissbereitschaft sind zentrale Voraussetzungen +Die Implementation begann mit einer systematischen Informationsphase: Während der gesamten Entwicklung wurden die Mitarbeitenden regelmässig über die bevorstehende Einführung informiert, und ein beteiligter Abteilungsleiter bot bereits erste inhaltsbezogene Schulungen an ([Informationsphase](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-5)). +Eine von den Wissenschaftlerinnen gestaltete Auftaktveranstaltung mit allen 22 Abteilungsleitenden im Frühjahr 2015 markierte den offiziellen Projektstart. +Von August 2015 bis Juni 2016 fanden fünf dreistündige Schulungen in zwei Varianten statt – 16 Abteilungsleitende wurden als Multiplikator:innen geschult, während sechs Teams direkt von den Wissenschaftlerinnen trainiert wurden ([Schulungsstruktur](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-13)). +Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf den Prozessschritten Analyse und Diagnose; zwischen den Schulungen setzten die Mitarbeitenden das Gelernte in eigenen Fallbearbeitungen um. +## Qualitätssicherung und Herausforderungen -## Evidence References +Im November 2016 fand eine zweite Schulungsrunde zur Qualitätssicherung statt, bei der die Teams zwischen angeleiteter Fallbesprechung und schriftlichen Rückmeldungen wählen konnten ([Qualitätssicherung](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-6)). +Dabei zeigte sich, dass der Wissensstand zur SPG sehr heterogen war und bei einzelnen Prozessschritten – speziell der Analyse – Unklarheiten bestanden ([heterogener Wissensstand](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-14)). +Alle Projektbeteiligten reflektierten die Herausforderungen in individuellen schriftlichen Beiträgen ([Reflexionsformat](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-7)). +Als besonders anspruchsvoll erwies sich die Differenz zwischen der Logik des Dokumentationstools und professionellem Handeln nach KPG. +Die hohe Anzahl an Mitarbeitenden mit verschiedenen Ausbildungsniveaus, die Schulungsorganisation bei unregelmässigen Arbeitszeiten und die Rolle der Multiplikator:innen, die das erworbene Wissen an ihre Teams weitergeben mussten, wurden als kritische Punkte benannt – dennoch fiel die Akzeptanz der neuen SPG hoch aus ([Akzeptanz trotz Herausforderungen](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-8)). -- [Raphaela Sprenger-Ursprung, Jakin Gebert, Renate Trawöger, Oliver Eglinger, Ursu...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-1) -- [Um die Instrumente zur Prozessgestaltung in der Stiftung Schürmatt gezielt nach ...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-2) -- [Im Juli 2013 fand im Rahmen eines Dienstleistungsprojekts ein erster gemeinsamer...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-3) -- [2016 läuft und auf zweieinhalb Jahre angelegt ist, und an dem sieben unterschied...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-4) -- [Die Implementation begann mit Information : Während der gesamten Entwicklungspha...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-5) -- [Ein Vierteljahr später fand im November 2016 eine zweite Schulungsrunde zur Qual...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-6) -- [In diesem Kapitel werden Herausforderungen und Gelingensfaktoren des Implementat...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-7) -- [Eine der Herausforderungen war, die hohe Anzahl an Mitarbeitenden mit verschiede...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-8) -- [Eine der grössten Überraschungen war für mich die hohe Motivation der Mitarbeite...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-9) -- [Das grosse Interesse der Mitarbeitenden an der Arbeit mit dem Konzept KPG. Mir k...](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-10) +## Gelingensfaktoren + +Einstimmig betonten alle Beteiligten die hohe Motivation und Offenheit der Mitarbeitenden als zentralen Gelingensfaktor – die Bereitschaft, Unklarheiten offen anzusprechen und sich auf den Prozess einzulassen, wurde als grosse Bereicherung erlebt ([Motivation der Mitarbeitenden](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-9)). +Das Engagement erstreckte sich über alle Ebenen – von den Projektverantwortlichen über die Abteilungsleitenden bis zu den Teams ([Engagement auf allen Ebenen](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-10)). +Die Stiftung Schürmatt stellte genügend zeitliche und finanzielle Ressourcen bereit und signalisierte damit ein hohes organisationales Commitment. +Besonders bemerkenswert war, dass die fundierte Auseinandersetzung mit Biografien neue Erkenntnisse ermöglichte und die Mitarbeitenden aktuelles Handeln und Denkprozesse der Klient:innen besser verstehen konnten. + +## Nachhaltigkeit und Ausblick + +Um die methodisch strukturierte Arbeitsweise nachhaltig zu verankern, stellte die Organisation weitere Unterstützung bereit: regelmässige Auffrischungsschulungen, Einarbeitungskonzepte für neue Mitarbeitende, ein Handbuch mit fachlichen Standards sowie Coachings durch interne SPG-Expertinnen ([Nachhaltigkeitsmassnahmen](./section_08_implementation-tool.evidence.md#reference-15)). +Zudem wurden sogenannte SPG-Mentor:innen den Bereichen zugeteilt, um die Teams bei der Umsetzung zu unterstützen. Der Implementationsprozess wurde Ende November 2016 formal abgeschlossen. +Die Erfahrungen zeigten, dass Implementation ein langwieriger Prozess ist, der Geduld, kontinuierliche Begleitung und zeitnahe Unterstützung erfordert – aber bei entsprechendem organisationalem Commitment und kooperativer Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis nachhaltig gelingen kann. diff --git a/knowledge-base/praxis/section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md index c152912..9a85478 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md @@ -85,3 +85,48 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 189 - **Lines:** 2432–2432 - **Quote:** "In Hinblick auf die gemeinsame Gestaltung von länger dauernden Unterstützungsprozessen wird in mittel- und langfristigen Prozesszyklen von Monaten bis zu ein oder zwei Jahren gedacht. In Bezug auf Belange des Alltags hingegen gibt es auch wöchentliche, tägliche, stündliche, minütliche Prozesszyklen (vgl. ebd.:145; siehe Anmerkung 3). Vielleicht kann die Unterscheidung zwischen in-" + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Variationen +- **Section:** 1.1 Das Prozessmodell KPG +- **Pages:** 181 +- **Lines:** 2283–2283 +- **Quote:** "Das Prozessmodell erfüllt im Rahmen des Konzept KPG mehrere Funktionen." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Variationen +- **Section:** 1.1 Das Prozessmodell KPG +- **Pages:** 182 +- **Lines:** 2294–2294 +- **Quote:** "Die nachfolgenden Variationen zum Prozessgestaltungsmodell sind so etwas wie Noten für Fingerübungen -und wer Klavier spielen gelernt hat, weiss, wie unverzichtbar solche Übungen sind für virtuoses Spielen." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Variationen +- **Section:** 1.3 Fragen +- **Pages:** 184 +- **Lines:** 2317–2317 +- **Quote:** "Ein anderer möglicher Zugang ist derjenige über Fragen, die den Prozessschritten und Kooperationsebenen (mit Klientinnen und deren Bezugssystemen, auf der Fachebene) zugeordnet werden können." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Variationen +- **Section:** 1.4 Symbole und Metaphern +- **Pages:** 185 +- **Lines:** 2356–2356 +- **Quote:** "Grundsätzlich geht es darum Symbole oder auch Metaphern einzusetzen, um Komplexität zu reduzieren und durch Bilder die eigene Bewertung eines Inhalts zu kommunizieren und sich dadurch über abstrakte Inhalte wie die Prozessschritte nach KPG zu verständigen (vgl. Schröder 2016: 77)." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Variationen +- **Section:** 1.5 Grundhaltungen +- **Pages:** 187 +- **Lines:** 2393–2393 +- **Quote:** "Als ein Element dieser Standards ist jeweils die Haltung ausgewiesen, die in einem spezifischen Prozessschritt erforderlich ist. Diese Grundhaltungen vermögen einerseits Orientierung zu geben für die einzelnen Phasen einer konkreten Prozessgestaltung, anderseits können sie als Puzzleteile einer bewusst ausgestalteten professionellen Grundhaltung verstanden werden (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:126)." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.md b/knowledge-base/praxis/section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.md index 9751628..20269bb 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.md @@ -1,33 +1,45 @@ # Variationen zum Prozessgestaltungsmodell – Spiel-Möglichkeiten und Klärungen -*Ursula Hochuli Freund, Raphaela Sprenger-Ursprung* +*Ursula Hochuli Freund, Raphaela Sprenger-Ursprung* | **Seiten:** 180–191 | **Zeilen:** 2261–2454 +Dieser Beitrag stellt didaktische Variationen zum KPG-Prozessgestaltungsmodell vor und nimmt drei Klärungen zu häufigen Missverständnissen vor. Das Prozessmodell dient als Orientierungsrahmen für ([methodisch strukturiertes und konsequent kooperativ ausgerichtetes Handeln](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-1)); es unterscheidet ([sieben Prozessschritte, eine analytische und eine Handlungsphase sowie zwei Kooperationsebenen](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-2)). Es ([erfüllt dabei mehrere Funktionen](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-11)): die Gestaltung der Kooperation mit Klient:innen, die Zusammenarbeit auf der Fachebene, die Einordnung von Methoden und Instrumenten sowie die Habitusbildung von Studierenden und Professionellen. -Spielerische Annäherung an das KPG-Prozessmodell durch Zuordnung von Tätigkeiten, Fragen, Symbolen und Metaphern zu den einzelnen Prozessschritten. Ergänzt um drei Klärungen zu häufigen Missverständnissen. +Der Beitrag stellt zunächst vier Variationen vor – Tätigkeiten, Fragen, Symbole/Metaphern und Grundhaltungen – und nimmt anschliessend drei Klärungen zu verbreiteten Missverständnissen bezüglich des Konzepts KPG vor. +## Variationen als didaktisches Werkzeug -**Seiten:** 180–191 | **Zeilen:** 2261–2454 +Die Autorinnen greifen den Aspekt der Habitusbildung auf und zeigen, wie das Prozessgestaltungsmodell ([Studierenden wie Praktikern in spielerischer Weise nähergebracht werden kann](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-3)). Die Variationen werden verglichen mit ([Noten für Fingerübungen – unverzichtbar für virtuoses Spielen](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-12)): Sie sollen das Verständnis für die einzelnen Prozessschritte vertiefen und einen Beitrag zur Entwicklung professionellen Könnens leisten. +## Tätigkeiten -## Key Points +Die erste Variation ordnet den Prozessschritten konkrete Tätigkeiten zu: offenes Wahrnehmen und Informationen sammeln (Situationserfassung), strukturiertes Datenerheben und Fallthematik herausarbeiten (Analyse), theoretisches Wissen beiziehen und ([Erkenntnisse zusammenfassen, eine Arbeitshypothese formulieren](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-4)) (Diagnose). Es folgen Bilder für den wünschenswerten Zustand finden und Zielvereinbarungen treffen (Ziele), Vorgehensmöglichkeiten entwerfen (Interventionsplanung), Realisieren und Dokumentieren (Interventionsdurchführung) sowie Innehalten, Auswerten und Folgerungen ableiten (Evaluation). -- Das Prozessmodell wird durch Tätigkeiten, Fragen, Symbole und Metaphern veranschaulicht -- Jeder Prozessschritt hat eine spezifische Grundhaltung -- Alltagsbeispiele (Theaterbesuch, Wanderung) machen die Prozessschritte greifbar -- Drei Klärungen zu häufigen Missverständnissen zum KPG-Konzept -- Das Modell bietet einen Orientierungsrahmen für methodisch strukturiertes Handeln -- Die Variationen dienen als didaktisches Werkzeug für Ausbildung und Praxis +Besonders betont wird bei der Situationserfassung die Notwendigkeit, den eigenen Impuls zur sofortigen Bewertung zurückzustellen und bei der Diagnose die Verbindung von Erklärungen und Handlungsmöglichkeiten. +## Fragen -## Evidence References +([Ein anderer möglicher Zugang ist derjenige über Fragen](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-13)), die den Prozessschritten und Kooperationsebenen zugeordnet werden. Auf der Klientenebene reichen sie von »Welches ist Ihr Anliegen?« (Situationserfassung) über »Wohin soll diese gemeinsame Reise gehen?« (Ziele) bis zu »Wie war es? Was hat es gebracht?« (Evaluation). Auf der Fachebene umfassen sie unter anderem: »Was ist unser Auftrag?« (Situationserfassung), »Welches theoretische Wissen könnte beigezogen werden?« (Diagnose), »Welche Vorgehensmöglichkeiten sind geeignet?« (Interventionsplanung) und »Was können wir für ähnliche Fälle lernen?« (Evaluation). Besonders bei der Diagnose wird auf beiden Ebenen gefragt: »Haben wir den Kern des Problems erfasst? Welches war der Aha-Moment im Verstehensprozess?« -- [Das im Konzept Kooperative Prozessgestaltung (KPG) enthaltene Prozessmodell kann...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-1) -- [In unserem Modell (siehe Abb. 14) werden sieben Prozessschritte, eine analytisch...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-2) -- [Im Folgenden wollen wir deshalb den vierten Aspekt der Habitusbildung aufgreifen...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-3) -- [che nach Erklärungen Handlungsmöglichkeiten aufspüren -Erkenntnisse zusammenfass...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-4) -- [ses -währenddessen wir Methoden und Instrumente für ein neu gestaltetes Abklärun...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-5) -- [Anbieten könnte sich hier beispielsweise ein Theaterbesuch, oder die Aufführung ...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-6) -- [(= Diagnose ). Es wird ausgewählt, in welcher Berghütte übernachtet wird und wan...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-7) -- [Mit dem oben gewählten Zugang -Variationen zum Prozessgestaltungsmodell -könnte ...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-8) -- [Uns erscheint diese analytische Unterteilung des Prozesses hilfreich, weil dadur...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-9) -- [In Hinblick auf die gemeinsame Gestaltung von länger dauernden Unterstützungspro...](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-10) +## Symbole und Metaphern + +Ein Praxisteam überraschte die Autorinnen mit ([neun kleinen Geschenken, die dem Prozessgestaltungsmodell zugeordnet wurden](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-5)): Notizbuch (Situationserfassung), Lupe (Analyse), Kerze (Diagnose), Zielwasser (Ziele), Blumensamen (Interventionsplanung), Kräutertee (Interventionsdurchführung), Postkarten-Set (Evaluation), Puzzle (Kooperation mit Klient:innen) und Trinkschokoladen (Kooperation auf der Fachebene). Der Einsatz von ([Symbolen und Metaphern dient dazu, Komplexität zu reduzieren und durch Bilder abstrakte Inhalte wie die Prozessschritte kommunizierbar zu machen](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-14)). Weitere Vorschläge umfassen unter anderem: in den Spiegel schauen oder Fernrohr (Situationserfassung), unterschiedliche Brillen (Analyse), Scheinwerfer zum Durchleuchten (Diagnose) und Bilder von einem schönen Ort (Ziele). + +### Übergreifende Metaphern + +Metaphern können auch alle Prozessschritte in einem zusammenhängenden Bild veranschaulichen. Beim ([Theaterbesuch](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-6)) betrachtet die Besucherin zunächst das Bühnenbild (Situationserfassung), befragt Schauspieler zu ihren Rollen (Analyse), blickt hinter die Kulissen und rekonstruiert das Drehbuch (Diagnose), entwirft eine Skizze für die nächste Szene (Ziele), organisiert Proben und gestaltet das Bühnenbild um (Interventionsplanung), führt das neue Stück auf (Interventionsdurchführung) und bespricht die Aufführung gemeinsam nach (Evaluation). Bei der ([Wanderung](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-7)) werden Wanderberichte gesucht (Situationserfassung), Routen und Anspruchsniveaus studiert (Analyse), bisherige Wanderungen hinsichtlich Schwierigkeiten und Gruppendynamik reflektiert (Diagnose), eine Berghütte als Ziel gewählt, der Rucksack gepackt und die Route in Etappen eingeteilt (Interventionsplanung), die Wanderung durchgeführt (Interventionsdurchführung) und anschliessend ein Fotoalbum erstellt und ein Nachtreffen organisiert (Evaluation). + +## Grundhaltungen + +Im Rahmen des Forschungsprojekts KoopIn wurden mit sieben Praxispartnern Standards zu den einzelnen Prozessschritten erstellt, in denen jeweils ([die erforderliche Haltung ausgewiesen ist – als Puzzleteile einer bewusst ausgestalteten professionellen Grundhaltung](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-15)). Die Übersicht reicht von Offenheit und Neugier – »so viel wie möglich sehen, so wenig wie möglich verstehen« – (Situationserfassung) über vielfältige Perspektiven explorieren (Analyse), Suchbewegungen nach Erklärungen (Diagnose), motivierende Impulse geben bei gleichzeitiger Zurückhaltung (Ziele) und Erfinderischsein (Interventionsplanung) bis zu Dranbleiben bei gleichzeitiger Flexibilität (Interventionsdurchführung) und Wertschätzung verbunden mit Verbesserungswillen und Fehlerfreundlichkeit (Evaluation). Diese Grundhaltungen können sowohl als Orientierung für einzelne Phasen als auch als Bausteine einer umfassenden professionellen Haltung verstanden werden. + +## Drei Klärungen + +**Modell als Hilfsmittel:** ([Die Variationen könnten die Gefahr verstärken, das Konzept auf eine Modellvorstellung zu reduzieren](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-8)). Ein Modell ist jedoch stets eine Komplexitätsreduktion auf wesentliche Elemente und Zusammenhänge – nicht mehr, aber auch nicht weniger. + +Vieles, was das Konzept KPG als generalistisches Handlungskonzept kennzeichnet – strukturelle Rahmenbedingungen, professionsethische Ausrichtung, konkrete methodische Vorgaben zu Analyse, Diagnose und Zielformulierung, die Prinzipien von Ressourcenorientierung und Empowerment – lässt sich aus dem Prozessgestaltungsmodell allein nicht ablesen. + +**Einheit der analytisch-diagnostischen Phase:** Die Unterteilung der Sozialen Diagnose in Situationserfassung, Analyse und Diagnose macht deutlich, ([welch unterschiedliche kognitive Bewegungen verlangt sind: wahrnehmen/erfassen – bewerten/herausarbeiten, worum es geht – erklären, verstehen](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-9)). Diese Unterteilung ist ein analytisches Hilfsmittel; der Analyseschritt ist integraler Bestandteil der Sozialen Diagnose, da die Klärung der Fallthematik – die Problembestimmung im Sinne Schöns – eine unabdingbare Voraussetzung für das diagnostische Fallverstehen darstellt. Die analytische Trennung kann auch anders vorgenommen werden, die Autorinnen halten diese Dreiteilung jedoch für die hilfreichste. + +**Prozesszyklen und Komplexität:** Das Prozessmodell bildet die zeitliche Dimension nicht ab. ([Bei länger dauernden Unterstützungsprozessen wird in mittel- und langfristigen Zyklen gedacht; bei Alltagsbelangen gibt es auch wöchentliche, tägliche, minütliche Prozesszyklen](./section_09_variationen-prozessgestaltungsmodell.evidence.md#reference-10)). Die versierte Praktikerin bewegt sich stets in mindestens zwei Prozesszyklen gleichzeitig und unterscheidet informelle (im Alltag) von formeller Prozessgestaltung (im strukturierten Gesamtprozess). Auch die Reihenfolge der Prozessschritte ist nicht statisch – bei der Situationserfassung können bereits Ziele formuliert werden, bevor eine differenzierte Analyse stattfindet. + +Ein angemessener Umgang mit Komplexität erfordert eine kontinuierliche Bewegung zwischen themenbezogener Komplexitätserhöhung und strukturierter Komplexitätsreduktion – also bewusste Entscheidungen darüber, wovon man ausgeht und was zunächst im Hintergrund bleiben soll. Letzteres fällt oft schwer, ist aber unerlässlich, damit die Bearbeitung eines Falles auf nachvollziehbar begründeten Entscheidungen beruht. diff --git a/knowledge-base/praxis/section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md index b97646e..c76b146 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md @@ -85,3 +85,75 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 206 - **Lines:** 2809–2809 - **Quote:** "Der Falleinbringer nennt die Fallthematik (= › worum geht es hier? ‹ ) und die Arbeitshypothese (= › wenn … , dann …‹ )." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Fallbesprechungs-Materialien +- **Section:** 1.1 Fall und Fallbesprechung +- **Pages:** 193 +- **Lines:** 2474–2476 +- **Quote:** "Ein Fall entsteht -und wird nach dem Klienten benannt -, wenn eine Arbeitsvereinbarung getroffen wird mit einer Klientin oder einem Klientensystem, gemeinsam an einem Thema zu arbeiten und Professionelle in der Folge darüber nachdenken, welche Aufgaben sich für sie hier ergeben." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Fallbesprechungs-Materialien +- **Section:** Fallbesprechung im intraprofessionellen Team, das gemeinsam Aufgaben der Begleitung und Unterstützung wahrnimmt +- **Pages:** 194 +- **Lines:** 2488–2488 +- **Quote:** "Durch die Reflexion der Beobachtungen und Erfahrungen aller am Fall beteiligten Sozialpädagoginnen entsteht ein differenziertes Bild des Falles, der Gemengelage von Ressourcen, Anliegen, Problemen und Hindernissen." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Fallbesprechungs-Materialien +- **Section:** Fallbesprechung im intraprofessionellen Team, in dem jede Sozialarbeiterin alleine Fälle führt +- **Pages:** 194 +- **Lines:** 2496–2496 +- **Quote:** "Eine Spezialform ist die Fallbesprechung zu zweit, entweder zwischen Vorgesetzter und Mitarbeiter oder auch zwischen der fallführenden Sozialarbeiterin mit einem erfahrenen Kollegen ( Senior Professional ‹ , so Pantu č ek 2004)." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Fallbesprechungs-Materialien +- **Section:** Fallbesprechung mit Klientinnen +- **Pages:** 195 +- **Lines:** 2512–2512 +- **Quote:** "Eine hierfür gut geeignete Methode ist das aus der systemischen Therapie stammende › reflecting team ‹ (vgl. u. a. von Schlippe/Schweitzer 2003:199f.). Der fallführende Sozialpädagoge und die Klientin sind Falleinbringende, danach sind sie Zuhörende beim analytisch-diagnostischen Fachgespräch." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Fallbesprechungs-Materialien +- **Section:** 1.4 Inhaltliche Struktur +- **Pages:** 196 +- **Lines:** 2530–2530 +- **Quote:** "Es besteht Einigkeit darüber, dass Fallbesprechungen einer klaren zeitlichen Struktur bedürfen und eine Moderation oder Leitung benötigt, die für eine thematische Fokussierung sorgt und die Einhaltung des Zeitrahmens gewährleistet (vgl. u. a. Tietze 2003, Pantu č ek 2004, Spangler 2004)." + + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Fallbesprechungs-Materialien +- **Section:** 1.4 Inhaltliche Struktur +- **Pages:** 196–197 +- **Lines:** 2542–2544 +- **Quote:** "Im Unterschied dazu ist eine Fallbesprechung im organisationalen Kontext der Sozialen Arbeit deutlicher auf die Probleme in einem Klienten-Fall und die Ausgestaltung der professionellen Unterstützung oder Begleitung ausgerichtet. Ziel und Zweck sind stärker eingegrenzt, es geht darum, ein vertieftes Verständnis für die Fallproblematik zu erarbeiten, neue Interventionsideen zu erarbeiten, um die Qualität der professionellen Hilfe zu erhöhen." + + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Fallbesprechungs-Materialien +- **Section:** 2 Materialien für Fallbesprechungen nach KPG +- **Pages:** 197 +- **Lines:** 2548–2550 +- **Quote:** "Zunächst werden Leitfragen vorgestellt, die für die Fall-Vorstellung genutzt werden können. Die nächste Strukturierungshilfe ist geeignet für Kurz-Fallbesprechungen und für die Einordnung eines Falles, wenn der Fokus einer Fallbesprechung noch nicht festgelegt ist. Anschliessend finden sich Leitfäden, die dem Prozessmodell KPG folgen." + + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Fallbesprechungs-Materialien +- **Section:** 2.3 Fallbesprechung Situationserfassung +- **Pages:** 200 +- **Lines:** 2636–2638 +- **Quote:** "Wir wollen Situationen und Verhalten beschreiben und es noch nicht bewerten. Bei andersartigen Aussagen werde ich jeweils unterbrechen und sie entsprechend einordnen ( › das ist eine Bewertung, gehört zur Analyse ‹ bzw. › das ist bereits eine Erklärung, gehört zur Diagnose ‹ )." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_10_fallbesprechungs-materialien.md b/knowledge-base/praxis/section_10_fallbesprechungs-materialien.md index c283430..1457e3a 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_10_fallbesprechungs-materialien.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_10_fallbesprechungs-materialien.md @@ -1,33 +1,45 @@ # Fallbesprechungs-Materialien – Strukturierungshilfen für effektive Fallbesprechungen gemäss KPG -*Ursula Hochuli Freund* +*Ursula Hochuli Freund* | **Seiten:** 192–212 | **Zeilen:** 2456–2999 +Fallbesprechungen sind zentrale Gefässe des fachlichen Austauschs in der Sozialen Arbeit. Sie dienen dazu, eine inhaltliche Auseinandersetzung über Fälle zu führen, neue Interventionsmöglichkeiten in komplexen Fällen zu entwickeln und die Arbeit auf der Fachebene zu koordinieren ([S. 192](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-1)). Ein «Fall» entsteht nicht durch eine Person, sondern wenn eine Arbeitsvereinbarung mit einem Klientensystem getroffen wird und Professionelle darüber nachdenken, welche Aufgaben sich für sie ergeben ([S. 193](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-11)). Durch handlungsentlastetes Nachdenken wird die Fallgeschichte (Fall erster Ordnung) in einen «Fall zweiter Ordnung» transformiert und in eine Form gebracht, welche die Planung von Interventionen ermöglicht. -Umfangreiche Sammlung von Strukturierungshilfen für Fallbesprechungen nach KPG. Enthält Typen und Formen von Fallbesprechungen sowie detaillierte Leitfäden mit Methodenvorschlägen und Moderationsfragen für jeden Prozessschritt. +Die Fallbesprechung selbst bildet einen «kasuistischen Raum» des gemeinsamen Nachdenkens, in dem unterschiedliche Aspekte des Fallgefüges – vom sozialen System über die Lebensbereiche des Klienten bis zur gesellschaftlichen Umwelt – fokussiert werden können ([S. 193](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-2)). Neben einer geeigneten äusseren Struktur bedürfen Fallbesprechungen v. a. auch einer geeigneten inneren Strukturierung. Es braucht methodisches Werkzeug zur Moderation, damit der gemeinsame Austausch effektiv ist und die zur Verfügung stehende Zeit zielgerichtet genutzt wird. +## Typen und Formen -**Seiten:** 192–212 | **Zeilen:** 2456–2999 +Es werden mehrere Typen unterschieden. Im intraprofessionellen Team, das gemeinsam Begleitung wahrnimmt (z. B. sozialpädagogische Wohngruppe), entsteht durch die Reflexion aller Beteiligten ein differenziertes Bild der Gemengelage von Ressourcen, Anliegen, Problemen und Hindernissen ([S. 194](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-12)). Ein gezielter Prozess des gemeinsamen Fallverstehens ermöglicht ein vertieftes Verständnis von Falldynamik und Veränderungsbedarf und ein relativ einheitliches, abgestimmtes Vorgehen bei der Unterstützung. +Führt jede Fachkraft ihre Fälle allein (z. B. Sozialberatung), dient die Besprechung der Perspektivenerweiterung: Die eigene Strategie wird überprüft, Entscheidungen abgesichert und Hinweise für neue Interventionen gefunden. Eine Spezialform ist die Fallbesprechung zu zweit, etwa mit einer Vorgesetzten oder einem «Senior Professional» ([S. 194](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-13)). -## Key Points +Im interprofessionellen Setting geht es zunächst um gegenseitige Information und unterschiedliche Einschätzungen, dann um ein transdisziplinäres Gesamtbild. Bei enger Kooperation wird ein gemeinsames Unterstützungsziel festgelegt; bei loserer Kooperation wird die Arbeit in den einzelnen Bereichen fortgeführt. Organisationsübergreifend wird diese Form oft als «Helferkonferenz» bezeichnet ([S. 194](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-3)). -- Verschiedene Typen: intraprofessionell, interprofessionell, mit Klient:innen, als Controlling -- Detaillierte Leitfäden für Fallbesprechungen zu jedem KPG-Prozessschritt -- Fallbesprechung Situationserfassung: Austausch und Folgerungen -- Fallbesprechung Analyse: Analyse durchführen, Fallthematik und Folgerungen -- Fallbesprechung Diagnose: Theoriegeleitetes Fallverstehen, Abschluss und Folgerungen -- Fallbesprechung Ziele, Interventionsplanung und Evaluation mit Moderationsfragen +Fallbesprechungen können auch gemeinsam mit Klient:innen durchgeführt werden. Besonders geeignet ist das «reflecting team» aus der systemischen Therapie: Fallführende und Klient:in sind zunächst Einbringende, dann Zuhörende beim analytisch-diagnostischen Fachgespräch ([S. 195](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-14)). Es ist dabei besonders auf eine achtsame, wertschätzende Haltung und Sprache zu achten; bei einer grossen Runde gilt es darauf zu achten, dass sich der Klient nicht überwältigt fühlt. Bei allen KPG-Leitfäden sind Anmerkungen zu dieser Variante angefügt ([S. 197](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-6)). +## Institutionalisierung und Moderation -## Evidence References +In vielen Organisationen finden regelmässig – wöchentlich, vierzehntäglich oder monatlich – Fallbesprechungen statt, wobei jeweils ein Fall während 30 bis 45 Minuten vertieft behandelt wird; alle übrigen Fälle werden als «Blitzlicht» thematisiert, z. B. mit der Frage «Was haben wir Neues erfahren über seine Ressourcen?» ([S. 195](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-4)). Organisationen, die nach einer bestimmten Methodik wie KPG arbeiten, rhythmisieren die Besprechungen entlang der Struktur der Methodik und verschränken die verschiedenen Prozesse (fallführende Fachkraft und Klient:in / intra- und interprofessionelle Teams). -- [In der beruflichen Praxis braucht es Gefässe für den fachlichen Austausch, u. a....](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-1) -- [Eine Fallbesprechung ist ein sog. › kasuistischer Raum ‹ des gemeinsamen Nachden...](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-2) -- [Eine Spezialform ist die organisationsübergreifende Fallbesprechung mit Fachpers...](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-3) -- [In vielen sozialen Organisationen finden regelmässig -jede Woche, vierzehntäglic...](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-4) -- [Die aus dem ärztlichen Kontext stammende Fallberatung nach Balint läuft ähnlich ...](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-5) -- [Am Ende sind stets Anmerkungen zur Variante › Fallbesprechung mit Klientin ‹ ang...](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-6) -- [Die beim zweiten Schritt aufgelisteten Klärungsfragen dienen dazu herauszufinden...](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-7) -- [Der Falleinbringer trägt evtl. die Ergebnisse vor aus den Analysen, die bisher (...](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-8) -- [16 Ein Beispiel: › Klientin X äussert, sie fühle sich einsam, aus Sicht der Prof...](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-9) -- [Der Falleinbringer nennt die Fallthematik (= › worum geht es hier? ‹ ) und die A...](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-10) +Fallbesprechungen bedürfen einer klaren zeitlichen Struktur und einer Moderation, die für thematische Fokussierung und Einhaltung des Zeitrahmens sorgt ([S. 196](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-15)). Die Moderationsaufgabe ist anspruchsvoll: Neben allgemeinen Moderationskompetenzen sind spezifische Kompetenzen hinsichtlich einer Methodik der Fallbearbeitung erforderlich. Die Moderation kann Teilaufgaben auch delegieren (z. B. Zeitverantwortung, Zusammenfassung der Erkenntnisse). + +Im Unterschied zur kollegialen Beratung – wie etwa der Fallberatung nach Balint, die von einem Supervisor geleitet wird und explizit mit emotionalen Reaktionen arbeitet ([S. 196](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-5)) – ist die Fallbesprechung im organisationalen Kontext stärker auf die Probleme im Klienten-Fall und die Ausgestaltung professioneller Unterstützung ausgerichtet, mit dem Ziel, ein vertieftes Verständnis für die Fallproblematik und neue Interventionsideen zu erarbeiten ([S. 196–197](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-16)). + +## KPG-Materialien im Überblick + +Die Materialiensammlung folgt dem KPG-Prozessmodell. Zunächst werden Leitfragen für die Fallvorstellung vorgestellt, dann Strukturierungshilfen für Kurz-Fallbesprechungen und Einordnung, anschliessend Leitfäden für jeden Prozessschritt ([S. 197](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-17)). Jeder Leitfaden enthält einen Einleitungstext für die Moderation sowie Zeitangaben als Orientierungshilfe. Zur Dokumentation wird eine fortlaufende Flip-Chart-Dokumentation empfohlen, damit Ergebnisse sichtbar gesichert und argumentative Wiederholungsschlaufen abgekürzt werden können. + +Die acht Module umfassen: (1) Fallvorstellung, (2) Fragen zur Einordnung/Kurzfallbesprechung, (3) Situationserfassung, (4) Analyse, (5) Diagnose, (6) Ziele, (7) Interventionsplanung und (8) Evaluation. Es ist gut möglich und oft sinnvoll, in einer Fallbesprechung zwei Prozessschritte zu bearbeiten, z. B. nach einer Diagnose sogleich Unterstützungsziele zu formulieren; die Anleitungen sind entsprechend zu modifizieren ([S. 197](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-17)). + +Die **Fallvorstellung** liefert in 3–8 Minuten die Pflichtinformationen (Person, Aufträge, aktuelle Fragestellung) sowie ausgewählte Kontextaspekte wie familiäre Situation, Biografie, Gesundheitszustand und Ressourcen. Die **Kurzfallbesprechung** nutzt Klärungsfragen, um herauszufinden, welcher Prozessschritt aktuell thematisiert werden soll, und schliesst stets mit der Frage nach den Folgerungen ([S. 199](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-7)). + +Bei der **Situationserfassung** gilt das Prinzip: Beschreiben, nicht bewerten – andersartige Aussagen werden von der Moderation eingeordnet als Bewertung (Analyse) oder Erklärung (Diagnose) ([S. 200](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-18)). Mindestens 60 % der Schilderungen sollen sich auf Positives beziehen (Ressourcenorientierung). Der Austausch kann auf die aktuelle Situation oder als Rückblick auf bisherige Arbeit ausgerichtet sein. + +Die **Analyse** beginnt damit, dass der Falleinbringer die Ergebnisse bisheriger Analysen vorträgt ([S. 201](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-8)). Die Moderation wählt eine geeignete Analysemethode: Fallinszenierung (Rollen der Beteiligten werden stellvertretend übernommen), Reflexion des Erlebens (schwierige Gefühle als Hinweise auf Dynamiken der Klient:in), offene oder systematische Beurteilung von Kompetenzen und Ressourcen, oder eine Perspektivenanalyse mit dem ganzen Hilfesystem. Divergierende Einschätzungen und Widersprüche – etwa wenn eine Klientin Einsamkeit äussert, obwohl sie stets in Kontakt mit Gleichaltrigen steht ([S. 204](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-9)) – werden gezielt aufgegriffen, gewichtet und zur Fallthematik verdichtet. + +In der **Diagnose** wird theoriegeleitet oder alltagsbasiert nach Erklärungen gesucht, etwa durch den bewussten Wechsel zwischen «bösem» und «freundlichem Blick» oder durch Heranziehen von Theorien und Studien. Das Ergebnis ist eine Arbeitshypothese im Format «wenn …, dann …»; der Falleinbringer nennt zu Beginn die Fallthematik und die bestehende Arbeitshypothese ([S. 206](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-10)). Bei der Variante mit Klient:innen empfiehlt sich der erste Teil als «reflecting team», bei dem der Klient ausschliesslich zuhört und danach mitteilt, welche Erklärungen einleuchten und wo er Widerspruch einlegt. + +Die **Zielformulierung** übersetzt diagnostische Erkenntnisse in Unterstützungsziele des Teams oder Bildungsziele gemeinsam mit Klient:innen. Ziele sollen zunächst motivierend und richtungsweisend sein (noch nicht SMART-formuliert); die «Wunderfrage» kann helfen, einen wünschenswerten Zustand zu formulieren ([S. 206](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-10)). + +Die **Interventionsplanung** kombiniert kreative Ideenfindung («Wer hat die verrückteste Idee?») mit systematischer Reflexion durch Best-/Worst-Case-Szenarien, «Katastrophen-» und «Erfolgsgeschichten» sowie die «Verschlimmerungsfrage». Klient und Sozialpädagogin beraten nach der Teambesprechung zu zweit weiter, welche Interventionen ausgewählt werden und was nun konkret getan werden soll. Es empfiehlt sich, diese Besprechung gemeinsam mit Klient:innen im «reflecting team» durchzuführen ([S. 197](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-17)). + +Die **Evaluation** schliesst den Kreislauf mit Rückblick auf Prozess, Kooperation und Ergebnisse. Sie fragt nach dem Gelingen der analytisch-diagnostischen Phase, der Wirksamkeit von Interventionen und den Lehren für künftige Fallarbeit. Eine Skalierungsfrage zur Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit, Fragen zur Kooperation aus Sicht der Klient:innen und die Bestimmung, was das Team für ähnliche Fälle mitnimmt, ergänzen die Fachperspektive ([S. 195](./section_10_fallbesprechungs-materialien.evidence.md#reference-4)). diff --git a/knowledge-base/praxis/section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md index 78b0718..9f21fd5 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md @@ -85,3 +85,75 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 231 - **Lines:** 3289–3289 - **Quote:** "vor ist Lea aber insgesamt eher zurückhaltend, besonders gegenüber Knaben verhält sie sich noch immer sehr distanziert." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Sprechen ist schwierig +- **Section:** Vorgeschichte +- **Pages:** 217 +- **Lines:** 3027–3027 +- **Quote:** "Frau Müller berichtet, dass Lea zwischen drei und acht Jahren immer wieder deutliche Symptome eines selektiven Mutismus gezeigt habe, u. a. sozialer Rückzug, starke Ängste, Schweigen bei Fremden, keine Kontaktaufnahme von sich aus. Im Alter von vier Jahren wurde bei Lea eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit auf dem rechten Ohr diagnostiziert; links hat sie ein normales Hörvermögen." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Sprechen ist schwierig +- **Section:** Gegenwärtige Situation +- **Pages:** 218 +- **Lines:** 3039–3040 +- **Quote:** "Auf der Wohngruppe hingegen erleben wir Sozialpädagoginnen Lea als zurückhaltend, abwartend und zuhörend, als ein Mädchen, das sich die Welt durch Beobachten erschliesst. In der Anfangszeit äusserte sie oft, dass es ihr zu laut sei. Von sich aus nimmt Lea keinen Kontakt zu anderen Kindern auf und spricht nicht viel." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Sprechen ist schwierig +- **Section:** Planung (Analyse) +- **Pages:** 219–220 +- **Lines:** 3055–3057 +- **Quote:** "Um mehr über die Bedürfnisse und Wünsche von Lea zu erfahren, möchte ich neben dem ICF-Formular die sog. › Silhouette ‹ nutzen. Das ist ein Notationssystem, mit dem die Selbstsicht der Klientin hinsichtlich ihrer Stärken, Probleme, Wünsche und Alpträume erfasst wird" + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Sprechen ist schwierig +- **Section:** Umsetzung +- **Pages:** 220 +- **Lines:** 3073–3076 +- **Quote:** "Als Lea aufschrieb »mit anderen Kindern sprechen« wurde ich hellhörig, da sich das mit unseren Beobachtungen deckte. Ich fragte sie, inwiefern das für sie eine Herausforderung darstelle. Lea zuckte mit den Schultern und sagte, dass sie keine Ahnung habe. Mit Erwachsenen sei es kein Problem, aber mit Kindern sei es schwierig. Manchmal wolle sie etwas sagen, aber es gehe einfach nicht." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Sprechen ist schwierig +- **Section:** Fallthematik +- **Pages:** 223–224 +- **Lines:** 3189–3195 +- **Quote:** "Lea ist ein 12-jähriges, selbstständiges und pflichtbewusstes Mädchen mit einer Hörbeeinträchtigung, das seit sieben Monaten auf dem Landenhof platziert ist, und in der vorherigen öffentlichen Schule auf Überforderungssituationen und negative Erlebnisse mit Peers mit Schulverweigerung und Symptomen des selektiven Mutismus reagierte; der es schwer fällt mit anderen Kindern zu sprechen oder Kontakt aufzunehmen und die unter Ängsten leidet; für die sich alle wünschen (auch sie selber), dass sie sich von ihren Ängsten und Sorgen befreien kann und lernt, mit anderen zu kommunizieren." + + +## Reference 16 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Sprechen ist schwierig +- **Section:** Theoriegeleitetes Fallverstehen +- **Pages:** 224–225 +- **Lines:** 3217–3219 +- **Quote:** "Selektiver Mutismus gilt als eine emotional bedingte Störung der sprachlichen Kommunikation. In gewissen Situationen tritt bei den Betroffenen eine umfassende Sprachlosigkeit auf, obwohl sie in einem anderen Kontext sprechen können." + + +## Reference 17 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Sprechen ist schwierig +- **Section:** Theoriegeleitetes Fallverstehen +- **Pages:** 226 +- **Lines:** 3233–3234 +- **Quote:** "Im Gespräch mit der Psychologin vom Landenhof kam zum Ausdruck, dass der Umgang mit Angst sehr abhängig von den Reaktionen des Umfelds sei. Erfolgserlebnisse sollen gefördert und gefeiert werden, statt die Angst in den Vordergrund zu stellen und emotional mit Lea › mit zu schwingen ‹ . Man dürfe sich auch nicht verleiten lassen, sie zu schonen oder auf ihr Vermeidungsverhalten einzugehen ( › sanfter Druck ‹ )." + + +## Reference 18 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Sprechen ist schwierig +- **Section:** Theoriegeleitetes Fallverstehen +- **Pages:** 227 +- **Lines:** 3245–3247 +- **Quote:** "Wenn Lea immer wieder kleine Erfolgserlebnisse im Umgang mit Gleichaltrigen machen kann und ihr Umfeld nicht mit ihren Ängsten mitschwingt, dann können die Angst, das Vermeidungsverhalten und die psychosomatischen Symptome schrittweise abgebaut sowie ihre Selbstwirksamkeit gestärkt werden, was Lea wiederum darin unterstützt, mit anderen Kindern Kontakt aufzunehmen, Freundschaften zu schliessen, somit ihre Entwicklungsaufgaben angemessen zu bewältigen und Sozialkompetenzen aufzubauen." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_11_sprechen-ist-schwierig.md b/knowledge-base/praxis/section_11_sprechen-ist-schwierig.md index 39e3db3..e73f2c7 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_11_sprechen-ist-schwierig.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_11_sprechen-ist-schwierig.md @@ -1,33 +1,45 @@ # »Sprechen ist schwierig« – Analyse und Diagnose in einem Fall der stationären Kinderhilfe -*Noëmi Hauri* +*Noëmi Hauri* | **Seiten:** 216–232 | **Zeilen:** 3003–3317 +Dieser Praxisbeitrag beschreibt die KPG-gestützte Fallarbeit mit Lea, einem 12-jährigen Mädchen mit selektivem Mutismus, in der Stiftung Landenhof — einer stationären Einrichtung für hörbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche in der Schweiz. Die Autorin absolvierte dort die studienbegleitende Praxisausbildung und legte besonderen Wert darauf, die Fallbearbeitung in enger Kooperation mit dem Kind zu gestalten ([S. 216](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-1)). Der Schwerpunkt liegt auf den Prozessschritten Situationserfassung, Analyse und Diagnose gemäss KPG. -Fallbeschreibung aus der Stiftung Landenhof (Über ein 12-jähriges Mädchen mit selektivem Mutismus. Schwerpunkt auf Situationserfassung, Analyse und Diagnose nach KPG in der stationären Kinderhilfe für Hörbeeinträchtigte. +## Situationserfassung +Lea hat zwei Geschwister, darunter eine Zwillingsschwester, und zeigt seit dem dritten Lebensjahr Symptome eines selektiven Mutismus — sozialer Rückzug, starke Ängste, Schweigen bei Fremden, keine eigenständige Kontaktaufnahme. Im Alter von vier Jahren wurde bei ihr zudem eine einseitige, an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit diagnostiziert ([S. 217](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-11)). -**Seiten:** 216–232 | **Zeilen:** 3003–3317 +In einer Teilintegrationsklasse ab der dritten Klasse fand Lea zunächst eine Freundin, wurde dann aber durch die kommunikativen und sozialen Anforderungen der Regelklasse überfordert: Es kam zu Aggressivität, Frustration, Schulverweigerung und einer Neubelebung der mutistischen Symptomatik ([S. 217](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-2)). Eine therapeutische Begleitung und der Rückbau der Integration brachten Entlastung, doch die Überforderung im grösseren Umfeld blieb bestehen, weshalb der Wechsel auf den Landenhof beschlossen wurde. +Auf der Wohngruppe wird Lea als zurückhaltend, abwartend und zuhörend wahrgenommen — ein Mädchen, das sich die Welt durch Beobachten erschliesst; von sich aus nimmt sie keinen Kontakt zu Gleichaltrigen auf und spricht wenig ([S. 218](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-12)). Gleichzeitig zeigt sie Ressourcen: Sie ist selbstständig, pflichtbewusst, liest viel, kann gut zeichnen und reist eigenständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln. -## Key Points +Die dreimonatige Situationserfassung ergab ein Bild mit Ressourcen und Schwierigkeiten, wobei die vorläufigen Themen Sozialkompetenz und selektiver Mutismus im Zentrum standen. Allerdings war eine grosse Lücke offengeblieben: Leas eigene Wünsche und Ziele waren noch nicht herausgearbeitet worden, was im Prozessschritt Analyse nachgeholt werden sollte ([S. 219](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-3)). -- Kontext: Stationäre Einrichtung der Kinder-/Jugendhilfe für hörbeeinträchtigte Kinder -- Die Kooperation mit der Klientin ist eine besondere Herausforderung (selektiver Mutismus) -- Situationserfassung umfasst Vorgeschichte, gegenwärtige Situation und Standortgespräch -- Die Analyse verwendet die Problem- und Ressourcenanalyse nach Geiser und die ICF-Struktur -- Die Diagnose erfolgt durch theoriegeleitetes Fallverstehen -- Kooperative Gestaltung trotz eingeschränkter verbaler Kommunikation +## Analyse +Um die Perspektive des Kindes zu erfassen, nutzte die Autorin neben dem ICF-Formular die sog. Silhouette — ein Notationssystem, mit dem Stärken, Probleme, Wünsche und Alpträume der Klientin visualisiert werden ([S. 219–220](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-13)). Sie gestaltete eine kindergerechte Version mit farbigen Bildern und bereitete das Gespräch detailliert vor, mit klarem Ablauf, Zielen und Best-/Worst-Case-Szenarien. -## Evidence References +Lea notierte rasch sieben Stärken und schrieb bei den Schwierigkeiten »mit anderen Kindern sprechen«: Mit Erwachsenen sei es kein Problem, doch mit Kindern gehe es einfach nicht — manchmal wolle sie etwas sagen, aber es komme nichts ([S. 220](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-14)). Auf die Wunderfrage hin vermerkte sie denselben Wunsch bei den Träumen; bei den Alpträumen notierte sie die Angst, ausgelacht zu werden. -- [Die nachfolgende Fallbeschreibung stammt aus der Stiftung Landenhof, Zentrum und...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-1) -- [Vom Kindergarten bis Ende der zweiten Klasse besuchte Lea eine Schule am Wohnort...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-2) -- [Um der Komplexität des Falles gerecht zu werden und die Fallthematik genau besti...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-3) -- [nungen in Sätzen verstehen und lösen; den Rechenstoff, der in der Klassen durchg...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-4) -- [Beim ICF-Formular schrieb Lea zuerst drei Sätze zu ihrer allgemeinen Befindlichk...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-5) -- [Das Standortgespräch erachte ich als ein wichtiges Gefäss, um die Ansichten alle...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-6) -- [2005:131). Freundschaften geben emotionale Geborgenheit und überwinden Gefühle d...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-7) -- [Mit Blick auf die Zukunft und darauf, was dieser Bedingungszusammenhang sowie di...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-8) -- [Die Kooperation mit Lea bereitete mir im Vorfeld Kopfzerbrechen. Ich hatte zunäc...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-9) -- [vor ist Lea aber insgesamt eher zurückhaltend, besonders gegenüber Knaben verhäl...](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-10) +Im ICF-Formular schätzte Lea sich bei fast allen Items positiv ein; einzig beim »Umgang mit Menschen« wählte sie ein mittleres Kästchen und verwies auf die genannten Schwierigkeiten ([S. 222](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-5)). + +Im Standortgespräch — einer mündlichen Perspektivenanalyse mit Lea, Eltern, Lehrperson und Bezugsperson — zeigte sich eine deckungsgleiche Sichtweise aller Anwesenden, was die Kooperation erleichterte und keine weitere Auftragsklärung erforderte ([S. 224](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-6)). Alle sahen eine Schwierigkeit beim Umgang mit Kindern und wünschten sich, dass Lea mutiger wird und lernt, mit Gleichaltrigen zu sprechen. + +Die daraus abgeleitete Fallthematik beschreibt Lea als selbstständiges, pflichtbewusstes Mädchen, das in der vorherigen Schule auf Überforderung mit Schulverweigerung und Mutismus reagierte, dem es schwer fällt mit Gleichaltrigen zu kommunizieren, und für das sich alle — auch sie selbst — wünschen, dass sie ihre Ängste überwinden und sprechen lernen kann ([S. 223–224](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-15)). + +## Diagnose + +Im theoriegeleiteten Fallverstehen setzte sich die Autorin zunächst mit dem selektiven Mutismus auseinander: eine emotional bedingte Kommunikationsstörung, bei der in bestimmten Situationen eine umfassende Sprachblockade auftritt, obwohl die Betroffenen grundsätzlich sprechen können ([S. 224–225](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-16)). Das Schweigen stellt für das Kind eine subjektiv sinnvolle Bewältigungsstrategie dar; es muss das Sprechen als wertvolles kommunikatives Mittel erst kennen lernen. + +Zur Bedeutung der Peers: Gleichaltrigenbeziehungen sind unerlässlich für den Aufbau von Beziehungsfähigkeit und Sozialkompetenz; sie bieten ein Übungsfeld für Gegenseitigkeit, Perspektivenübernahme und Aushandeln und tragen wesentlich zur Identitätsentwicklung bei ([S. 226](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-7)). + +Zum Thema Angst betonte die Psychologin des Landenhofs, dass Erfolgserlebnisse gefördert und gefeiert werden sollen, statt mit Leas Ängsten emotional »mitzuschwingen«; ein »sanfter Druck« sei angebracht, da Schonung und Eingehen auf Vermeidungsverhalten kontraproduktiv wirkten ([S. 226](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-17)). + +Aus diesen Erkenntnissen formulierte die Autorin erklärende Hypothesen und leitete eine handlungsleitende Arbeitshypothese ab: Wenn Lea immer wieder kleine Erfolgserlebnisse im Umgang mit Gleichaltrigen machen kann und ihr Umfeld nicht mitschwingt, können Angst und Vermeidungsverhalten schrittweise abgebaut und ihre Selbstwirksamkeit gestärkt werden ([S. 227](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-18)). + +Daraus ergab sich die Fragestellung für die Professionellen: Wie gelingt es einerseits, Lea Möglichkeiten für Erfolgserlebnisse im Umgang mit Gleichaltrigen zu schaffen, und andererseits, das Umfeld zu ermutigen, nicht mit den Ängsten mitzuschwingen? ([S. 227](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-8)) + +## Kooperation und Ergebnisse + +Die Kooperation bei der Diagnose bereitete der Autorin zunächst Kopfzerbrechen — am liebsten hätte sie auch geschwiegen, genau wie es Lea manchmal passiert. Sie stellte sich der Herausforderung, vereinfachte die Hypothesen und formulierte sie altersgerecht; Lea konnte den Überlegungen folgen, ihnen zustimmen und sogar eigene Erlebnisse einbringen ([S. 229](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-9)). + +Gemeinsam wurden Ziele formuliert — Angstbewältigung und Kontaktaufnahme mit Gleichaltrigen — und Interventionen vereinbart: ein Bonusplan für soziale Kontakte, eine Erfolgsliste, ein Pro-Juventute-Heft zum Thema Angst sowie gezielte Ermutigung durch alle Fachpersonen. Im Laufe des Schuljahrs wurde Lea zunehmend mutiger, stellte sich angsterfüllten Situationen, baute Freundschaften auf und konnte vermehrt mit Kindern kommunizieren — insgesamt blieb sie aber eher zurückhaltend, besonders gegenüber Knaben ([S. 231](./section_11_sprechen-ist-schwierig.evidence.md#reference-10)). diff --git a/knowledge-base/praxis/section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md index faa891a..90b07fa 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md @@ -85,3 +85,48 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 242 - **Lines:** 3438–3438 - **Quote:** "Zu Beginn des Gesprächs erklärte ich Herrn K., in Bezug auf die Unterstützungsziele, was ich für das heutige Treffen geplante habe und holte sein Einverständnis dafür ein. Herr K. hatte wie vereinbart seine bisher zu Hause aufbewahrten Unterlagen mitgenommen und gemeinsam stellten wir einen Ordner zusammen. Wichtige Unterlagen, welche Herr K. nicht bei sich hatte, kopierte ich aus seiner Handakte." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Schritt in die Unabhängigkeit +- **Section:** 1 Organisationaler Kontext +- **Pages:** 234 +- **Lines:** 3329–3330 +- **Quote:** "Dementsprechend ist der materielle Auftrag der Sozialhilfe die Existenzsicherung, welche durch die Kantone gesetzlich geregelt wird. Gleichzeitig hat die gesetzliche Sozialhilfe aber auch den Auftrag der Sozialberatung. Die Aufgabe der gesetzlichen Sozialhilfe ist die Förderung der wirtschaftlichen und persönlichen Eigenständigkeit sowie die soziale und berufliche Integration in den ersten Arbeitsmarkt." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Schritt in die Unabhängigkeit +- **Section:** 2.1 Prozessschritt Situationserfassung +- **Pages:** 235 +- **Lines:** 3349–3351 +- **Quote:** "Er habe eine Berufsattestlehre als Detailhandelassistent absolviert. Nach seiner Lehre habe er keine Stelle gefunden, seither sei er arbeitslos und auf staatliche finanzielle Unterstützung angewiesen. Während der Sozialhilfeunterstützung im vorigen Kanton habe er verschiedene Arbeitsintegrationsprogramme besucht, jedoch sei ihm der Schritt in den ersten Arbeitsmarkt nie gelungen." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Schritt in die Unabhängigkeit +- **Section:** Umsetzung +- **Pages:** 239 +- **Lines:** 3395–3397 +- **Quote:** "»Ein 26-jähriger Mann, welchem nach mehreren Jahren in der Sozialhilfe der Schritt in den ersten Arbeitsmarkt geglückt ist, bei dem jedoch Schwierigkeiten und Unsicherheiten im finanziell-administrativen Bereich vorhanden sind (z. B. Umgang mit einem Budget, Korrespondenz mit Sozialversicherungen)«." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Schritt in die Unabhängigkeit +- **Section:** Reflexion (Interventionsdurchführung) +- **Pages:** 242–243 +- **Lines:** 3447–3449 +- **Quote:** "Die Herausforderung bei diesem Prozessschritt stellte sich bei der Dosierung des Unterstützungsgrades dar (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:298f.). Einerseits sollte ich Herrn K. eine Hilfe zur Selbsthilfe bieten und ihn zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung ermächtigen. Andererseits musste ich ihm auf Grund seiner bisherigen Biografie und den zeitlichen Rahmenbedingungen relativ viel vorgeben und erklären, was nach einer Ablösung von der Sozialhilfe auf ihn zukommt." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Schritt in die Unabhängigkeit +- **Section:** 3 Erkenntnisse aus der Fallbearbeitung +- **Pages:** 244 +- **Lines:** 3459–3461 +- **Quote:** "Ein solch bewusster Abschluss wäre auch ganz allgemein wichtig, um gemeinsam mit der Klientel den Prozess abzuschliessen, sodass danach etwas Neues beginnen kann. Wenn die Professionellen der Sozialen Arbeit besonders auch am Ende eines Unterstützungsprozesses Zeit investieren, wird der schwierige Übergang von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit besser gelingen und womöglich nachhaltiger sein." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.md b/knowledge-base/praxis/section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.md index 165680c..4745a59 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.md @@ -1,33 +1,45 @@ # Schritt in die Unabhängigkeit – Ein Fall in der Ablösung vom Sozialdienst -*Sophie Löw* +*Sophie Löw* | **Seiten:** 233–245 | **Zeilen:** 3319–3467 +Sophie Löw beschreibt den Ablösungsprozess eines 26-jährigen Sozialhilfebezügers vom Sozialdienst einer Schweizer Gemeinde. Der Fokus liegt auf den Prozessschritten Analyse und Interventionsdurchführung; Zielsetzung und Interventionsplanung werden nur kurz behandelt ([S. 233](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-1)). Ziel ist es, dem Klienten etwas konkret Anwendbares für die Zeit nach der Ablösung mitzugeben. -Fallbearbeitung aus der gesetzlichen Sozialhilfe, in der der Ablösungsprozess eines Klienten vom Sozialdienst thematisiert wird. Fokus auf Analyse und Interventionsdurchführung. +## Organisationaler Kontext +Die Autorin arbeitete während ihrer berufsbegleiteten Ausbildung auf dem Sozialdienst der Gemeinde B., der als Abteilung der kommunalen Verwaltung gesetzliche Sozialhilfe, Kindes- und Erwachsenenschutz sowie freiwillige Einkommensverwaltungen anbietet. Die gesetzliche Sozialhilfe hat einen doppelten Auftrag: Existenzsicherung einerseits, Förderung der wirtschaftlichen und persönlichen Eigenständigkeit sowie soziale und berufliche Integration andererseits ([S. 234](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-11)). -**Seiten:** 233–245 | **Zeilen:** 3319–3467 +Es existieren zwar viele Checklisten für administrative Abläufe, doch definierte Leitlinien und Konzepte zur inhaltlichen Arbeit mit der Klientel fehlen ([S. 234](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-2)). Dieser Umstand führte dazu, dass die Autorin für die Fallbearbeitung selbst Instrumente entwickelte. +## Situationserfassung -## Key Points +Herr K., 26 Jahre alt, bezog zuvor rund vier Jahre Sozialhilfe in einem anderen Kanton. Er absolvierte eine Berufsattestlehre als Detailhandelsassistent, fand danach keine Stelle und besuchte verschiedene Arbeitsintegrationsprogramme, ohne dass ihm der Schritt in den ersten Arbeitsmarkt gelang ([S. 235](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-12)). Als Grund nannte er, dass immer wieder etwas dazwischengekommen sei — Wohnwechsel oder familiäre Konflikte —, was ihn aus der Bahn geworfen habe. -- Kontext: Gesetzliche Sozialhilfe in einer Schweizer Gemeinde -- Fokus auf Analyse und Interventionsdurchführung im Ablösungsprozess -- Ziel: Dem Klienten konkret Anwendbares für die Zeit nach der Ablösung mitgeben -- Situationserfassung und Analyse des sozialen und beruflichen Kontexts -- Reflexion der Prozessschritte Zielsetzung und Interventionsplanung -- Erkenntnisse aus der Fallbearbeitung für die Praxis der Sozialhilfe +In seiner Jugend hatte er grosse Auseinandersetzungen mit seiner Mutter; der Vater lebt in Kambodscha, die Mutter war nach Italien abgereist, ihr genauer Aufenthaltsort war weder ihm noch seiner Schwester bekannt ([S. 235](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-3)). Am früheren Wohnort besuchte er regelmässig einen Psychotherapeuten und wünschte sich auch weiterhin eine Gesprächsperson. +Nach einer einmonatigen Potenzialabklärung, die ihm die Voraussetzungen für den ersten Arbeitsmarkt attestierte, arbeitete Herr K. ab Juli freiwillig in einer Stiftung für Menschen mit Beeinträchtigung. Im November bestätigte er, per Januar eine Festanstellung antreten zu können; die Sozialhilfe leistete somit nur noch bis Ende Januar finanzielle Unterstützung ([S. 236](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-4)). Damit zeichnete sich der Ablösungsprozess ab, auf den die Autorin ihre Fallbearbeitung richtete. -## Evidence References +## Analyse -- [Der vorliegende Artikel greift einen Fall aus der gesetzlichen Sozialhilfe auf, ...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-1) -- [Auf dem Sozialdienst B. gibt es viele Checklisten für administrative Abläufe. Es...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-2) -- [Herr K. erzählte, er habe in seiner Jugendzeit grosse Auseinandersetzungen mit s...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-3) -- [wahrscheinlich eine Festanstellung erhalten werde. Im November bestätigte Herr K...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-4) -- [Im Gespräch soll ein gemeinsames, möglichst offenes Brainstorming zu den einzeln...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-5) -- [Im Bereich der › Finanzen ‹ stellte Herr K. viele Fragen: Wie gehe ich mit den E...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-6) -- [Die ausgewählte Methode ist keine im Buch von Hochuli Freund/Stotz (2015) vorges...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-7) -- [Die Schritte der Zielsetzung und der Interventionsplanung werden kurz gehalten u...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-8) -- [Ein Teilschritt im Rahmen der Interventionsplanung ist die Reflexion der Interve...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-9) -- [Zu Beginn des Gesprächs erklärte ich Herrn K., in Bezug auf die Unterstützungszi...](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-10) +Um herauszufinden, in welchem Lebensbereich Herr K. Unterstützung benötigt, entwickelte die Autorin selbst eine teilstandardisierte Analysemethode — da am Sozialdienst B. keine entsprechenden Verfahren vorhanden waren ([S. 239](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-7)). Im Gespräch vom 22. Dezember führten sie ein offenes Brainstorming zu den fünf Lebensbereichen Soziales Umfeld, Gesundheit, Wohnen, Arbeit und Finanzen; die Inhalte wurden auf je einem Blatt mit Stichpunkten festgehalten ([S. 236–237](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-5)). Herr K. wählte selbst die Reihenfolge der Bereiche und sprach offen über Stärken, Schwierigkeiten und Befürchtungen. + +Im Bereich Finanzen stellte Herr K. die meisten Fragen: Umgang mit Budget, Nichterwerbstätigenbeiträge, Ablauf bei der Krankenkasse, Selbstbehalt und Franchise, Schuldenabbau, Steuererklärung und zweite Säule ([S. 237](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-6)). Am Ende des Gesprächs markierten sie die jeweiligen Schwierigkeiten auf den Blättern, wodurch deutlich wurde, dass die grössten Unsicherheiten im finanziell-administrativen Bereich lagen. + +Die abgeleitete Fallthematik beschrieb einen 26-jährigen Mann, dem nach mehreren Jahren Sozialhilfe der Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt geglückt ist, bei dem jedoch erhebliche Schwierigkeiten und Unsicherheiten im finanziell-administrativen Bereich bestehen — etwa im Umgang mit einem Budget oder bei der Korrespondenz mit Sozialversicherungen ([S. 239](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-13)). Da ein klarer Handlungsbedarf und kein weiterer Erklärungsbedarf vorlag, wurde der Prozessschritt Diagnose übersprungen. + +## Zielsetzung und Interventionsplanung + +Zielsetzung und Interventionsplanung wurden bewusst kurz gehalten; die Autorin wollte Herrn K. beim letzten Termin etwas Brauchbares für die Zukunft mitgeben ([S. 240](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-8)). Das Fernziel orientierte sich an den SKOS-Richtlinien — ein selbstbestimmtes, teilhabendes und finanziell unabhängiges Leben. Das Grobziel lautete: Herr K. soll finanzielle und administrative Angelegenheiten langfristig eigenständig führen können. Dafür formulierte die Autorin fünf Unterstützungsziele — von der Erklärung des Krankenkassensystems über die Zusammenstellung eines Ordners mit den wichtigsten Unterlagen bis zur Information über Schuldenberatung und anfallende Kosten nach der Ablösung. + +Bei der Reflexion der Interventionsmöglichkeiten stellte die Autorin fest: Es könnte alles gut gehen und Herr K. würde sich die fehlenden Informationen selbständig einholen — es könnte aber auch sein, dass er überfordert ist, die Arbeit verliert und wieder Schulden anhäuft ([S. 241](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-9)). Ein weiteres Risiko bestehe darin, dass andere Lebensbereiche dominanter werden und Herr K. die erarbeiteten Materialien gar nicht mehr nutzen könne. + +## Interventionsdurchführung + +Das Abschlussgespräch fand schliesslich im Februar statt, nachdem der Termin zweimal verschoben werden musste. Die Autorin erklärte Herrn K. die geplanten Inhalte und holte sein Einverständnis ein; gemeinsam stellten sie einen Ordner mit den wichtigsten Unterlagen zusammen, wobei fehlende Dokumente aus der Handakte kopiert wurden ([S. 242](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-10)). Sie erläuterte die Abläufe der Krankenkasse mit einem fiktiven Rechenbeispiel zu Franchise und Selbstbehalt, übergab Informationsblätter zur Schuldenberatung in der Region und ein Budgetblatt für die künftigen Ausgaben. + +Die zentrale Herausforderung lag in der Dosierung des Unterstützungsgrades: Einerseits galt es, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten und Herrn K. zur Eigenverantwortung zu ermächtigen; andererseits musste die Autorin ihm auf Grund seiner Biografie und der knappen Zeit relativ viel vorgeben und erklären ([S. 242–243](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-14)). Gewisse Unterlagen überliess sie ihm bewusst ohne ausführliche Erklärung, um ihn darauf hinzuleiten, sich bei Unklarheiten die benötigten Informationen selbständig zu beschaffen. + +## Erkenntnisse + +Die Autorin betont, dass ein bewusster Abschluss auch allgemein wichtig wäre, damit der schwierige Übergang von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit besser gelingt und nachhaltiger ist ([S. 244](./section_12_schritt-in-die-unabhaengigkeit.evidence.md#reference-15)). Die Gesellschaft erwartet eine längerfristige Ablösung von der Sozialhilfe, stellt aber nicht die nötigen Ressourcen bereit, damit dieser Anspruch eingelöst werden kann. + +Intra- und interprofessionelle Kooperation fand bei dieser Fallarbeit kaum statt, da Analyse und Intervention das Nichtwissen im finanziell-administrativen Bereich fokussierten. Die fehlende Evaluation bleibt als Schwachstelle bestehen: Beim Sozialdienst B. gibt es keinen institutionalisierten Rückblick im Abschlussgespräch — die Checkliste für das letzte Klientengespräch enthält nur formale Punkte wie die Abmeldung bei Sozialversicherungen. Sowohl für die Klientel als auch für die Institution wäre eine bewusste Evaluation wichtig, da sie eine Möglichkeit zu lernen beinhaltet. diff --git a/knowledge-base/praxis/section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md index 9075672..f6a205a 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md @@ -85,3 +85,48 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 254 - **Lines:** 3583–3583 - **Quote:** "Auf Grund der vielen formalen und v. a. persönlichen Kompetenzen entschieden meine PA und ich, dass wir zusätzlich die bisher geleistete Freiwilligenarbeit von R. in der Organisation analysieren sollten, und zwar vor dem Hintergrund der für diese Ausbildung erforderlichen persönlichen Kompetenzen. Erst jetzt machte ich mir konkrete Gedanken über ein geeignetes Analyseinstrument." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Stationäre Suchthilfe +- **Section:** 1.1 Organisationspraktiken +- **Pages:** 246 +- **Lines:** 3485–3490 +- **Quote:** "Der Therapieprozess umfasst einen 12- bis 15-monatigen stationären Aufenthalt mit nahtlosen Übergängen zwischen vier verschiedenen Therapiestufen:" + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Stationäre Suchthilfe +- **Section:** 1.1 Organisationspraktiken +- **Pages:** 247 +- **Lines:** 3504–3505 +- **Quote:** "Die Organisation arbeitet nicht nach Kooperativer Prozessgestaltung (KPG). Einzelne Abläufe und Methoden lassen sich zwar gut denjenigen des KPG-Modells zuordnen, jedoch sind in der Organisation nur wenige Hilfsmittel zur Strukturierung der sozialpädagogischen oder sozialarbeiterischen Begleitung vorhanden." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Stationäre Suchthilfe +- **Section:** Vorüberlegungen, Planung +- **Pages:** 252 +- **Lines:** 3556–3560 +- **Quote:** "Im Hinblick auf R.s Berufswunsch soll auf der Grundlage der Situationserfassung gemeinsam mit R. eine Art Zeitstrahl erstellt werden, welcher sich in die Zukunft richtet und die jeweiligen Schritte und die damit einhergehenden Etappen, Voraussetzungen und Kompetenzen beinhaltet, die nötig sind, um dieses berufliche Ziel zu erreichen." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Stationäre Suchthilfe +- **Section:** Umsetzung +- **Pages:** 255 +- **Lines:** 3589–3591 +- **Quote:** "Als Fazit der Analyse kristallisierte sich heraus, dass R. sehr hohe Ansprüche an sich selber hat und sehr kritisch mit diesen umgeht. Er ist sich vollkommen bewusst, welche Kompetenzen er im Hinblick auf die angestrebte Ausbildung noch weiter entwickeln muss. Der hauptsächliche Entwicklungsbedarf besteht in Einsatz und Engagement für seinen eigenen Prozess, in der Organisation und Koordination der Arbeitsaufgaben mit seiner Rolle als Vater, in Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit sowie im Erledigen seiner Administration." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Stationäre Suchthilfe +- **Section:** 3.2 Erkenntnisse +- **Pages:** 256–257 +- **Lines:** 3607–3609 +- **Quote:** "Die klare Struktur des KPG-Modells, die den roten Faden für einen sehr partizipativen Arbeitsprozess sicherstellte, haben alle Beteiligten durchgehend als sehr unterstützend erlebt. Diese Struktur war auch hilfreich für eine enge Kooperation mit den anderen Fachkräften, was ich für einen wichtigen Wirkfaktor halte, ebenso wie meine Transparenz und Offenheit gegenüber R." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_13_stationaere-suchthilfe.md b/knowledge-base/praxis/section_13_stationaere-suchthilfe.md index 4038058..4403476 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_13_stationaere-suchthilfe.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_13_stationaere-suchthilfe.md @@ -1,33 +1,45 @@ # Kooperative Prozessgestaltung in der stationären Suchthilfe – Zielkarte für einen herausfordernden Berufswunsch -*Andrea Hauri* +*Andrea Hauri* | **Seiten:** 246–257 | **Zeilen:** 3471–3617 +Andrea Hauri dokumentiert eine Fallbearbeitung in der stationären Suchthilfe, in der sie über neun Monate einen Klienten mit langjähriger Suchtgeschichte begleitete, der sich ein hohes Ausbildungsziel setzte. Mittels kooperativ gestalteter Situationserfassung und Analyse zum Thema berufliche Integration zeigt sie, wie mit diesem Spannungsfeld professionell umzugehen ist ([S. 246](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-1)). -Fallbearbeitung eines Klienten mit langjähriger Suchtgeschichte und hohem Ausbildungsziel. Ausführliche kooperativ gestaltete Situationserfassung und Analyse zum Thema berufliche Integration. +## Kontext und Organisation +Die Fallbearbeitung ist in einem anerkannten Kompetenzzentrum zur stationären Behandlung von Süchtigkeit angesiedelt, das sowohl stationäre als auch ambulante Angebote umfasst. Der Therapieprozess umfasst einen 12- bis 15-monatigen Aufenthalt mit nahtlosen Übergängen zwischen vier Therapiestufen — von Abklärung über Vertiefung und soziale/berufliche Wiedereingliederung bis zur Integration in ein autonomes Leben ([S. 246](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-11)). -**Seiten:** 246–257 | **Zeilen:** 3471–3617 +Als Arbeitsgrundlage dient ein potenzialorientiertes, ganzheitliches Behandlungskonzept — die sogenannte Tiefensystemik —, das aus systemischer Suchttherapie, Selbsthilfekonzepten, Meditationstechniken und systemischer Paar-/Familientherapie besteht ([S. 246](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-2)). Vor dem Hintergrund eines humanistischen Menschenbilds werden Krisen als Chancen zur Weiterentwicklung betrachtet; als wichtigste Grundregeln gelten die Abstinenz von Drogen, Alkohol und Medikamenten sowie keine Gewaltandrohung. Ergänzend werden eine sozialdienstliche Begleitung und eine umfassende Nachbetreuung angeboten. Die Organisation arbeitet jedoch nicht explizit nach KPG; Hilfsmittel zur Strukturierung der sozialpädagogischen Begleitung fehlen weitgehend ([S. 247](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-12)). +## Der Klient und sein Berufswunsch -## Key Points +Im Zentrum steht der 44-jährige, verheiratete Klient R. mit einem 3-jährigen Sohn, der aufgrund einer schweren Sucht- und Deliktgeschichte freiwillig in die stationäre Therapie eingetreten ist. Er befindet sich seit ca. 27 Monaten — überdurchschnittlich lang dank einer offenen Kostengutsprache — in der Organisation und lebt nun in der Integrationsphase in einer externen Integrationswohnung. Er erhält keine therapeutische Begleitung mehr innerhalb der Organisation, nimmt jedoch wöchentliche Gespräche mit einem externen Psychotherapeuten wahr. -- Kontext: Stationäre Suchthilfe – Kompetenzzentrum zur Behandlung von Süchtigkeit -- Der Klient setzt sich ein hohes Ausbildungsziel trotz langjähriger Suchtgeschichte -- Ausführliche kooperative Situationserfassung und Analyse zur beruflichen Integration -- Prozessschritte umfassen Situationserfassung, Analyse und Folgerungen -- Die Zielkarte als Instrument für die kooperative Zielarbeit -- Erkenntnisse für die Weiterarbeit und allgemeine methodische Erkenntnisse +R. hat keine abgeschlossene Berufslehre, bezieht wegen eines Rückenleidens und der Suchtfolgen eine volle IV-Rente und verfolgt das Ziel, an der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik zu studieren — ein ambitioniertes Vorhaben, für das verschiedene Strategien mit und ohne IV-Unterstützung auszuloten sind ([S. 247](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-3)). Aktuell leistet er im Rahmen eines 50%-Pensums Freiwilligenarbeit in der Organisation und unterstützt neue Klientinnen und Klienten. Seit mehreren Wochen zeigt er sich jedoch zunehmend unverbindlich bei Terminvereinbarungen und dem Erledigen von Pendenzen. +## Grundhaltung und Neustart -## Evidence References +Da durch diverse Bezugspersonenwechsel viele Informationen zum Prozessverlauf nicht dokumentiert und einige Prozessschritte offenbar nicht durchgeführt worden sind, richtet die Autorin den Fokus auf Situationserfassung und Analyse zum Thema berufliche Integration. Ihre Grundhaltung ist geprägt von Transparenz, Partizipation und Offenheit; R.s Berufswunsch soll ernst genommen, zugleich aber unter Berücksichtigung seiner Suchtgeschichte kritisch beleuchtet werden ([S. 248](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-4)). Die konkrete Planung wird fortlaufend mit der Praxisanleiterin vor- und nachbereitet. Sie bietet R. einen bewussten «Neustart» der Zusammenarbeit an, um bisherige Unstimmigkeiten hinter sich zu lassen. -- [Die nachfolgend dokumentierte Fallbearbeitung thematisiert einen Fall in der sta...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-1) -- [Die Arbeitsgrundlage der Organisation ist ein wissenschaftlich fundiertes, poten...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-2) -- [Bei ihm steht momentan die berufliche Integration im Vordergrund. R. hat keine a...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-3) -- [Die einzelnen Prozessschritte möchte ich in stetiger Zusammenarbeit mit R. durch...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-4) -- [Wie geplant befasste ich mich zunächst mit dem Aktenstudium und fokussierte mich...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-5) -- [Weil R. in diesem Erkundungsgespräch seinen Berufswunsch, die Höhere Fachschule ...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-6) -- [Es war nicht einfach, den Prozess zu starten. Zum einen, weil während R.s bisher...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-7) -- [Für den gesamten Analyseprozess in direkter Zusammenarbeit mit R. stehen mir vie...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-8) -- [den auch die Stellen markiert, wo die Herausforderung der Koordination der Ausbi...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-9) -- [Auf Grund der vielen formalen und v. a. persönlichen Kompetenzen entschieden mei...](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-10) +## Situationserfassung + +Ein Aktenstudium ergibt, dass in der Organisation während R.s bisheriger Therapie nie eine berufliche Anamnese erhoben wurde — Einträge zur beruflichen Situation existieren erst seit der Autorin als Bezugsperson ([S. 249](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-5)). Sie entwickelt einen allgemeinen Fragebogen mit 19 Fragen zu Schulbildung, Arbeitserfahrung, Berufswünschen, Ressourcen und Defiziten. Dieses Fehlen vorhandener Instrumente bot zugleich die Chance, ein flexibles Erfassungsinstrument zu schaffen, das im Qualitätsmanagementsystem der Organisation allen Mitarbeitenden zugänglich gemacht wurde ([S. 251](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-7)). + +R. wird anhand einer Visualisierung über das KPG-Modell informiert und kann den Erklärungen gut folgen; die Idee des Neustarts nimmt er mit Begeisterung und Erleichterung auf. Im formellen Erkundungsgespräch — Punkt für Punkt gemeinsam durchgearbeitet — betont er erneut seinen Berufswunsch, woraufhin die Praxisausbildnerin und die Autorin spontan eine Fallkonferenz mit R.s externem Psychotherapeuten einberufen ([S. 250](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-6)). In dieser Konferenz — an der das gesamte Team teilnimmt — werden R.s Herausforderungen multiperspektivisch beleuchtet; es gibt kritische Stimmen, aber keine Einwände dagegen, R. in seinem Berufswunsch zu unterstützen. Die interprofessionelle Zusammenarbeit wird neu geregelt: Schwierigkeiten wie Unverbindlichkeit sollen künftig an den Psychotherapeuten weitergeleitet werden, damit in den Therapiestunden daran gearbeitet werden kann. Die IV lehnt eine berufliche Massnahme zunächst ab, was sich künftig ändern kann; im BIZ ist der Berufsfindungsprozess bereits abgeschlossen. + +## Analyse: Zielkarte und Kompetenzanalyse + +Für die Analyse stehen vier Termine zur Verfügung ([S. 252](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-8)). Als zentrales Instrument entwickelt die Autorin gemeinsam mit R. einen zukunftsorientierten Zeitstrahl — die sogenannte Zielkarte —, der die Etappen, Voraussetzungen und Kompetenzen auf dem Weg zum Ausbildungsziel visualisiert ([S. 252](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-13)). Die Darstellung in Treppenform soll einer Entmutigung entgegenwirken und den Prozess in machbare Teilschritte gliedern. R. hatte sich bereits im Vorfeld über die Ausbildung informiert und brauchte lediglich eine strukturierte Anleitung, um die verschiedenen Etappen benennen zu können. + +Auf der Zielkarte werden auch neuralgische Punkte markiert — insbesondere die Koordination von Ausbildung und familiären Pflichten sowie die Studienfinanzierung ([S. 253](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-9)). Um etwas Druck aus dem Fahrplan zu nehmen, wird eine zusätzliche Etappe eingebaut: die Freiwilligenarbeit, in die R. bereits eingebunden ist. Die formalen Voraussetzungen für die Höhere Fachschule werden auf einem separaten Flipchart zusammengetragen. + +Ergänzend wird eine Kompetenzanalyse anhand eines individuell zugeschnittenen Fragebogens durchgeführt, der sich am Praxisempfehlungsraster der Höheren Fachschule orientiert und sowohl quantitative (Skala 0–10) als auch qualitative Elemente enthält ([S. 254](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-10)). Neben R.s Selbsteinschätzung und der Fremdeinschätzung der Autorin wird ein weiterer therapeutischer Mitarbeiter einbezogen. In einem gemeinsamen Termin zu dritt werden alle Einschätzungen Frage für Frage vorgestellt — jeweils mit R. beginnend —, ohne vorab zu diskutieren. + +Als Fazit zeigt sich, dass R. seine Defizite realistisch und sehr kritisch einschätzt; der grösste Entwicklungsbedarf liegt bei Verbindlichkeit, Engagement, Organisation und Koordination der Aufgaben mit seiner Rolle als Vater sowie im Erledigen der Administration ([S. 255](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-14)). + +## Erkenntnisse + +Nach der Umsetzung beider Prozessschritte findet ein internes Standortgespräch statt, in dem R.s weiterer Therapieverlauf mit Blick auf sein berufliches Ziel besprochen wird. Es wird vereinbart, dass R. seinen Aufenthalt noch autonomer und eigenverantwortlicher gestalten kann; gleichzeitig werden verbindliche Termine festgelegt und Konsequenzen für unverbindliches Verhalten definiert. + +Der neuen Bezugsperson wird empfohlen, die Arbeit an der KPG-Struktur auszurichten und die nächsten Schritte individuell und kreativ zu gestalten. R.s viele kleine Schritte sollen vor dem Hintergrund der Zielkarte gewürdigt werden, um seine Selbstwirksamkeit zu stärken. + +Die klare Struktur des KPG-Modells sicherte den roten Faden für einen partizipativen Arbeitsprozess und wurde von allen Beteiligten als sehr unterstützend erlebt — auch für die enge interprofessionelle Kooperation ([S. 256–257](./section_13_stationaere-suchthilfe.evidence.md#reference-15)). Die grösste Herausforderung bestand darin, die Balance zwischen R.s Biografie und Suchtgeschichte einerseits und seinem beruflichen Ziel andererseits zu finden. Die Autorin betont, dass nicht allein das Engagement des Klienten die Wirksamkeit steigert, sondern auch eine authentische Wertehaltung der Fachperson. Bewusste Beziehungsgestaltung, Begegnung auf Augenhöhe und aktives Einbeziehen der Klientel in ihre eigenen Prozesse — gerade in der stationären Suchthilfe — stellen unverzichtbare Grundlagen professioneller Begleitung dar. diff --git a/knowledge-base/praxis/section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md index 4bfdbb8..4cda2db 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md @@ -85,3 +85,48 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 269 - **Lines:** 3763–3763 - **Quote:** "gut eignen, um den Fall und die Fallthematik zu erhellen. Die Auswahl geeigneter Theorien war die grösste Herausforderung im Diagnoseprozess." + + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Bedürfnisse aufnehmen +- **Section:** 1 Organisationaler Kontext der Fallbearbeitung +- **Pages:** 258 +- **Lines:** 3627–3627 +- **Quote:** "Der Kernauftrag der Organisation lautet, den Bewohnerinnen und Bewohner eine optimale Lebensqualität zu ermöglichen und Möglichkeiten zur Teilhabe zu schaffen." + + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Bedürfnisse aufnehmen +- **Section:** Vorüberlegungen, Planung +- **Pages:** 261 +- **Lines:** 3659–3659 +- **Quote:** "Zum methodischen Vorgehen habe ich mir überlegt, wie ich standardisiert zu den wichtigsten Informationen gelangen kann. Da ich die Situationserfassung in direkten Gesprächen und in Kooperation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern machen möchte, bietet es sich an, Erkundungsgespräche zu führen." + + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Bedürfnisse aufnehmen +- **Section:** Umsetzung +- **Pages:** 264 +- **Lines:** 3695–3695 +- **Quote:** "Auf Grund der gesammelten Stichworte kann ausgesagt werden, dass sich die Interessensbereiche der Bewohnerinnen und Bewohner mehrheitlich decken. Aktivitäten in den Bereichen von Handarbeit/Haushalt wurden 19-mal, Musik 15-mal und Literatur 9-mal erwähnt." + + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Bedürfnisse aufnehmen +- **Section:** Theoriegeleitetes Fallverstehen +- **Pages:** 266 +- **Lines:** 3726–3726 +- **Quote:** "Der Mensch versucht, durch Kontrolle angenehme Lebenssituationen zu realisieren bzw. unangenehme zu umgehen. Dies kann durch primäre Kontrolle oder sekundäre Kontrolle erreicht werden." + + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Bedürfnisse aufnehmen +- **Section:** Theoriegeleitetes Fallverstehen +- **Pages:** 268 +- **Lines:** 3753–3753 +- **Quote:** "Nur wenn die Bewohnerinnen und Bewohner längerfristig positive Erfahrungen mit neuen Tätigkeiten machen und sie sich dabei als selbstwirksam erleben, dann entstehen neue positive kognitive Verknüpfung und können neue Tätigkeiten mit Wohlbefinden assoziiert werden." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_14_beduerfnisse-aufnehmen.md b/knowledge-base/praxis/section_14_beduerfnisse-aufnehmen.md index e4d9dbd..43e8a9c 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_14_beduerfnisse-aufnehmen.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_14_beduerfnisse-aufnehmen.md @@ -1,33 +1,45 @@ # Bedürfnisse aufnehmen – Ein neues Freizeitangebot für alte Menschen in der stationären Behindertenhilfe -*Mirjam Eberhart* +*Mirjam Eberhart* | **Seiten:** 258–271 | **Zeilen:** 3619–3793 +Mirjam Eberhart realisierte diese Gruppenfall-Bearbeitung während eines halbjährigen Praktikums in einer stationären Einrichtung der Behindertenhilfe. Im Zentrum standen eine ausführliche Situationserfassung, Analyse und Diagnose, auf deren Grundlage ein neues Freizeitangebot entwickelt wurde ([S. 258](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-1)). -Fallbearbeitung einer Gruppe in der stationären Behindertenhilfe. Ausführliche Situationserfassung, Analyse und Diagnose führen zur Entwicklung eines neuen Freizeitangebots (Musikhörstunde). +## Kontext und Auftrag +Die Organisation bietet Wohnplätze für Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder Blindheit, wobei sich die Mehrheit im Pensionsalter befindet; der Kernauftrag lautet, optimale Lebensqualität zu ermöglichen und Möglichkeiten zur Teilhabe zu schaffen ([S. 258](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-11)). Die interprofessionellen Teams aus Agogik, Pflege und Therapie arbeiten ressourcenorientiert und bemühen sich, Autonomie und Selbstbestimmung trotz struktureller Einschränkungen zu erhalten. Da die bestehenden Wochenendangebote seit Längerem unverändert waren und stets dieselben Personen ansprachen, entstand die Idee, ein neues, an den tatsächlichen Bedürfnissen orientiertes Angebot zu entwickeln. -**Seiten:** 258–271 | **Zeilen:** 3619–3793 +Das Projekt setzt am Anfang des KPG-Prozesses an: In der Situationserfassung sollen in direkter Kooperation mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern die relevanten Informationen erhoben, in der Analyse zu einer Fallthematik verdichtet und so der Grundstein für die Intervention gelegt werden ([S. 259](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-2)). +## Situationserfassung -## Key Points +Der Realitätsausschnitt umfasste die Wohngruppe mit Gemeinschaftsraum als räumliche und die begrenzte Praktikumsdauer als zeitliche Dimension, was einen zügigen Erhebungsstart erforderte ([S. 260](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-3)). Berücksichtigt wurden Vergangenheit und Gegenwart: Die Kindheit und Jugend der Bewohnerinnen und Bewohner waren oft durch den Zweiten Weltkrieg und wenig Freizeit geprägt; der Einbezug früherer Lebensphasen half, Interessen zu erschliessen, die bei direkten Entscheidungsfragen verborgen geblieben wären. -- Kontext: Stationäre Einrichtung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung im Pensionsalter -- Fallbearbeitung bezieht sich auf eine Gruppe, nicht auf einen Einzelfall -- Ausführliche Situationserfassung, Analyse und Diagnose als Schwerpunkte -- Theoriegeleitetes Fallverstehen wird für den Gruppenfall angewendet -- Ergebnis: Neues Angebot »Musikhörstunde« als Intervention -- Erkenntnisse über Bedürfniserfassung und Angebotsgestaltung +Methodisch wurden Erkundungsgespräche in Anlehnung an das narrative Interview gewählt, die in direkter Kooperation mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern stattfanden ([S. 261](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-12)). Die Einstiegsfrage richtete sich auf die Freizeit in Kindheit und Jugend, eine zweite Frage lenkte den Blick auf die Gegenwart und vermisste Aktivitäten; während der Erzählungen wurden ad hoc Vertiefungsfragen gestellt. +Für alle 13 Personen wurde ein grober Zeitplan erstellt; pro Gespräch waren 15 bis 30 Minuten eingeplant, die Durchführung erfolgte flexibel neben dem regulären Dienst ([S. 261](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-4)). Die Autorin ging von Zimmer zu Zimmer, erklärte Sinn und Hintergrund der Umfrage und machte sich mit Einverständnis der Bewohnerinnen und Bewohner während der Gespräche Notizen. -## Evidence References +Eine zentrale Herausforderung bestand darin, dass einige Bewohnerinnen aufgrund demenzieller Veränderungen kaum Erinnerungen hatten und die Gespräche spontan umstrukturiert werden mussten ([S. 262](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-5)). Hinzu kam die häufig geäusserte Überzeugung, bestimmte Tätigkeiten wegen der Sehbeeinträchtigung nicht mehr ausüben zu können — selbst der Hinweis auf Hilfsmittel wie Lupen oder starke Farbkontraste konnte diese Bedenken oft nicht zerstreuen. -- [Die nachfolgende Fallbearbeitung wurde im Rahmen des Vollzeitstudiums Bachelor o...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-1) -- [Die Analyse wird dazu dienen, eine Auslegeordnung der erhobenen Informationen au...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-2) -- [Als erstes habe ich mir überlegt, welcher Realitätsausschnitt sich anbietet. Nac...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-3) -- [Ich habe mir die genaue Fragestellung für die Einstiegsphase und die zweite Erzä...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-4) -- [Bei einigen Bewohnerinnen dachte ich, dass sie bestimmt viele Ideen liefern würd...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-5) -- [Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Auswertung lassen sich in folgenden konstat...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-6) -- [Das Kategorisieren und die Tabelle haben die Auswertung erleichtert. Dass ich zw...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-7) -- [Als weitere sozialpsychologische Theorie wird die Kognitive-transaktionale Bewäl...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-8) -- [Durch Vermeidung neuer Situationen haben die Bewohnerinnen und Bewohner eine Str...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-9) -- [gut eignen, um den Fall und die Fallthematik zu erhellen. Die Auswahl geeigneter...](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-10) +## Analyse + +Die gesammelten Stichworte wurden in einem pragmatischen, zweistufigen Verfahren ausgewertet: Zunächst wurden die Nennungen farblich nach Kategorien sortiert, dann in einer Tabelle mit Zimmernummern quantitativ zusammengefasst ([S. 264](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-6)). Die Interessensbereiche deckten sich mehrheitlich — Handarbeit/Haushalt wurde 19-mal, Musik 15-mal und Literatur 9-mal erwähnt ([S. 264](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-13)). + +Die schrittweise Bewegung von Öffnung (Kategorisierung) und Reduktion (Tabelle) ermöglichte es, mittels konstatierender Hypothesen tieferliegende Muster zu erkennen ([S. 265](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-7)). Als Fallthematik kristallisierte sich heraus, dass die meisten Bewohnerinnen und Bewohner Interessen im Bereich Musik hatten, sich aber gewisse Tätigkeiten aufgrund ihrer Beeinträchtigungen nicht mehr zutrauten und eine ablehnende Haltung einnahmen — auch wenn mit angepassten Methoden Alternativen möglich gewesen wären. + +## Diagnose + +Für das Theoriegeleitete Fallverstehen wurden zwei sozialpsychologische Theorien herangezogen. Die Theorie der kognizierten Kontrolle zeigt, dass Menschen durch primäre oder sekundäre Kontrolle angenehme Situationen herbeizuführen und unangenehme zu vermeiden versuchen; bei sekundärer Kontrolle passen sie sich durch kognitive Umstrukturierung an die Gegebenheiten an ([S. 266](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-14)). Ergänzend erklärt die kognitiv-transaktionale Bewältigungstheorie nach Lazarus, dass Menschen auf subjektiv bedrohliche Ereignisse mit spezifischen Bewältigungsreaktionen reagieren, deren Ausprägung von Selbstwirksamkeits- und Kontrollüberzeugungen abhängt ([S. 266](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-8)). + +Auf den Fall angewendet erhellen beide Theorien, weshalb manche Bewohnerinnen und Bewohner neue Tätigkeiten und Hilfsmittel ablehnen: Durch Vermeidung bewahren sie positive Emotionen und schützen sich vor möglichem Scheitern, das Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit weiter untergraben würde ([S. 267](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-9)). Sagt eine Person, sie könne etwas nicht mehr, hält ihr dies möglicherweise sekundäre Kontrolle über die Situation; die Furcht vor Kontrollverlust lässt Angebote wie Hilfsmittel unattraktiv wirken. + +Die Auswahl geeigneter Theorien war die grösste Herausforderung im Diagnoseprozess — zunächst weniger passende Generationen- und Sozialisationstheorien wurden verworfen, bevor die Kontroll- und Bewältigungstheorie den Fall überzeugend zu erhellen vermochten ([S. 269](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-10)). + +Die handlungsleitende Arbeitshypothese lautet: Nur wenn die Bewohnerinnen und Bewohner längerfristig positive Erfahrungen mit neuen Tätigkeiten machen und sich dabei als selbstwirksam erleben, können neue kognitive Verknüpfungen entstehen und Tätigkeiten mit Wohlbefinden assoziiert werden ([S. 268](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-15)). + +## Intervention und Erkenntnisse + +Gestützt auf die Erkenntnis, dass Musik das am häufigsten genannte Interesse war ([S. 264](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-13)), entstand die «Musikhörstunde» — ein monatliches Gruppenangebot, bei dem Musik verschiedener Epochen gehört, Hintergründe zu den Künstlerinnen und Künstlern vermittelt und die Stücke gemeinsam besprochen wurden. Das Konzept zielte darauf, eine als angenehm eingeschätzte Situation zu schaffen, die kein Bewältigungsverhalten erfordert und gleichzeitig neue Tätigkeiten erproben lässt. + +Erfreulicherweise nahmen bei jeder Durchführung mehr als die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner teil — darunter auch Personen, die sich sonst kaum an Gruppenaktivitäten beteiligten; selbst Musik der 1960er Jahre fand Anklang bei Bewohnerinnen, die sich eigentlich nur für Klassik interessierten ([S. 258](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-1)). Alle Unterlagen wurden so dokumentiert und dem Team zugänglich gemacht, dass das Angebot nach Praktikumsende weitergeführt werden konnte. + +Der Fall zeigt exemplarisch, wie eine sorgfältige KPG-gestützte Bedarfserhebung und theoriegeleitete Diagnose über die unmittelbare Intervention hinaus wirken: Die Arbeitshypothese und die Fragestellung für Professionelle — wie neue Tätigkeiten so begleitet werden können, dass positive Erfahrungen und Selbstwirksamkeit entstehen — bilden eine Grundlage, um alternde Menschen mit Beeinträchtigungen langfristig angemessener zu unterstützen ([S. 268](./section_14_beduerfnisse-aufnehmen.evidence.md#reference-15)). diff --git a/knowledge-base/praxis/section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md b/knowledge-base/praxis/section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md index e0bc6f4..25005ef 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md @@ -85,3 +85,43 @@ Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) - **Pages:** 287 - **Lines:** 3963–3963 - **Quote:** "Zunächst werden theoriegeleitete Erkenntnisse für das Arbeitsfeld der Spitalsozialarbeit diskutiert, die sich anhand dieser Fallbearbeitung verdeutlichen lassen. Abschliessend werden die eigenen Erfahrungen mit der Methodik KPG reflektiert." + +## Reference 11 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Autonomieförderung +- **Section:** 1 Kontext der Fallbearbeitung +- **Pages:** 273 +- **Lines:** 3809–3809 +- **Quote:** "Neben einer effizienten Arbeitsweise gilt es in der Fallbearbeitung, die Autonomie und die Ressourcen der Klientel zu achten und zu fördern. Eine erste Kernaufgabe der Sozialberatung ist die Unterstützung von Patienten und deren Angehörigen bei der Bewältigung von sozialen, wirtschaftlichen, rechtlichen und persönlichen Problemen." + +## Reference 12 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Autonomieförderung +- **Section:** 1 Kontext der Fallbearbeitung +- **Pages:** 273 +- **Lines:** 3813–3813 +- **Quote:** "Als Professionsauftrag in der freiwilligen Sozialberatung sehe ich die Autonomieförderung und Ressourcenaktivierung der Klientel. Der Organisationsauftrag an eine Sozialarbeiterin in der psychosomatischen Klinik kann als die Reintegration von psychisch erkrankten Menschen in das gesellschaftliche Leben mit den Bereichen Sozialleben, Arbeit und Gesundheit definiert werden (vgl. AvenirSocial 2010:6)." + +## Reference 13 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Autonomieförderung +- **Section:** 2.2 Situationserfassung +- **Pages:** 276 +- **Lines:** 3847–3847 +- **Quote:** "Laut Hochuli Freund und Stotz ist für diesen Schritt der KPG »[ … ] die Kooperation mit der Klientin [ … ] unabdingbar« (2015:154). Auf Grund der subjektiven Auslegeordnung des bisher Erlebten in der Situationserfassung ist der Klient der Experte seiner Situation und kann die weitere Fallbearbeitung steuern (vgl. ebd.)." + +## Reference 14 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Autonomieförderung +- **Section:** 2.3 Analyse +- **Pages:** 280 +- **Lines:** 3901–3901 +- **Quote:** "55-jährige Frau mit ungleichen Beziehungen, in die sie mehr investiert als zurückbekommt, die sich mehr Unabhängigkeit in ihrem Leben wünscht, kombiniert aber mit professioneller Unterstützung." + +## Reference 15 +- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis +- **Chapter:** Autonomieförderung +- **Section:** 2.4 Diagnose +- **Pages:** 284 +- **Lines:** 3939–3939 +- **Quote:** "Wenn Frau G. zu Professionellen und anderen Personen stabile Beziehungen aufbauen kann, in denen sie mit Abstand über ihr Erleben als Mitbetroffene von Alkoholabhängigkeit sprechen kann und neue Verhaltensmuster erlernt, dann erfährt sie, dass es erfüllende gleichwertige Beziehungen gibt, in denen sie ihre eigenen Vorstellungen einer Beziehung äussern kann, und dass viele ihrer persönlichen Eigenschaften eine Ressource darstellen, mit denen sie sich neue Freiräume schaffen kann." diff --git a/knowledge-base/praxis/section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.md b/knowledge-base/praxis/section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.md index 9519392..5eecf60 100644 --- a/knowledge-base/praxis/section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.md +++ b/knowledge-base/praxis/section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.md @@ -1,33 +1,43 @@ # Autonomieförderung durch systemische Fallbearbeitung – KPG in der Spitalsozialarbeit +*Noemi Burgener* | **Seiten:** 272–291 | **Zeilen:** 3797–3995 -*Noemi Burgener* +Noemi Burgener dokumentierte diese Fallbearbeitung während eines halbjährigen Praktikums in der Spitalsozialarbeit einer psychosomatischen Klinik (PSOMA). Strukturiert nach KPG, lag der Fokus auf Situationserfassung, Analyse und Diagnose; Zielsetzung und Interventionen wurden anschliessend von anderen Professionellen weitergeführt. In drei Monaten fanden fünf Beratungsgespräche statt ([S. 272](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-1)). +## Kontext und Auftrag -Fallbearbeitung in der Spitalsozialarbeit einer psychosomatischen Klinik, strukturiert nach KPG. Fokus auf Situationserfassung, Analyse und Diagnose mit interprofessioneller Zusammenarbeit. +Die Sozialberatung ist interprofessionell eingebettet: intern kooperiert sie mit Medizin, Psychologie und Pflege, extern mit Stellen wie Arbeits- und Wohnintegration. Neben einer effizienten Arbeitsweise gilt es, die Autonomie und die Ressourcen der Klientel zu achten und zu fördern ([S. 273](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-11)). +Als Professionsauftrag definiert Burgener die Autonomieförderung und Ressourcenaktivierung, als Organisationsauftrag die Reintegration psychisch erkrankter Menschen in Sozialleben, Arbeit und Gesundheit ([S. 273](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-12)). Die Sozialberatung arbeitet ohne festgelegtes Konzept; für diesen Fall wird KPG eingesetzt, ergänzt durch das bio-psycho-soziale Paradigma nach Engel, das physiologische, psychische und soziale Faktoren in ihrem Wechselspiel betrachtet. +## Interprofessionelles Standortgespräch -**Seiten:** 272–291 | **Zeilen:** 3797–3995 +Nach einem Monat in der Klinik wird die 55-jährige Frau G. beim interdisziplinären Standortgespräch zum Fall für die Sozialberatung erklärt. Gruppentherapeutin, Pflege und Psychiater tauschen Einschätzungen aus: Frau G. zeige grosse Bedürftigkeit nach Zuwendung, sei emotional schnell überflutet und habe etwas Distanzloses; ihre Introspektionsfähigkeit sei schwierig ([S. 274](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-2)). +Die schwierige Wohnsituation mit dem alkoholkranken Ehemann sowie die finanziellen Verhältnisse — IV-Rente mit Ergänzungsleistungen, finanzielle Unterstützung vom Ehemann, ein gemeinsam mit dem Sozialamt verwaltetes Konto — werden als zentrale Themen identifiziert ([S. 275](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-3)). Der Psychiater beauftragt die Sozialberatung, die Wohnsituation gemeinsam mit Frau G. zu bearbeiten; Frau G. selbst wünscht sich Informationen zu alternativen Wohnformen und stimmt den Einschätzungen der Professionellen im Allgemeinen zu. +## Situationserfassung -## Key Points +Für diesen KPG-Schritt ist die Kooperation mit der Klientin unabdingbar — der Klient ist Experte seiner Situation und steuert die weitere Fallbearbeitung ([S. 276](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-13)). Im freiwilligen Beratungskontext ermöglicht eine starke Aushandlungs- und Beteiligungsorientierung die dezidierte Förderung der Eigenverantwortung; dies kann die Patientin anregen, nach Abschluss der Beratung besprochene Inhalte eigenverantwortlich umzusetzen. +Im Erkundungsgespräch entsteht ein systemisches Bild der Lebenslage und Lebenswelt, strukturiert nach den Themenfeldern Wohnen, Familie, Finanzen, Arbeit/Freizeit und Gesundheit. Frau G. wohnt allein mit Hund und Katze; ihr getrennt lebender Ehemann wohnt vorübergehend bei ihr, was sie belastet — sie ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, nach Hause zu gehen, und dem, in der Klinik zu bleiben ([S. 277](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-4)). +Die Familie ist durchgehend geprägt durch Alkoholabhängigkeit: Vater, Ehemann und viele Freundinnen sind betroffen. Frau G. hat keine Ausbildung, bezieht eine IV-Dreiviertelrente und ging vor dem Klinikeintritt keiner Beschäftigung nach; in der Klinik entdeckte sie Stricken, Malen und Lesen als erfüllende Tätigkeiten ([S. 275](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-3)). Gesundheitlich ist sie adipös, leidet an chronischen Rückenschmerzen und ist rasch müde, was die Umsetzung ihrer Ideen häufig erschwert. -- Kontext: Spitalsozialarbeit in einer psychosomatischen Klinik -- Interprofessionelle Zusammenarbeit mit Medizin, Psychologie und Pflege -- Interprofessionelles Standortgespräch als Ausgangspunkt -- Situationserfassung umfasst Wohnen, Familie, Finanzen, Arbeit/Freizeit, Gesundheit -- Diagnose mittels systemischer Denkfigur (SDF) und Theoriewissen -- Erkenntnisse für die Fallarbeit in der Spitalsozialarbeit +## Analyse +Im KPG-Schritt der Analyse werden die Informationen der Situationserfassung mit themenbezogenen Einschätzungen erweitert, dann bewertet und fokussiert, um die Fallthematik herauszuarbeiten ([S. 278](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-5)). Ein gemeinsam mit Frau G. erstellter Zeitstrahl macht wichtige Lebensstationen seit ihrer Geburt sichtbar und soll sie ermutigen, auf das bisher Geleistete stolz zu sein und Motivation zur Veränderung zu gewinnen. +Die systemische Denkfigur (SDF) nach Geiser ordnet Ressourcen und Probleme in einen Zusammenhang und wird Frau G. im dritten Gespräch vorgestellt und erläutert ([Abb. SDF](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-6)). Auffällig ist die Konzentration auf ein kleines soziales Umfeld mit einseitigen Beziehungen zu Alkoholikern; Frau G. hat kaum neue Impulse von aussen und orientiert sich am Bekannten. Sie hat beschränkte Möglichkeiten durch beschränkte Ressourcen in Ue, was ihr geringes Selbstbewusstsein erklären könnte; das Helfen für andere dient als Ersatz für Bestätigung und Wirksamkeitserleben ([S. 282](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-7)). +Die Fallthematik wird definiert als: eine «55-jährige Frau mit ungleichen Beziehungen, in die sie mehr investiert als zurückbekommt, die sich mehr Unabhängigkeit wünscht, kombiniert mit professioneller Unterstützung» ([S. 280](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-14)). -## Evidence References +## Diagnose -- [Die nachfolgend dokumentierte Fallbearbeitung fand im Kontext eines halbjährigen...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-1) -- [Die Fallbearbeitung wird nach der Methodik KPG nach Hochuli Freund und Stotz (20...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-2) -- [Hat eine Invaliden-Rente (IV) mit Ergänzungsleistungen (EL), finanzielle Unterst...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-3) -- [Frau G. wohnt alleine in einer Wohnung mit einem Hund und einer Katze. Die Wohnu...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-4) -- [Nach KPG werden die Informationen aus dem Prozessschritt der Situationserfassung...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-5) -- [![Image](artifacts/image_000023_dc9a587cee6faafbd220c00e2f2bbe5f6d384a6431a8a7aa...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-6) -- [Frau G. hat in Ue beschränkte Möglichkeiten auf Grund beschränkter Ressourcen. D...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-7) -- [Laut meiner Einschätzung trifft die Co-Abhängigkeit auf Frau G. zu. Ihr übermäss...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-8) -- [Bei diesem fünften Gespräch Mitte Mai kurz vor dem Klinikaustritt besprechen Fra...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-9) -- [Zunächst werden theoriegeleitete Erkenntnisse für das Arbeitsfeld der Spitalsozi...](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-10) +Auf Grundlage der Fallthematik werden durch theoriegeleitete Überlegungen Hinweise für hilfreiche Interventionen gesucht. Mittels Bindungstheorie nach Bowlby/Ainsworth wird ein unsicher-ambivalentes Bindungsmuster herausgearbeitet: Der alkoholkranke, gewaltbereite Vater und eine wenig verfügbare Mutter prägten ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und eine eher passive, hilflose Haltung; das erlernte Bindungsverhalten erschwert das Erkunden neuer Tätigkeitsfelder und führt zu passiver, abwartender Beziehungsgestaltung ([S. 282](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-7)). +Ergänzend beleuchtet das Konzept der Co-Abhängigkeit nach Flassbeck, wie Frau G. ein übermässiges Bedürfnis entwickelt hat, anderen — meist schwächeren, oft abhängigen — Personen zu helfen; dieses Verhalten hat sie durch das Vorleben der Beziehung ihrer Eltern gelernt und gegenüber ihrem Mann weiterhin angewandt ([S. 284](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-8)). Ihre persönlichen Ressourcen wie Freundlichkeit, Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft werden in diesen Beziehungen zugunsten des Suchtkonsums missbraucht; jahrelange Enttäuschungen haben tiefe Selbstzweifel hinterlassen. +Die handlungsleitende Arbeitshypothese lautet: Wenn Frau G. stabile Beziehungen aufbauen kann, in denen sie über ihr Erleben als Mitbetroffene von Alkoholabhängigkeit sprechen und neue Verhaltensmuster erlernen kann, erfährt sie, dass erfüllende gleichwertige Beziehungen möglich sind und ihre persönlichen Eigenschaften eine Ressource darstellen, mit denen sie sich neue Freiräume schaffen kann ([S. 284](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-15)). + +## Ziele, Interventionen und Evaluation + +Frau G. formuliert eigenständig übergeordnete Ziele: Klärung der Wohnsituation, regelmässige professionelle Unterstützung und Weiterführung der neu entdeckten Freizeitbeschäftigungen. Die Erkenntnisse aus Analyse und Diagnose werden ihr nicht direkt mitgeteilt; stattdessen werden ihre autonomen Wünsche nach einem anderen Leben nach dem Klinikaustritt gestärkt ([S. 272](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-1)). +Beim fünften Gespräch kurz vor Klinikaustritt zeigt sich, dass Frau G. konkrete Schritte umgesetzt hat: psychiatrische Pflege zweimal wöchentlich, ein Psychiater am Wohnort, eine beantragte Beistandschaft und ein Brief an den Ehemann mit der Bitte, auszuziehen ([S. 285](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-9)). Die Evaluation bestätigt, dass der professionsbezogene Auftrag der Autonomieförderung umgesetzt wurde und die Klientin als Expertin ihres Lebens geschätzt wurde. +Als Folgerung für die Weiterarbeit wird empfohlen, neben personenzentrierter Arbeit auch das soziale Umfeld — Ehemann, Kinder, Freundinnen — aktiv einzubeziehen, da viele Schwierigkeiten von Frau G. mit ihrem sozialen Umfeld zusammenhängen ([S. 285](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-9)). + +## Reflexion und Erkenntnisse + +Für die Spitalsozialarbeit zeigt sich, dass der freiwillige Kontext den Beziehungsaufbau erleichtert, die kurze Beratungsdauer und mögliche Störungen durch andere Professionelle jedoch Herausforderungen darstellen; interprofessionelle Zuständigkeiten müssen klarer definiert werden ([S. 287](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-10)). Die Ressourcenaktivierung und Autonomieförderung — die «Hilfe zur Selbsthilfe» — erweist sich als besonders passend: Die Klientel erhält Werkzeuge, die auch nach dem Klinikaustritt wirksam bleiben. +Die KPG-Methodik kann mit ganz unterschiedlichen Methoden ausgeführt werden; der ausführliche analytische Teil ermöglichte ein vertieftes Fallverstehen und regte die Klientin zu selbständigem Handeln, Selbstreflexion und mutigen Schritten an ([S. 274](./section_15_autonomiefoerderung-spitalsozialarbeit.evidence.md#reference-2)). Die gemeinsame Evaluation bildet einen wichtigen Abschluss — die erarbeiteten Informationen, Ziele und Interventionen werden als Ganzes überblickt und beurteilt, woraus neue Perspektiven für die Weiterarbeit entstehen. Eine stärkere interprofessionelle Zusammenarbeit und klarere Definition der Zuständigkeiten könnten zukünftige Fallbearbeitungen zusätzlich bereichern. diff --git a/meta.json b/meta.json index e1026a3..55ef149 100644 --- a/meta.json +++ b/meta.json @@ -1,7 +1,6 @@ { "id": "2026-001", - "label": "2026-001", + "label": "2026-001 (Grobfassung 1)", "language": "de-CH", - "description": "Entwurf 3 EPG", "realData": true } \ No newline at end of file