Sichere ursprüngliche Analyse-Texte vor Kürzung

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KPG Mentor 2026-05-13 17:30:34 +00:00
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id: "2026-05-13-urspruengliche-texte-analyse-vor-der-kuerzung"
title: "Ursprüngliche Texte der Analyse vor der Kürzung"
timestamp: 2026-05-13T19:27:00.000Z
author: "KPG Mentor"
type: reflection
source: files
status: raw
tags:
- Kapitel 3.2
- Analyse
- vor Kürzung
assignments:
- stepId: 050-analysis
type: primary
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# Ursprüngliche Texte der Analyse vor der Kürzung
## Einleitung
Ausgehend von der gegenwärtigen Situation und den vorläufigen Themen wird mit zwei praxisrelevanten Analysemethoden eine vertiefte Auslegeordnung vorgenommen. Die wichtigsten Erkenntnisse werden in konstatierenden Hypothesen zusammengefasst, gewichtet und zur Fallthematik verdichtet.
Bereits in der Situationserfassung zeigten sich mehrere vorläufige Themen, die im Prozessschritt Analyse weiter vertieft werden sollten. Dazu gehören Vergessen, Orientierung im Tages- und Wochenablauf, der Umgang mit Anforderungen sowie Heimweh bzw. emotionale Belastung. Dabei erhielt dieses Thema besonderes Gewicht, da Leny bereits äusserte, dass er daran arbeiten möchte (vgl. Kapitel 3.1).
Für die vertiefte Analyse wählte ich die Perspektivenanalyse und die Drei Häuser. Mit der Perspektivenanalyse wollte ich die Sicht verschiedener Beteiligter systematisch zusammentragen. Mit den Drei Häusern wollte ich Lenys eigene Sicht noch deutlicher erfassen.
## Perspektivenanalyse
***Begründung der Methodenwahl***
In der Situationserfassung zeigte sich, dass Leny von verschiedenen Fachpersonen unterschiedlich wahrgenommen wird. Deshalb wählte ich die Perspektivenanalyse. Ich wollte die Sicht aus Wohnen, Schule, Therapie, Familie und von Leny selbst zusammentragen, um genauer zu erkennen, welche Themen sich übergreifend zeigen und was ich in dieser Arbeit weiter erhellen möchte (Hochuli Freund & Stotz, 2021, S. 194196).
***Durchführung / Datenerhebung und kooperative Bearbeitung***
Ich erstellte für die Fachpersonen einen Fragebogen und passte diesen für die Mutter und für Leny in einfacherer Sprache an. Die Fragen orientierten sich an den vier vorläufigen Themen Vergessen, Orientierung, Ausweichen sowie Heimweh bzw. emotionale Belastung. Mit der Mutter und mit Leny bearbeitete ich die Fragen in einem Bezugspersonengespräch. Den Fachpersonen stellte ich den Fragebogen zur schriftlichen Beantwortung zu. So entstand eine mehrperspektivische Auslegeordnung, in der ich die Sichtweisen aus Wohnen, Schule, Therapie, Familie und von Leny selbst zusammentragen konnte.
***Auswertung / relevante Aspekte***
Für die Auswertung ordnete ich die Rückmeldungen zuerst den vier vorläufigen Themen zu. Danach prüfte ich, wo sich die Perspektiven ähneln, wo sie sich unterscheiden und welche Muster sich über mehrere Sichtweisen hinweg zeigen.
In der Perspektivenanalyse zeigt sich, dass bei Leny weniger klassisches Heimweh als vielmehr eine emotionale Belastung im Vordergrund steht. Das zeigt sich über die Sichtweisen von Wohnen, Schule, Therapie, Familie und Leny hinweg. Die emotionale Belastung zeigt sich vor allem im Zusammenhang mit familiären Sorgen, Belastungen zuhause, Konflikten und Übergängen. In solchen Momenten wirkt Leny oft traurig, müde, angespannt, abwesend oder zieht sich zurück.
Bei den Themen Vergessen, Orientierung und Ausweichen zeigt sich kein einheitliches Bild. Die Schwierigkeiten treten je nach Situation unterschiedlich stark auf. Beim Vergessen fällt auf, dass Leny vor allem in belastenden Situationen, bei Müdigkeit oder wenn im Alltag mehrere Anforderungen zusammenkommen mehr Mühe hat. Bei der Orientierung zeigen sich Schwierigkeiten besonders bei Zeitabläufen, Übergängen und kurzfristigen Veränderungen. Das Ausweichen zeigt sich vor allem dann, wenn Themen für ihn unangenehm sind, wenn ihn etwas überfordert oder wenn Anforderungen an ihn gestellt werden. Wenn ihm etwas wichtig ist, wenn ihn etwas interessiert oder wenn eine Situation vertraut und überschaubar ist, wirkt Leny oft orientierter und präsenter.
Übergreifend zeigt sich damit, dass Lenys Verhalten stark situationsabhängig ist. Belastung, Anforderungen und Übergänge haben in mehreren Themen Gewicht. Wenn Leny weniger belastet ist und ihn Sorgen weniger beschäftigen, zeigen sich Vergessen, Orientierung und Ausweichen oft weniger stark.
Die vollständige Übersicht der Perspektivenanalyse befindet sich im Anhang (vgl. Anhang X).
## Konstatierende Hypothesen
1. Bei Leny zeigt sich über mehrere Perspektiven hinweg häufiger emotionale Belastung als klassisches Heimweh.
2. Diese emotionale Belastung wird besonders im Zusammenhang mit Sorgen um zuhause, Konflikten, Übergängen sowie am Abend, nach Wochenenden und nach Ferien sichtbar.
3. Vergessen, Orientierung, Ausweichen und emotionale Belastung zeigen sich bei Leny nicht durchgehend gleich, sondern je nach Situation unterschiedlich stark.
4. In belastenden, unangenehmen oder überfordernden Situationen sowie bei Müdigkeit zeigt Leny eher Ausweichen, Vergessen oder Schwierigkeiten mit der Orientierung.
5. Mehrere Fachpersonen bringen Lenys emotionale Belastung mit Sorgen um zuhause, insbesondere mit der Sorge um seine Mutter, in Zusammenhang.
6. Wenn etwas für Leny vertraut, klar oder wichtig ist, wirkt er präsenter, orientierter und zeigt weniger Ausweichen.
## Drei Häuser
***Begründung der Methodenwahl***
Als zweite Analysemethode wählte ich die Drei Häuser. Mir war wichtig, Lenys eigene Sicht noch deutlicher zu erfassen. Die Methode ist kindgerecht, konkret und half mir, mit ihm über gute Dinge, Sorgen sowie Wünsche und Träume ins Gespräch zu kommen. So erhielt ich eine ergänzende Sicht auf Themen, die in der Perspektivenanalyse bereits sichtbar wurden (Hochuli Freund & Stotz, 2021, S. 205).
***Durchführung / Datenerhebung und kooperative Bearbeitung***
Ich erarbeitete die Drei Häuser mit Leny in einem Bezugspersonengespräch. Dabei hielt ich mit ihm fest, was für ihn zu den guten Dingen, zu den Sorgen sowie zu den Wünschen und Träumen gehört. Leny liess sich gut auf die Methode ein, hatte Freude an den Bildern auf dem Formular und arbeitete sehr gut mit, obwohl er müde war. So entstand eine kindgerechte Datengrundlage, in der Lenys eigene Sicht direkt sichtbar wurde.
***Auswertung / relevante Aspekte***
Für die Auswertung prüfte ich, welche Themen sich in den drei Häusern bündeln und was sie über Lenys Sorgen, Ressourcen und Wünsche sichtbar machen.
Bei den Drei Häusern wird nochmals deutlich, wie stark Leny mit familiären Sorgen und Belastungen zuhause beschäftigt ist. Es werden aber auch Ressourcen sichtbar, vor allem Beziehungen, vertraute Dinge und konkrete Tätigkeiten, die ihm guttun. In seinen Wünschen und Träumen wird vor allem sein Bedürfnis nach Ruhe, Schutz und Entlastung sichtbar. Insgesamt verdichten sich hier besonders die Themen Familie, Belastung zuhause sowie der Wunsch nach mehr Ruhe und Schutz.
Die ausgefüllte Methode „Drei Häuser“ befindet sich im Anhang (vgl. Anhang Y).
## Konstatierende Hypothesen
1. Leny beschäftigen vor allem Sorgen um zuhause, um seine Mutter und um seine Geschwister.
2. Für Leny sind Beziehungen, vertraute Dinge und konkrete Tätigkeiten wichtige Ressourcen.
3. Leny wünscht sich im Familiensystem mehr Ruhe und Entlastung.
## Fallthematik
**Fallthematik**
Aus den konstatierenden Hypothesen und den Auswertungen formuliere ich folgende Fallthematik:
Heimweh zeigt sich bei Leny weniger als klassisches Vermissen, sondern stärker als emotionale Belastung im Zusammenhang mit familiären Sorgen, Konflikten, Übergängen und fehlendem Schutz. Im Vordergrund stehen dabei seine Sorgen um zuhause, insbesondere um seine Mutter und seine Geschwister. Zudem zeigen sich Ausweichen, Vergessen und Schwierigkeiten mit der Orientierung in belastenden, unangenehmen oder überfordernden Situationen stärker. Hingegen wirkt Leny in vertrauten, klaren und für ihn wichtigen Situationen orientierter und aufmerksamer.
## Kooperative Prozesse
*In der Zeit, in der die Perspektivenanalyse und die Drei Häuser erarbeitet wurden, fand im Praxisbetrieb auch ein Gespräch nach dem lösungsorientierten Ansatz statt, das im Praxisbetrieb Oasengespräch genannt wird. Dort bringt das Kind das Thema selbst ein und erarbeitet im Prozess eigene Schritte. Leny brachte dabei das Thema Heimweh ein (vgl. Kapitel 3.1, Gegenwärtige Situation). In diesem Gespräch konkretisierte sich das Heimweh. In einem Aspekt beschreibt Leny dabei sein Bedürfnis nach Ruhe und Erholung sowie die Überforderung mit seinem Zimmerkollegen.*
*Im Fachaustausch mit der Psychologin und in der organisatorischen Sitzung verdichtete sich die Einschätzung, dass die aktuelle Zimmerkonstellation für Leny eher überfordernd ist und ein Zimmerwechsel entlastend wirken könnte. In der inzwischen durchgeführten Supervision bearbeiteten wir die unterschiedlichen fachlichen Sichtweisen zur Zimmersituation und klärten das weitere Vorgehen.*
*_(Im weiteren Verlauf ergab sich aufgrund einer Krankheitssituation die Möglichkeit, den Zimmerwechsel zu erproben. Da sich die neue Situation für beide Jungen bewährte, wurde sie anschliessend beibehalten. Dieser Hinweis kann aufgenommen werden, falls er für das Verständnis des Analyseprozesses hilfreich ist.)_*
***Validierung***
Die Validierung der Analyse mit dem Team plante ich ursprünglich im Rahmen einer Teamsitzung. Da der Betriebsalltag in dieser Zeit von vielen aktuellen Vorkommnissen geprägt war, führte ich die Validierung in schriftlicher Form durch. Ich legte acht Teammitgliedern aus den Bereichen Schule, Therapie, Sozialpädagogik und Küche die vollständige Analyse, die konstatierenden Hypothesen sowie die vorformulierte Fallthematik vor und bat sie um Fragen, Hinweise oder weitere Hypothesen. Ich erhielt alle Rückmeldungen mit Bemerkungen zurück. Die Auswertung stiess auf breite Zustimmung und wurde als interessant sowie aussagekräftig eingeschätzt.
Für das Validierungsgespräch mit Leny bereitete ich mich gezielt vor und erstellte Bilder mit Symbolkraft, um ihm die verdichteten Analyseerkenntnisse möglichst verständlich und präzise zu vermitteln. Anhand dieser Bilder spiegelte ich ihm die wesentlichen Inhalte zurück. Er war mit den Rückmeldungen grundsätzlich einverstanden, betonte aber, dass er nicht nur in belastenden Situationen Dinge vergesse. Ich präzisierte deshalb, dass das Vergessen auch sonst vorkommt, sich bei Belastung, Müdigkeit oder vielen Anforderungen jedoch stärker zeigt. Dem konnte Leny zustimmen.